Samstag, 19. Mai 1934
184. Jahrgang
Nr. 115 Erstes Matt
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
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rrankfur/am^main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläts Buch- und Ztelndruckerel R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel 8
En deutsches Pfingstfest.
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Pfingstzeit - fröhliche Zeit
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Frohsinn herrscht in allen Dingen. Fröhlich laßt uns sein, Laßt uns tanzen, lachen, singen, Auslandspost und fein!
Wer Ist da nicht froh, Wenn die Döglein also schöne Spenden ihre besten Töne? Tun wir auch also!
Könnt ihr schauen, was den Maien Wunders all belebt?
Seht die Pfaffen, seht die Laien, Wie das alles lebt!
Groß ist sein Gewalt,
Alles wird durch ihn vollbracht- Wo er schwebt in seiner Pracht, Da ist niemand alt,
Io bis an den unmittelbaren Rand >er letzten Zerstörung geschlenkert nvorden wie das deutsche uni) hat Doch, allen nur aus der Materie kommenden Prophezeiungen zum Trotz, den Erdkreis erschüttert durch
sind. An dieser___
ioes Festes, das sich weniger an „ ,
ibes Gemütes als an die Entscheidung der Seele
äußerlichung unseres Seins, auf daß wir erkennen, welche Werte „unveräußerlich" sind. Wir müssen uns besinnen auf die Rangordnung der Werte, die feit dem Weltkrieg neu gesetzt ist. Wir müssen erkennen lernen, was von uns und was von allen anderen bleibt, wenn das alles wegfällt, was Menschen verleihen und geben können, und nichts anderes mehr vorhanden ist, als das reine Menschentum. Die deutsche Revolution aber ist nichts anderes als eine Frage des eingesetzten Menschentums, also der Verinnerlichung. Denn schließlich sind alle unsere Taten nichts anderes als die sichtbaren Offenbarungen einer unsichtbaren Innerlichkeit.
Sich Rechenschaft geben heißt: kalt und leidenschaftslos die begangenen Fehler erkennen, die Prüfungen und Kämpfe der Zukunft wollen, die Unsicherheiten des Gefühls überwinden, die Lücken des Könnens ausmerzen, dem Worte Friedrichs des Großen leben, der ein eiskalter Skeptiker und ein glühend Glaubender war: „Bereit fein i ft alles!"
Heil dir Mai, der du beglücktest Alles weit und breit!
Oer du schön die Ääume schmücktest Unter Hetdekleid.
War sie bunter je?
,D\x bist klein, ich größer — schaue" Also streiten aus der Aue Llumen mit dem Klee!
Walter von der Dogelwelde.
rroenbet, die Geister. Denn Pfingsten ist mehr, viel mehr als bas „liebliche Fest", das gewissermaßen tbas Osterwunder der Auferstehung noch einmal wiederholt. Pfingsten ist das männlichste, das kämpfe- -rischste, das im tiefsten Sinne kriegerisch st e :Fest unseres deutschen Seins.
Gehen wir aus von Bekenntnis und Zuversicht, won Verinnerlichung und Rechenschaft. Stellen wir -uns, unserem Geiste und unserem Verstand Fragen, ibie unsere Seele zu beantworten hat. Was bekennen mir, wenn wir bem stumpfen Alltag eines Nurvege- :tierens entsagen unb uns ben Gesetzen des Kampfes in ihrer ganzen Unerbittlichkeit unter- nverfen? Welche Zuversicht brennt in uns mit unauslöschlicher Glut, daß wir die Jahre der un- Uiufhörlichen Verwandlung und des immer neuen
heit zu führen."
Diese Zuversicht aber setzt die Verinnerlichung ebenso voraus, wie sie die Rechenschaft notwendig macht. Wenn wir nicht erkennen, welche Güter entbehrlich und welche Kräfte notwendig sind, werden wir bas beutfche „Ja" nicht sprechen, auf bas bie Welt wartet. Wir müssen heraus aus jeglicher 93er-
«mfhörlichen Verwandlung und des immer neuen Einschmelzens seit dem August 1914 ausgehalten haben und bereit sind, uns den kommenden Kämp- ssen zu stellen? Aus welche Urkräfte unseres untilgbaren Bestandes muß jede Verinnerlichung zurück- fführen? Welche Rechenschaft haben wir mit scho- mungslofer Ehrlichkeit abzulegen, die wir doch zu- kweilen meinen, nicht wir feien dem Schicksal, sondern das Schicksal sei uns Rechenschaft schuldig? 'Beantworten wir diese Fragen ohne Scheu vor der Umwelt, so kommen wir dem Sinn des Pfingst-
Komm, Heiliger Geist!
von Eberhard König, GOS.
Das Psingstwunder. — Ist es ein Wunder? Ganz gewiß: das Wunder über alle Wunder —, wofern mir unter Wunder den unmittelbaren Eintritt des schlechthin Andern, der höheren, wahren Wirklichkeit in unsere — vermeintliche „Wirklichkeit" verstehen, die wir gemeiniglich so heißen, heißen müssen in unserm Tagesleben, den Eintritt der Wirklichkeit Gottes in unsere Welt des Wahns, des Scheins, die die Welt unseres Wollens, Glücks unb Entbehrens, unserer Not und aller unserer kleinen Erfüllungen ist. Das ist für unser Begreifen etwas Ungeheuerliches; wie ungeheuerlich, bas läßt uns das wilde Sich-Aufbäumen und Sich- Ueberschlagen der unzureichenden Menschenrede im Munde Faustens empfinden, da er das Ewige ins Diesseits reißen will, „die einzige Gestalt", die er von den Müttern heraufgeholt, ins Leben ziehen will.
Kein Mensch vermag's; nach Gott es. Willen ward es einmal Geschichte: bas Pfingst- geschehnis schließt die immerbar unbegreifliche Reihe jener einzigen, schöpfungswichtigen Geschehnisse bedeutend ab, die mit dem Tage anhuben, da bas Wort Fleisch geworden, unter uns zu wohnen; geschichtlicher Einmaligkeiten von überzeugendstem Wirklichkeitsernst, wieviel oder wie wenig von ihrem Bericht unser Fürwahrhalten (das ja immer und immer noch die Kleingläubigkeit mit Glauben verwechselt!) hinnehmen oder als natürliche Legendenbildung zum kostbaren Bestand unersetzlicher Symbole verweisen mag. Mir persönlich bedeutet, auch unabhängig von allen textkritischen Einwänden, der Himmelfahrtsbericht im Vergleich zum Pfingstevangelium recht wenig, ja er unterbricht mir mit seinem unverkennbaren Legendengepräge die große Linie von der Auferstehung zu jenem wunderbaren Finale. Danach schließt sich der Himmel: Einmal ist es geschehen, nun ist die Gnade an die Erde überantwortet, nun seht zu, ihr Menschen, was ihr damit anfangt, nachdem zuguterletzt her Ewige noch das Letzte getan, Werkzeuge sich zugerichtet aus armen Halbnaturen durch feinen Schöpfergeist schöpferisch-starke Tatentschlossene, Helden geschaffen hat!
Freilich, wir wissen, was in der Folge bie Menschen damit anfingen, wie weit sie gekommen sind — und doch, wenn es auch wahr ist, was Johannes Müller so hart ausspricht: Jesus „wird sich nie zum Christentum bekehren, sondern das Christentum muß sich zu ihm bekehren"; über alles Jrrsal durch die Jahrhunderte hin, das bie Erdengebunden- hell, die klügelnde Kleinmeisterei des armen Menschenverstandes nach dem Gesetz unseres Wesens aus dem ewigen Gut zuwege gebracht hat, leuchtet unwandelbar das Wort, das mit der Auferstehung in fein Recht und seine Wirkung getreten ist: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende! unb — „der Herr der Welt hat Zeit": was sind vor ihm bie paar Jahrtausende?
Nur wenn wir uns entschließen können, aller Vernunft zum Trotz, bas Pfingstgeschehen als Wunder, d. i. reines Geschehen aus Gott, zu fassen, abzusehen von allem weit- _____________ üblichen Verstehenwollen, auch aller Erfahrung auf dem Gebiete seelischer Vorgänge, wenn wir uns überzeugen, daß wir hier zum letzten Male, seit wir dem Erdengang des Heilands gefolgt find, „ewigen Lebens ahndevoll", daß wir uns hier noch einmal inmitten einer höheren Wirklichkeit, der Wirklichkeit Gottes be- stnden; wenn wir unfern inneren Sinn, unser Lauschen und WahiV nehmen schärfen für den besonderen Klang, die Vorbildlosigkeit dessen, was hier die Bibel erzählt — nur dann fühlen wir uns heilsam ange- weht von der Ahnung feiner erschütternden Bedeutsamkeit: Noch einmal tut sich der trennende Vorhang zwischen dieser und jener Welt auf, Lichtfülle bricht lebenzündend herein, veni creator Spiritus, der schöpferische Geist kommt, noch einmal erleben auf eines blitzdurchhellten Augenblicks Dauer Menschen die unmittelbare Gegenwart Gottes, den letzten Gruß des Lebendigen an seine Menschen, die fortan berufen und befähigt sein sollen, Bürger des Reiches Gottes zu fein, nach ihren Kräften und in der Kraft dessen, der bei ihnen bleibt alle Tage, seines Se- zu walten und zu genießen.
Alle Erklärung aus ihrer selbstverständlichen Ergriffenheit, aus der I Aufgewühltheit der Zeugen des । Dramas ohnegleichen, bie nun durch die Wärme der Gemeinschaft sich zu gemeinsamer Glutentladung steigert, häuft und entbindet — alles das reicht nicht hin, zu ermeßen, was hier geschehen; dieser Seelenzustand der einmütig Versammelten kann । nur die Bereitschaft und Würdig-
Anlässe zu Skatpartien und Wochenendbelustigun- gen, dem sind sie Tage des Bekenntnisses und der Zuversicht, der Verinnerlichung und der Rechenschaft. Dies gilt für das herzenswarme und gemüt- hafte Weihnachtsfest, dies gilt für bas hoffnungs- ffrohe unb knospensprengende Ostern, für die geheimnisvollen Nächte unserer Sonnenwende, für die ter« zenhellen Abende des Advent, für bie tränenschweren Heimkehrtage unserer Toten im März und November, dies gilt schließlich auch für bie großen weltlichen Festtage ber Arbeitsehre am 1. Mai unb bes »Erntedankes am 1. Oktober. Und es gilt, dies wollen wir ausdrücklich feststellen, immer nur für die, bie eines Bekenntnisses unb einer Zuversicht,
Verinnerlichung und einer Rechenschaft fähig An dieser Befähigung scheiben sich angesichts "h weniger an die Ergriffenheit
hhKam .das wahrhafte Psingstwunder einer beispiellosen J jnß Dnnamouiwen Machtentfaltung und einer noch beispielloseren ™ * I Machtrechtfertigung aus der Innerlichkeit heraus.
Von Friedrich Wilhelm Heinz. Der russische Dichter Dostojewski hat dieser beut-
Wem unsere Feste mehr sind, als willkommene ^"Zuversicht den Satz geschrieben: „Der charak- — • — - ...... Iteristlschste und wesentlichste Zug dieses großen, stol
zen und besonderen Volkes bestand schon seit dem ersten Augenblick seines Auftretens in der geschichtlichen Welt darin, daß es sich niemals mit der westlichen Welt hat vereinigen wollen. Es protestierte gegen diele Welt, diese ganzen zweitausend Jahre hindurch. Und wenn es auch sein eigenes Wort nicht aussprach, so glaube ich, war es doch im Herzen immer überzeugt, daß es noch einmal imstande sein werde, dieses neue Wort zu sagen unb bie Mensch
festes näher.
Wir haben, als wir hineinmarschierten in die un- aushörliche Kette von Schlachten, bie vor fast 20 !Jahren begannen und in weiteren 20 Jahren noch -nicht zuende sein werden, uns bekannt zu einem 'Glauben, also einer höheren, einer göttlichen Wirklichkeit, vor deren Wesen unb Wirken runfere menschlichen Kämpfe unb Gestalten nur Ab- Ibilber unb Jnbilder sinb.
Deutschland, an bas wir glauben unb zu dem mir uns bekennen mit ganzem Herzen und gan- jzem Gemüt, ist mehr als das Sichtbare und Nach- UDeisbare, mehr als die Summe ber Staatsein. Dichtungen und die Anzahl seiner Bewohner, mehr «als das Biologische unb Materielle und Stoffliche: Deutschland, bas ist ein Auftrag unmittelbar kius dem Herzen Gottes, der bezeugt und gelebt unb »gestorben wurde von ben Cheruskern Armins unb $en Goten Theoderichs, von ben ffächsischen Edelfreien Widukinds und . .den großen Kaisern aus dem Hause Iber Staufen, von den Mystikern mnferer mittelalterlichen (Ergriffen- lheit und den Denkern, von Eckehard niber Luther bis Nietzsche, von Wal- tther von der Vogelweide bis Stefan »George, ein Auftrag, der wieder- . Itlingt im Rhythmus des Hohen- ffriedbergers und in ben Berichten won Friebrichs Kolonisationstaten, »eine Verkündigung, die aus den !Fugen Bachs und den Sonaten Weethovens ebenso tönt wie aus den ttotheiteren Geigen Mozarts oder der nveltweiten Seele des Deutschen »Goethe. Ein Auftrag, der schließlich ibezeugt wurde von der Zweimilliomenarmee der Wellkriegstoten und ssür den unser eigenes Blut geflossen nft Jawohl nur, wenn mir unser -Bekenntnis zum ewigen Reich in diesem Zusammenhang Der zwei Jahrtausende bewußter Deutscher Geschichte sehen sind wir ffähig, die Zuversicht für die beiden mächsten Jahrtausende zu erlangen.
Denn wiederum: deutsche Zuver- fficht heißt nicht, an das vergängliche Werk unserer irrenden Hande, fon- foern an das unvergängliche Werk der deutschen Seele zu glauben. Keinem Volk der Erde Äst Aehnliches überliefert, aus keines «Volkes Seele sind Gottes Strome «reicher geflossen, kein Volk auf der «anzen Welt ist auch immer wieder


