Ausgabe 
4.6.1916
Seite
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Stimme Gehör geben, die auch dich drängt und nötigt einmal über das andere mit Bitten, Ermahnen und Züchtigen, um dich aus der Gemeinschaft von Welt und Sünde heranszureißen und dich zu bergen vor den Wettern des zukünftigen Zornes? Bedenke es wohl: Wo sich's um Rettung der Seele handelt, tut Eile not! Lot war nur die kleine Spanne Zeit zivischen Morgendämmerung und Sonnenaufgang zur Rettung gegeben. Wer weiß, wie kurz für dich die Gnadenzeit bemesfen ist! Darum eile, eile, daß du sie nützest! Eile und siehe nicht hinter dich! Es gibt nur eine Zuflucht, da man geborgen ist für Zeit und Ewigkeit, ein Zoar, darin man unter aller Angst der Welt in Frieden ruhen kann, das ist die Freistatt unter Jesu Kreuz. Eile und rette dich dorthin!

ZL

Nicht mehr zu reiten.

Ich leide Pein in dieser Flamme."

Luk. 16. 24.

Am Freitag, den 20. September 1901, früh 2 Uhr fuhr der Eilzug, der aus Bukarest nach Ofen-Pest geht, von der kleinen rumänischen Station Palota ab. Der Zug selbst wie der Bahnbetrieb waren in bester Ordnung. Alles ging pünktlich und vorschriftsmäßig. Unmittelbar darauf kam ein Petroleumzug mit sechzehn vollen, je 10000 Kilo- gramm enthaltenden Wagen in die Station und trat alsbald die Weiterfahrt an.

Von Palota an hatte die Bahnstrecke ein starkes Gefälle. Der Eilzug fuhr mit der vorgeschriebeuen Geschwindigkeit von 35 bis 40 Kilometern in der Stunde, als plötzlich der Bremser des letzten Wagens von einem im Dunkel der Nacht fahrenden Zuge Notsignale vernahm. Die Bremsen des Petro­leumzuges hatten nämlich den Dienst ver­sagt, und die kolossale La st stürzte in rasender Eile vorwärts. Das Personal des Eilzuges wußte sich die Notzeichen nicht zu erklären und brachte, anstatt rascher zu fahren, auf offener Strecke den Eilzug zum Stehen. Der Petroleum- zug, der die Strecke von Palota bis zur Unglücks­stätte in 62 Minuten hätte zurücklegen sollen, ivar tatsächlich in acht Minuten dort angelangt und fuhr mit solcher Kraft in den Schnellzug hinein, daß beide Züge buchstäblich zertrümmert wurden. Nur die Lokomotive des Eilzuges und die beiden letzten Wagen des Petroleumzuges blieben fast unbeschädigt.

Die Wirkung des Zusammenstoßes war entsetz­lich. Aus vierzehn großen Behältern ergoß sich das Petroleum wie ein Sturzbach auf den Eilzug, und diese Flut wurde von der Lokomotive des Lastzuges >n Brand gesetzt. Im Nu waren beide Züge und die ganze Strecke weit hinunter von einem Flammen­meer umgeben, aus dem die markerschütternden Hilfe- rufe und das Stöhnen der in den Waggons ein- geschlossenen Opfer ertönten.

Zwei Männer, die sich beinahe durch die Flucht ans dem Feuermeer gerettet hätten, kamen dennoch m den Flammen um, weil ihre Füße zwischen einige Balken gerieten, in denen sie festgehalteu wurden. Der eine war der Millionär Dinu aus der Stadt Crajowa. Er rief den Lokomotivführer um Hilfe an und bot ihm eine große Summe Geldes, wenn er komme und ihm den gefangenen Fuß abhacke, damit doch sein Leben gerettet würde. Er wollte lieber als Krüppel am Leben bleiben, als mit zwei Füßen in den Flammen umkommen. Aber ach, es konnte ihm auch dieser Dienst nicht erwiesen tverden, er war nicht mehr zu retten.

Ebenso erging es dem eingeklemmten' Schlaf- wagenkondukteur Schwarz. Er grub seine Nägel so tief in den Hals eines rumänischen Arbeiters, der ihn retten sollte, daß dieser nur mit Hilfe anderer, die Gewalt anwenden mußten, aus den Armen des Unglücklichen befreit werden konnte. Schwarz aber kam wie jener Millionär in den Flammen um. Auch er war nicht mehr zu retten.

Unter den vielen und mannigfaltigen Eisenbahn- nnglücksfällen ist dies wohl der schrecklichste und deshalb besonders erschütternd, weil kein Versehen, kein Versäumnis, keine Unordnung oder Nachlässig- keit mitgespielt hat. Auch waren die Menschen, die da umkamen, nicht etwa besondere Sünder, nein, es waren achtbare Leute, wie sie rings um uns her leben - man arbeitet, dient, tut seine Pflicht und nimmt das Leben mit seiner Mühe und Last, seinen Freuden und Zerstreuungen, wie es der Tag bringt.

Erinnert nicht dieser Millionär Dinu, der nicht lange zuvor in das behagliche Kupee des Eilzuges gestiegen war, an den reichen Mann, von dem der Sohn Gottes erzählt? (Luk. 16, 1921.) Das war auch ein sehr achtbarer Mann, der gemäß der Lehre seiner ererbten Religion Abraham seinen Vater nannte. Aber ach, er war trotz all seinem Reichtum ein unversöhnter Sünder! Der HErr läßt uns einen Blick tun in das furchtbare Unglück, welches diesen Mann ereilte, als sein Erdenleben plötz­lich abgelaufen war. In der Hölle, in der Qual jammert dieser Unglückliche:Ich leide Pein in dieser Flamme!" Vor diesem schrecklichen Geschick will Gott dich bewahren Es ist viel schrecklicher als jenes erschütternde Eisenbahnunglück.

Lieber Freund, wenn du die Zeitung liest, so vernimmst du, was in dieser vergänglichen Welt geschieht. Der gewaltige Krieg mit all seinen Grausam- keilen läßt die Männer und Jünglinge zu Tausenden sterben. In alle diese Ereignisse ist für dich die Mah­nung Gottes hineingewebt: Errette deine Seele!

Der unglückliche Dinu bot vergebens seine Be­lohnungen, er war nicht mehr zu retten. Du aber, Freund, wenn du noch nicht in Sicherheit gebracht bist am Herzen Jesu, du bist noch zu retten! Gott will, daß du errettet werdest. v. V. f.