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wir- das Gegenteil der Fall fein. Cs wird sich ein See von recht beachtlicher Größe bilden, der sicher­lich für manchen Wanderer und Vogelsbergfreund ein gern besuchtes Ausflugsziel darftellen wird.

Unsere Bilder geben einen Eindruck von der Landschaft und der Arbeit, von Natur und Technik in diesem reizvollen Tal unseres Vogelsberges, so, wie sie sich hier in interessanter Gegensätzlichkeit harmonisch vereinigen.

Aus Der Provinzialhauptstavt.

Lieber das Stoppelfeld.

Wie ist das doch schnell gegangen: unter unseren Augen wuchs das Korn heran, mit liebevoll sor­genden Blicken strichen wir über das junge Feld hin und segneten Sonne und Regen, jedes zu seiner Zeit.

Und dann stand das Getreide wie eine Wand vor uns und engte den Blick ein, und demütig tauchten wir unter zwischen den nickenden Aehren. Auf schmalem Rain schritten wir durch das Korn, rechts und links fast überragt von den hohen, schlanken Halmen, die der Wind hinüber und her­über trieb, und von der heimlichen Geborgenheit ließen wir uns gern einfangen.

Und jetzt ist der Blick wieder frei geworden. Nur hier und da stehen noch die Garben, lehnen sich aneinander wie traurige Leute und lassen die Köpfe hängen.

Unser Schritt aber wird leicht, und stolz recken wir uns auf. Quer über die Felder geht es jetzt, weit, weit. Zwei Hafen hoppeln vor uns davon, hinein in die Kartoffeln, und ein Rebhuhn fliegt erschrocken auf, mit vorgerecktem Halse über den Boden hinflatternd. Schön ist das, nicht nach dem Wege zu fragen, nicht den Schritt begrenzt zu sehen durch vorgezeichnete Pfade. Frei und gelöst schreiten wir aus, wie aufgelockert von der leichte­ren Luft und der milderen Sonne.

Und wie wir uns umsehen, da erleben alle Ge­schöpfe das gleiche: die große Unruhe setzt sich den Vögeln ins Herz und treibt sie in die Ferne, in der Luft- schimmern die silbernen Fäden der Wan­derspinnen, und die Bäume schütten ihre geflügel­ten Samen in den Wind. Weiche, wollige Flöckchen lösen sich aus den Laubkronen und schweben still in die Weite, aus den Wiesen steigen hauchzarte Gebilde auf, kunstvoll geschaffen und sinnreich aus­gerüstet für ihren Flug, schmiegen sich vertrauend in die Arme des Windes und lassen sich von ihm in unbekanntes Land tragen. Fedes ist die Erfül­lung eines Blumensommers und ist eine kleine zu­künftige Blume zugleich. Darum verwehen sie auch nicht in die Lüfte, sondern landen getreulich wieder auf dem Boden, denn was von der Erde kommt, muß auch wieder zur Erde zurück.

Wir aber wandern in diesen Wochen, von Un­ruhe gepackt wie die Zugvögel, und fühlen unser Herz nicht schwerer in der Brust als ein geflügel­tes Samenflöckchen, als ein seidiges Gespinst, das der Wind tragen kann.

Wir wandern, bis auch wir gefaßt werden von der Herbstmüdigkeit, bis auch wir zurückfinden zur Mutter Erde. Wenn der Bauer die Saat in den umgebrochenen Acker versenkt, dann kehren wir heim, mit müden Füßen, aber mit klarer Stirn und blanken Augen. F. K.

Oer Nationalsozialistische Bund Deutscher Technik.

(früher SM3.) fordert die Männer der Deutschen Technik auf, am 19. August

dem Führer ihr 3a zu geben.

Ingenieure, Architekten, Chemiker und Techniker, die sich um Politik nicht kümmern und nur ihrem Beruf leben, gibt es im Dritten Reich nicht mehr.

Männer der Deutschen Technik! Tut euerm Volk und euerm Führer gegenüber eure Pflicht, damit sich ein späteres Geschlecht seiner Vä­ter nicht zu schämen braucht!

Heil Hitler!

Die Bezirksleitung Gießen des NSBDT. (KDAJ.) Gez.: Kurz.

Lleverkragungen der Nede des Führers in Gießen.

Auf dem Landgraf-Philipp-Plah.

Die gestrigen Abendstunden standen auch in unserer Stadt ganz im Zeichen der Rede des Füh­rers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Aus An­laß der Volksabstimmung und der großen Rede des Führers am gestrigen Abend prangten viele Häuser im Schmuck der Hakenkreuzfahnen. Auf dem Landgraf-Philipp-Platz waren einige große Laut­sprecher montiert worden, damit jedem der Volks­genossen, der noch nicht im Besitze eines Rundfunk­apparates ist oder fein kann, die Möglichkeit ge­geben war, ebenfalls den Führer zu hören.

Die SA. war geschlossen auf dem Platze auf­marschiert. Eine große Menschenmenge hatte sich außerdem eingefunden. Die Uebertragung der Rede,

die pünktlich begann, war auf allen Teilen des Platzes ausgezeichnet zu hören, fo daß keinem der Volksgenossen auch nur ein Wort des Führers zu entgehen brauchte. Die Ausführungen wurden von allen Zuhörern mit größter Aufmerksamkeit und innerer Anteilnahme verfolgt. Die Rede hinterließ einen tiefen Eindruck. Nachdem die Worte des Führers verklungen waren und das Deutfchland- und das Horst-Wessel-Lied ertönten, sang die Men­schenmenge mit gleichzeitig zum Gruß erhobener Hand die ersten Verse der beiden Lieder mit. Die Stürme der SA. rückten nach Schluß der Ueber­tragung geschlossen ab.

Uebertragung im (£af£ Leib.

Im geschmückten Saale des Cafe Leib hatten sich, ebenfalls um die Uebertragung der Rede des Führers zu hören, die Parteiorganisation, ferner die Hitler-Jugend und der Bund deutscher Mädchen geschlossen eingefunden. Der Saal war sehr gut besetzt. Mit großer Auf­merksamkeit wurde auch hier die Rede des Führers verfolgt und begeistert ausgenommen. Gemeinsam fangen die Teilnehmer nach der Uebertragung im

Rundfunk, trfe Hand zum deutschen Gruß erhoben, die ersten Verse des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes. Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf den Führer schloß Gauredner Dr. Röder (Gießen) die eindrucksvolle Uebertragungs-Kund- gebung.

In vielen Gastwirtschaften unserer Stadt wurde die Rede ebenfalls übertragen. Auch im Licht­spielhaus Bahnhofstraße hatten sich viele Zuhörer eingefunden, die, bevor das eigentliche Programm des Lichtspielhauses zur Vorführung gelangte, die Führerrede hörten.

Bekanntgabe

der Abstimmungs-Ergebnisse.

Arn morgigen Sonntagabend werden wir die Ergebnisse der Volksabstimmung durch Aushang an den Fenstern unseres Geschäfts­

hauses bekanntgeben. Wir hoffen, etwa von 19 Uhr ab fortlaufend Meldungen herausbringen zu können.

An die Arbeitgeber der GE>.-Kameraden.

Der Führer hat die Schutzstaffel in Anerkennung ihrer gefestigten Haltung in den schicksalsschweren Stunden des 30. Juni zur selbständigen Organisa­tion im Rahmen der Nationalsozialistischen Deut­schen Arbeiterpartei erhoben.

Die SS. will dem Führer und Kanzler des deut­schen Volkes für dieses Vertrauen durch einen ge­waltigen Aufmarsch anläßlich des Reichsparteitages in Nürnberg ihren tiefempfundenen Dank zum Aus­druck bringen.

An die Arbeitgeber der SS.-Kameraden ergeht hiermit die Bitte, allen in ihren Betrieben bzw. Dienststellen beschäftigten SS.-Männern, welche zur Teilnahme am Parteitag befohlen sind, in der Zeit vom 25. August bis einschl. 11. September ohne Benachteiligung Urlaub zu gewähren.

Mit diesem Opfer können auch Sie der SS. danken, die in schwerer Stunde das deutsche Vater-

Mus des Hessischen Staatsministers Zung zum 19. August.

Oer 19. August 1934 wird ein Merkstein in der Geschichte des Deutschen Volkes sein!

An diesem Tage wird das gesamte Deutsche Volk sich den Führer wählen, der allein imstande ist, das große Vermächtnis, das der Feldmarschall hinterlassen hat, zu übernehmen und zu erfüllen. Er wird dieses Erbe, an dem Jahrhunderte ge­sammelt haben, mehren, die äußere Einheit des Volkes vollenden und seine innere Geschlossenheit vor aller Welt dokumentieren! Denn auch die Welt soll am!9.August erfahren, daß all ihr Hoffen auf die Zerrissenheit und Spaltung des Deutschen Volkes eitel ist.

Nur ein innerlich und äußerlich geschlossenes Volk unter einer starken Führung wird den Ausstieg des Deutschen Reiches sicherstellen.

Deshalb dürfen an diesem Schicksalstage auch keine Stimmungen und Lieber, legungen des Alltags entscheiden. Vielmehr muß die Erwägung den Ausschlag geben, daß jeder Volksgenosse mit seinem3a" der Mitgestalter einer besseren deutschen Zukunst ist.

Oer 19. August wird daher ein mächtiges Bekenntnis zu dem Manne sein, der von der Vorsehung bemfen, in unermüdlicher Arbeit sich für das Deutsche Volk ver­zehrt, der uns allen ein Vorbild von Pflichterfüllung, Einfachheit und Opfermut ist!

gez. ph. W.Iung, Hessischer Staatsminister.

fanb vor sinnlosem Blutvergießen bewahrte. We können beweisen, daß Sie ben Sinn her Worte bes Stellvertreters des Führers verstanden haben, der in feiner Königsberger Rebe erklärte:Der beson­dere Dank in diesen Tagen gebührt der SS., die e ihrem Wahbspruch:Unsere Ehre heißt

' handelte in vorbildlicher Erfüllung ihre Pflicht."

Für jeden Deutschen ist also die Beurlaubung der Angehörigen der SS. in der angegebenen Zeit eine Ehrenpflicht.

Der Führer der 83. SS.-Standarte:

m. d. F. b.: gez.: Jak ob er, SS.-Sturmbannführer,

Wahlzeit von 8 bis 18 Lthr.

Ls sei nochmals darauf hingewlefen, daß in der Stadt Gießen zur Volksabstimmung am 19. Au­gust nur in der Zeit von 8 bis 18 Uhr (6 Uhr nachmittags) abgestimmt werden kann. Um 18 Uhr können nur noch die Wähler zur Abstim­mung zugelassen werden, die sich bereits im Dahl­raum befinden. Dringend notwendig ist frühzeitige Stimmabgabe, wenn man dem erfahrungsgemäß größeren Andrang in den letzten Nachmittagsstunden entgehen will.

Das Za der alten Soldaten.

Kameraden!

Generalfeldmarfchall und Reichspräsident von Hindenburg, unser Führer im Kriege, ist zur großen Armee eingegangen, und wir gedenken feiner in dankbarer Treue.

ES ist für uns alte Soldaten Gewißheit, daß der einzige und würdigste Nachfolger des großen Marschall-Präsidenten nur der Wiederer- wecker deutschen Willens, der Führer und Kanz­ler, unser Frontkamerad

Adolf Hiller

fein kann. Für uns ist also die Wahl im Herzen be­reits vollzogen. Darüber hinaus gilt es aber auch der Welt zu beweisen, daß Deutschland einig und geschlossen hinter seinem Führer steht.

Zeigt es am Tage der Wahl! Stärkt die Schul­tern des tapferen und selbstlosen Kämpfers für ein Deutschland des Friedens und der Freiheit durch ein freudiges

Ja!

Heil Hitler!

Arbeitsgemeinschaft

bet Militär- und Regiments-Vereine Gießen.

Gez.: Müller

Treudeutsch die Saar, immerdar!

Wir Saardeutschen stehen treu und geschlossen zu unserem Führer Adolf Hitler und stimmen am Sonntag, 19. August, mit Ja!"

Bund der Saarvereine, Ortsgruppe Gießen.

An die Deutsche Arbeitsfront!

Der Bezirkswalter der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Willi Becker MdR., erläßt folgenden Aufruf zur Volksabstimmung:

Ein revolutionärer Akt des Führer schuf die Deutsche Arbeitsfront. Die Deutsche Arbeitsfront ist die Zusammenarbeit aller arbeitenden Menschen mi Geiste der Ehre und Anständigkeit nach den großen Grundsätzen unserer Bewegung. Ehre und Anständigkeit verlangen als Selbstverständlichkeit ein judelndes I a dem Schirmherrn der Deutschen Arbeitsfront, unserem Kanzler und Führer Adolf Hitler!

gez. Willi Becker, MdR., Bezirkswalter der Deutschen Arbeitsfront.

Flammendes Bekenntnis zu Adolf Hitler.

Der Reichsbund Deutscher Diplomlandwirte, dessen Führer der Reichsführer SS., Diplomlandwirt Himmler ist, erläßt zur Volksabstimmung den nachstehenden Aufruf:

Ein hübsches Fräulein zu Gast.

Lon Hans Friedrich Blunck.

So von Mitte August an kann ich nur noch Gäste brauchen, die auch Gänse hüten können. Ich muß also alle Vorschläge der Verwandtschaft, die sichauf einige Tage im Herbst" anmelden, dreimal wenden, ehe ich ja sagen kann. Der eine taugt wohl zur Be­schaulichkeit der Stoppelfelder, der andere aber ist schon beleidigt, wenn überhaupt ein Wort vom Hüten fällt: er meint, das Landleben fei dazu da, um in die Luft zu gucken und die rechte Kraft für den Winter zu sammeln.

Ich sage, ich suche mir die Gäste aus. Was soll man aber dagegen tun, wenn ein lieber Freund einem einfach fein Töchterchen zuschickt, mit einigen hastigen Zeilen, er müsse zum Verleger und einen ©ertrag unterzeichnen, aber in drei Tagen komm^ er selbst nach oder so ähnlich. Die Hausfrau seufzt, der Hausherr sieht sich das junge Mädchen an, das da von einem bärtigen Fahrer ausgeladen wird und das ungefähr auf ein Schloß au kommen wähnte. 3roei Koffer und einen Tennisschläger in braunem Leinen hat sie bei sich. Ich möchte sie siraks zur Umkehr überreden, zögere aber doch, weil ich einem so geschmeidigen, blitzhübschen Kind nicht unfreund- lich kommen mag. Außerdem höre ich, wie es mei­ner Frau fröhlich erklärt, man wisse sich in alles gu finden und brenne drauf, zu tun, was man auch von den anderen Gästen erwarte.

Das Fräulein ist noch vorm Frühstück gekommen, ein Zeichen, daß es mit grauendem Morgen aufzu- stehen weiß. Zudem merke ich bald, daß es einen gefunden Hunger hat und auf hunderterlei Dinge neugierig ist.Nun erzählen Sie, wie machen die Gäste sich bei Ihnen nützlich?"

Beim Gänsehüten," sagt meine Frau und ich sehe die weiten Stoppelfelder und stabe Störungen, da will mir etwas nicht in den Sinn.

Schick," sagt die Jungfer; sie hatte vielleicht an Tennis gedacht, aber sie verschluckt es heldhast. Es hätte auch keinen Zweck. Der Platz, der einstmals ür das Ballspiel geebnet wurde, ist längst über- jrünt und als Putenhürde umdrahtet. Man muß ich nach den Zeiten richten.

Ich habe immerhin Bedenken. Lieber Himmel, will diese Prinzessin wirklich mit seidenen Strümp­fen auf die Stoppeln gehen und mit ihrem Hellen Kleid der Freundschaft der Ganter standhalten? Sie hat indes alles bedacht. Nur einige Minuten dauert es und unser Gast hat sich umgekleidet und steht da wie selbstgestrickt.Also los!"

Aber so tapfer sie ist, vom guten Vorsatz bis zum Gänsehüten ist doch ein weiter Weg. Vorsichtig

bestimme ich ein Koppel zum Siefen, die recht nahe beim Haus liegt; ja, ich selbst werde Fräulein Lisa begleiten, die Gänse aufs Feld bringen und ihr die sehr einfachen Aufgaben erklären.

Wenn ein kluger Schäferhund eine Herde treibt und einige Tiere ausbrechen, fo umkreist er sie, hält sie zusammen und drängt sie langsam auf den Weg, den er will. Ein junges Mädchen dagegen läuft wie beim Ballspiel hinterdrein, läuft gewisser­maßen mit den ausbrechenden Gänsen um die Wette. Das ist ein ärgerlicher Unterschied; es ist zudem sehr töricht, denn die Gänse haben schon große Flügel und halten Schritt. Aber da mag ich erklären, soviel ich will, meine junge Hirtin, die schon bis zum Hecktor rote Backen hat, verfolgt jeden ausbrechenden Vogel wie der Jäger das Wild. Es tut mir leid um das Gewicht der Tiere, es tut mir leid, daß ich immer das gleiche sagen muß, es klingt geradezu hochmütig und unfreundlich. Aber sobald einer der Schnatterer eine Kleeblüte abseits sieht, geht er mit freudigem Lärm darauf los, statt auf die schönen Haferstoppeln zu warten und meine junge Freundin stürzt hinterher bis sich die Gans im Zaun verjagt hat.

Nun, das wird auf der Koppel besser werden; ich tröste behutsam, aber ich spüre die aufkommende Mutlosigkeit und möchte die Landwirtschaft doch nicht mißliebig machen. Ich zeige einmal, zweimal, dreimal, wie man zwanzig Gänse, die doch von Natur zusammenstreben, auch beim Siefen beinan- bctjjält. Ich schneide dem hübschen und hilfswilligen Fräulein Gast eine lange Haselrute und halte sogar nach einem Schattenplatz Ausschau, wo es den Vor­mittag über ein Buch lesen kann, das ich einge­steckt habe.

Aber mit dem Buchlesen wird es nichts werden; Lisa hat Tränen in den Augen, so ungezogen sind die großen, dicken Tiere, die kaum auf den Stoppeln, mit Wolfshunger nach allen Richtungen wewen. Und mein Gast läuft in feinem Eifer immer nod) quer durch die Herde hindurch und verstreut sie nach allen Seiten, nur um einen Ausbrecher wie- oerzubekommen. Sogar die Laubfrösche in der Hecke quafen mifjgünftig, aber wie sollen die auch zwi- scheidenl"^ un& häßlichen Hirtinnen unter-

Wie es auch ist, ich habe noch nicht das rechte Vertrauen zu diesem Gast und überlege, daß ein gimer Wasser die Tiere besser zusammenhält als Lisas Feldherrngerte. Ich gehe also noch einmal zum Haus zurück, klappere mit einem Eimer unter ber JSumpe und schleppe ihn lockend zur Koppel

Es geht dem jungen Gast nicht gut wie ich bald einsehe. Drei grobe alte Ganter stehen mit ausqe- reckten Halsen vor ihm und blasen ihn an, dieweil

die jungen unerfahrenen Gänse sich schon bis in die gefährliche Nähe der Fuchsbüsche zerstreut haben. Das Blasen der Tiere macht einen schlechten Ein­druck; meine junge Freundin rafft allen Mut zusam­men, aber sie stapft doch, ihre Gerte schwingend, Schritt um Schritt zurück. Gerade komme ich noch zur Zeit um einer beschämenden Flucht vorzu­beugen.

Aber wer wird denn vor den Tieren bange fein", mahne ich, halte dem schlimmsten der Ganter den gekrümmten Finger entgegen, passe aber auf, daß er ihn nur mit Den Schnabelspitzen annimmt. Er bläßt gewaltig, dann knabbert er mit warmem Atem freundschaftlich an meinen Knöcheln. Auch Lisa lacht jetzt wieder, betrachtet mich mit Bewun­derung und schielt mißtrauisch meinen tapferen Fin­ger an, ob da kein Riß zu sehen ist.

Keine Frage, mein Beispiel macht ihr Mut; die Gänse sind jetzt auch wieder fromm und freundlich, sie drängen sich um den Wassereimer, trinken und heben die Köpfe andächtig zum Himmel wie gute Weinkenner. Unauffällig führt die Hirtin über die Augen und lächelt verlegen; aber ich erkläre ihr, daß sich die Tiere jetzt alle ums Wasser halten werden und daß sie sich keine Sorgen mehr zu machen brauche.

Wenn man's so verstünde wie Sie", sagte sie seufzend.

Nun, nun," sage ich geschmeichelt,die Ganter kennen mich."

In dem Augenblick höre ich am Himmel einen be­kannten Laut und auch alle Tiere hören ihn. Ein verspäteter Zug Wildgänse, die doch sonst zu dieser Stunde kaum noch fliegen, fährt brausend hoch über uns hin und ruft und lockt. Und es ge­schieht, daß sich in den zahmen Tieren der uralte Trieb der Herbstflüge regt. Auf einmal, noch ehe die wilden Freunde außer Sicht gekommen sind, heben all meine Gänse die Flügel, laufen über die Stoppel rasch und immer rascher in wunder­schönem weißen Ritt dahin, schreien sich Mut zu, heben sich und lassen sich vom Wind auftragen, flügelschlagend wie ein Feld von weißem Schnee.

Dann sinken sie vorm Waldrand nieder. Aber ihr Erlebnis war so großartig und ihre Sehnsucht so ungewohnt, sie schreien grell und wild durcheinan­der, sie fahren mich an, wie ich erhitzt näherkomme, zischen ehrfürchtig los und fauchen, als hätten sie einen Augenblick lang wieder gewußt, daß ich Feind bin, daß wir Menschen Schuld haben, wenn sie nicht gleich den fliegenden Schwestern auffahren können. Ich habe wirklich große Mühe mit der Schar und bemerke hitzig, daß auch ich solche Unbotmäßigkeit nicht kenne.

Mir scheint," schelmt mein junger Gast,wir kommen beide mit Gänsen nicht zurecht, wollen

wir's für heute aufgeben?" Ich möchte mich ernst­haft entrüsten, aber Lisa lacht so flehend, ich blase und seufze. Ich werde sie Brombeeren pflücken lassen, denke ick), oder Hühner hüten, da kann sie ein Buche lesen und hält sich nützlich. Denn nun ja, ich freue mich doch nun einmal über hübsche Gesichter zu Mittag, auch wenn ich mir einen ande­ren Gast zum Gänsehüten werde suchen müssen.

Oie Medizin auf der Bühne.

Einem berühmten englischen Schauspieler, dessen Name nicht genannt sein soll, ist von feinem Haus­arzt auf offener Bühne eine originelle Lektion er­teilt worden. Der Künstler war nämlich nicht zu bewegen, eine Medizin einzunehmen und alle Ueberrebungsfünfte des ärztlichen Ratgebers schei­terten an des Schauspielers eigensinniger Erklärung: Ich nehme sie nicht." Kürzlich nun trat er in einem Theaterstück auf, in dem er in der Heldenrolle im letzten Akt aus einem Becher Gift trinken sollte. Der Künstler hatte den Requisiteur ausdrücklich gebeten, Portwein in den Giftbecher zu tun, um im Spiel dem Publikum deutlich vor Augen führen zu kön­nen, wie der bewunderte Held den Gifttrank lang- fam und mit Uederlegung kaltblütig austrant. Der Becher war zur Hand, gefüllt bis zum Rande, und der Schauspieler, der an diesem Abend einen gro­ßen Erfolg zu verzeichnen hatte, schickte sich an, die große Vergistungsszene vorzuführen. Als er aber den Gistkelch an die Lippen führte, mußte er zu feinem Entsetzen bemerken, daß statt des ersehnten Portweines, mit dem er sich dieTodesstunde" versüßen wollte, ein sorgsam zubereiteter, kräftiger Sennesblatter-Tee in dem Becher enchalten war. Nun gab es freilich kein Zurück mehr: Er mußte in heldischer Gelassenheit die Medizin einnehmen. Sem Mienenspiel war dabei von so erschütterndem Realismus, daß das Publikum dem Schauspieler am Schluß der Vorstellung nicht endenwollenden Beifall spendete. Der Geprellte aber hat feinem schlauen Hausarzt diesen Streich gern verziehen, penn der Sennesblätter-Tee ist ihm ausgezeichnet bekommen.

Sochschulnachnchten.

Professor Dr. H. Runge, Ordinarius für Gy­näkologie an der Universität Greifswald, er­hielt einen Ruf als Ordinarius und Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Breslau.

Professor Dr. Richard Courant, Ordinarius für Mathematik an der Universität Göttingen, wurde auf feinen Antrag von den amtlichen Der» pflichtungen entbunden.