Ausgabe 
27.5.1917
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Aufwärts!

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; Gemeinscbaftsblatt für Hessen. %

Erscheint wöchentlich einmal.

Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich.

Verlag üer Sucbbsnaiung a«r?NgermIrrioa Siehe».

Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel und der Prediger der Pilgermission. Druck von I. G. Oncken Nachfolger, G. m. b. H-, Cassel.

Nr. 21.

Im Wüstenland des Krieges.

Hinter dem von Kanonen durchlöcherten Albert ist nichts mehr stehen geblieben, keine Mauer, keine Hecke, kein Strauch, kein Büschel Gras. An allen Fronten wirkt der Krieg verheerend, hier aber ist es die Weite der Berheerung, die sich auf die Seele legt. Da reist man fünfzehn Kilometer in einer Gegend, die nicht von dieser Welt ist, in einem ! grauen Chaos einer Wildnis von Schlamm, Baum­strünken, Wurzeln und Gestrüpp, die eingeäschert und schwarz verkohlt von Wäldern erzählen, die hier ein­mal gestanden haben müssen, jetzt aber nur noch Wracks sind, die aus einem Ozean von Trostlosigkeit herausragen. Stellenweise ist der Boden, der nur noch aus Kratern und Seen besteht, von Ziegel­stücken zugedeckt, und diese Flecken führen dann immer einen Namen, sind die Orieutierungsbojcn, die. über diese einförmige Fläche unfruchtbarer Erde verstreut sind. Sie mögen nun Coutalmaison, la Boisellc, Pozidres, Courcelette, le Sare heißen, ein Name und ein Fleck ist alles, was von diesen eroberten Dörfern übriggeblieben ist. Wo der Kamps be­sonders heftig tobte, geschieht es auch wohl, daß man über Dörfer schreitet, ohne es zu wissen. Die Ex­plosionen haben soviel Erde über den Schutt der Häuser geworfen, daß die Wohnstätten der Menschen begraben wurden. Dort, wo die Beschießung weniger lang währte, erkennt man die einstigen Dörfer au einem Haufen zersplitterten Holzmerks. Weite Strecken werden in Zukunft wie Länder im Urzustand bewirt­schaftet werden müssen, wie noch nie bebautes vor- sündflutliches Land, das der Mensch noch nicht in Angriff nahm. Eine unabsehbare Zahl von Stegen und kleinen Brücken, die über Granattrichter führen und Minenkrater umsäumen, schafft einen Durchgang durch das unwegsame Gelände. Alle Zugänge der Deutschen sind verschüttet, alle Laufgräben cingeebnet, alle Unterstände vermauert oder gesprengt, nichts ist geblieben, alles ist zerstört, dem Erdboden gleich- gemacht, man meint, die Berge seien über dies

10. Jahrg.

Land gefallen und der Schoß der Erde hätte sich geöffnet, um Menschen und Menschenwerk in ein schlüpfriges, schmieriges Riesengrab zu ziehen. Die Deutschen ließen eine Wüste hinter sich zurück. Ba- paume kämpft im Feuer seinen Todeskampf aus und sinkt mehr und mehr zu Asche. Es ist ein unheim- liches Schauspiel von einer beängstigenden und furcht- baren Größe. Denn nicht nur diese eine Stadt brennt, über eine ganze weite Gegend ist die Kata- strophe hereingebrochen. Wie Bapaume, so Pöronne, so Rohe . . . Mau hört das Zusammenbrechcn stürzender Mauern, das Aufschlagen glühenden Ge- bälks, das Rollen von Steinen, all die tausend Ge- räusche, die in dem sicki selbst überlassenen knistern- den Feuer von Verderben und Untergang reden. Man meint, den Tod hantieren zu sehen.

Wie furchtbar! Wie entsetzlich!

Bei dem Gedanken an all dieses Elend freuen wir uns, zu wissen, daß unser teurer Kaiser mit auf­richtigem Herzen sagen konnte:Ich habe den Krieg nicht gewollt."

Aber der Krieg ist da und ist im wahren Sinne des Wortes einWeltkrieg". Weshalb macht nun Gott noch immer kein Ende? Auf diese Frage ant- Worten wir, weil Er Gedanken der Liebe und des Friedens mit jedem einzelnen Menschen hat und diese Gedanken jeder Seele kund tun will. Wir erachten diesen Krieg als einen mächtigen und gewaltigen Weckruf Gottes und einen Zug Seiner Gnade zu Jesu, Seinem Sohne, der als Opferlamm die Sünden der Welt getragen hat.

Jesus schreitet noch als der Erretter rufend über die großen Schlachtfelder, durch die Lazarette, durch die Gefangenenlager und die trauernden Familien und bietet Gnade und Vergebung der Sünden an.

Gott, der den Tod des Sünders nicht will, der in Seiner Liebe Seinen Sohn in die Welt sandte, um das Verlorene zu suchen und zu retten, ist reich an Langmut; so ist es auch der suchende Heiland. Er geht noch als Retter durch die Völker und Lande. Wir hören Ihn sagen:So viele Ich

Sonntag, den 27. Mai 1917.