Oberheffen.
Kirchen-Borstehertag in Merlau-Ilensungen.
N. Merlau-Flensungen, 28. Mai. Am heutigen Montag fand im Kirchspiel Merlau- Flensungen unter regster Anteilnahme der Kirchenoorsteher aus den Dekanaten Grünberg, Alsfeld, Lauterbach, sowie der übrigen Bevölkerung der 18. Kirchenvorstehertag statt. Eingeleitet wurde der Tag durch einen Festgottesdienst im Freien, wobei Propst Knodt aus Gießen die Festrede hielt. Zu Beginn sang die Gemeinde das Lied „Komm heilger Geist", alsdann folgte Schriftoerlesung und Gebet. Nach dem Lied „Lobe den Herrn" ergriff Propst Knodt das Wort über Joh. Off. Kap. 4, V. 8: „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war, und der da ist, und der da kommt!" Auch dieser Tag solle noch unter dem Eindruck des gestrigen Trinitatissonntags stehen. Ein Sonntag, dessen Bedeutung dem Laien zunächst sehr wenig sagt, da ja alle folgenden nach ihm benannt sind. Was aber will dieser Sonntag uns sagen? Er will uns einhämmern, daß unser Gott drei Heiligtümer in der Welt aufgerichtet Hat — Schöpfung, das Kreuz Christi, Kirche — somit also ist Gott der Allmächtige und Heilige, dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterworfen ist. Aus dieser Erkenntnis erwächst auch die große Verantwortung für die Kirchenvorsteher, den Gemeinden und darüber hinaus dem ganzen deutschen Volk, die Bedeutung dieser Heilstaten zu vermitteln. Denn wir können nur leben und glauben, wenn wir wissen um diesen Gott und seine Allmacht. Nach Schluß des Gottesdienstes waren die Auswärtigen Gäste der Einwohnerschaft. Nachmittags versammelte man sich erneut zu einem Vortrag von Pfarrer Geißler- Stumpertenrod. Das Thema lautete: „Die Kirche der Heimat". Nirgends sei die Kirche so mit der Bevölkerung verwurzelt wie auf dem Land. Hier sei sie eine Zelle einer gegenseitigen Stärkung. Alte Sitten und Gebräuche werden bewußt festgehalten, alles ist organisch verbunden, woraus dann ein rechtes evangelisches Kirchen- und Gebetsleben heroorgehe. Man erkennt also: Kirche erwächst aus der An
teilnahme der einzelnen Glieder an der Gemein- schäft. Beschlossen wurde die erhebende Feier mit dem Lied „Nun danket alle Gott".
Lanvkreis (ließen.
£ Wieseck, 30. Mai. Gestern starb nach langem Leiden unser Altbeigeordneter Land- und Gast- wirt Karl Schäfer im fast vollendeten 68. Lebensjahre. Schäfer hatte an der Entwicklung unserer Gemeinde regen Anteil. Am 25. Juni 1900 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Don 1904 bis 1933 war er Beigeordneter. Vom Beginn des Weltkrieges an bis Ende 1916 vertrat er den im Felde stehenden Bürgermeister S ch o m b e r. Während dieser schweren Kriegsjahre und der langen Jahre seiner Beigeordnetentätigkeit erwies sich Karl Schäfer stets als ein ehrenhafter lauterer Mensch. Auch als Rechner des Spar- und Vorschußvereins hatte er 14 Jahre im allgemeinen Interesse gearbeitet. Verschiedenen Vereinen war er eifriger Förderer.
* Annerod, 29. Mai. Am vergangenen Samstag konnte die Freiwillige Feuerwehr Annerod zwei Kameraden, Ehrenkommandant August Stadtmüller und Polizeidiener Weh rum, für ihre 25jährige aktive Dienstzeit auszeichnen. Aus diesem Anlaß waren als Vertreter der hessischen Staatsregierung und des Kreisamtes Gießen Kreisfeuer-, wehr-Jnfpektor Bouffier (Gießen) und als Gast Feuerwehr-Hauptmann Münch von der Gailschen Wehr Gießen erschienen. Kreisfeuerwehr-Jnspektor Bouffier überreichte den beiden Jubilaren im Namen der hessischen Staatsregierung und des Kreisamtes Gießen je ein Diplom und eine Anstecknadel und übermittelte dankbare Wünsche für die treue Dienstzeit. Der Redner forderte alle Kameraden auf, diesem Beispiel nachzueifern. Sodann wurde ein Brandangriff vorgenommen. Während dem kameradschaftlichen Beisammensein überreichte der Kommandant Ludwig Wächter dem Ehrenkommandanten August Skadtmüller aus Anlaß seiner der Feuerwehr geleisteten treuen Dienste ein geschmackvolles Ehrendiplom. Kreisfeuerwehr-Jnspektor Bouffier ergriff nochmals das Wort und wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung des Feuerwehrlöschwesens, sowie auf den Luftschutz hin. Ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Reichspräsidenten und den Volkskanzler Adolf Hitler schloß seine Ausführungen.
A Großen-Linden, 28. Mai. Dieser Tage sprach im hiesigen Schaumschen Saal auf Veranlassung der Ortsgruppe Großen-Linden- Leihgestern der NSDAP, der Kreisleiter Pg. Klostermann im Rahmen des Propagandafeldzuges des Reichsministeriums gegen die Miesmacher und Kritiker. Nach Eröffnung der Versammlung durch Sturmführer und Zellenleiter Willi Becker führte Pg. Kl oft ermann die zahlreich erschienenen Volksgenossen auf das Gebiet der gegenwärtigen politischen Verhältnisie und geißelte dabei die sich immer wieder zeigenden Maulhelden und Besserwisser. Er betonte, daß die Nationalsozialisten schon vor der Machtübernahme durch große Reden ihren Willen zum Aufbau und ehrlicher Arbeit verkündet hätten, aber auch heute nicht davor zurückschrecken würden, die sich ergebenden Widerstände zu überwinden. Insbesondere wandte er sich an den Bauern, nicht gleich den Mut zu verlieren, denn was andere in 14 Jahren zugrunde gerichtet hätten, könnte auch bei bester Arbeit nicht in einem Jahre wieder aufgebaut werden. Ueberhaupt mahnte er, sich nicht durch jene Biertischpolitik beirren zu lassen, die aus Wörtern wie Devisen und Transfer die unmöglichsten Märchen ersinne. Ebensogut solle man endlich einmal aufhören, über maßgebende Leute zu kritisieren, denn diese seien durch lange Kampfzeit gestählte und erprobte Charaktere, die, wenn sie wirklich einmal einen Fehler machten, durch ihre vorgesetzte Behörde genügend belehrt würden. Und ein großes Ziel der Bewegung sei es, gerade die Jugend hart zu erziehen, damit sie später einmal ein besseres Erbe endgültig zum Sieg führen könne. Vertrauen zum Führer und Zurückstellen des eigenen Jchs hinter die großen Aufgaben des neuen Staates seien Voraussetzung für eine ersprießliche Arbeit. Stürmischer Beifall belohnten die lehrreichen Ausführungen des Redners. Sturmführer Becker dankte Kreisleiter Klostermann und schloß die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Vaterland und Führer.
<£ Allendorf a. d. Lda., 28. Mai. Ein seltenes Schauspiel konnte der Naturfreund in letzter Zeit hier beobachten. Ein Teichhühnchen, das im Gegensatz zum Wasser- oder Bläßhuhn in unserer Gegend sehr selten vorkommt, hatte im Weidengebüsch an der Lumda, kunstvoll versteckt, ein Nest
gebaut. Nun sind nach dreiwöchigem Brüten nach und nach zehn niedliche Jungen ausgeschlüpst. Schon nach kaum 24 Stunden konnten sie das Nest verlassen. Schwimmend suchten sie, von den Alten geführt, nach wenigen Tagen selbst ihre Nahrung. Wenn man sich dem Nest näherte, tauchte der bru. tende Vogel sofort unter, um erst weit weg wie- der zu erscheinen. Es ist erstaunlich, wie bald auf einen Warnungsruf der Eltern hin auch die Kleinen diese Tauchkunst ausüben. Die Alten sind etwa 30 Zentimeter lang, dunkel schiefergrau, der stets aufwärts wippende Steiß ist rein weiß.
Kreis Alsfeld.
—.— Homberg, 29. Mai. Auf der Ober-Oflei- dener Straße ereignete sich gestern nachmittag ein Unglücks fall. An einem mit einem Pferde be- spannten Wägelchen, das mit zwei Frauen und drei Männern besetzt war, ging das Pferd an der steil abfallenden Straße durch. Ein Mann konnte noch rechtzeitig abspringen. Der Wagen rannte so heftig gegen eine Mauer, daß er sich überschlug und die Fahrgäste unter sich begrub. Das Pferd raste allein weiter, konnte aber von beherzten Männern eingefangen werden. Der das Gefährt lenkende älterö Mann erlitt eine schwere Kopfverletzung, während eine der Frauen am Rücken verletzt war. Leute, die in der Nähe der Unfallstelle wohnten, bemühten sich um die Verunglückten. Ein Herr aus Gießen, der zufällig im Auto vorbeifuhr, brachte die Verunglückten nach Hause.
Kreis Lauterbach
A Lauterbach, 28. Mai. Am Samstagabend hatte die hiesige Vereinigung ehemaliger 116er ihre Mitglieder zu einer Versammlung ins Vereinslokal Beilecke eingeladen, um besonders die Teilnehmer an dem in diesem Jahr in Gießen stattfindenden 116er-Tag festzustellen. Kamerad Berg- Häuser eröffnete die gut besuchte Versammlung. In einem ehrenden Nachruf gedachte er des verstorbenen zweiten Vereinsführer L. D ö l l. Zu seinem Nachfolger hat der Vereinsführer den Kameraden Günther bestimmt. Für das am 28. und 29. Juli dieses Jahres in Gießen geplante 116er-Treffen, das gleichzeitig mit einer Wiedersehensfeier verbunden ist, gewährt die hiesige Vereinigung jedem Mitglied freie Fahrt. Seitens der Reichsbahn wird ein Sonderzug, wahrscheinlich ab Schlitz, eingelegt werden.
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