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sein. Man müsse vor ollem dem Urteil der politischen Flüchtlinge aus Deutschland mißtrauisch gegenüber flehen. Jeder, der den Einfluh der deutschen Flüchtlinge auf die Presse kenne, werde den Wert dieses Einflusses begreifen. Man möge daran denken, was alles über Hitler verbreitet worden fei. Montagnon glaubt nicht, dah ein Mann ohne grohe persönliche Eigenschaften jemals so hoch hätte aufsteigen können. Männer solcher Art reiften aus und regierten mit Geschick. Die Kunst des Regierens lerne man beim Regieren. Hillers Bewegung behalte ihre Kraft. Abgeordneter Montagnon zählt dann der Reihe nach alle ande­ren Regierungsformen auf (hohenzollern, Demo­kratie nach Art Brünings ufw.), die alle unwahr­scheinlich seien, und warnt die Leute, die auf wirt­schaftliche Schwierigkeilen Deutschlands hofften, denn mit Revolten spielen heihe mit dem Feuer spielen. Das deutsche Volk würde Frankreich für das Elend mit verantwortlich machen. Deutschland brauche heute ein festes Regime. Montagnon erklärt zum Schluß, er sei für eine Aussprache mit Hitler und für eine Ant­wort auf seinen Aufruf.

Deutsch-griechische Freundschaft.

Ein Gespräch

mit dem griechischen Ministerpräsidenten.

München, 31. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Der Völkische Beobachter" veröffentlicht ein Gespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Tsai- d a r i s, der mit seiner Gattin in Bad Reichen­hall zur Kur weilte. Tsaldaris erklärte, Griechen­land wolle mit dem Deutschen Reich d i e besten Beziehungen unterhalten, denn die­ses Reich fei bereits vor dem Weltkrieg Griechen­lands größter Abnehmer gewesen und werde es immer fein. Auch in kultureller Beziehung müsse das alte Verhältnis wieder hergestellt werden. Gegenwärtig bilde hierfür ein großes Hindernis die entwertete griechi­sche Valuta, die es den Griechen sehr schwer, oft aber gar nicht möglich mache, ihre Söhne auf deutsche Hochschulen zu schicken. Tsaldaris erklärte, sein heißester Segenswunsch gelte neben seinem eigenen griechischen Volke dem ganzen deut- s ch e n Volk und seinem Staatsober» Haupt, dem er die herzlichsten Grüße zu über­mitteln bitte.

Steuerftreik der irischen Farmer.

Zusammenstöße zwischen Polizei und Blauhemden.

London, 30. Aug. (DRB.) Bei Kill in der Grafschaft Waterford im irischen Freistaat kam es wegen der Beschlagnahme von Vieh bei Steuerschuldnern zu einem Zusammen­stoß zwischen 200 Farmern und 100 Polizisten. Die Farmer, von denen viele blaue Hemden trugen, hatten die Straße, auf der das beschlag­nahmte Vieh fortgeschafft werden sollte, m i t S t e i n b a r r i k a d e n und gefällten Bäu­men versperrt. Als die Polizisten noch die Barrikaden wegräumten, wurde plötzlich eine Herde von mehreren hundert Stück Vieh herangetrieben. Die Farmer wollten offenbar, daß die beschlag­nahmten Tiere sich unter die große Herde mischen und für die ungeübten Augen der Beamten uner- kennbar werden sollten. Die Polizisten gingen aber mit ihren Knüppeln auf die Herde los und trieben sie davon. Beiden nun folgenden Schlägereien mit den Farmern, die Stöcke mit sich führten, wur­den auch mehrere Revolverschüsse abgefeuert. An­scheinend hatten die Farmer mehrere Verletzte, die sie mit sich nahmen.

Zwischen dem ehemaligen Präsidenten Cos- grave und dem Blauhemden-Führer General O'Duffy ist eine Einigung zustandegekommen. O'Duffy soll bereit fein, seinen unter den Farmern organisierten Kampf für die Nichtzahlung der Land­steuern einzuschränken und seine faschistischen Reformpläne zurückzustellen.

ßin Seneralinspekteur

des österreichischen Schuhkorps.

Wien, 31. Aug. (DRB.) Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hat den Generalmajor Hanno Königsbrunn zum Generalinspekteur für da s Freiwillige Schutzkorps und die Wehroerbände ernannt. In dieser Eigenschaft obliegt ihm die Ueberwachung der theoretischen und praktischen Ausbildung und der Bewaffnung sowie die Behandlung aller organi- satorischen Fragen der Wehroerbände und des aus ihnen gebildeten Schutzkorps. Der Generalinspek- teur wird im Bundeskanzleramt am Ballhausplatz amtieren. Man weift darauf hin, daß die Stellung der h e i m w e h r im Kabinett durch diese Ernen­nung neuerlich g e st ä r k t erscheine.

llm Eowjetrußlands Eintritt in den . Völkerbund.

London, 30. Aug. (DRB.) Wie amtlich be­stätigt wird, lassen sich die britische, die fron- höfische und die i t a l i e n i s ch e Regierung durch chre Vertreter in den verschiedenen Hauptstädten über die Haltung der einzelnen Regierungen zur Frage des Eintritts Sowjetrußlands in den Völkerbund unterrichten.Daily Telegraph" meldet aus Paris, daß Haupthindernis für den Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund fei der Wider st and Polens gegen den franzö­sisch-russischen Plan eines Ostpaktes. Seit Wochen habe die polnische Regierung ihre Stellungnahme zu dem Plan verzögert und ergänzende Anfragen gestellt. Das französische Außenministerium habe ihr jetzt erklärt, daß eine endgültige Antwort spätestens bis zur Eröffnung der Dölkerbundstagung vorliegen müsse.Times" glaubt, daß möglicherweise die Schweiz, Oesterreich, Belgien, Holland, Kanada, der irische Freistaaat und einige mittelamerikanische Staaten gegen d i e Aufnahme Sowjet- r u ß l a n o s in den Völkerbund stimmen werden.

Geheimnisvoller Drohbrief an Frau Roosevelt.

London, 31. Aug. (Reuter. Funkspruch.) An die Gattin des Präsidenten Roosevelt war ein Brief gesandt worden, in dem mit dem Raub ihrer Enkelkinder gedroht wurde, falls sie nicht ein Lösegeld von 168000 Dollar (etwa 420 000 Mark) bezahle. Auch wurde ein Anschlag a u f den Präsidenten selb st angeoroht. Der Brief ist aber gar nicht in die Hände von Frau Roosevelt gelangt, da er von einem Geheimpoli­zisten angehalten und geöffnet wurde. Unter dem Verdacht, den Brief geschrieben zu haben, wurde im Reuyorker Christlichen Verein junger Männer ein ehemaliger Monteur der Marineflug­gruppe namens Benjamin Zarn verhaftet.

Deutschland braucht ein mehrjähriges Vollmoralorium für seine Auslandsschulden.

Ohne die Wiedereingliederung Deutschlands als Käufer auf dem Weltmarkt keine Erholung der Weltwirtschaft.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht über das Schulden- und Kreditproblem.

Ein Bortrag auf dem agrarwissenschaft­lichen Kongreß.

Bad Eilsen, 30. Aug. (DRB.) Auf der inter­nationalen Konferenz für Agrarwissenschaft sprach der mit der Führung des Reichswirtschaftsministe­riums beauftragte Reichsbankpräsident D r. Schacht über das internationale Schulden- und Kreditproblem. Er wies zunächst nach, daß für einen weltwirtschaftlichen Aufschwung genü­gend Geld vorhanden sei, das lediglich auf Nutzbarmachung warte.

Der zu hohe kapilalzlns erkläre sich nur dar­aus, dah die Politik jene Atmo­sphäre des internationalen Ver­trauens, die für langfristige Anlagen un­entbehrlich sei, noch immer nicht ge­schaffen habe. Der Kapitalist hielt von jeher die llmringung eines waffenlosen Staates im Herzen Europas durch hochgerüslete Nachbarn für eine ständige Bedrohung des Weltfriedens.

Dr. Schacht gab bann ein Bild von der Gestal­tung der R o h st o f f p r e i f e. heute werde die Farrn- und Plantagenwirtschaft fast aller über- seeischer Länder nur durch künstliche Maß­nahmen der Staaten notdürftig am Leben erhalten. Die Nachfrage versage. Der Störungs­faktor, der die mangelnde Stabilisierung der Wah­rungen und die hanoelshemmnisse, verursacht habe, sei die politische Verschuldung aus dem Weltkrieg. Deutschland könne sich darauf be­rufen, daß es seine Ausländsanleihen unter dem Zwang des verfehlten Re­parationssystems angenommen habe. Sollte es Reparationen zahlen, so brauchte es A b - nehmer für feine Waren, und diese Ab­nehmer konnten in erster Linie die unentwickelten Länder sein. Deutschland hat im Verlauf von drei Jahren (unter Berücksichtigung der Entwertung ausländischer Währungen) 11 Milliarden Reichs­mark, d. i. mehr als seine gesamte un­politische Verschuldung, abgetragen, heute ist Deutschlands Transferfähig­keit völlig erschöpft. Die Reparationen, die heute leider nicht mehr den Regierungen, sondern gutgläubigen Privatleuten geschuldet werden, kann es nicht mehr aus eigener Kraft regu­lieren.

Die Handelshemmnisse des Auslands zeigen, dah die Weltwirtschaft ein Maß deutscher Ausfuhr, wie es die Verzlnfung und Abtragung der deutschen Verschuldung er­forderlich gemacht hätte, einfach nicht bei sich aufzunehmen vermochte bzw. wünschte. In dieser Unmöglichkeit liegt der Kernpunkt des deutschen Schuldenproblems. Unter solchen Umständen ist es zwecklos und unsinnig, durch irgendwelchen Druck auf Deutschland Zahlungen erzwingen zu wollen. Eine Beendigung der Weltkrise ist ohne Bereinigung der deutschen Auslandsverschul­dung höchst unwahrscheinlich.

Die Ermöglichung des Transfers durch entspre­chenden Druck auf das Preisniveau fei der Schwere der allgemeinen Weltkrise heute nicht mehr ge­wachsen. Die deutsche Deflationspolitik habe über­dies die traurige Erfahrung machen müssen, daß das Ausland nicht daran gedacht habe, die verbilligten deutschen Waren aufzunehmen. Deutsch­land sei heute gezwungen, mit aller Energie tue Ausbeutung seiner einheimischen Roh- st o f f q u e l l e n zu betreiben, die Verwendung von Ersatzstoffen zu forcieren und dergleichen. Es habe wenig Wert, daß man uns vorhalte, Deutsch­land schade sich damit selbst. Uns bleibe kein ande­rer Weg übrig, aber eine solche Entwicklung könne die Weltwirtschaft nicht gleichgültig lassen.

Dr. Schacht zeichnete bann zwei theoretische Lösungsmöglichkeiten:

1. die deutschen Waren werden von allen Erschwerungen freigefteHt,

2. die deutschen Schulden werden ge­strichen.

Da beide Wege nicht denkbar seien, müsse der praktisch mögliche Weg in der Mitte liegen, und zwar in der Richtung, daß die Regie­rungen der Gläubigerstaaten in eine erhöhte Abnahme deutscher W a r e n l i e f e r u n - ge n und die Gläubiger in einer Herabsetzung ihrer Schuldforderungen einwilliaen. Ein solcher Mittelweg hätte noch vor einem oder zwei Jahren allein Erfolg versprochen, heute reiche er nicht mehr aus.

Deutschland könne heule seinen Schuldendienst nur unter einem vergrößerten Welthandels­volumen leisten, in das es aber unter dem Druck des internationalen Deflationsprozesfes nicht hineinwachsen könne. Es werde daher nichts anderes übrig bleiben, als ihm e i n mehrjähriges Vollmoratorium zur

Erholung zu gewähren. Gleichzeitig werde man die Last der Auslandsverschuldung auf ein Maß zurückführen müssen, das nach Ab­lauf des Moratoriums auf die Dauer ge­tragen werden könne. Wenn ein internationales Abkommen diese beiden Voraussetzungen sicher- slelle, so sei das entscheidende Hemmnis für eine Delthandelsbelebung beseitigt.

Es werde sich bann von selbst ergeben, daß Deutsch­land diejenigen Warenkredite erhalte, die es ihm gestatten, seine normale Kaufkraft auf dem Weltmarkt ausguüben. Solche Waren­kredite liquidieren fick van selbst und sie waren von jeder die unentoehrliche Brücke im Waren­tausch der Völker. Dr. Schacht richtete zum Schluß einen starken Appell an die weltwirtschaftliche Ver­nunft. Es sei Deutschlands Pflicht darauf hinzu­weisen, daß jeder verlorene Monat seine inter­nationale Leistungsfähigkeit zwangsläufig verrin­gert, den Welthandel weiter schrumpfen läßt, die Weltkrise verlängert und ihre Bereinigung erschwert.

Befriedigendes Geschäft auf der Leipziger Herbstmesse.

Besonderes Interesse für Textilien und Einrichtungsgegenstände. - Oie Nachfrage des Auslands. - Werbung schafft Absatz!

Der Besuch der Leipziger Herbstmesse übertraf in diesem Jahr alle geheaten Erwartungen. Und n?as noch wichtiger ist: es find auch sehr zuiriebe-n- stellende Abschlüsse getätigt worden. Das größte Interesse fand diesmal die T e x t i l m e s s e, weil ja die Rohstofsbelieferung der Textil- inbuftrie und ihre Umstellung auf einen möglichst hohen Verbrauch inlänbischer Rohstoffe zur Zeit im Mittelpunkt der Erörterungen stehen. Die Kauflust für Textilwaren war teilweise außerordentlich rege. So berichtet z. B. die Chemnitzer Strick- und Wirt­warenindustrie, daß ihre auf der Messe getätigten Geschäftsabschlüsse die der Frühjahrsmesse wesentlich übertroffen yaben. Aber auch andere Branchen konnten befriedigende und steigende Umsätze erzielen. Andererseits darf festgestellt werden, daß Waren über das offensichtliche Maß des Bedarfs hinaus nicht gekauft worden find. UeberaU zeigte sich viel­mehr das größte Vertrauen zu den Regierungsmaß­nahmen. heute weiß jeder Kaufmann, daß der Gemeinschaftsgeist selbstsüchtige Hamsterkäufe nicht erlaubt, und daß daher für ein spekulatives Ge­schäftsgebaren kein Raum vorhanden ist. Das In­land hat feinen Bedarf insbesondere bei Einrich - tungsgegenftänben für Wohnungen und Häuser gedeckt, die im wesentlichen bis zu m i 11 lerenPreislagen gern ab genommen worden find. Zu solchen Einrichtungsgegenständen sind auch Porzellangeschirr und die Erzeugnisse des deutschen Kunstgewerbes zu rechnen, die einen um die Hälfte höheren Umsatz hatten als zur Herbstmesse des ver­gangenen Jahres.

Im ganzen war die Messe ungefähr von 75 000 Personen, darunter 4000 Aus­länder, besucht. Die Ausländer kauften aller­dings mäßig, aber auf den Auslandsabsatz konnte auch niemand große Hoffnungen gesetzt haben. Im- merhin sind solche Gegenstände, die neu schienen und von denen man glaubt, daß sie im Augenblick nicht ohne weiteres nachgemacht werden könnten, auch von den Ausländern gekauft worden So sind ins­besondere der chemischen Industrie in Leip­zig neben guten Jnlandsumsätzen auch größere Aus­landsaufträge zugefloffen. Die Auslandsnachfrage nach deutschen Maschinen war gleichfalls ver- hältnismäßig lebhaft. Der Verlauf der Leipziger Messe hat aufs neue den Beweis erbracht, daß die deutschen Qualitätswaren unentbehrlich sind und über kurz ober lang alle Hemmungen unb Schwie­rigkeiten überminben werben.

Auf ber Leipziger Messe hat auch die Reichs- fachschaft Deutscher W e r b e f a ch 1 e u t e eine Arbeitstagung abgehalten, hier würbe die Be- beutung der W l r t s ch a f t s w e r b u n g unb ihre Neugestaltung eingehenb erörtert. Der stellvertre­

tende Präsident des Werberats der deutschen Wirt­schaft, Dr. Hunke, betonte, daß zwar die kapita­listischen Auswüchse der Reklame im national­sozialistischen Staate beseitigt werden müßten, daß aber die Wirtschaftswerbung felbft nicht zerschlagen werden dürfe. Der Werberat habe daher der Forderung eines völligen Verbots der Außenreklame nicht zustimmen können. Natürlich solle die Landschaft von Reklameoerschandeiungen freiaehalten werden. Man muß jedoch einen dicken Strich ziehen zwischen der profitsüchtigen unb eigennützigen Reklame unb der absatzschaffen­den Wirtschaftswerbung, die der Schritt­macher des Fortschritts und der Mehrleistung ist. Da diese Wirtschaftswerbung Umsatz st eigernb wirkt, führt sie letzten Endes nicht zu einer Ver­teuerung, sondern zu einer Vexbilligung ber Ware. Denn der Massenumsatz senkt den Kosten­anteil und ermöglicht dadurch eine Verbilligung der Waren. Werbung schafft also Mehrabsatz unb damit auch Mehrarbeit. Sie ist im wahren Sinne des Wortes produktiv.

Ein deutsch-schwedisches Zahlungsabkommen.

Berlin, 30. Aug. (DNB.) Zwischen der deut­schen und der schwedischen Regierung wurde über Die Regelung der Zahlungen im Warenverkehr unb über ein Transferabkommen im wesentlichen fol­gendes vereinbart: Die Bezahlung ber beiberfeitigen Warenausfuhr erfolgt über Verrechnungs­konten, bie bie Reichsbank unb bas schwedische Verrechnungsamt sich gegenseitig einrichten. Das Abkommen geht davon aus, daß Deutschland aus der Aktivität seiner Handelsbilanz ein Devi­senüberschuß verbleibt. Er steht laufend zur freien Verfügung der Reichsbank, nachdem ein Teil desselben für Zwecke des Transfers von Zinsen der Reichsanleihen uno, sofern ber Devisenüberschuß einen bestimmten Betrag über­schreitet, auch ber privaten Anleihen ab­gezweigt worden ist. Dabei ist Vorsorge getroffen, daß die zur Befriedigung der privaten Zinsgläubi­ger verwendeten Beträge nicht zu einer Min­derung des für die Reichsbank bestimmten freien Devisenfaldvs führen, sondern viel­mehr aus erhöhten deutschen Waren­bezügen aufgebracht werden. Schließlich ver­zichten die Gläubiger aus der Kreuger-Anleihe unb den privaten Anleihen, soweit sie auf Grund des Abkommens befriedigt werden, auf einen wesent­lichen Teil ihrer Zinsansprüche. Die dadurch frei werdenden Beträge dienen der deutschen Ausfuhr­förderung.

Das Gireikgespenst in LlGA.

Für deutsche Augen ist die Gelassenheit, mit ber das amerikanische Volk und seine Regierung die schnell aufeinanderfolgenden Streiks in den Ver­einigten Staaten erträgt, nicht ohne weiteres ver- stündlich. Wir Deutschen haben den Streik fast nur als politisches, klasienkämpferisches Werkzeug des internationalen Marxismus kennen gelernt, das volkswirtschaftliche Werte und seelische Energien gleichermaßen lahmlegte, und wir schätzen uns un­endlich glücklich, daß Adolf Hitler Dieses fruchtbare Kampfmittel einer unseligen Vergangenheit endgül­tig aus dem politischen Leben der Nation ver­bannt hat.

Anders in Nordamerika. Selbst in Kreisen, die der Regierung nahestehen, konnte man die Ansicht äußern Horen, die Streiks seien ein Zeichen für die fortschreitende Gesundung der amerikanischen Wirtschaft. Solche auf den ersten Slict sehr widerspruchsvoll anmutenbe Behauptung kann man erst begreifen, wenn man sich ü b e r b i e Ursachen bes amerikanischen Strelffiebers klar wirb. Im Lande der früher unbegrenzten und jetzt aeringften Möglichkeiten handelt es sich bei Aus­sperrung und Ausstand nicht so sehr um allgemein- politische, weltanschauliche Gegensätze, sondern um die Beseitigung ber sozialen Ungleich- heit und Ungerechtigkeit. Es ist ursprüng- lich ein sozialpolitisch-wirtschaftliches Problem, frei von jenen fremden internationalen Einflüssen.

Zwar hat man bei dem letzten großen Ausstand in San Franzisko auch die hetztätigkeit von Mos- kau geleiteter bolschewistischer Agenten feststellen müssen. Diese Bürgerkriegsapostel aber waren so wenig man auch ihre unheilvolle Wirksamkeit auf die leichte Schulter nehmen wird nicht

die Urheber bes Streiks, fonbern sie benutzten die günstige Gelegenheit, um den haß und diä Unzufriedenheit mit den Unternehmern zu schü­ren, um den Straßenkampf zu verschärfen und in ihrem Sinne umzulenken in einen Kampf gegen die staatliche Autorität. Im allgemeinen fehlt den amerikanischen Streiks dieses politische Moment. Die Arbeiterschaft kämpft für die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage unb für bas Recht bes freien Zusammenschlusses in Gewerkschaften, unb sie er­blickt bei diesen Bestrebungen in ber Herrschaft Roosevelts eher einen Bunbesgenossen als einen Feinb. Die Politik, bie Roosevelt mit ber Einführung besNew Deal" (fjleues Spiel) begann, war von Anfang an im Gegensatz zu feinen Vor­gängern auf bem Präsidentenstuhl sehr arbeitet* freunblich. Er trat für bie Erhöhung ber Löhne ein, er sicherte ben Arbeitergewerkschaften in bem Grundgesetz zu den Jndustriecodes bas Mitbestimmungsrecht bei ber Festsetzung der Tarife, und er bestimmte, daß nur~ wirklich freie, von den Arbeitgebern unabhängige Gewerkschaften bet ben Tarifoerhandlungen mitberaten können.

Der hauptwiderstand gegen das Niraprogramm der Regierung kam denn auch nicht so sehr aus der amerikanischen Arbeiterschaft als aus ben Kreisen der Unternehmer und des Finanzkapitals, das sich noch immer nicht an den Gedanken gewöhnen konnte, daß bie golde­nen Zeiten derprosperity" unb des hemmunas- losen Geldoerdienens ohne Rücksicht auf bas All­gemeinwohl bes Staates endgültig vorbei sind. Dem drohenden Verfall ihrer Macht suchten bie bosses" mit aller Kraft entgegenzuarbeiten, unb

es gelang ihnen auch teilweise, bas Aufbaupro­gramm ber Regierung an gewissen Stellen zu durchlöchern. In ihrem Bestreben, die von ihnen bezahlten Fabrikgewerkschaften wieder in ihre altenRechte" als alleinige Vertragspartner bei der Aufstellung von Tarifen einzusetzen, hatten sie jedoch keinen Erfolg. In diesem Sinne haben die amerikanischen Riesenstreiks, die die Gegenaktion der Unternehmer abwehren sollten, auch einen politischen Charakter.

Auch die maßgebenden Männer in Washington bestreiten nicht, daß die fast ununterbrochene Fort­setzung des Streikfelbzuges ungeheure wirt­schaftliche Werte vernichtet, aber man betrachtet sie mehr als ein notwendiges liebel, als bie Geburtswehen einer neuen Zeit, denn als eine mit allen verfügbaren Mitteln zu beseitigende Tob­krankheit. Wenn allerbings bolschewistische Ideen noch mehr als bisher zur eigentlichen Triebfeder des Befreiungskampfes der amerikanischen Arbei­terschaft werden sollten, bann bürste auch Roosevelt nicht zögern, biese unerwünschte Propaganda mit Gewalt zu unterbinden. Es wäre leichtfertig, diese Gefahr zu leugnen.

Eine Berliner Zeitung wußte kürzlich zu melden, daß Thomas Münzenberg, der uns Deutschen noch in der unangenehmsten Erinnerung ist, sein Hauptquartier in den Vereinigten Staaten aufge« schlagen hat. Er rief nach berühmtem Muster eine Antifaschistische Liga" ins Leben, er pre- oigte vor vielen Zehntausenden von Zuhörern den .gegen Hitler, Mussolini und Pilsudski, er ver­schmähte es aber auch nicht, in die inneren Aus­einandersetzungen Amerikas einzugreifen und den i x!i*crn bQS bolschewistische Ideal in den leuch- Mr m ?prben vorzutragen. Washington wirb Dtefe Vorgänge sehr genau im Auge behalten müs- sen. Sollte es aber zu einer militärisch geführten Ausemanbersetzung mit bolschewistisch verseuchten