wie Lydia einfinden an dem Orte, da man pflegt zu beten.
Als der Meister durch Jericho ging, sah Er das Begehren in dem Herzen des Zachäus. Eine große Volksmenge drängte sich an Jesum heran, doch Er sah auf nach dem Manne, welcher auf einen Maul- beerbaum gestiegen war.
Lydia hörte zu. Sie hörte so zu, wie man da, ivv von Gott und göttlichen Dingen die Rete ist, zuhören soll. Sie hörte zu mit einem ernsthaften, gesammelten, auf die Sache selbst gerichteten Geist, mit einem inneren, bestimmten Verlangen, die Wahrheit zu hören und zu erfassen. Sie hörte zu, um zu der ewigen Quelle des Lebens und des Lichtes, um zu klarer Erkenntnis und bestimmter Gewißheit, um zu wahrem Frieden mit Gott zu kommen.
Sie hörte zu, als Paulus zu den Weibern von Sünde und Gnade, von Butze zu Gott uno Glauben an unserenHErrn Jesum Christum, von Tod unö Leben, Finsternis und Licht, Verdammnis und Seligkeit redete, und unter den; Hören des Wortes tat ihr der HErr das Herz auf, daß sie verstehen und erfassen konnte, was von Paulus geredet war.
O, daß alle die Hörer des Wortes Gottes so weit kommen möchten!
Nachdem die Lydia ein Kind Gottes geworden war, lud sie die Boten Christi ein, in ihrenr Hause Quartier zu nehmen.
In ihrer Herzensfreude will sie nun dem HErrn auch dienen, indem sie Seinen Knechten dient. Sie nötigt den Paulus und seine Genossen, teils um ihren Dank damit zu bezeugen, teils um im täglichen Umgang mit diesen Gottesmännern für sich und ihr Haus noch mehr Segen zu empfangen.
„O selig Haus, wo man Dich ausgenommen,
Du wahrex Seelenfrcund, HErr Jesu Christ;
Wo unter allen Gästen, die da kommen,
Du der gefeiertste und liebste bist;
Wo aller Herzen Dir entgegenschlagen Und aller Augen freudig auf Dich seh'n,
Wo aller Lippen Dein Gebot erfragen Und alle Deines Winks gewärtig stehn!"
Das Haus der Lydia wurde eine Hütte Gottes bei den Menschen. Hier wurde der Grund zu der gesegneten Gemeinde in Philippi gelegt, welche später der Apostel seine Freude und seine Krone nennt. Der HErr hat der Lydia das Herz aufgetan, und Lydia hat dem HErrn ihr Haus aufgetan. O. D.
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Im Gefängnis zu H'yilippi.
„Da der Kerkermeister solch Gebot empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Stock Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die b efangenen." (Apg. 16, 24. 25.)
Eine wunderbare Geschichte! Da sitzen zwei Männer im tiefen Kerker. Sie sind unschuldig und
ohne Urteil ergriffen, mit Ruten gepeitscht und dann hierhergeschleppt worden, wo man auch noch ihre Füße, um ihre Schmerzen zu vermehren, in ein Holz- gestell festschraubte, so daß sie sich nicht rühren noch regen, können. Und was tun nun diese beiden armen Gefangenen? Schelten sie auf ihre Verfolger, ver- fluchen sie sie, oder klagen und jammern sie wenigstens über ihr trauriges Schicksal? Nichts von alledem hören wir, sondern gerade das Gegenteil. Sie lobten Gott! Aber wie ist das zu verstehen? Wie konnten sie das tun? Verlangt Gott wirklich so etwas von uns? Das ist ja unnatürlich! Den beiden Gefangenen war das Lob gar nicht unnatürlich, sondern kam ihnen aus innerstem Herzen. Und sie konnten ganz gut Loblieder singen aus verschiedenen Gründen. Zum ersten litten sie um des HErrn Jesu tvillen, weil sie Sein Evangelium verkündigt hatten. Und der HErr Jesus spricht: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um Meinetwillen schmähen und verfolgen." (Matth. 5, 1k.) Und wen der HErr sclig- preist, .sollte der nicht Ihn loben können? Jeder, der schon einmal um des HErrn willen leiden mußte, wird bestätigen können, daß zu solchen Zeiten eine große Freude das Herz erfüllte, wie sie heiliger und reiner kaum gedacht werden kann auf dieser Erde. Es ist dies ja auch gar nicht anders zu erwarten, denn Jesus befiehlt Seinen Jüngern an einer anderen Stelle: „Freut euch alsdann und hüpft!" (Luk. 6„ 23.s Und unser Meister gibt uns nie einen Befehl ohne die Vorbedingungen zu seiner Ausführung. Hüpfen konnten nun zwar Paulus und Silas nicht, aber „ihr Herze ging in Sprüngen", wie Paul Gerhard singt, und so machten sie ihrer Freude in lauten Lobgesängen Luft, die die anderen Gefangenen er- staunt anhörten.
Aber sie hatten noch einen anderen Grund, fröhlich und getrost zu sein. Sie wußten, >vas Pau- lus den Römern schrieb, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Sie wußten, daß der Meister, dem sie dienten, sie nicht mehr leiden ließ, als sie ertragen konnten, daß ihre Gefangenschaft zum Aufbau Seines Reiches nötig und nützlich war, und daß Gott sie jeden Augenblick aus dem Kerker befreien konnte. Sollten sie in solchem Vertraue» nicht glücklich sein?
Wir wissen, daß ihre Zuversicht nicht getäuscht wurde. Der, dem alle Gewalt im Himmel und aus Erden gegeben ist, öffnete plötzlich durch ein Erdbeben die Türen des Gefängnisses und sprengte ihre Fesseln. Die Bekehrung des Kerkermeisters und seiner Angehörigen, vielleickt auch von manchen ihrer Mitgefangenen war die herrliche Frucht ihrer Leiden.
Lieber Leser, gewiß hat sich dir Gott auch schon einmal offenbart, wenn auch nicht in so schrecklicher, erschütternder Weise wie dort im Kerker zu Philippi. Du siehst täglich an der Natur Seine Allmacht; Seine Liebe mußt du in den Führungen deines Lebens erkennen; von Seiner wunderbaren Erlösung


