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Ur. 201 Zweiter Blatt

Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 29. August 193<

Aus Oer Provinzialhauptstadt.

Der Wald und die Pilze.

Von Erhard Fischer

Wenn wir von Pilzen sprechen, denken wir zuerst an all die schönen, schmackhaften und nahrhaften Gerichte, die uns der Wald zur Spätsommerzeit spendet. Den wenigsten aber ist es bekannt, daß jene Gebilde, die der Laie als Pilze bezeichnet, nur einen ganz kleinen Teil in der Familie derjenigen niederen Pflanzen ausmachen, welche die Wissen­schaft unter den BegriffPilze" zusammenfaßt.

Im Leben der Natur spielen die Pilze noch eine weit bedeutendere Rolle, als im menschlichen Haus­halt. Für die Stoffwechselumsetzung im Boden sind sie von großem Nutzen, denn ihre Tätigkeit gibt erst vielen höheren Pflanzen die Möglichkeit, ihre Nahrung aus dem Erdboden aufzunehmen. Als Er­reger wichiger Pflanzenkrankheiten richten sie aber auch im Reiche der Natur unermeßlichen Schaden an. Ihrer mikroskopischen Kleinheit wegen sind sie in vielen Fällen schwer zu bekämpfen, ja zum Teil der Wissenschaft noch gar nicht alle bekannt.

Der Hut, an dem der Laie einen Pilz zu erken­nen und von anderen Gewächsen zu unterscheiden glaubt, ist längst nicht das allgemeine Merkmal der Pilze, sondern nur die charakteristische Form einer einzelnen Art, der sogenannten Hutpilze. Zu ihnen gehören unsere wichtigsten Nahrungspilze: der Steinpilz, der echte Reizker, der Birkenpilz, Cham­pignon, Grünling und Pfefferling. Verhältnismäßig wenig Hutpilze sind echte Giftpilze. Diese sind: der Knollenblätterpilz, Satanspilz, Birkenreizker und der Fliegenpilz. Bestimmte Merkmale, durch die sich die eßbaren von den giftigen Pilzen unterscheiden, gibt es nicht. Geradezu lächerlich sind jene altüber­lieferten Hausmittel, mit denen man sich heute noch immer vor Pilzvergiftungen zu schützen sucht. Die Schwarzfärbung eines Silberlöffels oder einer Zwiebel beim Kochen mit Pilzen oder die schnelle Verfärbung der Bruchfläche eines Pilzes an der Luft zeigt niemals die Giftigkeit an. Man mache es sich zur Richtschnur, nur solche Pilze zu sam­meln, die man kennt, und sie nur in frischem Zu­stande als Speise zu verwenden. Der Nährwert unserer Pilze ist infolge ihres hohen Wassergehal­tes und der schweren Verdaulichkeit ihrer Eiweiß­verbindungen nicht so hoch, wie gewöhnlich ange­nommen wird. Dennoch können sie bei richtiger Zubereitung wegen ihres schönen Aromas und eini­ger leichtverdaulicher Nährsalze ein schmackhaftes und wohlbekömmliches Gericht liefern.

Weit wichtiger für unsere Volkswirtschaft als die Hutpilze sind jene zahlreichen kleinen Pilze, die das Wachstum der Bäume und der Pflanzen stark be­einflussen. Der Vegetationskörper eines Pilzes, das Myzel, besteht nämlich aus vielen feinen weitver­zweigten Fäden, den sog. Hyphen. Diese bilden mit den Saugwurzeln der Pflanzen und Bäume eine Lebensgemeinschaft. Dieses aus Pilz- und Pflanzen­wurzeln bestehende feine Gewebe nennt man My­korrhiza oder Pilzwurzel. Innerhalb dieser My­korrhiza, die ein lebenswichtiges Organ sowohl für die Bäume des Waldes als auch für die Pilze dar­stellt, findet dauernd ein Nahrungsaustausch statt, indem die Pilze das Eiweiß abgestorbenen orga­nischen Materials durch ihre Fähigkeit, es in Ami­nosäuren umzuwandeln, für höhere Pflanzen zu­gänglich machen, die Bäume und Pflanzen dagegen an die Pilze organische Stoffe liefern. Im engsten Zusammenhang mit diesem Nahrungsmittelaus­tausch steht die Erscheinung, daß viele Hutpilze nur unter gewissen Bäumen vorkommen.

Eine ganze Anzahl Pilze sind aber auch arge Feinde unserer Waldbäume und Schädlinge des Holzes Als der gefährlichste Holzzerstörer ist hier an erster Stelle der Hausschwamm zu nennen, schon im Altertum als derAussatz" der Häuser bekannt. Er bewirkt durch seine zersetzende und auszehrende Tätigkeit ein schnelles Schwinden und Mürbe­werden des Holzes. Die durch ihn angerichteten Schäden belaufen sich jährlich in die Tausende. Ein ganzes Heer anderer Pilzschädlinge befällt unsere Waldbäume und kann sie zum Absterben bringen.

Vereidigung in Gießen.

In der Neuen Aula der Universität fand gestern die feierliche Vereidigung der Bürger- meister und Beigeordneten und Leh­rer im Kreise Gießen, sowie der Arnts- vorstände verschiedener staatlicher Behörden im Kreise Gießen auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler statt. Der denkwürdigen Feier entsprechend war die Aula würdig geschmückt. Das Bild des Führers, von den Fahnen des Dritten Reiches umgeben, Blattpflanzen und zwei große Hakenkreuzfahnen an der Stirnseite des Saales gaben der Aula ein besonderes Gepräge. Die Ver­eidigung wurde von dem

Sauinspekteur, Kreisleiter und Kreisdirektor Klostermann vorgenommen, der seiner Ansprache das Wort des Führers, das er vor einigen Jahren gesprochen, Wir werden einmal Deutschland sein!", voranstellte. Der Führer habe es ausgesprochen, so fuhr er fort, als die meisten Volksgenossen noch nicht an die Wahrheit dieses Wortes zu glauben ver­mochten und £ie Nationalsozialisten, selbst nur von ihrem Idealismus getragen, die Wirklichkeit dieses Wortes erhofften. Das Wort fei wahr geworden.

Der Rationalfozialismus fei Deutschland, der Führer sei der Führer des Staates, der Wehr­macht, der Träger der Verantwortung Deutsch­lands vor der Wett, er sei so auch der natur­gegebene Führer der Beamten des Staates.

Der Kampf um die Macht fei abgeschlossen. Dieser Tatsache sei die gesetzliche Untermauerung und dem Gesetz die innere Kraft gegeben worden durch die Volksabstimmung. Der Beamte soll den Eid nichts leisten auf eine Idee, sondern er solle ihn einem Manne leisten und sich ihm zum Gehorsam ver­pflichten. Damit solle gleichzeitig nach außen hin kundgetan werden, daß Deutschland e i n Reich,

e i n Staat geworden sei. Es gebe heute unter den Beamten keine Unterschiede mehr, alle folgten dem Willen eines Mannes, dem Willen des Führers.

Sie alle, die hier versammelt seien, seien Re­präsentanten des Staates, sie alle mühten zu erfassen versuchen, was der Führer wolle, müh­ten helfen, das in die Tat umzusehen, was der Führer für das deutsche Volk erreichen wolle. Den Bürgermeistern und Lehrern seien hier be­sondere Aufgaben erwachsen, sie mühten, weil sie mit der Bevölkerung in engster Berührung ständen, in besonderem wirken und den Willen des Führers vollenden helfen.

Dem Lehrer obliege die große Aufgabe, die Schüler in nationalsozialistischem Geiste zu erziehen. Wir alle trügen die Verantwortung dafür, daß nach einem zweitausendjährigen Kampfe das Ziel erreicht werde: ein einiges Deutschland! Lehrer und Bürgermeister seien mit berufen, deutsche Ge­schichte zu machen. In jedem Dorfe, in der Verwal­tung, in jeder Schule werde deutsche Geschichte mit­gestaltet.

Rehmen Ste den Eid als mehr, denn als ein bloßes Versprechen so schloß der Redner nehmen Sie ihn als ein Versprechen zu völli­ger Hingabe in der Treue zum Führer des na­tionalsozialistischen Staates. Wenn sich der Führer auf alle berufenen Kräfte stützen könne, dann könne er Deutschland freimütig vor dem Ausland in allen feinen Lebensfragen ver­treten.

Im Anschluß an die Ansprache verlas Kreisdirek­tor Klostermann die Eidesformel, die von sämtlichen Beamten nachgesprochen wurde.

Mit der Unterzeichnung der schriftlichen Bestäti­gung der Vereidigung fand der feierlche Akt seinen Abschluß.

Hierher gehören der Hallimasch, der Blasenrost der Kiefer, der Krebs der Weißtanne und Lärche, sowie der Meltau an den Blättern und jungen Trieben unserer Eichen.

NSDAP., Amt für Volkswohlfahrt,

Kreisamtsleitung Gießen

An sämtliche Ortsgruppen- und Stützpunkt­amtsleiter der N S. - V o l k s w o h l f a h r t des Kreises Gießen

Ab Donnerstag, 30. August, sind in unseren Ge­schäftsräumen die Abzeichen für die am Sonntag, 2. September, stattfindende SammlungMutter und Kind", sowie sonstige sehr eilende und dringende Sachen abzuholen.

Wir erwarten, daß an diesem Tage die Abholung bestimmt erfolgt, um die Sammlung nicht evtl, zu gefährden.

Heil Hitler!

Gez. K l ö ß, Kreisamtsleiter.

F. d. R.: Gez. Mohaupt, Kreisgeschäftsführer.

NGL».

Gefchichtl. Fachschaft.

Donnerstag, den 30. August, 17 Uhr, im Seminar­zimmer der Oberrealschule.

Der Tag der Hunderttausend

Der Tag der 100 000 in Frankfurt a. M. rückt von Stunde zu Stunde näher. Jeder deutsche Junge freut sich darauf, am nächsten Samstag und Sonn­tag in Frankfurt zu sein, mit den Kameraden aus der Pfalz, vom Rhein und aus Hessen zusammen zu marschieren, in Sport und Spiel in friedlichem Wettkampf die Kräfte zu messen, den Reichsjugend­führer Baldur v. Schirach zu sehen und sprechen zu hören, mit dabei zu sein bei der Weihe der Fahnen, dem Symbol dieser Jungen in dem stol­

zen Bewußtsein, bei diesem Bekenntnis zu Deutsch­land einer zu sein, der dieser einigen, zusammen­haltenden deutschen Jugend angehört.

Man könnte deshalb bestimmt annehmen, daß jeder deutsche Volksgenosse dieser Jugend mit Rat, Tat und Unterstützung zur Seite steht. Aber dem scheint nicht so zu sein, denn man hört vereinzelt, daß Leute versuchen, der Jugend Schwierigkeiten au bereiten. Da ist ein Bäcker, der meint, ohne seinen Lehrjungen würden die Brote nicht geraten, oder der Ofen könnte ausgehen, dort ist ein Kauf­mann, der seinen Gehilfen nicht entbehren kann, da dieser ihm morgens den Laden aufschließt und dergleichen Dinge mehr.

Wirbitten" deshalb nochmals alle Unterneh­mer, Führer von Betrieben und Kaufleute, den in ihrem Betrieb beschäftigten Jungen den kommenden Samstag frei zu geben, damit alle in Frank­furt dabei fein können.

Die Führung des Bannes 116.

I. A. gez. Waag.

Ein Wort zurblonden KathreiiS.

Die Gießener Studentenschaft ersucht uns um die Veröffentlichung der nachstehenden Zeilen. D. Red.

Im Gießener Lichtspielhaus läuft zur Zeit der FilmBei der blonden Kathrein", ein operetten­mäßig aufgezogener Querschnittdurch das sonnige Studentenleben", der dem unbefangenen Volksge­nossen die Meinung aufdrängen muß, der Student sei ein gewissenloser Schmarotzer am Dolkskörper, und der an nichts anderes als Boxbeutel und dicke Brasils denkende Fettwanst Krambambuli und sein schnoddriger versumpfter Filius verkörperten den Typ des deutschen Studenten. In einem kärglichen Vorwort wird zwar erklärt, daß der Film nur oas Vorkriegsleben der Studenten parodieren wolle.

Ganz abgesehen davon, daß dieses Vorwort nur eine schwache Konzession ist an die Empörung, die dieser Film in deutschen Universitätsstädten (Ber­lin, Königsberg, Jena und Kiel) hervorgerufen hat, so ist dieses kurze Vorwort schnell vergessen, und im Bewußtsein des Beschauers bleibt nur der Ein­druck, so also ist das Studentenleben. Wenn auch das Vorkriegsleben der Studenten gleichwie das Leben des ganzen deutschen Volkes im Verhältnis zu unserem heutigen ein sorgloses zu nennen war, so müssen wir uns die Langemarckkämpfer der Stu­dentenschaft, die mit dem Burschenband unter dem grauen Rock und mit reinem Mut und Glauben an das ewige Deutschland gefallen sind, ganz anders vorstellen, als diese vertroddelten, und sich im Dauer­zustand alkoholiger Vergiftung befindlichen Studen­tenmimiker.

Der Film selbst es erübrigt sich auf die seichte Handlung einzugehen, eine Studentenliebelei. Daß ein derartiges, opperettenhastes Thema aus dem Studentenleben behandelt wird, das kann man in unserer heutigen notoollen Zeit nicht erfreulich finden; aber dagegen kann man nicht protestieren. Aber daß dieses lächerliche Thema in einer jedem nationalsozialistischen Empfinden hohnsprechenden, perfiden Weise verarbeitet wird, das treibt dem jungen Studenten die Schamröte ins Gesicht und ruft zum Protest auf. Warum werden in jedem Studentenfilm immer nur diese verantwortungs­losen Außenseiter des akademischen Lebens gezeigt? Warum läßt der Film den Volksgenossen nicht ein­mal einen Blick in das wirkliche studentische Leben werfen, in die Vorlesungs- und Seminarräume, in die Kliniken und Institute, in seine Examensarbeit und Nöte?

Wenn die Studentenschaft sich auch bewußt ist, daß sie mit ihrem Protest vielleicht nur eine un- reiwillige Propaganda für den Film treibt, so muß ie doch gegen die zersetzende Tendenz dieses Filmes chärfsten Einspruch erheben. Das hat schließlich auch derBerliner Doktor" getan, als er mit weißen Mäusen gegen den jüdischen FilmIm Westen nichts Neues" im Berliner Filmpalast protestierte. Aber er und seine Getreuen haben damals gezeigt, daß deutsche Volksgenossen Wache stehen am deut­schen Kulturleben. Und das wollen wir, die Gie­ßener Studentenschaft, als Teil des Gesamtvolkes auch heute zeigen:

Wir leben im Hitlergeist und halten Wache im Gedenken an unsere großen Kameraden Walter Flex, Albert Leo Schlageter, Horst Wessel.

Die Gießener Studentenschaft, stuck. Maurer.

Gemeindefeier der Marknsgemeinde.

Am Sonntag hielt die Markusgerneinde ihre all­jährliche Sommerfeier mit der Kinderkirche auf der Hardt. Das wundervolle Wetter war gewiß auch mit Äeranlafsung, daß der Besuch aus der Markus- aemeinde so überaus stark war und auch zahlreiche Gäste aus anderen Gemeinden sich eingefunden hatten. Nachdem der festliche große Zug der Kinder unter flotter Marschmusik auf der Hardt angekom­men war, eröffneten ein kurzes Grußwort des Ge- meindegeistlichen Pfarrer Becker und gemeinsa­mes Lied die Feier. Die Veranstaltung war unter die Losung des Luther-Wortes aestellt:Seid fröh­lich, denn ihr habt große ®üterr Die große Kinder­schar war beschäftigt durch mannigfache Spiele un­ter der Leitung der Helferinnen und der Kirchen- vorsteher, die sich in selbstlosem Dienst dem kleinen Volk widmeten. Die Gefolgschaft 3 der HI., meistens Jungen aus der Markusgerneinde, war mit Fahne erschienen und fand mit ihrem echten Rüpelspiel und dem Lagerzirkus viel Beifall. Aber ganz besondere Freude Bereitete der Kasperle, der durch seine tollen Streiche bei jung und alt viel Lachen auslöste. Auch die großen Brezelkörbe erschienen und waren nicht leer, wurden aber bald leer, da viel Hände sich darnach ausstreckten. Während so Kinder und Jugend froh waren, erklangen die gemeinsamen Lieder, und die Kapelle (Verein für christliche Musik) unterhielt durch gute musikalische Darbietungen. Auch die Choralvereinigung der Stadtkirche unter Leitung von Lehrer Simon wirkte in freundlicher

Professor Hans pfitzner erhält den Frankfurter Goethepreis.

Im Rahmen einer schlichten Feier wurde dem Komponisten Professor Dr. Hans Pfitzner im Goethehaus am Hirschgraben der Goethepreis der Stadt Frankfurt überreicht.

Nachdem das Adagio Molto aus opus 10 von Beethoven verklungen war, begrüßte Frank­furts Oberbürgermeister, Staatsrat Dr. Krebs,

Professor Dr. Hans Pfitzner.

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den Komponisten:Wie alljährlich, so treten wir auch heute am Geburtstage und im Geburtshause des größten Sohnes unserer Vaterstadt und un­seres Volkes zusammen, um einen Meister und Künstler der Gegenwart in seinem Geiste zu feiern und zu ehren: Professor Dr. ehrenhalber Hans Pfitzner. In einstimmigem Beschlüsse hat das Kura­torium der Stiftung ihn wegen seiner überragen­den schöpferischen Leistungen auf dem Gebiete der Tondichtungen für würdig erachtet, mit dem Goethe- preis ausgestattet zu werden. Nach der Satzung dieser Stiftung soll der Preis einer Persönlichkeit zuerkannt werden, deren schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung wür­dig ist. Dem Kreise dieser Auserwählten gehört Professor Dr. Hans Pfitzner an. In seinen Werken

finden wir nicht den Niederschlag verstandesmäßig erklügelter Tonsetzung, sondern die Verkörperung des Ringens und der Sehnsucht des echten deut­schen Menschen nach letzter Vollendung, der unter dem Zwange der in ihm wirkenden schöpferischen Kräfte seinem inneren Gesetz gemäß feinen tiefsten und innigsten Gedanken und Empfindungen Aus­druck verliehen hat. Es erfüllt uns mit besonderer Befriedigung, daß Ihre Wahl, sehr geehrter Mei­ster, in der deutschen Kulturwelt vollste Zustim- mung gefunden hat." Nachdem Dr. Krebs die Verbundenheit Pfitzners mit der Stadt Frankfurt und fein Schaffen gewürdigt hatte, verlieh er ihm die Urkunde des Preises, bie folgenden Wortlaut hat:

3m Jahre 1934 verleiht die Stadt Frankfurt am Main den von ihr gestifteten Goethepreis dem Tondichter Professor Dr. e. h. Hans Pfitzner aus München. Die Ehrung gilt dem deutschen Tonschöpfer, dessen Schaffen in Lied, Symphonie und Musikdrama der deutschen Musik erhabenen Ausdruck verliehen hat. Die Ehrung gilt dem Kämpfer für deutsche Art, der zur stolzen Besin­nung auf die hohe Ueberlieferung der deutschen Kunst und zu unerschütterlichem Glauben an ihre Zukunft aufgerufen hat.

Frankfurt, 28.8.34.

Der Oberbürgermeister gez. Dr. Krebs Preußischer Staatsrat."

In seinen Dankesworten betonte Professor Pfitz­ner, daß er die große Verantwortung, die durch die Verleihung des Preises ihm auferlegt sei, immer so zu erfüllen gedenke, wie er es einmal in einem seiner Werke geschrieben habe: Jeder Mensch hat das Recht an sich zu arbeiten, der Künstler darf nur feinem Werke leben. Aus diesem Genius oder besser gesagt Dämon heraus habe Goethe gesof­fen, und von diesem Drang besessen müsse jeder wahrhafte Künstler wirken. Er selbst habe die Ver­tonung von fünf Goetheliedern am Altar des Zünft­lers niederlegen dürfen. Trotzdem eine Vertonung goethescher Gedichte unendlich schwierig sei, würden fast alle Komponisten immer wieder von dieser Auf­gabe angezogen, eben weil Goethes Lieder selbst Musik seien. Im Himmel Dantes gebe es keine menschlichen Gestalten, sondern nur Symbole. Ein solches Symbol sei den Gebildeten des ganzen Erd­kreises und uns Deutschen besonders auch Goethe.

Zum Beschluß der Feierstunde fang die Kölner Konzertsängerin Gisela D e r p s ch, vom Meister selbst begleitet, die GoetheliederDer du von dem Himmel bist" undMailied". Anschließend trug

sich Hans Pfitzner in das Goldene Buch der Stadt Frankfurt ein. Am Abend fand in feinem Beisein in der Oper eine Festaufführung seinerPale­st r i n a" statt.

6od)fd)uln<id)ri(bten.

Professor Dr. Ernst Nauck von der Universität Freiburg hat einen Ruf auf den anatomischen Lehrstuhl an der Universität Marburg angenom­men.

Auf den pharmakologischen Lehrstuhl der Univer­sität Frankfurt ist der o. Professor Dr. Fritz Külz von der Universität Kiel berufen worden.

Privatdozent Dr. Walter Dieter von der Uni­versität Kiel hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Augenheilkunde an der Universität Breslau er­halten.

Der Ordinarius für deutsche Philologie an der Universität Kiel, Dr. Karl Wesle, ist an die Universität Bonn versetzt worden. Professor Wesle ist geborener Straßburger und wirkte früher in Frankfurt.

Professor G. E. Konjetzny, Chefarzt der Chi­rurgischen Klinik in Dortmund, wurde als Or­dinarius für Chirurgie an die Universität Greifs­wald berufen.

Der ao. Professor Dr. med., Dr. med. dent. Friedrich Faber von der Münchener Univer­sität ist zum Professor für Zahnheilkunde an der Universität Freiburg ernannt worden. '

Der o. Professor der klassischen Philologie an der Universität Würzburg, Dr. Friedrich Pfi - ft er, wurde als Nachfolger von Professor Scha­de w a l d t an die Universität Freiburg be­rufen.

Die Ernennung des Prof. Dr. Aug. Schoeten- s a ck von der Universität Tübingen zum orbent- lichen Professor für Strafrecht, Strafprozeßrecht und freiwillige Gerichtsbarkeit an der Universität Würzburg, ist auf sein Ansuchen zurückgenom- men und Prof. Schoetensack von dem Antritt der Professur entbunden worden.

Das Ministerium für Volksbildung in Dresden hat den ordentlichen Professor der klassischen Philo- logie an der Universität Leipzig, Geh. Hofrat Dr. Körte, auf Grund des Gesetzes über die Emeri- tierung der Professoren an den wissenschaftlichen Hochschulen mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. ab emeritiert. Körte wirkte von 1906 bis 1914 in (Sie­ben, später in Freiburg und seit 1917 in Leipzig.

Immer Evas Schlange...

Heber welchen Hefen Einblick in die Herzen der Männer und Frauen ein Scheidungsgericht auch verfügen mag, stets werden ihm neue Launen und Torheiten begegnen, die das ruhige Zusammenleben zweier Ehegatten stören. So trat von das Hohe Gericht in Stambul jüngst ein reicher türkischer Ehemann, um die Scheidungsklage gegen feinein* nigftgeliebte Gattin" zu erheben, mit der er sehr zu seinem Schmerz nicht weiter Zusammenleben vermöchte. Nie habe ihm seine Frau irgendeinen Grund zur Klage gegeben und immer sei sie ihm ein vorbildliches Eheweib gewesen, bis sie einer Lieb­haberei verfiel, die allmählich fein Hous zu einer wahren Mördergrube mache. Wo er auch gehe und stehe, überall begegneten ihm die Lieblingstiere sei­ner Frau. Ach, wenn es kleine Hunde, Katzen ober andere vier- oder zweibeinige Geschöpfe gewesen oären, so hätte er gewiß nichts dagegen einzuwen­den gehabt, aber es handle sich um jenes Geschöpf, das Eva überredete, Adam den verhängnisvollen Apfel zu reichen, ja, um die Schlange, und zwar nicht um ein einziges Prachtexemplar, sondern um eine ganze Menagerie, von großen und kleinen, gesprenkelten und getupften, dickbauchigen und dün­nen Schlangen, die sich nach freiem Belieben in seinem Haus bewegen dürften. Wenn er sich für einen Augenblick zur Ruhe niedersetze, so ringelten sie sich über das Sofa, und wenn er rauchend die Zeitung lese, so kämen sie lautlos über die Lehne seines Armstuhles gekrochen und verfolgten zün­gelnd die neuesten Nachrichten aus oller Welt. Aber auch damit habe er sich schließlich abgefunden, um seine innigftgeliebte Frau nicht zu kränken. Er frage nun aber das Hohe Gericht, ob es einem Ehegatten zugemutet werden könne, Schlangen in feinem Bett zu dulden. Die Richter überlief ein Schauer, sie sahen sich unbehaglich um, ob nicht etwa von un­gefähr eines dieser zugänglichen Tiere über die Lehne ihres Richterstuhles schleiche und sich in den Falten ihrer Robe verberge. Einstimmig pflich­teten sie dem tiefgebeugten Gatten bei, daß feine Liebe und Geduld wirklich auf eine zu harte Probe gestellt würde und erkannten die Berechtigung seiner Klage an. Die Gattin des gutmütigen Türken aber fand diesen Spruch völlig unverständlich. Die Schlangen seien nicht nur überaus still und beschei­den, sondern auch gutartig und so zahm, daß sie ihres Gatten ängstliches Wesen nicht begreife. Un­verkennbar betrachtete sie den Hohen Gerichtshof ha­bet mit einiger Geringschätzung und Verachtung und -sah in seinem Spruch nichts anderes als eine Schwäche des sogenannten starken Geschlechtes.