Einzelbild herunterladen

für England befürwortet, spricht von einem fran­zösisch-russischen Plan, der bezwecke, Großbritannien in die Angelegenheiten des euro­päischen Festlandes zu verwickeln und es zur Teilnahme an jedem europäischen Krieg zu zwingen.

Der leere Giuhl.

Ohne Deutschland jede Abrüstungsdebatte in Genf nutzlos.

London, 30. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Berliner Berichterstatter derTimes" ist der Ueber- zeuaung, daß die in der deutschen Note vom 16. April gemachten Vorschläge nach wie vor Gültigkeit hätten und daß Deutschland im Falle einer Annahme durch die anderen Länder bereit sein würde, auf die Abrüstungskonferenz zu­rückzukehren.Times" sagt dazu, diese Punkte der

deutschen Note seien außerhalb Deutschland nicht genügend gewürdigt worden. Es müsse na­türlich vielen Ländern unangenehm sein, wenn ein Partner von der Abrüstungskonferenz fortgehe und nicht mehr zurückkehre. Deutschlands Ungeduld sei aber verständlich, denn Deutschland habe 15Jahre l a n g aufdie im Versai l l er Vertrag in Aussicht gestellte Abrüstung gewar­tet, die die anderen Nationen versprochen hätten. Eine Teilaufrüstung Deutschlands müsse zugegeben werden, denn kein Land könne für unbegrenzte Zeit in einem unterlegenen Zu st and gehalten werden. Einige wenige Punkte brauchten nur noch geregelt zu werden. Die allgemeine Erörterung könne auch nach Ansicht Frankreichs aufgeschoben werden, bis Deutschland wieder vertreten sei. Ohne Deutschlands Anwesenheit auf der Abrüstungskonferenz sei jede Erörterung nutzlos.

Paris ist wieder guten Muts.

Oie französische presse begrüßt die Sekundantendienste Hendersons und Litwmsws. - Nie amerikanischen Vorschläge werden alsüberholt" abgetan.

Paris, 30. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Ver­lauf der Dienstagaus-sprache in Genf findet in der französischen Presse einen günstigen Widerhall. Nach der etwas gedrückten Stimmung vom Montag atmet man wieder erleichtert auf und begrüßt insbesondere die Ausführungen Hendersons, des Vorsitzen- denden der Abrüstungskonferenz, der sich offen hinter die französische Sicherheits­these gestellt habe. Man will hierin ein gutes Vorzeichen für den weiteren Verlauf der Bespre­chungen sehen, wenn man auch mit einiger Skepsis den Erklärungen entgegensieht, die der Vertreter Englands, Außenminister Sir John Simon, ab­geben wird. Die Ausführungen Norman D u v i s finden in der Pariser Presse keine be­sonders günstige Aufnahme. Man wirft dem amerikanischen Vertreter vor, heute noch an Dingen zu hängen, die durch die Ereignisse und ins­besondere durch diedeutsche Aufrüstung" (!) längst überholt seien. Nichtsdestoweniger läßt man sich dazu herab, den guten Willen Amerikas anzuerkennen. Die größte Beachtung sinden die Er­klärungen Litwinows, soweit sie sich auf seinen Plan für einen europäischen Beistandspakt beziehen. Seine Vorschläge über die Umwandlung der Ab­rüstungskonferenz in eine ständige Friedens­konferenz werden jedoch als eine glatte U t o - p i e bezeichnet. Der Außenpolitiker desEcho de Paris" Pertinax will wissen, daß die Rede Lit­

winows in allen Einzelheiten mit den Regie­rungen in Paris, Ankara undderKlei- nen Entente durchgesprochen worden sei. Pertinax stellt fest, daß der französische Gedanke einer Verstärkung der bestehenden Sicherheitsbürg­schaften und einer Zurückdrängung der Abrüstungs­frage gute Fortschritte macht. Die Unterstützung, die Frankreich am Dienstag von Henderson und Lit­winow erhalten hat, macht es der französischen Regierung nach Ansicht Pertinax leicht, die Verant­wortung an dem Scheitern der Abrüstungsbespre­chungen auf andere ab zu schieben. (!)

DerM a t i n" bezeichnet den Vorschlag Lit­winows zur Schaffung einer ständigen Friedens­konferenz ebenfalls als unmöglich. Seine Rede deute außerdem nicht darauf hin, daß Rußland besonders große Neigung zeige, in den Völkerbund einzutre­ten. Denn man müsse sich fragen, womit sich dieser Völkerbund überhaupt noch beschäftigen solle, wenn daneben eine Friedenskonferenz geschaf­fen werde, wahrscheinlich, so bemerkt das Blatt ironisch, nur noch mit Mädchenhandel und Opium. Die übrigen Blätter sind etwa der gleichen Auffas­sung, wobei nur das Urteil der Außenpolitikerin desOeuvre" auffällt, die zu den Ausführungen Litwinows feststellt, daß die Abrüstungskonferenz selten eine Rede gehört habe, die so viele glückliche Vorschläge enthielt.

E n Angebot der Reichsbank an die Auslandsgläubiger.

Das Ergebnis der Berliner Transferkonferenz.

Berlin, 29. Mai. (DNB.) Die Konferenz zwischen den Vertreter der Gläubiger der lang- und mittelfri st igen deutschen Auslandsschulden und den Vertretern der R e i ch s b a n k, die seit dem 27. April mit Er­örterungen über die Transferprobleme Deutsch­lands beschäftigt ist, ist der Meinung, daß wegen der Unsicherheit der Lage gegenwärtig keine Regelung empfohlen werden kann, die für einen längeren Zeitraum anwend­bar ist. Die Gläubigervertreter erkennen an, daß es vertretbar ist, Konzessionen zu machen, um Deutschland bei der Ueberroinbung einiger seiner Transferschwierigkeiten zu helfen.' Die Konferenz stimmt darin überein, daß das Problem der deut­schen Auslandsverschuldung nicht ein Pro­blem der Zahlungsunfähigkeit der Schuldner ist, sondern daß die Schwierigkeiten nur auf dem Transfergebiet liegen.

Die Konferenz ernannte einen Ausschuß, der eingehend das Funktionieren der gegenwärti­gen Devisenbewirtschaftungskontrolle, insbesondere die Verwendung von Sperrmark jeder Art, untersuchen soll. Die Reichsbank wird tun­lichst bald die Gläubigerdelegierten von den Maß­nahmen unterrichten, die sie im Zusammenhang mit den Vorschlägen des Berichtes zu ergreifen für möglich gehalten hat. Das System der Förde- rung der zusätzlichen Exporte durch Rückkauf von Auslandsbonds ober -fchulben würbe erörtert. Es herrschte Uebereinftimmung, baß feine Rückkäufe getätigt werben sollen mit Aus­nahme solcher für Zwecke bes zusätz­lichen D e v i s e n e r w e r b s im Zusatzaus­fuhrverfahren, unb baß bie gegenwärtig an« geroanbte Methobe, bei ber Devisen für solche Zwecke nicht vorgeschossen werben, soweit burch- führbar, beibehalten werben soll.

Die Reichsbank hat für den Transfer der Zinsen aus Deutschlands lang- und mittel­fristiger Richtreichsverschuldung das folgende Angebot gemacht. Das Angebot bezieht sich auf die Zinsscheine, die in der Zeit vom 1. Juli 1934 bis zum 30. Juni 1935 fällig werden: Jeder Zinsscheininhaber ist berechtigt, gegen Uebergabe seines Zinsscheines jederzeit bei ooer nach Fälligkeit des Zinsscheines bei den in den be­treffenden Gläubigerländern zu bezeichnenden Agen­turen Fundierungsbonds der Konver­sion s k a f s e in Höhe des Nominalbetrages des Zinsscheines und in der Währung, auf die der Zins­schein lautet, zu erhalten. Diese Fundierungsbonds werden am 1. Januar 1945 fällig und werden Zinsen zum Satz von 3 o. H. v. a. vom Fälligkeitstage des Kupons an tragen. Jedes Jahr wird eine Summe, die 3 v. H. des Betrages ber umlaufenben Funbierungsbonbs ausmacht, zum Kauf solcher Bonbs am offenen Markt zur Tilgung ober Auslosung zwecks Rückzahlung bes Kapital- betragen plus aufgelaufener Zinsen verwendet. Die Zahlung des Kapitalbetrages, der Zinsen und des Tilgungsfonds wird der deutschen Regierung garan­tiert, und wird nicht von irgendwelchen Transferbe­schränkungen betroffen werden. Die Bonds sollen ganz ober teilweise durch Auslosung zu jedem Zinstermin zuzüglich aufgelaufener Zinsen getilgt werden können.

Um den Wünschen derjenigen Zinsscheininhaber zu entsprechen, die eine Barzahlung einem Funbierungsbonb vorziehen, übernimmt die Reichs­bank die Verpflichtung, die Zinsscheine zu 40 v. H. ihres Nominalbetrages au kaufen. Der Zinsfchein- Inhaber soll berechtigt fein, die Zahlung des Kauf- Preises gegen Uebergabe des Zinsscheines an die in den betreffenden Gläubigerländern zu bezeichnen­den Agenturen jederzeit frühestens 6 Monate nach dem Fälligkeitstag ber betreffenden Zinsfcheine zu

erhalten. Da indessen die Fähigkeit der Reichsbank zur Leistung dieser Zahlung abhängig ist von den Devisen, die Deutschland verfügbar hat, be­hält sich die Reichsbank vor, das Ange­bot solcher Barzahlungen mit 30tägiger Kündigung zurückzuziehen.

Gläubigern, die keines ber vorstehenben Ange­bote anzunehmen wünschen unb sich also entschließen, ihre Zinsscheine zu behalten, bleiben alle Rechte aus den Zinsscheinen gewahrt. Die Reichsbank wird alle zur Durchführung des Obigen im einzelnen not- roenbigen Maßnahmen sofort ausarbeiten unb ha­be i mit ben verschiebenen Gläubiger-Komitees in Fühlung bleiben, um ben Wünschen ber Gläubiger soweit wie möglich entgegenzukommen.

Die Stellung der Gläubiger.

Von ben verschiebenen Delegationen wurden fol­gende Erklärungen abgegeben:

Die britische, französische und schwedi­sche Delegation sind bereit, die Annahme des vorstehenden Angebotes unter der Bedingung zu empfehlen, daß

a) den Erfordernissen ihrer betreffenden Regie­rung bezüglich des Dienstes der Reichsan - leihen Genüge geschieht und,

b) falls die Durchführung des Planes für ein Land in der Weise erfolgt, daß die Staatsan­gehörigen des betreffenden Landes vor den­jenigen anderer Länder bevorzugt wer­den, die Gläubigerdelegierten dieser anderen Länder sich für sich selbst und ihre Regie­rungen die Handlungsfreiheit Vor­behalten.

Da der Plan der von der schweizerischen Delegation immer wieder betonten besonderen Lage der Schweiz nicht Rechnung trägt, bedauert sie, die­sem ihre Zustimmung nicht geben zu können.

Die holländische Delegation sieht sich genö­tigt, die Annahme des obigen Kommuniques a b - zulehnen.

Die amerikanischen Delegierten haben an der Konferenz ausschließlich aus der Grundlage, keinerlei Diskriminierung zugunsten der Gläubiger irgend eines Landes und Außerkrafttreten von Son­derabkommen", teilgenommen.

Einfachheit und Zurückhaltung auch im Staatsdienst.

Berlin, 28. Mai. (DNB.) Der Preußische Mi­nister bes Innern hat zugleich im Namen des Mi- nisterpräsibenten und sämtlicher Staatsminister an die Behörden der Staatsverwaltung, die Gemein- den und Gemeindeverbände und die übrigen Kör­perschaften des öffentlichen Rechts folgenden Rund- erlaß gerichtet:Der Stellvertreter des Führers hat vor kurzem in einer an die Gauleiter gerichte­ten Verfügung gegen gewisse Erscheinungen Stel- lung genommen, die mit ber bescheidenen Zurück- haltuna, bie jeder Parteigenosse unb besonders auch jeter Unterführer entsprechend dem Vorbilde des Führers in der Öffentlichkeit beobachten sollte, nicht vereinbar seien. Der Stellvertreter des Füh­rers hat in diesem Zusammenhang besonders auf Zeitungsaufsätze, Huldigungsabressen, Bildveröffent- Ilchungen, Geburtstags- und Jubiläumsglückwünsche, Ehrenburgerschaften, Straßenbenennungen, Be- slaggung bei Besuchen usw. hingewiesen. Ich erwarte von den Inhabern öffentlicher Aemter des Staates und der Gemeinden, daß sie sich biefe begrüßens- werten Ausführungen des Stellvertreters bes Füh- rers in vollem Umfange zu eigen machen unb ihr Auftreten in der Oeffentlichkeit nach den gleichen Grundsätzen regeln." Zugleich wird angeordnet, daß Um- und Neubenennungen von Straßen nach Lebenden nicht mehr stattfinden dürfen.

Oer andere Weg...

Zur Frankfurter 2Rebe des

Ein Blick auf unsere Außenhandelsstatistik zeigt unzweideutig, daß auch ohne jeden Schulden- und Zinstransfer ber gegenwärtige beutfche Export nicht ausreicht, um Deutfchlanb ben Bezug berjenigen Rohstoffmengen aus bem Auslanb zu ermöglichen, bie es für feinen Wirtschaftsaufstieg unb feinen neubelebten Binnenmarkt braucht. Wie kann sich Deutfchlanb aber die nötigen Rohstoffe für fein ar­beitendes Sechzigmillionenvolk sichern? Das ist die zur Zeit im Brennpunkt der deutschen Wirtschafts­politik stehende Frage, deren Bedeutung jedoch weit über die Grenzen rein wirtschaftlicher Pro­bleme hinausreicht. Denn wenn die Reichsregierung das deutsche Volk wieder zur Arbeit zurückführen und die Arbeitslosigkeit endgültig überwinden will, so braucht man vor allem genügend Roh - st o f f e für bie inbuftrieüe Probuktion.

Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt hat in Frankfurt a. M. sich mit bem zentralen beut« schen Rohstoffproblem auseinanbergefeht. Mit größ­ter Zuversicht hat er angefünbigt, baß dieses Pro­blem unter allen Umständen gelöst werden muß und wird. Welche Lösung es freilich findet, das hängt nicht so sehr von Deutfchand selbst wie von ber Haltung bes Auslanbes ab. Dr. Schmitt ging in seiner Rebe von ber Tatsache aus, baß Deutsch- lanb infolge ber starken Belebung seiner Wirtschaft erheblich mehr Rohstoff braucht. Diese kann es aber nur bezahlen, wenn seine Ausfuhr in ent« sprechenbem Maße gehoben wirb. Erkennt bas Aus­lanb bie Zwangsläufigkeit biefer Lage unb öffnet es bem beutfchen Export bie jetzt verschlossenen Wege, so wirb Deutschlanb weit mehr Roh­stoffe als bisher aus bem Auslanbe beziehen können. Darüber hinaus wirb es bann auch in absehbarer Zeit möglich sein, baß Deutsch­lanb seinen Schulbenbienst roieber aufnimmt. Es liegt also im bringenben Interesse unserer Gläubiger unb ber ganzen Weltwirtschaft, baß es Deutschlanb ermöglicht wirb, biesen Weg oes frieblichen Waren­austausches zu gehen.

Aber C'benfo klar unb unzweideutig, wie ber Re-ichswirtschaftsminister ben Wunsch des beutfchen Volkes, ben Weg ber weltwirtschaftlichen Zusammen­arbeit weiterzugehen, betont hat, so hat er auch

ReichswirtschastöministerS.

feinen Zweifel darüber gelassen, daß dem deutschen Volke auch noch ein anderer Weg offen tteht, ben es beschreiten wird, wenn man es dazu zwingt. Er wies mit besonderem Nachbruck barauf hin, daß sich Deutschland auch dann, wenn sich ihm bie ausländischen Märkte wieder verschließen, die nötigen Rohstoffe beschaffen und feinen Weg, der aufwärts führt, gehen wird. Es werde dann ver­stehen, aus ber Not eine Tugenb zu machen unb sich b u r cf) eine bauernde Umstellung fei­ner Wirtschaft von bem ausländischen Roh- stoffbezuge in weitgehendem Maße unabhängig zu stellen. Die großen Schwierigkeiten, die auf die­sem Wege überwunden werden müssen, werden von der hochentwickelten deutschen Technik aus dem Wege geräumt werden. Mit großem' Ernst und sehr ein­dringlich hielt Dr. Schmitt bem Auslande bie gro­ßen Schädigungen ber Weltwirtschaft vor Augen, bie unvermeidlich seien, wenn Deutschland genötigt würde, den Weg der Selbsthilfe zu gehen. Die aus­ländischen Gläubiger würden dann keine Zahlungen mehr erhalten, und außerdem würden die Rohstoff­länder, wenn die deutsche Wirtschaft sich erst einmal umgeftellt habe, dauernd bedeutend weniger Roh- stoffe an Deutschland verkaufen können.

Die Sicherheit, mit der der Reichswirtschafts- minifter in dieser Rede das deutsche Volk auf diesen ihm offenstehenden Weg der Selb st- Hilfe durch eigene Arbeit verwies, ist geeignet, die deutsche Widerstandskraft und Sieges­zuversicht in außerordentlichem Maße zu beleben. Wenn er bas Auslanb barauf aufmerksam machte, baß ber Glaube bes deutschen Volkes zum Führer und das Vertrauen zu ihm so groß seien, daß sie es über alle Widerstände hinweg zum Erfolge füh­ren würden, so wird gerade diese Zielsetzung im ganzen deutschen Volke den stärksten Widerhall fin­den. Klarer denn je ist heute das deutsche Volk sich deffen bewußt, daß es von außen her wenig zu erwarten hat, daß es aber in erster Linie seine Aufgabe ist, sich selbst aus ber Not herauszuarbeiten unb baburch gleichzeitig auch ber Volkswirtschaft, bie hilflos in innere Jntereffentenstreitigkeiten zu versinken brvht, roieber einen klaren Impuls zu geben.

Das wachsende Heer - Mussolinis Miliz.

Von unserem römischen E-Korrespondenten.

R o m, im Mai.

Als ber Faschismus fein Kampfziel erreicht unb bas Heer ber Schwarzhemben ben Triumphzug burch Rom hinter sich hatte, würbe Mussolini vor bie Frage gestellt, was er nun mit seinerPrä- torianergarbe" anzufangen gebende. Die innen­politischen Gegner forberten bie Auflösung, bas mißtrauische Auslanb beliebte sie zuempfehlen". Man bewegte sich babei in einer Lanbsknechtsvor- stellung: bie Sölbner hatten ihre Pflicht getan, nun konnten sie gehen. Aber ber Führer erroiberte ge­lassen, bie Camicie nere seien keine Sölbner, seien es nie gewesen, sie hätten selb st los einer Ibee gebient unb sich um bas Vaterlanb Der« bient gemacht, er werbe sie niemals verlas- s e n. Unb über Nacht schob er bie Sturmscharen ins königliche Heer hinein eine Derlegen- heitslösung, vielleicht, aber bann eine meisterhafte. Nun waren bie Waffenlosen eingefabert in ber be­waffneten Armee, nun hatten sie ein Heim unb eine Bestimmung. Ueber bie Barrikabe hinaus hatten sie ein ferneres Ziel gewonnen, sie waren Truppen ber Nation, ohne bie Parteiuni­form ablegen zu müssen. Sie bienten bem Staate, indem sie dem Duce dienten. Sie blieben eine Miliz, aber sie wuchsen an Zahl bald über das feld- grüne Rahmenheer hinaus.

Und diese Miliz, das ist ihr Kennzeichen, das unterscheidet sie von allen ähnlichen Formationen anderer Länder, wächst unaufhörlich. Sie ist eine Organisation ohne feststehende Grenzen. Sie kann infolgedessen nicht mit der Schweizer Miliz, bei der die Wehrpflicht vom 20. bis zum 48. Le­bensjahr vorgesehen ist, verglichen werden, nicht mit dem ähnlich organisierten amerikanischen Heer. Sie ist etwas anderes als die deutsche SA., denn sie hat ausgesprochen militärischen Charakter. Am ehesten könnte man sie noch mit der großbritanni­schen Milizreserve vergleichen, wenn sie nicht stän­dig von unten auf, vom Kindernachwuchs her er­neuert und verstärkt würde.

Denn der Nährboden der schwarzen Armee, das ist die italienische Jugend. Alle Jahre am 24. Mai, dem Gedächtnistag des Kriegsbeginns, findet die Leva Fascista statt, bie Aushebung, bie bem Kampffascio unb bamit ber Miliz neues Blut zuführt. Milite kann man nicht burch Ein­schreiben werben, sonbern nur über ben Stufenweg bes militärischen Vorunterrichts, ber schon bei ben mit Luftgewehr ausgerüsteten Kleinsten beginnt, ben Balilla, bie mit bem achten Lebensjahr in bie Reihen eintreten. Im vierzehnten Jahr treten sie zum Vortrupp über, ben Avanguardia, von bort mit bem achtzehnten zur Miliz und gleichzeitig zum regulären Heer. Dieser gleichzeitige Dienst ist es, der die Grenzen so ver­schwommen, so unübersehbar macht und dem miß­günstigen Ausland die ersehnte Kontrolle so er­schwert. Man weiß nie so recht, wo die Miliz auf­hört und die Armee beginnt. Es steckt etwas vom Krümpersystem in dieser Ausbildung, etwas vom militärischen Dorunterricht der Schweiz, etwas von der Erziehung zur allgemeinen Bereitschaft. Man kennt die Eintrittsziffern, aber bie Austrittsziffer lautet: bas ganze wehrfähige Volk!

Die Balillaklaffe 1920 melbete für ben biesjäh- rigen 24. Mai an 140 910Rekruten", bie Avan- garbiftenflaffe 1916 120 270, bie Stubenten- unb Jungfaschistenklasse 1912 191853. Auch bie Zahlen ber insgesamt Eingeschriebenen sinb genau bekannt: Balilla waren es am 30. April vorigen Jahres 1 323 840, Heuer sinb sie auf 1 665 594 angewachsen. Die Avangarbisten haben um 91 646 zugenommen (435 849), bie Mäbchengruppen (piccole Italiane unb Giovani Italiane) um 28156 bezw. 48682. Wie viele Gewehre hingegen zählt ber Kampffascio, bie Miliz? Die Antwort kann nur lauten: Millio­nen. Denn wesentlich ist nicht bie Zahl berer, bie gerabe Dienst tun, sonbern bie Z ah l ber Aus- g e b i I b e t e n. Auch ber Staat selber könnte bie Miliz nicht annähernb so buchmäßig berechnen wie ein Staat mit allgemeiner Wehrpflicht bie Jahr- gänge, benn bie faschistische Miliz ist ein Frei­will i g e n h e e r, sie nennt sich Milizia Volon- taria Sicurezza Nationale (M.V.S.N.), also unge­fähr Nationalfreiwillige. Niemanb wirb in sie hineingezwungen, niemand kann ihr beitreten wie

einem Klub ober einer Partei. Wer aber einmal ben Schwur abgelegt hat, ben verpflichtet Artikel 18 mit Orbensftrenge:Der Milite hat nur Pflich­ten unb keine Rechte, ausgenommen bie Genug­tuung, feine Pflichten zu erfüllen."

Die Wehrmacht Italiens setzt sich baher zusam­men aus Armee plus Miliz. Die Miliz kann in felbftänbigen Gefechtsverbänben auftreten unb mit eigenen Waffen, sie kann aber auch mit unb neben ben regulären Truppen kämpfen, wie bie Kämpfe in Tripolitanien bezeugen, wo bie Sckwarzhemben ihre Bluttaufe erhielten. (Dabei fielen auch Sübtiroler, beren Namen nun hochge­ehrt werben.) Für bas faschistische Italien ist bie FrageBerufsheer ober Miliz?", bie bei ben enb» losen Abrüstungsbebatten so viel Staub aufwirbelte, mit ber Verschmelzung beiber Waffenarten beantwortet. Berufsheer und Miliz!

Nach außen hin kommt das im obersten Kom­mando zum Ausdruck, denn Mussolini ist nicht bloß Kriegsmini st er, sondern auch Ober­befehlshaber der Miliz. Gegenwärtiger Generalstabschef: General Teruzzi. Ihm unter­stehen neben den eigentlichen Kampftruppen auch die Italien eigentümlichen beruflichen Abarten der Miliz: die Eisenbahn- und Straßenmiliz, die Hafen-, Forst- und Postmiliz. Jeder Jtalienreisende ist schon mit solchen Halbsoldaten ober Halbbeamten in Berührung gekommen, ohne sie immer zu er­kennen. Was sie jeboch auszeichnet, ist betonte Höf­lichkeit gegenüber ben Fremben, insbesondre am Grenzübergang. Die Automobilisten sinb bes Lobes barüber voll. Unb wenn sie bann an ben Duce benfen, haben sie Recht, benn Mussolini in Person hat einen entsprechenden Befehl erlassen.

Buch unb Gewehr bes Faschisten Ehr! So lautet ber auch roieber von Mussolini geprägte Wahlspruch, unb er spricht zu beutlich für sich, um einer Erklärung zu bebürfen. Außerbem wird leibliche Ausbildung gefordert, der Sport gepflegt wie noch nie vorher in Italien. Zwar gibt es noch immer junge Männer, die im Herumflanieren ihren Beruf erblicken unb es als unschicklich empfinben würben, eine Stellung anzunehmen ober gar kör­perlich zu arbeiten, aber ber eiserne Besen ist hinter biesen Restbestänben ber dolce far niente Zeit Unerbittlich her.

Italien macht gar kein Hehl baraus, baß es bie Durcharmierung ber ganzen Nation anstrebt, ein wirkliches Volk in Waffen. Wohl sinb es nach Mussolini bie Traktoren unb die landwirt­schaftlichen Maschinen, die das faschistische Italien als Waffen vorzieht, wohl will er mit allen Mit­teln den Frieden erhalten, auch unter Opfern, aber geachtet wird nut, wer stark ist". Und danach soll gehandelt werden. Die Jugend bereitet sich auf die Miliz vor, die Miliz nährt und stärkt das Heer. Dazu kommen noch die unabsehbaren Legionen der Partei und bes Ständestaates. Eine Volkswehr, die im Ernstfälle den Legionen Cäfars wohl kaum nachstehen würde.

Das große Aeichstreffen der alten Soldaten in Kassel.

Der 5. Deutsche Reichskriegertag des Kyffhäufer- bundes wird in den Tagen vom 7. bis 9. 3 u I i 200 000 alte Soldaten aus allen Teilen des Reiches zu einer gewaltigen Kundgebung der Ka­meradschaft und Treue in Kassel zusammenführen. Eine große Zahl führender Persönlichkeiten ber Reichsregierung, ber alten Armee, ber SA. und SS. sowie Militärattaches der ausländischen Mächte haben ihr Erscheinen in Aussicht gestellt. Außerdem wird der Führer des italienischen Front­kämpferbundes, General Rossi nach Kassel kom­men. Auf der Karlswiese wird der Kyffhäuser» bundessührer Oberst a. D. Reinhgrd zu ben alten Solbaten sprechen. Anschließenb wirb auf bem Kaiserplatz vor bem Stabschef, bem Bunbessührer unb ben Ehrengästen ein Vorbeimarsch ftattfinben. Am Vorabenb veranstalten bie hessischen Kamera- ben einen großen Fackelzug vor bem Rathaus. Weiter sinb Reichswehrvorführungen unb Reiter- spiele in historischen Uniformen, Trachtenaufzüge unb Tänze ber Schwälmer Bauern sowie Festver­anstaltungen unb Musikaufführungen vorgesehen.