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Ar. 122 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Dienstag, 29. Mai 1954

stundenhopferei und nebenbei einer Theaterauffüh­rung. Im Mittelpunkt der Ereignisse hüben und drüben steht natürlich R ü h m a n n, der die außer­ordentliche Chance, die ihm hier geboten wurde, wundervoll auszunutzen versteht und sowohl die ver­stockte Pennälerfrechheit als auch die betuliche und gemessene Würde des älteren Bruders in Haltung, Mienenspiel und Tonfall witzig herausbringt. Von den übrigen Mitwirkenden in diesem ergötzlich alt­modischen Reigen sind Ellen Frank, Inge Con­radi, Oscar Sima, Jakob T i e d t k e (mit Voll­bart!) und Annemarie, Sörensen zuvörderst nam­haft zu machen. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus-, das Beiprogramm bringt u. a. die Wochenschau und einen Vorspann zu dem neuen Iannings-FilmDer schwarze Walfisch", der in einigen Tagen hier anläuft.

Oie Insel der leeren Flaschen.

Die Bermuda-Insel, von der amerikanischen Ost­küste aus leicht erreichbar, hat ihren Namen ge­wechselt. Sie war einmal die Insel der vollen und ist nun die Insel der leeren Flaschen. Weit mehr als eine Million leere Flaschen, die einmal mit Wein, Whisky, Brandy und Likören gefüllt waren, liegen auf der Insel umher, und niemand weiß, was er mit ihnen anfangen soll. Sie sind die letz­ten Spuren des amerikanischen Alkoholverbotes und, wie es scheint, unverwischbare Spuren. Wäh­rend dertrockenen" Zeit der Vereinigten Staaten entwickelte sich die Insel zu einem wahren Monte Carlo des Fremdenverkehrs. Die Bewohner, die bis dahin Zwiebeln gebaut hatten, wurden geleh­rige Schüler in der Kunst des Cocktail-Mischens. Zu vielen Tausenden kamen die gefüllten Flaschen an und ebensoviel Tausenden wurden sie von den amerikanischen Besuchern geleert Die Schmuggel­schiffe nahmen die leeren Flaschen wieder an Bord. Dann fiel das Alkoholverbot, und die Schiffe blieben aus. Seitdem liegen weit mehr als eine Million leere Flaschen auf der Insel umher. Sie zu verfrachten, lohnt nicht. Man kann sie auch nicht in den Boden verscharren, weil die Insel ein Korallenriff ist. Man hat ein paar tausend Fla­schen in das Meer geworfen. Das Meer hat sie zu­rückgegeben und den Badestrand mit Glasscherben überhäuft. Man brauchte mehrere Tage, um den Strand wieder zu säubern. Das Neueste ist ein Plan, aus den leeren Flaschen ein Denkmal zur Erinnerung an die Zeit des amerikanischen Al- koholoerbotes zu errichten.

ReichsmimsterGöring inDudapesi

Eröffnung der Reichstheaterseflwoche in Dresden

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Reichsluftfahrtminister Göring legt einen Kranz am Heldendenkmal in Budapest nieder.

Reichskanzler Adolf Hitler (in der Mitte) in der Dresdener Oper, wo mit einer Festaufführung vonTristan und Isolde" die erste Reichs-Theaterfestwoche feierlich eröffnet wurde. Rechts neben dem Führer Reichsstatthalter Mutschmann. Weiter rechts Reichswehrminister von Blomberg.

M pinsel und Palette im ewigen ÄS.

Sie7üü-MrseierderVanemschlachtvonAllenesch

Durch den dänischen Minister Graf A h l e -1 steuerlose Boot mit dem zu Tode erschöpften Peter- l d t - L a u r v i g ist kürzlich eine Ausstellung sen.Bevor die Hilfe kam", so erzählte er selber.

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So ein Siegel.

Das ist eine drollige und zumal für den Film brauchbare Sache und überdies eine großartige Dop­pelrolle für den jungen Berliner Komiker Heinz R ü h m a n n, der hier mit Witz und Laune zwei Brüder auf einmal spielt: den älteren in Amt und Würden, und den jüngeren, der noch in die Prima geht. Der Spaß dabei ist, daß dieses Brüderpaar sich zwar äußerlich ähnlich sieht wie ein Ei dem an­dern, innerlich aber ganz im Gegenteil: und außer­dem wird im Laufe der Begebenheit der ältere Bru­der zwanglos in die Umwelt des jüngeren versetzt und umgekehrt, woraus sich die merkwürdigsten und heitersten Situationen ergeben: in einer Klein­stadt lange vor dem Kriege mit Pennälerstreichen,

feldt-Laurvig ist kürzlich eine Ausstellung von Gemälden des Malers Emanuel Peter-

besten Kräften: besonders die Bilder Hörsaal, Estaminet und englische Stellung waren ganz rea­listisch verwirklicht. Wenn sich übrigens in den kommenden Aufführungen eine Verkürzung der Umbaupausen erzielen ließe, würde das der stim­mungsmäßigen Geschlossenheit des Gesamteindrucks wesentlich zugute kommen.

Abenteuerliche Malerreise nach Grönland - Bei 50 Grad minus an der Staffelei. Eskimomädchen stehen gern Modell.

Auf der Gegenseite verdient vor allem der von Kühne gegebene Marschall French in der mar­kanten zweiten Szene Hervorhebung: die Gestalt war in Maske, Ton, innerer und äußerer Hal­tung ruhig und bestimmt erfaßt. Hub als Cap- tain Baker, Neuhaus als Stabschef, Dielen und Fierment als Zugführer und (im Vor­marschquartier) Fräulein Stadler als drollig radebrechende Toinette und der aufgeregt parlie­rende Wirt des Herrn V o l ck feien vom großen Ensemble noch erwähnt.

Das Stück wurde nach der Pause mit anhalten­dem Beifall, nach dem letzten Bild mit respektvoll angemessenem Schweigen ausgenommen.'

Bataillone und im Gesang des Deutschlandliedes, der brausend zum Leitmotiv des Schauspiels an­schwillt.

Das zweite Bild ist das dramatischste im Gefüge des ganzen Stücks. Es führt ins Hauptquartier des englischen Marschalls French und gibt den strate­gischen Umriß der Lage in Flandern; darüber hin­aus eine bedeutsame Gegenüberstellung der Geg­ner: in French und einem gefangenen deutschen Freiwilligen

Rein theatralisch am wirksamsten ist das Dritte Bild- die deutschen Freiwilligen auf dem Vormarsch in einemEstaminet"; eine fast heitere, oolksstuck- hafte Szene, welche die Stimmung und innere Aaltuna Der jungen Regimenter mit leichten Strichen schildert Das ernste Gegenstück dazu bildet die folgende Szene am Abend vor dem Angriff, während die letzte stille Sammlung schon von dem dumpfen Grollen der nahen Front durchzittert wird

Das fünfte Bild sühn noch einmal ausDie an­dere Seite", in die englische Stellung bei Lange- marck hier wird angedeutet, was das für ein An- ariff mar, Der den jungen Studentenregimentern be­vorstand. Das Schlußbild endlich bringt den Sturm selber und faßt zusammen, was dieser Op erlang der deutschen Jugend den spateren Ge chlechtern w bedeuten habe: unvergängliches Beispiel von aroßer Opferbereifschaft, von unverbrüchlicher Ka­meradschaft im Leben und im Tode, von einer Ge­meinschaft auch, wie sie uns heute vor Augen steht, die nichts weiß von den Unterschieden und der Herkunft oder des Standes, die nur em Schick­sal kennt, ein Volk und ein Vaterland. -

hatte ich buchstäblich meine Schuhe geges» s e n und meine Füße notdürftig dadurch geschützt^ daß ich meine halbverfrorenen Hände um sie legte. Für seine Ueberlanbreifen benutzte der Maler im ewigen Eis Eskimoträger und Hundeschlitten. Mehr als einmal wurden die Zelte von dem stürmischen Wind über den Köpfen weggerissen, und die Erpe- ditionsteilnehmer mußten unter freiem Himmel in

s e n eröffnet worden, der sich im Auftrage der dä­nischen Regierung sechs Jahre im ewigen Eis Grönlands aufgehalten hat, um in feinen Bil­dern von diesem Land zu berichten, von dem sich die übrige Welt nur eine sehr unvollkommene Vor­stellung machen kann. Zur Bewältigung dieser Aufgabe gehörte natürgemäß eine Persönlichkeit, die Künstler und Sportsmann, naturbegeisterter Wanderer und zäher Jäger zugleich war, kurzum die alle jene Eigenschaften auswies, ohne die sich im hohen Norden kein Mensch gegen die Unbilden des Wetters unter einfachsten Lebensverhältnissen behaupten kann.

Emanuel Petersen hatte seine Frau und sein sechsjähriges Töchterchen mit sich genommen und bewohnte in Jacobshavn, einer kleinen Siedlung, eine roh behauene Blockhütte mit über einhalb Meter dicken Holzwänden und einem Dach, das zum Schutz gegen den Wind, der häufig mit der Kraft eines Orkans über Grönland dahinfegt, tief im Boden verankert worden war. Zur Erfüllung der ihm gestellten Aufgabe mußte Petersen häufig für längere Zeit Jacobshavn verlassen und kam oft in roilbe und verlassene Gegenden, die noch nie eines Menschen Fuß betreten hatte. Bei seinen Streifzügen an der Küste bediente er sich eines wetterfesten Motorbootes und war in seiner Nah­rung nur auf das Fleisch von Seehunden und Vögeln angewiesen, die er selber erlegte. Auf einer dieserMalerfahrten" wurde sein Fahr­zeug von den sich auftürmenden Eisschollen hoch emporgehoben, und ein anderes Mal drohte ihn das Eis auf das offene Meer hinauszutreiben, was unfehlbaren Untergang bedeutet hätte. Eine Ret­tungsabteilung von Dänen und Eskimos fand das

«ine 6,ene aus dem FestspielDe ©tebinge", das anläßlich des 700. Jahrestages der Bauernichlacht non Altenelch aufgeführt wurde. Bei der Feier, an der iaujenbe non Dlben- buraer BauAn teilnahmen sprach Reichsbauern,llhrer Barri über den Kampf des d-utfchen

0 Bauerntums. _____

Gießener Gtadttheater.

Edgar Kahn und Max Monaw: Langemarck".

Westlich ßangemarcf brachen junge Regimenter unter dem Gesang Deutschland, Deutschland über alles' gegen Die erste Linie der feindlichen Stel­lungen vor und nahmen sie. Der klassische Satz des berühmt gewordenen Tagesberichts der deut­schen Obersten Heeresleitung vom 10. November 1914 bildet zugleich Motto und Inhalt dieses Schau- ^Uns ist nach fast zwanzig Jahren, der Name des kleinen und zuvor völlig unbekannten Ortes m Landern mehr als ein Name, mehr als em geographischer und militärischer Begriff geworden, nckt bloßer Begriff, sondern Inbegriff deutschen Sdentums Mahnmal unb ^ermä^^tnl9 Ä Lugend unseres Landes, Sinnbild und Mytyos ewiger Opserbereitschaft.

Mas die Antike in jenem HorazischenSüß und .hrenuall ist es sürs Vaterland zu sterben" und in jenem hellenischen Zweizeiler 3ufmmgifa6te.

den in Dem inhaltschweren Safti Des Deutzen Heeresberichtes vom November 1914

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eusfagte - und was er Wcn. tDa5 geschehen Raum war, Davon zu IP - militärischer und oar, samt Den Voraussetzi g ^0(aerunqen, so- Mwatt Sun^ELnden nach immer cmgehen. *

Das erste Bild schildert den gr°^^^sitäN iluquft 1914 im Härsaal einer tag U Profef- 2ie Mahnwarte W« unb ! Webe »» # D'ot, . brs über den V Lnge Zeit.

ÄVIm ' M-wWch-itt der Elenden

ihren Schlafsäcken schlafen.

Wohl kaum hat ein Künstler seine Werke unter schwierigeren Bedingungen geschaffen; alle Bilder sind im Freien entstanden, also bei einer Kälte zwischen 25 und 50 Grad. Da die Oelfarben bei diesen Temperaturen gefrieren, mußten sie mit Petroleum vermischt werden; die Hand war stark vermummt, und nur die äußersten Fingerspitzen waren freigelassen worden, um die Pinselführung zu ermöglichen. Nach drei, höchstens aber fünf Minuten mußte Petersen sich in seine Hütte oder sein Zelt begeben, um sich dort wieder ein wenig aufzutauen. Die Landschaft dort oben ist durchaus keine langweilige Einöde, sondern nach seinen Schilderungen voller Reize für ein Auge, das künst­lerisch zu sehen gelernt hat. Petersen erklärte be­geistert:Ich bin fast durch die ganze Welt gekom­men, aber ich habe niemals solche Farben gefunden wie in Grönland. Die Atmosphäre ist so klar, daß man eine Sicht auf Entfernungen über 100 Kilometer hat. Allerdings bietet Grönland dem Maler keine Zwischenfarben, und der Künst­ler mußaus dem Vollen schaffen", wenn er der Natur ihre Geheimnisse ablauschen will." Der Nachteil des Klimas, der nur ein Arbeiten für wenige Minuten im Freien erlaubt, wird zum Teil durch den Vorteil aufgehoben, daß die Licht­verhältnisse eine ungewöhnliche Beständigkeit auf-

Sehr frisch, ganz getragen vom großen Schwung ihrer Begeisterung, wirkte die kleine Gruppe der jungen Freiwilligen; von ihnen spielten sich mit persönlich profilierten Leistungen Die Herren Marcks, Schorn und L ü p k e in den Vorder­grund. Zwei echte Gestalten gaben Intendant König als väterlicher Lehrer und Kompaniefüh­rer und Herr Geiger als bieder-kerniger Unter­offizier der Studentenkorporalschaft

Der-Spielleitung von Karl Löser war es, wie die Aufführung erwies, vor allem Darum zu tun. Die in Den sechs Bildern beschlossene Stimmung den Geist Der Deutschen Jugend von 1914 lebendig werden und wieder empfinden zu lasten; die Regie war ferner bemüht, die grundlegende Idee der Ge. meinschaft auch auf Die Darstellung und die Schau- svieler zu übertragen. So wurden vor allem da ime te und bas dritte Bild zu einer lebendigen und unmittelbar sich mitteilenden Wirkung gebracht das entscheidende letzte wurde jedenfalls soweit bewal- tiat wie sich Derartiges überhaupt mit den ted)- n&räümÄn Tiög(üf)teiten be» Theaters sinn- t-rstÜbt?°Li-"Spi°U-itung°lhr-n" nach i-rst«rSim'..W°ltp°n°ram°",2e'rjch°ll°n°rÄy