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Teilen der amerikanischen Arbeiterschaft kommen, so trägt in jedem Falle die Kosten der Arbeiter selbst. Das bolschewistische Prinzip hätte damit seinen letzten Sieg errungen.

Der Vorsitzende der amerikanischen Textilarbeiter­gewerkschaft hat erklärt, daß der angekündigte Streik der 800 000 Textilarbeiter bestimmt noch in dieser Woche ausbrechen würde. Man muß nur hoffen, daß die geplante Konferenz zwischen den Vertretern der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die das nationale Schlichteramt zur Abwendung des Generalstreiks einberufen hat, auf Grund von Vermittlungsvor­schlägen eine Einigung erzielt.

Gonntag treten 600000 Textilarbeiter in den Streik.

Washington, 30. Aua. (DNB.) Der Streik der Textilarbeiter (Baumwollarbeiter), auf

dessen Abwendung man bis gestern noch einige Hoffnungen gesetzt hatte, ist nunmehr doch u n - vermeidlich geworden. Die zentrale Streik­leitung hat die Anweisung Zum Streik­beginn herausgehen lassen. Die Arbeitseinstellung erfolgt in der Nacht zum Sonntag um 23 Uhr bei Schichtwechsel. Es werden zunächst 1500 Betriebe und 600 000 Arbeiter be­troffen. Außerdem aber arbeitet man an Plänen, um die Arbeiterschaft verwandter Industrien zu Sympathiestreiks äu veranlassen. Den Arbeiterverbänden in der K u n st s e i d e-, Seide- und Wollindustrie ist bereits mitgeteilt worden, daß sie sich für eine Teilnahme am Baum­wollarbeiterstreik bereithalten müssen. Die Streik­leitung erwartet in der Annahme, daß die Unter­nehmer uneinig sind, eine erfolgreiche Beendigung des Aufstandes.

Oie Schaffung von Arbeitsplätzen für ältere Arbeiter und Angestellte.

Oer Austausch von jüngeren gegen ältere Arbeitskräfte in Betrieben und Verwaltungen.

Eine wichtige Anordnung des Präsidenten der Reichsanstalt zur Arbeitsvermittlung.

Berlin, 30. Aug. (DNB.) Nachdem der Reichs­wirtschaftsminister bestimmt hat, daß der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung allein ermächtigt ist, die Verteilung von Arbeits­kräften, insbesondere ihren Austausch zu regeln, und jede Betätigung anderer Stellen auf diesem Gebiet verboten und mit Strafe be­droht hat, ist nunmehr von dem Präsident der Reichsanstalt eine Anordnung erlassen worden, deren Leitgedanke ist, die altersmäßige Gliede­rung der in den Betrieben und Verwaltungen Beschäftigten unter Berücksichtigung betriebsteckni- scher und wirtschaftlicher Erfordernisse so zu gestal- ten, daß sie den staatspolitischen Erfor­dernissen nach Beschäftigung ar­beitsloser älterer Arbeiter und Ange- {teiltet, insbesondere kinderreicher Fami- l i e n v ä t er, Rechnung trägt. Die Führer der Betriebe und Verwaltungen (ausgenom­men Land-, Forst- und Hauswirtschaft) sind ver­pflichtet, erstmalig im September ihre Gefolgschaft auf die altersmäßige Zusammensetzung hin durch- z u p r ü f e n und das Ergebnis schriftlich niederzu­legen. Darüber hinaus haben die Führer größe­rer Betriebe formularmäßig bis zum 1. Oktober 1934 dem zuständigen Arbeitsamt zu melden, wieviel Arbeiter und Angestellte über und unter 25 Jahren bei ihnen tätig sind und in welchem Umfange und Zeitraum die Auswech­selung jüngerer mit älteren Arbeits­kräften vorgenommen werden soll. Zu dem Per­sonenkreis der jüngeren Arbeiter und Angestellten, die von einem solchen Austausch auszunehmen sind, gehören verheiratete Männer, Unterhaltspflicht tige, Lehrlinge, ehemalige Wehrmachtangehörige, alte Kämpfer" der Wehrverbände und der NSDAP., ferner Personen, die im Arbeitsdienst

oder in der Landhilfe mindestens ein Jahr tätig ge- wesen sind. Die Führer der Betriebe haben sich mit den Arbeitsämtern darüber ins Benehmen zu fehen, daß die zur Entlassung Kommenden andere Ar- beitsplätze, besonders in der Land- und Hauswirtschaft, im Arbeitsdienst oder in der Landhilfe erhalten. Die durch die Entlassungen freigewordenen Arbeitsplätze sind durch die bei den Arbeitsämtern anzufordernden altern Arbeitslosen zu besetzen.

Abgesehen von diesem Arbeitsplatzaustausch dür­fen in Zukunft Personen unter 25Jah« ren nur noch mit Zustimmung der Ar­beitsämter eingestellt werden: ausgenommen sind Lehrlinge, mit denen ein Lehrvertrag über mindestens zwei Jahre abgesckjlössen wird. Bei der Anlernung von Arbeitskräften unter 25Jahren hat der Führer des Betriebes darzulegen, daß dies den Notwendigkeiten des Betriebes und den staats­politischen Erfordernissen entspricht. Zur bevorzug- zugten Vermittlung ist hierbei im wesentlichen der gleiche Personenkreis zugelassen, der auch von einem Arbeitsplatzaustausch ausgenommen ist.

Für ältere Angestellte über4 0Jahre, die nach längerer Arbeitslosigkeit infolge Aus­tausches eingestellt werden, sind zum Ausgleich von Minderleistungen L e i st u n g s z u s ch Ü s s e bis zur Höhe von 50 Reichsmark und Kinderzulagen aus Mitteln der Reichsanstalt vorgesehen.

Besondere Bestimmungen sind daneben für die Land - und For st wirtschaft getroffen. Die Vermittlung von Personen unter 25 Jahren darf durch nichtgewerbsmäßige Arbeitsvermittlungsein­richtungen und sonstige Stellen nur im Auftrage und nach Weisung des Präsidenten der Reichsanstalt erfolgen. Auch hier wird bei Neueinstellungen von arbeitslosen verheirateten männlichen Angestellten über 40 Jahre ein Leistungsausgleich gewährt. Um die Mehreinstellung verheirateter land- und forst­wirtschaftlicher Arbeiter zu fördern, gewährt die Reichsanstalt ferner bei der Erstellung von Fami­lienwohnungen für die Dauer von sechs Jahren einen jährlichen Zuschuß bis zu 300 Mark.

Aus aller Welt.

Der v.Snternatwnalc Kongreß für Hauswittschaflsunterrichl.

Nach fünf Tagen eifriger Arbeit hat der 5. In­ternationale Kongreß für Hauswirtschaftsunterricht seinen Abschluß gefunden. Folgende Entschlie­ßungen wurden angenommen:

Der Kongreß stellt mit Freude fest, daß die in den früheren Tagungen besonders in Rom 1927 gefaßten Beschlüsse in wachsendem Maße ver­wirklicht werden. Der Kongreß betont, daß es drin­gend notwendig ist, Frauen heranzubilden, die nicht nur die für ihren Beruf notwendigen hauswirt­schaftlichen Kenntnisse besitzen, sondern darüber hin­aus erfüllt sind von dem Bewußtsein ihrer sozialen Pflichten. Sie müssen von ihrer hohen Sendung durchdrungen und rückhaltlos bereit sein, die von Gott gegebenen Aufgaben auch ihrer­seits den Forderungen der Zeit entsprechend zu gestalten: Ein Geschlecht heranzubilden, das ent­schlossen ist, freudig den Daseinskampf aufzuneh­men, den Schwierigkeiten des Alltags stanbzuhal- tcn und die Verantwortung auf sich zu nehmen für sich selbst, ihre Familie und die Volksgemeinschaft. Die Erziehung zu solchen Menschen setzt eine Gründliche religiöse und charakter- i ch e Bildung voraus, die nur von wirk- l i ch geeigneten Lehrkräften vermit­telt werden kann, welche sich ihrer Aufgabe mit ganzer Seele hingegeben und engste Fühlung mit Familie, Kirche und Staat halten.

Der Kongreß hält es für notwendig, daß der Hauswirtschaftsunterricht sich alle die­jenigen Wissenschaftszweige dienstbar macht, die dazu beitragen, das Leben in seinen vielfältigen Erscheinungsformen zu begreifen. Ein so verstande­ner Unterricht trägt dazu bei, die Schülerinnen in ihrer Volksgemeinschaft fest zu verwurzeln, denn indem sie dazu geführt werden, sich in ihr Volkstum und in die Geschichte Ihres Volkes zu versenken, lernen sie es bewun­dern und lieben. Der Kongreß betont, daß es uner­läßlich ist, den Geisteswissenschaften und K ü n ft e n einen gleichwertigen Platz neben den Naturwissenschaften einzuräumen, auf baß der Mensch Herr der Schöpfung bleibe. Das geistige und sittliche Erbe der Menschheit kann nur bewahrt werden, wenn die geistig-sittlichen Werte Gegenüber den materialistischen die unbedingte Vor­herrschaft haben. - Weitere Entschließungen betreffen die Rationalisierung der hauswirtschaftlichen Arbeit und die hauswirtschaftliche Lehre.

Sonderfahrt desGraf Zeppelin" zur Besichtigung der Autostraßen.

Vom 7. Internationalen Straßenbaukongreß wurde das LuftschiffGraf Zeppelin" für eine Sonderfahrt am 14. September gemietet; hier- bei sollen die neuen zur Zeit im Bau befindlichen Reichsauto st raßen vom Luftschiff aus besichtigt werden. Auch der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, wird an der Fahrt teilnehmen. Am 14. September früh um 4 Uhr erfolgt der Start in Friedrichshafen.

Nach einer Zwischenlandung in Frankfurt a. M. wird das Luftschiff zu der Besichtigungsfahrt auf- steigen und gegen 17.30 Uhr nach Frankfurt zurück- kehren. Für 18 Uhr ist der Rückflug nach Fried- richshafen geplant. An der Fahrt Friedrichshafen- Frankfurt sowie an der großen Fahrt zur Besich­tigung der Reichsautostraßen nehmen 25 bis 30 Gaste teil. Für Die Rückfahrt von Frankfurt nach Friedrichshafen können noch 15 Fahrgäste aufge­nommen werden.

50 Jahre Ostasien-Mission.

Im Winter 1873 verfaßte ein aus Württemberg stammender Schweizer Pfarrer, Ernst Buß, eine Preisschrift, die die Haager Gesellschaft zur Ver­teidigung des Christentums ausgeschrieben hatte: Die christliche Mission, ihre prinzipielle Berech­tigung und praktische Durchführung". Er gewann damit den ersten Preis, und über Nacht war der erst 30jährige Pfarrer unter Fachleuten und weit darüber hinaus bekannt geworden! Zehn Jahre später ging er oom Wort zur Tat über und begründete mit zahlreichen Gesinnungsgenossen in Deutschland und der Schweiz denAllgemeinen Evangelisch- Protestantischen Missionsverein", heute Ostasien- Mission genannt. Aus dem Grunde des Evangeliums Jesu stehend, will er doch auch das Gute in den alten Religionen Chinas und Japans gelten lassen und an die vorhandenen Wahrheitselemente jener Religionen anknüpsen.

Er ist um dieser Grundsätze willen oft angegriffen worden, aber heute nach 50 Jahren sind doch die meisten Forderungen von D. Buß auch in die Pra- xis der älteren Mission eingegangen, weil sie sich bewährt haben. In Qapan und China bezeugt eine über 50 Jahre sich erstreckende Arbeit von mehr als 50 Abgesandten, daß die Ostasien-Mission an ihrer Stelle nicht umsonst gewirkt hat. Kann und will sie auch nicht, wie die älteren Missionen, mit großen statistischen Zahlen aufwarten, so haben doch Männer wie D. Faber und D. Richard Wilhelm in Tsingtau, D. Spinner und D. Schiller in Japan durch ihre literarische Arbeit Wichtiges und Bleibendes geschaffen und einen nicht unbedeutenden Einfluß auf die Entwicklung der werdenden jungen Christenkirchen jener Völker ausgeübt. Heute schaffen schon nahezu 100 Mitar­beiter aus Europa und Öftafien auf vier Haupt­stationen.

In China wurden 1Ö33 in zwei Spitälern und mehreren Polikliniken über 47 000 Behand­lungen, meist gratis, ausgeführt. Die große Real- schule zählt jetzt über 450 Schüler mit 37 Lehrern und muß unbedingt vergrößert werden, um nicht bei jedem Semester viele tüchtige und würdige Kräfte abschieben zu müssen.

In Japan arbeitet besonders gut der Nachfolger von D. Schiller in Kyoto, Missionar Pfarrer H e f * fei, mit großem Erfolg auf 12 Predigtstationen, Kindergärten, Bibelklassen, Sonntagsschulen, Stu- dentenheimen, wobei ihn über 40 einheimische Kräfte unterstützen und große Opfer bringen. Im Herbst wird die Halbjahrhundertfeier in Weimar begana-n werden.

Germanesimo...

Don unserem römischen E.-Korresvondenien.

Rom, August 1934.

Wird der Süden jemals den Norden v e r st e h e n, der Romane den Germanen, der Italiener den Deutschen? Politiker mögen die Frage bejahen, Oberflächenreisende beginnen in Capri zu zweifeln, wer aber lange in Rom gelebt hat, muß klar und deutlich antworten: Nein!

Niemals. Ein Abgrund trennt uns, den peber Wille, noch Begeisterung und Schwärmerei zy Überbrüden vermögen. Wir verstehen die Cäsaren und Mussolini versteht Hitler, der deutsche und der italienische Geschäftsreisende können am gleichen Strang ziehen, ein Bauer der Campagna wird in einem Bauern der Lüneburger Heide gefühlsmäßig seinen Bruder sehen. Aber wo der Verstand anfängt, endet das Verständnis: ie mehr wir uns zu erfor­schen suchen, um so weiter entfernen wir uns. Die germanische Vorstellungswelt ist dem römischen In? tellektuellen ein Buch mit sieben Siegeln, wo er sie zu begreifen vermeint, geht er am erschütterndsten m der Irre. Umgekehrt glauben wir uns in den heiteren Olymp versetzen zu können und kleben ver­mutlich doch nur am Rande wie Zaungäste.

Erklären läßt sich bas alles nur sehr schwer. Am wenigsten mit philosophischem Getue. Denn nicht Hirn sieht hier gegen Hirn, sondern die Herzen sprechen eine verschiedene Sprache. Der Italiener hat eine Wohnung, wir haben ein Heim. Das Wort läßt sich ebensowenig übersetzen wie der Begriff. Wir lieben den Wald mit seinen feierlichen gotischen Hallen und dem Wivfelrauschen der Ewigkeit; der Italiener spricht fröstelnd von un­seren büjteren Forsten. Wir hegen und pflegen die Singvögel, er ißt sie. Der germanische Jagdbegrisf ist ihm derart fremd, daß die in den Reservaten abgeschofsenen Hirsche und Rehe auf dem Markt mit dem Geweih verkauft werden: was für den weidgerechten deutschen Jäger eine Trophäe ist, wird in Rom zu den übrigen Knochen geworfen.

Und so ließen sich noch zahllose augenfällige Ge­gensätze, die alle mit dem Gemüt Zusammenhängen (wieder ein unübertragbares Wort), in bunter Reihe anführen. Aber gehen wir in die Tiefe. Was gibt es Tieferes als ine germanische Mythologie? Keine Sagenwelt anderer Völker und Religionen bringt in solche Urgründe, denn keine ist so wesens- innig mit der Natur verwurzelt. Wotan, welch eine Gestalt! Wenn aber Siegfried in der römischen Oper aufgeführt wird, dann schreibt der Kritiker über den langweiligen alten Nörgler", womit er den Wan- derer meint. Und was wird aus der weltenstürzen- den letzten Begegnung mit Siegfried, wenn die Weltesche bebt, da der Gott ringt mit der Dämme­rung? Einkomisches Duell". Das Schwert zer­schlug einst dieser Schaft: noch einmal denn zer­spring' es am ewigen Speer! Ein Duell, jawohl, mit komischen Bedingungen. Lohnt es sich, zu dis­kutieren? Eher wächst uns Verständnis auf im Stein.

Gutgläubig, wie wir sind, wird man vielleicht einwenden, so spreche eben die Unkenntnis oder ein Wagnerfeind. Durchaus nicht. Hören wir be­geisterte Wagnerianer, anerkannte deutschfreundliche Italiener. Da ist Guido Manacorda, der über Faust und Ibsen, Luther und die Edda schrieb, dessen Werk man, nach einem italienischen Schrift­steller, auchDeutsche Weltanschauung" betiteln könnte ober besser noch: Lessenza del Germa­nesimo. Das Wesen des Deutscht u'rn s. Bücher, in denen das Menschenmögliche versucht wird, um in eine andere Geisteswelt einzudringen. Und wie wird darüber in den römischen Tages­

zeitungen berichtet, berichtet von einem Geistes­arbeiter, der zudem den nicht gerade romanisck klingenden Namen Adriano T i l g h e r führt? Nichts könnte lehrreicher fein.

Die deutsche Weltanschauung schreibt sich nach ihm aus derplumpen, verworrenen und nebelhaften germanischen Mythologie" her.Was ist sie anders als eine dumpfe und stumpfe Lebensauffassung, ein fatalismo pessimistico ohne Licht und Hoffnung?" Daß ein Gott die Welt aus Lieoe geschaffen habe, diese Möglichkeit bleibe uns fern. Was steht an ihrem Ende? Nichts als Angst und unsagbare Trost­losigkeit. Es gibt keine Erklärung und keine Er­lösung, wir nehmen unser Schicksal eben so hin und tragen es mannhaft, obwohl wir keinen Sinn darin erblicken.Aus diesem Boden der germani­schen Seele erwuchs Goethe und Luther und Nietzsche." Wir haben eben kein Gemüt und keine Volkstteder.

Wir berauschen uns angeblich an der Götterdäm­merung als einem Zusammenbruch, denn das sei der Zweck der Waffenehre, wie wir sie verstehen. Kein Wunder daher, wenn die deutsche Geschichte nichts anderes ist als eine Reihe von Katastrophen, ein Hinunterstürzen von Gipfeln, auf denen sie sich nicht halten können." Nichts sei der romanischen Idee fremder als diese Niedergangsvision, denn die romanische Idee seiTatkraft, aus messerscharfem Verstand und eisernem Willen zusammengesetzt, nur auf klare, greifbare Ziele gerichtet. Nichts Wotani- sches in Cäsar, nichts Cäsarisches in Wotan".

Nein, gewiß nicht. Es wäre schrecklich, wenn Wotan Feldzüge unternehmen würde. Wir sind eben bloß Gemütsmenschen, obwohl uns mit son­derbarem Widerspruch die Freude an der rohen Ge­walt angedichtet wird.

Und Tilgher doziert weiter: Die deutsche Lyrik und die deutsche Musik quellen über von so scheuß­lich unromanischen Vorstellungen. UnserIdealis­mus" wird beim Uebersetzen in andere Sprachen eine komische Angelegenheit, weil erin einer Psyche wurzelt, die der italienischen fremd ist wie nichts anderes". Hier widersprechen wir nicht, hier ergreift uns ein Gefühl, ein echt deutsches, barba­risches Gefühl des Stolzes. Noch in unsererKo­mik" fühlen wir uns groß.

Die italienische Psyche ist nämlich nach diesem Deuter germanischen Wesens im Gegensatz dazu ganz Maß und Ausgeglichenheit, Klarheit und Harmonie selbst in der Leidenschaft." Die mota- nische? Heidnisch, antichristlich, kennt weder Demut, noch Liebe, noch Barmherzigkeit (durchweg cäsa- rische Tugenden); sie treibt keine anderen Blüten als Ehrgeiz und heldenhafte Raserei. Eine wilde und wundervolle Schönheit, gewiß, aber ungeeignet für einen wahrhaft christlichen Boden. Sagt Adriano Tilgher.

Soll man streiten? Es märe völlig unnütz. Wollen wir die Gottesgründlichkeit deutscher Dome und deutscher Wälder verteidigen? Das haben sie nicht nötig. Wir schauen auf die lebensdürren Hänge des Südens, auf die aufgefpiehten Lerchen und die romanischen Prunkfassaden der Kirchen mit ihren nackten Seiten- und Hinterwänden und jubeln mit der erwachenden Brünhilde: O Heil der Mutter, die mich gebar; Heil der (Erbe, die mich genährt! O Siegfried, Siegfried, fieaenbes Licht!

Unb jauchzen ihr zu, dieser Heimat desGerma­nesimo": Sie ist uns ewig, sie ist uns immer. Erb unb Eigen, ein und all: leuchtende Liebe, lachender Tob!

Hinrichtung der Mörder des GA.-Mannes Walter Ufer.

Im Gerichtsgefängnis Dortmunb finb bie von bem Sonbergencht wegen gemeinschaftlichen Mvr - b e s in Tateinheit mit schwerem ßanbfrie» bensbruch zum Tode verurteilten Hans V o i t unb Friebrich Rapior aus Dortmunb hinge­richtet worben, weil sie am 24. Juli 1932 ben SA.-Mann Ufer niebergemetzelt haben.

Die NSDAP, hatte an diesem Abend in Dort­mund-Eving eine öffentliche Volksversammlung an- gesetzt. Um sie gewaltsam zu verhindern, hielt eine kommunistische Menschenmenge bie Umgebung bes Versammlungslokals besetzt. Nachbem sie von bem UeberfaUfommanbo in bie umliegenben Straßen abgebrängt waren, trafen bie Kommunisten ben SA. - Mann Walter Ufer auf bem Wege zum Versammlungslokal in Begleitung eines SA.- Kameraden. Mit wilden Zurufen überfielen sie beide mit Steinwürfen, die Ufer zu Boden streck­ten, während sein Kamerad entrinnen konnte. Die verhetzte Masse stürzte auf den hilflos am Boden liegenden Ufer, trat ihm ins Ge­sicht, schlug ihn mit Stöcken und Steinen und st a ch mit Messern aus ihn ein. Ufer hatte eine tiefgehende Stichverletzung erhalten, an deren Fvl- den er starb. Voit und Rapior waren die Haupt- Hetzer und Hauptschläger bei dem Ueber- fall. Voit hatte den ermordeten Ufer mehrere Mi­nuten lang mit einer Stahlrute unb einem Stock mißhanbelt und ihn mit Füßen getreten. Rapior hat ihm mit einem bvlchartigen Messer tödliche Stiche beigebracht.

Der preußische Ministerpräsident hat es a b ge­lehnt, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen, da die Tat einen grauenvollen kommunistischen Mord darstellt. Die Art und Weise, in der die Verurteilten den am Boden liegenden SA.-Mann mißhandelt haben, spricht von solch außerordentlicher Verwilderung unb so bobenloser Feigheit, baß die Verurteilten sich durch ihr Der- brechen außerhalb der Dolksgemein- schäft ge st eilt und ihr Leben verwirkt haben. Die Hinrichtung der kommunistischen Mörder sühnt die Ermordung bes im Kampf um die Freiheit des deutschen Volkes gefallenen SA.-Kameraden.

Die Raubmörder Scheer und Schulte hingerlchlet.

Die durch Rechtsurteil des Schwurgerichts zu Dortmund vom 22. Januar 1934 wegen Raub­mordes in drei Fällen, begangen zu Dortmund und Holzwickede an der Witwe Martha Schur aus Hagenhaspe, an der Stenotypistin Emma Schneider aus Herford und an dem Kaufmann Franz N a r o w f k i aus Dortmund - Hombruch, dreimal zum Tode verurteilten August Scheer und August Schulte aus Dortmund find im Hofe des Gerichtsgefängnisses zu Dortmund durch Enthaupten mit dem Beil h i n g e r i ch t e t worden. Der preußische Ministerpräsident hat von dem Be­gnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil es sich um kaltblütig vorbereitete und durchgeführte Raubmorde handelte unb bie Verurteilten sowohl nach diesen grauenvollen Verbrechen als auch nach

ihrem Vorleben (sie sind u. a. wegen Raubes mit sechs bzw. sieben Jahren Zuchthaus vorbestraft) als schwerste Verbrecher anzusehen sind, für die ein ©nabenbemeis nicht in Betracht kommen kann.

Der erste Schnee in ben Bergen.

Einen jähen Temperatur st urz hat es in ber Nacht oom Mittwoch zum Donnerstag im Allgäu gegeben. Nachdem am Mittwochabend Ge­witterregen niebergegangen war, fiel bas Thermo­meter in ber Nacht bis zum Gefrierpunkt. In ben Bergen ist bis zur Walbgrenze herab Schnee gefallen. Auch im östlichen Alpengebiet ist zum erstenmal im Spätjahr Schnee gefallen. Am Don- berstag früh leuchtete es weih oom Seinkar im Wenbelsteingebiet. Auch bas Kaisergebirge hatte bis weit herab ein weißes Kleib.

Besorgnisse um das Schicksal einer britischen Gränlandexpedition.

In London hegt man schwere Befürchtungen für bas Schicksal einer britischen Arktisexpe» b it io n, bie im Mai d. I von Jakobshavn zu einer Ueberquerung bes Jnlanbeises von Grönland im Schlitten aufgebrochen war. Das grönländische Derwaltungsamt in Kopenhagen teilt mit, daß nicht die geringste Nachricht über die Expedition, die aus den Leutnants Linbfay und Godfrey und einem Mr. Croft besteht, vorliegt. Auch der dänische Kapitän N i k o l s e n , der eine Inspektions­reise an Grönlands Ostküste durchführt, meldet, daß er nirgends etwas von der Expedition gehört habe.

holländischer Bergsteiger tödlich abgestürzt.

Ein in Champery (Kanton Wallis) in den Ferien weilender Holländer namens Lennep, ber in Begleitung einer Holländerin und eines Führers bie Besteigung ber Dents Blanches unternehmen wollte, stürzte infolge Reißens bes Seiles 100 Meter tief ab. Die Leiche, bie schrecklich zuge­richtet war, konnte geborgen werden.

Flugzeughalle in Karlsruhe abgebrannt

In ber Nacht zum Freitag gegen 1 Uhr brach in ber Flugzeughalle auf dem Karlsruher Flughafen Feuer aus, dem bie Halle zum Opfer fiel. Die Brandursache ist noch nicht festgestellt.

Berheerende Brände in der Türkei.

Das türkische Dorf Evlat bei Adalia wurde von einer riesigen Feuersbrunst heimgesucht, durch die 96 Häuser, sieben Speicher und zwei Wirts­häuser vernichtet wurden. In der Stadt Akseray (Wilajet Konia) fielen bas stäbtische Theater, fünf Speicher unb ein Caf6 einem Branbe zum Opfer.

NIVEA

52t

mild, leicht schäumend, ganz wundervoll Im Geschmack.