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Kr.l 5 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Samstag, (9. Mai

Kamerun-^eift.

X.

BamendaBarombi.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Mundame, April 1934.

Das ganze Bamenda-Gebiet ist landschaftlich eine Perle von Afrika, ein romantisches Gebirgs­land, nur schwierig für den Straßenbau. Um so höher ist die von den Franzosen geleistete Wege- bauarbeit zu bewerten. Ueber andere Eigen­schaften der französischen Mandatsverwaltung muß man sich freilich weniger lobend aussprechen, vor allem über die verkehrte und gefährliche Rassen­politik. 3n Duala sitzt beim Zoll ein farbiger Oberbeamter, der sechs weiße Untergebene hat! Wenn der Schwarze(Eitogen Franxais" geworden ist die Senegalneger und die sämtlichen Schwar­zen undCafäs au lait" von West-Indien sind es schon lange so stehen ihm alle Posten o f - f e n. Ein Schwarzer bleibt aber ein Schwarzer, und es ist eine Verkennung alles Rassegefühls, ihn einem Weißen überzuordnen. Mir ist es unbegreif­lich, wie ein weißer Franzose sich das gefallen las­sen kann.

Persönlich haben wir im französischen Mandats­gebiet von den Beamten nur Liebenswürdiges er­fahren. In Dschang, dem ersten Nachtquartier von Bamenda aus, mußten wir zur Unterkunft das amt­liche Rathaus benutzen. Man meldet sich beim fran­zösischen Derwaltungschef und bekommt einen Mann Mit dem Schlüssel. Außerdem wurden wieder gleich einige Strafgefangene zur Besorgung von Wasser und Feuerholz gestellt. Unsere Vorräte waren etwas knapp, in den Faktoreien gab es auch hier nicht viel, aber der freundliche Beamte schickte uns von sich aus Brot, Eier, Gemüse, und am nächsten Morgen sogar Milch. Wir wollten früh aufbrechen, und ich konnte nur mit ein paar herzlichen Worten auf einer Visitenkarte danken.

Unsere nächste Etappe war Nkongsamba, die Endstation der noch zur deutschen Zeit gebauten Kameruner Nordbahn. Ihr Ziel sollten die Tschadsee-Länder sein, aber der Bau war noch nicht 200 Kilometer weit gediehen, als der Krieg ausbrach. Zwischen Dschang,und Nkongsamba steigt die Straße in vielen Serpentinen von der oberen Hochlandstufe auf die untere hinab, ein Höhenunterschied von 600 bis 700 Metern. Die Landschaft ist wiederum prachtvoll! Man kommt vom Grasland in die Oelpalmenzone, danach in hohen Wald und dann wieder in gerodetes Kultur­land. Unterwegs hielten wir in Bafang, einem ganz neuen Ort. Ein freundlicher Faktoreibesitzer, Grieche von Geburt, von Smyrna (Madame war Franzö­sin), lud uns zu einer Tasse Kaffee ein und er­zählte dabei, daß der fetzige Sultan von Bornum, bevor ihn die französische Verwaltung ,zu seiner Würde berief, in Bafang Faktoreiclerk ge- 'wcsen sei. Von 300 afrikanischen Sultanskindern kann ja nicht jedes eine Apanage beziehen, aber man merkt doch etwas die Absicht, die bei der Er­hebung einer untergeordneten und abhängigen Per­sönlichkeit zu einer der ersten Häuptlingschaften in Kamerun vorwaltete. In Bali hatten wir auch :oom Nachfolger des Bali King eine merkwürdige -Geschichte gehört. Er ist designiert, aber er muß in tiefster Verborgenheit, weit ab von Bali, leben, -und nur ganz wenige Vertraute des alten Häupt- Ilings kennen ihn. Würde er bekannt, so würde ihn Kiner seiner zahllosen Halbbrüder, der dann der Nächstberechtigte zu sein glaubt, umbringen lassen.

Nkongsamba und die Nordbahn liegen auf fran­zösischem Mandatsgebiet, aber die Grenze Wegen das englische ist ganz nah. Einige Kilo- imeter von Nkongsamba hat sich ein Deutscher an- igesiedelt. Herr Strobel, ganz alter Kameruner. SEr baut Kaffee und betreibt eine kleine Räucherei. Hie Pflanzung liegt mitten zwischen den drei rnäch- ttigen Dulkanrnassiven des Manenguba, Nlonake und »Küpe, die alle über 2000 Meter aufragen. Solch eine Landschaft gibt es nirgends in Europa, sie hat

wahrhaft afrikanisches Format. Hier konnten wir unseren Mercedes-Benz, der uns zwar allerlei Kum­mer gemacht aber zuletzt doch glücklich hergebracht hat, entlassen. Vielleicht kann man es als ein An- erkenntnis für die ursprüngliche Qualität buchen, daß der Wagen die rund 900 Kilometer seit Iaunde mit gutem Zureden doch geschafft hat.

Herr Strobel hat den ganzen Krieg in Kamerun mitgemacht, und obwohl von ihm viele tapfere Stücke erzählt werden, hat er von der französischen Mandatsverwaltung, als einer der wenigen Deut­schen in diesem Gebiet, doch ein gutes Stück Farm­land kaufen können. Der Kaffee gibt hier schon im vierten Jahr gute Erträge. Die erste volle Kaffee-Ernte bedeutet für einen Pflanzer mit be­schränkten Mitteln normalerweise die Befreiung vom Druck harter Einschränkungen, durch die der gewöhnliche Weg des deutschen Ansiedlers in Afrika geht. Gerade die selbstverständliche Bereitschaft hier­zu ist es aber, die den Deutschen als afrikanischen Siedler allen anderen Nationen überlegen macht. Im Unterschied vom Engländer, der nur mit viel Kapital zu wirtschaften liebt, und vom Franzosen, der für Pflanzungsunternehmun­gen die Gesellschaftsform mit zum Teil sehr hoch bezahlten Angestellten bevorzugt, ist der deutsche Typus der durch Sparsamkeit, zweck­mäßige Eingeborenenbehandlung und persönliches Zugreifen sich heraufarbeitende Einzelpflan- z e r. Unter den heutigen Verhältnissen ist der deutsche Farmer und Pflanzer, der imstande ist, gesunde afrikanische Siedlungsarbeit in größerem Umfange zu leisten, der beste, den es gibt. Dafür war mir die Strobelsche Pflanzung wieder ein Beweis.

Ein kleiner Ochsenwagen brachte uns früh mor­gens zur Bahnstation N d o n g e. Gegen Mittag war der Zug in Mundeck, von wo man zu Fuß mit Trägern eine Stunde weit bis an den Mungo- Fluß marschieren muß. Der Mungo ist die Grenze zwischen dem französischen und englischen Mandats­gebiet. Der französische Zollposten war leer! Ohne jede Kontrolle wurde unser Gepäck in ein großes Kanu verladen, und mit zwei schwarzen Padd-

Das französische Aktenwerk zur Vorgeschichte des Weltkriegs schreitet langsam fort und je langsamer, je mehr es sich dem Juli 1914 nähert. Während die deutsche und die englische Publikation mit dem interessantesten Teil, dem Kriegsausbruch, b e - gönnen hatten und dann die Bände in regel­mäßiger Folge die deutsche von 1871, die eng­lische von 1898 an erscheinen ließen, haben die Franzosen ein anderes Verfahren gewählt: sie veröffentlichen in ziemlich zwangloser Folge Bände aus verschiedenen Epochen der Vorgeschichte. Nach- dem sie im letzten Jahre die Wirkungen der Balkan­kriege von 1812/13 behandelt, sich dem Brennpunkt also zu nähern begonnen hatten, springen sie mit dem neuesten Bande wieder ein erhebliches Stück zurück und bringen uns die Akten über das Jahr x904 nach dem Abschluß der Entente mit England (8. April 1904). Offenbar will man sich van dem heißen Eisen der Julikrisis 1914 mög - lichst lange fern!) alten ; vielleicht so lange, bis die Hauptverantwortlichen, vor allem Poincarä, nicht mehr am Leben find. Aber auch der vor­liegende Band enthält mancherlei Belastendes.

Wenn Lloyd George kürzlich die Entente mit England den Urgrund des Weltkrieges ge­nannt hat, so trifft er damit das Richtige, denn der Aprilvertrag hat wesentlich dazu beigetragen, Frankreichs Revanchehoffnungen zu " belesen und in Paris den Vorsatz entstehen zu lassen, eine ähn­liche Entente zwischen England und seinem bis­herigen Widerpart Rußland herbeizuführen, um

lern trieben wir rasch den Mungo einige Kilometer abwärts bis zu dem auf der englischen Seite gelege­nen Mundame hinunter. Den englischen Zoll ver­waltet ein Schwarzer, mit Beamteneigenschaft! Eng­länder und Franzosen begehen beioe den unser Rassegefühl beleidigenden Fehler, daß sie Neger an Stellen setzen, wo sie einem Weißen etwas zu sagen haben. Soviel Geld muß eine Macht, die afrikanische Kolonialgebiete verwaltet, haben, um wirkliche Beamtenposten mit Weißen zu besetzen. Das Geld kann an den viel zu weit ausgebauten Schulen für Schwarze gespart werden. Das ist auch das Urteil aller nicht beamteten und nicht missiona­rischen Engländer, die ich in Kamerun gesprochen habe. Ihre Kritik an der negrophilen Eingeborenen­politik ihrer eigenen Regierung äußerte sich gerade explosiv, sobald nur das Gespräch darauf kam.

Mundame liegt an der Stelle, bis wohin der Mungo aufwärts für Barkassen und Leichter schiff­bar ist. Von hier führt eine Straße durch ein Ge­biet mit vielen Pflanzungen und Faktoreien, alle noch aus deutscher Zeit, nach Kumba. Dicht über Kumba liegt der wunderbare B a - rombiGee, ein wassergefüllter alter Krater, eine wahre Perle Afrikas. Oben auf dem Krater- wall ist die alte, jetzt halb verfallene deutsche Sta­tion Johann-Albrecht-Höhe gebaut. Von dort geht es steil über einen Kletterpfad mit zwei senkrechten Leiterstrecken 100 Meter zum See hinunter. Der Kraterwall und alles Land weit und breit tragen hohen dichten Urwald. Unten am See ist eine Bade­hütte, darin liegen zwei prall aufgeblasene Auto­mobilschläuche; man kann sich in sie hineinsetzen und auf dem See Herumrudern! Das gibt ganz lustige Bilder. Um das Stationshaus stehen, noch von deutscher Hand gepflanzt, Palmen aller Art und tropische Bäume mit farbiger, gelbgrüner Und dunkelroter Belaubung. Dazwischen ragt ein kahler Flaggenmast, noch derselbe, an dem bis vor zwan­zig Jahren die deutschen Farben wehten. Alles, was es heute in Kamerun gibt, kommt aus deut­scher Saat. Deutschlands Anspruch auf sein kolonia­les Erbe ist auf diese Sämannsarbeit gegründet.

Deutschland zwischen den drei Großmächten matt- zusetzen. Der neue Aktenband läßt die mit der Entente verbundene Feindschaft gegen Deutschland, die schon aus den englischen Akten erkennbar ge­wesen war, aufs neue deutlich hervortreten.

Im Apriloertrag schrieben sich England und Frankreich bekanntlich die Befugnis zu, über das Schicksal Marokkos, eines souveränen Staates, einseitig zu verfügen, ohne auf die Rechte anderer Nationen in diesem Lande Rücksicht zu nehmen; nur Spanien, das von jeher auf einen kleinen Teil Nordmarokkos Einfluß gehabt hatte, wurde einige Monate später ein kleiner Anteil gewährt. Das Ziel war die Unterstellung Marokkos unter französisches Protektorat und insbeson­dere der Ausschluß Deutschlands aus dem entwicklungsfähigen Lande, wie Delcasiö, der Leiter der französischen Politik, den Engländern rückhalts­los eingeftanben hatte.

Delcassä stellte den Grundsatz auf, daß Frank­reich vermöge seiner Verträge mit England und Spanienallein als Ratgeber und Schützer" d. h. als Vormund des Sultans auftreten und ihn allein in militärischen, finanziellen und ökono­mischen Maßregeln unterstützen dürfe. Zum Dank für diese Mühewaltung verlangte er besondere Be­rücksichtigung der politischen und wirtschaftlichen Interessen Frankreichs: ein Franzose sollte die fi­nanzielle Oberleitung übernehmen, Eisenbahnbau­ten und andere öffentliche Arbeiten sollten nach französischen Projekten unternommen werden, eine

Gesellschaft, die alles finanzieren sollte, sollte wesentlich aus Franzosen bestehen und Weisungen von der französischen Regierung empfangen. Im Besitze dieser administrativen Machtstellung ließ sich dann die deutsche wirtschaftliche Tätigkeit vor­trefflich bekämpfen, und auf politischem Gebiete fehlte die Feindschaft gegen Deutschland ebenfalls nicht. Um den Einfluß Deutschlands beim Sultan zu vermindern, suchte der französische Gesandte in Tanger eine gemeinsame Front mit den Gesandten Englands, Spaniens und Italiens, das durch Ver­sprechungen über Tripolis ebenfalls für die fran­zösische Marokkopolitik gewonnen war, herzustel- len und den Deutschen nach Möglichkeit von Ver­handlungen mit der marokkanischen Regierung bei allgemeinen Fragen zurückzudrängen. Dies un­freundliche Verfahren gegen Deutschland, das nie­mals politische Ansprüche in Marokko erhoben sondern nur Wahrung seiner wirtschaftlichen Rechte verlangt hatte, führte schließlich zu dem Konflikt von 1905, der durch die Tangerreise des Kaisers und den Sturz Delcass 6 s bezeich­net wird. Hierüber wird der nächste Band hoffent­lich manche Aufklärung bringen, insbesondere über die Rolle, die König Eduard bei der Zuspitzung der Dinge gespielt hat.

Der andere mit dem Aprilvertrag verbundene Gedanke, ein englisch-russisches Einver­nehmen herzustellen, wurde im Jahre 1904 durch den japanisch-russischen Krieg auf eine harte Probe gestellt. Es war eine eigentüm­liche und für Frankreich schwierige Situation: Japan wie Rußland waren mit je einer Entente­macht verbündet, Rußland lebte überdies mit Eng­land wegen der beiderseitigen Ansprüche in Versien, Afghanistan und Tibet in starker Spannung. Einen Augenblick schienen sogar der russische Bundesge­nosse und der englische Freund Frankreichs vor einem Kriege zu stehen, als die russische bal­tische Flotte auf ihrer Fahrt nach Ostasien an der Doggerbank mehrere englische Fischerboote, die sie für japanische Torpedoboote hielt, beschoß und ihnen einige Verluste beibrachte (21./22. Oktober 1904). In heftiger Erregung verlangte die eng­lische öffentliche Meinung Genugtuung, ja sie for­derte Beschlagnahme der russischen Flotte, um wei­teren Schaden zu verhüten, und die Regierung mußte dieser Stimmung durch einige militärische Maßregeln Rechnung tragen. Sofort setzte Frank­reich mit einer energischen Vermittlung ein. Delcassä drängte in Petersburg auf schleunige Ge­nugtuung aus eigener Initiative, ehe England eine Forderung erhoben habe, und als bann Forderun­gen aus London kamen, erneuerte er seine Vor­stellungen, hielt aber zugleich der englischen Re­gierung vor, daß sie sich vor übereilten militäri­schen Maßregeln hüten und der russischen Regie­rung Zeit für ihre Entschlüsse gewähren müsse.

Diese Bemühung, den Zusammenstoß zwischen dem Verbündeten und dem Freunde zu verhüten, ist durchaus verständlich, illoyal aber war es, wenn zugleich von Paris aus der Versuch gemacht wurde, Deutschland die Schuld an dem Zwischenfalle zu geben und den Groll Englands von Rußland auf Deutschland zu lenken. Deutschland habe, hieß es in einer oft offiziös benutzten Zeitung, die bald Nachahmer fand, arglistig der russischen Flotte ge­meldet, daß ihr japanische Torpedoboote auflauer­ten und dadurch das Unglück verschuldet: es hoffe, von dem Zwist zwischen England und Rußland Vorteil zu ziehen. Ob die französische Regierung diese Aeußerung veranlaßt hat, steht dahin, sie suchte aber ebenfalls die englische Regierung mit dem Schreckbilde einer deutschen Jntrigue in Petersburg xur Versöhnlichkeit zu drängen. Wäh­rend dieser Verhandlungen erhielt sie vom Groß­fürsten Paul, der sich in Paris aufhielt, die Nach­richt, der deutsche Kaiser habe soeben dem Zaren schriftlich erklärt:Wenn'Du Krieg mit England hast, stelle ich meine Flotte zu Deiner Verfügung" (4. November 1904). Die Nachricht war erfun­den, denn dem Kaiser lag jede Ermunterung Rußlands zum Kriege gegen England fern; in Ber­lin suchte man vielmehr nach Mitteln, wie em

Entente und Revanche vor dreißig Zähren.

Die französische Aktenpublikation zur Vorgeschichte des Weltkriegs.

Don Dr. Gustav Voloff, o. ö. Professor derGeschichte an der Universität Gießen.

Gießener Stadttheater.

Alois Johannes Lippl:Die Pfingstorgcl".

Wenn einer nicht aus Bayern stammt, braucht er nur zu wissen, daß man etwa's Mäu" mit Mundwerk",Millihaferl" mitMilchtopf", .Gmoarat" mitGemeinderat" undKaidi" mit "Kälbchen" zu übersetzen hat, dann kann ihm zzum Verständnis und Vergnügen an dieser baye- rr:schen Moritat* nichts fehlen.

oie beginnt im Wirtshaus und endet mit der SOrgelweihe in der Kirche, dazwischen liegt alles, llvas man zu einem richtigen, handfesten Dolksstück gbraucht: Bauernhochzeit mit viel Weißwurfcht iiuni)Gselchtem" undfettaugetem" Kraut, auch mit künftiger Blasmusik im Dorfwirtshaus; Gemeinde­ratssitzung und Jahrmarkt mit Karussell undLeb­zelten", mitHaut den Lukas" undbilligem Ja­gkob"; und Pfingstfest mit Böllerschüssen und Fah- men und Dereinsmusik.

Mer das ist noch nicht alles und nicht einmal »ie Hauptsache. Die Hauptsache ist vielmehr, was rmaa auf dem deutschen Theater nicht besonders [häufig erlebt, eine richtige, echte und ernstgemeinte, Steine, bäuerliche Liebesszene im Wirtsgarten bei Äer Kegelbahn und den Hollerstauden; und bann seine nächtliche Verschwörung im Mondschein, bie beinah wie ein Rütlischwur auf Oberbayrisch anzu- Hören ist. . .... .

Und dieser bunte und volkstümlich-mundartlich in Dzene gesetzte Moritaten-Bilderbogen hat auch seine richtige Handlung mit einem dramatischen Kon­vikt der sich ganz einfach daraus ergibt, daß ein armer fahrender Musikant sich in eine schwer reiche Bauern- und Bürgermeisterstochter verliebt.

*

Es ist klar, daß derjunge Mo" vom empörten Water bei der Brautwerbung die Ture gewiesen oekommt, und man muß sich überhaupt wundern, vaß nicht gleich eine saftige Holzerei ausbncht. Aber mit nichten. Der Alte ist Bürgermeister vom gen Itigften Dorf im ganzenGäu"; die Bauern in dre­ier Gemeinde sind sonotig", daß sie md)t einmal (ine Orgel in der Kirche haben. Und der Bürger­meister weist den Vater des Freiers mit den hoh- nifrnen Worten ab:Ha, ehnder steht a Orgel in !oer Kirch, als daß dein Bua mein Tochter triagt!

Das hätte er lieber nicht sagen sollen, der Alte; kenn jetzt tun sich die Abgewiesenen erbittert zu |3ener schon erwähnten nächtlichen Verschwörung zu-

* Als Buch erschienen im Dal. Höfling Ver­mag, München. (205)

fammen. Und die Folge davon ist wiederum, daß wahrhaftig noch vor Pfingsten in der Kirche der geizigen Bauern eine richtige Orgel steht. Aber ein Bauernwort ist ein Bauernwort, und da Alois Johannes Lippl nicht bloß eine Moritat geschrie­ben hat, sondern auch eine kleine Liebesgeschichte und sogar ein Stückchen Schicksalstragikomödie, so ist zum guten Ende wirklich bis aufs Letzte alles in schönster Ordnung, zumal abgesehen von der neuen Orgel aus dem armen, landfahrenden Musikanten ein wohlhabender, bodenständiger Bauer mit dreihundertundzwanzig Tagwerk ge­worden ist, wogegen selbst der grantigste und no­tigste Bürgermeister nichts Nennenswertes einzu­wenden hat.

Und nun hat sie sich ereignet, die Moral von der Geschicht: Daß der Geiz bei wahrer Liebe selber sich sein Urteil spricht!"

Mit so beherzigenswerten und allgemein ver­ständlichen Worten beschließt das Moritatensänger­paar das letzte Bild. Weil nämlich bekanntermaßen zu einem rechten Volksstück Musik und Tanz gehört, hat Lippl sich nicht damit begnügt, reichlich blasen und fiedeln zu lassen, hat er nicht nur Jodler und Ländler, Schnaderhüpfl, Watschentanz undBraut­vaterstück" zur Begleitung und Untermalung der Begebenheiten lebendig gemacht, sondern auch den aussterbenden oder zumeist schon ausgestorbenen Brauch des Bänkelsangs und Damit dem Spiel eine so volkstümliche wie erheiternde Einkleidung ge­geben.

Wer es gelesen hat, wird unschwer erkannt haben, eine wie dankbare, wenn auch vielfach schwierige Aufgabe sich mit der bayerischen Mori­tat für den Spielleiter bietet. Herr Hub, der selber mit Behagen den dicken Wirt machte, leitete die Aufführung und bereitete dem Stück den glei­chen stürmischen Erfolg, den es schon in Berlin und München gefunden hat; er ließ sich weder von den mundartlichen noch von bühnenmäßigen Bedenk­lichkeiten abschrecken und brachte mit gesundem Sinn für den süddeutschen Humor die natürliche Theatralik und den kräftigen Realismus des StückesDie Pfingstorgel" zu lebendiger Wirkung. Besonders die großen bewegten Volksszesien, Hoch­zeit, Gemeinderat, Jahrmarkt und Orgelweihe, kamen prächtig heraus; aber es sollte darüber die zartere Stimmung der sehr fein gespielten Liebes­szene im Wirtsgarten nicht vergessen werden.

Ausgezeichnete Unterstützung fand der Spie^ (eiter tm Bühnenbildner: Herr Löffler hatte sich

mit großer Liebe und eindringendem Verständnis der szenischen Ausstattung angenommen und außer dem feststehenden Rahmen und der sehenswerten Moritatentafel Wirtsstube, Getreideboden, Jahr­markt und zuletzt das ganze Dörfchen luftig und farbenfreudig aufgebaut. Auch der übrigen Mit­arbeiter im Regiestab musikalische Leitung: Albert Krämer; Beleuchtung: L. Keim; Trach­ten: L. Huber ist mit besonderer Anerken­nung zu gedenken.

*

Viel Volk lief auf der Bühne umananb, wie das bei einer richtigen ausführlichen Moritat fein muh. Elisabeth Wielander und Walter Michel waren das Liebespaar Gertrud und Ambros, oder Romeo und Julia auf dem bayerischen Dorfe: herz­haft und heiter, mit Humor und auch mit echtem Gefühl gespielt, vor allem die schüchterne erste Be­gegnung und Liebeserklärung im Garten.

93 o l cf war der Musikantenvater, bieder und ehrenfest; mit dem Streich paß auf dem Fahrrad fand er ein Sonderapplciuschen. Neuhaus als Bürgermeister hatte es, der Mundart wegen, schwe­rer als bei Hinrichs im Niedersächsischen, holte aber dennoch kräftige Wirkungen aus den Hauptszenen. Ein sehr lustiges Paar gaben die Bänkelsänger ab, Fräulein Renz und Herr Kühne. Gert Sei­ger als Emmeran und Frau Schubert-Jüng­ling als die Großmutter Apollonia zeichneten zwei kernige und bodenständige Bauerngestalten. Alsbilliger Jakob" unterhielt, wenn wir recht ge­sehen haben, der Herr Intendant persönlich die ganze Gemeinde aufs Beste, und auch das wan­dernde Musikantenquartett mit schmetterndem Tusch und nächtlicher Freudenmusik sei unvergessen.

*

Vom großen Erfolg war schon die Rede. Das Publikum kam gleich in Stimmung und zeigte sich auch, der freundlichen Aufforderung des Vorsän­gers gemäß, mit seinem Beifall gar nicht geizig.

nth.

Das kleine Schmetterlingsbuch.

Der Insel-Verlag zu Leipzig, der uns bereits durch die farbigen Bilder aus der Manessischen Minnesinger-Handschrift überrascht und entzückt hat, bringt als neuestes Bändchen seiner Insel- BüchereiDas kleine Schmetterlings­buch" (224.) in einem höchst reizvollen mehrfarbi- gen Umschlag mit Schmetterlingsmustern (nach Entwurf von Fritz Kredel). Auf 24 vielfarbigen Tafelseiten werden 50 Tagfalter gezeigt, wie sie Jakob Hübner, der Augsburger Meister (1761 bis 1826) geschaffen hat. Man ist geradezu be­troffen und übermältigt von der Schönheit dieser

kleinen Wunderwerke und wenn man selbst ein­mal in jungen Jahren Schmetterlinge nicht nur gefangen, sondern gezüchtet hat, d. h. jenem Augen­blick beigewohnt, da der Falter aus der Puppe aus­schlüpft und zum ersten Mal die ganz jungfräu­liche Schönheit der farbigen Flügel entfaltet: dann muß man bewundernd feststellen, daß in diesen Bildern nahezu die ganze Pracht dieses Farben­reichtums festgehalten ist. Wie steht da das Blau neben dem Rostrot beimGroßen Fuchs", wie strahlt das rote Band desAdmirals", wie leuchtet das Gelb desPosthörnchens"! Welche unbeschreib- liche Fülle feinster Farbenmischungen auf den Unterseiten des Flügels, die in fast allen Fällen gezeigt werden! Man glaubt, den feinen Staub dieses Farbenschmelzes zu spüren, die zartesten Duftschuppen, diese märchenhafte Malerei der Natur!

Und es bleibt nicht bei dem anschauenden Ge­nießen: Friedrich Schnack, der Dichter und Schmetterlingskenner, hat ein umfangreiches Nach­wort beigesteuert, das aufs neue feine große Liebe zu den bunten Faltern bekundet, das aber auch in einer zugleich dichterischen wie fachmännisch klaren Beschreibung vom Wesen und Werden der Schmet­terlinge spricht, von der Wandlung zur Raupe, zur Puppe, zum Falter.

Ganz besonders ist es zu begrüßen, daß auch dieses kleine Meisterwerk anmutiger Gelehrsamkeit und drucktechnischer Vollendung in der wohlfeilen Insel-Bücherei erscheint.

Zeitschriften.

Im Maiheft der bekannten Monatsschrift Volk u n d R a s s e" (I. F. Lehmanns Verlag. München 2 SW) würdigt u. a. der Schriftleiter das Werk Professor Rüdins anläßlich seines .60. Ge- durtstages. Prof. Rüdin steht schon seit dem Jahre 1905 im Dienste der Rassenhygiene, der er seine Lebensaufgabe gewidmet hat. Er schuf die wissen­schaftlichen Grundlagen, die es ermöglichten, die rassenhygienischen Forderungen im nationalsoziali­stischen Staate praktisch durchzuführen. Dr. B. Schulz führt aus, wie das Sterilisierungsgesetz nur die schlimmsten Schäden bekämpfen kann und daß für die restlose Gesundung eines Volkes und die Erhaltung seiner hohen Leistungsfähigkeit vor allem sein Reichtum an wertvollen Familien durch ziel­bewußte rassenhygienische Eheberatung gesteigert werden muß. In seinem AufsatzeBauernsiedlung und Erbgesundheit" zeigt Dr. Schottky, warum die Erhaltung und Vermehrung der Bauerngeschlechter eine Lebensnotwendigkeit für die schöpferische Rasse bedeutet. Hans Joachim Moser schreibt über die Rassenzugehörigkeit und Eigenart unserer gro­ßen Komponisten.