Im Kriege.
Gott meint es gut mit unserem deutschen Volke. Wir können den Feinden unseres Vaterlandes-die Worte, die einst Joseph seinen Brüdern zurief, sagen: „Ihr zwar, ihr hattet Böses wider mich im Sinne; Gott aber halte im Sinne, es gutzumachen, auf daß Er täte, wie es an diesem Tage ist, um ein großes Volk am Leben zu erhalten." (1 Mose 50, 20.)
Die Engländer mit ihren Indern, Kanadiern und Australiern, die Franzosen mit ihren Turkos und Senegalesen, die Belgier, die Russen mit ihren Kosaken und Sibiriern, die Japaner, alle müssen dazu dienen, unser Volk darüber zu unterweisen, wo Sieg und Hilfe zu finden ist. Unsere Feinde rechnen daraus, den deutschen Widerstand niederzuringen. Sie haben sich, wie wir fest zu Gott vertrauen, verrechnet. Sie haben keinen Begriff davon, was das bedeutet, wenn ein Volk von nahezu siebzig Millionen einig ist in dem Entschluß: Siegen oder sterben! Jedermann erkennt den ganzen gewaltigen Ernst dieses Kampfes.' Unter den Völkern der Erde wird sich keine Hand für uns erheben, und die Zeit ist gekommen, in welcher Deutschlands Volk lernen iott: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von ivoher in eine Hilfe kommen wird. Meine Hilfe kommt von Jehovah, der Himmel und Erde gemacht hat." (jßf- ->21, 1 2.) Die Frage ist nun, wie viele Menschen in Deutschland wirklich diese Lektion lernen Was das Äußere des Krieges betrifft, die Größe der Gefahr, die Übermacht der Feinde, so sehen wir klar. Niemand wiegt sich in trügerische Träume, man blickt nüchtern und mit festem Vertrauen in den noch vor uns liegenden letzten Entscheidungs- kampf. Aber sind die einzelnen Menschen wohl zu dem Bewußtsein erwacht, daß der allmächtige, heilige Gott zu unserem ganzen Volke und zu jedem einzelnen von unserer Schuld redet? Ja, Er redet von viel Undank, Sündendienst, Gewissensverhartung, Gotteslengnung; Er redet von dem moralischen Zu- stand und von dem Lebensverhältuis Gott gegenüber, m welchem sich unser Volk befand und zum großen Teil noch befindet, nachdem wir 44 Jahre friedlichen Gedeihens, wachsenden Wohlstandes erlebt haben!
Gott hatte sich bei Kriegsbeginn ausgemacht rn großer Gnade; Er führte in einer Reihe glän- zender Siege ,m August und Anfang September 1ck14 die deutschen Heere durch Belgien und Nord- srankreich. Er schenkte in dem großen Siege von Tannenberg einen wunderbaren Triumph.
Was geschah nun in der Heimat, wo man den Donner der Kanonen nicht hört? Das Bewußtsein des Ernstes der Lage verblaßte bei der Menge In den Städten kehrten Wirtshausleben, Vergnügen, Zerstreuung, ja selbst der offenbare Dienst der Sünde zurück zu ihrer alten Strömung. Auf dem Lande gewann die Alltäglichkeit und Oberflächlichkeit die
Oberhand. Man wurde gewähr, daß die Menge ) unseres Volkes unter reich und arm in seinen Ge- I danken, Neigungen, Gewohnheiten geblieben war wie zuvor.
Gott hat Seine allmächtige Hand erhoben, um ! unser Volk zu retten und zu segnen. Es ist aber die Frage an jeden einzelnen: Hast du verstanden, daß Gott nicht äußere Ehrfurchtsbezeugung, sondern Herzensbeugung und den Entschluß zur Umkehr vom alten Wege von dir erwartet und fordert? Unser ganzes Volk muß es fassen — und zu unserem Volke gehören alle, die Vornehmen und Geringen, j Mann und Weib, reich und arm —, daß Buße , in göttlichem Sinne eine Umkehr des Herzens und des Willens ist von Welt- und Sündendienst weg zu Gott hin, zum Kreuze stin, derart, daß jeder einzelne in die Gegenwart des HErrn tritt mit dem Bekenntnis: Ich bin ein tief Verschuldeter, ich suche Gnade, ich rufe Dich an, HErr Jesu, damit Du Herrscher werdest auf allen Gebieten des Lebens. Dein heiliger Witte, Dein untrügliches Wort soll herrschen und gebieten in Familie und Geschäft über Tun und Lassen, über Worte und Entschlüsse. Nimm mich an, laß mich Gnade finden! V. f
Was denkt Gott von miri
Was denkt Gott von mir? Wahrlich, eine ernste Frage, wie es keine wichtigere gibt! Denn die Gedanken Gottes über uns sind maßgebend für alle Ewigkeit; von ihnen hängt Leben oder Tod, Seligkeit oder Verdammnis ab. Hast du, mein Leser, diese bedeutungsvolle Frage schon einmal ernstlich I an dich gerichtet, und hat sie dich zu einer göttlichen Reue geführt, die niemand gereut? Doch du fragst ' vielleicht: „Warum das? Ich bin ganz zufrieden I mit mir und meinem Gott!" Ja, aber ist Gott i auch zufrieden mit dir? Ist es nicht viel wichtiger, zu fragen und zu wissen: „Was denkt Gott von mir?" Was sind deine Gedanken wert, wenn sie dich täuschen?
Tausende und aber Tausende von sogenannten Christen haben sich allerdings noch nie gefragt und wagen auch nicht sich zu fragen: Was denkt Gotr j von mir? Sie sind ganz zufrieden mit sich. Das Böse in ihnen und ihrem Leben, ihr verderbter Zustand, hat sie nie zum Nachdenken und in Unruhe gebracht, hat sie nie bestürzt und gebeugt und zu Gott getrieben. Wenn die Umgebung nur mit ihrem Tun und Lassen zufrieden ist, wenn ihr nur das Böse, das in jedem Menschen wohnt und wirkt, möglichst verdeckt bleibt, so denken sie: Was sollte Gokt da zürnen? Sollte Er es genauer nehmen? Ach, der Mensch will sich nicht vor Gottes Gerechtigkeit beugen; er gefällt sich im äußeren Schein! Von der Mitwelt gecbrt und von der Nachwelt ge-


