Beinahe!
Es gibt viele Dinge im Leben, von denen man, wenn sie beinahe gemacht sind, sagen kann: Sie sind überhaupt nicht gemacht. Ein Reisender kommt zum Bahnhof beinahe zur rechten Zeit, d. h. gerade so früh oder spät, daß er den Zug verfehlt. Ein junger Mann hat beinahe sein Examen bestanden, d. h. er ist kläglich hereingefallen und hat es nicht bestanden. Frage das Publikum, das aus einem Konzert kommt, was es denkt von dem Künstler, der beinahe richtig gesungen hat, es antwortet dir ohne Zögern: Er singt schrecklich falsch I Ein General, der beinahe eine Schlacht gewonnen, hat sie verloren; ein Spieler, der beinahe eine Partie gewonnen, hat sie verspielt.
Beinahe — das ist das Geständnis einer Niederlage, immer noch mit der Hoffnung vermischt, einmal und endlich doch zum Siege zu gelangen. Handelt es sich um gewöhnliche Dinge im Leben, so kann man das Übel wieder gutmachen. Der zu spät gekommene Reisende kann den nächsten Zug benutzen, eine falsche Stimme kann rein und richtig werden, der General und der unglückliche Spieler können auf Revanche hoffen. Aber es gibt Umstände und Gelegenheiten, wo das Beinahe nicht wieder gutzumachen ist. In den Fragen des Lebens und des Todes gibt es kein Beinahe, es gibt nur zwei Klassen, solche, die leben, und solche, die tot sind. Ein Schiff mit vielen Passagieren an Bord hatte die lange Seereise mit ihren mancherlei Gefahren glücklich überstanden. Ehe die Sonne unterging, sahen sie das langersehnte Land, und mit der frohen Hoffnung: Morgen laufen wir in den Hafen ein und begrüßen unsere Freunde und Verwandten, legten sich die Passagiere zur Ruhe. In der Nacht aber brach ein Sturm los, und an den. Klippen, nahe am Eingang des Hafens, scheiterte das Schiff, und Mannschaft und Passagiere fanden in den wilden Wogen ihr Grab. Beinahe im Hafen — und doch keiner gerettet, keiner gelandet.
Am 5. Dezember 1870 verließen elf Personen den bekannten Schweizerort Chamounix, um den Mont- blanc zu besteigen. Auf ihrem Abstieg wurden sie von Schneestürmen übereilt und so von Schneewirbeln eingehüllt, daß sie den Weg verloren. Auf dem Eise umherirrend, von Frost durchschauert, vor sich und um sich lauter Risse und Spalten, suchten sie vergeblich den Weg wiederzufinden. Da kam die Nacht heran. Von Hunger , und Kälte übermanut, flüchteten sie in eine Höhle von Schnee und kamen einer nach dem anderen darin um. Einige Tage später fand man ihre Leichen und sah dabei, daß, wenn sie nur fünf Schritte weitergegangen wären, sie den Weg gefunden hätten. Der Rettung so nahe sein und es nicht wissen, so nahe dem Leben und doch dem Tode preisgegeben I Es fehlte ihnen beinahe nichts — nur fünf Schritte — um wieder auf den rechten Weg zu gelangen, und doch war dieses Beinahe nichts für sie alle!
Vielleicht, lieber Leser, fehlt auch dir beinahe nichts, um gerettet zu werden, beinahe nichts, um ein Kind Gottes zu sein. Aber dieses „beinahe nichts" ist der Abstand, der dich von deiner Rettung und deinem Heile trennt, es ist der große Unterschied zwischen dem Wunsche, gerettet zu sein, und der Tat- sache, daß man es ist, zwischen den guten Neigungen und der Annahme des Heils; es -sind die fünf Schritte, die für immer jene elf Opfer vom rettenden Wege getrennt haben; es ist der große Übergang, den wir überschreiten müssen, um zum Ziele zu ge- langen, um das Leben zu haben. Und diesen Übergang nennt der HErr eine neue Geburt; das ist die einzige Art und Weise, der einzige Weg, um ins Reich Gottes zu gelangen. „Es sei denn, daß je- mand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen!" (Joh. 3, 3.) Solange du nicht wiedergeboren bist, bist du vielleicht ganz nahe deiner Rettung, beinahe gerettet, aber doch noch verloren! Was du brauchst, sind nicht gute Vorsätze, nicht Anstrengungen, sondern es ist ein neues Leben, einen Heiland. Das Heil und die Rettung kommt nicht von dir, sondern von Gott, dem HErrn; Er allein gibt sie dir, will und kann sie dir geben durch Jesum Christum. Ich wünsche dir, was Paulus dem König Agrippa wünschte, der auch ein Beinahe Christ war. Lies Apg. 26, 27— 29 und denke dem nach!
&
Beinahe öekcsirt.
Beinali bekehret, es fehlt nicht viel!
Beinah bekehret, nahe an, Ziel!
So heißt's in manchem Fall:
„Geh hin für dieses Mal.
Später treff' ich die Wahl,
Heute noch nicht!"
Beinah bekehret, jetzt ist es Zeit!
Beinah bekehret, Komm doch noch heut'I
Jesus wirbt um dein Herz,
Engel berührt dein Schmerz,
Seufzer gehn himmelwärts,
Seele, o komm!
Beinah bekehret, schnell naht der Tod!
Beinah bekehret, jetzt, welche Not!
Beinah, o schlimmer Wahn!
Beinah reicht nicht hinan,
Nun geht der Jammer an:
Ewig zu spät!
Aus dem Englischen von E. Gebhardt.
&
Ihr seid nun öekehrt.
(1 Petri 2, 25.)
Das Wort „nun" ist in der Schrift oft voll großer Bedeutung.
„Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren HErrn Jesum Christ." (Röm. 5, 1 )


