Wohnung gewechselt. Da er nicht zu meiner Klasse gehörte und mir infolgedessen gänzlich unbekannt war, konnte ich ihm auch wenig Helsen. Ich war in Verlegenheit; ein solcher Fall war mir noch nicht vorgekommen.
„Kannst du mir denn nicht die Richtung ungefähr angeben, wo du nach deiner Meinung wohnen mußt?" fragte ich endlich. „O ja," antwortete er ganz wohlgemut; „zuerst müssen wir links gehen." „Gut," antwortete ich, „gib mir die Hand. Wir wollen zusammen gehen." Wir schritten in der be- zeichneten Richtung voran, bis wir an einen Kreuzungs- Punkt gelangten. „Wie geht's jetzt weiter?" „Diese Straße hier." „Weißt du das sicher?" „Ja, ganz sicher." So setzten wir unseren Weg fort. Als wir einige Minuten gegangen waren, fragte ich: „Sind wir auch wirklich auf dem richtigen Wege?" „Ja. gewiß." Die Sache kam mir verdächtig vor, doch sagte ich vorläufig nichts und ging weiter. Doch als wir wieder an einen Kreuzungspunkt kamen, blieb !! ich stehen und sagte entschieden: „Höre, mein Junge, wir sind nicht auf dem richtigen Wege. Es ist fast unmöglich."
Nun bekannte der Kleine, daß er nicht mehr wisse, wo er sei. Was war zu tun? Nach einigem Überlegen beschloß ich, ihn mit in meine Wohnung zu nehmen. Hier wurden ihm Butterbrot und Tee vorgesetzt. Er war völlig unbesorgt und aß mit bestem Appetit. Während er aber fröhlich und ver- gnügt war wie immer, warteten seine Eltern daheim voller Sorge auf ihr Söhnchen. Schließlich machte der Vater sich auf den Weg zur Sonntagsschule. Er vernahm dort, daß man den Kleinen mit mir auf der Straße gesehen habe, erfuhr meine Adresse und eilte nun in meine Wohnung. Seine Freude war nicht gering, als er den Vermißten früh- iich und gesund bei mir anlraf. Wie ich jetzt hätte, hatte der kleine Bursche mir den der elterlichen Wohnung gerade entgegengesetzten Weg angegeben.
Auch dieser Knabe war also, sich selbst überlassen, verloren; aber es beunruhigte ihn nicht. Er machte sich keinerlei Sorgen darüber, und wenn ich ihn nicht mitgenommen hätte, so wäre er vielleicht durch die Stadt gewandert, von einer Straße rn die andere, bis die hereinbrechende Dunkelheit -hm endlich die schreckliche Gewißheit gebracht hätte, daß er in der Tat verirrt, verloren war.
Vielleicht gleichen manche meiner Leser diesem Knaben. Viele Menschen wissen wohl, daß sie verirrt sind, aber sie haben ihren eigenen Weg, um gerettet zu werden, und sind überzeugt, daß dieser Weg der richtige ist. Dabei sind sie völlig ruhig und unbesorgt. Manche behaupten auch, daß es verschiedene Wege zur Errettung gebe und daß jeder fetbcc wissen müsse, welchen Weg er einzuschlagen habe. Gute Werke tun, Almosen geben, religiös I-'in, ein gutes, ehrbares Leben führen, das sind nach
ihrer Meinung Wege, die unbedingt zum Himmel führen müssen.
Mein Leser, gehörst du zu dieser Klasse von Verlorenen? Höre, Jesus sucht dich. Er ist bereit, dich aufzunehmen, dir einen Platz in Seiner Herr- lichkeit zu geben, ja, Er verlangt danach, dich zu retten, Er läßt dich bitten, zu Ihm zu kommen und dich mit Gott versöhnen zu lassen. Das ist eine wunderbare Gnade, nicht wahr? Und alle, die Seiner Einladung folgen, die an Ihn und Sein auf Golgatha vollbrachtes Werk glauben, sind für alle Ewigkeit in Sicherheit gebracht. „Ich gebe ihnen ewiges Leben," sagt Jesus, „und sie gehen nicht verloren ewiglich, und niemand wird sie aus Meiner Hand rauben." Ihrer Sünden und Gesetzlosigkeiten wird nie mehr gedacht werden. (Ebr. 10, 17.) Eine Stätte ist für sie bereit in der Herrlichkeit des Vaterhauses droben.
K
Jesus sucht dich.
Jesus sucht dich, laß dich finden,
Laß dich retten, komm herzu!
Laß dich heilen und verbinden.
Komm, beim Heiland, da ist Ruh'I
Da ist Friede für die Seelen,
Die in Haß und Not der Welt Sich vergebens müh'n und quälen,
Bon des Satans Netz umstellt.
Jesus sucht dich! Voll Erbarmen,
Voller Liebe ist Sein Herz,
Und Er steht mit offnen Armen,
Daß du zögerst, macht Ihm Schmerz.
Denn du fehlst Ihm! Sein Verlangen Steht nach dir und deinem Glück,
Flieh die Feinde, die dich zwangen,
Kehr zu deinem Herrn zurückI
Jesus sucht dich, laß dich finden,
Gibst du deinen Willen dran,
Beugst du dich mit deinen Sünden,
Dann ist alles schon getan.
Ew'ger Friede, ew'ge Freude Warten dein schon in der Zeit,
Und ein Kleid von weißer Seive
Droben in der Herrlichkeit. H. v. R.
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Ein ungekannter Schah.
Vor einiger Zeit starb in Pennsylvanien ein über hundert Jahre alter Indianer in großer Armut. Nach seinem Tode erinnerten seine Freunde sich, daß er immer eine kleine Rolle um den Hals getragen hatte. Man war neugierig, was wohl der Inhalt dieser Rolle sei, nahm sie ab und las


