Ausgabe 
5.11.1916
Seite
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ih», daß diese Liebe völligem Genüge in sich schließt. Die edle Empfindung wächst sich aus zur lebens- stnrkeu Wirklichkeit, daß der Verlust des Liebsten die Nötigung und die Vorbereitung in sich barg, die höhere Liebe und das höhere Leben zu sehen und zu erfassen. Gutes ging verloren, aber das Bessere wurde gewonnen. Menschenliebe erlosch, Gottes Liebe blühte auf.

Wehmütig ließ das Bäumchen zu,

Die Blätter zu verlieren.

Es wußte nicht, warum, wozu!

Sollt' sich der Gärtner irren?

Verkleinert ist das Leben mir,

Geringer meine Freude,

Genommen meine schönste Zier,

Ich weine still und leide.

Der Frühling traf das Bäumchen an,

Unigab's mit schmucken Kleidern,

Ließ Wachstum zu, gab Früchte dran,

Das Bäumchen zu erheitern.

Da sprach das Bäumchen tief bewegt:

Wie starb ich so ungerne l

Nun seh' ich, wie's zu gehen pflegt:

Es leuchten schön're Sterne!

Aus dem Schützengraben. Meng.

&

gilt Appell an die Jugend.

An meine lieben Jngendgenossen!

Sollte Dein Leben noch keinen rechten Zweck und kein rechtes Ziel haben und Dir noch nicht klar bewußt sein, wofür und für wen Du da bist, dann laß mich Dir etwas sagen, was mir schon lange auf der Seele brennt: Keine Menschen, keine Liebe, nicht Beruf noch die edelsten Bestrebungen können Deine Seele ganz befriedigen und jedes Winkelchen derselben aus­füllen. Es wird eine Zeit kommen, wo Du vor einer gähnenden Leere stehst und nach Speise für Deine Seele schmachtest. Oder gibt's nicht jetzt in jungen Jahren schon Momente, vielleicht sogar Tage unb Zeiten, an denen Du unbefriedigt bist, wo Dir das Leben nicht mehr so lebenswert erscheint und so voller Inhalt als zu anderen Stunden? Nein, nichts in der weiten Welt kann uns das Etwas die- ten, wonach unsere Seele wieder und wieder, sei es auch im Geheimen, sich sehnt. Nur einer vermag es uns zu geben, Jesus, der da spricht:Bei Mir sollt ihr volles Genüge haben." Und das soll heute mein Aufruf an Dich sein, liebes, junges Menschen­kind : Laß Jesum in Dein Herz, liebe Ihn über alles, Er verdient es! Ein neuer Lebensabschnitt wird für Dich beginnen! Es ist meine eigene Herzenserfah­rung, nicht nachgesprochene Theorie; es gibt kein

schöneres Leben, als die frischen, munteren Jugeud- kräfte Jesu zu widmen. Die Zeit des Höffens, des Strebens, des Werdens! Laß sie nicht verstreichen! Opfere diese lebendige Blüte voll Schaffenslust und Tatendrang, die Dir nur einmal geschenkt wird, Deinem Jesu! Du wirst erleben, was Er aus Dir macht! Wie Er Deine Gaben und Charakteranlagen heiligt, wie Du glücklich und froh wirst. Verschiebe es bitte nicht auf später, wenn Du schon manche Enttäuschung erlebt und manche bittere Erfah­rung hast durchmachen müssen. Wenn erst Deine Kräfte abnehmen, Dein Geist ermattet, schwerlich läßt Du Dich dann auf Höhen schwingen, wo Dich Gottes Geist hin haben will. Dein Gemüt ist verhärtet, Deine Seele nicht mehr so aufnahme­fähig, das jugendliche Feuer am verlöschen. Ver­hältnissehalber treten Dir vielleicht auch schwer über- brückbare Hindernisse entgegen. Diese Dir zu er­sparen, bitte ich Dich, bekehre Dich jetzt, wo Dein Leben »och vor Dir liegt. Noch bist Du jung, stelle Dich unter Jesu Fahne, werde ein mutiger Streiter! Opfere Dem Deine Kräfte, Deine freie Zeit, Deine Gedankenwelt, der Sein Leben für Dich ließ, der Dich so innig liebt; der Dich zu einer Persönlichkeit erziehen möchte, die Ihm ähnlich ist. O vergeude nicht Deine schönen Jugendjahre, die Dir zur Erfüllung Deiner Bestimmung geschenkt wurden! L. R.

Zum Kleben.

Bleich und zitternd liegt im Unterstand ein tapferer Soldat. Der Befehl zum gefährlichen Sturmangriff ist gekommen. Nun geht's mit ziem­licher Sicherheit in den Tod. Der brave Krieger hat sich immer durch seinen Heldenmut ausgezeichnet. Als Zeichen der Anerkennung seiner Vorgesetzten schmückt das Eiserne Kreuz seine Brust. Aber jetzt ruft ihn der heilige Gott vor Seinen Thron Da hilft kein Heldenmut. Wird er vor Gott bestehen? In seinem Leben hat er wenig nach Gott gefragt. Schwer legt sich die ganze Schuld eines Lebens ohne Gott auf seine Seele. Es ist ihm klar:Ich kann vor Gott nicht bestehen! Wer hilft mir zu einem getrosten Sterben?" Da hört er neben sich einen Kameraden laut beten:HErr Jesu, ich danke Dir, daß ich in Dir Frieden habe, denn Du hast mich erkauft mit Deinem teuren Blute zu Deinem einigen Eigentum." Der geht also getrost in den Tod I Und siehe, der Jünger Jesu darf durch Gottes Gnade noch in letzter Stunde seinem suchen­den Kameraden ein Führer zum Heiland werden. Er ergreift die starke Hand Jesu, der durch Tod und Todesnot sicher zum ewigen Leben hindurchführt.

Th. H