aerlchk vorschlug, aber diese Episode setzt die I jubelte. Die Amsel schluchzte Die Krähe hatte nichts ÄW >r fr-naäHUn^it in ein ,W LM gar nur
als: „Kraah!" behalten. Und der Storch gar nur den Taktschlag seines Liedes, ohne dessen Melodie,
Durch Erzeugung dieser alkoholischen Illusion ;läferte ich die Gewissenhaftigkeit des sonst so
wäre, machte ich weiter kein z Schritten, die ich unternommen hatte. Und so kamen wir auf die Zubereitung des ersehnten Gockels zu sprechen und auf die wünschenswerte Beilage und also auch auf den vielberufenen Kar-
davongetragen hatten, die von Baumästen und von Gegenständen in der Gondel herrühren. Der Tod war jedoch schon lange vorher eingetreten. Nach den in der Tasche M a s u ch s gefundenen Notizen hatte der Ballon am 13. Mai um 9.45 Uhr eine Höhe von 10000 Meter erreicht. Dann hat offenbar die Sauerstoffversorgung der Flieger nicht mehr gearbeitet. Durch die Oeffnung der Leichen der beiden Ballonflie^er wurde einwandfrei fest- gestellt, daß keinerlei Körperverletzungen vorhanden waren, die den Tod hätten herbeiführen können. Vielmehr hat man eine Reihe klarer Anzeichen eines Erstickungstodes gefunden. Damit steht es fest, daß der Tod der beiden Flieger durch Er- sticken infolge Sauerstoffmangels eingetreten ist. Die geringfügigen Verletzungen, die man am Körper der Verunglückten vorfand, haben die Flieger im Zustande der Ohnmacht noch vor dem Eintritt des Todes erlitten.
Die Leichen der beiden verunglückten deutschen Ballonflieger wurden am Freitagabend in einem besonders dem fahrplanmäßigen v-Zug Dünaburg—Kowno—Königsberg angehängten Wagen nach Berlin übergeführt. Die Särge mit den sterblichen Ueberresten der beiden ihrem wissenschaftlichen Opfermut zum Opfer gefallenen Ballonflieger waren mit Kränzen völlig überdeckte
schläferte ich zuverlässigen Mannes ein. Er gab seinen Wider
spruch auf, und erhobenen Hauptes konnte ich wieder einmal den Schauplatz verlassen.
Der verehrten Hausfrau gegenüber hüllte ich mich zunächst in ein geheimnisvolles Schweigen. „Du wirst schon sehen", sagte ich, „daß du dein Herz und dein Vertrauen keinem Unwürdigen geschenkt ^Zwei Tage hielt fie's aus; dann wurde sie ungeduldig, »Alles was recht ist"', begann fier „aber
Das Bekaffinenniärchen
Eine pfingstgeschichte von Hans Franck.
Die Tragödie der deutschen Sallonflieger
Durch Sauerstoffmangel getötet. - Die lleberführung nach Berlin.
Wiedererweckung
eines alten Musikinstrumentes.
Von Budapest geht eine Bewegung aus, ein 3n* ftrument zu neuem Leben zu erwecken, das sich im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute, das aber heute völlig vergessen ist. Es ist die Viola di Bardone, die abgekürzt Baryton genannt wurde. Das Instrument, das die Größe eines Cellos hatte, war mit sieben Saiten ausgestattet; doch lagen unter dem Griffbrett noch einige, nämlich zwischen 9 und 24 Stahlsaiten, die beim Spielen mittönen und auch wohl mit dem Daumen der linken Hand gerisseh wurden. Es gibt eine große Anzahl von Werken, die für das Baryton geschaffen wurden und die mit lym der Vergessenheit anheimfielen. Besonders *>aI Haydn sehr viel für dieses Instrument komponiert, weil Fürst Nikolaus E st e r h a z y, an dessen Hof er dreißig Jahre lebte, ein besonderer Liebhaber des Baryton war. Diese Werke, etwa 175 an der Zahl- unter denen sich allein 125 Divertissements für Bary* ton, Bratsche und Cello sowie 12 Sonaten für BaW ton und Cello befinden, sind niemals oeröffentlw worden; sie sollen jetzt herausgegeben werden, uno es wird in Budapester Blättern die Erwartung ausgesprochen, daß sich das Baryton auch in JDeuqqr land wieder einbürgern werde, zumal es au£$. n0? andere bedeutende Kompositionen außer dene Haydns für dieses Instrument gibt.
sanges zu verleihen. Als der Herr jedoch bedachte, welch ein wüstes Gelärm es geben müsse, wenn der Löwe und der Igel, das Pferd und die Maus, das Dromedar und der Schmetterling, der Fuchs und der Mistkäfer, der Elefant und das Marienwürmchen, der Stier und der Molch, wenn Groß und Klein, Langsam und Hurtig, Plump und Feierlich, jedes nach seiner Art, darauf lossänge: beschied er sich und faßte den Entschluß, nur eine einzige Tierart von den unzählbaren, welche die Erde be- völkem, durchs Singenkönnen zu adeln. Die Wahl: welche von ihnen? wurde ihm nicht schwer. Was lag näher, als jenes Getier mit der Gabe des Gesanges zu betrauen, das der Heimat des Liedes, Dem Himmel, am nächsten haust?
Gottvater ließ also an die Vögel das Gebot ausgehen: am Morgen des ersten Sonntages im Mai sich allesamt vor feinem Thron zu versammeln und von seinen Engeln das Singen lehren zu lassen.
In der Frühe des gottbeftimmten Tages flog es von der Erde auf in Schwärmen: dicht, unabsehbar, daß die Sonne sich solange verfinsterte, bis die Himmelfahrer jenseits ihrer angelangt waren. Nicht einer von allen Vögeln war an diesem Maimorgen xu unbeholfen, nicht einer zu winzig für die weite Reise.
Das ward ein Musizieren, ein Ouinquilieren, ein Tirilieren, wie es nie zuvor — nie hernach wieder im Himmel und auf Erden gehört worden ist. Wie beim Singenlernen in einer richtigen Schule ging es an diesem Tage im Hinrmel zu. Der eine Vogel hatte große, der andere geringe Gaben zum Gesang. Dieser war fleißig, jener faul. Hier erwies sich einer als unermüdlich, dort hatte ein anderer nach einer Viertelstunde von der Singerei genug. Solche waren da, die nach einmaligem Vorsingen ein Lied behielten, und solche gab es, die nach dutzendweisem Hastsgehört? noch keine drei Töne trafen. Selbst die Brummer und Gehörlosen fehlten nicht, bei denen alle Mühe, ihnen Gesang beizu- bringen, sich als vergeblich erwies. Worüber sie, verärgert, sich dadurch hinwegtrösteten, daß Singen eine gänzlich unnütze Sache wäre und nur bei dem hindere, worauf allein es ankomme: beim Fliegenfangen. Und auch von den Lehrern, den Engeln, erwies sich nicht einer dem andern gleich an Eifer und Geschick.
So hatte — ungeachtet jener, die das Singen nicht begreifen konnten oder wollten — am Abend jeder Vogel fein eigenes Lied gelernt. Die Nachtigall fang unaufhörlich ihre himmlischen Weisen. Der Fink wurde nicht müde, zu rufen: „Tititi — Frühjahr ist hie!" Die Goldammer versicherte: „Wie hab ich dich so liiieb, so liiieb, so liiieb!" Die Schwalbe mahnte: „Wirb, wirb, wirb, eh da sch be stirb!" Die Drossel stimmte eifrig zu: „Dschä! Dschä! Dschäü" Der Pirol blies zum Tanze auf: „Düde- lüo! Düdelüo!" Das Goldhähnchen fiedelte: „Sisisi- sisisiahsifisisisisisiiiii!" Der Rohrspatz rief, daß ihn keiner übersähe, in einemfort feinen Namen: „Korl Piep! Korl Piep!!" und fügte, um den Hänselern das Wort abzuschneiden, gleich selber unwirsch hin- zu: „Weet ick — roeet ick — roeet ick!!" Die Lerche
erfaßt. .
Ein Vogel aber war an diesem Maienmorgen nicht mit den andern allen zum Throne Gottes emporgeflogen: die Bekassine. Himmelan war auch sie, um dem Ruf ihres Schöpfers zu folgen, gestiegen. Aber unterwegs wurde sie von der Glückseligkeit des Fliegens so überwältigt, daß sie ihren Wunsch, nach der Weisung Gottvaters im Himmel das Singen zu erlernen, darüber vergaß. Wie ein Rausch kam es über die Zurückbleibende. Sie flog — f(ag — flog —. Während des ganzen Tages, da die Vögel samt und sonders bei den Engeln im Himmel waren, — blieb die Bekassine allein in der Erdenluft daheim und flog. Aus Mittag wurde Abend — die Bekassine flog. Auf — ab, ab — auf, sie wurde es nicht müde. Von Stunde zu Stunde steigerte sich in ihr das Glück des Fliegens. Die Vögel kamen aus dem Himmel zurück. Die Be- (affine nahm es nicht wunder. Was anders taten die geflügelten Kameraden, als womit sie den Tag verbracht hatte und bis zum letzten Atemzug, ohne innezuhalten, fortfahren würde: Fliegen!! Noch ertönte kein Vogellaut auf Erden. Waren die Heim- kehrenden zu müde von dem langen Lernen? Ge- traute sich keiner, mit feinem Gesang den Anfang zu machen? Fürchteten sie, daß ihr Lied auf Erden nicht wie im Himmel klänge? Stumm sanken die Vögel nieder. Stumm gingen sie schlafen. Die Bekassine aber flog —
Nach geraumer Weile ertönte unter ihr aus dem schweigenden Dunkel herauf ein Laut, wie sie noch keinen vernommen. Die über Tag am seligsten des Gesanges geworden war, die Nachtigall, wagte als erster aller Vögel ihr Lied, das sie im Himmel lernte, auf Erden zu fingen. Und plötzlich erkannte die Bekassine, was sie über ihrem Fliegen ver- säumt hatte. Sie flog — nun nicht mehr auf und ab, sondern steil empor — flog, bis sie zum Himmel tarn.
Dessen Tür war verschlossen. Die Bekassine pochte mit dem Schnabel an das Guckfenster des Türhüters. Niemand hörte. Die Bekassine pochte, pochte — Endlich steckte ein verschlafener Engel feinen Krauskopf heraus: Hier wäre die Tür zum Himmel, nicht zur Erde!
Wisse sie.
Zu wem sie denn im Himmel wolle?
Zu Gottvater.
Der dürfe nicht mehr gestört werden. Am allerwenigsten um eines Vogels willen. Heilfroh fei er,
Herd walten?"
Nein, das wollte ich nun allerdings nicht — aus mannigfachen Gründen. Und weil ich einsah, daß längere Zurückhaltung politisch unklug gewesen '..... ' Hehl mehr aus den
Moskau, 18. Mai. (DNB.) Heber das Ergebnis der Untersuchung an der Absturzstelle des deutschen Höhenballons „Bartsch von Sigs- f e Id" treffen aus Sobesch einige Einzelheiten em. Danach lag die gelbe Ballonhülle, die an mehreren Stellen zerrissen war, auf einer Wiese, 10 Kilometer von der Station Jdriza und 40 Kilometer von dem Orte Sebesch entfernt. Neben der Ballonhülle lag die offene Gondel, die teilweise eingedrückt und zerfetzt war. Der kilometerlange Weg, den der Ballon auf dem Boden schleifend zurückgelegt hat, ist noch deutlich zu erkennen. Am Abend des 13. Mai wehte bei Sebesch ein Wind von etwa 10 Meter in der Sekunde, der den Ballon kreuz und quer durch Buschwerk und Wald über Sümpfe und Wiesen getrieben bat. U. a. trieb der Ballon auch durch die Ortschaft Mettscht-schi, deren Bewohner am nächsten Morgen zuerst auf den Vorfall aufmerksam wurden, da der Ballon das Dach eines unbewohnten Gebäudes beschädigt und mehrere Telegraphenstangen umgeworfen hat. Als der Ballon über den Olbitasee hinwegtrieb, ist aus der Gondel die Leiche D r. Schrenks herausgefallen. Sie wurde erst am 15. Mai von Bauern und Grenzwächtern aus dem See heraus- gefifcht.
Die Untersuchung der Leichen ergab, daß sie nur leichtere Schrammen und Quetschungen
Hast du schon an einem Dorfrühlingsabend, wenn der Mond sich noch nicht getraut, aus verfrühten Wärmewolken heroorzubrechen und die Sommer- Hoffnungen von Mensch und Tier und Pflanze zu zergrinsen, der Bekassine gelauscht? In Busch und Baum, am Rain und im Ried, zu Häupten und Händen, allüberall hat es tagüber tausendmaltausendstimmig aufgesungen. Die Bekassine hat sich derweil ins Moor verkrochen. Denn sie ist stumm. Jeden Abend aber — sobald ringsum die geflügelten Sänger müde werden — steigt die Bekassine auf zum Himmel, um endlich auch ihr Lied dem Schöpfer darzubringen.
,Lhr Lied? Wie kann sie fingen, wenn sie stumm ist?"
Gemach! Durch ihre Kehle freilich bringt kein Ton, kein Laut. Und dennoch — sieh nur, hör nur hin! — dennoch: wenn sie stundenlang über den Wiesen auf und ab fliegt, vernimmst du ihren Ge- ' fang. Soll ich erzählen, wie der Ewige — verdiente Strafe in unverdiente, Gnade umwandelnd — der Bekassine schenkte, was er keinem ihrer Brüder, keiner ihrer Schwestern verlieh?
Gottvater hat bekanntlich die Vögel zum Singen erschaffen. Nester bauen auch Hamster und Stichling. Mücken, Fliegen und Gewürm verstehen Kröten, Spinnen und Maulwürfe nicht minder geschickt zu fangen. Eier legen die Schlangen, die Ameisen und haben nicht einmal nötig, sich wochenlang daraufzusetzen, daß es in ihnen lebendig werde. Durch die Luft flitzen? — Nun, es gibt der Mäusesorten genug, die es vermögen. Aber singen! — welchem Getter, außer den Vögeln, ist diese schönste aller Lebensaufgaben von Gott zugewiesen? Zwar der Frosch hält sein Gequarr und der Esel sein Geschrei für Gesang. Doch wenn der Gelbbauch im Tümpel sich an warmen Frühlingsabenden seiner schönen Stimme halber aufbläht, so lachen wir ihn aus; und dem Grauhaar, der durchaus nicht begreifen will, daß uns die beiden Silben, die der Kuckuck jahraus, jahrein nicht müde wird zu rufen, melodischer klingen als fein I—a! I—a!, dem geben wir eins hinter feine langen Ohren. Also ausgemacht: Gottvater hat die Vögel zum Singen erschaffen!
Dieser gute Gedanke ist dem Schöpfer freilich nicht sogleich gekommen, da er die Luft mit atmenden Wesen erfüllte. Als er am Morgen des fünften Erdentages sein Werdewort gesprochen hatte: „Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und mit Gevögel, das auf Erden unter der Feste des Himmels fliege", waren all die tausend und abertausend Vögel, die es heute noch gibt, und manch andere Arten außerdem, die nicht bis zu unfern Tagen sich vor ihren Widersachern zu retten vermochten, zwar in einem Nu erschaffen, aber sie waren, wie die.Fische im Wasser, stumm. Eines Abends indessen, da Gottvater — noch den Gesang der Engel, die tagüber nicht adgelafsen hatten, ihm zu lobfingen, in feinen Ohren — wieder einmal auf die Erde kam, um nach dem Rechten zu sehen, hörte er ihre traurige Stummheit. Und er beschloß bei sich, ihrem Getier die Gabe des Ge-
daß endlich das talentlose Piepzeug wieder außer Hörweite wäre!
Aber die Bekassine bat so unablässig, so inständig, daß des Engels Herz schließlich doch erweicht wurde und er sie durch fein Guckfenster m den Himmel schlüpfen ließ.
Gottvater aber saß noch auf feinem Thron und lächelte bei dem Gedanken, welch ein Staunen die erwachende Erde überkommen werde, wenn morgen in der Frühe zum ersten Male die Vögel ihre Stimmen zum Gesang erhöben. Mitten in sein Lachen schoß die Bekassine hinein und setzte sich bittend auf sein linkes Knie.
„Was willst du?" herrschte Gottvater den Eindringling an. ,
„Singen lernen", gab die Bekassine tapfer zur Antwort.
„Warst du über Tag nicht da?"
„Nun tft’s zu spät dafür. Die Engel walten auf der Erde ihres nächtlichen Amtes, und die wenigen von den Kleinsten, die im Himmel geblieben find, schlafen schon."
„Lehr' du mich fingen."
„Ich finge nicht, mir wird gesungen.
So wollte sie, schlug die Bekassine vor, solange im Himmel warten, bis die großen Engel von der Erde heimkehrten, und sich alsdann von einem das Singen lehren lassen. , ■ .
Nein, entschied Gottvater. Es sei zu spat. Nur der heutige Tag wäre den Engeln fürs Singenlehren bestimmt gewesen. Morgen hätten sie vollauf mit anderem zu schaffen. Sie solle zur Erde ju< rückkehren und ihre Stummheit geduldig tragen.
Da fing die Bekassine an, bitterlich zu meinen.
Und Gottvater jammerte ihrer. Was sie Übertag denn getrieben hätte? forschte er, freundlicher wer- dend.
„Geflogen!" jauchzte die Bekassine auf.
„Den ganzen Tag geflogen?"
„Den ganzen, lieben, langen Tag!"
Da erkannte Gottvater, daß die Bekassine nicht aus Saumseligkeit im Himmel gefehlt hatte, und sprach: ,Zum Singenlernen, Bekassinchen, ist's zu spät. Deiner Kehle wird, zur Strafe, nie ein Lied entquellen. Aber da nicht ein Zuwenig, sondern ein Zuviel dich ungehorsam werden ließ gegen mein Gebot, so sollst auch du nicht stumm bleiben. Kehr getrost zurück zur Erde! Dir verleihe ich dies: Dein Flug soll Gesang werden."
Die Bekassine dankte Gottvater, schwebte zur ! Erde nieder und siehe: ihre Flügel fangen!
Lunger Hahn und Forelle.
Eine pfingstgeschichie von Or. Owlglaß.
„Mit Kartoffelsalat natürlich", sagte ich zu meiner vorgesetzten Behörde.
„Ach du, mit deinem ewigen Kartoffelsalat!
„Ich muß schon recht, sehr bitten ... Bereits Wilhelm Raabe hat sich dahin ausgesprochen, Kartoffelsalat fei das halbe Leben, und ..."
„Die gesamte Naturlyrik des alten Christian Wagner aus Warmbronn ist auf den nämlichen Grundsatz zurückzuführen — weiß schon, weiß schon. Wie sollten meine jungen Erbsen und Karotten gegen diese Autoritäten aufkommen können! ... Also denn in Gottes Namen!"
Wir erörterten nämlich die Beilage zu dem morgigen Pfingstfestbraten. Und die Beschaffung dieses Bratens' hatte ich selbst großzügig in die Hand genommen.
„Ueberlasse die Sorge diesmal mir", hatte ich gesagt und rätselhaft dazu gelächelt. „Es genügt wahrlich, wenn du dir Tag für Tag den Kopf zermartern muht. Alle heiligen Zeiten einmal geziemt es sich, daß der Herr des Hauses mit ungebrochener Geisteskraft hilfreich einspringe."
Also stattete ich heimlich unserem Butter- und Gierlieferanten, Herrn Sebastian Grashiller, einen Besuch ab und betraute ihn mit dem ehrenvollen Auftrag, mir bis Pfingstsamstag abend einen jugendfrischen Hahn oder Gockel bratgerecht abzuliefern.
„An junga Goggel? Jatzt? ... I woaß net ..." Die Augen des Aufkäufers blickten mich grüblerisch an.
„Herr Grashiller", schnitt ich feine Einwände ab, „ich kenne Sie doch! Was Sie wollen, das frieaen Sie auch. Und daß Sie wollen, darüber brauchen wir zwei nicht miteinander zu diskutieren. Ein Geschäftsmann wie Sie!"
„Ja mei', wollen tua-r-i fcho', aber ..."
„Nichts aber: es bleibt dabei. Auf einen Extraschnaps soll es mir ganz gewiß nicht ankommen."
höheren Semestern vorbehalten ... Aber lassen wir diese musikalischen Finessen und denken wir lieber einmal entwicklungsgeschichtlich. Woraus entsteht der Vogel im allgemeinen und das Huhn im besonderen? Aus dem Ei, wenn ich nicht irre. Und sagt nicht schon der Dichter mit unübertrefflicher Anschaulichkeit:
Zerbricht man die Entwicklungskette, so bildet sich die Omelette?
... Hier laß uns einsetzen: ich werde dir morgen so ein Ding Herstellen und auf eine Füllung mit eingemachten Johannisbeeren zärtlich bedacht fein. So wirft du zwar keinen realen, handgreiflichen Vogel verzehren, aber gewissermaßen oie Idee eines solchen beziehungsweise mehrerer solcher; denn knausern werde ich natürlich nicht ... Nun?"
Ich verkannte weder die Schläue, noch die gute Absicht dieses Vorschlags. Aber ich war nun eben verstimmt, weil ich mich um eine schone Erwartung betrogen sah, und brachte es nicht über mich, das mit leichtfertigen Scherzworten angeschlagene Gier» und Jdeenthema aufzunehmen und dialektisch ad absurdum zu führen.
Wenn zwei Menschen aufeinander angewiesen sind und der eine knurrt, so entsteht leicht das, was man ,Zungenreden' nennt, und dieses Zungenreden hat mit dem bekannten pfingstlichen Phänomen meist nicht viel gemeinsam. Wir redeten also im Laufe des Abends Zungen, recht spitze Zungen allmählich, und mit einemal fiel mir gegenüber das gereizte Wort: „Jammerschade, daß man deinen Vogel nicht braten kann!"
Das ging zu weit. Ich stand auf, gab meiner Widerpartnerin zu verstehen, daß der aller Voraussicht nach doch wohl zu zäh dafür fein dürfte, und zog mich grollend in meine inneren Gemächer zurück.
nebergrefferi des ostasiattschen Konflikts nach Europa verhindert werden könne und erstrebte zu dem Zweck ein enges Zusammenwirken zwischen Deutschland, Rußland und Frankreich. Obgleich der deutsche Botschafter in Paris diesen Wunsch deutlich zum Ausdruck brachte, nahm Delcasst die Mitteilung des Großfürsten ohne Nachprüfung für bare Münze und verdächtigte in London die deutsche Politik.: sie wolle bas französisch-russische Bündnis wie die Entente auflösen und einen großen europäischen Krieg herbeiführen. England werde also nur Deutschlands Wünsche erfüllen, wenn es Rußland durch demütigende Forderungen zum Bruch zwinge.
Die englische Regierung bedurfte schwerlich dieser Warnung, denn sie hatte von vornherein die Absicht, die Frage f ried 1 ich zu lösen und bot gern Die Hand zum Ausgleich, als Rußland ein Schieds»
Jn aller Herrgottsfrühe läutete uns der Expreß- bote heraus. Es war ein längliches Paket, das er über den Gartenzaun reichte, und roch — ja wie roch es nur gleich? Heimatlich, ganz einfach heimatlich; denn es kam ja vom lieben alten Freund droben im Allgäu und enthielt, sorglich in junge Brennesseln gehüllt, eine gut anderthalbpfündige Forelle.
„Siehst du, in dieser Fasson lasse ich mir den Expressionismus ohne Protest gefallen", sagte ich. „So was überzeugt durch sich selbst und bedarf keiner weitschweifigen Erläuterungen, die ja doch kein Mensch kapiert."
Die gestrige Verstimmung war im Rausch der Freude auf gegangen, und die kleine Anzüglichkeit, Haß man hier gewissermaßen von einem fliegen
neues Licht, und zugleich ist bezeichnend, daß ihr nicht die Vermeidung eines großen Krieges sondern die Vorbereitung der Revanche die Hauptsache war. Wenn es zum Kriege zwischen England und Rußland komme, heißt es in einer Betrachtung des französischen Ministeriums, werde Frankreich kraft fetnes Bündnisses an der Seite Rußlands teilnehmen müssen. Da aber auch Deutschland die Russen unterstützen werde, müßten Deutsche und Franzosen für dieselbe Sache fechten: „der Graben, der die beiden Völker seit 1870 trennt, wäre ausgefüllt, die durch Elsaß-Lothringen geschaffene Differenz wäre völlig ausgelöscht." Diese Worte sind ein neuer Beweis dafür, daß die Gedanken der französischen Regierung stets unter dem höchsten Gesetz der Revanche standen.
schließlich muß ich doch wissen, was du eigentlich bestellt hast. Ich muß den Braten zurichten, ich muß für die passenden Beilagen sorgen — oder willst du selber etwa gar morgen vormittag züchtig am
den ober wenigstens zugeflogenen Fisch rebert könne', störte meinen roiebergeroonnenen Seelen* stieben nicht im minbeften.
„Vogel hin, Vogel her — auch ber Fisch ist ein christliches Sinnbild; man braucht ihn nur ins Griechische zu übersetzen und Jchthys zu nennen.
„Wir wollen ihn doch lieber in die BratpfannS übersetzen", lautete die Antwort. Hätte ich etwa widersprechen sollen?
... Der Tisch war festlich geschmückt, als ich zu Mittag herunterkam. In der Mitte pranate eine Glasvase mit den schönsten roten Pfingstrosen, und neben meinem Gedeck stand, schon entkorkt, eine Weinflasche.
„Was sott bas?"
„Nun: erstens will ber Fisch bekanntlich schwim* men; zweitens hab' ich zuhinterst im Keller als letzten Mohikaner biesen Mosel entbeckt. Es ist Winninqer Uhlen, also, obgleich flüssig, boch quasi etwas Pogelhaftes, unb ba bachte ich mir ..."
„Allerhanb Hochachtung!" sagte ich ein wenig gerührt unb goß bie Gläser voll. „Der Psingstvogel sott leben! Wenn er nur ba ist — was geht uns sein Aggregatzustanb an?"
toffelsalat.
Nachbem wir enblich über alles einig geworben waren, beschlossen wir, bie erhitzten Köpfe noch etwas in bie Spätnachmittagsluft hinauszutragen. Sollte mein Lieferant je währenb unserer Abwesenheit auftauchen, so konnte er sein Paket ja in ben Milchkasten am Zaun stecken; bas wußte er schon. Unb ber Schnaps war ihm sowieso sicher.
Wer auf eine gemütvolle unb bei anftänbigem Wetter auch zutreffenbe Schilberung ber pfingstlichen Vegetationsverhältnisse Wert legt, tut immer roieber gut, ben Anfang von Goethes „Reineke Fuchs" nachzulesen. Ich beschränke mich barauf, zu berichten, daß wir munter plaubernb zwischen Wiesen unb Aeckern hintrabten, eine geraume Weile am Walbranb rasteten, bann auf einen Felbweg gerieten, ber plötzlich in nichts zerrann, roieber umkehren mußten unb enblich in weitem Bogen bie Lanbstraße erreichten, bie burch ein mageres Gehölz nach Haus zu führte. Als es eben sieben Uhr schlug, standen wir vor unserer Gartentür ...
Der Milchkasten war leer. Oder doch jo gut wie leer; denn auf seinem Grund fand sich nichts als ein etwas schmieriger Zettel, und auf diesem Zettel war mit lapidaren Buchstaben die Pfingstbotschaft niedergelegt:
habe Leiter kein bassenden gogel nicht auf» briem mit grus Grashiller Sebastian.
... Die Hausfrau faßte sich zuerst unb sagte: „Wie ich mir gebacht habe!"
Ich sagte gar nichts; aber bafür bachte ich mir nun auch Verschiebenes.
„Der Metzger hat jetzt natürlich geschlossen", fuhr sie fort. „Wir werden uns morgen also wohl ober übel mit einer Mehlspeise begnügen müssen. Ober würbest bu vielleicht puren Kartoffelsalat vorziehen unb ein Kapitel Raabe bazu?"
„Was träufelst bu noch Hohn in meine Wunbe, Weib? ... O dieser Idiot! Keinen .hassenden Gagel'? als ob es nicht ebensogut ein Tenor hätte sein dürfen!"'
„Sein müssen, bitte; Bariton und Baß sind den


