Ausgabe 
29.10.1916
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schrecklichen Laster geerbt haben könnte, und ich habe ihr versprochen, dieses tödliche Gift niemals zu kosten, welches sie zu einer Witwe und mich zu einer Waise gemacht; und ob ich sterbe, mein Versprechen will ich halten."

Die Operation erfolgte ohne Alkohol. Der Sol­dat wurde gesund und der Hauptmann gläubig an Christum.

Das war wahre Freiheit! Willst du sie haben?

E. M.

Arieden.

Ist das nicht die tiefste Not deines Lebens, daß du keine Ruhe hast, keinen Frieden? Hat die Welt dir Frieden gegeben? Kann sie es tun? Blicke um dich, nein, blicke in dich! Hat nicht die bittere Erfahrung deines eigenen Lebens in dein Herz geschrieben, was Gottes Wort so feierlich verkündet: Der Gottlose hat keinen Frieden I"? Die Welt frei­lich gibt auch einen Frieden, aber einen falschen

Folge mir in ein Hospital. Da liegt ein Mann auf dem Operationstisch. Er ist unter Chloroform. Während die Ärzte ihm ein Bein abschneiden, lacht und singt er. Es ist ein Chloroformtraum. Armer Mann, wenn er erwacht und sein verstümmeltes Glied sieht und die Schmerzen fühlt, was dann? Dann wird er weinen. So die armen Menschen, die sich von der Weltlust haben berauschen lassen. Wenn sie erwachen, so müssen sie verzweifeln. Und erwachen werden wir alle einmal. Gott erbarme Sich des Menschen, der nichts hat als Geld und Ver­gnügen I Es kommt die Stunde für jeden, früh oder später, da ein einziges Trostwort aus dem Schatze himmlischer Wahrheit ihm mehr wert ist als alles, das die Welt geben kann. Ein ergreifendes Bild als Beleg für diese Wahrheit hatte ich einmal vor Augen. Unter den auswärtigen Patienten meines Mfisionshospitals befand sich eines Tages ein junges Mädchen, das mir besonders aufstel, weil es so kost­bar und auffallend gekleidet war. Sie war ein Dienstmädchen, das, wie andere Törinnen, all' ihr Geld für Putz ausgegeben hatte und nun, krank und arbeitslos, Hilfe suchen mußte. Sie hatte die galoppierende Schwindsucht. Schon nach einigen Tagen war sie nicht mehr imstande aufzustehen, und ich wurde zu ihr gerufen. In einem elenden Logier- hanse, wo Sünde und Schande ungeschminkt leben, hoch in einer Dachkammer, ganz allein, lag das arme Mädchen. Was mir so schmerzlich auffiel, war der Kontrast zivischen dem bleichen, unglücklichen Gesicht der Sterbenden und den bunten Kleidern, die über ihrem Bette hingen. Ich schlug ihr vor, nach dem Armenhospital zu gehen. Sie weigerte sich und sagte: Ich werde bald tot sein und habe mit der Wirtin verabredet, daß sie diese Kleider als Zahlung für 'Heine Schulden annimmt."

Armes Mädchen!" sagte ich,ist das alles, was dir aus deinem Leben bleibt? Zwanzig Jahre laug gearbeitet, gehofft und geplant, und nun nichts als ein elendes Totenbett, ein friedloses Herz, ein unruhiges Gewissen, eine furchtbare Zukunft und ein paar bunte Lappen, die du nicht einmal dein eigen nennen kannst!"

Welch ein Geschick! Ist das nicht, wie Tausende leben? Armer Mensch, was soll es dir nützen, wenn du die ganze Welt gewönnest und deine Seele ver­lörest? Hast du niemals Augenblicke gehabt, da Ver­zweiflung, bittere Verzweiflung dich erfüllte, in der Erinnerung an ein Unrecht, das du einem geliebten Wesen getan, an ein Unrecht, das in seiner ganzen Häßlichkeit jetzt vor deiner Seele steht? Hast du dich niemals vor dir selbst geschämt? Wahrlich, es ist leichter, die Hand in die Flamme zu halten und den körperlichen Schmerz zu ertragen, als die bren­nende Oual eines erwachten Gewissens!

Fühlst du dich heute so unglücklich, so fried- los? Dann lausche auf Christi Stimme, der zu Seinen Jüngern spricht:Den Frieden lasse Ich euch. Meinen Frieden gebe Ich euch. Nicht gebe Ich, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke und fürchte sich nicht. . . Solches habe Ich mit euch ge- redet, auf daß ihr in Mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, Ich habe die Welt überwunden." So spricht Er zu Seinen Jüngern. Alle Friedlosen aber ladet Er freundlich ein:Kommt her zu Mir alle, die ihr müh. selig und beladen seid. Ich will euch er­quicken. Nehmt auf euch Mein Joch und lernt von Mir; denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen." Dr. Z.

Worauf wartest du?

Es gibt viele Menschen, die von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt sind, und die auch im stillen sich vornehmen, eines Tages Christi Jünger zu werden; aber gerade heute hindert sie noch irgend etwas daran.

Ist das etwa deine Gesinnung, lieber Leser? Dann schenke mir einige Augenblicke Gehör und beantworte die folgenden einfachen Fragen dir selber aufrichtig: Worauf wartest du?

Wartest du, bis du einmal krank sein wirst? Du glaubst doch sicherlich nicht, daß das eine gute Gelegenheit zur Bekehrung ist? Wenn du von Schmerzen geplagt bist, wenn dein Gemüt sich mit allerlei bangen Sorgen quält, ist es doch gewiß nicht eine geeignete Zeit, anzufangen, Gott zu suchen.

Wartest du, bis du einmal Muße hast? Und wann meinst du wohl, mehr Zeit übrig zu haben