Ausgabe 
28.5.1916
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an ihre Adresse gelangt oder den oft wechselnden Empfänger nicht erreichen kann? Sollten wir Nicht lieber recht dankbar sein, daß wir durch all die neu- Zeitlichen Errungenschaften und Verkehrsmittel in so ausgiebiger und schneller Weise mit den Angehörigen im Felde und diese mit uns daheim in Verbindung stehen? Wie war es dagegen in früheren Zeiten und noch vor hundert Jahren I Da erreichte den Krieger im Felde und die in der Heimat seiner Harrenden oft monatelang keine Nachricht, bis der Krieg zu Ende war und der Ersehnte heimkehrte oder nicht wieder heimkehrte. Heute aber kann man täglich schreiben, und in kurzer Zeit gelangen die Briefe bis in die vordersten Gefechtslinien; und wie werden die wackeren Streiter erquickt durch solche Briefe und Liebesgaben! Und wo sich ihnen nur eine Gelegenheit bietet, oder wo ihnen der Dienst eine Stunde Zeit läßt, da sitzen oder stehen und schreiben sie schnell noch einen Gruß an liebe Menschen daheim. Ach, und wie zu manchemletzten Gruß" ist schon tausendmal oft solch eine mit Blei- stift oder Tintenstift gekritzelte Feldpostkarte geworden!

Wie tröstlich aber auch für die Empfänger, wenn solche letzten Grüße ihnen sagen, daß der Schreiber nicht nur in sehnender Liebe heimwärts-, sondern auch im gläubigen Gottvertrauen aufwärts- blickte! Möchten das all unsere Soldaten nicht ver- gessen; möchten sie das Grüßen der Lieben in der Heimat immer verbinden mit einem Grüßen ihres Gottes, auch wenn es nur ein kurzer Gruß sein kann und ein stilles Herzensgespräch mit Dem, der bisher Seine schützende Hand über ihnen hielt I Und möchten sie sich neben den Briefen aus der Heimat recht oft auch grüßen lassen von ihrem Gott und Heiland in Seinem Wort, besonders in den christ­lichen Schriften, die die Herzen aufwärtsweisen und zu' Ihm rufen in die obere Heimat, in die doch auch der heldenmütigste Kämpfer fürs irdische Vater- land nicht eingehen wird, wenn er das Grüßen Gottes unbeantwortet ließ und zuvor nicht getan hat, wie der Dichter es in die Worte saßt:

Schickt das Herze da hinein,

Wo es ewig wünscht zu sein!"

G. $-

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Die große Entscheidung.

Auf einem schmalen Hügelrücken bei Donau- eschingen in Baden steht eine kleine Kapelle. Sie ist so gebaut, daß das Wasser des Daches auf der Ostseite in die Donau und durch diese in das Schwarze Meer, nach der Westseite durch den Rhein in die Nordsee fließt. Über der Tür steht die In- schrift:Der Name des HErrn sei gelobt vom Osten bis zum Westen." Die Regentropfen, die auf das Dach herniederfallen, scheiden sich an einer schmalen Linie. Eine Dachkante, nicht breiter als ein Finger,

macht eine Trennung zwischen ihnen, eine Trennung, die immer größer wird, so daß zuletzt ein Weltteil dazwischen liegt.

Es gibt in dem Leben des Menschen solche Scheidelinien. Zwei junge Männer wachsen zu- sammen auf, sie haben dieselbe Erziehung, lesen die- selben Bücher, stehen unter denselben Einflüssen, leben in derselben Umgebung; es scheint, als müßte ihr Weg immer parallel laufen, und am Ende geht es gerade in entgegengesetzter Richtung, bei dem einen aufwärts, bei dem anderen abwärts. In dem- selben Gebäude sitzen zwei bei einander, dieselben Worte, dieselben Lieder, dieselben Gebräuche und doch gehen sie einem entgegengesetzten Ziel entgegen. Woran liegt es? Es gab tief verborgen eine innere Entscheidung, es war zunächst nur ein Schritt, der den einen vom anderen trennte, aber dieser Schritt hatte die erste Scheidung vollzogen, allmählich gingen die Richtungen immer weiter voneinander, bis sie gerade entgegengesetzt waren. Und was ist diese innere Entscheidung?Das ist das Gericht (die Scheidung), daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht." (Joh. 3, 19.) Ein Strahl des Lichtes fällt in mein Herz, und damit bin ich vor die Entscheidung gestellt. Dies Licht zeigt mir, wie verderbt mein Herz ist, was soll ich tun? Beuge ich mich unter die Wahrheit, so kann das Licht mich auf den rechten Weg bringen, es kommt dann zu einem Bruch mit der Vergangenheit. Oder aber, es ist mir unangenehm, daß das Licht mich verurteilt, ich will das nicht mehr haben, ich sträube mich dagegen, ich übertäube die Stimme des Ge­wissens und das Licht zieht sich zurück, es wird dunkel in mir. Dem ersten Schritt folgen tausend andere, sei es nach der einen oder anderen Richtung, aber der Anfang liegt in der ersten Entscheidung. Wieder und wieder mahnt das Licht, wieder und wieder tritt Jesus Christus, das Licht der Welt, an den Menschen heran.

Wer verlorengeht, geht verloren, weil er sich nicht unter die Wahrheit beugen wollte, weil er das Licht haßte, das ihm zeigte:Du bist verloren und mußt gerettet werden!"

Wenn Jesus dein Herz, dein Leben in Seme Hand nehmen will, tut Er es, um dich zu segnen. Aber was denkt der Mensch, wenn er aufgefordert wird, sein Herz Jesu zu übergeben ? Er hält das für ein hartes, schweres Ding. Er vertraut Jesu nicht. Das ist der tiefste Grund des Verderbens. Wie vieleLeute sträuben sich dagegen, sich Jesu zu übergeben!

Jesus will uns reich und glücklich machen. Er will unsere Herzen füllen mit Liebe, Friede, Freude, Heiligem Geist. Welche Narren, die da meinen, es wäre ein hartes Ding, sein Herz Jesu zu übergeben!