„Das haben wir an unserem Bruder verschuldet, als wir sahen die Angss seiner Seele, da er uns flehte, und wir wollten ihn nicht Hörem Darum kommt nun diese Trübsal über uns." (1 Mose 42, 21.)
Dasselbe haben seitdem Tausende erlebt, und Hunderte erleben es heute.
Und doch, „wohl dem", welchem einmal seine Sünden vor die Augen getreten sind, welcher von einer Zeit weiß, wo er in tiefer Beugung an seine Brust schlug und um Vergebung der ganzen Schuld um des Blutes Jesu willen zu Gott flehte. Wenn du dieses noch nicht erlebt hast, dann tritt heute mit deinem ganzen Leben in die Gegen- wart des heiligen Gottes.
Sorge nur dafür, daß nicht in deiner letzten Stunde die Sünde, die du solange in den Wind geschlagen hast, erwache und dann als Verkläger vor dir steht. Sonst gehst du in Verzweiflung dahin, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Wohl dir, wenn du sagen kannst: „Ich bin durch Gottes große Barmherzigkeit wieder- geboren zu einer lebendigen Hoffnung. Ich bin gerecht geworden durch den Glauben und habe Frieden mit Gott durch unseren HErrn Jesum Christum!" O. D.
Eine feindliche Kugel, die zum Leöen führte.
Im Jahre 1900 stand draußen im fernen Orient ein deutscher Soldat auf dem Schlachtfelde. Da kam eine feindliche Kugel geflogen und streckte den Tapferen zu Boden. Seine Verletzung war keine lebensgefährliche. Er hatte nur einen Streifschuß erhalten, der seinen linken Fuß verwundet hatte. Doch vermochte er sich nicht mehr zu erheben, sondern mußte liegen- bleiben und auf Hilfe warten, während die anderen Kameraden siegreich vorwärts stürmten. Bei diesem stillen Harren besah er sich nachdenklich seinen durchschossenen Fuß. Die Kugel hatte auch die Sohle vom Stiefel gerissen, und zwischen seinem hervor- quellenden roten Blute sah er ein Stückchen weißes Zeitungspapicr schimmern. Aufmerksam geworden, schaute er näher daraufhin, wobei ihm gerade die Worte ins Auge fielen: „soll nicht leer zurück- kommen".
Was sollte nicht leer zurückkommen? Das mußte er doch wissen. Mühsam richtete er sich in die Höhe und zog, nach vorn sich überbeugend, vorsichtig an dem herauslugenden Zeitungsblatt. Es war nur ein kleines Stückchen, was er davon abbekam, aber es war groß genug, um ihm eine ganze Predigt zu halten. Gottes teures Wort war also damit gemeint, und wohl auch er! Der Herr hatte rs ihm über Länder und Meere bis hinaus in den fernen Orient nachgesandt, um ihn zur Buße zu rufen, aber auch
um ihn in seiner jetzigen traurigen Lage zu trösten und zu erquicken. Das bewegte ihn tief. Er lstß sein vergangenes Leben an sich vorüberziehen. Da stand manches wider ihn auf, was ihn vor Gott verklagte. Und wenn die Kugel jetzt sein Herz statt seinen Fuß getroffen hätte, was wäre wohl aus ihm geworden, wenn sie ihn vor Gottes Richter thron gefordert hätte? Ein Schauder flog durch seine Seele. In die Scharen der selig Erlösten wäre er sicherlich nicht cingereiht worden, denn er war kein Kämpfer Jesu Christi gewesen. Wo aber wäre er dann hingekommen? Er mochte diesen schrecklichen Gedanken nicht ausdenken. Zitternd faltete er seine Hände, und betend flüsterten die bleichen Lippen „Gott, sei mir Sünder gnädig!" O, wie gut, daß ihm noch Gnadcnzeit zu dieser Bitte gegeben war. Er betete sie aus tiefstem Herzen.
Und der Gott der ewigen Liebe, der sich voll Erbarmen auch über die Schlachtfelder neigt, hörte sie. Er zog den reuig heimkehrenden Sohn ans Vaterherz und vergab ihm um Jesu Christi willen, an den er in dieser ernsten Stunde glanben gelernt, alle Schuld und Sünde seines ganzen Lebens. Nun blühte ihm nicht nur die schöne Hoffnung, vom sicheren Tode errettet, wieder in die geliebte deutsche Heimat zurückkehreu zu dürfen, sondern er hatte draußen in der Ferne auch sein ewiges Vaterland gefunden, in das er einst mit Jubelschall einziehen konnte, um dort von dem Siege auf Golgatha in ewiger Herrlichkeit zu singen, mit allen, die Gnade und Barmherzigkeit vor Gottes Angesicht am Tage des Heils gefunden haben.
So war der in Deutschland ausgestreute gute Same im fernen China ausgegangen, trotzdem gottloser Spott ihn zu verderben gesucht. Gott hatte Seine Verheißung eingelöst, Sein Wort war nicht leer zurückgekommen, sondern es hatte ausgerichtet, wozu es geiaudt war, zur Rettung einer unsterb- . lichen Menscheuseele.
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Für Aich.
Indem Jesus am Kreuze den Fluch und Todes- sold der Menschheit bis auf den letzten Rest kostete, liegt darin für dich volle Sühnung und T,l- gung deiner Sündenschuld. In dieser Heilandstat liegt aufs völligste dein Heil beschlossen. Es ist hier zuslandegebracht in einer bis zum äußersten gehenden Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit. „Die Handschrift, die wider uns war, ist ans Kreuz geheftet und aus dem Mittel getan." (Kol. 2, 14.) Dem Gesetz Gottes ist aufs völligste Genüge geschehen. Es hat keine Forderung mehr an dich. Wir sind losgekauft von seinem Fluch. (Gal. 3, 13.) Das Todesurteil, das es über uns fällte, ist vollstreckt. Wir sind erlöst, vcr-


