Ausgabe 
10.9.1916
Seite
4
 
Einzelbild herunterladen

Im Lazarett.

Schwester, einen Augenblick." Mit diesen Worten rief mich unser Chefarzt an ein stilles Fenster im Hausgang.Heute abend werden Sie vom Lazarett draußen einen Schwerverwunveten bekommen; Sie müssen ihn bejonders im Auge behalten. Er hat sich nämlich heute nacht erdrosseln wollen. Freilich, er muß auch furchtbare Schmerzen haben," setzte er entschuldigend hinzu.

Mich faßte ein tiefes Mitleid: vielleicht hatte der Mann auch besonders Schweres _ erlebt. Er wurde aus der Tragbahre gebracht, wirklich ein armer Lazarus; er hatte einen Lungenschuß, mehrere Schüsse im Unterleib und dazu noch einige Fisteln, die nicht heilen wollten. Vorsichtig wurde er auf ein Wasser- kissen gebettet. Verzweiflungsvoll starrten die müden Augen ins Leere, kein Wort kam über seine Lippen, nur ein leises Stöhnen vor übergroßen Schmerzen. Wie gewöhnlich tetete ich in meinem Krankensaal und bemerkte, wie ein paar große Tränen über kein Gesicht rollten. Im Vorübergehen fragte ich ihn leise, was ihn so lief bewege.Schwester, tat sag's Ihnen vielleicht morgen." Er hatte eine schwere Nacht, und den anderen Morgen versuchten wir ihm durch' ein Dauerbad Linderung zu schassen; auch reinigte ich fleißig seine stark eiteniden Wunden. Am Abend sagte'er leise:Schwester, gelt, Sie ivissen's was ich getan habe?" Ich bejahte still Und doch haben Sie sich soviel Mühe g geben, mich zu verpstegen? D Schwester, kann Golt mir das noch vergeben?" Ich durste ihm nun von Dem sprechen, der' unsere Strafe getragen und unsere Schuld gebüßt hat auf Golgatha, und der heute noch keinen hinausstößt, der bußfeitig zu Ihm kommt. Er nahm die Botschaft vom Sünderheiland aus wie ein Verschmachtender einen Trunk frischen Wassers.

Der Arme hatte in den Tagen der Mobil- machung seine junge Frau verloren, dann hatte er sein drei Wochen altes Kiudlein Fremden überlassen,

sein eben ausblühendes Geschäft schließen und mit tief erschüttertem Gemüt einrücken müssen. Dazu kamen die Anstrengungen der Märsche, die Schrecken der Schlacht und bald die furchtbaren Verletzungen. Da war in den nächtlichen Schmerzensstunden der Versucher zu hm getreten und hatte ihn zu dem verzweifelten Schritt getrieben. Aber Gottes Gnaden- Hand hatte ihn aufgehalten und streckte sich nach ihm aus. Bald konnte er sie im Glauben erfassen

Zu seiner Erleichterung brachte ich einen Hebe- apparat, gewöhnlichGalgen" genannt, über seinem Bett an. Als der Arzt das sah, sagte er vor der Tür:Schwester, Sie wagen viel, wagen Sie nicht zuviel?"Nein, Herr Doktor, es kommt nichts vor," erwiderte ich zuversichtlich. Langsam, aber sicher ging die innere und äußere Heilung vor sich; der Friede Gottes erfüllte sein Herz. Manchen ver- wundeteu Kameraden sah er kiinmen und gehen. Sein stilles, dankbar znfriedenes We en wirkte un- beivußt ans sie. Sobald er gehen konnte, war er in rührender Weise zu jedem kleinen Dienst für die anderen bereit. Endlich schlug die Abschiedsstunde. Der wunderbar Genesene sollte sich in seiner fernen Heimat vollends erholen. Beim Scheiden sagte er: Schuester, hier bin ich an Leib und Eeeie gesund geworden." Nach einigen Tagen kam ein dankbarer Brief und später ein Kistchen mit allerlei schönen Spielsachen für meine kranken Kinder, alles aus seinem Geschäft. Das war ein Jubel bei meinen Kleinen! Aber noch viel größer uni> tiefer war meine Freuue, dun >ch das alles hatte miterleben dürfen I

Klaube, Hoffnung, Liebe.

Die Hoffnung sieht die Quelle, der Glaube geht und trinkt, die Liebe aber nimmt das Wasser und bringt es anderen.

&

Versammlungs-Anzeigen.

Bezirk <8ietz«n. Stadtmisston Gietzen, köberstr. 14.

10. September, nachmittags: Altenbuseck; abends: Wißmar und Wieleck.

17. September, nachmittags: Nordeck und Beuern

' Am 17. September, nachmittags und abends in Gießen Crute» danksest.

24. September, nachmittags: Altenbuseck; abendS: Wißmar und Wieseck.

1- Oktober, nachmittags: Rordcck und Beuern; abends in Klein­linden Fraiieustiinde.

Schwester Anna Eigenbrod wird folgende Frauenstunden halten:

17. September, nachmittags: Fauerbach; abendS: Kirchgöns 24 September, abends: Gambach.

Bezirk kich-Schotten.

Sonntag, den 8 September: Versammlungen in Lich, Holzhetm, Ettingshausen, Oberbessingen, Wohnbach, Dorsgill, Schotten, Betzenrod, Lißberg, Nidda und Ranstadt.

Sonntag, den >0. September, nachmittags 8 Uhr: Minner» u»h Mnglingsbonferenz in Nidda. Text der Besprechung: Ebr. 4. Abends:

Versammlungen in Lich, Langsdorf. Schotten und Nidda.

Sonntag, den 17. September, nachmittags 8 Uhr: Gemeinschafts- Konferenz in Nidda. Versammlungen in Lich, Ettingshausen, Oberbessingen, Wohnbach und Schotten.

Sonntag, den 24 September: Versammlungen in Lich, Watzenborn, Villingen, Langsdorf, Schotten, Betzenrod, Lißberg, Ranstadt und Nidda.

Wochenversammlungen wie gewöhnlich.

Anzeigen für die Nummern 4144 bis zum 24. September d. Is. erbeten.