Steuerliche Behandlung einer Brand- entschädigung.
In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuer- fragen" (Rundschreiben Nr. 10) lesen wir:
Der Reichsfinanzhof ergänzt in einem Urteil vom 20. Dezember 1933 — IA 409/32 — die in der bisherigen Rechtsprechung von ihm entwickelten RechtLgrundsätze über die steuerliche Behandlung einer Brandentschädigungssumme wie folgt:
„Die Anwendung des Grundsatzes, daß bei einem buchführenden Gewerbetreibenden in einem Brandfalle durch den Anspruch auf Brandentschädigung eine Realisierung der in den Buchwerten der abgebrannten Gegenstände steckenden stillen Reserven nicht eintritt, setzt voraus, daß im Rahmen des Betriebes dem gleichen Betriebszwecre dienenden Ersatzgegenstände beschafft werden (vgl. Slg. Bd. 31, S. 290, RStBl. 1932, S. 880). Nicht un- bedingt erforderlich ist es, daß diese Ersatzbeschaf- fung bereits am Schlüsse des Steuerabschnitts stattgefunden hat, in dem der Brandfall eingetreten war; sie muß jedoch in diesem Zeitpunkt zum mindesten in sicherer Aussicht gestanden haben.
BornoNzen
— Tageskalender für Freitag: Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr, „Die Pfingstorgel". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Sehnsucht 202". — VHC., 20.30 Uhr, Monatsversammlung bei Hopfeld.
— Astoria-Lichtspiele, Seltersweg, „Ueberfall in Virginia" und „Zwischen zwei Herzen". — Wie- feder Lichtspiele, 20.30 Uhr, „Stoßtrupp 1917".
— Der Gleiberg-Verein hält am Samstag nächster Woche auf der Burg Gleiberg seine Generalversammlung ab. (Siehe gestrige Anzeige.)
— Kosaken reiten! Am Samstag, Sonntag und Montag werden auf dem DfB.-Waldsport- platz reitsportliche Darbietungen kaukasischer Kosaken gezeigt. Die Veranstaltung sei zum Besuche empfohlen, da sie hervorragende reitsportliche Leistungen bringen dürfte. (Siehe heutige Anzeige.)
♦
*♦ Zum Ortsgerichtsvorsteher t n Gießen ernannt und vereidigt wurde das Stadtratsmitglied Franz S o l d a n von hier. Der bisherige Inhaber des Ortsgerichtsvorsteheramtes, Stadtratsmitglied Hermann Wagner, wurde wegen anderweitiger dienstlicher Verwendung im Rahmen der städtischen Betriebsverwaltung von dem Amte des Ortsgerichtsvorstehers entbunden.
** Ausgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provin^ialstraßenstrecke Bahnhofstraße in Lich im Zuge der Provinzialstraße Langsdorf—Hungen ist ab 15. Mai wieher ausgehoben worden.
** Richtigstellung. In unserem Bericht „Gymnastik und Tanz" (Gieß. Anz. Nr. 112 vom 16. Mai) muß es richtig heißen: Dr. med. Schmit von der Medizinischen Poliklinik, nicht aber von der Orthopädischen Universitätsklinik.
Abschluß -es Reichsberusswetttampfes durch die Siegerehrung.
Gestern abend veranstaltete der Bann 116 her Hitler-Zuge nd im Haus der Deutschen Arbeitsfront eine schlichte Feier, die im Rahmen einer Siegerehrung und der Verteilung der Ehrenpreise stand. Der Musikzug der Hitler- Jugend brachte verlchiedene Märsche zu Gehör, abwechselnd mit der Bannsingschar, die die Lieder „Wenn wir marschieren ..." und „Der Himmel grau und die Erde braun", „Da schritten die Männer zum Sturm" vortrug.
Die Sieger sämtlicher Berussgrup^n waren mit ihren Wettkampfleitungen in dem bis auf den letzten Platz gefüllten großen Saal anwesend. Nach dem Einmarsch der Fahnen ergriff der Vertreter der Deutschen Arbeitsfront,
Verbandökreisleiter Betz
das Wort zu folgenden Ausführungen: Wir von der Deutschen Arbeitsfront freuen uns ganz besonders über diesen neuen Gedanken, die Jugend im friedlichen Wettkampf ihre Kräfte messen zu lassen. Ob wir als Wettkampfleiter, oder in sonst irgendeiner Eigenschaft diesem Wettkampf dienlich wären, immer wieder haben wir gesehen, wie die neue Jugend froh und gerne ihre Arbeit t a t. Und ganz besonders hierbei wurde uns immer wieder klar, wie wenig Plätze wir Haden, wo die Jugend wirklich etwas lernen kann. Es gibt heute immer noch Arbeitgeber und Unternehmer, die Lehrlinge nicht einstellen, um ihnen Lie richtige Berufsausbildung zu geben, sondern um sie aus- zunutzen.
Wir Allen sollten jedoch wissen, daß das deutsche Volk nicht nur für heute ein Volk der Arbeit ist, sondern daß Deutschland für alle Zukunft das Volk der Arbeit sein muh, und deshalb sollen sich die Vetriebsführer und Weister darüber klar sein, daß sie mit der Ausbildung eines jungen Lehrlings eine heilige Pflicht am deutschen Volke erfüllen.
Diese noch junge Arbeitergeneration soll einst eine Generation erstklassigen Berufskön - n e n s sein, um mit dem Wert ihrer Arbeit im Wettbewerb der Völker erfolgreich bestehen zu kön
nen. Mit dem Wunsche, daß der Reichsderufswett- kampf 1935 durch die jetzt einsetzenüe zusätzliche Be- rufsschulung der Hitler-Jugend noch erfreulichere Ergebnisse, wie der diesjährige bringen möge, schloß der Redner seine Ausführungen.
Als zweiter Redner des Abends ergriff .
der Führer des Bannes 116/ Alfred Häuser
das Wort. Der erste Reichsberufswettkampf, der nunmehr mit der Siegerehrung seinen Abschluß findet, hat jedem Teilnehmer gezeigt, wo in seiner beruflichen Leistungsfähigkeit noch irgendwelche Lücken vorhanden sind. An sich hätte ein solcher Kampf auch von jeder anderen Regierung veranstaltet werden können, aber Gott sei Dank haben wir heute in Deutschland eine nationalsozialistische Regierung, die jeden nach dem Wert seiner Arbeit für die Volksgemeinschaft adelt.
Vesonders die Handarbeit muh wieder zu der ihr zuftehenden Achtung gelangen. Es gibt heute in Deutschland keine Proleten mehr. Der Arbeiter, der mit seiner Hände Arbeit sein Vrot erwirbt, ist gleichzustellen jedem geistig Schaffenden.
Der Kampf der Hitlerjugend geht heute auch dahin, der berufstätigen Jugend öfters Gelegenheit zur Erholung und Ausspannung zu geben. Es geht doch nicht, daß ein Schüler im Jahre 70 Tage Ferien bekommt, während der Lehrling 2 bis 8 Tage jährlich erhält. Wir wollen nicht vergessen, dem Manne zu danken, der die deutsche Arbeit wieder zu Ehren gebracht hat, indem wir ihm unsere Verbundenheit durch ein dreifaches Sieg Heil dartun.
Es folgte hierauf die Verteilung der Ehrenpreise an die Sieger der einzelnen Berufsgruppen durch den Leiter des Sozialamts im Bann 116, Becker. Es kamen etwa 80 P r e I f e zur Verteilung.
Die Ergebnisse in ihren Einzelheiten mit den Namen der Sieger geben wir noch bekannt.
Große Saarkundgebung in Alsfeld.
Bedeutsame Bede des
Popen.
§ Alsseld, 18. Mai. Die Stadt Alsfeld stand gestern im Zeichen einer großen Saarkund- gebung, die der Arbeitsdienst des Gaues 22 Hessen-Nord veranlaßt hatte. Als Ort der Kundgebung wurde Alsfeld bestimmt im Hinblick auf die große Zahl von Saardeutschen in der Gruppe 223 Alsfeld. Zu dieser Kundgebung waren die Gruppen 221, 222, 223 und 224 aus den Bezir- ken Kassel, Marburg, Hersfeld und Alsfeld des Deutschen Arbeitsdienstes, in einer Stärke von rund 1200 Mann, darunter 691 Saar-Freiwillige ange- treten. An dem Aufmarsch auf dem Lindenplatz nahmen auch sämtliche Weyrverbände teil. Das alte, malerische Städtchen hatte reichen Flaggenschmuck angelegt.
Gegen 15 Uhr erschien Vizekanzler von P.apen in Begleitung seines Stabes und der Leitung des Arbeitsgaues Kassel. Erschienen waren u. o. als Vertreter des Reichsarbeitsführers Freiherr von L ö f f e l h o l z, der Führer des Arbeitsgaues Hef- fen-Nord, Neuerburg, sowie die Führer der einzelnen Arbeitsdienstgruppen. Von der Hessischen Negierung waren Landesbauernführer Dr. Wag- n e r, Provinzial-Direktor Klostermann, Kultur- rat R e i ch - Darmstadt, sowie der Pressechef der hessischen Staatsregierung Dr. Mahr erschienen.
Vizekanzler von Papen schritt zunächst unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der aufgestellten Formationen ab, von lebhaftem Beifall der Menge begrüßt.
Gauarbeitsführer Neuerburg -Kassel begrüßte den Vizekanzler mit der Meldung, daß 691 Saar- Freiwillige angetreten seien. Er betonte die Verbundenheit aller Arbeitsdien st willigen mit verdeutschen Saar.
Es gebe nur eine Losung, nämlich, daß die Saar deutsch sei und bleiben müsse.
Alsdann sprach der Vertreter des Reichsarbeits- führers, Freiherr von L ö f f e l h o l z, der warme Worte der Anerkennung für das verdienstvolle Wirken des Vizekanzlers von Papen bei dem Umbruch der deutschen Nation fand. Er gelobte Pflichttreue jedes Arbeitsdienstwilligen für die hohen Ziele des Arbeitsdienstes und brachte ein begeistert auf- genommenes Sieg-Heil auf Den Vizekanzler von Papen aus.
Vizekanzler von Papen
wandte sich in seiner Ansprache zunächst an die Kameraden des Arbeitsdienstes. Zugleich überbrachte er die Grüße des Führers Adolf Hitler für die heutige Kundgebung in Alsfeld. Er ver- VÜLS auf dis bedeutsamen Worte des Führers, die
dieser gestern Abend an den Kongreß der Arbeit richtete.
Es gebe nur einen Adel: den Adel der Arbeit!
Wenn man jemand beurteilen wolle, dann müsse man ihm ins Auge sehen. Er habe bei der vorherigen Besichtigung jedem ins Auge geschaut und empfunden, daß im Gau Helsen, von dem er schon so viel gehört habe, wirklich vorbildlich gearbeitet und gutes geleistet werde. Er sprach der Gauarbeitsführung hierfür seine Anerkennung aus. Er werde dies auch dem Führer berichten, der sich wohl darüber freuen werde. Besonders herzliche Worte richtete er an feine lieben Kameraden aus der engeren Heimat, die Saarfreiwilligen.
Wenn heute im ganzen Reich Saarfunbgebun- gen veranstaltet würden, so geschehe dies nicht aus der Befürchtung, daß unsere Sache an der Saar nicht zum Ziele komme, sondern einzig allein, um damit vor aller Welt immer wieder die Verbundenheit aller Deutschen mit der Saar zu dokumentieren. Heber die Abstimmung bestehe für uns kein Zwei- mel mehr.
Wenn heute die Nörgler und Kritiker wieder auf« tauchen, so wisse er sehr wohl, daß noch manches überwunden werden müsse. Aber erst müßten in mühevoller Arbeit die Voraussetzungen geschaffen werden, daß das deutsche Volk aus dem Tal der Gegenwart wieder zur Höhe schreiten könne. Hier müsse jeder Mitarbeiten. Die jungen Menschen im Arbeitsdienst seien hierzu ganz besonders berufen. Die Tugenden der alten Armee, Treue und Pflichterfüllung, die das deutsche Volk durch Jahrhunderte immer wieder emporgeschafft haben, würden im Arbeitsdienst gepflegt und an jedem jungen Menschen erprobt.
Die Saar-Freiwilligen im Deutschen Arbeitsdienst sollten das Erlernte mit nach hause nehmen und neue Kameraden von der Saar ins Reich schicken, auf daß die Verbundenheit aller Deutschen immer enger geschlungen werde.
Jrn Arbeitsdienst verschwinde Standesdünkel, es gelte nur öle Leistung. Daß wir alles für unser Vaterland leisten wollen, laßt uns geloben, indem wir rufen: der Generalfeldmarschall und Reichspräsident von Hindenburg und des Reiches Kanzler und des Volkes Führer Adolf H i t- l e r Sieg-Heil, Sieg-Heil, Sieg-Heil!
Mächtig erbrauste nach den begeisterten Rufen das Deutschland- und das Horft-Wesfel-Lied.
Im Anschluß an die Kundgebung auf dem Fest- platz fand auf dem Marktplatz ein Vorbeimarsch des Arbeitsdienstes und der Wehrverbände vor Vizekanzler von Papen statt. Hierauf begrüßte
Bürgermeister Or. Dölsing namens der Stadt Alsfeld Vizekanzler von Papen und die anderen Gäste. Es sei der Stadt Alsfeld eine hohe Ehre, hier im Ange- ficht der Zeugen einer stolzen Vergangenheit ver- dien st volle Männer des neuen Deutsch- land begrüßen zu können. Wenn auch die Stadt Alsfeld im Wandel der Zeiten manches schwere Schicksal erlitten habe, so sei sie dock durch den unermüdlichen Gemeinsinn der Bürgerschaft immer wieder emporgehoben worden, und mit Stolz werde sie heute als die Hochburg des National- fozialisrnus in unserer engeren oberhessischen Heimat bezeichnet. Es gereiche ihm daher zur besonderen Freude, bei der heutigen Kundgebung den Begründer des Nationalsozialismus in Oberhessen, Gauinspektor Klostermann, Ehrenbürger der Stadt Alsfeld, begrüßen zu können. Die Stadt Alsfeld werde auch künftig in unverbrüchlicher Treue und restloser Hingabe an den Führer in der vordersten Linie des Kampfes stehen.
Vizekanzler von Papen dankte für die Begrüßung und fand herzliche Worte der Anerkennung für die Stadt Alsfeld. Er schloß mit den begeisterten Worten: „Alsfeld an der Spitze, auch im neuen Deutfchland", das fei mein Wunsch!
Anschließend sand unter Führung von Bürger- meister Dr. V ö l s i n g eine Besichtigung des Rathauses und sonstiger Sehenswürdigkeiten statt, wobei sich Vizekanzler von Papen besonders für das Stammhaus der Familie des Reichsaußenministers Frhr. von Neurath in der Ritter- gaffe interessierte. Vizekanzler von Papen äußerte sich sehr anerkennend über die altertümlichen Schönheiten Alsfelds. Bürgermeister Dr. V ä l s i n g überreichte ihm das Werk „Alte Städte in Hessen: „Alsfeld" von Dr. Werner Meyer-Bark- hausen.
Hierauf begab man sich in das Lager der Arbeitsdienstabteilung Alsfeld zur Besichtigung. Die mustergültige Einrichtung fanb allgemeine Anerkennung. Während man sich im Speisesaal des Lagers zu einem kleinen Imbiß bei einer Tasse Tee vereinigte, hielt
Kulturrat Reich-Darmstadt einen äußest interessanten Vortrag über das M e - liorations - und Siedlungsprogramm
der hessischen Regierung, wobei Vize- kanzler von Papen an Hand einer Karte von Hessen die Einzelheiten mit großem Interesse vex. folgte. Kulturrat Reich bewies in seinem von großer Sachkenntnis durchdrungenen Vortrag, daß
INeliorationsabeiten, Feldbereinigung, Straßenbau, Siedlung ein untrennbar Ganzes sind.
Die Hessische nationalsozialistische Regierung sei daher bahnbrechend auf diesem Gebiet vorgegangen, indem sie zur Zusammenfassung aller Maßnahmen ein Ändesplanungsamt geschaffen habe. Hierdurch werden jede Verzettelung der Arbetten, sowie Verluste bei der Kreditverteilung vermieden. Don betonterem Interesse waren auch die Ausführungen über die Geländebeschaffuna bei dem Bau der Reichsautobahnen auf hessischem Gebiet, deren Kosten auf breitere Schultern gelegt werden sollen.
Für Hessen sei ein Arbeitsvorkommen von insgesamt 16 Millionen Tagewerke zusammengestellt worden.
Hierbei komme dem Arbeitsdienst große Bedeutung zu, zumal hier nur der Mitarbeiten könne, der sich innerlich dazu berufen fühle. Der interessante Vortrag fand lebhaften Beifall.
Anschließend begab man sich wieder auf den Lindenplatz, wo ter Arbeitsdienst leichtathletische Hebungen mit großer Präzision vorführte. Zuvor besichtigte Vizekanzler von Papen die nach Saargebietsbezirken aufgestellten Saar-Freiwilligen, wobei er sich in kameradschaftlicher Weise mit einzelnen jungen Leuten aus verschiedenen Bezirken des Saargebiets unterhielt.
Hiermit fand die eindrucksvolle Kundgebung, die allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird, ihr Ende.
Herzlich verabschiedete sich bann Vizekanzler von Papen, von der zahlreichen Zuschauermenge freundlichst begrüßt.
Vizekanzler von Papen in Birstein.
LPD. Birstein (Vogelsberg), 17. Mai. Birstein, die Hauptstadt des preußischen Vogelsberg- Gebietes und Sitz des fürstlichen Hauses Isenburg- Birstein, war flaggengeschmückt am Donnerstagabend der Schauplatz einer großen Saarkund- gebung des Freiwilligen Arbeitsdienstes des Umkreises, für die als Redner Vizekanzler v. Papen gewonnen war. Die Kundgebung, zu der rund 1000 Ärbeitsdienstwillige aufmarschiert waren, ging im Hof des fürstlichen Schlosses vor sich, wo der Vizekanzler, aus Alsfeld kommend, um 18.45 Uhr mit seiner Begleitung eintraf und von Fürst Franz Joseph zu Jsenburg-Birstein begrüßt wurde. Ein großer Fackelzug mit Fahnenaufrnarsch
Schach-Ecke.
Bearbeitet von Otto Benkner.
Problem Rr. 367.
Von Otto Würzburg, Grand Rapids.
Weiß 3 Steine: K15; Del; Bh4.
Schwarz 4 Steine: Kh5; Sa4; Be3, g4.
Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt
Problem Rr. 368.
Don C. Mansfield, Bristol.
Weiß 8 Steine: Kg3; Dc4; Tel; Td8; Lhl; Lgl; Sc5; Sd5.
Schwarz 9 Steine: Kc6; Da3; Lb6; Sg8; Ba4, b4, c7, l3, g4.
Weih zieht und setzt in zwei Zü^en matt.
Partie Tlx. 257.
Die 9. Partie aus dem Kampf um die Weltmeisterschaft. Gespielt am 25. April 1934 in Pforzheim.
Weiß: E. D. Bogoljubow.
Schwarz: Dr. A l j e ch i n.
1. d2—d4, c7—c5. (Spielmanns Gegengambit! Der Weltmeister bereitet seinem Gegner eine Heber» raschuna. In Meisterpartien wird sonst dieser unge- wöhnliche Zug nicht angewandt, da nach der Theorie die Seitensprengung c7—c5 im ersten Zug verfrüht ist. Schwarz muß nach 2. d4—d5 einige Unbequem« lichkeiten in Kauf nehmen, da ter vorgeschobene Bauer die schwarze Stellung stark einengt. Allerdings ist das Spiel für Weiß nicht leicht. Die Theorie schlägt folgenden Weg vor: 2. d4—d5, d7—d6. 3. e2—e4, e7—e5. 4. Sbl—c3, Lf8—e7. 5. g2—g3! usw.) 2. d4—d5, e7—e5. (Der Weltmeister weist nach, daß e7—e5 bereits im 2. Zug möglich ist. Das Bn-pa8sant-Schlagen d5Xe6 ift jetzt schlecht, da Schwarz bann mit f7Xe6 zurückscylägt und ähnlich wie im Blumenfeldgambit ein starkes Bauernzentrum erhält. 3. a5—d6 kommt wegen Dd8—b6 natürlich nicht in Frage.) 3. e2—e4, d7—d6. 4. f2—f4? (Dieser Zug ist sehr riskant. Bogoljubow läßt sich durch die ungewöhnliche Behandlung der Eröffnung von selten seines Gegners zu vorzeitigen Kampfhandlungen hinreißen, da er offenbar glaubt, feinen Gegner nunmehr in kürzester Zeit überrennen zu müssen. Diese Einstellung kann bereits als erster Erfolg der von Dr. Aljechin angewandten Taktik verbucht werden.) 4. ..., e5Xf4. 5. LclXf4, Dd8 —H4+! (Auflockerung der weißen Bauernstellung, da sich LI4—g3 wegen Dh4Xe4+ verbietet.) 6. g2 —g3, Dh4—e7. 7. Sbl—c3, g7—g5! (Man beachte die Großzügigkeit und Feinheit des Manövers, mit dem der Weltmeister den 4. Zug von Weiß ausnutzt. Der letzte Zug von Schwarz ermöglicht nicht nur eine vorteilhafte Entwicklung des Läufers 18, sondern engt gleichzeitig den Wirkungsbereich des weihen Damenläufers stark ein, was wieder eine Schwäche der schwarzen Felder im Lager des Anziehenden zur Folge hat.) 8. Lf4—e3, Sb8—d7. 9. Sgl—13, n7—h6. 10. Ddl—d2, Sg8—f6. 11. 0-0-0, Sf6——g4!. (Ein ausgezeichneter Zug, der wieder beweist, wie Dr. Aljechin solche schwierige Stellungen zu meistern versteht. Jede gebotene Möglichkeit wird restlos ousgenützt. Aengstliche Gemüter hätten hier zweifellos versucht, zunächst die Entwicklung ter Figuren mit L18—g7 usw. fvrtzusetzen. Die Voraussetzungen des geschehenen Zuges sind folgende: 1 Der Springer 16 steht dem nach g7 zu entwickelnden Läufer in der Schußlinie und verhindert so dessen Fernwirkung nach b2. Gleichzeitig biltet dieser Springer für die Aktionsfreiheit der anderen Figuren ein starkes Hindernis. Sein Abtausch ist also durchaus erwünscht. II. Der Abtausch des weißen Damenläufers Del gleichzeitigem Vorhanden- fein des entsprechenden schwarzen Läufers bedeutet in dieser Stellung die unumstrittene Herrschaft des Schwarzen auf den „schwarzen" Feldern, der Weih nichts entgegensetzen kann. III. Weiß kann den Abtausch seines Läufers nicht verhindern, ba er sich auf das zeitraubende Manöver 12. Le3—gl, h2—h3 nebst Lgl—e3 nicht einlassen kann. Auch müßte er nach Sg4—e5 sofort etwas für die Deckung des Springers 13 tun.) 12. Lfl—e2, Lf8—g7. 13. Thl —11, Sg4Xe3. (Der Abtausch erfolgt im richtigen * Moment; der Läuferrückzug nach gl wäre jetzt mög
lich.) 14. Dd2Xe3. (Nunmehr ist eine interessante Stellung entstanden. Bogoljubow hat seinem Gegner gegenüber einen erheblichen Entwicklungsvorsprung voraus, ba ber schwarze Damenflügel noch unent- wickelt ist. Demgegenüber hat die schwarze Stellung keine angreifbaren Schwächen, und Bogoljubow kann trotz seines Entwicklungsvorsprunges die entscheidenden Nachteile seiner Stellung, nämlich 1. die Schwäche des Bauern e4, eine unmittelbare Folge des verfrühten 4. Zuges, sowie 2. den Verlust der Zentralfelder d4 und e5, die fest in ter Hand des Schwarzen sind, wodurch jede weiße Angriffsaktion von vornherein unterbunden wird, nicht beseitigen. Es ist lehrreich zu beobachten, wie Dr. Aljechin die Vorteile seiner Stellung demonstrativ zur Geltung bringt.) 14. ..., a7—a6. 15. S13—gl. (Ein schwerer Entschluß! Der Zug, der den nach e5 bzw. b6 strebenden Springer beseitigt, geschah wohl in der Erkenntnis, daß b7—b5 nicht mehr zu verhindern ist. Z.B. 15. a2—a4, b7—b5. 16. a4Xb5, a6Xb5. 17. Le2Xb5, Ta8—al+ mit starkem Angriff für Schwarz.) 15.....b7—b5. 16. Tdl—el, Lc8-b7.
17. Sc3—dl, 0-0-0. 18. Le2—g4, Kc8—b8. 19. Lg4 Xd7, Td8Xd7. 20. De3—d2, g5—g4! (Weitere Einengung der weißen Stellung.) 21. Sdl—e3, De7—e5. 22. c2—c3, h6—h5. 23. Se3—15, Lg7—16. 24. Dd2 —14, De5Xf4, 25. g3Xf4. (Erzwungen! Auf T11X14 folgt L16—g5. Schwarz, der das Läuferpaar und auf dem Königsflügel zwei gefährliche Bauern besitzt, hat die bedeutend bessere Stellung. Bei bestem Gegenspiel dürfte der Verlust für Weiß nicht mehr aufzuhalten sein.) 25. ..., Td7—d8. 26. c3—c4? (Dieser gewaltsame Befreiungsversuch scheitert an dem präzisen Gegenspiel und besiegelt endgültig das Schicksal der weißen Partie. Bogoljubow war hier in höchster Zeitnot.) 26. ..., b5Xc4. 27. S15—e3, c4—g3. 28. b2—b3. Lf6—d4. 29. Se3—c4, 17—15! 30. e4—e5, d6Xe5. 31. 14Xe5, Lb7Xd5. 32. TU X15, Td8—18. 33. T15X18, TH8X18. 34. e5—e6, T18—e8. 35. e6—e7. (Bogoljubow könnte bereits hier ruhig aufgeben.) 35. ..., Ld5Xc4. 36. b3Xc4, Ld4Xgl. 37. TelXgl, Te8Xe7. 38. h2—h3, g4 Xh3. 39. Kcl—c2, h3—h2. 40. Tgl—bl+, Te7 —b7. 41. Tbl—hl, Tb7—b2+. 42. Kc2Xc3, Tb2 Xa2. Weiß gibt auf! Diese Partie hat ber Weltmeister hervorragend durchgeführt. Die kühne Behandlung der Eröffnung ist verblüffend. Die geringsten Fehler werden tadellos ausgenützt. Der Weltmeister hat erneut seine Heberlegenheit bewiesen.
Lösung tes Problems Rr. 365.
Don G. T h o r 4 n.
1. Sb7—d8! (Droht Dbl—al nebst Dal—d4-H und matt.)
1. ..., Kd5—e5. 2. Dbl—hl, 17—15. 3. d3—d4+ und matt oder
1......... 2. ..., Ke5—15. 3. Dhl—h5+ und
matt.
1. ..., ..2. andere Züge. 3. Dhl—c4r. und matt.
1.....Kd5—c5. 2. Dbl—b3 usw.
1. ..., a5—a4. 2. Dbl—b4 usw.
1.....c7—c5. 2. Dbl—b7+ usw.
1. ..., 17—15. 2. Dbl—b3+ usw.
Lösung des Problems Tlx. 366.
Don Dr. F. S e i b c m a n n.
1. Tb4—g4H usw.
Aus der Schachwelt.
Die Schachmeisterschaft von Deutschland wird vom 13. Mai bis 29. Mai 1934 in Bad Aachen ausgetragen. .
Der Schachklub „Dampfer Europa" veranstalte am 9. und 10. Juni 1934 eine Propagandafahrt nach Bremerhaven und Helgoland.
Am 3. März 1934 verstarb in Bukarest ter W« oorragente Problemkomponist Wolfgang Poutv im Alter von 57 Jahren. W. Pauly, der durch Entdeckung tes Paulyschen Kometen als Mftronom berühmt geworden ist, wurde in Dohna bei Dresoe geboren.


