Idee haben muß. Herr Dollfuß hatte aber keine und hat auch heute noch keine.
Gewissermaßen zur Feier seines zweijährigen Dienstjubiläums hat Herr Dollfuß die führenden Austrornarxisten freigelassen, dafür aber zu gleicher Zeit Massenverhaftungen von Nationalsozialisten vorgenommen. Wie es weiter aussieht, konnte man daraus er* sehen, daß der Linzer Dom an Pfingsten von feldmarschmäßig ausLerüsteten Abteilungen des Bundesheeres besetzt werden mußte, um ihn vor Anschlägen zu bewahren, und diese Anschläge wurden befürchtet — von Schutzkorpsleuten, die wegen schlechter Bezahlung revoltierten. Es ist kein Wunder, daß die Massenverhaftungen von Nationalsozialisten neue Erregung in der Bevölkerung Oesterreichs hervorgerufen haben. So sieht es i n Wirklichkeit in dem Augenblick aus, in dem Herr Dollfuß auf eine zweijährige Regierungszeit zurückblicken kann. Abschließend kann nur gesagt werden: Dollfuß hat heute mehr denn je die Fühlung mit dem deutschen Volke in Oesterreich verloren und kann sich nur durch die Macht der Bajonette halten. Die Frage kann daher nur lauten: Wie lange noch?
Bewußt auf der falschen Fährte
Massenverhaftungen
von Nationalsozialisten und Haftentlassung marxistischer Führer.
Wien, 22. Mai. (DNB.) Auf Anfrage teilen die maßgebenden Stellen am Dienstagabend mit, daß bisher 70 Nationafozialiften als Vergeltung für die von den Behörden behauptete, aber durch keinerlei Tatsachen bewiesene nationalsozialistische Urheberschaft an den Eisend ahn- anschläaen am Samstag fe st genommen wurden. Unter den Verhafteten befinden sich von bekannteren Führern der Gauleiter für Niederösterreich Joseph Leopold, der ehemalige Gauinspektor von Wien Gemeinderat Neumann und die beiden Brüder des ehemaligen Gauleiters von Wien Eduard und Richard Frauenfeld, ferner der Sektionsrat im Heeresminifterium Jlz und viele andere.
Daß die Eisenbahnsabotageakte von revolutionärer marxistischer Seite ausgingen, darauf deutet auch der Umstand hin, daß die Marxisten für die Pfinstfeiertage auch andere große Aktionen vorbereitet hatten. So waren, die Bäume an zahlreichen bekannten Wegen im Ausflugsgebiet des Wiener Waldes mit roten Sowjetsternen bemalt, auf vielen Wegen fah man „Dreipfeilabzeichen", und auf der Donau ließen sich Faltboote, die mit sozialdemokratischen Zeichen bemalt waren, den Strom hinabtreiben. Ihre Insassen schwenkten rote Fahnen und gaben Schüsse ab, um die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich zu lenken. Ferner konnte festgestellt ■ werden, daß die drei Anschläge an der Westbahn in der Nähe von Wien mit Dynamit ausgeführt worden sind, das aus einem Dorratslager stammt, zu dem nur Kommunisten Zutritt haben. Auch alle anderen einlaufenden Meldungen zeigen, daß es sich bei den Eisenbahnanschlägen um typische revolutionär-marxistische Sabotageakte handelt. Trotzdem werden zahlreiche National- sozialisten als Geiseln verhaftet, während fast gleichzeitig eine große Entlassungsaktion unter den verhafteten Sozialdemokraten durchgeführt wird. Die bekannten sozialdemokratischen Abgeordneten Ellenbogen, Speiser, Weber und der Vizebürgermeister von Wien Emmerling, wurden freigelassen. Auch drei hervorragende Schutzbundführer, die der Vorbereitung des Aufstandes vom 12. Februar beschuldigt worden waren, wurden sreigelassen. Dies ist besonders auffällig, da die verschiedenen sozialdemokratischen Parteigrößen nicht wegen des gleichen Deliktes in Haft saßen. Ein Teil von ihnen war wegen Mitwisserschaft an den Februarrevolten, ein anderer Teil wegen der Mitwisserschaft und der Geldgebarung bei der Arbeiterbank in Haft genommen worden. Es ist doch kaum anzunehmen, daß die Strafuntersuchungen wegen der verschiedenen Delikte zu der gleichen Zeit beendet waren.
Legiiimistische Schlappe.
Erzherzog Eugen kommt einstweilen nicht nach Wien.
Wien, 22. Mai. (DNB.) Aus le-gitimistvschen Kreisen erfährt man, daß Erzherzog C u g en seine Reise von Basel nach Wien aus unbestimmte Zeit verschoben habe. An die Rückkehr des Erzherzogs aus dem schweizerischen Eril hatten die österreichischen Legitimisten große Hoffnungen geknüpft. Man sprach von einer Reichsverweserschaft des Erzherzogs als Vorläufer der Restauration der Habsburger-Monarchie. Aber die von den Legitimisten beabsichtigten großen Kundgebungen in Innsbruck und zahlreichen anderen großen Bahnhöfen, die der Erzherzog berühren sollte, waren offenbar aus Weisung der Regierung, abgesagt worden Es scheint, daß die gesteigerte Tätigkeit der Monarchisten in Oesterreich nicht ohne außenpolitische Wirkungen geblieben ist. Besonders Südslawien soll nicht nur in Wien, sondern auch in Paris die Aufmerksamkeit der leitenden Staatsmänner auf die monarchistische Propaganda in Oesterreich gelenkt baden. Die Legitimisten empfinden die erzwungene Absage der Empfangsfeierlichkeiten und die verschobene Abreise des Erzherzogs mit Recht als eine Schlappe.
Frauenfeld geflüchtet.
Wien, 22. Mai. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt, daß der ehemalige nationalsozialistische Gauleiter von Wien, Frauenfeld, geflüchtet sei. Frauenfeld war vor einiger Zeit aus der Haft entlassen, in der er schwer erkrankt war.
Nassau Oer NSDAP, zwei Landesstellen sein würden. Die Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda umfaßt von jetzt ab nur noch das Gebiet des Gaues Hessen-Nassau der NSDAP.
gez.: Müller-Scheld Gaupropaaandaleiter und Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda.
Machtvolle VDA.-Klmdgebung auf der Feste Boni Royal.
Trier, 22. Mai. (DNB.) Nach den arbeite» und ereignisreichen Tagungen des VDA. in Mainz und Trier fand am Dienstag auf der weiten Hochfläche der Moselhalbinsel, auf der Feste Mont Royal bei Traben-Trarbach, eine Kundgebung statt, an der etwa 6000 Personen, darunter zahlreiche DDA.- Iugend, teilnahmen. Nach dem Anmarsch der Fah
nen und Banner der örtlichen Vereine nahm der Vorsitzende des VDA. Dr. Steinacher das Wort. Er erinnerte daran, daß hier L u d w i g XIV. durch den Marschall Dauban eine Festung mit 8500 Mann Besatzung errichten ließ mitten im deutschen Land, schließlich aber in die Schleifung der Festung einwilligte, nachdem ihm Straßburg überlassen worden war. Dann hielt Dr. Spieß, der die Festung ausgegraben hat, einen Vortrag über das Thema: „Dom Rheinland-Drachen zum Heimatbollwerk", in welchem er die Geschichte Der Feste Mont Royal aufrollte.
Nachdem die Musik die Ouvertüre zu Wagners „Rienzi" gespielt hatte, sprach der Landesführer des Landesverbandes Mittelrhein des DDA. Staatsrat Freiherr von Lüninck das Schlußwort. Er dankte Dr. Spieß für feine mühevolle Arbeit und betonte, wie aus diesem Schandmal deutscher Zwietracht ein Mahnmal geworden ist. Das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied, von den Tausenden begeistert gesungen, beendeten den feierlichen Akt.
Oer bulgarische Staatsstreich.
Oie Wende zum autoritären Regime.
Um zwei Uhr nachts zum 19. Mai wurde in Sofia der Belagerungszustand verhängt und eine neue Regierung unter dem Obersten a. D. Georgieff gebildet, am 19. Mai mittags um 2 Uhr wurde der Belagungszuftand im wesentlichen aufgehoben. Hinter dem Staatsstreich, der auf Anordnung des Königs erfolgte, stand einhellig die Armee. Damit war dem Spuk der Parteien in der Sobranje ein Ende bereitet und die Wende zum autoritären Staat als letzte Folgerung aus der Unfähigkeit des Parlamentarismus erfolgt.
Bei den Gemeindewahlen im Februar kandidierten nicht weniger als 43 Parteien auf Listen, während in Bulgarien nur 839 750 Wähler zur Urne gingen. Diese ungeheure Parteienzersplitterung lähmte jede praktische Arbeit in der Sobranje. Die große Bauernpartei war im Laufe der Entwicklung in vier Gruppen zerfallen, von denen nur eine Gruppe den Ministerpräsidenten Muschanoff unterstützte, die Nationallibe- raten waren dreigeteilt, ebenso die Radikaldemokraten. Vergeblich versuchte der sehr geschickte Ministerpräsident Muschanoff die Uneinigkeit der Parteien im sogenannten V o l k s b l o ck zu überwinden, die weniger auf sachlicher als personeller Basis beruhte. Als vor 14 Tagen fein Kabinett zusammenbracb, gelang es ihm nicht, ein neues Kaoinett zu bilden und er muhte feinen Auftrag dazu dem König ^urückgeben. Andererseits hätten aber Neuwahlen Das Parlament nicht flott machen können, da das Zentrallistensystem keine wesentliche Veränderung in der Parteienzusammensetzung zugelassen hätte. So schaute Bulgarien auf Den König, der zur Tat schritt.
Denn außerhalb des Parlaments war mittlerweile die Erkenntnis gereift, daß nur, wie in anderen europäischen Staaten, eine fortschrittliche Politik durch eine Beseitigung oder Beschneidung des Parlamentarismus und durch eine autoritäre Regierung erreicht werden könne. Trägerin dieser Idee war die Zankoff-Bewe- g u n g, die als volkssoziale Gruppe enge Verbindung mit den Organisationen der Frontkämp- f e r und der Armee unterhielt. Aber diese Volkssozialen waren noch nicht durchorganisiert, wenn auch ihr Programm über ihren Organisation^ anfang hinaus allgemeine Zustimmung fand. Der König beauftragte den ehemaligen Zankowiften Georgieff mit der Suspendierung der Sobranje, und ohne Blutvergießen, in voller Ruhe, wurde eine autoritäre Regierung gebildet, die mit außerordentlichen Machtvollkommenheiten versehen worden ist.
Jnnerpolitisch stützt sich diese Regierung vor allem auf den Sweno-Kreis, der sich vielfach mit den volkssozialen Gedankengängen berührt. Außenpolitisch sind im Sweno-Kreis Stimmen laut geworden, die für eine Derständigungspo- litif mit Südslawien eintreten. Dieser Kreis will eine Wiedergeburt Bulgariens unter Abstoßung jener kapitalistischen und liberalistischen Einflüsse unter deren zersetzenden Wirkungen nach dem Kriege Bulgarien trotz aller Anstrengungen nicht zur Ruhe kam, während von Moskau aus immer neue bolschewistische Injektionen am bulgarischen Volkskörper versucht wurden, die.im Laufe der Jahre zu furchtbaren Zuckungen führten. Die bulgarische Umwälzung beweist, daß die neuen europäischen Staatsideen, die in Deutschland, Italien, Polen, kürzlich auch in Lettland zum Durch- bruch gelangten, wie eine naturgesetzliche Entwicklung in die Erscheinung treten, vor denen das Morsche kraftlos in sich zerfällt.
Ein Ermächtigungsgesetz für das Kabinett Georgieff.
Sofia, 22. Mui. (DNB.) Nach her Beendigung des Ministerrats erklärte Ministerpräsident Georgieff vor der Presse, daß das Kabinett eine Verordnung in Kraft setzen werde, die bestimmen werde, daß alle von der Regierung erlassenen Verordnungen, gleichgültig, ob sie den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen widersprechen oder nicht, rechtsgültig seien, und zur Durchführung gelangten. Die Verordnung, die die Regierung mit einer un» geheuren Machtfülle ausstatten wird, bedeutet gleich- zeitig auch die Legalisierung ihrer diktatorischen Macht.
Wie die Zeitung „Kambana" von zuständiger Stelle erfährt, wird die Regierung in den nächsten Tagen s ch a rfeMaßnahmen zurBekämp- f u n g der Korruption ergreifen, die sich unter iber Parteienwirtschaft im ganzen Lande breit gemacht hat. Unterschlagung von Staatsgeldern werde mit dem Tode bestraft werden.
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Die Handelsvertragsverhandlun- gen zwischen Südslawien und Bulgarien sind erfolgreich abgeschlossen worden. Der Handelsvertrags der der erste zwischen beiden Staaten nach dem Weltkrieg ist, bedeutet einen weiteren bedeutungsvollen Schritt auf dem Wege der Annäherung zwischen Belgrad und Sofia.
Görings Besuch in Griechenland.
Herzliche Ehrungen des deutschen Staatsmannes durch Volk und Regierung.
Ministerpräsident Göring legte Samstag unter den Klängen des Deutschlandliedes und der griechischen Nationalhymne und dem begeisterten Beifall der griechischen Bevölkerung amGrabe des unbekannten Soldaten einen riesigen Lorbeerkranz mit Hakenkreuz und schwarz-weiß-roter Schleife nieder. Hierauf fand eine Audienz beim Präsidenten oer griechischen R e - publik, Zainis, statt. Ministerpräsident Gö- rina erhielt das Großkreuz des Erlöser- erbens (die höchste griechische Auszeichnung), Justizminister Kerrl, die Staatssekretäre Milch und Körner und Reichsbahndirektor Dorp» müUer das Großkreuz des Phönix- Ordens, Major Jacobi und die Herren Hoff und Sommer von der Reichsbahn das Komturkreuz des Erlöserordens und die Flugkapitäne der Flugzeuge das Ritterkreuz des Phönix-Ordens. Sodann wurden die deutschen Gäste zu einem F e st e s s e n eingeladen, das der griechische Außenminister Maxi- mos zu ihren Ehren im Hotel „Grande Bretagne" gab.
Ministerpräsident Göring nahm am Samstagabend an der 40-Jahrfeier des Internationalen Olympia - Komitees teil. Unter brausendem Beifall wurde der Ministerpräsident und seine Begleitung bei ihrem Eintritt in das Stadion begrüßt. Mehr als 60 000 Menschen erhoben sich von ihren Plätzen und klatschten minutenlang Beifall. Bewegt dankte der Ministerpräsident nach allen Seiten für diesen noch nie da- geroefenen Empfang eines fremden Staatsmannes
in Athen. Ein herrliches Bild entrollte sich vor den Augen der Zuschauer. Ganz im alten olympischen Stil wurde ein Fünferkampf ausgetragen; die Schiedsrichter erschienen in den alten griechischen Kleidern, die Kämpfer nur mit einer Lend en binde versehen. Danach fand ein unbeschreiblich schöner Kostüm-Aufmarsch statt. Die erste Szene stellte einen alten griechischen Opferzug, die zweite eine byzanthinische Prozession und die dritte griechische moderne Nationaltrachten mit nationalen Tänzen dar.
Als Ministerpräsident Göring das Stadion verließ, wurden ihm erneut enthusiastische Huldigungen dargebracht.
Ministerpräsident Göring unternahm mit seiner Begleitung über die Pfingsttage einen Ausflug nach Delphi.
Nach der Fahnenweihe der deutschen Hitlerjugend Athens, im Deutschen Club „Philadelphia" am Sonntag, erschien Ministerpräsident Göring im festlich geschmückten Saal, von begeisterten Heilrufen der Anwesenden begrüßt. Göring sprach von der Rückgewinnnung der deutschen Ehre und Freiheit und betonte, mehrfach von Beifall unterbrochen, daß er sich freue, eine aufrichtige Freundschaft für unser Deutschland in Griechenland gefunden zu haben. Die Worte des Ministerpräsidenten wurden mit Begeisterung ausgenommen. Nach dem Absingen des Horst-Wessel- Liedes verließ Göring, von stürmischen Heilrufen begleitet, den Deutschen Club.
Amerika geht zm Doppelwährung über.
Roosevelts Eilberbotschast. — Dor großen Silberankäufen der USA.
Landesstelle Heffen-Raffau.
Die Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Vvlksaufklärung und Propaganda gibt bekannt: Durch einen Teil der Presse ging eine Notiz, nach der die „ R e i ck s p r o p a g a n d a- st e l l e Hessen-Nassau^ des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda erst jetzt zur Landesstelle erhoben woroen sei. Diese Nachricht ist unrichtig. Von Anfang an bestand eine „Landes stelle Hessen-Nassau". Diese Landesstelle umfaßte das Gebiet der Provinz Hessen- Nassau sowie des Landes Hessen; ihr waren unterstellt die Reichspropagandastelle Hessen sowie die Reichspropagandastelle K u r h e s s e n. Inzwischen sind aber auch alle Reichspropaganda st ellen zu Landes st ellen erweitert worden, so daß die Reichspropagandastelle Kur Hessen jetzt Landes stelle Kur- Hessen mit dem Sitz in Kassel ist. Die Reichspropagandastelle Hessen ist a u f g e l ö st worden, weil sonst im Gebiet des Gaues Hessen-
Washington, 22. Mai. (DNB.) Präsident Roosevelt hat am Dienstag dem Kongreß seine seit langem erwartete Botschaft zur Silberfrage zugehen lassen. Er empfiehlt darin eine Gesetzgebung, nach der das Silber ein Viertel der Deckung der Währung bilden soll. Die Botschaft ist das Ergebnis von Verhandlungen mit dem sog. Silberblock des Kongresses. Sie bestimmt, daß die Zahlungen für Ankäufe von Silber, das zur Anhäufung der notwendigen Silberreserve gebraucht wird, auf 50 Cents je Unze für einheimisches Silber beschränkt werde. Roosevelt weist dann auf ein internationales, bimetallistisches Abkommen zur endgültigen Lösung der Silberfrage hin und teilt dem Kongreß mit,!
daß bereits mit den Nachbarländern Verhandlungen eingeleitet seien, die die Verwendung von Silber und Gold auf gleicher Grundlage als Währungsstandard betreffen. In der Botschaft ersucht Roosevelt um Vollmacht zur Uebernahme der bestehenden Silberüberschüsse, die nicht für Zwecke der Industrie benötigt werden. Dabei soll eine entsprechende Entschädigung gezahlt werden. Außerdem wünscht Roosevelt Vollmacht zur Regelung der Silber-Ein- und Ausfuhr und für andere Silbertransaktionen. Roosevelt schlägt eine Steuer von min» beftens 50 v. H. auf alle Gewinne aus Silbertransaktionen vor. Er empfiehlt
eine Politik, die für Währungszwecke die Silber- menge so erhöhen soll, daß als Endziel ein Viertel der Währungsbestände aus Silber besteht. Die Botschaft ist so abgefaßt, daß das Tempo und der Umfang der Silberankäufe weitgehend dem Er- messen des Präsidenten überlassen ist. Der Erfolg des Londoner Silberabkommens, so sagt die Botschaft zum Schluß, ermutige zu einer Fortsetzung der internationalen Verhandlungen über die Sil- berfrage.
Die Silbervorlage, die der Botschaft Roosevelts entspricht, wurde am Dienstag in beiden Häusern des Kongresses eingebracht. Der Entwurf bewilligt zunächst eine halbe Million Dollar für den Ankauf von Silber und weitere jähr- liche Summen, die dem jeweiligen Bedarf ent- sprechen. Der Finanzminister wird ermächtigt, Sil- berfäufe im In- und Auslande zu Preisen, Zeiten und Bedingungen vorzunehmen, die am vorteilhaftesten für den Staat find. Ferner erhält der Finanzminister die Vollmacht, Silber zu verkaufen, wenn die Silberbestände zu den Goldbeständen bas Verhältnis von 25 v. H. übersteigen. Beamte des Schatzamtes erklärten, daß die Silberunze durchschnittlich mit 129 Dollarcents bewertet werde. Sie schätzen den Silberbedarf des Schatzamts, abgesehen von den bereits vorhandenen Beständen in Höhe von etwa 800 Millionen Unzen, auf 1300 Millionen Unzen.
Mexiko regt eine Versöhnung Boliviens und Paraguays an.
Mexiko, 23. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der mexikanische Außenminister hat die Regierungen Boliviens und Paraguays ersucht, „zum Wohle Amerikas und im Interesse des Lebens der unbekannten Helden, die ihr Blut im Bruderkampf vergießen", äußerste Anstrengungen zu einer sofortigen unmittelbaren Lösung des Chaco- streits zu machen. Ein ehrenhafter Anlaß hierzu könne gefunden werden in der beim Völkerbund angeregten Bewegung für ein Waffeneinfuhrverbot nach den kriegführenden Staaten. Ein sofortiger Waffen st ill st and und direkte Verhandlungen in einem beide Völker beseelenden Opfergeist würden nicht nur schnell und sicher den Frieden bringen, sondern auch der Welt ein erhebendes Beispiel geben.
Kraftfahrzeugbrief und Eigentumsvorbehalt.
Die Einführung des Kraftfahrzeugbriefes hat in der Kraftverkehrslyirtschaft günstige Aufnahme gesunden. Der Reichsverkehrsminister hat Wünschen Der Kraftverkehrswirtschaft entsprechend eine weitere Anordnung über die Nutzbarmachung des Kraftfahrzeugbriefes getroffen. Die Zulassungsstellen Übergeben grundsätzlich den Kraftfahrzeug- brief an den Inhaber des Zulassungssckeines; sie sind jetzt angewiesen worden, bei Ab^ahlungs- fäufen mit Eigentumsvorbehalt auf schriftlichen Antrag des Käufers den Brief a n den Verkäufer zu übergeben. Der Verkäufer kann den Käufer zur Stellung dieses Antrages vertraglich verpflichten und sich dadurch den Kraftfahrzeugbrief sichern, ohne den bas Fahrzeug nicht weiter veräußert werden kann.
Aus oder Wett.
Der Vurschenschafkslag 1934.
Die Veranstaltungen aus Anlaß des Dur- fchenschaftstages 1934 in Eisenach erreichten am Abend des Pfingstsonntag mit dem traditionellen Kommers ihren Höhepunkt. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Burschenschaft ergriff cand. phil. Ruhnau - Münster bas Wort zur Festrede. Die deutsche Burschenschaft, so sagte er u. a., sei von dem gleichen Geiste beseelt wie die Burschenschaft von 1815. In diesem Geiste wolle auch die Burschenschaft mithelfen am Aufbau. Ihre Parole sei Erziehung der Studenten zur Gemeinschaft. Den Weg dazu weise das Kameradschaftsheim. Den Abschluß des Burschentages bildete am Pfingstmontag eine Morgenfeier auf der Wartburg, bei der der Führer der Deutschen Burschenschaft das Wort zu einer kurzen Ansprache nahm.
Der Bundesführer der Deutschen Burschenschaft Diplom-Ingenieur Dr. Schwab hat aus Eisenach an den Herrn Reichspräsidenten das nachstehende Telegramm gerichtet:
„Die in Eisenach zum Burschentag versammelten alten und jungen Burschenschaftler grüßen in Ehrfurcht und Treue den Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten von Hindenburg.
Die Deutsche Burschenschaft. Der Bundesführer Diplom-Ingenieur Dr. Schwab."
Der Herr Reickspräsident hat wie folgt gedankt: „Den zum Eisenacher Bundestag versammelten alten und jungen Burschenschaftlern danke ich herzlichst für die Treuebekundung und für die Grüße, die ich mit besten Wünschen für einen erfolgreichen Verlauf Ihrer Tagung erwidere.
(gez.) von Hindenburg, Reichspräsident." fioburger Tagung der Deutschen Landsmannschaft.
Die Deutsche Landsmannschaft hielt zu Pfingsten in Koburg ihren 6 6. Landsmannschaf ter- t a g ab. Nachdem am Pfingstsamstag die Lands- mannschafter im Fackelschein zum Denkmal hinauf- gezogen waren, das ihren 1600 gefallenen Brüdern geweiht ist, eröffnete am ersten Feiertag der Führer der D. L., Stadtschulrat Dr. Meinshausen- Berlin, die Tagung im Landestheater mit einem Vortrag über „Nationalsozialismus und Landsmannschaft". Die anschließenden Beratungen bewiesen, daß der Führergrundsatz Raum aeschaffen hat für die Behandluna der großen studentischen Fragen. Unter den zugelassenen Landsmannschaften befindet sich auch die Sorabia-Leipzig, die, 1716 gegründet, die älteste aller deutschen Korporationen ist. Die grenz- und auslandsdeutsche Arbeit der Deutschen Landsmanm schäft nahm einen breiten Raum ein. Entsprechend biefer Eigenart der D. L. haben auch zwei Lands- mannschafter, Reichsführer der Deutschen Studentenschaft, Dr. Stäbe!, und Oberbürgermeister Dr. N e i k e s - Saarbrücken bei der «DDÄ.-Tagung in Mainz und Trier an führender Stelle gestanden. Weiterhin wurde beraten über die Erfahrungen mit den Wohnkameradschaften und über die notwendige Umformung des waffenstudentischen Ehrbegriffs, der, wie efl die D. L. in gewisser Weise schon seit ihrer Gründung anstrebte, nach dem Willen Adolf Hitlers nicht länger der Ehrbegriff bevorrechtigter Kreyc bleiben darf. Am feierlichen Kommers nahm u. Reichsführer Dr. Stäbe! teil. Mit QSegeifterung aufgenommen wurde die Rede des Gauleiters, Ministers S ch e m m über „Nationalsozialismus und Wissenschaft". Den Abschluß des Landsmann-


