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Erscheint n>öchentlich einmal.
Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich.
Verlag ärr Suchhsnälung Ser pilgermirrion Kietzen.
Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Predigerd. Pilgermission. Druck v. I. G. Oncken Nachf., G. m. b. H., Cassel.
Nr. 37.
Sonntag, den 10. September 1916.
9. Iahrg.
Die Kriegstelegraphie vor hundert Zähren.
Während des Feldzuges in Belgien 1814 schrieb der Graf Henckel von Donnersmarck,
Kriegsfreiwilliger und Adjutant, aus Brüssel an einen ihm befreundeten deutschen Physiker: „Eine bei den Verbündeten Armeen allgemein ange- ordnete Sicherheitsmaß. rege! ist das Abbrechen der vorhandenen Tele- graphen. Hier befanden sich deren zwei auf den Türmen der hiesigen Hauptkirche zu St. Gu- dule. Ihre Abtragung hat ein paar Tage gedauert, denn sie schienen für die Ewigkeit gebaut.
Sie waren nicht bloß Zwischen-, sondern Haupt- telegraphkn, >vo man also den Inhalt der Depeschen lesen konnte. Sie ge- hörten auch wegen der Lage der hiesigen Stadt zu den allerwichtigsten im
ganzen französischen Reiche. Einer der Gebrüder Chappe war selbst dabei angestellt . .
Würde man nicht ausdrücklich über das Datum, den Februar des JahrcS 1814, belehrt, so möchte man bei oberflächlicher Lektüre meinen, der Brief sei ein Jahrhundert später, in unseren Tagen, entstanden. Eine Abbildung könnte den Irrtum noch verstärken, >veil sie an die Masten, Türme und Taue der modernen drahtlosen Stationen erinnert, deren
ja so viele das eben geschilderte Schicksal teilten
Und gar die Franzosen nannten besagte Telegra- phen „poste adrienne“ (Luftpost), was den Brief- schreiber zu der Randbemerkung veranlaßt, es gäbe also auch über dem 3 hei! Leute, die längst benannte Dinge mit wunderlichen, wenigstens neu klingenden Benennungen belegen.
Selbstredend handelt es sich trotz alledem weder um drahtlose noch um Luftpost, sondern um einen Apparat, der heute nur mehr in Museen zu sehen ist, nämlich um den optischen Telegraphen der Gebrüder Chappe. Wer in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderls reipe,konnte an den Landstraßen seine Ga'gen ragen sehen, nicht so dicht gedrängt wie unsere Telegraphenstangen, bloß alle paar Wegstunden einer. Die Telegraphie als solche, die Zeichengebung in die Ferne, ist ja uralt, und min darf behaupten, daß die Anlässe zu ihrer Erfindung vorwiegend kriegerische waren. Für den Fall, daß der Feind das Land überfiel, waren Rauch- und Feuerzeichen verabredet, die von Berg zu Berg flammten und die wehrhaften Einwohner zur Verteidigung zusammenriefen. An
I offenen Küsten winkte man mjt Stangen, Flaggen und Lichtern. Viele Naturvölker haben weithin ver- nehmbare Tromwelsprachen. Aber erst vor rund hundert Jahren kam man zur Ausbildung einer
Chappe-Telegraph auf dem Turm einer während der Französischen Revolution demolierten Kirche.


