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Provinz Oberhessen.

Kreise

Stimm­berechtigte

19. 8. 34

Abgegebene Stimmen einschl. Stimmscheine

19. 8. 34

Ja

19. 8. 34

Nein

19. 8. 34

Ungültige Stimmen

19. 8. 34

Gießen............

72444

70423

64645

4604

1174

Alsfeld............

27404

26698

25531

849

318

Büdingen.........

31104

30248

29026

870

352

Friedberg.........

67423

65699

59699

4812

1188

Lauterbach........

21917

21294

20230

789

257

Schotten..........

19955

19369

18787

389

193

Insgesamt.........

240247

233731

217918

12313

3500

Stadt Butzbach.

Stimmberechtigte 3435, Ja 2923, Nein 328, un­gültig 60. Abgegebene Stimmen 3365.

Bad-Nauheim.

Stimmberechtigte 6402 und Stimmscheine 2928, insgesamt 9330, Ja 8027, Nein 912, ungültig 234, Abgegebene Stimmen 9173.

Stadt Friedberg.

Stimmberechtigte 6845, Ja 6676, Nein 568, un­gültig 81. Abgegebene Stimmen 7316.

Büdingen.

Stimmberechtigte 2661, Ja 2261, Nein 156, un­gültig 52.

Nidda.

Stimmberechtigte 1816, Ja 1650, Nein 65, un­gültig 14. Abgegebene Stimmen 1729; 94 v. H.

Stadt Schotten.

Stimmberechtigte 1746, Ja 1613, Nein 37, un­gültig 26. Abgegebene Stimmen 1676.

Stadt Laubach.

Stimmberechtigte 1510, Ja 1296, Nein 99, un­gültig 13. Abgegebene Stimmen 1408.

Stadt Homberg.

Stimmberechtigte 1050, Ja 1009, Nein 31, un­gültig 11.

Stabt Alsfeld.

Stimmberechtigte 3676, Ja 3412, Nein 265, un­gültig 73. Abgegebene Stimmen 3650.

Stadt Lauterbach.

Stimmberechtigte 3560; Ja 3126, Nein 220, un­gültig 58. Abgegebene Stimmen 3404.

Abstimmungsergebnisse in Hessen und Hessen-Nassau.

Wahlkreis 33: Heffen-Oarmstadt.

Stimmberechtigte 1013 523, Ja 863 965, Nein 89 804, ungültig 19 710. Abgegebene Stimmen 973 479

Provinz: Starkenburg.

Stimmberechtigte 466 429, Ja 392 364, Nein 47 562, ungültig 2362. Abegegebene Stimmen 450 084.

Kreis Darmstadt.

Stimmberechtigte 111883, Ja 93127, Nein 9233, ungültig 2362. Abgegebene Stimmen 104 722, Beteiligung 93,6 v. H.

Stadt Darmstadt.

Stimmberechtigte 68 611, Ja 55 233, Nein 6402, ungültig 1465. Abgegebene Stimmer 63100, Be­teiligung 92 d. H.

Kreis Offenbach.

Stimmberechtigte 73 418, Ja 58 593, Nein 11130, ungültig 2078. Abgegebene Stimmen 71 201.

Stadt Offenbach.

Stimmberechtigte 56 743, Ja 42 461, Nein 11171, ungültig 1633. Abgegebene Stimmen 55 265.

Kreis Bensheim.

Stimmberechtigte 54 058, Ja 46 462, Nein 1162.

Abgegebene Stimmen 52 727, Beteiligung 97,6 v. 5).

Kreis Lerbach.

Stimmberechtigte 35 954, Ja 33 004, Nein 1464, ungültig 490. Abgegebene Stimmen 34 958, Beteili­gung 97,2 v. H.

Kreis Dieburg.

Stimmberechtigte 46 459, Ja 43105, Nein 1835, ungültig 587. Abgegebne Stimmen 45 527, Beteili­gung 98 v. H. .

Kreis Groß-Gerau.

Stimmberechtigte 48-947, Ja 43 287, Nein 3342, ungültig 802. Abgegebene Stimmen 47 431, Beteili­gung 96,9 v. H.

Kreis Heppenheim.

Ja 32 325, Nein 4284, ungültig 1044. Abgegebene Stimmen 37 653.

Skadl Dieburg.

Stimmberechtigte 4247, Ja 3929, Nein 246, un­gültig 72. Beteiligung 96 v. H.

Stadt Erbach.

Stimmberechtigte 2887, Ja 2834, Nein 10, un­gültig 4. Abgegebene Stimmen 2848.

Stadt Bensheim.

Stimmberechtigte.7265, Ja 5728, Nein 1025, un­gültig 309. Abgegebene Stimmen 7062.

Stadt Groß-Gerau.

Stimmberechtigte 4534, Ja 4003, Nein 312, un­gültig 71. Abgegebene Stimmen 4386, Beteiligung 98 v. H.

Wohin flog das schwarze Huhn?

Äon Edzard &. Schaper.

Es war an diesem Tage ganz ausnehmend schö­nes Wetter, windstill und blank, ohne die kleinste Wolke am Himmel, ein rechtes Wetter, um spazieren zu gehen, wenn mein Freund Niel das nicht bereits seit einem halben Jahr getan hätte (schon, um sich Arbeit für seine Matrosen auszu­denken), aber in diesem Extra-Wetter wollten wir doch einen Extra-Spaziergang machen. Wir gingen nur eben an Bord und sagten dort Bescheid, da­mit man auch wüßte, wo wir waren, denn ein Bergungsdampfer muß immer klar zur Abfahrt sein. Freund Niel nahm sich seine kurze Pfeife und den Tabaksbeutel mit, das Fernglas, ja, auch ein Fläschchen natürlich, es trinkt sich so angenehm im Grünen, und dann verabredeten wir mit dem Wachthabenden, er solle uns mit der Dampfpfeife rufen, wenn irgendeine Meldung durch den Draht oder das Radio käme. Die Meldung kam ja doch nicht, es hieß nur, für alles Vorsorge zu treffen, weit und breit war nicht einmal ein heiler Damp­fer zu sehen, geschweige denn einer in Seenot, es sei denn, daß irgendwo am Meeresgrund ein U.-Boot lag und wir es heben mußten, weil es nicht mehr auftauchen konnte.

So gingen wir also gemächlich los.

Die Bucht lag still in der Nachmittagssonne, die Inseln vor dem offenen Meer waren zum Greifen nah, und fern, am Ende der Landzunge, auf die wir längst der Steilküste losstrebten, blinkte der Sonnenschein in der Lampe des Leuchtturms, als säße der Wächter dort droben und spiegele uns bei­den andauernd mitten ins Gesicht.

Ich regte im gemächlichen Ausschreiten an, das wäre doch die rechte Zeit, um die Uga-Gret zu be­suchen, und mein Freund Niel stimmte mir zu.

Die Uga-Gret ist eine alte, wohl hundertjährige Frauensperson, die ganz mutterseelenallein oben am Steilhang in einer Hütte haust, die schon bis an ihr einziges Fenster in die Erde gesunken ist. So, wie sie selbst mit jedem Jahr, das sie-^noch lebt, sagenhafter wird und allmählich eine Be­rühmtheit für unser Dorf, so steckt sie auch voller Märchen und Sagen, diese uralte, quicklebendige, komische Person, vor der alle, auch Freund Niel mit seinen vollendeten fünfundvierzig Jahren, | be­treten wie die Kinder stehen.

Die Alte saß in der Sonne vor der Tür, ein Häufchen Kleider, mit blitzscharfen Augen, und wir sagten verlegen wie die Konfirmanden guten Tag, setzten uns und fingen einen Schwatz an. Mein

Freund Niel wie ein ungefüger Fleischklotz rot und haarig neben ihr, die so gelb, so welk und hubelig wie ein schwacher Keimling ist. Und er zog nichtsahnend seine Pfeife hervor, um sie zu stop­fen und sich einen Rauch zu gönnen.

Darin kam er nicht weit, denn die Alte fing sol­chermaßen an zu lachen, daß wir fürchteten, sie würde nie mehr aufhören, und Freund Niel steckte die Pfeife so linkisch zwischen die Schneidezähne Schneidezähne!, daß auch ich zu lachen anfing, denn er erinnerte sehr an den erstenRauchver­such".

Hihihihihi! kicherte die Alte und konnte nicht auf­hören, hihi...! Es dauerte sehr lange, bis sie end­lich sagen konnte, was für eine merkwürdige Pfeife das wäre! Hi hihi hi, so kurz, ob das jetzt Mode sei? Zu ihrer Zeit seien Pfeifen lang gewesen, nein, du meine Güte, wie kurz! Hihihi, was der Kapitän doch für eine Pfeife habe, ach. Herrje! Hihihihi ........

Die Alte tat uns wirklich leid, sie konnte mit dem Lachen nicht mehr aufhören, auch nicht, als Niel ihr sehr ernst sagte, das wäre eine ganz gewöhn­liche englische Pfeife.

Nein, diese Moden, nein, der Herr Kapitän, so eine Pfeife, hihihi! Sie lachte immer weiter, und Niel ließ die Pfeife ausgehen und steckte sie wütend wieder in die Tasche.

Krrm ... krrrm . .. machte er und wollte die Rede auf etwas anderes bringen:

Ob es denn hier nicht sehr einsam sei?

Nein, sagte die Alte, warum sollte es hier denn einsam sein?

Naja, sagte Niel, aus dem Konzept gebracht, schließlich käme hier doch selten ein Mensch vor­bei, besonders im Winter ...

Ach nein, einsam sei es nicht, sagte die Alte, mitunter ganz Unvermittelt wieoer kichernd, wenn sie an die Pfeife denken mußte, sie hätte ja ihren Hausgeist ..

Hausgeist? Wieso? fragte Niel und wollte sich offenbar aus so etwas nicht einlassen.

fen?Un' al3 Äapitän müfete t° etwas doch wis-

Nein. SeinMeteor" hätte wohl Ratten mehr als genug, aber keinen Hausgeist oder Schiffsaeist'

Ratten hätten sie auch, sagte die Alte, aber einen Hausgeist außerdem. Wie denn der aussähe? Hihihihi ... daraus wollte sie sich nicht einlassen. Aber die Schiffe hätten Hausgeister, Schiffsgeister, das hätte sie selbst gesehen.

Wohl so eine Art Klabautermann? Nein, gar nicht. Was ist denn der Unterschied zwischen einem Schiffsgeist und einem Klabautermann? fragte Niel.

Stadl Heppenheim.

Stimmberechtigte 5983, Ja 4587, Nein 845, un­gültig 234. Abgegebene Stimmen 5666, Beteiligung 96 v. H.

Provinz Rheinhessen.

Stimmberechtigte 308 847, Ja253683, Nein29929, ungültig 6052. Abgegebene Stimmen 289 664.

kreis Mainz.

Stimmberechtigte 129 561, Ja 105 655, Nein 15 374, ungültig 2698. Abgegebene Stimmen 123 727.

Stadt Mainz.

Stimmberechtigte 106 804, Ja 85 716, Nein 13136, ungültig 2160. Abgegebene Stimmen 101 012.

kreis Alzey.

Stimmberechtigte 29165, Ja 25 817, Nein 1924, ungültig 466. Abgegebene Stimmen 28 207.

Stadt Alzey.

Stimmberechtigte 6093, Ja 5091, Nein 706, un­gültig 106. Abgegebene Stimmen 5203.

kreis Oppenheim.

Stimmberechtigte 33 917, Ja 29 369, Nein 2513, ungültig 737. Abgegebene Stimmen 32 619.

Stadt Oppenheim.

Stimmberechtigte 2975, Ja 2415, Nein 562, un­gültig 107. Abgegebene Stimmen 2884.

kreis Bingen.

Stimmberechtigte 23 340, Ja 19 431, Nein 3311, ungültig 660. Abgegebene Stimmen 22 402.

Stadt Bingen.

Stimmberechtigte 13 519, Ja 10 746, Nein 1820. ungültig 409. Abgegebene Stimmen 12 975.

kreis Worms.

Stimmberechtigte 71 449, Ja 62 665, Nein 5848, ungültig 1087. Abgegebene Stimmen 69 600, Betei­ligung 97,4 v. H.

Stadt Worms.

Stimmberechtigte 36 448, Ja 30 216, Nein 4331, ungültig. Abgegebene Stimmen 36 349.

Wahlkreis 1!9: Hessen-Nassau.

Stimmberechtigte 1 678 382, Ja 1 573 238, Nein 145114, ungültig 30 259. Abgegebene Stimmen 1 748 611.

Regierungsbezirk: Wiesbaden.

Stimmberechtigte 969170, Ja 862 641, Nein 118 447, ungültig 23 811. Abgegebene Stimmen 1 004 899.

Regierungsbezirk Kassel.

Stimmberechtigte 709 212, Ja 710 597, Nein 26 667, ungültig 6448. Abgegebene Stimmen 743 712.

Warburg-Land.

Stimmberechtigte 39 568, Ja 40 769, Nein 638, ungültig 258. Abgegebene Stimmen 41 665.

Stadt Warburg.

Stimmberechtigte 15 278, Ja 15 762, Nein 958, ungültig 214. Abgegebene Stimmen 18 934.

Wetzlar.

Stimmberechtigte 56179, Ja 52 025, - Nein 3598, ungültig 1040. Abgegebene Stimmen 57 563.

Dill-Kreis

Stimmberechtigte 38 547, Ja 37 512, Nein 1636, ungültig 659. Abgegebene Stimmen 39 807.

Kreis Biedenkopf.

Stimmberechtigte 24 663, Ja 23 429, Nein 1129, ungültig 434. Abgegebene Stimmen 24 991.

Oberlahn-Kreis.

Stimmberechtigte 26 479, Ja 24133, Nein 2670, ungültig 779. Abgegebene Stimmen 27 582.

Limburg.

Stimmberechtigte 39 814, Ja 33 676, Nein 5945, ungültig 1902. Abgegebene Stimmen 41523.

Wain-Taunus-Kreis.

Stimmberechtigte 47 088, Ja 43 296, Nein 4413, ungültig 1305. Abgegebene Stimmen 49 014.

Usingen.

Stimmberechtigte 13160, Ja 13 431, Nein 811, ungültig 344. Abgegebene Stimmen 14 586.

Wiesbaden.

Stimmberechtigte 122 447, Ja 103 737, Nein 10 837, ungültig 2217. Abgegebene Stimmen 116 690.

Frankfurt a. W.

Stimmberechtigte 389 742, Ja 317 367, Nein 63 425, ungültig 8356. Abgegebene Stimmen 389 148.

hanau-Land.

Stimmberechtigte 39 540, Ja 35 569, Nein 2886, ungültig 539. Abgegebene Stimmen 38 994.

Stadl Hanau.

Stimmberechtigte 28 378, Ja 25 262, Nein 3343, ungültig 322. Abgegebene Stimmen 28 771.

Gelnhausen.

Stimmberechtigte 35 106, Ja 33 054, Nein 3267, ungültig 851. Abgegebene Stimmen 37172.

Fulda-Land.

Stimmberechtigte 43 562, Ja 43 409, Nein 2084, ungültig 608. Abgegebene Stimmen 46101.

Stabt Fulda.

Stimmberechtigte 17 188, Ja 16 237, Nein 1491, ungültig 440. Abgegebene Stimmen 18 168.

Kassel-Land.

Stimmberechtigte 41600, Ja 42 380, Nein 318, ungültig 124. Abgegebene Stimmen 42 823.

Stabt Kassel.

Stimmberechtigte 120 398, Ja 110 477, Nein 8500, ungültig 1747. Abgegebene Stimmen 120 724.

Ziegenhain.

Stimmberechtigte 25 693, Ja 26 544, Nein 68, ungültig 26. Abgegebene Stimmen 26 639.

Aus der Provinzialhauptstadt. Gonderzug zur Saarkundgebung in Koblenz.

Am 25. und 26. August findet in Koblenz-Ehren­breitstein eine große Saarkundgebung statt, bei der am Sonntag, 26. August, auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler sprechen wird. Zu dieser Kundgebung verkehrt von Gießen aus ein S o n d e r z u $. Der Fahrpreis ist um 75 v. H. ermäßigt und beträgt ab Gießen 2,40 RM. Der Sonderzug verkehrt hin und zurück zu fol­genden Zeiten: Gießen ab 6.17 Uhr, Koblenz an 8.55 Uhr, Koblenz ab 19.08 Uhr, Gießen an 21.42 Uhr. Anmeldungen zu diesem Sonderzug werden von den Ortsgruppen der NSDAP, noch heute, Montag, 20. August, bis 20 Uhr entgegengenommen.

Wegen der S a a r k un d g e b un g in Ko­blenz findet am Dienstag, 21. August, 20.30 Uhr, im LokalBürgerhof" eine Besprechung statt. Nichtsaardeutsche sind ebenfalls herzlich willkom­men. Bund der Saarvereine,

Ortsgruppe Gießen.

Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen.

Fachgruppe Richter und Staatsanwälte.

Gau: Oberlandesgerichtsbezirk Darmstadt. Bezirk: Provinz Oberhessen.

Die Fachgruppe Richter und Staatsanwälte im BNSDJ. errichtet am Sitz der drei Landgerichte Darmstadt, Mainz und Gießen

Just izpresse stellen.

Es geschieht dies im Benehmen mit dem Gau­leiter des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, Oberlandgerichtsbezirk Darmstadt, und mit dem Hessischen Staatsministerium.

Die Justizpressestelle erstrebt eine enge Zusammen­arbeit zwischen Justiz- und Tagespresse an. Die Oeffentlichkeit soll sachgemäß unter Berücksichtigung aller Belange über die sie interessierenden Vor­gänge der Rechtspflege unterrichtet werden.

Das Hessische Staatsministerium hat zugestimmt mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß das Verbot der Amtsverschwiegenheit unberührt bleibt.

Mit der Leitung der Justizpressestelle Gießen ist beauftragt: Staatsanwalt Dr. Finke, Staatsanwaltschaft Gießen, Telephon 3805.

Heil Hitler!

Gez.: Dr. Wodaege, Oberstaatsanwalt.

Leiter des Bezirks der Fachgruppe Richter und Staatsanwälte im BNSDJ., Provinz Oberhessen.

Die Alte sagte ganz sicher: Wenn ein Klabautermann auf ein Schiff kommt und dort wohnen bleibt, be­deutet das das Ende des Schiffes; aber ein Schiff ist verloren, wenn fein Schiffsgeist von Bord geht, unrettbar verloren! das hätte sie selbst gesehen!

Selbst gesehen? Ja. Wann denn? Die Alte schweifte sehr weit ab, mein Freund Niel wurde ganz matt und dösig davon, in der prallen Sonne zu sitzen, die der alten so wohl tat. Also: wann sie denn den Schiffsgeist gesehen hätte?

Ach, vor vielen Jahren! Bei welcher Gelegen­heit denn?

Die Alte machte wieder Umstände, schon wollte Niel die Geduld verlieren, als sie mit einem Male die Geschichte erzählte. Die war natürlich schon an die achtzig Jahre her, so ganz genau wüßte sie es nicht mehr. Damals also war in einem furchtbaren Sturm ein Schiff dort gestrandet, wo heute der Leuchtturm steht, ja, sie wäre damals gerade dort gewesen, es war gegen Abend gewesen ...

Na, und dann?

Ja, als das Scbiff zerschellte und seine Masten nur so niederprasselten, es ganz rettungslos ver­loren war, flog mit einem Mal ein schwarzes Huhn fort.

Fort? Wohin denn?

Ueber das Wasser, so hätte sie gesehen.

Ueber das Wasser, ein schwarzes Huhn, sososo ... murmelte Niel schläfrig. Und wohin flog es?

Auf die Insel dort drüben, sagte die Alte und zeigte mit dem Stock auf die beiden Inseln in der Bucht. Nun frage ich Sie, Herr Kapitän, kann ein gewöhnliches Huhn dorthin fliegen?

Nein! sagte Niel ganz klipp und klar, als holte er zum Schlage aus: Aber wohin flog es denn dort auf die Inseln?

Aber, wo kam es her? fragte ganz ruhig die Alte und sah ihn forschend an, wo kam es her, Herr Kapitän?

Niel brummte irgend etwas, was weder die Alle noch ich verstehen konnten; die Alte nutzte feine Ver­legenheit nicht aus, sprach von etwas anderem, hin und wieder noch Über die Pfeife kichernd, die ihr wieder eingefallen war, und sah übers Meer hin, als verfolge sie noch in Gedanken den Flug des schwarzen Huhns. Wir standen schließlich auf und gingen, um uns bald im Schatten des Waldes ziemlich verdrießlich unserer Flasche zu widmen.

Das schwarze Huhn flog Niel beständig durck den Kopf, oftmals spielte er mit den Worten der Alten darauf an: ja, aber wo kam es her? und starrte in den Wald, fortwährend bei der Flasche mit kleinen Schlucken Rat suchend.

Er bekam es nicht heraus. Als wir später auf

dem beschwerlichen Heimweg an der Hütte der Alten oorbeikamen, saß die nicht mehr vor der Tür und war wohl schon wieder bei ihrem Haus­geist. Vielleicht hatte der auch die Gestalt eines schwarzen Huhns? Niel blieb vor der Hütte stehen und starrte in die eine, halb versunkene Fenster­scheibe. Aber, wo kam es her, wo kam es her, Herr Kapitän? brummelte er. Ich nahm ihn am Arm und zoa ihn weiter.

Dann mürbe er redseliger. Die alte Frau hatte mit ihrer Frage großen Eindruck auf ihn gemacht, er fand, sie sei klug, eine richtige Weise, und das läge an ihrem schönen Alter.

Er ginge nun auch schon ins sechsundfünfzigste, schärfte er mir ein, es könnte mit ihm auch noch einmal so weit kommen ich täte gut daran, so jung ich sei,ein bißchen ehrerbietig zu ihm zu fein..^

Was ein Ietischtopf alles enthält.

An der Goldküste, im Bereich der britischen Kron­kolonie Westafrika, ist der Fetischismus noch weit verbreitet, und die Eingeborenen beten oft die merk­würdigsten Gegenstände, Steine, Tierbälge und Fi­guren in Menschengestalt, als Glück oder Unglück bringende ©öttrr an. Zuweilen werden auch in be- timmten Gefäßen die seltsamsten Gegenstände ge- ammelt, denen man besondere Zauberkraft zu- pricht. Ein solcher Fetischtopf, ein etwa 13 cm im Durchmesser messendes napfförmiges Gefäß aus röt­lich-gelbem Hartholz geschnitzt, ergab bei der Oeff- nung ein befremdendes Sammelsurium von Gegen­ständen. Zunächst enthielt der Fetischtopf ein Holz- stäbchen mit einem Haken, «zwei weißbeschmierte ver­trocknete Früchte mit klappernden Kernen, zwei eiserne Schließkolben, ein paar Stäbchen von einem Regenschirm, eine zerbrochene Tabakspfeife aus weißem Ton, ein Reisstrohband, Baumwollzeug, Bruchstücke von alten Halsketten, wie sie früher von den Eingeborenen getragen wurden, und eine stei­nerne Beilklinge, ebenfalls ein Zeichen einer primi­tiveren Kultur, als es die heutige an der Goldküste ist. Zunächst glaubte man auch die Knochen eines Kindes darin gefunden zu haben, aber die nähere Untersuchung bewies, daß es sich nur um harmlose Holzstückchen handelte, die an einem Ende die Form eines Gelenkkopfes erhalten hatten. Als Füllmate­rial war ein rotes Fafergewirr in den Fetifchtopf gestopft worden. An alle diese Gegenstände heftete sich der Glauben der Eingeborenen; sie brachten sie in Verbindung mit guten oder bösen Geistern und glaubten durch ihre Vereinigung in dem Fetischtopf diesem Gefäß einen besonderen Zauber und eine unüberwindliche Macht zu verleihen.