Ausgabe 
19.8.1917
Seite
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die Straße zu setzen, wenn ich dich wieder ins Haus aufnähmc. Als du das letztemal betrunken heim­kehrtest, hast du es zu schlimm getrieben."

Ich weiß es, Mutter," erwiderte der junge Mann,und ich bereue es. Aber sieh, ich bin jetzt so hungrig und kalt; ich weiß nicht wohin und komme um in der Kälte! Habe Mitleid mit mir! Ich besitze noch eine Mark, die will ich dir geben, wenn du mir nur ein Plätzchen neben dem Herde einräumen willst. Mehr verlange ich nicht."

Nein," antwortete die Mutter bestimmt,ich darf nicht. Gehe hin, woher du gekommen bist, und laß mich in Ruhe!"

Langsamen, schleppenden Schrittes schlich der unglückliche Jüngling davon. Die Mutter schaute ihm durch die Türritze nach. Beinahe hätte die mütterliche Liebe den Sieg davongetragen. Aber sie durfte ihn ja nicht einlassen, der Hausherr hatte es ja verboten. Arme Mutter, armer Sohn! Am nächsten Morgen fand man seinen entseelten Körper kalt und steif neben einem noch rauchenden Ziegel­eien liegen, wo er Wärme und Schutz gesucht hatte; die ausströmenden Gase hatten ihn ohne Zweifel getötet.

Könnte auch ein Weib ihres Säuglings ver­gessen, daß sie sich nicht erbarmte über den Sohn ihres Leibes?" (Jes. 49, 1b.) Ja, selbst diese

vergessen, selbst die Mutterliebe besteht nicht alle Proben. Aber Einer ist, der nie vergißt, dessen

Liebe ohne Schranken und unergründlich ist. Einer,

der dem Bittenden willig gibt und nichts vor- wirft. (Jak. 1, 5.) Kennst du diesen Einen, mein Leser? Es ist der lebendige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde. Es ist der Gott der Liebe, der Seinen eingeborenen Sohn in diese Welt gesandt hat, um für den sündigen, verlorenen Menschen in den Tod zu gehen.

Auch du irrst, wenn auch nicht in dem Sinne wie jener Jüngling, heimatlos umher und mußt

»mkommen und verderben, wenn du nicht Hilfe und Rettung suchst, solange es noch Zeit ist. Vielleicht bist du weit von dem himmlischen Vaterhause ab- geirrt und hast, wie der verlorene Sohn,im fernen Lande", in einer Welt der Sünde, Kraft und Ge- jundheit vergeudet, deinen guten Namen und ein gutes Gewissen eingebüßt. Vielleicht hat sich auch schon lange der Wunsch in dir geregt, deine bis­herigen Wege zu verlassen; aber du wagst nicht, dem heiligen Gott zu nahen mit deiner schweren Sündenlast.

Ist es so, mein Freund? O, dann laß dir sagen, daß deiner ein ganz anderer Empfang wartet, als der jenes bedauernswerten Jünglings seitens seiner Mutter. Wenn du nur umkehrst, so wirst du die Tür des Vaterhauses weit geöffnet finden. Gott ist überaus langmütig; Seine Freude ist es, zu ver- geben und das arme ruhe- und friedelose Menschen­herz mit überströmender Freude zu erfüllen. Er gab Seinen eingeborenen Sohn in Tod und Gericht,

um dich zu erretten. Selbst im gegenwärtigen Augen- blick schaut Er nach dir aus und harrt deiner. So- bald du den ersten Schritt heimwärts tust, wirst du Ihn schon auf dem Wege dir entgegen finden. Der Kuß der vergebenden Liebe, das beste Kleid, alles wartet deiner. O kehre um, tue es heute noch!

Sucht Jehovah, während Er Sich finden läßt; ruft Ihn an, während Er nahe ist! Der Gesetzlose verlasse seinen Weg, und der Mann des Frevels seine Gedanken; und er kehre um zu Jehovah, so wird Er Sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn Er ist reich an Ver- gebung." (Jes. 55, 6. 7.)

Ier Schächer und sein Keiland.

Der Schächer, der Christi letzter Ge» führte auf Erden war, war ein ins Elend geratener Sünder. Seine Sünden hatten ihn gefunden, und er duldete nun, was seine Taten wert waren. Ich komme beständig mit Leuten zusammen, die sich in ähnlicher Lage befinden. Sie haben ein leichtsinniges, wüstes Leben geführt und tragen nun am eigenen Leibe die Spuren des göttlichen Zorn­gerichts; sie haben bereits die Hölle auf Erden, einen Vorgeschmack der ewigen Verdammnis. Die Gewissensbisse verfolgen sie wie giftige Schlangen, so daß sie Tag und Nacht keine Ruhe finden. Deine Sünde wird dich sicherlich finden," heißt es nicht umsonst. Sie hat jene Leute ge­funden, so daß sie sich des Bewußtseins der begangenen Schuld nicht mehr erwehren können. Das war die Lage, in der sich der Schächer befand. Vor Menschen- äugen war alles für ihn verloren. Er konnte nicht mehr lauge leben. Die Kreuzigung mußte zum Tode führen; in wenigen Stunden wurden ihm die Beine gebrochen, um seinem elenden Dasein ein Ende zu machen. Der Ärmste hatte nur noch ganz kurz zu leben. Nur noch von Mittag bis Sonnen­untergang, aber doch lange genug für seinen mächtigen Erlöser. Gar manche fürchten, daß es die Leute ver- anlaßt, ihre Bekehrung Hinauszuschieben, wenn wir das sagen. Es ist nicht meine Schuld, wenn die Gottlosen die Wahrheit verkehren, ich muß sie trotz­dem verkündigen. Mußt du binnen einer Stunde sterben und du glaubst an den HErrn Jesum, so hist du gerettet. Solltest du auch nie mehr heim­kommen, sondern tot auf der Straße niedersinken, du glaubst aber in diesem Augenblick an den Heiland, so bist du gerettet, auf der Stelle gerettet. Blickst du zu Ihm auf und vertraust du dich Ihm an, so gibt Er dir ein neues Herz und einen neuen Geist und tilgt alle deine Sünden. Das ist das Herrliche an der Gnade Christi. Wollte Gott, ich fände Worte, sie genug­sam zu rühmen! Er verbrachte Seine letzte