Ausgabe 
19.8.1917
Seite
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Dein Hang zur Welt, dein Jagen nach ihrer Ehre oder nach Hab und Gut beweist, daß du an Gott und Seine gerechten Ansprüche an dich wenig oder gar nicht denkst. Die Sorgen, welche dein Herz oft erfüllen, bestätigen, daß du nicht auf Gott ver­traust. Die Gnade, welche dir in Christo Jesu umsonst angeboten wird, verschmähst du. Die Ehre bei den Menschen gilt dir mehr als die Ehre bei Gott. Die Begehrlichkeit deines Herzens verkündigt b« laut, daß deine Gedanken nicht in Überein- stimmung mit den Gedanken Gottes sind.

Willst du nicht einmal ernstlich darüber Nach­denken, wie du dem gerechten Zorne Gottes entfliehen kannst? Wenn du aufrichtig zu fragen beginnst:Was muß ich tun, daß ich selig werde?" dann kann dir erwidert werden: Glaube an den HErrn Jesum Christum, so wirst du errettet werden! Siehe, dort «n Kreuze auf Golgatha ist der Sohn Gottes gestorben und hat für deine Sünden und Ver­gehungen Sein Blut und Sein Leben als Lösegeld dargegeben I"

Heute ruft dich die Gnadenstimme Gottes. Darum öffne dein Ohr und dein Herz, damit du als Begnadigter noch den heutigen Tag beschließen möchtest! O. D.

Wist du auf rechter Straße?

Es war Mitternacht; ein alter Mann mit schneeweißem Haar stand am Fenster und schaute bald auf zum mitternächtlichen Sternenhimmel und bald herab auf die stille, weiße Erde, auf der jetzt niemand so freudenleer war, als er. Denn sein Grab war nicht mehr fern, und er brachte aus dem ganzen Leben nichts mit, als Jrrtümer, Sünden und Krankheiten, einen verheerten Körper, eine ver­ödete Seele und ein Alter voll Reue. Seine schönen Jugendtage traten als Gespenster vor ihn und er­innerten ihn wieder an den goldenen Morgen seines Lebens, wo er auf dem Scheideweg stand, der rechts zu einem gottseligen, friedevollen Leben führte, und welcher links in die Maulwurfsgänge des Lasters hinabzieht.

Mit unaussprechlichem Gram rief er jetzt zum Himmel hinauf:Gib mir die Jugend wieder! O Bott, stelle mich wieder auf den Scheideweg, damit ich anders wähle."

Aber da war keine Stimme noch Antwort, und seine Jugend war längst dahin. Er sah Irrlichter auf Sümpfen tanzen und auf dem Friedhof er- löschen.Es sind meine törichten Tage," rief er. Er sah einen Stern vom Himmel fallen und im Fall zerrinnen. Das bin ich, sagte sein blutendes Herz, und die Schlangenzähne der Reue gruben darin die Wunden immer tiefer. Plötzlich ertönte Musik an sein Ohr. Es waren liebliche Weisen,

die gespielt wurden. Er wurde sanft bewegt. Er dachte an so manche Jugendfreunde, die nun gesegnete, glückliche Menschen waren, und er rief:O, auch ich könnte so glücklich sein wie ihr, wenn ich ge- wollt hätte, wenn ich der inneren Stimme wie den Ermahnungen meiner Eltern und Lehrer gehorcht hätte!"

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Er verhüllte das Gesicht mit beiden Händen; heiße Tränen der bittern Reue liefen über seine bleichen, eingefallenen Wangen; seufzend kam's über seine Lippen:Komm wieder, Jugend, komm wieder, komm wieder!"

Wer möchte also klagend am Abend seines Lebens stehen? Gewiß niemand! Doch ist jener Mann nicht der einzige mit seiner Klage. Viele sind ihm gefolgt, mit ihm auf demselben Wege an denselben Orten gewesen und haben dieselben Er­fahrungen gemacht. Ich erinnere mich noch eines jungen Mannes, der trostlos auf dem Sterbebett lag. Als ich ihn bat, doch in der letzten Stunde seine Zuflucht zu Jesu, dem Süderheiland, zu nehmen, und ihm mahnende, aufmunternde Bibelworte sagte, da weinte er sehr. Nach geraumer Zeit sagte er zitternd und mit gebrochener Stimme:Was Sie mir sagen, habe ich von Jugend auf gewußt, aber ich wollte nicht folgen, und nun bin ich so schrecklich i, unglücklich."

Stehe still, lieber Leser, und lege dir die Frage vor:Wohin führt mich mein Weg?" Du bist es deiner unsterblichen Seele schuldig. Zwei Wege gibt es nur für uns Menschen zu gehen; der eine ist breit, der andere schmal; der eine führt von Gott ab, der andere zu Gott hin; der eine bringt ewigen Tod, der andere ewiges Leben; auf dem einen wirst du schrecklich unglücklich, auf dem anderen ewig selig; am Schluffe des einen wirst du jubeln, am Schlüsse des anderen wirst du ganz jammervoll rufen:Komm wieder, schöne Jugend; verflossene Gnadenzeit, komm wieder, komm wieder!" Doch sie kommen dann nie wieder. Leser, auf einem der beiden Wege wandelst du! Sag an, auf welchem? W. S.

Keimattos.

Es war ein nasser, kalter Abend. Ein schnei­dender Nordwest wehte durch die Straßen und trieb die wenigen Wanderer eiligst dem heimatlichen Herde zu. Es war nicht mehr weit von Mitternacht, da schleppte sich noch eine wankende Gestalt mühsam einem kleinen Hause zu, das am Rande des Dorste stand. Zaghaft klopfte der Finger an die Haustür, und als sich drinnen etwas regte, flehte eine schwach«, zitternde Stimme:Mutter, liebe Mutter, laß mich ein!"

Ich darf nicht," hieß es von innen.Du weißt, daß der Hausherr mir gedroht hat, mich auf