Der Wert der Zeit.
Ein alter Zeuge des Evangeliums erzählt folgendes:
„Eine Tochter gläubiger Eltern aus vornehmem Stande hatte von Kindheit auf manch ernstes Wort über das Heil ihrer Seele gehört; aber sie war taub dagegen, denn nach ihrer Meinung war es schade für sie, sich schon in ihrer Jugend zu Jesu zu bekehren. Sie sagte, ich kann das noch lange tun, wenn ich älter geworden. Ich will und werde die Welt genießen. Ein großer Ball stand bevor, zu dem auch sie eingeladen war und zugesagt hatte. Sie wußte sehr gut, wie ihre Eltern darunter litten und wieviel diese für sie zu Gott beteten. Aber was lag ihr an dem allen; sie wollte die Welt genießen. Einige Nächte vor dem Feste wurde sie wach; es war ihr, als hätte ihr jemand zugerufen: »Lies Hes. 7, 8. 91« Sie denkt über den seltsamen Traum nach und versucht, wieder einzuschlafen; aber sie vermag es nicht. Ja, es scheint ihr bald darauf, als höre sie zum zweitenmal die Stimme: »Stehe auf und lies Hes 7, 8. 9!« Sie erschrickt; aber sie steht nicht auf, um jene Stelle, die sie nicht kannte, in Gottes Wort nach- zulesen. Da hört sie, oder glaubt wenigstens es zu hören, zum drittenmal dasselbe Wort. Nun steht sie auf, zündet ein Licht an und geht in das Schlafzimmer ihrer Mutter. Diese erschrickt über das verstörte Aussehen ihrer Tochter. Auf wiederholtes Befragen erzählt diese endlich, was für einen Ruf sie gehört zu haben glaubt. Die Mutter läßt sich die Bibel reichen, schlägt nach und liest laut: »Jetzt, bald, werde Ich Meinen Grimm über dich ausgießen und Meinen Zorn an dir vollenden und dich nach deinen Wegen richten, und alle deine Greuel werde ich über dich bringen. Und Mein Auge soll nicht schonen, und ich werde Mich nicht erbarmen; nach deinen Wegen werde ich's über dich bringen, und deine Greuel sollen in deiner Mitte sein. Und ihr werdet wissen, daß Ich, Jehovah, es bin, der schlägt.« Noch liest die Mutter die letzten Worte, da sinkt die Tochter um und stirbtI"
Welch erschütterndem Gerichtswort in der Todesstunde, und wie ernst die Mahnung: Schiebe deine Bekehrung nicht hinaus! Wie wichtig ist es, gerade der Jugend klar zu bezeugen, wie entscheidend ein leichtfertig gesprochenes Wort für Zeit und Ewigkeit sein kann, daß kein Wort verlorengeht, sondern alles ausgezeichnet bleibt in den Gerichtsbüchern Gottes. Die meisten Menschen haben keine Ahnung, wie schwerwiegend ihre Worte sein können. Ein junger Mann, der eine Woche unter einer klaren Evangeliumsverkündigung gestanden, die ihm auch die Überzeugung von Schuld und Sünde gebracht hatte, wies jede Einwirkung des Geistes Gottes auf sein Leben zurück, indem er dem Zeugen des Evangeliums sagte: „Es ist Ihnen nicht gelungen, mich auf einen
anderen Weg zu bringen; vielleicht ein anderes Rial, vielleicht auch gar nicht!"
So wird der Ruf Gottes zur Buße zwar nicht abgelehnt, man will ihm folgen, aber nicht heute! Bielen ist dabei der Schächer (lies Luk. 23, 42. 43) die liebste Figur in der Bibel, nicht, weil er Jesu hulüigte, während alle Ihn verspotteten, sondern weil er nach einem gottlosen Leben noch gerettet wurde. Verstehe: er bekehrte sich nicht im letzten, sondern im ersten Augenblick, als er erkannt hatte, daß er ein verlorener Sünder war und in Jesu den Sohn Gottes erblickte. Wer den Ruf Gottes zur Buße hört, durch den Geist Gottes überführt ist, daß er einer Errettung bedarf, die nur in Jesu zu finden ist, und diesem Rufe nicht sein Herz öffnet, steht in der großen Gefahr, die geeignete Stunde zu versäumen. „Heute, wenn ihr seine Summe hört, verhärtet eure Herzen nicht!" (Ebr. 3, 7.) Und es ist keine Phrase, wenn Gottes Wort so ernst sagt: „Siehe, das alles tut Gott zwei-, dreimal mit dem Manne, um seine Seele abzuwenden von der Grube, daß sie erleuchtet werde von dem Lichte der Lebendigen." (Hiob 33, 29. 30.) Es ist nie zu früh und nie zu spät, sich zu bekehren; aber die Fähigkeit, den Herrn und die Errettung zu erfassen, wird immer geringer. Es gibt Gnadenstunden, wo man Jesum als seinen persönlichen Heiland ergreifen kann; die meisten, die sie vorübergehen lassen, ergreifen Ihn später nicht mehr. Versiehst du etwas von der Mahnung Gottes: „Gedenke deines Schöpfers in
den Tagen deiner Jugendzeit, ehe die Tage des Übels kommen und die Jahre herannahen, von welchen du sagen wirst: ich habe kein Gefallen daranl"?
Borng
L
Ein öitterer Feind.
In einem kleinen Städtchen Ostpreußens besuchte eine Frau die Versammlungen der Gläubigen, und bei diesen Besuchen ging ihr das verkündigte Wort durchs Herz. Dieses Wort hat sie erniedrigt und erhöht, betrübt und getröstet, durch dieses Mort erkannte sie ihre Sünde und Gottes Gnade und lernte unter dem Kreuze Jesu um Sündenvergebung bitten und für Sündenvergebung danken. Unter dem Kreuze hat sie das Kreuz liebgewonnen, hat es auf sich genommen und ist eine ständige Kreuzträgerin Jesu geworden. Wie schwer aber das Kreuz ist und wieviel Segen es bringt, mußte sie in ihrem eigenen Hause erfahren, denn ihr Mann wollte von Jesu nichts wissen, er hat Jesum gehaßt und sie um Jesu willen geschlagen und sie oft aus dem Hause gewiesen. Sie wollte aber in Jesu Nachfolge beharren bis ans Ende und schätzte die Leiden um Jesu willen hoch ein. Dadurch wurde aber ihr Mann über alle Maßen gereizt, ergab sich dem Trünke und bedrobte seine Frau wiederholt mit dem Tode. Eines


