Ausgabe 
25.3.1917
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anheim, und wieviel Millionen Menschen werden es sein, die der mordende Krieg als seine Opfer ver­schlungen hat? Besonders Rußland mit seinem schonungslosen Einsatz von Menschenleben dürfte da wohl an erster Stelle marschieren. Und darum klammern sich die Kriegshetzer auch in diesem Lanke noch immer an die Hoffnung, wenigstens noch etwas zu erreichen und zu erringen, um diese ungeheuren Opfer nicht völlig umsonst gebracht zu haben. Darum spricht man wohl mit Recht davon, daß diese Menschen sich jetzt mehr vor dem Frieden fürchten als einst vor dem Kriege, den sie so freventlich be- gönnen haben.

Auch in Frankreich und England soll solche Furcht vor dem Frieden vorhanden sein, weil man ihn ganz anders kommen sieht als man gerechnet

hatte. ,

Wir denken aber auch an unser Volk und seine Sünden, an unsere Unbußfertigkeit, au die wieder zu- nehmende Vergnügungssucht, das Uberhandnehmen der Wucherei und der Unsittlichkeit und vieles andere noch; sind das nicht alles Hemmnisse, die das baldige Kommen des Friedens aufhalten? Sind das nicht geradezu handgreifliche Antworten auf die überall hörbare Frage, warum immer noch kein Ende des schrecklichen Krieges zu schauen ist? Das Murren gegen Gott, das sich oft bis zur Gottesleugnuug und Gottes- lästerung steigert, ist in sich eine Friedenshemmung. Der Prophet Jeremia klagte sein murrendes Volk deswegen an. Er wies auf die wahre Quelle alles Unheils hin mit der Mahnung:Ein jeglicher murre wider seine Sünde I"

Wir erhoffen und erwarten große Ereignisse im Laufe dieses Jahres, und sie werden sicher geschoben. Es wird aber auch noch viel Schweres kommen über unsere Feinde und auch über uns. Jede mörderische Schlacht, jedes versinkende Schiff, jeder Flieger­angriff und sonstige Ereignisse fordern mehr oder weniger Menschenleben und vernichten das,- was Menschenhände erbauten.

Man berichtete dem HErrn Jesu eines Tages von den Galiläern, deren Blut Pilatus samt ihrem Opfer vermischt hatte, worauf Er die auch für die heutigen Geschehnisse recht beherzigenswerte Antwort gab:Meint ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, dieweil sie das er­litten haben? Ich sage: Nein; souderir so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen. Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf welche der Turm von Siloah fiel und erschlug sie, seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jeru­salem wohnen? Ich sage: Nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen." (Luk. 13, 25.)

Dieses Heilandswortes wollen wir allezeit ge­denken, solange wir noch von den Schrecknissen des Krieges und seinen zahllosen Opfern hören müsse», wollen an unsere Brust schlagen, unser Wesen durch.

forschen und prüfen und wahrhaft Buße tun, uns zum HErrn bekehren und unser Leben bessern, damit Gott uns gnädig sein kann und wir Sein Verschonen erfahren und aus dem Kriegstoben als wahrhaft gesegnete Menschen hervorgehen, deren höchster Lebens- beruf es fortau ist. Ihm zu dienen und Sein Reich mit Fleiß bauen zu helfen. G. H.

L

Uichard W.

Richard W. (geb. 1827) mußte schon in jungen Jahren sein Brot in einem Kohlenbergwerk verdienen, wo er täglich von Gottlosigkeit und Laster umgeben ivar. Sein Vater war ein wüster Trinker, seine Mutter eine betende, wahre Christin, welche früh ihrem geliebten Sohne von Jesu, dem Erretter der Sünder, erzählte und ihn beten lehrte. Trotzdem ging der Weg des jungen Bergmanns schnell in die Tiefen der Sünde. Eines Morgens kam er betrunken, zerschunden, mit blutüberströmtem Gesicht aus nächt- lieber Trinkerei und Schlägerei heim. Seine Mutter öffnete ihm. Erschrocken über seinen Anblick sank sie auf ihre Knie und bat Gott, den verlorenen Sohn aufzuhalten und zu erretten. Der Trunkene aber ward zornig und schwur, die Mutter totzuschlagen. wenn sie nicht aufhöre, für ihn zu beten. Jahrelang schienen die Gebete der Mutter ohne Erhörung zu bleiben. Der Sohn ging in die Fremde, sein Leben immer mehr in die Tiefe, ja, bis an den Rand des Selbstmordes. Schon hatte er das Messer geschlissen, mit dem er sich selbst in 1>as Herz stechen wollte, da vernahm er eine Stimme:Gedenke an deine alte Mutter, welche in ihren Gebeten Tag und Nacht ruft: HErr, errette meinen Sohnl" Er warf das Messer weg und ging ins Wirtshaus, um sich von neuem zu betrinken. Dennoch redete Gott so gewaltig mit ihm, daß er am nächsten Morgen in einer Sandgrube einen verborgenen Fleck suchte, um sich glaubend in Gottes Hand zu legen. Er selbst sagte später:Dort rangen Christus und der Teufel um meine Seele. Christus trug den Sieg davon. Ich kam hervor als ein neuer Mensch; Ihm, der mich geliebt und Sich selbst für mich gegeben, ge­hörte ich von jetzt an."

So war dieser gottlose Bergmann dort m der Sandgrube aus Sündenfluch und Finsternis unter die Gnade gekommen, er war aus dem Tode in das Leben hinübergegangen. Der HErr machte aus chm einen Seiner gesegnetsten Zeugen, ein Denkmal der Gnade. W. erzählt folgenden Vorgang, welcher eine treffende Darstellung davon liefert, wie das, was Gott getan hat und was Gott gesagt hat, den einzigen Grund der Errettung und des Friedens bildet, und wie der Heilige Geist dem Glaubenden alsbald die völlige Gewißheit der Errettung versiegeln Er wurde in der Nähe zu einem sterbenden Gastw'r