Ifr. m Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger fflr Oberheilen)Montag, 28. Mai 193^
Herkunft spricht besonders die Melodie, die im bayrischen Volkstanz wiederkehrt. Diese taktwechselnden Tanze, auf die Das Lied zurückgeht, waren alte Trutztänze, im Chiem-Gau „die Tratzeten" genannt, und ihr derber kriegerischer Ton paßte ja gut dem Inhalt des Liedes. Die Strophenform tritt schon früher in Kriegsliedern des 17. Jahrhunderts auf; es finden sich sogar wörtliche Anlehnungen; aber trotzdem ist das Prin^-Eugen-Lied in seiner markigen Prägung ganz originell und hat seinerseits viele Nachahmungen gefunden. Es gibt eine ganze Reihe von Volksliedern auf den Prinzen Eugen und auch noch zwei andere auf die Schlacht bei Belgrad; sie alle betonen ganz selbstverständlich das Deutschtum. Der Prinz ist für sie stets der deutsche Held, der „Mars der Deutschen", obwohl er ja bekanntlich als französischer Prinz erzogen worden war. So zeigen die Volkslieder um den Prinzen Eugen alle das gesamtdeutsche Gefühl in einer Zeit, der oft das Vorhandensein einer solchen Gesinnung überhaupt bestritten worden ist.
ZReforö in Blutübertragungen.
Auch in England ist mit der Fortentwicklung der modernen Heilkunde die Blutübertragung inzwischen so organisiert worden, daß es in jedem einzelnen Falle möglich ist, den Blutspender mit der in Frage kommenden Blutgruppe zur Verfügung zu stellen. Die Regelung dieser wichtigen medizinischen Hilfe, die manchem Menschen das Leben gerettet hat, der sonst elend umgekommen wäre, ist dem „Blutübertragungsdienst" des Britischen Roten Kreuzes zu danken, der in den bisher abgelaufenen Monaten dieses Jahres eine außergewöhnlich große Anzahl von Anforderungen zu erfüllen hatte. Vor einigen Tagen waren allein 22 Fälle zu erledigen, womit die Höchstziffer seit Bestehen der gemein- nitzigen Vereinigung erreicht war. Die durch- schnittliche Tagesbeanspruchung sind 10 Fälle. Der Sekretär des „Londoner Blutübertragungsdienstes" führte einem englischen Pressevertreter gegenüber aus, daß man bis Ende dieses Jahres ungefähr 4000 Blutübertragungen vorgenommen haben werde. Rach seinen Angaben sollen schon jetzt mehr als 1600 Blutspender für Blutübertragungen vorhanden sein, lieber die Blutbeschaffenheit dieser Freiwilligen gibt es genaue Angaben in einer Kartothek; sie können innerhalb kürzester Zeit nach Anforderung an dem Ort erscheinen, an dem die Blutübertragung vorgenommen werden soll. Das Angebot scheint jedenfalls für den geschätzten Durchschnittsbedarf einstweilen vollauf zu genügen.
Vom Versa» her finiteren.
23on Zrch Busalla.
Der Weg des Menschen ist mit den Trümmern toter Kulturen bedeckt. Während der letzten acht- bis zehntausend Jahre sind Kulturen vom östlichen Alien bis nach Europa und Nordafrika entstanden. Anfangs waren sie örtlich beschränkt. Die Kulturen Aegyptens, Ehaldäas, Indiens und Chinas entwickelten sich getrennt voneinander und beeinflußten sich gegenseitig nur wenig. Aber allmählich dehnten sich die Kulturen aus, stießen aufeinander, wirkten auseinander und flössen zusammen. Schließlich setzte eine große Kulturwelle in Europa ein. Sie entfaltete sich zuerst in den klassischen Kulturen Griechenlands und Roms und fand ihre Fortsetzung in der westlichen Kultur unserer Tage.
Diese mag anderen in mancher Hinsicht unterlegen sein. Ihr mag die Schönheit der griechischen, die Dauerhaftigkeit der chinesischen, die Geistigkeit der mittelalterlichen Kultur fehlen. Jedoch an vorwärtsdrängender Tatkraft, an Beherrschung der Naturkräfte und an weit umsichgreifender Wirksamkeit übertrifft sie in hohem Maße alles, was die Welt je gesehen hat. Das flößte dem heutigen Menschen jenen Geist des Vertrauens und der zuversichtlichen Hoffnung auf eine unbegrenzt ruhmreiche Zukunft ein, die den größeren Teil des 19. Jahrhunderts kennzeichnet.
Und doch hätten ein wenig Ueberlegung und schon geringe geschichtliche Kenntnisse zu ernstem Nachdenken führen müssen. Unsere Kultur ist nicht die erste, sondern nur die letzte einer langen Reihe von Kulturen, die ihrerseits herrlich erblüht und dann zum Stillstand gekommen, verfallen oder gänzlich untergcgangen sind. Und die Hauptursache des hereinbrechenden Unheils war in den meisten Fällen ein Niedergang oder Zusammenbruch von innen her.
Hier fand das Nachdenken Nahrung, und eine große Anzahl besinnlicher Menschen unterzog die Angelegenheit ernster Betrachtung. Gewisse Denker stellten „das Gesetz vom Werden und Vergehen der Kultur" auf, wonach Kulturen wie Einzelwesen ihre Zeit der Jugend, der Reife, des Greisenaltcrs und des Todes hätten. Aber wie groß war dieser Zeitraum? Einige Kulturen, wie die Aegyptens und Chinas, dauerten Tausende von Jahren, andere Jahrhunderte, noch andere einige kurze Menschenalter. Augenscheinlich konnte man hier keine zahlenmäßige Darstellung finden, und so wurde diese Auffassung angezweifelt und andere Lehren aufgestellt. So wurde der Untergang der Kultur dem üppigen Leben, dem Laster, dem Stadtleben, der Religionslosigkeit und vielem anderen mehr zugeschrieben. Doch alle diese Lehren vermochten nicht zu befriedigen.
Erst die neue biologische Forschung hat die richtige Antwort gefunden, daß nämlich jede Kultur von den Anlagen des Trägervolkes abhängt. Alle Kultureinrichtungen und Errungenschaften ruhen auf lebendigen Grundlagen, auf den Männern und Frauen, die sie schaffen und erhalten. Solange diese imstande sind, den Bau zu tragen, erhebt er sich ruhig und fest gegründet. Wenn aber die lebendigen Grundlagen sich ihrer Aufgabe nicht gewachsen erweisen, so muß die mächtigste Kultur sacken, bersten und schließlich in einen Trümmerhaufen zusammenfallen.
Damit eine Kultur überhaupt entstehen kann, ist zuerst eine höherwertige Menschengruppe notwendig. Indessen muß diese Menschengruppe höherwertig erhalten werden, um jene Kultur zu vervollkommnen oder auch nur zu erhalten. Als das athenische Volk aufhörte, höherwertige Menschen hervorzubringen, sank Athen zur Bedeutungslosigkeit herab.
Die Kulturen haben nicht wie Lebewesen eine von vornherein feststehende Lebensdauer. Gesetzt, es gäbe eine hochstehende Menschengruppe, die stets eine angemessene Zahl von höherwertigen Einzelnen hervorbrächte, so wäre damit die Möglichkeit der Unsterblichkeit einer Kultur gegeben. Warum ist dieser Fall nie eingetreten? Weil vorwiegend drei zerstörende Neigungen früher oder später immer
den Verfall und Untergang der Kulturen herbei- gefuhrt haben:
1. die Neigung zur Ueberlastung des Kulturgebäudes;
2. die Neigung zu biologischem Rückschritt;
3. die Neigung zur Auflehnung der Minder- wertigen.
Warum neigen denn hohe Kulturen immer zur Ueberlastung? Jedes folgende Geschlecht gestaltet die gesellschaftliche Welt des vorhergehenden um, fügt Neues hinzu und reicht sie dann weiter an das kommende, das seinerseits den Vorgang wiederholt. Diese Tatsache, die man treffend als „gesellschaftliches Erbe" bezeichnet hat, befähigt jedes menschliche Geschlecht, von einer höheren Umweltstufe auszugehen. Allerdings werden die gesellschaftlichen Errungenschaften nur durch besondere Anstrengung übernommen. Wie groß diese werden kann, ist leicht zu ersehen an der langjährigen Arbeit, die für die heutige Jugend erforderlich ist, um sich die von den Erwachsenen bereits erworbenen Kenntnisse anzueignen. Je mehr die Errungenschaften zunehmen, um so länger und steiler ist der Pfad. Kann nicht ein Augenblick kommen, wo der jugendliche Wanderer unfähig wird, die Höhe zu erklimmen, wo die erforderliche Anstrengung über seine Kräfte geht?
Dies gerade hat sich unendlich oft ereignet und trifft noch täglich eine große Zahl von einzelnen um uns her. Wenn es in genügend großem Ausmaße eintritt, so sind wir Zeugen "jenes gesellschaftlichen Rückganges ganzer Gemeinwesen, den wir Kulturverfall nennen. Kulturverfall bedeutet, daß die ererbte Fähigkeit der gesellschaftlichen Umwelt unterlegen ist. Die Häufigkeit solchen Niederganges scheint zu zeigen, daß in jeder hoch' entwickelten Gemeinschaft der immer zunehmend schwere, vielgestaltige Aufbau der Kultur leicht die menschlichen Grundlagen überlastet. Weil die Vielgestaltigkeit einer Kultur sich außerordentlich schnell bis zu einer unbegreiflichen Höhe steigern kann, währeno die Fähigkeit ihrer menschlichen Träger ihrer Wirkungskraft nach sich gleich bleibt oder gar abnimmt.
Damit kommen wir zur zweiten Ursache des Kulturverfalls. Jede Kultur neigt nämlich dazu, die angeborenen Eigenschaften ihrer menschlichen Träger zu verschlechtern, starke Völker zu verbrauchen und jene artlichen Werte zu vernichten, die ein Volk erst befähigen, seine Kulturaufgabe zu ergreifen. Wie geschieht das?
Solange der Mensch im Naturzustände lebte, waren Eigenschaften wie Körperkraft, Geisteskraft und Lebenskraft unbedingt zum Dasein notwendig, während Körperschwäche, Dummheit und Entartung einen frühen Tod verhießen. Demgemäß überlebten die mit den zuerst erwähnten Fähigkeiten Begabten und pflanzten sich ungehindert fort, während jene, die durch die zuletzt bezeichneten Anlagen gehemmt wurden, häufiger zugrunde gingen und eine gerin- ! gere Nachkommenschaft hinterließen. So zwang die > Natur Zeitalter auf Zeitalter dem Menschen ihren । für den einzelnen unerbittlichen, aber für die Art heilsamen Willen auf, vertilgte die Schwachen, erhielt und vermehrte die Starken.
! Daher war der biologische Stand der ausgelese- nen Gruppen sehr hoch, als sie die Stufe der Kultur erreichten. Ader die Kultur bedeutete einen Wandel von einer „natürlichen" zu einer mehr oder weniger künstlichen, menschgeschaffenen Umwelt, in der die „natürliche" Auslese immer mehr zu einer „gesellschaftlichen" umgestaltet wurde. Diese wandelte ganz und gar die für das Ueberleben maßgebenden Werte. Vor allem befähigte sie viele schwache, dumme und entartete Menschen, die im Naturzustand untergegangen wären, zu leben und Kinder zu zeugen. Für die Starken war die Wirkung der gesellschaftlichen Auslese feiner, aber von nicht geringerer Bedeutung. Der starke einzelne überlebte sogar noch leichter als vorher; aber er neigte dazu, weniger Kinder zu haben.
Der Grund für diese verminderte Fruchtbarkeit der Höherwertigen war, daß die Kultur ihnen wohl ihre höchsten Gaben schenkte, ihnen aber auch d i e s ch w e r ft e n ß a ft e n auferlegte. Da sie von eige-
nen Angelegenheiten und denen der Gesellschaft in Anspruch genommen waren, wurden die artlichen Belange vernachlässigt. Späte Heirat, weniger Kinder und Ehelosigkeit kamen zusammen, um die Reihen der Erfolgreichen zu lichten, die Zahl der höherwertigen Zweige zu vermindern und so die Gruppe allmählich zu erschöpfen.
Mittlerweile nahm die Zahl der Minderwertigen in dem Maße zu, wie die Zahl der Höherwertigen abnahm. Die Minderwertigen, die nicht länger durch die natürliche Auslese ausgerottet wurden, überlebten und vermehrten sich. So starb die Kulturgemeinschaft von oben ab und breitete sich unten aus. Das Ergebnis dieses Vorganges war ebenso verhängnisvoll wie unabwendbar. Nachdem die Gemeinschaft an Höherwertigen verarmt und an Dummen und Entarteten gesättigt war, konnte sie nicht länger ihre Kultur tragen. Diese sank ent« weder auf eine tiefere Stufe oder brach gänzlich zusammen. Das sind die Wirkungen jener verhängnisvollen Neigung zu biologischem Rückschritt, der vergangene Kulturen heimgesucht hat.
Jede Kultur, jeder kulturelle Fortschritt ist also von den Höherwertigen abhängig. Die große Menge der Mittelmäßigen übernimmt die Werke der schöpferischen Bahnbrecher. Daneben aber erzeugt jede Gesellschaft einen Rückstand von ungeeigneten, geringwertigen Menschen, die ihrem Wesen nach nicht kulturfähig und daher unverbesserliche Feinde der Kultur sind. Ihnen bietet die Kultur wenig Nutzen und noch weniger Hoffnungen. Sie gewährt ihnen für gewöhnlich nur ein kümmerliches Dasein. Die Gewinne der Kultur sind nicht für sie bestimmt. Doch legt sie ihnen Lasten auf. Die Zucht der gesellschaftlichen Ordnung bedrückt den Minderwertigen und hindert und peinigt ihn bei jeder Gelegenheit. Dazu kommt, daß er oft unter dem Handeln bessergestellter einzelner leidet, die seine Schwäche und Unfähigkeit ausnutzen, ihn ausbeuten und ihn noch tiefer auf der gesellschaftlichen Stufenleiter heraborücken, als er von Hause aus stehen müßte. Infolgedessen lehnt er die Kultur ab. Dieses Gefühl äußert sich je nachdem von dumpfer, unvernünftiger Abneigung bis zu flammendem Haß und Empörung. Es richtet sich nicht nur gegen die gesellschaftliche Ordnung, sondern auch gegen ihre Träger. Die Welt- und Lebensanschauung dieser Kulturunfähigen und Kulturfeinde ist der Bolschewismus.
In ruhigen Zeiten gehen diese Menschen fast unbemerkt einher, da die Kultur von selbst starke Mittel zur gesellschaftlichen lleberwachung entwickelt, wodurch die kulturfeindlichen Elemente niedergehalten werden. Wenn aber eine Kultur unter ihrem eigenen Gewicht und infolge Verfalls ihrer menschlichen Grundlagen ins "Wanken gerät, wenn ihr Gebäude durch Kriegsstürme, innere Streitigkeiten oder Not erschüttert wird, dann raffen sich die lange unterdrückten Kräfte urmenschlichen Auflehnungsstrebens zum gemeinsamen Sprunge auf. Da der Kulturfeind nicht nur die Kultur, sondern auch den Kulturmenschen haßt, läßt er seine zerstörende Wut sowohl an den einzelnen als auch an den Einrichtungen aus. Die Höherwertigen sind immer seine besonderen Zielscheiben, wie das Beispiel Rußlands zeigt. Das Ergebnis dieser Verwüstung kann eine solche Verminderung der Höherwertigen sein, daß die Gruppe für immer erschöpft ist und nicht mehr die notwendige Fähigkeit und Tatkraft aufbringen kann, um die Verwüstung, die die Flut des Umsturzes angerichtet hat, wieder gutzumachen. In solchen Fällen hat die Kultur einen tödlichen Schlag erhalten und sinkt für immer auf eine tiefere Stufe.
So find Kulturen zugrunde gegangen, und wir fragen uns: Welches ist das Schicksal unserer Kultur? Zweifellos würde sie auch diesen Weg gehen, wenn uns nicht die biologische Wissenschaft die Ursachen des Verfalls gezeigt hätte. Sie weist uns aber auch gleichzeitig den Weg zur Rettung. Dem biologisch geschulten Kulturforscher ist der schärfste Gegner unserer Kultur, der Bolschewismus, kein Rätsel mehr. Er stellt sich dar als dis Welt- und Lebensanschauung der Minderwertigen, jener geborenen Feinde der Kultur. Entsprechend dieser biologischen Deutung gibt es auch nur einen Weg, der zu dauerndem Erfolge in dem Kampf um die Erhaltung unserer Kultur führen kann: Artverbesserung durch die Anwendung der Ergebnisse der Erbgesundheits- lehre. Vor allem gilt es zunächst, aufzuklären über die der Kulturgemeinschaft durch das Empordringen der minderwertigen Bevölkerrrngsbeftand- teile drohende Gefahr und die Gesellschaft zu tätiacr Mitarbeit für eine Wiedergesundung unserer Art zu gewinnen. Diesen Weg erkannt und als erste energisch beschritten zu haben, ist eines der großen Verdienste der nationalsozialistischen Regierung.
Andreas Hofer in Gage und Lied.
Zur Erinnerung an die Schlacht am Berge Zsel am 29. Mai. Don Hans Sturm.
Dor hundert Jahren wurde in der Franziskanerkirche zu Innsbruck Andreas H o f er ein Standbild errichtet zur Erinnerung an die am 29. Mai 1809 am Berge Isel gewonnene Schlacht gegen die Franzosen. Hofers Verzweiflungskampf ist voll stärkster Wirkung auf die Zeitgenossen gewesen. Die Geschichtsschreiber stellten den Tiroler Bauernaufstand als bewunderungswürdige Tat einfacher, glaubens- und vaterlandstreuer Landleute dar, Dichter priesen diese kühnen Tage der Erhebung, so Max von Schenkendorff, der von den Studenten berichtet, die Schulbank und Hörsaal verließen, um „Ihm ein Hoch-Vivat zu bringen.
Wollen ihm zu seiner Ehre seine Heldentaten fingen."
Dieses Lied ist nie volkstümlich geworden, und in den folgenden Jahren schien es, als ob der Bauernführer vergessen sei. Doch während neue Ereignisse eintraten und neue Namen wie Blücher, Wellington, Schwarzenberg in aller Munde waren, fügten still und unbemerkt Sage und Volkslied die Großtaten eines H a s p i n- ger, Speckbacher und Hofer zu einem gestaltreichen Mythos, der nachhaltiger wirkte als alle Geschichtsschreibung, da er aus des Volkes Tiefe und Kraft kam.
„Als Hofer", erzählt der Volksmund, „zur Welt kam, am 22. November 1767 gegen Mitternacht,
stand ob der Platterspitze ein merkwürdiger Stern, der die Gestalt eines Schwertes hatte." Eine andere Wendung berichtet: „Seine Hebamme, Maria Henlein von Matatz, sah in der Nacht, in welcher er zur Welt kam, ob der Platterspitze einen Stern in der Form eines Jagdgewehres, der gerade auf das Sandwirtshaus herüberstrahlte." An einen ins Mythische gesteigerten Bericht sei erinnert: „Als im Jahre 1848 Nachrichten von Siegen der Italiener über die österreichischen Truppen verbreitet wurden, bemerkte ein Aberstückler: „Es geht halt so, wie die Willeweiß prophezeit hat. In Welschland wird es unseren Leuten so schlecht gehen, daß die meisten zugrunde gehen. Wenn es aber so weit- gekommen ist, daß der Kaiser mit seinen zwei letzten Soldaten durch den Kuntersweg hereinzieht, wird der Sandwirt erscheinen und die Leute aufbieten. Dann gibt es einen so großen Landsturm, wie er noch nie dagewesen ist, und die welschen Rebeller werden für immer geschlagen sein. Viele Leute glauben zwar, daß der Sandwirt zu Mantua erschossen worden sei. Dies ist aber erlogen. Er hat sich nur versteckt und lebt in der Sarner Scharte ober im Jffinger (Berge)."
Einige Jahre nach den deutschen Freiheitskriegen erschien das erste Volksbuch über Andreas Hofer, „Der berühmte Sandwirt Andreas Hofer aus Passeyr in Tirol und der Tiroler Freiheits-
in
Abenteuer in den Aesten.
I3on Heinrich Hauser.
Die großen Tannen hinterm Hans stehen
einer Reihe. ...
Eine himmelhohe dunkle Wand, ein Gewitter, das droht. In ihren undurchdringlichen Kronen wohnen die Blitze, die Eichhörnchen. An ihren Spitzen sitzen dunkle Klumpen, Krähennester.
In ihren Schatten leben wir.
Die höchste Tanne ist die dritte. Da hlnaufzuklet- tern, das wäre ein Wagnis. Um sie herumgeschll- chen, zwischen den Knien ihrer Wurzeln sind wir. Ueber ihre harte, knirschende Rinde haben wir gestrichen mit unseren Händen, ehrfurchtsvoll über ihre weißen Bärte von Harz. Aber mit den Augen haben wir uns einen Weg gesucht, eine Leiter nach oben. , , , s
Wie Spione sind wir, die ganz harmlos tun unö heimliche Pläne schmieden. Schwindlig wird der Blick in den dunklen Quirlen ihrer Aeste
Das schwerste ist das erste Stuck Zu dick ist der Stamm zum Umklammern und glatt wie em Mast- bäum, ahn Aeste. Wer Aeste waren einmal ba, es stehen noch die Stümpfe, wo sie abgeborsten sind Vielleicht, daß man den niedrigsten erreichen kann mit einem Sprung? Morsch sind sie. Werden nicht halten. Zwei oder dreiTage sind wir^vorbei qeaanaen an der Tann, gleichgültig tuend. Wir pfiffen9 uns was. Aber auf einmal blinzeln wir Zurück — und uns selber überraschend, springen wir Mit den'Knien versuchten wir 3U umklammern, uns hochzuschieben, hielten nur d.e Hande ^Zwei ^drei Klimmzüge, verkrampft die Muskeln. stäckchen. Weiß waren die Schrammen an unseren nackten Knien. . hfn6 Wir
wallten T- unb "M^nnr
sssä Be'-L.-M sis sie spricht wohl mit dem Wind.
nicht gemeint. Gottlob. . 6 m;r ne nicht
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der Nester? r
Und wir erreichen diese Nester: mir können sie angreifen von unten hindurch, zwischen wudschut- telnden Büscheln von Tannenzapfen. An den Stamm gepreßt, wie ein Affenjunge an den Bauch ~ reisen wir in verfilztes Geäst: fest ~ * ■ * - Leer. — Kein Vogel
sagt etwas, gibt Antwort. Klingt es nicht wie „Ja"?
Mit den Füßen auf dem steilen Grat einer W«ur- zel ducken wir uns und: mit gepreßtem Atem der Sprung. Anklammern mit Armen und Beinen: Alle Kraft in die Wadenmuskeln. Wir lösen den Griff der Arme und wie Peitschenschnüre schlingen wir sie höher an den Stamm. Die Knie zucken. Noch höher schnellen die Arme. Es glückt: wir Hal- ten ihn, den ersten Aststumpf.
Mit sanftem, beinahe heimlichem Klimmzug er- reichen wir den nächsten Aststumpf. Schon viel besser. Seitwärts greifen mir mit der Vorsicht eines alten Affen den nächsten. Und jetzt: tief Luft schöp- send schnellen mir uns nach dem ersten Ast, umarmen ihn, hängen uns in ihn ein mit den Kniekehlen, mit den Armkehlen, und leise schaukelnd schwingen mir unter dem Holz, fest aufgehangen wie ein Stern am Himmel.
Da, mo mir rittlings fitzen auf dem Ast, die Hande an den Stamm gestützt, sind wir schon in eine, andere Welt gerückt. Nicht mehr auf der Erde. Die I Tanne ist eine Welt: heiß brennt unser »lut in | ber Gier zu entdecken. Uns überkommt ein Rausch, der in den Muskeln zuckt, ein Kletterdrang, be-. sinnungslos, unwiderstehlich.
Und wie wir höher und höher steigen, nehmen die Aeste ab an Dicke, fester und fester klammern wir uns an. Viel mehr als nötig ist, um uns zu halten: denn jetzt bewegt er sich, der Stamm, biegt sich und schwingt. Unheimlich ist die ungeheure Sanftheit seines Wiegens, es ist die Erde, die fliegt.
lief in den Abgrund ist unsere alte Welt gestürzt: da liegt sie ganz klein. In eine Hand neh- men könnte man das Haus,' und der Knecht mit dem Gespann auf dem Acker sieht aus wie eine von den großen Baumameisen, deren Straße bis in den Gipfel der Tanne geht.
Wenn wir jetzt über uns sehen, sind die Quirle ber Aeste durchsichtig und dünn. Die schwarzen Klumpen der Krähennester schwingen.
Wie wenn die Krähen einen Angriff machten? — Wir sehen sie nicht, aber sind das nicht die spitzen Keile ihrer Schwänze, da über dem Rand
der Mutter, greifen wir in
ist das wie Flechtwerk. — .
darin. Kalkiger Auswurf in trockenen Zweigen, schmutzig schwarze Federn. Kaum eine Mulde innen, unordentliches Gestrüpp: welche Enttäuschung.
Aber das war unser letzter Mut und unsere letzte
Kraft. Ohne noch einen Blick auf die Aussicht zu werfen, beginnen wir den Abstieg. — Unsere Glieder zittern. Und wie wir eintauchen in den Schutz des grünen Dunkels, in das dichte sichere Sprossen- werk der starken Aeste, da atmen wir auf.
Und mit ungeheurer Erleichterung fallen und rutschen wir das letzte Stück hinab in einen Wirbel von Borkensplittern: wie schön ist Festland für den Seefahrer, der aus fernen Ländern kommt, von den Kontinenten der großen Tanne, durch Wolken, Stürme, Wogen der Zweige und alle Gefahren.
Mit einem Goldklumpen in der Tasche, einem goldbraunen Kienzapsen ber höchsten Spitze.
Denn würden wir uns selber unsere Taten glauben, wenn wir uns nicht selbst Beweise brächten?
Ser Sichter des pri»z-6ugen-Liedes.
Die Prinz-Eugen-Ausstellung im Belvedere zu Wien, der einstigen Sommerresidenz des großen Feldherrn, hat die Persönlichkeit und die Umwelt des „edlen Ritters" in ein helles Licht gerückt und auch Anlaß gegeben, sich mit dem populärsten Volksliede, das von ihm erhalten ist, zu beschäfti- gen. Als Leihgabe der Leipziger Stadtbibliothek war auf der Ausstellung ein Liederbuch von 1719 „Musicalische Rüstkammer auf der Harfe" zu sehen, das die erste Strophe des Prinz-Eugen-Liedes mit den Noten enthält, wie Professor Oswald Red- lich in „Forschungen und Fortschritte" ausführt, ist dies der älteste erhaltene Druck. Das Lied muh bald nach dem großen Siege des Prinzen über die Türken bei der Belagerung Belgrads am 16. August 1717 entstanden fein und wurde als „Fliegendes Blatt" verbreitet; danach ist es in dem „Liederbuch des deutschen Volkes" 1843 abgedruckt worden, aber dieser Einblattdruck ist heute nicht mehr aufzufinden. Da die Fassung in der „Musicalischen Rüstkammer" mit dem Text des verschollenen „Fliegenden Blattes" übereinstimmt, so dürfen wir in ihr die älteste Form erblicken, die dann um die Mitte des 18. Jahrhunderts umgearbeitet und verwässert wurde. Wer war nun der Dichter dieses Volksliedes? Zweifellos ein Teilnehmer an der Schlacht, aber kein Brandenburger von dem Hilfskorps des alten Dessauer, wie man wohl behauptet hat; Brandenburger haben an der Schlacht überhaupt nicht teilgenommen. Freiligrath spricht in seiner bekannten, von Löwe vertonten Ballade vom „Oestreich'schen Piquet", dessen Trompeter die frischen Klänge durch das Lager erschallen läßt. Je- oenfalls war der Dichter ein Mann bayrischen Stammes, wie Victor Junk aus der Sprache und dem Rhythmus nachgewiesen hat. Für die bayrische


