Ausgabe 
7.5.1916
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-Gottsuchern und zu mit Gott redenden Menschen. Dabei dürfen sie aber nicht stehenbleiben. Aus den Gottsuch'ern müssen Gottfinder und Gottgefuudene und solche Menschen werden, die den Willen Gottes tun, die fortan auf Seiner Seite stehen und kämpfen, die mit göttlichen Kräften und Gaben ausgerüstet sind zur Mitarbeit am Bau Seines Reiches, und die Ihm lebenslang die gelobte Treue halten.

Wie der Krieg eine große Prüfungszeit für viele ist, in der sich ihre Vaterlandsliebe zu be­währen hat, so wird mit Friedensschluß eine große Prüflings- und Züchtigungszeit kommen für alle, die jetzt mündlich oder schriftlich bezeugen, daß sie

wieder glauben lind beten gelernt haben und mit Gott in Verbindung stehen. Besonders bei unseren heimkehrenden Kriegern wird sich's ja bald zeigen, welchergestalt ihr'Glaube und ihr Gottvertrauen war, ob sie tief, gewurzelt und fest gegründet sind im Heils- bodeu der Gnade Gottes in Christo Jesu, oder ob sie. sich nur in der Not und in der Furcht des Todes einen Gottesbegriff zurechtlegten, den sie wieder bei­seiteschieben, lvemr sie jeglicher Gefahr entronnen sind. Manche sollen das ja schon tun, sobald sie aus dem todumdrohteu Schützengraben heraus

und vor den feindlichen Kugeln in Sicherheit sind. Arme Menschen der Oberflächlichkeit, die den heiligen und allmächtigen Gott nur als ihren Nothelfer an­sichen und begehren!

Aber wir wollen nicht andere richten, sondern in unser eigenes Herz schauen und uns prüfen, ob darinnen schon die Liebe zu Dem in heiliger Flamme brennt, der uns geliebt hat bis in den Tod? Das ist ja die Hauptsache, daß wir, wenn unser Christen­tum eckt und tief gegründet ist und wir hinfort rechte Kämpfer und Streiter Jesu Christi sein wollen, ausgerüstet sind mit dem Heiligen Geist, der aber nur in solchen Herzen Wohnung nehmen kann, die unter Christi Kreuz auf Golgatha standen, ihre Schuld und Missetat bereuten, ihre Sünde sich ver­geben ließen und Reinigung und Frieden im Blute Jesu fanden. Wohl dir, wenn solches schon deines Lebens seligste Erfahrung und deines Herzens un- entreißbarer Besitz geworden ist! G. H.

Knabe.

Also steht geschrieben, und also mußte Christus leiden und am dritten Tage auferstehen von den Toten und in Seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, an- fangeud zu Jerusalem." (Luk. 24, 46. 47.) Welch gnadenreiche Worte! Buße und Vergebung der Sünden sollten zuerst in Jerusalem gepredigt werden. Und was für ein Ort war Jerusalem? War es eine gottesfürchtige Stadt? Hatte» etwa die Be­wohner in ihr einen großen Eifer für Jesum oder

eine besondere Liebe zu Ihm an den Tag gelegt, daß ihnen deshalb eine so große Gunst zuteil wer­den sollte? O nein; wir finden gerade das Gegen­teil. Hören wir nur, was der HErr Jesus selbst von dieser Stadt sagt, und zwar kurz vor diesem gnadenreichen Aufträge:Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr ge­sandt sind! Wie oft habe Ich deine Kinder ver­sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein ver­sammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!" (Matth. 23, 37.) Das bewies in der Tat keinen Eifer für den HErrn, keine Liebe zu Ihm. Und was taten sie nachher? Gingen sie in sich? O nein, sie fügten vielmehr ihrer Bosheit die schändlichste aller Sünden hinzu; sie machten sich der abscheulichsten Tat schuldig, die je von Menschen verübt worden ist. Mit ruchlosen Händen erwürgten sie den eingeborenen Sohn Gottes; sie schlugen Den ans Kreuz, der nichts als Güte und Liebe ihnen erwiesen hatte. Jetzt waren sie die unbußfertigen Mörder Jesu. Und in dieser Stadt der Mörder, der Mörder des Sohnes Gottes, sollte nun zuerst die Vergebung verkündigt werden. Unbegreifliche Liebe, die alles Denken übersteigt! Ein Strom von Gnade floß von dem auferstandenen Jesus in diese mörderische Stadt und bot ihren Bewohnern völlige Vergebung an.

Und nun siehe, geliebter Leser, auch du bist, wie jeder Mensch, ein Sünder, und all dein Dichten und Trachten war böse von Jugend auf; Gott aber ist heilig und gerecht. Welch eine unermeßliche Kluft liegt zwischen dir und Gott! Und nie kann Er in Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit mit dir, als einem Sünder, irgendwelche Gemeinschaft haben; du würdest für immer unter Seinem Zorne und außerhalb Seiner Gegenwart bleiben müssen. Der Mensch muß ge­rettet werden, wenn er vor Gotk bestehen will. Der Name Gottes sei deshalb gelobt, daß Er uns eine Botschaft gesandt hat, die von einer vollkommenen Gnade zu uns redet; es ist dasEvangelium der Gnade Gottes". (Apg. 20, 24.) Und diese Gnade, dieselbe reiche Gnade, die von dem auferstandenen Jesus Seinen Mördern entgegenströmte, strömt noch heute dem entgegen, der sich in wahrem Selbstgcricht vor Ihm beugt. Was du selbst auch über deine» Zustand denken magst, Gott weiß, daß er ganz und gar böse und verderbt ist; und gerade deshalb fließt dieser Strom Seiner reichen Gnade. Sie allein kann dich erretten; o möchtest du es erkennen! Sie allein kann dein Gewissen von jeder Sünde reinigen und dichtadellos vor Seiner Herrlichkeit darstellen mit Frohlocken". Von Jesu heißt es jetzt:Durch Diesen wird euch Vergebung der Sünden verkündigt", und:In Diesem wird jeder Glaubende gerechtfertigt". (Apg. 13, 38. 39.)

Derselbe Jesus, der zu Jerusalem ans Kreuz geheftet und getötet wurde, Er, der nach dem Willen Seines Vaters zerschlagen wurde, auf daß wir Frieden

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