Ausgabe 
9.7.1916
Seite
2
 
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Aus der Hleuzeit.

Da er aber noch fern war, sah ihn sein Vater, und ward innerlich bewegt und lief hin und siel ihm um seinen Hals und küßte ihn sthr."

Luk. 15, 20.

In der Garnison M. dient ein Soldat, von welchem, obwohl er zur zweiten Klasse des Soldaten­standes gehört, sein Kompagniechef und sein Feldwebel bezeugten:Der zuverlässigste und treuste Mann in der Kompagnie, wir würden ihm alles anvertraue n!" Dabei ist dieser Musketier so glückstrahlend, daß es jedem auffallen muß. Wie ist der Mann in die zweite Klasse des Soldaten­standes gekommen? Wie ist er so glückstrahlend ge- worden? Von Beruf war er Kellner, aus Schwaben gebürtig. Obwohl der Sohn ordentlicher Eltern, war er doch früh auf den breiten Weg der Sünde und des Lasters gekommen. Seiner Militärpflicht hatte er sich durch Fahnenflucht entzogen. Zwei Jahre lang zog er durch Frankreich, die Schweiz, Italien, Österreich, Belgien. Auf dem Wege des Lasters, den er wandelte, war er tiefer und immer tiefer ge­sunken bis zu Hunger und Lumpen. Oftmals schon wollte er seinem Jammerlebeu ein Ende machen, aber die Liebe zu seiner alten Mutter und die Angst vor dem Tode hatten ihn zurückgehalten. Mit falschen Papieren wanderte er bald unter diesem, bald unter jenem Namen. So kam er im Februar 1907 nach W. Dort gibt es ein Lokal, in welchem im Winter an jedem Sonntagmorgen für hungernde, arbeitslose Leute unentgeltlich Frühstück gegeben wird; dann wird ihnen das Evangelium der Gnade verkündigt. Man nennt dies Lokal dieSchrippenkirche". So waren denn an einem kalten Sonntagmorgen, wäh­rend draußen die Schneeflocken flogen, achtzig bis hundert hungrige Leute zum Frühstück versammelt, unter ihnen auch der verlorene Sohn aus Schwaben. Sie hörten, nachdem sie gesättigt, das Wort Gottes aus Hos. 11, wo Gott zu Seinem Volke spricht: Ec nahm sie auf Seine Arme. . . aber sie erkannten nicht, daß Ich sie heilte! Mit Menscheubauden zog Ich sie, mit Seilen der Liebe! . . . Wie sollte Ich dich hingeben, Ephraim, dich überliefern, Israel?" An dies Wort knüpfte der Evangelist eine Dar­stellung von der Liebe Gottes gegenüber dem un­dankbaren Menschen. Er erzählte auch von einer Mutter, die alles für ihren Sohn getan und nach­her von diesem verachtet wurde. Dann wurde das Lied gesungen:Komm heim, komm heim, o du irrende Seel'I" Es stellte sich später heraus, daß an diesem selben Sonntagvormittag die Mutter jenes verlorenen Sohnes daheim unter Tränen gebetet hatte:Ach Gott, laß den Wilhelm kommen, laß ihn heute kommen!" Und er kam zwar noch nicht bis an das Herz der Mutter, aber doch bis zu den Füßen Jesu. Es trieb ihn nämlich an dem­selben Tage zu dem Zeugen Jesu. Dort bekannte er: Der verlorene, undankbare Sohn bin ich!" Er

bekannte den ganzen Sündenweg, den er gegangen war, auch seine Fahnenflucht Er wollte in jeder Beziehung umkehren, und zwar sofort. Jedoch, er konnte nicht glauben, daß seine Eltern ihm vergeben würden, er habe zu schlecht gehandelt, er könne nicht wagen, seiner Mutter zu schreiben.

Der Herr fügte es, daß ein gläubiger Offizier diesem Gespräch beiwohnte, welcher dem zagenden Sünder durch das Gleichnis vom verlorenen Sohn die Liebe Gottes und die Liebe seiner Eltern vor Augen stellte. Da schwand die Furcht. Er über- gab auf den Knien sein Herz, seinen Willen, seine ganze Zukunft dem HErrn Jesu. Alsdauu schrieb er seiner Mutter ein volles Bekenntnis des hinter ihm liegenden Lebens. Man kleidete ihn in anständige Kleider.

Am nächsten Morgen stellte er sich dem Bezirks- kommando als fahnenflüchtig. Er wurde verhaftet. Er gab zu Protokoll, wer er war und daß die Gnade Gottes ihn zur Umkehr gebracht. Es kam zur kriegsgerichtlichen Untersuchung. Auch der Evan- gelist wurde vernommen, um auszusagen, durch welche Beweggründe er diesen Mann dazu gebracht habe, sich der Militärbehörde zu stellen. Der Bote Gottes bezeugte, daß die Liebe Gottes diesen ver- lorenen Sohn von den Wegen der Sünde und des Elends zurückgeholt habe. Das alles wurde im Gerichtstermin aus den Akten vorgelesen; das ganze Kriegsgericht hörte die Botschaft der Gnade. Der Schuldige wurde wegen Fahnenflucht und Unterschlagung zu sechs Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes verurteilt.

Aus dem Gefängnis schrieb er folgenden Brief:

Nun ist der Strick zerrissen!

Das ängstliche Gewissen Ist alles Kummers frei!

Die Wunden sind verbunden Durch Christi Blut und Wunden!

Die Gnade macht von Sünden frei!

Es ist mir der größte Genuß, mich ins Wort Gottes zu vertiefen. Es kommt mir alles ganz anders und herrlicher vor denn früher, entweder bin ich ganz anders geworden, oder hat sich die Bibel verändert! Trotz meines Elends bin ich glücklicher denn je, glücklicher als alle Reichen der Erde, denn ich habe eine sichere Hoffnung nach Ps. 31, 15 (da steht: »Ich aber, ich habe auf Dich vertraut, Jehova; ich sagte: Du bist mein Gott!-) und eine vollgültige Quittung nach 1 Joh. 1, 7 (da steht: »Das Blut Jesu Christi, Seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde«) . . ." v. V.

Kin verlorener Sohn.

Die Geschichte des verlorenen Sohnes hat sich, seit Jesus sie der Menge erzählte, oft wiederholt,