wer zu Ihm kommt, wird nicht von Ihm hinaus- gestoßen. Wer an Ihn glaubt, hat das ewige Leben, kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tode in das Leben hinübergegangen. Er gehört zu der glücklichen Schar derer, welche sagen können: „Wir wissen, daß, wenn unser irdisches Haus, die Hütte, zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel." (2 Kor. 5, 1.)
Um jedoch diese Gewißheit empfangen zu können, muß man zuerst erkannt haben, daß man sich in der Finsternis befindet und blind ist. Zu den Juden, die in ihrer Feindschaft fragten: „Sind denn auch wir blind?" sagte Jesus: „Wenn ihr blind wäret, so würdet ihr keine Sünde haben; nun ihr aber saget: Wir sehen, so bleibt eure Sünde." Wer sich für sehend hält, bleibt in der Finsternis; wer dagegen erkennt, daß er sich in der Finsternis befindet, kommt zum Lichte. Jesus ist in diese Welt gekommen, nicht um Gerechte zu suchen, sondern Gottlose. Er gibt den Blinden das Gesicht und den Toten das Leben. Er ist das Licht der Welt.
K
Marlirmius.
(Mark. 10, 46-52.)
Drei Dinge werden uns von Bartimäns gesagt, die seine traurige Lage darstellen: Er war blind,
er saß am Wege, und er bettelte. Das Augenlicht ist eine sehr kostbare Gottesgabe Vermittelst derselben kann der Mensch aus seinem Innenleben heraustreten und teilnehmen an den Freuden, die ihn umgeben. Manchen Genuß mag auch der Blinde haben, aber er kann nicht in das Angesicht seiner Lieben schauen, kann nicht die Schönheit der Natur betrachten, die Welt der Blumen bleibt ihm fremd, und er kennt nicht die Pracht des Sternenhimmels. Bartimäns war nicht nur blind, sondern auch arm, er saß am Wege und mußte seinen Unterhalt erbetteln.
Das Heilen der Blinden war von den Propheten hinsichtlich des kommenden Messias vorausgesagt. „Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden, und der Tauben Ohren werden geöffnet werden." (Jes. 35, 5; Ps. 146, 8.) Das Heilen von Blinden führt der HErr Jesus in Seiner Botschaft an Johannes den Täufer als Zeichen Seiner Messiasschaft an. (Matth. 11, 5.) Diese Blindheit aber ist auch ein Bild von dem verfinsterten Zustand der von Gott getrennten Seele. „Laßt sie fahren, spricht der HErr, denn sie sind blind und blinde Leiter!" (Matth. 15, 14). Ja, es gibt einen Zustand, in welchem die göttliche Erleuchtung völlig fehlt, wo man weder seine Sünden noch das Heil in Christo erkennt. Solche Blindheit ist trauriger als leibliche Blindheit, aber Jesus kann auch solchen die Augen öffnen.
Und da Bartimäus hörte, daß es Jesus, der Nazarener, sei, begann er zu rufen. Ohne Zweifel hatte er von den wunderbaren Heilungen des HErrn gehört. Er nimmt sofort die Gelegenheit wahr, um gerettet zu werden. Wir sehen, daß es Bartimäus völlig ernst war mit seiner Bitte. Die Erkenntnis, daß Jesus helfen kann, genügt ihm nicht, er ruft. „Rufe Mich an in der Not, so will Ich dich erretten und du sollst Mich preisen." „Denn wer den Namen des HErrn anrufen wird, der soll selig werden." (Röm. 10, 13). Bartimäus konnte als Blinder nicht viel tun, aber er hatte eine Stimme und die gebrauchte er. Es ist zu bemerken, daß er das Erbarmen des HErrn anruft: „Erbarme dich meiner!" O, was liegt nicht alles in dem Hilferuf dieses armen Mannes! Dieser zeugt von seinem Elend, von seinem Verlangen nach Heilung, von seinem .Vertrauen, daß der Mann von Nazareth ihn heilen kann; eine solche Bitte findet des Heilandes Herz. Und Jesus stand still und ließ Bartimäus rufen, und dieser kam sofort. Der Hilfesuchende muß aber sein Begehren persönlich Vorbringen. Gewiß wußte der HErr, was diesem Manne fehlte; sein Gang, ein Blick in sein Angesicht zeigte, daß er ein Blinder war, und doch fragte Jesus ihn: „Was willst du, daß Ich dir tun soll?" Unsere Bitten sollen vor Ihm kund werden, das Aussprechen derselben zeugt von Vertrauen und Glauben, und es ehrt den HErrn, wenn wir Ihm unsere tiefgefühlten Bedürfnisse mitteilen. „Rabbuni, daß ich sehend werde!" „Rabbuni" ist eine verstärkte Form von „Rabbi", Lehrer. Ein Blinder, der arm ist, hat noch andere Bedürfnisse, Bartimäus aber legt alle Kraft in diese eine Bitte, daß er sein Augenlicht empfange; er ist zielbewußt im Bitten. Seine Heilung ist eine sofortige, und sie geschieht durch Jesu Machtwort. Sie hat aber noch ein Merkmal: es ist eine
Glaubensheilung. „Und Jesus sagte zu ihm: Gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend und folgte Ihm nach." Ja, die Heilung stand in innigster Verbindung mit dem Glauben, und Jesus schreibt sie diesem zu. Die Kraft des Glaubens aber besteht nicht in der Vorzüglichkeit des Menschen, sondern darin, daß derselbe mit der Quelle der Heilskraft verbindet. In ihrem Elend klammert sich die Seele an den mächtigen Heiland, und die Rettung ist da. Der Glaube ist die Vorbedingung, die Empfänglichkeit, das Jnan- spruchnehmen der göttlichen Hilfe, diese aber ist in Gott selbst. Die Geschichte von Bartimäus' Heilung sollte uns ermutigen, mit allen unseren Leiden zum HErrn zu kommen. „Sendbote."
K
Wetter — Richter.
Eine junge, vornehme Frau, die plötzlich Witwe geworden war, hatte bis dahin mit ihrem Manne


