Einzelbild herunterladen

Grenzfrage mehr. Wir haben endgültig auf Elsah-Lothringen verzichtet und für das Saargebiet eine Lösung vorgeschlagen, die das Prestige beider Nationen gewahrt hätte. Wan muh schon eine offenkundige Wahrest nicht elngestehen wollen, wenn man leugnet, dah das Saargebiet von Grund auf deutsch sei. Wir haben erklärt: Laht uns ein politisches und wirtschaftliches Abkommen treffen und es einer Volksabstimmung der Saar­länder unterbreiten. Wit anderen Worten, statt eine Abstimmung über eine Feindseligkeit" abzuhalten, hätten wir eine solche über eineVersühnung" veran­staltet. Wäre das nicht vernünftig? Aber kein französisches Blatt hat diesen in allen Einzel­heiten entwickelten Vorschlag dem französischen Volk zur Kenntnis gebracht.

Ich bitte, doch zu begreifen, daß die deutsche 23a- terlandsliebe, unsere nationale Energie, die ohne Hitler verloren gewesen wäre, von diesem wieder geweckt worden ist. Man sollte in Frank­reich nicht den gleichen Fehler begehen, wie mit Lenin und Mussolini, denen man einen schnellen Zusammenbruch voraussagte. Der Nationalsozia­lismus würde es für einen seiner schönsten Triumphe halten, wenn ihm das aelänge, was kein anderer habe schaffen können Den europäi­schen Frieden. Der Berichterstatter kam auf Die Frage der angeblichen deutschen Rüstungen zurück. Der Reichsaußenminister anwortete: Dah wir Fabriken besitzen, die auf die Waffen­fabrikation umgestellt werden können, ist eine in Europa bekannte Tatsache. Aber gerade hier sind wir weit entfernt von der Gleichheit mit den übrigen Nationen. Wenn man eine Entscheidungstat organisiert, so kann man das Geistige wohl schnell bewerkstelligen, aber auf materiellem Gebiete geht das nicht so rasch; dazu braucht man Jahre. Ich hoffe, daß wir vorher die europäische Verständi­gung verwirklicht haben werden. Ich bin aller­dings etwas entmutigt, denn ich glaubte, daß wir schon so weit gekommen wären.

Oie Organisierung der passiven Landesverteidigung in Frankreich. Paris, 29. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Der ober st e Ausschuß für passive Landes­verteidigung trat unter dem Vorsitz des In­nenministers Sarraut zusammen. Sarraut brachte einen Plan zur Annahme, der als wesentlichsten Punkt den Grundsatz der pflichtgemäßen Or­ganisierung der passiven Landesverteidigung und die Verteilung der finanziellen Lasten auf die verschiedenen Verwaltungen enthält, ferner Zwangs­maßnahmen für den Fall, daß sich jemand weigert, die Organisierung durchzuführen oder sich an ihr zu beteiligen. Ein Unterausschuß soll einen Gesetzes­vorschlag über die Regelung der privaten Her­stellung, des Verkaufs und der Kontrolle von Gas- Schuymasken ausarbeiten.

Die Steuerreform.

Senkung der Einkommensbesteuernng. Grötzere Äinderermätzigungen.

Staatssekretär Reinhardt vom Reichsfinanst Ministerium macht in derDeutschen Steuer-Zei­tung" Ausführungen über die im Herbst bevorstehende Steuerreform. Wenn sich das Aufkommen an Steuern so weiter entwickelt, wie im ersten Monat des Rechnungsjahres 1934, so wird das Auf­kommen den Voranschlag nicht unwe­sentlich ü b e r st e i g e n. Die Entwicklung der Umsatz st euer übertrifft alle Erwartung, und die Entwicklung der (Einkommen ft euer ist sehr gut. Auch die eigenen Steuern der Länder und der Gemeinden werden im Rechnungsjahr wahrschein­lich ergiebiger fließen, als bei der Aufstellung des Haushaltsplanes für 1934 angenommen worden war.

Die neuen Steuergesehe werden zum gröhten Teil am 1. Januar 1 935 in Kraft treten. Die Veranlagung des Einkommens 1 9 3 4 wird nach dem neuen Einkommensteuergesetz erfolgen. Die L o ha­st e u e r wird ab 1. Januar 1935 wahrscheinlich nach den neuen Bestimmungen erhoben werden. Die Sähe der Einkommenbesteuerung werden gesenkt werden, wobei wesentlich gröhere Kinderermähigungen gewährt werden als bisher. Das neue Einkommensteuergesetz wird wahrscheinlich auch eine Dauermahnahme für den weiteren Kampf um die Verminderung der Arbeitslosigkeit enthalten.

Bei aller günstigen Entwicklung darf nicht ver- aessen werden, daß das Reich stark vorbela- ft c t ist. 1934 hat das Reich nicht weniger als 300 Millionen RM. in Steuergutscheinen statt in Bargeld in Zahlung zu nehmen. Es sprechen alle Anzeichen dafür, daß die Entwicklung der Steuereinnahmen, die im April begonnen hat, sich auch in den weiteren Monaten fortsetzen wird. Die Entwicklung wird, soweit sie sich auf die deutsche Binnenwirtschaft erstreckt und in Deutsch- lands eigenem Vermögen beruht, unentwegt bergauf führen. Das mögen sich Miesmacher *unb Nörgler, denen die 2lufwärtsentwicklung gewisse politische Verlegenheit bereitet, ein für alle Mal ge- sagt sein lassen!

Oie Streikwelle in Amerika.

San Francisko, 29. Mai. (DNB. Funk­spruch.) Am Hafen kam es am Montagabend in­folge eines Gerüchtes, daß ein Vermsttlungsvorfchlag zur Beilegung des Werftarbeiterstreiks von den Ar­beitern a b g e l e h n t worden sei, zu schweren Ausschreitungen. Eine tausendkövfige Menge griff die Anlagen der Pacific Steamship Company an. Die Polizei mußte schließlich mit Tränen- gas gegen die Angreifer Vorgehen und auch von der Schußwaffe Gebrauch ma- chen. Die Zahl der Schwerverletzten beträgt acht.

In Cleveland (Ohio) versuchte eine Kraft- droschkengesell schäft, deren Chauffeure streiken, unter polizeilichem Schutz den Droschken- betrieb wieder aufzunehmen. Dabei kam es $u ern­sten Unruhen der Streikenden. Diese bewarfen die Droschken mit Steinen und legten im Geschäftsviertel den Straßenverkehr lahm. Außer dem Metall- arbeiterftreit stehen in den Vereinigten Staa­ten noch weitere große Streiks in Aussicht. 300 000 Textilarbeiter wollen in den Aus­stand treten, falls die Mira-Anordnung über die Be­schränkung der Erzeugung durchgeführt wird. Weiter beabsichtigen die ©iimmiarbeitcr am Montag den Fabrikanten in Akron (Ohio) ihre Forderungen auf Einführung eines Mindestlohnes und Erhöhung des Stundenlohnes von 40 auf 75 Cent zuzustellen.

Das Weifest der Frankfurter Industrie- und Handelskammer.

Oer Festakt in der Börse.

(Eigenbericht des Gießener Anzeigers.)

Die große Bedeutung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M. für das gesamte rhein-mainische Wirtschaftsgebiet ist während des ersten Jahres der nationalsozialisti­schen Revolution in der führenden Rolle zum Aus- oruck gekommen, die gerade diese Kammer als Motor für die bedeutsamen wirtschaftlichen Zu­sammenschlüsse im Rhein-Main-Gau gehabt hat. Damit krönte sie unter der zielsicheren Führung ihres Präsidenten Dr. Lüer und unter tatkräftiger Förderung des Reichsstatthalters in Hessen Spren­ger das Werk, dessen Grundlagen in den 125 Jah­ren ihres Bestehens und unablässigen Wirkens für die Frankfurter und später mehr und mehr für die gesamte rhein-mainische Wirtschaft geleat wurden. So war der Tag des 125jähriaen Bestehens für die Kammer ein begründeter Anlaß zu stolzer Rückschau und vertrauensvollem Blick in die Zu­kunft. Mit den Mitgliedern der Kammer hatten sich zum Festakt in der mit den Fahnen des Reiches und der Stadt Frankfurt, mit Blumen und Grün prächtig geschmückten Börse zahlreiche Ehrengäste aus der Reichshauptstadt, an ihrer Spitze Reims­wirtschaftsminister Dr. Schmitt und der Reichs- führer der deutschen Wirtschaft Keßler, und Hun­derte von Gästen aus dem ganzen rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet eingefunden. ..

Rach kurzen Begrüßungsworten des Prä­sidenten Dr. Lüer überbrachte der Oberbürger­meister der Stadt Frankfurt, Staatsrat Dr. Krebs, die herzlichen Glückwünsche des durch Krankheit leider am Erscheinen verhinderten Reichs- ftatthalters in Hessen Gauleiter Sprenger. Aeichswinschastsminister Dr. Schmitt drückte dann zugleich mit den Glückwünschen der Reichs- und preußischen Staatsregierung die Be­friedigung darüber aus, daß an der Spitze der Kammer ein Mann stehe, der am Ausbau der deut­schen Wirtschaft in hervorragender Weife mitbetei­ligt fei. Den Handelskammern falle hierbei eine be­deutsame Rolle zu, denn heben der einheitlichen zentralen Wirtschaftsführung brauchten wir eine starke Selbstverwaltung.

Der Führer der deutfchen Wirtschaft Keßler ging mit besonderer Betonung auf die Sicherung unserer Rohstoffversorgung ein. Um unsere Stellung auf den Auslandsmärkten zu halten und auszu­bauen, müsse jeder Exporteur noch mehr als bisher nach höchster Qualität ft r eben, sich nicht durch Druck aus dem Preisgebiet an diesem Grund­satz irre machen lassen und besondere Sorgfalt aus die Auswahl seiner ausländischen Ver­treter verwenden. Rur die besten Kaufleute dürften die deutsche Wirtschaft im Auslande ver­treten.

Gaubetriebszellenleiter W. Becker gab als Be- zirkslerter der Deutschen Arbeitsfront feiner befon- deren Freude darüber Ausdruck, daß bei einer Feier der Industrie und des Handels heute auch die Arbeiter und Angell eilten mit auf­richtigem Herzen als Gratulanten auftreten könn­ten. Daß dies möglich geworden sei, sei ganz be- sonders das Verdienst des Präsidenten Dr. Lüer aus seinem Treuhänderwirken. Weitere Glück­wünsche überbrachten sodan Baron v. Beth- mann für die Börse und die Danken, Georg von Schnitzler van der IG.-Farben für die Indu­strie, L. Spoerle für den Großhandel, Karl F e i ck a r t für den Einzelhandel und die RS.- Hago, Handwerkskammerpräsident Müller-Wies­baden für das Handwerk, Professor Dr. Platz- h o f f für die Frankfurter Universität, der Ober- landesgerichtspräsident für die Behörden, Präsident Rudolf Scholz-Mainz für den Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag. Ferner überbrachte un­ter dem besonderen Beifall der Versammlung der Präsident der Industrie- und Handelskammer F r a n k f u r t a. d. Oder die Grüße und Wünsche der ostdeutschen Wirtschaft.

Präsident Or. Lüer

hielt dann zum Schluß des von Musikstücken stim­mungsvoll umrahmten Festaktes eine großangelegte Rede über die Stellung Der Industrie- und Handels­kammer im Rahmen der Neuorganisation der Wirt­schaft. Der Redner gab zunächst eine kurze geschicht­liche und fachliche Charakteristik der Entwicklung der Kammer. Dabei bezeichnete er es als feine Ehren­pflicht, den Männern zu danken, die in weitschauen- der Voraussicht und in Anerkennung der Notwendig­keiten der wirtschaftlichen Entwicklung des hiesigen Gebiets ihn in seinen Bemühungen um den Zu­sammenschluß der Wirtschaftsvertretung des Rhein-Main-Gebiets mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit unterstützt hätten.

Es seien dies in erster Linie die Herren Gau­leiter Sprenger und Handelskammerpräsident Scholz (Mainz). Aus der Vergangenheit lernen, in der Gegenwart handeln und in der Zukunft den­ken, ist die Grundlage für die Bildung einer zweck­entsprechenden Organisation.

Das Gefüge eines Staates, in erster Linie aber der Wirtschaft, ist ein so fein verästelter Or­ganismus, daß er einem künftlerisch gestal 1 eten Uhrwerk gleicht, aus dem man nicht ohne weiteres Teile ent­fernen ober wandeln kann, ohne damit das ganze Gebäude zu beeinträchtigen ober zu stürzen. Jeber verantwortungsvolle Staats- ober Dirtschaftsführer muß baher in erster Linie Sorge fragen, bah b i e orga­nische Entwicklung burch bie Neugestal­tung nur so weit gestört wirb, als es unbebingt erforberlich unb für bie Wirtschaft selbst unb bie Volksgemeinschaft tragbar ist.

Für die vorgesehene Neuordnung der Wirtschaft ist die Innehaltung der organisatorischen Grund­sätze unbedingt notwendig. Als oberster Grundsatz jeglicher Organisation muh, wenn sie zum opti­malen Erfolg führen soll, die Einheitlichkeit sowohl in bezug auf die Durchführung wie auch auf die weitere Betätigung stehen. Aus der Ein­heitlichkeit ergeben sich einheitliche Ziele. Die Ziele selbst hat nicht die Wirtschaft, sondern die Politik zu setzen. Aus dieser klaren Defi­nition ergibt sich, daß die Wirtschaft nicht Selbst­zweck, sondern für bie Volksgemeinschaft Mittel £ u m Zweck ist, um ihre Machtposition nach innen und nach außen zu erhöhen. Infolge der Vielgestaltigkeit des Lebens und der Mannigfaltig­keit der wirtschaftlichen Betätigung, infolge der Wechselwirkungen im Innern und von außen, die täglich und stündlich andere Voraussetzungen schaf«

sen, ist es notwendig, daß jede Organisation e 1 a st! s ch gestaltet sein muß.

Eine gesunde Organisation muh auf dem Prin­zip der Persönlichkeit, der Jnifiatioe unb bet Verantwortung aufgebaut fein, unb biefe Verantwortung muh von ber ober­sten Spitze bis in bie untersten Organe ge­währt unb bewahrt fein. Eine weitere Voraus­setzung für bie Stetigkeit unb Dauerhaftigkeit jeber Organisation ist, bah sie auch wirt­schaftlich gestaltet fein muh, b. h. bah auf bie Dauer unb im Durchschnitt gesehen ber Aufwanb nicht höher fein barf als ihr Ertrag. Nationalfozialistifches Denken unb hanbeln ist nicht gebunben an bestimmte Dogmen, an Lehr­sätze ober Theorien, fonbem wirb jeberzeit ben sachlichen Belangen Rechnung tragen. Die Grunbsähe ber Weltanschauung müssen babei ihre Geltung behalten. Die Wit­tel unb Wege können verschieben sein, einheit­lich finb bie Ziele.

Ueberall zeigt sich das Streben, die nationalen Räume gegen wirtschaftliche Güter von außen ab- zuschließen. Das Ziel der Ordnung muh daher sein,

den inneren Markt zu stärken, ihn auf. nahmefähiger zu machen, damit allen Dolksgenosien Arbeit und Brot gegeben werben kann. Auch die Einfuhr muh früher oder später einer geregelten Ordnung unterworfen werden, damit die zur Der. fügung stehenden Mittel dort Verwendung finden, wo sie dringend benötigt werden. Ihre Förderung ist nur möglich durch Erhöhung der Aus. fuhr, deren Entwicklung Gebot der Stunde ist. Nicht in negativen Einfuhr» und Devisenbeschrän. Fungen liegt die Lösung, sondern in positiver rich- tiger Exportförderung. Der Redner begründete dann die Notwendigkeit einer regionalen und verti. taten Gliederung der Wirtschaftsorganisation unb schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung: Fördern Sie den neuen Geist im Sinne des Füy- rers, dessen Ziel es ist, dem deutschen Volke die Ehre und die Anerkennung unter den Völkern wie- der zu verschaffen, die ihm gebührt. Dieses Ziel wird nur dann zu erreichen sein, wenn alle Kräfte sich einfchalten zum Wohle der Volksgemeinschaft, zum Wohle des Vaterlandes, das da heißt: Deutsch, land. Seien Sie Führer der Wirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes, getragen von dem hohen sittli- chen und moralischen Verantwortungsgefühl gegen- über Volk und Vaterland.

Große Kundgebung der rhein-mainischen Wirtschaft.

Am Abend fand eine große Kundgebung der Rhein-Mainischen Wirtschaft in der Fe st Halle statt. Der festlich geschmückte Raum war dis auf den letzten Platz besetzt, als unter flotten Marsch- weisen etwa 2000 NSBO.» unb NS.-Hago-Fahnen einmarschierten. Die Kundgebung wurde von Ober- bürgermeister Dr. Krebs eröffnet. Er übermittelte die Grüße des Reichsstatthalters und Gauleiters Sprenger und wandte sich dann gegen die Miesmacher und Kritikaster, die er auf­forderte, einmal bie AusstellungUnser Gau in Landschaft, Volk und Arbeit" in den Nörnerhallen zu besuchen, um zu sehen, welche gigantische Leistung auch in unserem Gau im letzten Jahr vollbracht worden sei. Das sei nur möglich gewesen durch die Zusammenarbeit aller unb durch den Geist der Kameradschaft, der alle belebe. Der Präsident der Industrie- und Han­delskammer Frankfurt und Reichsführer des Deut­schen Handels, Dr. Carl Lüer, führte bann u. a. aus, daß es nicht allein die Organisation der Wirt­schaft fei, die uns aufwärts führen solle, sondern auch der Gei st müsse die Wirtschaft beseelen. Die Ordnung der Dinge in der deutschen Wirtschaft fordere Kerle, Kerle als Führer und Kerle als Gefolgschaft. Wenn diese Kerle sich fest miteinander verbinden, dann -werde es gelingen, ben Karren aus dem Dreck herauszubekommen. Der Führer der deutfchen Wirtschaft, Ph. Keßler, erklärte so­dann u. a.: Jeschwerer die Aufgabe sei, desto mehr sei es notwendig, daß die Menschen sich zur Ge­meinschaftsarbeit zufammenfinden. Der Nationalfozialismus gebe uns den Boden für diese Gemeinschaftsarbeit. Es komme darauf an, daß die Wirtschaft gut arbeite, d. h. dah sie mit einem bescheidenen Ertrag arbeite, denn wenn sie mit Verlust arbeite, dann würden die Menschen, die darin arbeiteten, wieder auf die Straße gesetzt werden. Die Unternehmer der Be- triebe hätten heute eine große Verantwortung. Viele Betriebssührer haben Menschen in ihren Betrieben ausgenommen, um sie zu beschäftigen. Das dürfe keine Episode sein, sondern das müsse immer so bleiben.

Der Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront, Willi Becker, wies dann darauf hin, dah es mehr denn je notwendig fei, auf dem Gebiete der Wirtschaftsführung das Leistungsprinzip geltend zu machen. Mehr denn je werde der einzelne zu zeigen haben, daß er tatsächlich der Führer in feinem Betrieb ist, der unter voller Verant­wortung gewillt ist, seinen Betrieb so zu gestalten, daß er einwandfrei innerhalb des Wirtschaftslebens dasteht. Wenn sich Wirtschaftsführer unb Wirt- fchaftsgefolgfchaft zufammenfinden zu ge- gemeinsamer Tätigkeit, dann werden wir vieles erreichen und die gewaltigen Kräfte entfesseln, die in unserem Volke vorhanden finb. Und wir werden dann in ganz kurzer Zeit aus der Not heraus- kommen.

Nechswirifchaftsminister Or. Gchmiii

ergriff dann das Wort zu der Hauptrede des Abends. Er habe es immer als ein Glück empfunden, in einem kleinen alten Städtchen nm Rhein ausge­wachsen zu sein. Die alten Städtchen am Rhein mit ihrer fteihigen, hochentwickelten Bauernschaft ringsum, daneben die rasch herangewachsene, er­freulicherweise wieder mehr und mehr auflebende Industrie bewiesen zweierlei: ein Volk von so alter Kultur und wirtschaftlicher Hochentwicklung müsse zwar immer fortschreiten von Stufe zu Stufe und in jeder Beziehung, aber ohne d i e Verbindung mit seiner Vergangen­heit, dem geschichtlich Gewordenen, seiner Tradi­tion, zu verlieren; zum anderen: diese Menschen seien so miteinander verbunden und voneinander abhängig, dah auf die Dauer es nur allen gemeinsam g u t ober schlecht gehen könne. Wir seien babei, eine ein- heitliche, starke, zentrale, Reichsgewalt zu schaffen, Deren Witte sich bis in die entferntesten Gegenden des Reichs unverfälscht durchsetzen müsse. Das schliehe aber keineswegs ein starkes, ge- f u n b e 9 , örtliches Eigenleben aus. Es müsse sich nur im Rahmen der vom Reich gegebe­nen Richtlinien halten. Genau so sei es im Wirtschaftsleben. Wir könnten nur eine Wirt­schaftspolitik betreiben, und diese b e ftinime bie Reichsregierung. Ebenso aber sei es ihre Aufgabe, die unersetzlichen Kräfte i n allen Teilen des Volkes wach zu halten, da­mit sie sich aus gesundem Selbsterhaltungs- trieb entfalten. Der Selbsterhaltungstrieb bleibe der stärkste Faktor zur Belebung der Wirtschaft. Wir müßten deshalb alles tun, um auf diesem aufzubauen und ihn zu entwickeln. Der Staat müsse durch sparsame innere Verwal­tung, allen Volksgenossen ben Lebenskampf er­leichtern, aber abnehmen könne er ihn ihnen nicht. Jeder einzelne müsse kämpfen und ringen und jeder fei seines Glückes Schmied. Der

Staat fei dazu da, für die Interessen der Gesamt­heit zu sorgen und zu verhindern, daß der Einzelne sich zum Schaden der Allgemeinheit bereichere.

So bunt unb vielgestaltig wie bie Natur bie Tier- unb Pflanzenwelt gebilbet habe, fo oer- fchieben feien bie Wenfchen in ihren Fähigkeiten unb fo verschieben bie wirtschaftlichen Aufgaben, vor bie sie gestellt wären. Das Problem bestehe barin, in j e b e m bie in i h m liegenden Kräfte zu entwickeln. Es gebe sehr gute Red­ner, bie keinen Betrieb leiten, unb sehr gute Be­triebsleiter, bie keine Rebe halten könnten. Wan bürfe aber von sebem nur bas verlangen, was er könne unb ihn auf ben Platz stellen ober lassen, auf bem er bas Besteleisten werbe. Als gemeinsame Jorberung an alle bürfe man nur bie eine aufstellen: Un tabeligf eit ber Gesinnung unb bes Charakters.

Diese Grundsätze müßten unser wirtschaftliches un­soziales Leben beherrschen. So dürften wir uns nicht gegen besondere Betriebsfor men wenden, weil bestimmte Kreise kurzsichtigerweise meinten, daß ihre Beseitigung ihnen helfen könne. Gerade hier in Frankfurt, dem Sitz unseres größten deutschen Industrieunternehmens von Weltruf, er­kannten wir, daß wir den Groß- und Kleinbe­trieb benötigten. Die Regierung werde alles tun, um die kleinen insbesondere die Handwerksbe­triebe, zu fördern. Sie wisse aber auch, daß vom binnenwirtschaftlichen, vor allen Dingen jedoch vom e x p o r t w i r t s ch a s t 1 i ch e n Stand­punkt aus, unsere Großunternehmen nicht entbehrt werden könnten, und daß wir alle Ursache hätten, auf sie stolz zu sein.

Es dürfe nicht gepredigt und ängstlich darüber gewacht werden, daß ja keiner mehr leiste als der andere; vielmehr verlange das Schicksal der Nation, dah jeder sein Bestes lei st e. Unser können und der Wettstreit um die Lei­stung sei die sicherste, vielleicht entscheidende Gewähr für Deutschlands bessere Zukunft. Aller­dings folgt daraus auch unerbittlich, dah ein jeder den Marschall st ab im Tor- n i st e r trage, dah nur das können für das Vorwärtskommen des einzelnen entscheidend ist, und dah Protektion nicht nur ein Unrecht gegenüber dem Tüchtigeren, sondern auch ein schwerer Schaden für die Gesamtheit unseres

Volkes bedeute.

Schaden für die gesamte Volkswirtschaft werde am besten dadurch ab gewehrt, daß wirtschaftliche Fehl­dispositionen von dem getragen werden müßten, der sie getroffen habe. Das Gesunde solle wachsen, das Ungesunde zugrundegehen. So werde auf Ver­antwortungsgefühl und Selbst Ver­waltung auf der einen und dem Gemein­schaftsgedanken auf der anderen Seite auf- gebaut. Die Regierung wisse genau, daß diese von ihr zielbewußt verfolgte Linie noch keineswegs überall restlos eingebauten würde. Es sei nur na­türlich, baß die geistige Umstellung eines Volkes Zeit brauche, daß es sicherlich Leute gebe, die über das Ziel hinausfchießen und andere, die nur wider­willig mitgingen. Das könne aber niemals ein Grund fein, um an der Richtigkeit des begonnenen Werkes zu zweifeln. Das deutsche Volk stehe so fest und dankbar zu seinem Führer, daß es ganz bestimmt und unter allen Umständen über alle Schwierigkeiten und Hemmnisse hinweg seine Er­neuerung durchführen werde. Das müsse insbeson­dere auch dem Ausland gesagt werden.

Wenn In der ausländischen Presse geflissent­lich alle gelegentlichen Fehler unb törichten Dinge, oft noch falsch unb übertrieben barge­stellt. fleißig zusammengetragen würben, fo wäre es kein Wunber. wenn falsche Vor­stellungen entslünben. Es sei aber im Jn- teresse ber Gesunbung ber Weltwirtschaft rich­tiger, wenn man im Auslanb erkennen würbe, welch gigantische Anstrengungen bas beulsche Volk unb sein Führer machten, um sich aus einer großen Not emporzureißen. Es wäre richtiger zu helfen, um burch die Wieberaufrichtung eines gefunben Deutschlands der Weltwirtschaft einen starken Jm- puls zu geben, denn nur eine Belebung der Weltwirtschaft wird Deutschland in den Stand setzen, seine Schulden zu bezahlen.

Auch im Verkehr der Völker untereinander gelte der Satz, daß das Glück des einen nicht auf behj Unglück des anderen aufgebaut werden tonne. Wer die Macht habe, habe recht, er werde aber nur recht behalten, wenn er recht tue. Nicht durcy gegenseitige Abdrosselung oder gar die hennluye Freude, daß es dem anderen schlecht gehe, njgjj die Welt gesunden, sondern nur, wenn tatnang alles getan werde, um die wirtschaftlichen W » lichtesten In allen Ländern wieder zur