sie sich im wesentlichen nur auf den Binnenmarkt beschränkt. Eine Verbesserung im Außenhandel hat sich nur sehr langsam durchzusetzen vermocht. Erst seit Juli 1933 weist auch der Außenhandel eine Steigerung auf. Berücksichtigt man aber, daß diese Erfolge erreicht worden sind angesichts riesiger Störungsmomente, wie Dollarkrise
—Mer war Bartsch von Siegsseld?
Die Katastrophe des deutschen Freiballons „Bartsch von Sigsfeld", bei dem zwei Flieger, Dr. ing. S ch r e n ck und Viktor M a - such, ihr Leben ließen, weckt die Erinnerung an den Mann, dessen Name der Unglücksballon trug — und an sein Geschick: das Ende des Hauptmanns Bartsch von Sigsfeld war ebenso tragisch wie das des Ballons und ihm in seiner ganzen Art sehr ähnlich.
Ein unvergessener Name.
Der Name des Hauptmanns Bartsch von Sigsfeld wird sicher den meisten unbekannt fein; die wenigsten werden wissen, daß er, einer der ersten Vorkämpfer des Ballonflugs und damit der Fliegerei Überhaupt, ein großer Freund Zeppelins und P a r f e v a l s war und vor mehr als dreißig Jahren bei einem Ballonaufstieg tödlich verunglückt ist. Und dennoch ist Hauptmann Bartsch von Sigsfeld kein Vergessener; jedem Flieger ist sein Name geläufig, jeder weiß, was fein Beruf ihm zu verdanken hat. Die Flieger haben ihm auch stets die schuldigen Ehren erwiesen: sie haben sein Grab in fremder Erde, das schon verwahrlost war, wieder hergerichtet und in einen würdigen Zustand gebracht und ihm einen G e - d e n k st e i n gewidmet.
Mitten in Berlin. Täglich fahren Tausende von Wagen daran vorüber, stündlich führt unzählige Fußgänger der Weg dardn vorbei — allein, wer von den Berlinern vermöchte wohl die Frage: „Wo ist das Denkmal Bartsch von Sigsfeld?" zu beantworten? Es steht im Vorgarten des Flugverbandshauses, am Schöneberger Ufer — am Landwehr
und verstärktes Exportdumping Japans — neuerdings sogar Wirtschaftskrieg —, so beweist das nur, wie außerordentlich widerstandsfähig Englands Wirtschaft ist. England kann zufrieden sein mit den bisherigen Ergebnissen seiner letzten Wirtsctzafts- entwicklung, und es hat Grund genug, mit erhöhten Hoffnungen der nächsten Zukunft entgegenzusehen.
gegründeten Königlichen Luftschiffertruppe ausgebildet hatte. Bald hatte sich von Sigsfeld so gut in seinen neuen Beruf eingelebt, daß er sich für feine Versuche sogar einen eigenen Ballon „Herder" Herstellen ließ.
Das war ungefähr im Jahre 1896. Bartsch von Sigsfeld, zu dieser Zeit Reserveoffizier des 2. Garde- Ulanen-Regiments, kam um seine Aufnahme in das Luftschifferbataillon ein — und fein Wunscy wurde erfüllt. Er wurde zum Hauptmann befördert, zum Lehrer ernannt — und seine vielseitigen Fähigkeiten wurden auch nach anderer Richtung ausgenutzt.
Dabei erwies er sich als ein Mann von großem Weitblick. Damals war gerade die drahtlose Telegraphie aufgekommen. Die meisten hielten jedoch von ihr nicht viel, allein der Kaiser erkannte ihre ungeheuren Möglichkeiten beizeiten und übertrug die weiteren Versuche dem Luftschifferhauptmann, der auch die in ihn gesetzten Erwartungen restlos erfüllte. Wenn heute so oft von den Pionieren des Rundfunks die Rede ist, so bedeutet es eigentlich ein Unrecht, seinen Namen zu vergessen: denn er hat tatsächlich viel zur Entwicklung der drahtlosen Telegraphie beigetragen.
Eine unglückselige Fahrt.
Die Zukunft des Hauptmanns Bartsch von Sigsfeld schien die denkbar beste; er stand in hohem Ansehen bei feinen Vorgesetzten und in großer
Gunst beim Kaiser. Doch das Schicksal wollte es anders.
Es war am 1. Februar des Jahres 1902. Hauptmann Bartsch von Sigsfeld unternahm in Begleitung eines Dr. Link wie so oft einen Aufstieg. Zwei andere Ballons machten mit. Das Wetter war gut, die Wetterlage geradezu ungewöhnlich. 790 mm Luftdruck wurde gemessen, so, wie man ihn vorher schon lange nicht gehabt hatte. Die Vorbedingungen für einen Flug waren sehr günstig, und man konnte höchstens mit schwacher Luftbewegung rechnen.
Doch auf einmal: Umschlag, Wind, noch mehr Wind — schließlich Oststurm. Die Ballons werden abgetrieben — Richtung Westen. Ihre Geschwindigkeit wächst von Minute zu Minute — 270 Stundenkilometer beträgt sie schließlick, so viel also, wie heute ein gewöhnliches Verkehrsflugzeug gerade noch erreicht. Die Insassen wissen, daß es auf Leben und Tod geht, und kämpfen mit allen Kräften gegen die Naturgewalt an.
Den beiden anderen Ballons gelingt es schließlich, glatt zu landen. Doch nicht dem Hauptmann Bartsch von Sigsfeld: der ausgezeichnete Offizier ist machtlos gegen die Tücke des Sturms. Er bringt wohl den Ballon dazu, nach unten zu gehen, die Gondel berührt bereits den Erdboden — da bricht sich sein Begleiter den Arm und kann ihm nicht mehr helfen. Noch schlimmer: Dr. Link verliert den Halt und wird mit voller Wucht aus der Gondel geworfen: schwer verletzt bleibt er liegen.
Dadurch ist aber die Last des Ballons plötzlich leichter geworden — der Wind erfaßt ihn wieder. Noch einmal treibt er nach oben, vom Sturm so schnell und überraschend emporgerissen, daß der Hauptmann sich nicht mehr festhalten kann und ebenfalls aus der Gondel geschleudert wird. Sein Kopf schlägt auf den harten Acker auf: er ist sofort t o t.
Tragisches Ende eines verheißungsvollen Lebens. Merkwürdig aber auch — mag es Zufall, mag es durch irgendwelche geheimnisvolle Bindungen bestimmt fein, die wir nicht kennen — daß der Ballon, der nach ihm getauft war, auf ähnliche Weife verunglückte und feinen Insassen den Tod brachte. Max Lenz.
Aus her provinzialhaupistaht.
Wer war Bartsch von Sigsfeld?
Das tragische Ende eines Hochbegabten Offiziers.
Spitznamen gegeben, aber sonst bin ich immer aut mit ihnen ausgekommen." Das konnte ich ihm bestätigen.
Und so soll uns dieser liebenswürdige, 70jährig«, lebendige „Augenblick" ein gutes Beispiel dafür sein, daß. wir solche „Verzierungen" des Lebens gern und' willig tragen. S.
Oie Polizeistunde für Eisdielen, Trinkhallen und Getränkewagen.
Durch Verordnung des hessischen Staatsministers vom 16. Mai wird zur Regelung der Polizeistunde für Eisdielen, Trinkhallen und Getränkewagen fol- gendes bestimmt:
Der Beginn der Polizeistunde wird für Speise- wirtschaften, welche sich auf die Abgabe von Speiseeis einschließlich der dazu gehörenden Eiswaffeln und Früchte zum sofortigen Genuß an Ort und Stelle beschränken und auf die Abgabe anderer Waren ausnahmslos verzichten, auf 24 Uhr festgesetzt. Für alle Betriebe, welche sich nicht auf die Abgabe von Speiseeis nebst den dazu gehörenden Eiswaffeln und Früchten zum sofortigen Genuß an Ort und Stelle beschränken, fällt der Beginn der Polizeistunde mit der Zeit des allgemeinen Ladenschlusses (19 Uhr) zusammen. Der Beginn der Polizeistunde für Trinkhallen und Getranke- roagen wird für die Zeit vom 1. April bis 30. September auf 22 Uhr, im übrigen auf die Zeit des allgemeinen Ladenschlusses (19 Uhr) festgesetzt. Uebertretungen der Vorschriften werden mit Haft und mit Geldstrafe bestraft. Die Verordnung über die Regelung der Polizeistunde für Eisdielen, Trinkhallen und Getränkewagen vorn 31. Mai 1933 und die Bekanntmachung zur Aenderung der Verordnung über die Regelung der Polizeistunde für Eisdielen, Trinkhallen und Getränkewagen vom 19. Juli 1933 werden aufgehoben. Die neue Verordnung tritt sofort in Kraft.
AusparteiamtlichenBekanntmachungen
Kreispropagandaleiter Schmelz von der Kreisleitung Gießen der NSDAP, teilt mit, daß am 3. I u n i eine große Kundgebung in Gießen stattfindet und andere Veranstaltungen an diesem Nachmittag ausfallen. Die Führer sämtlicher Gießener Vereine werden zu einer wichtigen Besprechung über diese Kundgebung auf Freitag, 25. Mai, 18 Uhr, in das Hotel Hindenburg eingeladen. Angesichts der Wichtigkeit ist das Erscheinen selbstverständlich.
kanal.
Einer der ersten Lehrer der Lustschiffertruppe.
In diesen Tagen jedoch, wo das Geschick des Ballons „Bartsch von Sigsfeld" Trauer im ganzen deutschen Volk hervorrief, ist es wohl am Platz, sich seiner zu erinnern.
Rudolf Max Wilhelm Hans Bartsch von Sigsfeld wurde am 9. Februar 1861 geboren, von früher Jugend an für Technik und Naturwissenschaften begeistert. Gelegentlich einer Afrikareise mit dem späteren Ostafrika-Gouverneur Graf G o e tz e n kam von Sigsfeld auf den Gedanken, daß es sehr wertvoll wäre, Freiballons für geographische Zwecke zu verwenden.
Nach Deutschland zurückgekehrt, besprach er seinen Plan unter anderem auch mit seinem Freund Graf Zeppelin, der den Vorschlag sofort aufgriff. Damit war Sigsfeld für die Luftschifferei, für die er schon vorher viel Neigung gezeigt hatte, endgültig gewonnen: nun sah er eine Aufgabe vor sich, die zu lösen ihn reizte. Hinzu kam, daß er anläßlich eines Besuches in der Fabrik August Riedingers in Augsburg — dieser Name ist erst vor wenigen Jahren wieder viel aenannt worden, als Piccard dort seinen Stratosphärenballon bauen ließ und von dort aus den Aufstieg begann — den Major von P a r s e v a l kennenlernte: denn damit hatten sich drei Männer gefunden, die von demselben Gedanken beseelt waren. Auf sie ist auch der „Drachen-Fesselballon" zurückzuführen, an den sich noch viele erinnern werden.
Bartsch von Sigsfeld lernte bei dem Berufsluftschiffer Opitz fliegen, der als der beste in feinem Fach galt und im Jahre 1884 die Offiziere der neu-
„Einen Augenblick, bittet
Ich glaube, daß fast bei allen Völkern die Sitte besteht, ihren lieben Mitmenschen, die sich durch irgend eine auffällige Erscheinung oder durch eine gewisse Eigentümlichkeit ausz^ichnen, einen sogenannten Spitznamen zu geben. Das fängt meistens schon in der Schule an. Zuerst hat ja der Lehrer seinen Beinamen weg. Das ist immer so gewesen, denn fünfzig Augenpaare beobachten schärfer als nur einige.
Es gibt da die merkwürdigsten Namen. Aber wenn sie noch so komisch sind, jeder Schüler kann das betreffende Wort sofort erklären. Gewiß sind sie manchmal nicht gerade liebevoll, diese Namen, Denn die Kinder, besonders die Buben so zwischen 12 und 16 Jahren, sind unbarmherzig und grausam.
Aber im Leben ist es genau so. Wo sich die Jugend trifft, in allen Vereinen, Lagern, in den Kasernen, überall, wo Freundschaft und Kameradschaft gepflegt werden, da stellen sich die Spitznamen gan,3 von selber ein. Sie werden in den seltensten Fällen als unehrenhaft empfunden. Sich gegen einen solchen Namen aufzulehnen, oder gar zu zeigen, daß man sich darüber ärgert, jjt sinnlos. Das hat schon mancher erfahren. „Glücklich ist, wer vergißt, was nicht mehr zu ändern ist!" Lachen wir selber mit, dann werden wir nicht ausgelacht.
„Einen Augenblick, bitte.!" sagte unser Mathematiklehrer, als wir ihn in der ersten Stunde etwas fragten. Wir Buben hatten bald heraus, daß er Dieses „Augenblick, bitte!" immer anwandte, selbst wenn es an die Tür klopfte, war er so höflich zu uns, wenn wir etwas laut waren (und das war oft der Fall!), wenn er eine neue mündliche Aufgabe stellte, wenn er das Pensum ins Klassenbuch schrieb usw. Immer wieder: „Einen Augenblick,
bitte!" Und so hieß er denn eine ganze Zeit lang so. Später war uns das zu lang. Wir nannten ihn nur noch den „Augenblick". Daß wir nun unserseits bei jeder passenden und noch mehr bei jeder unpassenden Gelegenheit sagten: „Herr Doktor, einen Augenblick, bitte!" versteht sich von selbst. Wir wollten ihn auf die Probe stellen. Natürlich merkte er es sofort und — lächelte. Hätte er sich geärgert, das wäre schlimm geworden für ihn. Wir aber wären die Herren der Lage gewesen. So ließen wir es bald sein (einem 14jährigen Lausbub liegt das „bitte!" sowieso nicht?), denn es war erfolglos. Aber den Namen „Augenblick" behielt er. Auch die Lehrer unter sich nannten ihn so, wie wir des öfteren feftfteUen konnten...
Heute sah ich ihn wieder, nach dreißig Jahren. Sein Spitzbart ist inzwischen weiß geworden. Ich begrüßte ihn aufs herzlichste. Auch in seinem Gesicht leuchtete es auf, als er mich sah. Auf meinen Namen freilich konnte er nicht kommen. „Warten Sie mal, einen Augenblick, bitte!" Richtig! Da war der Satz schon wieder! Ich mußte nun doch lächeln und nannte meinen Namen. Dieses „Einen Augenblick, bitte!" war ihm jetzt noch nach dreißig Jahren so geläufig wie damals, als ich noch Tertianer war.
Ich sprach auch darüber mit ihm, und er meinte lächelnd: „Ja, wir Menschen werden mit unseren Anlagen und Schwächen geboren, wir legen dann noch einige Gewohnheiten hinzu und sind fertig. Wir können solche Gewohnheiten nicht einfach ab- ftreifen, wie die Schlange ihre Haut. Wir sind zu sehr damit verwachsen. Sie gehen uns gewissermaßen ins Blut über. Das ist ja auch nicht schlimm. Ich habe jedenfalls mit meinem „Augenblick, bitte!" noch keine bösen Erfahrungen gemacht, auch nicht in der Schule. Meine Schüler haben mir wohl den
NSDAP., Amt für Volkswohlfahrt.
Kreisamtsleitung Gießen.
An sämtliche Ortsgruppen- und Stützpunkt- amtsleiter der NS.-Volkswohlfahrt.
B e t r.: N S. - V o l k s d i e n st.
Die bestellten Hefte des NS.-Volksdienftes Nr. 7 und 8 sind hier umgehend abzuholen.
B e tr.: NS V. - Pl a k e 11 en (Mutter und Kind).
Diejenigen Ortsgruppen bzw. Stützpunkte, die diese Plaketten für die NSV.-Mitglieder nocht nicht abgeholt haben, werden hierdurch ersucht, dieselben sofort hier in Empfang zu nehmen.
Betr.: Sammlung 1 6. /1 7. M a i 1934 „M utter und K i n b".
Die fehlenden Sammel- und Kontrollisten für Straßen- und Haussammlung sind sofort einzureichen.
Heil Hitler!
gez. K l ö ß, Kreisamtswalter.
F.d. Richtigkeit: gez. Mo Haupt, Kreisgeschäftsführer.
Deutscher Heimarbeiter- und HauS- gehilfen-Verband.
Morgen Freitag, 25. Mai, abends 8.30 Uhr, Zellenabend für die Zellen Mitte und Nord im Hause der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße 18. Die Verbandsmitglieder in den Zellen Mitte und Nord, welche am Reichsberufswettkampf teilgenommen haben, erhalten an dem Abend ihre Beteiligungsurkunden ausgehändigt. Deshalb ist restloses Erscheinen Pflicht. Der Verbandsortsleiter.
Eine Handvoll wilder Ampfer...
Von Sofie von Uhde.
Copyright by I. L. A., Wien.
Welch holde Macht zuweilen einem Dufte inne-- wohnt! Da kommt er angeflogen, von irgendwann und irgendwo, fortgetragen und verweht auf den Flügeln eines Windes, ein kleiner, nebensächlicher und von niemand beachteter Duft. Aber dir ist er ein Erinnern und ein Gruß eines Glückes; und du stehst einen Augenblick still mitten zwischen Hasten und Sorgen, einen nachdenklichen Augenblick lang ist dir das Leben ein rätselhaft freundliches Geschenk.
Als ich heute zwischen Mauern und Asphalt beziehungslos und verwundert ging, streifte mich, durch Staub und Benzin hindurch, der Geruch von wildem Ampfer: Duft einer Kindheit in Wiesen und Wind, Duft eines Glückes zwischen Pferden und Hunden. Und als ich, von einem Ruf empor- gerifsen, um mich blickte, sah ich auf der Schwelle einer Haustüre eine Handvoll wilden Ampfer liegen, vielleicht von spielenden Kinderhänden einem Laubengärtchen entrissen und hier achtlos hingestreut. Er verströmte welkend seinen herben, würzigen Duft; das war das Beste, was er hatte, dieses bescheidene Gerüchlein und mit ihm dankte er Gott noch einmal für Sonne und Regen, für Erde und Wind. Ich las sie auf, die kleine Kostbarkeit; nun steht sie vor mir auf dem Schreibtisch, saugt Wasser mit ihren armen, zerrissenen Würzlein und schenkt mir dafür die Wiesen meiner Heimat wieder.
*
Wie er weht im Wind, der wilde Ampfer! Er hat alle Glut und Reife des süßen Sommers in sich gesogen, seine Blätter sind gesättigt und gefüllt von dem Tau und der Frische der Nächte so steht er in der Sonne und hält Zwiesprache mit dem Wind und dem kleinen Leben, das unter ihm wohnt.
Unter ihm wohnen die stachligen Jgelchen mit den freundlichen Aeuglein und die braunen Häschen mit den schnuppernden, weichen Nasen und dem geknickten Ohr. Er kennt ihre Liebesspiele und die wachsamen Träume ihres Schlafes; er kennt auch ihre Furcht und ihr geducktes Lauschen in der Scholle und er erzählt mir davon, während ich mitten in feinem grünen Dufte liege und feine harten, saftgeschwellten Stengel über mir im Winde wehen.
Da erschüttert ein dumpfes Dröhnen die Erde an meinem Ohr, kommt näher, braust heran mit fliegenden Hufen, bremst jäh neben mir: mitten in
dem wilden Ampfer steht das schwarze Pferd. Bis an die Knie steht es im Sommergras, um die spielenden Ohren des hochgeworfenen Kopfes blitzen die blauen Fliegen und in feinem freudig glänzenden, jungen Fell spiegelt sich alles lichte Lächeln des Himmels.
Der Seewind kommt geflogen, fährt durch die schwarze, mutwillige Mähne, fährt durch mein Haar, fährt durch die grünen Wellen des wilden Ampfers bis hinein in feine verschwiegenen Liebes- oerstecke. Nun rauschen die tausend Halme, die goldenen Libellen schießen darüber hin, die dicken Hummeln brummen bedächtig, die braunen Käfer haben es eilig, und niemand weiß warum, überall lebt und summt und wächst und reift es in der grünen, bewegten Wiesenwelt; und aus Gottvaters freundlichen Augen strahlt das schönste, sommerlichste Lächeln herunter in dies selige Paradies des wilden Ampfers.
Längst verlorenes Paradies. Nun auf einmal blüht mir dieses sonnenheiße Mittagsglück, diese dämmergrüne Stille wieder, mitten zwischen den dröhnenden Mauern von Berlin, hergezaubert von diesem bestaubten und geknickten Pflänzlein auf meinem Schreibtisch; nut dem vertrauten Atem seines bescheidenen Gerüchleins bringt es eine ganze Welt voll Heimat und voll Liebe wieder.
Ich kann dir wenig dafür bieten, mein kleiner Gast: ein Venetianer Glas, von dem du nichts verstehst und ein bißchen Leitungswasser, das eben gut ist, dein beschlossenes Dasein um ein paar kümmerliche Tage zu verlängern.
Ich kann dir weder die Zwiesprache deiner Würzlein mit dem dunklen Leben der Erde zurückgeben, noch das süße Reifen des Sommers in deinen Stengeln, noch das Spiel der Häschen unter deinen Blättern, so gerne ich es auch täte. Ader ich will dich nachts auf den Balkon stellen, da wirst du zwischen den Dächern ein gesterntes Viereck des Himmels sehen; und gewiß erreicht Gottes Tau dich auch hier.
Nein, ich glaube es nicht, daß dies nur ein blinder Zufall war, der dich mir in den Weg legte, als ich heute so beziehungslos und so verwundert durch das seltsame Land der Menschen ging, in dem statt selbstverständliche Kameradschaft so unbegreifliche Gefühle regieren, wie Neid und Feindseligkeit und tausend unverständliche und gezwungene Dinge — dies seltsame Land, in dem sogar die Liebe, diese Oase im Sande, Schmerzen bringt und Einsamkeit, weil die meisten Becher nur halb gefüllt sind.
Nein, sicher war es kein Zufall, wilder Ampfer, kleiner Freund, daß du durstig auf meinem dursten
den Wege lagst. Vielleicht ist es meine Mission im Leben, euch Kleinste zu lieben und dafür aus euren unscheinbaren Händen ein unscheinbares, aber reines Glück zu nehmen — eine bescheidene Mission, sicherlich, und von dunkler und schwerverständlicher Art; aber wer kennt denn seine Straße und ihren Sinn? Liebe ist alles und der Gegenstand ist nichts.
Erste Reichssingewoche in Potsdam.
Zum ersten Mal haben sich Arbeiter und Studenten zusammengefunden, um an einem andern Teil der nationalsozialistischen Bewegung zu wirken, als an Aufmärschen und Ordnungsübungen. Diese andere wichtige Möglichkeit des gemeinsamen Einstehens für ein Arbeitsgebiet ist die Volkstumspflege. Von diesen Gedankengängen waren die Verhandlungen zwischen der Deutschen Arbeitsfront und der Deutschen Studentenschaft anfangs des Jahres getragen. Das Ergebnis jener Beratungen war das erste gemeinsame Reichssinge- lager in Potsdam, das vor kurzem stattfand.
Das deutsche Volkslied, als eines der wichtigsten Bestandteile unseres deutschen Kulturgutes, muß sorgsam gepflegt werden. Dazu sind Volksmusikführer notwendig, die bewußt hinzuweisen vermögen auf den Ursprung alles musikalischen Entstehens, dem echten volkstümlichen Singen, das heute noch die Urkraft enthält, Bindeglied zwischen Kunstmusik und Volksmusizieren sein zu können. Die Pflege des Volksliedes ist der Ausgangspunkt zu einer neuen Musikkultur.
Für die kommende Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet zwischen Studentenschaft und Arbeitsfront war dies Lager in feiner Auswirkung und'mit feinen Erfahrungen entscheidend. Die Vertreter der musikwisenschaftlichen Institute, des Reichsbundes für Volkstum und Heimat, der Organisation „Kraft durch Freude", der Hochschulen für Lehrerbildung in Preußen, der Studentenschaften und der Kameradschaftshäuser schlossen sich nach heimatlichen Gesichtspunkten zusammen und werden bei nächster Gelegenheit die Auswirkung des Lagers in der gemeinsamen Arbeit innerhalb ihres Bereiches offenbaren. So wird dann Volkstums- arbeit auf einer geschloffenen Gemeinschaft fußen, die von gleichen Erkenntnissen und Grundgedanken erfaßt ist.
Ein straffes Arbeitsprogramm füllte die Woche aus. Am Himmelfahrtstag wirkte die Singegemeinschaft an der Ausgestaltung des liturgischen Gottesdienstes in der schicksalumwobenen Potsdamer Garnisonkirche mit. Ein Konzert, dessen Ertrag für bie Hinterbliebenen von Buggingen
bestimmt wurde, fand im Zivilkasino statt. Den Abschluß des Lagers bildete ein Abendsingen im Theater Friedrichs des Großen im Neuen Palais, in dem erstmalig Arbeiter und Studenten wirkten.
Der musikalische Leiter der Singewoche war der Kämpfer für deutsches Wesen in den Sudeten, Dr. Walter Hensel, der für das Volksmusizieren eine der bedeutendsten Persönlichkeiten sein dürfte, und dem unendlich viel Arbeit auf dem Gebiet der Liedsammlung und der Herausgabe zu danken ist. Gerhard P a l l m a n, der Leiter des Amtes für Kameradschaftserziehung der Deutschen Studentenschaft, hatte das Lager durchgeführt und war der organisatorische Leiter der Gesamtarbeit.
*
Das zweite Reichssingelager wird Mitte Juni auf der Burg Gleiberg bei Gießen durchgeführt werden. Diese Tatsache ist von besonderer Bedeutung für die Stadt und die Universität. Es werden auch diesmal Arbeiter und Studenten unterschiedlos Zusammenwirken. Um der Vollständigkeit der Volkstumsarbeit willen, wird sogar an» gestrebt, Frauen und Mädchen mitzuerfassen.
Zeitschriften.
Der an den neuen Handelsvertragsverhandlungen beteiligte Ministerialdirektor Dr. Sarnow gibt im Maiheft „Volk und Reich" eine eingehende Darstellung der „handelspolitischen Aktivität in Europa", die umfassendste Sachkenntnis mit dem Vorzug klarer Darstellung verbindet. Der Hauptteil dieses Heftes gilt der volkspolitifchen Grundlegung. Hermann Raschhofer zeigt den „Weg zu Staat und Politik deutscher Nation" von der Ze» Napoleons bis zu den entscheidenden Entwicklungen unserer Tage. Theodor Oberländer begründet die nationalsozialistische Volksgruppenpolitik und das vomDeutschen Reich aufgenommene Prinzip gegenseitiger Achtung der Völker und Nationen. Erich Maschke untersucht „Polens neue Verfassung". Aussätze über „Das Land der Basken" (wichtig ange* sichts der baskischen Autonomiekämpfe — mit einer guten Übersichtskarte), über „Verdun" (Betrach' tungen zu dem Buch von Ziese-Beringer), über Eupen-Malmedy und die ungarische Revisionspolitic und das Deutschtum in Rumänien und kleinere -öel* träge geben vielseitigste politische Anregungen. ausgesprochene politische Bedeutung kommt wieder dem von „Volk und Reich" besonders gepflegten Vildteil zu: 15 prächtige Luftbildwiedergaben de Donaulaufes durch das deutsche Oesterreich 00 Passau bis Preßburg.


