„Wen da dürstet, der komme; und wer da will,- nehme das Wasser des Lebens um- sonst." „Und wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht Hinausstoßen." (SDffb. 22, 17; Joh- 6, 37.) Der HErr und Heiland gab denn auch diesen aufrichtigen, jetzt wahrhaft heilsver- langenden Männern, was sie begehrten: „Frieden mir Gott und ewiges Leben." (Röm. 5, 1; l Joh. 5, 13.)
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Sonntag auf Sonntag stand zum Erstaunen der Gemeinde mehrere Wochen lang ein fremder Pfarrer auf ihrer Kanzel. Endlich nahm der Orts- pfarrer seinen gewohnten Platz wieder ein. Aber wie ganz anders war heute seine Predigt. Er predigte wie einer, der Gewalt hat von Gott, „und nicht wie die Schriftgelehrten". Seine einfachen Worte zeugten von Leben und waren voll Salbung und Kraft des Heiligen Geistes. Man konnte erkennen, daß er bei Jesu gewesen war. Von Ihm, den er jetzt persönlich als seinen Heiland und Erlöser kannte und besaß, konnte er nunmehr aus Erfahrung reden und mit dem Zeugnis des Heiligen Geistes in seinem Herzen. Wie ganz anders war es früher gewesen!
Und als nun der Pfarrer am Schluffe der Predigt noch in tiefer Demut bekannte, was Gott an seiner Seele getan, wie Er ihn vom Tode zum Leben geführt habe, und als er dann niederkuiete und den HErrn lobpries und Ihn anrief um Segen,
, da beugten auch starke Männer ihre Häupter, und stolze, harte Herzen zitterten, und viele wandten sich zum HErrn. Es war ein Tag des Segens, der nicht wieder vergessen werden wird.
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Geliebter Leser, auch an dich ergeht jetzt die ganz bestimmte Frage: „Bist du wirdergeboren?"
Hat das Verlangen nach Vergebung aller deiner Sünden, nach Frieden mit Gott und nach Gewißheit der ewigen Seligkeit je dein Herz ernstlich beschäftigt und mit Besorgnis »füllt? Wenn nicht, so bist du noch gleichgültig und „tot in Übertretungen und Sünden". Möchtest > du heute erwachen und im Gefühl deiner Schuld und Sündhaftigkeit zu Jesu Christo deine Zuflucht nehmen! Er nimmt dich an. Und gründest du dann heilsverlangend von ganzem Herzen dein Vertrauen auf Jesu Blut, welches für Sünder floß, so gilt auch dir Sein Wort: „Deine Sünden sind vergeben; dein Glaube hat dich errettet; gehe hin in Frieden!" (Luk. 7,47—50.) Und: „Wer an Mich glaubt, hat ewiges Leben." (Joh. 6, 47.) Du bist dann wieder- gcboren.
Die Wiedergeborenen „haben Frieden mit Gott". (Röm. 5, 1.) Sie „wissen", daß sie „das
ewige Leben haben" (1 Joh. 5, 13); und sie haben das Zeugnis in sich selbst, daß sie „Gottes Kinder und Erben" sind. (Röm. 8, 14—17.) „Darum leben sie auch dem HErrn, der für sie gestorben ist." (2 Kor. 5, 15.) Sage denn, geliebter Leser, bist du wiedergeboren?
K
Aas Steröeöett eines jungen Arztes.
In Zürich war's, da lebte vor vielen Jahren ein junger Arzt. Er wurde in einer gläubigen Familie erzogen und besuchte das Gymnasium; hier verlor er allmählich allen Glauben. Er war selten begabt und hatte einen eisernen Fleiß; er war wohl der tüchtigste und beliebteste Student. Stolz auf seine schonen Erfolge, hielt er das Evangelium als etwas Geringes, und als er Arzt wurde, hatte er keine Fühlung mehr mit den christlichen Kreisen. Eines Tages zog er sich eine Erkältung zu; wiewohl er hustete, beachtete, er es nicht, denn er war ein rüstiger, kerngesunder Mann. Die Krankheit nahm zu, rnd er mußte bald das Bett hüten.
Ein Professor, der den jungen Arzt -chätzte, nahm ihn in sein Haus. Die Wissenschaft tat ihr möglichstes, doch konnte sie den Fortschritt der Krankheit richt hindern. Als der junge Arzt den Ernst seines Zustandes erkannte, dachte r an die Ewigkeit. Eines Tages, als der Professor and seine Gemahlin reben feinem Bette saßen, sagte der Patient: „Mich schaudertl"
Die Frau Professor bemerkte: „Sie friert, Herr Doktor; ich will Ihnen "ine Tasse Tee bringen."
Mein, Madame, mich friert nicht, mich schaudertl"
„Sie friert doch," sagte teilnehmend die Frau Professor; „ich hole eine Wärmflasche."
Wieder aber versicherte der Leidende, daß ihm .nicht kalt sei, und er rief zum Schrecken der Umstehenden: „Mich schaudertl"
,Ach, lieber Herr Doktor, wovor schaudert Sie denn?" war die Frage der liebevollen Pflegerin.
„Vor meiner Schuld, vor dem Tode und was nach dem Tode kommt," lautete die Antwort des jungen Mannes, der an das Gericht Gottes dachte.
Die edle Frau Professor kannte den Herrn Jesum nur dem Namen nach, war daher in großer Verlegenheit, wie sie dem Kranken Trost anbieten sollte. Der HErr und Heiland erbarmte Sich jedoch ihrer aller. Sie dachte an das Neue Testament, holte es und las etwas aus demselben. Der Kranke war dankbar und sagte immer wieder: „Bitte mehr lesen I" Das, was er in seiner Jugend gehört und geglaubt hatte, wurde dabei wieder wach in ihm; gern hörte er von der Leidensgeschichte Jesu. Jetzt sah er im Glauben Jesum Christum, den Gekreuzigten


