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kampf Im Jahre 1809". Dieses anonym erschienene Werkchen entfernt sich oft recht weit von den ge­schichtlichen Tatsachen und ist zudem ein wenig ge­glückter Versuch, Sage und Geschichte künstlerisch einheitlich zu gestalten. Am lebendigsten lebt der Sandwirt in den Liedern, von denen einige schon xu seinen Lebzeiten gesungen wurden. Genannt sei basS a n d w i r t s l i e d", das in zweiunddreißig vierzeiligen Strophen so ziemlich alle politischen Wünsche des damaligen Tiroler Volkes enthält und auch Hofer selbst mit einigen Zügen charakterisiert. Köstlich durch sein volkstümliches Photos und eine naive Gelehrsamkeit wirkt einEhrenlied dem Ty- roler Helden Andreas Hofer, Oberkommandanten. Von Georg Hofer bey der zweyten Meraner Kom­pagnie. Im Herbstjahre 1809". Von dem Sandwirt wird hier gesagt:

Der nie den Musen war gewogen, Uebertrievnen Witz (Gescheitheit) gesogen. Niemals eine Schul' studiert, Spricht in lautem Kugelregen Herzhaft einem Feind entgegen, Den die Kunst zum Kriegen führt."

Das eigentliche Hoferlied, das des Volkshelden Namen und Taten in alle Länder trug, ist die uns allen bekannte Volksball-adeZu Mantua in Banden" von Julius Mosen. In Tirol ist allerdings im 5 volkstümlicher gehaltene LiedHofer im Kerker" oderHofers Abschied vom Leben" verbreiteter und wird in jedem Tale gesungen, je­doch in vielen Abänderungen. Im Binschgau hat es etwa folgenden Wortlaut:

Ich bin ein junger Soldat Von zweiundzwanzig Jahren, Geboren in Tirol, Das ist mein Heimatland.

Hier liegt mein Säbel und Gewehr Und alle meine Kleider;

Die Lebenszeit ist aus, Ich muß ins Totenhaus.

Mit Trommel- und Trompeteuttang So sollt ihr mich begraben, Drei Schuß aufs kühle Grab, Wie ich's verdienet hab'."

Für Hofers fromme Denkart spricht ein Volkslied im Luzerner Wiggertal. Als er sein Todesurteil vernommen, sagt er zu seinem Weibe:

,^Leb' wohl, mein liebes Weib, Und alle meine Kinder!

Wir sehen einander heut', Wir sehen einander nimmer; Lebet nur recht gut und fromm, Kommen wir in den Himmel z'somm! O hohe Himmelsfvau!

Auf dich hab' ich vertrauet, Weil du in unferm Land Dein Wohnung hast gebauet. O liebe Frau, ich bitt', Verlaß den Sandwirt nit!"

Bis auf unsere Tage haben sich Dichter an der heldenhaften Gestalt des Sandwirts begeistert, auch Ernst von Wildenbruch, der den Verrat an Hofer schildert:

Dreihundert Gulden liefen ins Land, Liefen sich müde die klappernden Beine, Bis eine morsche Stelle sich fand, Eine Verräterseele, eine."

Sogar um das Grab des Verräters spinnt die Phantasie des Volkes seltsame Geschichten. Ob des­sen Angehörige noch so fleißig sein Grab pflegen,: auf dem Hügel wachsen weder Blumen noch Gras, und die Höhen rollen Steine auf irns Verrätergrab.

So dem treu'sten aller Söhne An dem- Gauch, der ihn verraten. Rächt ergrimmt die Muttererde Rächt voll Haß das Land Tirol." Dauernder als Standbilder und Gosch.chtswerke ist die Erinnerung des Volkshelden, die sich in Sage und Volkslied forterbt durch die Jahrhunderte.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Wenn die Arbeit ruht.

Der Mensch lebt von seiner Arbeit. Er wird ihr immer viele Stunden seines Tages verpflichtet blei­ben. Aber fein Dasein gestaltet der Mensch nicht allein durch Arbeit, nicht minder wichtig sind die Stunden nach Feierabend. Wer nie Feierabend macht, wer von seiner Arbeit nie loskommt, wird selten etwas richtiges schaffen, seine körperliche und geistige Kraft wird schnell verbraucht sein. Das Wort Feierabend sagt aus, daß die freien Stunden erheben, stärken, entspannen sollen. Viele meinen, es genüge, die Hände in den Schoß zu legen, weil man sich dabei am besten ausruhe. Das ist ein Trugschluß. Dieses Ausruhen wird langweilia und unwillkürlich wandern die Gedanken zur Arbeit zurück. Müßiggang in den arbeitsfreien Stunden, der nicht langweilt, wirkt erfrischend; Beschäftigung, die einen anödet, ruiniert die Spannkraft.

Man tue nichts oder man tue sehr viel in seiner Freizeit, aber man vergesse seinen Beruf, bann werden die Mußestunden zu einer wirklichen Erho­lung werden. Es ist kein Zufall, daß die Großen aller Berufe sich in ihrer freien Zeit den absonder­lichsten Beschäftigungen hingeben. Der geistige Ar­beiter hat es gewiß nicht leicht, sich von seiner Arbeit zu entfernen. Ihm hat Goethe das Feier­abendlied gesungen:Ach, wenn in unsrer engen Zelle die Lampe freundlich wieder brennt, dann wird's in unserem Busen helle, im Herzen, das sich selber kennt" und schließt:Man sehnt sich nach, des Lebens Bächen, ach, nach des Lebens Quellen hin". Nach des Lebens Quellen, wo es nie langweilig ist. Die frei-n Stunden ausschöpfen heißt nicht, sich darüber zu freuen, daß man nicht zu arbeiten braucht, sondern heißt, die freie Zeit vergessen, in­dem man sie mit irgend einer Beschäftigung aus- füllt, die jenseits der gewohnten Arbeit liegt und die wirklich befriedigt.

Wer Freude daran hat, sich ins Gras zu legen und den Zug der Wolken zu beobachten, gestaltet

seine Freizeit besser als der, der sich ein Wochen­endhaus zimmert, aber lieber ebenfalls im Grase liegen möchte. Das Landvolk hat früher auf die natürlichste Weise seine Freizeit gestaltet, die schwere Arbeit in Hof und Feld ruhte, aber es gab kein müßiges Ausruhen. Am -Feierabend kam die dörf­liche Gemeinschaft zu ihrem Recht, die den Geist ablenkte. Die Alten erzählten Märchen und Ge­schichten, alte Lieder erklangen zwischendurch und auch der Humor lebte in Rätseln und Späßen in der heimischen Mundart auf. In den dörflichen Feierabendstunden pflanzten sich alte Sitten und Gebräuche Jahrhunderte hindurch fort. Die Freizeit­gestaltung auf dem Lande hat mit dem Einbruch städtischer Unruhe viel wertvolles Gut verloren, und es war höchste Zeit, wieder daran zu denken, daß der Feierabend im bäuerlichen Lebenskreis anders gestaltet sein muß als in den Städten.

finnische Staatspräsident Srinhufvud dankt derilniversitätGießen

Der finnische Staatspräsident hat an den Rektor der Universität Gießen folgendes Schreiben gerichtet:

Helsinki, den 5. Mai 1934.

Sehr geehrter Herr Rektor!

Nachdem ich durch Vermittelung des Herrn Deut­schen Gesandten in Helsinki Hans Büsing die an­genehme Mitteilung erhalten habe, daß die Juristische Fakultät der Ludwigs-Universität zu Gießen mir die große Ehre zugedacht hat, mich zum Doktor der Rechte ehrenhalber zu ernennen, und nachdem ich nunmehr auch das mir ausgefertigte wertvolle Diplom bekommen habe, ist es mir ein Herzensbedürf­nis, Ihnen, sehr geehrter Herr Rektor, sowie der Ludwigs-Universität zu Gießen und der Juristischen Fakultät derselben hiermit nochmals meinen tief­gefühlten wärmsten Dank für diese mir erwiesene hohe Ehre und für die in dem Diplom enthaltenen und an mich gerichteten überaus freundlichen Worte auszusprechen.__

Zweimal Abu Markub.

Von Erna Büsing.

Der alte Brehm bei Nennung seines Na­mens leuchten unsere Augen auf, denn er war der Erste, der seltsamstes Tierleben volkstümlich schil­dern konnte nannte ihn Schuhschnabel, diesen einzigartigen Stelzvogel, der nur oberhalb Khartums, in den Papyruswüldern des Nils vor­kommt. Zu Brehms Zeiten zählte Balaeniceps rex (König Keulenkopf) noch zu den Neu-Entdeckungen, den die Europäer zum ersten Male 1860 in London xu Gesicht bekamen. In Schrift und Sage des alten Aegyptens spielt dieser Vogel eine bedeutende Rolle. Die Europäer beschäftigten sich auch mit ihm, gaben ihm viele Namen und nannten ihn u. a. Walfisch­kopf, bis dann Bengt Berg, der nie fehlende Jä­ger mit der Kamera, hinauszog, einen ganzen Film von dem seltenen Vogel drehte und seinen arabischen Namen Abu Markub (Vater des Schuhs) zur Welt­bedeutung erhob. Jetzt kennt man allerorts, wenig­stens dem Bilde nach, den Abu Markub mit seinem einzigartigen breiten Schnabel.

Antwerpen besaß einen Schuhschnabel, und H a - g e n b e ck s hatten zwei. Einer war beinkrank und starb bald, und der andere sollte 10 000 Mark kosten. Er wurde für Wochenschauen gefilmt, es wurden Standbilder von ihm gemacht und wenn man Brief­wechsel mit dem Hause Hagenbeck pflegte, bekam man des öfteren eine Ansichtspostkarte von Abu Markub, der unbedingt der Stolz der. Firma war. Doch verstarb er, bevor er seinen Besitzer wechselte.

Natürlich wollte auch der Berliner Zoologische Garten gerne einen Abu Markub haben, aber wo­her nehmen und nicht stehlen? Eine eigene Expe­dition auszurüsten, ist viel zu teuer, und die Ein­geborenen, die nebenbei bemerkt das Papyruswald- Klima auch nicht vertragen können, verlangen für einen Abu Markub Phantasiepreise. Doch hatte der Zoo in Kairo mehrere Abu Markubs, und eine um gestillte Sehnsucht nach Elenantilopen und Pin­guinen. Darum wurden 10 Pinguine, die größten­teils im Berliner Zoo gezüchtet waren und zwei Elenantilopen, deren Geburtsort gleichfalls Berlin ist, sorgfältig verpackt, und Oberinspektor Seitz ging mit ihnen als Tauschgegenstände auf die Reise. Diele Tiere kamen gesund an, und für zwei junge Schuh- schnäbel schlug die Abschiedsstunde.

Sie reiften hochelegant und standen auf dem Sportdeck eines italienischen Luxusdampfers. Sämt­liche Fahrgäste zeigten sich den Abu Markubs sehr wohlgeneigt, doch'da eine derartige Massenliebe sich leicht bis zur Aufdringlichkeit steigern kann, mußte entweder Oberinspektor Selb ober seine Gattin bei den Vätern des Schuhes Wache halten ober richtiger

ausgedrückt, Wache sitzen, möglichst nahe der Käfige. Aber man muß wertvolle Tiere nicht nur bewachen, man muß sie auch füttern. Abu Markubs jedoch treffen bloß Fische. Die wurden auf dem Fischmarkt in Kairo eingekauft und Eis dazu, jedoch halten Fische bei Hitze bekanntlich nicht allzu lange. Er­freulicherweise legte der Dampfer in Syrakus, Neapel und Genua an, wo sogleich neue Fischmahl­zeiten besorgt wurden. Und die Abu Markubs lan­deten wohlbehalten in Deutschlands Reichshaupt­stadt. Da stehen die Grauen nun unter dem gol­denen Schein künstlicher Sonnen im Stelzvogelhaus des Berliner Zoo, das ihretwegen wieder geheizt wurde. Sie haben jetzt Daueraufenthalterlaubnis für Deutschland erhalten, und wir alle wünschen ihnen ein langes Leden. Alles in allem aber ist es eine Tat, sie gesund überzubringen und sie bargeldlos zu bekommen.

Mädchen, Veilchen, Sonne...

Von Maudia Bork.

In einem fast silbernen Blau schimmert die Ost­see an diesem Frühlingstag, kleine, gelbe Sonnen­kringel tanzen auf der glänzenden Wasserfläche, sanft schaukeln die Wellen um den Bug des Damp­fers. Zuweilen gleitet eine Möve mit schrillem Schrei vorüber, manchmal schießt aus der Tiefe ein Fisch auf, dann wieder ist nichts zu hören als das gleichmäßiae Schaufeln des Motors, dessen Kraft das Schiff vorwärtsträgt.

Zu dieser frühen Stunde ist das Oberdeck noch völlig leer, auf der Kommandobrücke wacht ein­sam der Kapitän, und an der Reling lehnt Renate. Sie hat einen hellen Flauschmantel an und von iherem Gesicht ist unter dem breitrandigen Süd­wester nicht viel zu erkennen, bis eine leichte Brise ihr ein paar Haarsträhnen in die Stirn weht, da nimmt sie mit raschem Griff den Hut ab. Von fern her tönt bas Geläut der Sonntagsglocken her­über, Renates Hände, die unruhig hin und her zuckten, liegen jetzt andächtig still. Ob es der ge­heimnisvolle Zauber dieser Stunde ist oder längst verschüttete Gefühle, plötzlich wieder wach gewor­den, weiß sie nicht genau, gewiß ist nur, daß Re­nate mit einem Mal eine niegetannte Sehnsucht spürt.

Während all der vielen Jahre, da sie die Arbeit festhielt und der Beruf, hat Renate eigentlich nie Zeit gehabt für Liebe, für Zärtlichkeit, für alles, was sonst das Leben einer Frau hell macht. Da waren die vielen einsamen Nächte im Laborato­rium und endlich die große Arbeit, Erfüllung all ihrer wissenschaftlichen Forschung. Renate lächelt. Gewiß, sie hat erreicht, was sie sich oorgenommen

Diese mir erwiesene Ehrenbezeugung schätze ich sehr hoch, zumal da ich darin zugleich einen schonen Beweis warmer Sympathie für mein Land und Volk erblicke.

Ich schließe mit einem herzlichen Wunsch um das Blühen und Gedeihen der Ludwigs-Universität zu Gießen und der Juristischen Fakultät derselben, so­wie um Ihr persönliches Wohlergehen und das Wohlergehen aller Vertreter der Ludwigs-Universi­tät. P- E. S v i n h u f v u d.

Deutsche Kurzschrift bei allen Behörden.

Der Herr Reichsminister des Innern hat unter dem 27. Dezember 1933 Richtlinien für die Durch­führung der deutschen Kurzschrift bei den Behörden herausgegeben, denen zufolge als Zeitpunkt für die erweiterte Anwendung der deutschen Kurzschrift im Behördendienst der 1. Oktober 1934 festgesetzt ist. Die Beamten und Angestellten haben sich soweit dies noch nicht geschehen ist bis z u diesem Tage die Kenntnis der deutschen Kurzschrift anzueignen. Gleichzeitig wer­den die obersten Reichsbehörden, die Herren Reichs- statthalter, die Länderregierungen und der deutsche Gemeindetag gebeten, die für den betreffenden Ge­schäftsbereich in Frage kommenden Beamten und Angestellten aufzufordern, umgehend die deutsche Kurzschrift zu erlernen.

Die deutsche Reichsregierung beabsichtigt durch diesen Erlaß mit Hilfe der deutschen Kurzschrift die ins Ungemefsene angewachsenen Schreibarbeiten rascher zu erledigen und damit eine erhebliche Menge Geisteskraft frei zu machen für bessere Zwecke.

Wirklicher Nutzen kann den Behörden aus der deutschen Kurzschrift allerdings dann nur erroarie­fen, wenn alle Beamten und Angestellten die Kurz­schrift hinreichend beherrschen.

Der Hauptausschuß für Berufserziehung beim Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag hat bereits int Einvernehmen mit dem Hauptausschuß für Berufserziehung bei der Deutschen Arbeitsfront Lehrgänge in der deutschen Kurzschrift eingerichtet. Ein erheblicher Teil der Angestellten und Beamten hat durch Anmeldung bewiesen, daß er freudig bereit ist, seinen Aufgaben jederzeit gerecht zu werden. Es ist deshalb eine Selbstverständlichkeit, daß alle dem nationalsozialistischen Staat in sei­ner Verwaltung dienenden Volksgenossen sich dieser Verpflichtung unterziehen.

Der Hauptausschuß für Berufserziehung beim Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag Sitz Frankfurt a. M. ist in der Lage, jede in dieser Hinsicht gewünschte Aufklärung zu geben.

Bezirkstagung der Eisenbahnvereine.

Am Freitag und Samstag fand in unserer Stadt eine Tagung Der Eisenbahn-Vereine im Reichsbahn- Direktionsbezirk Frankfurt a. M. statt. Die Tagung wurde am Freitag mit einem Begrüßungs­abend imBayerischen Hof" eingeleitet. Außer Mitgliedern des Eisenbahnoereins Gießen hatten sich insgesamt etwa 97 Delegierte von 47 verschie­denen Eisenbahnoereinen des Direktionsbezirkes eingefunden, durch die wiederum etwa 17 000 Eisen­bahner vertreten wurden. Der Führer des Gießener Eisenbahnvereins, Herr A l t h a u s , hielt die Be­grüßungsansprache und hieß insbesondere die Gäste von auswärts herzlich willkommen. Er schloß seine Ausführungen mit den besten Wünschen für Den Verlauf der Tagung und brachte einSieg- Heil" auf unseren Führer und Volkskanzler Adolf Hitler aus. Anschließend wurde gemeinsam das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gesungen.

Reichsbahnoberinspektor Stüber- Frankfurt a. M. sprach im Namen der auswärtigen Vertre­ter dem Eisenbahnverein Gießen den herzlichsten Dank für die gastfreundliche Aufnahme und die sorgfältige Vorbereitung der Tagung aus. Der Abend nahm in kameradschaftlichem Geiste einen harmonischen Verlauf.

Die eigentliche geschäftliche Sitzung fand am Samstagvormittag im Wartesaal 1. und 2. Klasse des hiesigen Bahnhofs statt und vereinigte die Vertreter der Eisenbahnvereine zu ernster Ar­beit. Der Vorsitzende des Bezirksverbandes, Ober­regierungsrat Krug, leitete die Versammlung ein und gab zunächst die Tagesordnung bekannt. Der

hat, ihr geroagtes und kühnes Experiment ist ge= glückt, nicht umsonst waren all die unzähligen Ver­suche in Tiegeln und Retorten, nicht vergeblich alle Mühe. Eigentlich könnte Renate wirklich froh sein.

Aber diese ganze geliebte Welt versinkt jäh, und eine geheime Tür tut sich auf in ihr, dahinter waren all die Gefühle verborgen. Da ist die Schul­zeit mit dem blonden Tanzstundenpartner, da ist der Studienkamerad aus dem Hörsaal, da ist der Dozent, der ihr bei den Versuchen half aber niemand ist da, der Renate von Liebe gesprochen hätte. Man ist respektvoll zu ihr, man schätzt ihr fachmännisches Urteil, man bewundert ihre Hin­gabe an den geliebten Beruf, aber das gilt doch eigentlich immer nur ihrem Werk. Vielleicht muß man scherzen können, jung sein und unbeschwert, denkt Renate.

Wieder versinken ihre Blicke träumend im sanf­ten Auf und Ab der Wellen. Ganz hinten schim­mert etwas Weißes. Ob es ein Dampfer ist oder ein Segelboot, läßt sich noch nicht erkennen. Ob da wohl auch jemand einsam ist wie ich? Aus der Tasche nestelt Renate den Fernstecher hervor. Es scheint ein Boot zu sein. Jetzt kann sie deutlich eine Gestalt unterscheiden und ein paar Minuten später weiß sie, daß es ein Mann ist, der da drüben am Steuer steht.

Renate läßt den Fernstecher sinken. Er müßte Michael heißen, denkt sie, er müßte jung sein und frohe Augen haben. Plötzlich fällt ihr ein, daß sie dreiunddreißig Jahre ist. Verwirrt schließt sie einen Moment die Augen. Ich werde ihm nicht gefallen, hämmert ihr Herz, ich werde nicht schon genug sein führ ihn. Ihre Finger zittern, als sie die braunen Nackenknoten fester steckt. Sie fühlt eine Mat­tigkeit und Trauer wie noch nie zuvor, aber dann reißt sie sich zusammen. Bangemachen gilt nicht, sagt sie zu sich selbst. Und schon blinken in ihren Augen alle Lichter der Erwartung auf, die strengen Linien ihres Gesichtes verschwimmen weich in einem mäd­chenhaften Lächeln, und all ihre Sehnsucht erfüllt diese Minuten.

Vom Boot her kommt Musik, es ist eine Gram­mophonplatte, sentimentales Zeug, würde Renate sonst sagen und spöttisch lächeln, aber heute findet sie die Melodie zauberhaft, und leise summt sie das Lied mit. Jetzt hat der Mann auf dem Boot sie gesichtet, er scheint ganz allein zu sein, seine gebräunten Arme glänzen in der Sonne. Immer näher gleitet das Boot, ein leichter Wind bläht die Segel, der Mann winkt herüber. Wirklich, er ist jung, fast ein Knabe noch. Ein paar hundert Meter noch, bann müssen sie sich begegnen. Renate fühlt eine merkwürdige und megeahnte Seligkeit. Sie winkt, sie. ruft, sie jubelt, alle Zurückhaltung

Geschäftsbericht gelangte zum Vortrag und gab einen Ueberblicf über die Tätigkeit der Eisenbahn­vereine im vergangenen Jahre. Der Kassenbericht wurde erstattet und genehmigt. Der Voranschlag für das Jahr 1934 wurde ebenfalls gutgeheißen.

Eingehend beschäftigte man sich mit Der Frage des Eisenbahnfürsorgewesens, das auch fernerhin in feiner bisher bestehenden Form aufrecht erhalten bleiben soll. Es wurde davon Kenntnis gegeben, daß das Eisenbahn-Erholungsheim Haus Linden- d a ch in Bad Ems eine wesentliche Erweiterung er­fahren habe und, du mit einem weiterhin starken Besuch des Heimes x>u rechnen sei, auch fernerhin Erweiterungen ins Äuge gefaßt werden müßten. Das Heim fei im vergangenen Jahre neben der Inanspruchnahme aus dem Reichsbahn-Direktions- bezirk Frankfurt a. M. sehr stark auch aus anderen Reichsbahn-Direktionsbezirken besucht gewesen.

Der Rechnungsbericht der Fürsorge- Kasse des Bezirks ließ erkennen, daß sich das Fürsorgewesen finanziell auf recht gesunder Basis bewegt und hartbedrängten und durch besondere Umstände oder durch Krankheit in Not geratenen Eisenbahnern auch fernerhin wesentliche Unter- stützungen zuteil werden können. Im weiteren Ver­lauf der Sitzung beschäftigte man sich auch mit der Frage des Turnens und der sportlichen Betätigung in den Reichsbahn-Turn- und Sportvereinen. Es soll in Zukunft jährlich eine ebenso große turnerische und sportliche Veranstal­tung zur Durchführung gelangen, wie es bereits in diesem Jahre in Frankfurt geschehen sei. In ein­gehenden Erklärungen beschäftigte sich der Referent für Turnen und Sport im Reichsbahn-Direktions­bezirk Frankfurt a. M., Reichsbahn-Inspektor Ur- mitzer (Frankfurt a. M.), mit dem Arbeitsplan, der der turnerischen und sportlichen Arbeit der Reichsbahn-Turn- und Sportvereine zugrunde liegen soll.

Nach einem gemeinschaftlichen Mittagessen unter­nahmen die Teilnehmer der Tagung zusammen mit den Mitgliedern des Eisenbahnvereins Gießen eine Ausflugsfahrt nach dem Gleiberg. Den auswärtigen Gästen wurde dadurch Gelegen­heit gegeben, die Schönheit unserer engeren Heimat kennenzulernen. Direktor M e n t e n, der Führer des Gleibergvereines, hieß die Gäste auf der Burg herzlich willkommen und zeigte ihnen während eines Rundganges auch das neu eingerichtete Schu­lungslager. Lehrer Praß hielt anschließend einen sehr instruktiven Vortrag über die Geschichte der Burg Gleiberg, der von den Zuhörern mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde.

Gegen 18 Uhr kehrten die Teilnehmer wieder nach Gießen zurück, um von hier aus die Heim­reise anzutreten.

Die nächstjährige Tagung soll in Lim» bürg und in großer angelegter Form stattfinden, um darzutun, daß die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Reichsbahn einen nicht unwesentlichen Teil unserer Volksgemeinschaft darstellen. Die Ta­gung in Gießen war auf Wunsch der Bezirksleitung in engerem Rahmen abgehalten worden.

Hitler-Jugend.

Der seitherige Führer des Bannes 88, Wetzlar, Rudolf Buß wurde als Leiter der Abteilung Sport" in den Stab des Gebietes Hessen-Nassau nach Wiesbaden versetzt. Um die Pflege der Lei­besübungen in der Hitler-Jugend einheitlich zu ge­stalten, sollen in Zukunft für jede Einheit geeignete Uebungsleiter ausgebildet werden, in deren Hände die körperliche Ausbildung der betreffenden Ein­heit gelegt wird.

Film- und Lichtbilder-Dortragsabend im KOAI.

DerKampfbund der deutschen Archi­tekten und Ingenieure" Bezirksleitung Gießen (nördliches Oberhessen), veranstaltet im Rahmen seiner Schulungsabende am Mittwoch, 6. Juni 1934 um 8 Uhr (20 Uhr) abends pünktlich im Lichtspielhaus Seltersweg einen Film- und Lichtbilder-Vortrag über Elektrizitäts-Ver­wertung.

Es sprechen Dr.-Jng. Schliephake über die Elektrizitätsversorgung Deutschlands im zweiten und im dritten Reiche" und Bezirksleiter des KDAJ.,

ist vergessen, jetzt ist das Boot ganz nah, da trifft Renate etwas Duftendes, Leuchtendes, ein Strauß Veilchen. Sie kann noch eben fangen und fest­halten, da ist das Boot mit dem Mann schon vorüber.

Langsam verklingt das Lied über dem Wasser, immer ferner leuchten die Segel weit hinten am Horizont. Noch immer strahlt die Sonne, der Himmel ist wolkenlos blau und die Wellen gleiten sacht vorbei. Renate schlägt den Kragen ihres Mantels hoch, sie fröstelt plötzlich. Dann streichelt sie behutsam die Veilchen. Kleine Boten, denkt sie, von Liebe, von Glück, vom Frühling.

Jetzt ist das Boot völlig verschwunden.

Zeitschriften.

Die Süddeutschen Monatshefte stellen ihr neues Sonderheft unter das Thema Deutsche Rassenpolitik". Es sprechen Männer zu uns, die in der Praxis stehen und auch die Fragen kennen, die das Volk an das Wort Rasse und die Behandlung von Rassefragen im neuen Staat stellt. Horst Rechenbach vom Rasse- und Siedlungsamt hat dem Heft ein Geleitwort mitgegeben, das die Richtung heutiger Rassenpolitik klar umreißt:Män­ner machen die Geschichte. Männer aber macht das Blut." Sobald man das geschichtliche Geschehen so erkennt, ergeben sich die Folgerungen für einen völkischen Staatsaufbau von selbst. Hein Schröder (Berlin) begründet das tiefer in seinem Beitrag Rassisches Denken im modernen Staat". Horst Rechenbach schreibt überUnsere Zuchausgabe'. Daß tatsächlich in rassischer Beziehung zwischen Mensch und Tier weitgehende Gemeinsamkeiten herrschen und das WortMenschenzucht" nur des­halb unserem Sprachgebrauch fremd ist, weil in früheren Zeiten die Natur jeneZuchtwahl" durcy Ausmerzung der Minderwertigen getrieben hot, die wir heute, nachdem wir durch Hygiene und Medizin der Natur diese Auswahl mindestens sehr erschwert haben, selbst treiben müssen daran denken die wenigsten. Rechenbach zeigt, wie vor allem die Bauernpolitik der nationalsozialistisch^ Regierung im Grunde nur eine Rückkehr zu oel* ten darstellt, in denen unser Volk teils unberouß züchterisch dachte und handelte. Der Hauptteil oe Sonderheftes wird abgeschlossen durch den ®citr 9 Sterilisation und persönliche Freiheit" von heim Pfannenstiel (Marburg). Ein Wissenscham zeigt, daß dem einzelnen Erbkranken mit der wie rilisation eine ungeheure Verantwortung abgenorn men wird und daß die geringe Einschränkung Pe sönlicher Freiheit gegenüber den Vorteilen, oie Schutz des Volkes vor Erbkrankheiten darfi , gar nicht in die Waagschale fällt.