Aus der Provinzialhauptstadt
Heil Hitler!
3.21.: Wallenfels.
20. Fortsetzung.
Nachdruck verboten!
Zum letzten Male weilte Generalleutnant von Madai anläßlich der Hundertjahrfeier der 116er im Juli 1913 in Gießen. Der frühere Kaiser hatte ihm das Recht zum Tragen der Uniform des Kaiser- Regiments Nr. 116 verliehen, eine Auszeichnung, die den alten General mit hohem Stolze erfüllte. Er war der einzige General, der diese Uniform im Ruhestand tragen durfte.
Sprechstunden des Treuhänders der Arbeit in Gießen.
Wie die Industrie« und Handelskammer Gießen mitteilt, hat sich der Treuhänder der Arbeit in dankenswerter Weise bereit erklärt, jeden Freitag von 9.30 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr in der Kammer, Gießen, Lonystraße 7, Sprechstunden abzuhalten.
Die erste Sprechstunde wird am Freitaq, 24. August, stattfinden.
12 OOOBrieftauben fliegen von Gießen.
Deutscher Zungen Kerienfreuden
»Stamm Geusen^ im Ferienlager an den Hungener Teichen.
40, Brombeeren 30 bis 35, Preißelbeeren 30 bi, 35, Birnen 15 bis 25, Zwetschen 10 bis 12, Mira« bellen 15 bis 20, Reineclauden 15 bis 18, Blumen, kohl, das Stück 10 bis 60, Salat 10 bis 12, Salat- gurken 15 bis 25, Einmachgurken IVt bis 2Vi, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5, Lauch 5, Rettich 5 bis 10, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, Bündel 10 Pf.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: NS.» Frauenschaft Gießen-Nord, 20.30 Uhr, Haus der Arbeit, Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Abenteuer im Südexpreß '.
Am 18. April 1899 wurde er zum Generalmajor und Kommandeur der 79. Infanterie-Brigade ernannt, am 15. November 1901 wurde er unter Verleihung des Charakters als Generalleutnant zur Disposition gestellt. Bei Ausbruch des Weltkrieges stellte sich der hochverdiente alte Soldat trotz seiner 70 Jahre dem Vaterlands sofort wieder zur Verfügung, er fand daraufhin Verwendung als Kam- mandeur der stellv. 14. Jnf.-Brigade in Halberstadt.
Seit seinem Uebertritt in den Ruhestand lebte Generalleutnant von Madai in Dessau, wo er am 11. Januar 1933 die 70. Wiederkehr des Tages seines Eintritts in die deutsche Armee begehen konnte.
Norwegenfahrt der NS-Gemeinschast »Krast durch Freude^.
LPD. Am Samstag, 8. September, findet durch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, eine Wiederholung der Norwegenfahrt mit der Monte Olivia statt. Der Sonderzug fährt am Samstag, 8. September, von Frankfurt nach. Hamburg. Eintreffen dort am Sonntagoor- mittag. Die Verpflegung auf dem Schiffe setzt mit dem Mittagessen ein. Die Fahrt geht über die Nordsee nach dem Hardanger- und dem Sonje-Fjord. Die Rückkehr nach Hamburg erfolgt am Samstag, 15. September. Für die Besichtigung Hamburgs steht den Urlaubern der Sonntag (9. 9.) und der Samstag (15. 9.) zur Verfügung. Die Rückfahrt von Hamburg nach Frankfurt erfolgt am Abend des Samstags (15. 9.), so daß alle Urlauber am Sonntag, 16. 9., wieder in Frankfurt eintreffen. Der Fahrvreis beträgt 53 Mark. In den Preis sind eingeschlossen die Bahnfahrt Frankfurt—Hamburg und zurück, Schiffspassage einschließlich Verpflegung, die am Sonntag, 9. 9., mit dem Mittagessen einsetzt, bis zum nächsten Samstag einschließlich Frühstück, ein Gutschein für ein Frühstück bei der Ankunft in Hamburg, ein Gutschein für ein Mittag- und Abendessen am Samstag, 15. 9., ein Gutschein für eine Hafen- und Stadtrundfahrt in Hamburg und ein Gutschein für den Besuch des Tierparks Hagen- beck in Hamburg-Stellingen. Anmeldungen können bis Montag, 26. August, bei den zuständigen Ortsgruppen und Kreisen der Deutschen Arbeitsfront bzw. NSBO. erfolgen.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 21. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,45 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,35 bis 1,40, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klaffe S IOV2, Klaffe A 10, Klaffe B 9'/-, Klaffe C 9, Klaffe D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Römifchkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 20 bis 25, (gelb) 25, Tomaten 18 bis 20, Zwiebeln 12, Kartoffeln (neue), das Pfund 5 bis 5V2 Pf., der Zentner 5 bis 5,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 15 bis 25 Pf., Falläpfel 4 bis 5, Pfirsiche 25 bis
verdienten Offizier wird in feiner alten Gießener Garnisonstadt allezeit in hohen Ehren sorlleben.
Kreisleitung Gießen der NSOAp.
e Abteilung: Sasse.
Betrifft: Marschtetlnehmer am Reichsparteitag 1934.
Die Unterlagen der Marschteilnehmer müssen bis spätestens Mittwoch, 22. d. M., auf der Kreisleitung, Abteilung Kaffe, abgeholt werden.
„Das ist nun einmal so im Leben. Reichtum allein tut es nicht. Man will auch glücklich mit dem Herzen sein. Ich wünsche Ihnen dieses Glück für olle Zeit. Und — Nora Nordstrom konnte mich nicht lieben. Einen Menschen wie mich! Wäre ja absurd gewesen. Sie nahm den schönen, leichtsinnigen Rennfahrer und hat es büßen müssen in einer furchtbaren Ehe! Vielleicht war ich eine Zeitlang gemein genug, mich an diesem Unglück zu freuen. Lassen Sie gut sein, Farnhorst! Wir Menschen haben eben doch Schwächen, deren wir uns immer mal schämen müssen. Ich habe Nora geliebt! Geliebt, daß ich für sie sterben wollte! Ja, sie hat aber vielleicht nie eine Ahnung gehabt, wie sehr ich sie geliebt habe."
„Sie hätten, wie kein anderer, ein großes Glück verdient!" sagte Farnhorst, und war doch bis in fein Innerstes erschüttert, weil es abermals um Nora ging!
„Schweigen wir davon! Ich werde mich freuen, wenn wenigstens Sie sich aus Haus Omslö ein wahres Glück holen!" sagte Barinsen und lächelte. Aber dieses Lächeln machte das Gesicht zu einer verzerrten Maske.
Zehntes Kapitel.
Eigentlich war das Leben sehr schön. Doris dachte es, als sie in ihrem Liegestuhl auf der Terrasse von Schloß Farone lag und aus die grünen Rasenflächen hinuntersah. Die Flächen waren noch grün, aber der Herbst hatte doch schon gelbes Laub von den Bäumen heruntergeholt. Die Rosen dagegen, die Spätrosen, die dachten noch nicht an ^Herbst und Vergänglichkeit, die glühten und blühten und dufteten.
Schloß Farone war einzig schön. Und was für Feste man hier schon mitgemacht hatte! Der Lord überbot sich förmlich selber. Immer wieder ersann er Neues, um ihr zu zeigen, wie gern er es wollte, daß sie und ihr Gatte noch blieben. Und sie begriff eigentlich nicht, weshalb ihr Gatte immer so ernst und nachdenklich war. Hier hatte man alles. Hinfach alles. Das Schloß war zur Zeit wieder voller Gäste. Damen und Herren der besten englischen Gesellschaft. Und wie lieb es doch von Lord Farone war, nur alte, verheiratete Menschen einzuladen! Einige Junggesellen waren mit da, aber jüngere Damen nicht. Und so war sie, Doris, hier Königin! Die feine alte Dame, eine Verwandte Lord Faron.es, die dem Haushalt Vorstand, warf ihr keineswegs freundliche Blicke zu; aber das störte sie nicht im geringsten. Sie freute sich ihres Daseins, und sie freute sich über die Anbetung, die ihr von Seiten
aller Herren entgegengebracht wurde. Und die alten Damen lächelten nachsichtig dazu. Sie sahen doch, daß Doris Kreloff in ihren Mann verliebt war!
Doris liebte ihren Mann abgöttisch! Und er liebte sie auch, wenn er vielleicht auch ein Gefühl der Dankbarkeit mit Liebe verwechselte. Denn durch sie war er wieder in eine ruhige Lebensbahn ge- fommen. Freilich, die Vergangenheit ließ sich nicht auslöschen. Wenn er nachts mit offenen Augen da^Astond sie drohend vor ihm, diese Vergangenheit. Wenn ihn eines Tages jemand erkannte? Wenn Lord Farone wüßte, was er nach der ersten Bekanntschaft mit ihm gewesen war? Farone würde ihm mitleidlos sein Haus verschließen, das wußte er. Und die anderen Menschen, die hier zu Gast waren und sich alle gern mit Assen Kreloff unterhielten?
Wie leicht kam der Mensch doch auf die schiefe Bahn! Und wie lange hätte er es sich doch überlegen müssen, daß, einmal diese schiefe Bahn beschritten, es unendlich schwer war — vielleicht war es auch unmöglich —, das seelische Gleichgewicht wiederzufinden. Vielleicht waren andere Menschen skrupelloser! Vielleicht wären sie an seiner Stelle unendlich froh gewesen, wieder in die Höhe gekommen zu sein, und sie hätten die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen.
Er war keine Derbrechematur!
Im Grunde feines Innern nicht! Und doch hatte er ein unnatürliches Geschick bewiesen, strafbare Handlungen zu begehen, ohne sich erwischen zu lassen. Aber er hatte doch immer das gütige, stolze Gesicht seiner Mutter vor Augen gehabt. Und er hotte sich vor sich selber entsetzt. Aber es war ihm nichts weiter übriggeblieben. Beschreitet man die Verbrecherlaufbahn, finden sich Komplicen! Man braucht einander und wird unlöslich miteinander verbunden. Will man sich trennen, kann der frühere Komplice zum Todfeind werden!
rinnen! 65 Ölungen, feinen Komplicen zu ent-
Doris auf seinem Lebenswege erschienen war! Nun liebte er sie dafür! Trotzdem er wußte, öafc Diefe tfrau mamtjßs 3U verbergen hatte. Aber er hatte kein Recht mehr, danach zu fragen. Und er wollte auch nichts wissen. Er wollte nur immer £ er durch sie wieder in eine
Srn6' Lebensbahn gekommen war.
J“ e" Kreloff betrat die Terrasse, küßte seiner Fr«nJre Panb cUsb einige köstliche La-
rrance-’Rofen auf den Schoß.
s,"Du siehst wundervoll aus in diesem blaßblauen Kleid! sagte er und strich über bas rotblonde fiaar.
Dann setzte er leise hinzu:
"Sie verehren dich alle, Doris — alle!"
Da lachte sie geschmeichelt. Und er wandte sich, leise seufzend, ab.
Bon der anderen Seite kam Lord Farone. Er trug einen Riesenstrauß dunkelroter Astern und sagte:
Generalleutnant von Madai f.
Am Sonntag verstarb in Dessau, wo er im Ruhestand lebte, her Generalleutnant a. D. von M a - dai im 91.Lebensjahre. Der Entschlafene war als früherer Kommandeur unseres Gießener Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess^ Nr. 116 nicht nur bei seinen Soldaten, sondern auch in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft sehr beliebt und ^schätzt, sowohl als Offizier, wie als Mensch.
Der Verewigte war am 19. Februar 1844 als Sohn des langjährigen Berliner Polizeipräsidenten von Madai geboren worden. Jin Januar 1863 trat er bei dem Jnf.-Rat. Nr. 58 als Fahnenjunker ein, bann nahm er als Leutnant am Kriege gegen Oesterreich teil, im Jnf.-Rgt. Nr. 93 zog er in den Krieg aeaen Frankreich. Nachdem er seinen Aufstieg als Offizier bet verschiedenen Regimentern und in Der- schiedenen militärischen Dienststellungen erlebt fyatte, kam er am 15. April 1896 als Oberst und Kvmman- beur unseres Regiments nach Gießen. Hier stand er drei Jahre lang an her Spitze unserer 116er. Durch sein vorbildliches Soldatentum und seine hohen menschlichen und charakterlichen Eigenschaften erwarb er sich so viel Liebe und Zuneigung, daß seiner bis zum heutigen Tage immer wieder gerne unö mit vollster Wertschätzung hier gedacht wurde.
Große Lastwagen mit vielen Jungvolkjungen fahren durch die Gegend. Frohes Lachen und Singen schallt vom Wagen her!
Ferienlager an den Teichen bei Hungen!
Für viele ist es das erste gemeinsame Lager, und sie freuen sich mächtig auf die bevorstehenden läge. Andere dagegen wissen, was das für eine feine Sache ist, wissen um die Verbundenheit von Führer und Junge, und diese Gemeinschaft, die ganz fein aufgebaut ist, und die keiner entzweien kann! Auf einer Anhöhe soll das Lager errichtet werden. Auf ihr und in ihrer Umgebung sollen jetzt 100 jungen 8 Tage schalten und walten dürfen, so recht wie es ihnen beliebt. Es geht die Anhöhe hinauf — ein leises Lüftchen spielt mit den Fähnlein- sahnen, und der Trommelbube schlägt feinen eintönigen Takt! Singend gelangen die Jungen zu der jetzt noch kahlen und leeren Höhe.
Die Jette werden dort errichtet. Bald ragt auch ein schlanker Fahnenmast in der Mitte des Zeltplatzes empor.
Ein Windstoß bringt die Spitze des Mastes leicht ins Wanken, der bisher noch keine Fahne getragen hat, tot und verlassen sieht er aus! Die ganze Lagerbesatzung ist vor den Zelten angetreten, eine lange Linie glücklicher Jungen. Der Lagerleiter er-
VM,MIkMRisl.
Roman von Gert Rothberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
Am Sonntag 6.48 Uhr traf im hiesigen Güterbahnhof ein Sonderzug von 16 Wagen mit Brieftauben aus Köln und Umgegend ein. Infolge des dunstigen Wetters konnte der Abflug der Tauben erst nach 9 Uhr stattfinden. Viele Hände waren tätig, um die Käfige auszuladen und zu öffnen, unö viele Neugierige hatten sich eingefunden, um öem Schauspiel des Abfluges beizuwohnen. Die meisten Tauben — es waren diesmal insgesamt 12 000 Stück — schlugen sofort die Richtung nach West-Nord-West ein und verschwanden schon nach wenigen Augenblicken den Blicken der Zuschauer. Nur einzelne kreisten längere Zeit um die Abflugstelle, um dann ebenfalls nach Westen davonzu- fliegen. Fast immer kommt es vor, daß eins oder das andere der Tierchen einen der benachbarten Klein-Lindener Taubenschläge aufsucht und den Flug in die Heimat nicht oornimmt. Fast alle Versuche, diese Vögel ihren Besitzern zuzusenden, schlagen fehl. Die Besitzer melden sich meistens nicht. .Nach Angabe von Fachleuten sollen die Unkosten - -- ---- r , für eine Rücksendung solcher für Flüge ungeeig-
Das Andenken an den um unser Vaterland hoch-1 neter Tauben sich nicht lohnen.
1 scheint! Sein Kommando hckllt über den weiten ' Platz, die ganze „Meute" marschiert schweigend um
den noch kahlen Mast, die Trommel schlägt ^)azu den Takt. Stillgestanden! Ein Lied ertönt, erst leise, dann immer lauter. Sekunden des Schweigens ver- gehen. Die Jungen träumen in künftige Tage - hinein. Dann spricht der Lagerleiter — Fredi ' Lehrmund, über den Zweck des Lagers. Ge
spannt lauschen die Jungen den kernigen, nüchter- ! nen Worten des Führers. Trommelwirbel schallt ; über die Wälder, aus einer frischen Jungenkehle
ertönt der Fahnenspruch, und dann steigt langsam ' die Fahne in die Hohe!
Die Jungen schließen einen Ring um ihre Fahne, ihr heiligstes, was sie besitzen. „Der Himmel grau und die Erde braun..schallt durch die tiefe Nacht, und der Dind tragt das
Echo aus den Bergen wieder herbei.
Die Lagerfahne knallt und flattert in die schwarze Nacht hinein ... das Lager ist eröfnet Viele Lagerarbeiten sind noch zu verrichten, aber die werden bis zu den nächsten Tagen aufgehoben. — Nachtruhe. —
Ein schriller Pfiff ertönt! Der Morgen ist kalt und der Nebel liegt noch über den Bergen unö Tälern. Verschlafene Gestalten schlüpfen aus den Zelten, dann treten sie an, alle in Turnhose unö
„Vorläufig noch nicht. Ich will beobachten. Es ist gut, daß ich damals unter einem anderen Namen in Paris abgestiegen bin, um vor den Geldforderungen unseres lieben Neffen Donald verschont zu bleiben. Kreloff hieß damals auch anders. Er stutzte ja ein bißchen bei der Vorstellung hier in Farone; aber ein solcher Mensch, der auf seiner Laufbahn tausende von Gesichtern in Hotels kennenlernt, kann sich sicher nicht an irgendeinen alten Herrn erinnern, der da mal in irgendeinem Hotel mit an seiner Tafel gesessen hat. Dieser Kreloff war damals der Lowe des ganzen Hotels. Alle Damen waren in ihn vernarrt, unö die Ehemänner trugen recht mißvergnügte Mienen zur Schau. Aber sie waren dann glänzend gerächt, als der Schwindler weg war und alles herauskam."
„Mein Gott, Kreloff, dieser schone, elegante Mensch! Und — seine Frau! Ob die auch davon weiß? Gehört sie am Ende mit dazu?"
„Ich überschaue die Lage so! Kreloff hatte eines Tages alles verloren. Vielleicht durchs Spiel! Was weiß ich. Da wurde er zum Hochstapler. Und auf diesem Wege lernte ihn, wahrscheinlich völlig ahnungslos, diese Frau kennen. Und er hat sie erst vor kurzem geheiratet. Farone erzählte es doch ganz offen, als wir älteren Herren einmal unter uns waren. Vielleicht werde ich Kreloff unter diesen Umständen, um die Frau nicht mitzutreffen, unter vier Augen ersuchen, abzureisen. Dann würde ich unserem guten Farone erst nach dieser erfolgten Abreise die Augen öffnen."
„Das ist jedenfalls fürchterlich, wie immer du das auch anstellen willst, Kreloff von hier fort- zubekommen. Die Tatsache bleibt, daß er ein — mein Gott, das Wort will kaum über meine Lippen —, daß Kreloff ein Dieb ist. Und wie wird Farone es aufnehmen?"
„Er mußte sich vorher näher orientieren, ehe er feinen übrigen Gästen zumutete, mit einem Verbrecher an einem Tische zu sitzen", sagte Lord Lymor hart.
„ Da schwieg seine Frau, aber sie strich begütigend über feine kantige Stirn.
An diesem Morgen geschah noch etwas. Assen Kreloff wurde ein Schreiben gebracht. Irgendein unbekannter Mensch brachte es, erhielt eine Belohnung und verschwand. Am Zaun stand Kreloff und las:
„Fein aus dem Staube gemacht hast Du Dich. Aber so klug bist Du doch nicht, daß ich Dich nicht fände. Ich brauche dringend zehntausend Mark — horst Du? Dann verschwinde ich wieder. Aber das Geld muß ich noch heute abend haben. Bringe es mir an den See! Ich warte dort bei den Booten. Gegen ein Uhr nachts. Komme also bestimmt! Im anderen Falle verlange ich bas Geld von Farone; gibt er es nicht, erfahren seine übrigen Gäste, wen er beherbergt.
Kurt Jessen."
(Fortsetzung folgt.)
erhebende Darbietung endete mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes.
Aus dem starken Erleben der Stunde heraus hielt dann der inmitten der SA. weilende
Gauinspekteur
Kreisleiter Klostermann
eine fune Ansprache, in der er einleitend ebenfalls das Abstirnrnrnunasergebnis kurz beleuchtete, das Bekenntnis der 9 0 v. H. I a - S a g e r zum Führer und Deutschland würdigte und die 10 v. H. Nein-Stimmen kennzeichnete, um dann u. a. wie folgt fortzufahren:
Wir wissen, daß der Kampf noch nicht beendet ist, daß wir weiter kämpfen müssen, um den Bestand des Volkes au erhalten. Der Garant des deu° scheu Volkes ist die nationalsozialistische Bewegung.
Dir Nationalsozialisten werden uns von heule an noch fester zusammenschliehen und alle unsere Organifalionsformen dazu benutzen, das deutsche Volk noch mehr wie bisher in unseren nationalsozialistischen Gesichtskreis hineinzuziehen.
Wir werden dafür sorgen, daß der Nationalsozia- lismus durch die nationalsozialistische Bewegung»
„Die Blumen wollten grüßen. Durchaus! Ich mußte sie mitnehmen. Kreloff, Sie gestatten doch?^
Und Lord Farone schüttete die Blumen über Doris Kreloff! Die lachte und freute sich über diese Huldigung. Und an einem der oberen Fenster, dort, wo die Gästezimmer lagen, erschien der weihe Kopf der Lady Lymor. Die Dame sah hinunter, lächelte ins Zimmer zurück.
„Lieber Harry, ich meine, unser lieber Farone hat sich gehörig die Flügel verbrannt."
Der alte Lord Lymor lachte nicht. Er sagte grimmig:
„Warum sollte er das nicht? Er hat die ganzen Jahre über viel zu friedlich gelebt, als daß er sich jetzt nicht gestatten dürfte, Aufregungen in fein Leben zu schaffen."
„Wie meinst du denn das, Harry?" fragte die Lady erstaunt.
„Wie ich's sage, liebste Maud! Nicht ein Fünkchen mein ich's anders. Das gibt nämlich noch einen Kladderadatsch. Einen gehörigen. Daß du es nur weißt! Dir kann man ja etwas anvertrauen, McÜid, du bist nicht wie die anderen Frauenzimmerchen und tratscht es weiter!"
„Ich habe geglaubt, lieber Mann, daß auch du die schöne Doris Kreloff verehrst!"
„Ich werde mich ja nicht ausschließen — nicht wahr? Aber ich weiß, was ich weiß."
„Nun sag doch bloß —"
„Vorläufig sage ich nichts weiter, so hoch ich dich auch einschätze. Ich muß vorsichtig sein. Nur soviel: Kreloff ist nicht der, der er hier scheinen will."
„Harry, Farone kennt ihn doch schon lange! Und er war sogar damals auf den Besitzungen mit in Bulgarien."
„Das ist möglich! Die beiden sahen sich lange Jahre nicht. Wer weiß, was inzwischen geschehen ist."
Der Lord band sich feine Krawatte. Draußen vor der Tür wartete der Kammerdiener längst darauf, daß er zu diesem Dienst hereingerufen wurde. Aber Lord Lymor dachte jetzt gar nicht an seinen getreuen Robert. Und dann kam es dahin, daß die Krawatte schief saß und die Lady sich selber noch bemühte. Dabei versuchte sie ein letztes. Sie nahm plötzlich den Kopf des Gatten in beide Hände, küßte ihn auf öen Munö.
„Harry, ich wüßte es so gern!"
„Gut! Vor zwei Jahren verschwand plötzlich aus dem Hotel »Grande öe 3eanne‘ in Paris in Marquis unter Hinterlassung seiner sehr hohen Hotel- schulden und unter Mitnahme der ungeheuer wertvollen Derlenkette der Tänzerin Gaby Ferra. Dieser Mann, dem ich täglich im Hotel an der Mittagstafel gegenüberfafj, war Kreloff!"
„Harry, ganz gewiß irrst du dich! Das wäre — bas ist ja entsetzlich, wenn wir alle hier mit diesem Verbrecher zusammengebracht worden wären. Das mufji du doch Farone sagen."
noch weiter Fuß saßt. Wir wollen uns zusam- menschließen in eine Gemeinschaft, d i e durch nichts zu trennen ist. Wir wollen zusammenstehen wie ehemals im offenen Kampf. Wir wollen arbeiten, damit der Führer seine Freude an uns haben wird. Wir wollen uns freuen mit ihm, daß wir ein Ziel erreicht haben, das wir vor Jahren sobald zu erreichen noch nicht in unseren kühnsten Träumen zu erhoffen wagten. Wir schicken dem Führer unsere Grüße und danken ihm für alles, was er schon für uns tat. Wir wollen ihm geloben:
Führer, auf deine Oberhessen kannst du dich verlassen! Führer, wir folgen dir! Führer, wir werden weiterarbeiten für dich! Führer, wir sind deine treuen Gefolgsleute! Dem Führer der Nationalsozialisten, dem Führer des deutschen
x Volkes Sieg-heil!
Der dreimalige Ruf sand bei der SA. und der Menschenmenge freudigsten Widerhall. Anschließend wurde gemeinsam der erste Vers des Horst-Wesiel- Liedes gesungen.
Hierauf erfolgte der Abmarsch der Formationen und die feierliche Ueberführung der Standarte unö der Sturmfahnen nach dem Standartengebäude.
** Neue Postwertzeichen. Aus Anlaß der am 13. Januar 1935 ftattfiinöenben Saarabstim- mung gibt die Deutsche Reichspost zwei Freimarken zu 6 unö 12 Rpf. heraus. Auf öem Bild her Marke zu 6 Rpf. halten zwei Hänöe ein Stück Sa ar erbe mit der Aufschrift „Saar", das Markenbilö zu 12 Rpf. zeigt einen Adler, der ebenfalls die Inschrift „Saar" trägt. Der Verkauf beider Wertzeichen beginnt am 26. August, und zwar zunächst bei den Postanstalten in Koblenz und Köln, einige Zeit danach auch bei den übrigen Postämtern im Reich. Ferner werden zwei Freimarken au 6 und 12 Rpf. und eine Postkarte zu 6 Rpf. aus Anlaß des Reichsparteitages der NSDAP, in Nürnberg herausaege- den. Mit dem Verkauf beginnen sämtliche Postanstalten des Reichs am 1. September. — Die gewöhnlichen Postwertzeichen werden demnächst aus Anlaß des Todes des Herrn Reichspräsidenten für kurze Dauer mit einem Trauerrand versehen, aus- gegeben werden.
** Verkehrsunfall. In der Moltkestraße ereignete sich in der vergangenen Nacht ein Verkehrsunfall. Der Motorradfahrer Alfred Becker von Bersrod stürzte mit feinem Motorrad an einer Stelle in der Moltkestraße, an der gegenwärtig Strafjenausbefferungsarbciten oorgenommen werden. Die Baustelle war beleuchtet. Mit einer Kopfverletzung mußte der Verunglückte in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
** Unfall bei der Arbeit. Der Geld- schrankschlosser Willy Bohm v on hier, Licher Straße 9, erlitt während feiner Arbeit eine schwere Handverletzuna, die seine Ueberführung in die Chirurgische Klinik notwendig machte.


