Ausgabe 
5.11.1916
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Seiten senkrecht abfällt, nach Osten und Süden zum Meere, nach Norden gegen die schmale Landseite,

In großer Zahl sind in den Felsen Batterien und terrassenartig angelegte Verteidigungslinien ein- geschnitten. Zu aller Zeit stehen 800 Geschütze feuerbereit; ihre Zahl kann bis auf 2000 vermehrt werden. Für die ganze Garnison ist bombensichere Unterkunft in hohen Felsgewölben geschaffen; acht riesige Wasserbassins und ein reichlich strömender Süßwasserbrunnen schützen die Besatzung vor Wasser- niangel. Proviant und Kriegsvorräte sind für mehr­jährigen Bedarf der Festung reichlich aufgespeichert. Trotz des heißen Klimas gehört der Platz zu den gesundesten Orten der Erde, In Wahrheit ist Gibraltar nach menschlicher Berechnung uneinnehm­bar, eine sichere Zuflucht der englischen Schiffe,

Aber dieser uneinnehmbare Fels erinnert den, welchem Gottes Wort kostbar ist, noch an etwas viel Höheres, er ist ihm ein Gleichnis von dem Fels der Ewigkeit, von der einzigen sicheren Zufluchtsfeste, welche allen Menschen durch die Gnade Gottes in Christo dargeboten ist, damit der schwache Mensch in aller Bedrängnis und Versuchung dieses Lebens eine Zuflucht hätte, Gott ruft in das Ringen und Sorgen, in die Sünde dieser Welt hinein, daß ein Platz des Friedens, eine Burg der vollkommenen und ewigen Errettung am Herzen Gottes allen Sün­dern aufgetan ist. Aber Er ruft für die meisten umsonst.

Jesus starb am Kreuze, damit Er den Menschen iviederbrächte, was sie verloren hatten, Kindesrecht und Kindesvertrauen zu dem allmächtigen Gott, den Vaternamen und das Vaterherz Gottes, Aber die Menschen verachten das; sie erwählen den Weg der Sünde und der Lust, Sie meinen, sie genössen ihre Jugend, während sie ihr Glück für Zeit und Ewig­keit verspielen. Gehörst du auch dazu? In- mitten der Versuchungen und des Ver­derbens der Sünde gibt es nur einen Fels der Errettung, das ist Christus.Es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen." (Apg, 4, 12.) v, V, ff,

Bedeutung des Werlustes. -

Das schmerzliche Los, vom Liebsten getrennt zu werden, ist ein Allgemeingut der Menschen, An irgendeinem Orte und zu irgendeiner Zeit tritt für jeden Menschen der Verlust des Liebsten und Schätzens­wertesten, das dieser Welt angehört, ein. Ein ge­schäftlicher Mißerfolg schädigt das Vermögen; die i ödliche Krankheit reißt das Kind vom Mutterherzen, die feindliche Kugel läßt nicht zu, daß der liebende Gatte zurückkehrt in die Heimat, Äußerst bitter

schmeckt solcher Leidenskelch, Der Schmerz lagert sich so tief ins Menschenherz, daß man die Tiefe unergründlich nennen kann. Um den grenzenlosen Schmerz bemeistern und beherrschen zu können, ist es förderlich, über die ursächliche Bedeutung des Verlustes nachzudenken.

Der Verlust tritt uns zunächst als Lebens­kürzung und Lebenshemmung entgegen. Wenn aber alle Lebensfügungen und Schicksale bestimmend Mitwirken, das Lebensglück des Menschen zu fördern, so muß auch der Verlust die Nötigung in sich tragen, den Menschen zum Erfassen höheren Glückes und Lebens zu bewegen.

Beachte folgendes Bild, nach dem Leben gezeichnet: Ein talentvolles Mädchen aus einem einfachen Hause ist schon viele Jahre in einer vornehmen Familie,

Es gefällt ihr daselbst sehr gut. Das Leben hat für sie so viele angenehme Seiten. Von der Herr- f schaft geliebt, hofft das Mädchen noch lange in diesem Hause bleiben zu können. Da trifft von ihrer alten, alleinstehenden Mutter die Nachricht ein, daß sie krank geworden ist und die Pflege der Tochter wünscht Wie schwer wird der Tochter die Lösung aus dem ihr liebgewordenen Kreisel Der Weg zur Mutter scheint ihr ein Weg aus der Weite in die Enge, Schweren Herzens erleidet sie den Ver­lust ihrer Stellung, um im stillen Krankeu- stübchen der Mutter ihttn Dienst zu tun. Aber als sie zu Hause augekommen ist, beginnt die Mutter zu erzählen von ihrer Jugend, von Freuden und Leiden, von Mühen und Sorgen um der einzigen Tochter willen. Das mütterliche Herz offenbart sich in reicher Liebesfülle, Die Tochter steht wie vor einer Offenbarung, So hatte sie das Mutterherz noch nie gesehen, so treu, so lieb und edel. Die Tochter bekommt im stillen Kraukeustübcheu Herzensaugen, um das teure Mutterherz zu sehen. Dankbaren Herzens und feuchten Auges umschlingt sie die Mutter und ist glücklich, von einer solche» Mutter als Kind geliebt zu sein. Das vertiefte Er­kennen mütterlicher Liebe erweckte einen neuen Sonnen­strahl des Glückes im Leben der Tochter, Sie trauerte nicht mehr um den Verlust der Menschenliebe in jenem vornehmen Hanse, denn sie hatte Besseres, die Mutter­liebe, gesunde». Der Verlust nötigte und leitete zum G e w i n n!"

Wie? Bedeutet mein Verlust für mich auch Gewinn? Es ist sicher, daß der Verlust des Liebsten zunächst in eine gewisse Einöde und Wüste führt. Die Seele findet sich gelöst von der Anhemvelt, Die Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles zu Liebenden ans der Erde weckt die Sehnsucht nach liebenswertem Unvergänglichen. In diesem Heiligtum stiller Welt­absonderung tritt die ursächliche Einwirkung der schöpferischen Wirkung Gottes, des Vaters in Christo, hervor. Der Ruf göttlicher Liebe dringt in das Innerste des Menschen, Er erkennt die Liebe Gottes und nimmt sie an. Ein tiefes Einpffnden durchzitter!