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Aber noch ein anderer Gedanke kam mir angesichts der blinden Krieger. Wie viele Menschen gleichen in geistlicher Beziehung diesen Unglücklichen, mußte ich mir sagen. Sie sehen, sie besitzen das Licht des leiblichen Auges und sind dennoch blind, sind mit geistlicher Blindheit geschlagen. Ach, und das ist weit schrecklicher, als leiblich blind zu sein! O die Armen, welche ohne das Licht der Seele, ohne Jesum, diese Welt durchschreiten! Denn die Nacht des leiblichen Auges dauert nur Jahre, im schlimmsten Fall einige Jahrzehnte, aber die Finsternis dessen, der Jesum verwirft, währt ewig, ewig. Diese Qual nimmt nie ein Ende, in alle Ewigkeit nicht.
Doch Gott sei gepriesen! von dieser Blindheit kann jedermann geheilt werden. Schon in Ps. 146, 8 lesen wir: „Jehovah öffnet die Augen der Blinden", und der HErr Jesus stellt sich selbst als Den dar, der gesandt worden ist, „Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden das Gesicht". (Luk. 4, 18.) Um das zu können, mußte Er freilich ans Kreuz gehen. Auf vaß „die Nichts eh enden sehen" möchten, mußte Sein Auge im Tode brechen. Aber Er hat auch ein ganzes Werk getan. Wer von Herzen an Ihn glaubt, der ist in Wahrheit ein sehend Gewordener, der sieht, selbst wenn das Licht seiner leiblichen Augen für immer erlischt. Alle Finsternis ist von ihm gewichen, und die Strahlen einer überirdischen Herrlichkeit werden in Ewigkeit sein Auge und sein Herz erquicken.
„Gins weiß ich, daß ich ötind war und jetzt setze."
Obige Worte richtete der Blindgeborene, des" der HErr Jesus die Augen geöffnet hatte, an die Pharisäer. Es war ein klares, unwiderlegliches Zeugnis. Was die Feinde des HErrn auch gegen Ihn Vorbringen mochten, die eine große Tatsache, daß dem von seiner Geburt an blinden Manne die Augen geöffnet worden waren, konnten sie nicht ableugnen. Und wenn auch der einfache Alaun nicht imstande war, auf alle an ihn gerichtet n Fragen zu antworten, und auch noch nicht wußte, daß sich durch das an ihm vollzogene Wunder die Herrlichkeit des Sohnes Gottes geoffenbart hatte, so legte er doch durch die einfache Mitteilung von dem, was mit ihm geschehen war, ein herrliches Zeugnis von der Macht und Liebe Dessen ab, der in die Welt gekommen ist, um das Verlorene zu suchen und zu erretten.
Ähnlich ist es heute mit jedem wahren Gläubigen. Er kann jetzt im Blick auf die geistliche Finsternis, in welcher er sich befand, klar und zuversichtlich bezeugen: „Eins weiß ich, daß ich blind war und jetzt sehe." Mögen die Menschen auch zweifelnd tragen, wie dies möglich sei, mögen sie
die mannigfachsten Gründe dagegen anzuführen suchen, > das Zeugnis bleibt unerschütterlich bestehen. Und jedermann muß die Wahrheit desselben anerkennen. Denn wie bei dem Blindgeborenen deutlich wahrzunehmen war, daß er nicht mehr blind war, sondern sah, so ist auch bei dem Gläubigen (ich spreche hier natürlich nur von einem wahren Gläubigen, der im Lichte Gottes wandelt) die Veränderung deutlich erkennbar.
So ist es immer gewesen. Denken wir nur an Saulus von Tarsus. Welche Veränderung fand bei ihm statt! Aus dem heftigsten Verfolger der Christen wurde der treuste und eifrigste Jünger des HErrn. Sein ganzes Leben, alles was er war und hatte, stellte er fortan in den Dienst Dessen, den er mit der ganzen Kraft seiner Seele gehaßt hatte. Denken wir ferner an den Kerkermeister zu Philippi, der seine Gefangenen, Paulus und Silas, auf das härteste und gefühlloseste behandelte und kurz danach beide Männer in sein Haus aufnahm, ihnen die Striemen abwusch und sie freundlich bewirtete, indem er mit seinem ganzen Hause frohlockte über das, was Gott an ihm getan hatte. Denken wir an die dem Götzendienst ergebenen Thessalonicher, von denen Paulus bezeugen konnte, daß alle, die um sie her wohnten, wußten, daß sie sich „von den Götzenbildern zu Gott bekehrt hatten, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen".
Diese Beispiele sind nur einige von vielen. Der freundliche Leser wird mit Leichtigkeit noch manche andere in der Schrift auffinden können. Und wahrscheinlich braucht er sich nur umzusehen unter seinen Bekannten, um solche zu finden, die einst der Welt und Sünde gedient haben, aber jetzt freudig die Schmach Christi tragen. Gott gebe, daß er diesen Beispielen seine eigene Geschichte hinzufügen und, wenn es heute noch nicht geschehen kann, doch bald von sich sagen könne: „Ich weiß, daß ich blind war und jetzt sehe!"
Herrlich ist es, also sprechen zu können. Es ist keine unsichere Hoffnung, sondern eine volle Gewißheit, kein Denken und Meinen, sondern ein sicheres Wissen. Wer aus der Finsternis ins Licht gekommen ist, weiß dies. Es ist eine Erfahrungssache, eine feststehende Tatsache. Genau so wie der Blindgeborene wußte, daß er einst blind war, jetzt aber sah, so weiß auch der an Christum gläubig Gewordene, daß seine Seele in den Banden der Finsternis lag, jetzt aber im Lichte ist. Er weiß, daß er aus der Macht der Finsternis befreit und versetzt worden ist in das Reich des Sohnes der Liebe Gottes, daß Gott ihn berufen hat aus der Finsternis z» Seinem wunderbaren Lichte, und daß er jetzt teil hat an dem Erbe der Heiligen im Lichte. (Kol. 1, 12. 13; 1 Petri 2, 9.)
Wer diese Gewißheit noch nicht hat, sollte wahrlich nicht ruhen, bis er sie auch sein eigen kann. Jesus allein kann sie geben; und


