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5reitag,l8.Mal W

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)

Nr. U4 Drittes Blatt

Ltnd nun, Elen?

Vornan von Käthe Mehner.

Mrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (©.)

9 Fortjetzung. Nachdruck verboten!

Schwer rangen sich die Worte von Rainer von Rakenius' Äppen.

Bernd Caßler war aufgesprungen.

Sein Gesicht, noch eben von warmer Freude d'urchsonnt, war wie versteinert in grimmiger Abwehr.

Er dachte nicht mehr an die Chance des Riesen- | Verdienstes. Nur Ellen Ehlers' Ehre zu verteidigen, war sein einziger Gedanke.

Seine Augen loderten vor Zorn, während sie liaum bewußt Rakenius' rechte Hand streiften, an ^>er ein goldener Trauring blitzte.

Herr Doktor, ich gab dem gnädigen Fräulein nein Ehrenwort. Ein purer Zufall nur eine menschliche gütige Hilfe war es von der Dame, ! ie mir als Modell diente. Niemals werde ich ihren Namen nennen."

Sie lieben diese Dame? Sie Neben Sie!? Oie Stimme des großen Chemikers war verändert. And Bernd Caßlers feines Ohr fing diesen ver­änderten Ton wohl auf. Aber er wollte ihn nicht Hören wollte nicht. .

Die Blicke der Männer kreuzten sich iah. Rainer non Rakenius zitterte innerlich. Er griff zerstreut nach einer Zigarette.

Rauchen Sie?" ,

Caßler dankte kalt. Alles m ihm war Aufruhr. Das sollte er auf die verhängnisvolle Frage ant- l»orten? Ja, und tausendmal ja er liebte Ellen

Schon, krampft- sich Rainer von Rakenius' Herz zusammen. Er konnte sein Gesicht nicht sehen lallen. Scheinbar gleichgültig stand er aus und schaute durch das Fenster hinunter in den Hof.

Isie lieben Sie also, Herr Caßler? Kategorisch h%a'le wenn?' Sie es unbedingt wissen wollen. ?«!" Seine Stimme überschlug sich fast in Erre­gung.Ich liebe Sie, wie jeder sie lieben mufc, ter sie sieht und ihre Reinheit ahnt. Aber ich schwöre Ihnen, Herr Doktor, sie ist eine Heilige - rsrstehen Sie? Eine Heilige!

Rainer von Rakenius fuhr sich mit der Hand (5er die hohe Stirn und schloß sekundenlang die Lugen.

Die Schwäche war vorbei.

Was ging es ihn an, ob dieser Mensch Ellen Ahlers liebte. Er zweifelte keinen Augenblick daran, daß sie es war...

Er hatte kein Recht zu fragen. Keines. Er hatte v feine Frau, seine schöne, stolze, kalte Frau.

Mn« Heilige!" wiederholte er still bei sich und

nickte schwer. Dann riß er sich zusammen.Ich fragte nur aus dienstlichen Gründen, Herr Caßler. Ein Weltunternehmen, wie das unsere, muß auch über den Ruf der Dame unterrichtet sein, die von nun an alle Prospekte unserer neuen Kosmetika zieren und also auch unser Haus repräsentieren soll. Verstehen Sie?"

Unter den ruhigen Worten des anderen ebbte Bernd Caßlers Erregung ab. Ja, er schämte sich jetzt seiner unlauteren Gedanken, und es war ihm, als habe er um Verzeihung zu bitten.

Ich war töricht, Herr Doktor! Bitte verzeihen Sie mir!" stammelte er verlegen.

Also werde ich jetzt Namen und Aufenthaltsort der jungen Dame erfahren? Ich werde es Ihnen bezahlen besonders gut!"

Nein, nein! So nicht, Herr Doktor! Sie dürfen mich nicht wortbrüchig machen. Ich will kein Geld. Lieber würde ich hungern, als an diesem Mädchen wortbrüchig werden. Es wäre eine Sünde. Reine Menschen zu hüten, sind wir Starken auf der Welt auch Sie, Herr Doktor!"

Es ist gut, Herr Caßler. Ihre Treue rührt mich. Wohl unserem Vaterlande, wenn es noch solche Menschen gibt. Vergessen Sie, was ich sprach. Es war alles dienstliche Notwendigkeit. Doch in solches Schema lassen sich außergewöhnliche Menschen natür­lich nicht einreihen. Ich danke Ihnen, Herr Caßler! Die Kasse wird Ihnen draußen den Betrag anweisen. Und halt!, noch eins: Wenn wir weitere Zeich­nungen brauchen, wird Ihnen diese Dame wieder zur Verfügung stehen?"

Sie wird mir helfen, wie sie in ihrer Güte jedem helfen würde, der ihrer Hilfe bedarf."

Caßler verneigte sich devot.

Er sah nicht mehr den traurigen Schein in den Augen dieses reichen und doch so einsamen Men­schen. Er sah nicht mehr, wie Rakenius schwer in seinen Sessel sank und in schmerzliches Grübeln verfiel.

Ach, wie oft hatte er schon so vergeblich über das Schicksal gegrübelt, das ihn an die Seite einer Frau gefesselt hatte, die ihn nicht liebte, und für die auch er keine Empfindung aufbringen konnte, weil die Grundzüge ihres Wesens so fundamental verschieden waren.

So wundersam und rein stand ihm noch immer Ellens Bild in der Seele wie an jenen ersten Tagen, als er das kleine Siedlungshaus verlassen hatte.

Plötzlich schreckte ihn ein Gedanke auf. Irgend etwas schien ihm nicht klar. Wie kam Ellen hier­her? Hatte sie hier plötzlich Stellung gefunden?

Eine nervöse Unruhe ergriff von ihm Besitz. Er mußte sich Gewißheit verschaffen, daß es ihr gut ging. Weiter nichts.

Gegen Abend fuhr er mit seinem Wagen hinaus in die Siedlung.

Er hatte Glück und Pech.

Ernst Holm verlieh gerade das Haus. Sofort

Aus der provinzialhauptstadt. Amtsantritt

des neuen Oberbürgermeisters

Der neue Leiter unserer Gießener Stadtverwal­tung. Oberbürgermeister Ritter, hat nach Be­endigung seiner Dienstgeschäfte in Ringen nun­mehr sein Amt als Oberbürgermeister unserer Stadt angetreten. Unsere Bür­gerschaft bringt dem neuen Stadtoberhaupt unein­geschränktes Vertrauen entgegen und begleitet sein wirken mit den besten Wünschen, damit seine Ar­beit ihm zur Freude und der Stadt zum Segen gereiche.

Der Wonnemond

im deutschen Sprichwort.

Don Walter Kappes.

Gibt es wohl viele Menschen, die den Mai, den Wonnemond, nicht für den schönsten halten? Sicher­lich nicht! Es gibt zwar einen Jägerspruch im Jagdschloß Promnitz, der anderer Meinung ist, aber wohl kaum von rechten Freunden der Natur was den Mai betrifft ernst genommen wird. Die­ses Sprichwort heißt:

Der Frühling mit Mai und mit Rosen Ist für Weiber, Poeten und Franzosen; September, Oktober mit herbstlichem Wind Dem deutschen Jäger der Frühling sind.

In die zahlreichen Sprichwörter über den Monat Mai hat der deutsche Mensch eine Fülle schöner und Schlichter Weisheiten gesenkt; sie enthüllen uns, in­dem wir sie überlesen, gleichzeitig einen Ausschnitt deutscher Kulturgeschichte. Sie sagen uns aber auch vom Maien, daß er uns die vielgestaltige Natur ru zeugendem Leben erweckt, daß er die Blumen ßprießen macht, daß er die Vögel fingen heißt und Wald und Feld mit sattem Grün überzieht. In einem Derslein, das um 1210 entstand, sagte Chr. v. Hamle das so:

Der Maie kommt mit Schalle, Die Vöglein fingen alle, Von mancher Farbe reich Ist die Heide wonnegleich.

Das ist übrigens dieselbe Zeit, in der Walther von der Dogelweide seine unvergeßlichen Minne- llieder schrieb; in ihnen nimmt der Wonnemonat eine Vorzugsstellung ein, und häufig finden wir den Mai erwähnt wie hier:

So die Bluomen uz dem grafe bringent, fame fi lachen gegen der spilden funnen, in einem m e i e n an dem morgen fruo, und diu kleinen vogellin wol fingen! in ir besten wise die fi funnen, was wünne mac sich da genozen zuo?

So erscheint der Mai auch heute noch dem Städ­ter wie dem Bauern, beiden bringt er Jahr für Jahr neue Freuden. Doch nicht immer ist unser Lluge der freundlichen Erscheinung mit genießenden Sinnen zugewendet. Der Nützlichkeitsgedanke tritt vor allem für die Bewohner des Landes beut» llich in den Vordergrund; wie sollte das auch anders l ein, hängt doch bas Wohl unb Wehe bes Bauern Glicht zuletzt von ben Witterungsverhältnisien im Mai ab. So entstanden zwischen Sorgen undHoffen um bas Gedeihen der Saatgut die vielen Wetter- unb Bauernregeln, bie durch scharfe Beobachtungen hier Naturvorgänge von unseren Urahnen unb Ahnen in vergangenen Jahrhunderten gefunben unb non biegen bis auf uns überliefert wurden. Diese Wiegeln nehmen sich streng aus gegen die zarten Reime und Wendungen wie es in einem alten Jägerliede z. B. heißt:

Im Maien am Reihen sich freuen

Währenddessen diese sich freuen, schaut der Bauer aufmerksam nach dem Wetter, denn er weiß ja nach einem alten Kalenderspruch aus dem 16. Jahr­hundert:

Der May ist selten so gut, Er setzt dem Zaunpfahl einen Hut.

Ein anderes sagt:Des Maies Mitte hat für den Winter noch eine Hütte", und eines bekundet sogar:

Maienfrost

Blüten und Früchten das Leben kost't.

Und wenn es auch nicht gerade schneit ober friert, es gibt auch noch andere Gefahren für Blüt und Frucht. So vermeldet uns eine Bauernregel:

Regen im Anfang Maien

Tut Reben und Früchten dräuen.

Ein sachliches Gemüt hat einmal den Satz geprägt: Der Mai bringt Blumen dem Gesichte, Aber dem Magen keine Früchte, womit er, nach einem anderen Sprichwort zu urtei­len, nur mit Einschränkung recht behält, denn

Im Mai zartes und saftiges Gras Gibt gute Milch ohne Unterlaß

so ist überall der gleiche Jubel!

Der Bauer geht auch hier feinen eigenen Weg. Naturverwachsen wie er ist, so ist auch sein Den­ken und Fühlen. Dementsprechendverordnet" eine Bauernregel:

Wenn im Mai. die Bienen schwärmen,

Soll man vor Freude lärmen.

Doch nicht nur die schwärmenden Bienen sind ein Grund zur Freude, auch der Maikäfer sonst ungern gesehen soll nach einer west- preußischen Regel ein gutes Vorzeichen sein:

Der Maikäfer Menge

Bedeutet der Schnitter Gedränge (eine jreiche Ernte). Besonders willkommen ist dem deutschen Bauern das Gewitter im Mai. Der Städter wird freilich dazu sagen: bie Geschmäcker finb verschieben aber er wirb ber alten Wahrheit in ber folgenben Bauernregel:

Viel Gewitter im Mai,

Singt ber Bauer Juchhei, wenig Abbruch tun; bennWenn's im Mai don- nert, so riegelts bie Erben auf." Das hängt vor

An die Einwohnerschaft der Gtadi Gießen!

Am pfingstsamstag findet in der Volkshatte zu Gießen eine große

Saar-Kundgebung

aus Anlaß der Deutschlandfahrt des Männer-Gesangvereins von 1867 Friedrichsthal an der Saar statt. - Wir fordern die Bürger der Stadt Gießen auf, ihre Käufer von Samstagvormittag an mit reichem Flaggenschmuck zu versehen und hierdurch ihre Treue gegenüber unseren schwer kämpfenden Brüdern an der Saar zum Ausdruck zu bringen.

Bürgermeisterei Gießen. Z. B.: Bartholomäus.

unb muß man ergänzen gute, frische Butter.

Eine anbere vielgeschätzte Bauernregel lautet:

Abenbtau unb kühl im Mai

Bringt viel Wein unb bringt viel Heu.

Wir haben viele solcher Wetterregeln, bie bie Kühle bes Maies für eine gute Ernte forbern; eine da- oon, die überdies noch ben Vorzug einer feinen stilistischen Prägung trägt, heißt:

Wenn ber Mai ben Mai erst bringt,

Das ist besser, als wenn er ihn schon finbet. Schließlich möge noch ber treffliche Kalenderspruch aus bem 16. Jahrhunbert hier feinen Platz finben, weil er ebenfalls von ber so geschätzten Kühle im Mai spricht:

Der Meye kühl, ber Brachmonb naß

Füllet Scheunen unb alle Faß.

Wenn bie Kinder fingen:Komm lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün", und Ernst Moritz Arndt den Wonnemond mit ben Worten begrüßt:Sei willkommen, bu fröhlicher Mai, ber bie Freube bringt unb bie Sorge haßt", unb Friebrich Richter in seinem wundervollen Mailied ausplaudert:

Im Mai, im schönen Maie,

allem mit der erwähnten Kühle und mit dem eben­so gern gesehenen Mairegen zusammen. Hierauf lassen zahlreiche Sprüche schließen:

Mairegen auf die Saaten, Dann regnet es Dukaten behauptet eins davon; allerdings haben bie Kin- ber baraus ben Schluß gezogen, baß Mairegen auch ihr Wachstum beschleunige, wenn sie fingen:

Mairegen, komm herab;

Fall' auf mich. Dann wachse ich.

Hoffentlich wirb ihr Wunsch erfüllt, auf baß sie groß unb stark werben zum Segen ihres Mutterlandes.

Ein Sinnspruch über den Mai von Friedrich von Logau aus bem Jahre 1654 möge ben Reigen schließen, hoffenb, baß bie hier angeführten Sprüch­lein manchen bazu anregen, gelegentlich einmal im Schatzbüchlein bes beutschen Sprichworts zu blät­tern unb einen Teil bes leiber sehr vernach­lässigten Gebietes roieber ins Leben zurückzurufen, aus bem sie eine artfrembe Zeit verstoßen hat. Logau sagt:

Dieser Monat (Mai) ist ein Kuß, ben ber Himmel gibt ber Erbe, baß sie jetzt unb seine Braut, künftig eine Mutter werbe.

hatte er ben Großinbustriellen erkannt, boch er wollte ihn nicht mehr kennen.

Doktor von Rakenius! Entschulbigung, bitte! Ich hätte gern einmal kurz Fräulein Ehlers ge­sprochen. Wir kennen uns boch übrigens."

Holm unterbräche ein häßliches Lachen.

Ach, richtig, Herr Rakenius?! Natürlich! Unb was führt Sie, wenn ich fragen bars, zu meiner Braut?"

Rainer von Rakenius hatte bas Gefühl, als müßte er taumeln. Wie ein Schlag ins Gesicht war ihm biese Antwort, boch er blieb ruhig unb beherrscht.

Ich hatte aus unerklärlichen Grünben eigentlich Angst, baß es Ihrem Fräulein Braut nicht gut gehen könnte. Damals lehnte sie zwar bas Enga­gement in meinem Betriebe ab, aber immerhin es war wohl nur ein törichter Einfall von mir. Ich fühle mich burch bie bamalige aufopferungsvolle Hilfe noch immer tief in ber Schuld der beiden Damen."

Auf meine Veranlassung lehnte meine Braut damals allerdings ab", log Holm.Doch inzwischen haben sich freilich die Verhältnisse für uns recht verschlechtert. Leider ist meine Braut augenblicklich abwesend."

Sv bleibt mir also nur der persönliche Dank und ich hätte so gern etwas für sie getan!" Er brach traurig ab.Bitte, Herr Holm, haben Sie die Güte und empfehlen Sie mich den beiden Damen. Ich bleibe immer tief in ihrer Schuld."

Unbefriedigt und unverständlich unruhig fuhr Rainer von Rakenius stadtwärts. Holm aber lachte frech auf.

Meine Braut?! Ha!, schöne Ellen! Der ist ge­heilt! Der kommt nicht wieder hierher!"

Also verlobt boch mit diesem Holm verlobt! Ich muß ihr Bild aus meiner Seele reißen. Muß es. Ob ich es je kann?"

Doktor von Rakenius sagte es still vor sich hin, als er durch das Tor in sein Villengrundstück einfuhr.

Seine Villa lag neben ber feines Vaters braufeen am Sübende ber Stabt, inmitten eines herrlichen Parkes.

Seit Monaten war sie ber Mittelpunkt bes gesell­schaftlichen Lebens ber großen Hanbelsstabt.

Evelyn von Rakenius wußte, warum sie ben reichen Chemiker geheiratet hatte. Ihr Vater war schwer verfchulbet. Durch bie Heirat war er voll­kommen saniert.

Nun führte sie bas immer erträumte Leben bes Glanzes unb Frohsinns aber auch des Leicht­sinns; zum großen Entsetzen ihr^ Schwiegereltern.

Rainer von Rakenius stieß einen tiefen Seufzer aus, als er bie breite Freitreppe vom Park aus hinaufschritt.

Töricht war er gewesen, dem Drängen feiner Eltern damals nachzugeben. Warum hatte et es getan?.

Oer Empfang unserer saardeutschen Brüder in Gießen.

Am morgigen Samstag, 15,30 Uhr werden unsere saarbeutfchen Brüder vorn Männergesang­verein 1867 Friedrichsthal (Saar) in Gießen mit der Bahn eintreffen. Zum feierlichen Empfang die­ser deutschen Volksgenossen werden von dem SA. - Reserve st urmbann 1/116 unter bem Kom- manbo bes Sturmbannführers So 1 ban, besten Stab unb ber Sturm I mit ber Sturmbann- kapelle zum Bahnhof marschieren, wohin sich auch bie Gießener Gesangvereine um 15 Uhr vom Hause ber Deutschen Arbeitsfront aus begeben. Die SA.-Reserve unb bie Gießener Gesangvereine werben auf bem Bahnhofsplatz Aufstellung nehmen. Hier wirb Kreiswalter Koch vom Sängerkreis Gießen Gau XII DSB. ben saarbeutfchen Sängern herzlichen Willkommengruß entbieten. Anschließend wird vom Bahnhof aus der Marsch durch die Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuzplatz, Sonnen­straße zum Landgraf-Philipp-Platz gehen, wo die Quartierscheine an die saardeutschen Sänger aus« gehändigt werden.

Am Samstag abend wird bei der großen Saarkundgebung in der Volkshalle die Gießener Sängerschaft einen Chor fingen, weiter werden die saardeutschen Sänger ein Konzert geben und Schriftleiter Dr. Röder- Gießen die An­sprache bes Abenbs halten.

Am Pfingstsonntag früh treffen sich bie Gießener unb bie Saarsänger mit ihren Freunden unb Be- kannten zu einem Sänger-Beisammensein auf bem Schiffenberg.

Die Bürgerschaft wirb bringend gebeten, zum Empfang unserer saarbeutfchen Brüber unb zugleich als sichtbaren Ausbruck ber innigen Verbundenheit aller beutschen Volksgenossen mit ber beutschen Saar bie Häuser festlich z u flaggen.

Platzkonzert

des Stadttheater-Orchesters.

Anläßlich ber Oberhessischen Kulturwoche ver­anstaltet bas Orchester bes Stabttheaters unter Leitung von Franz Kerzisnikam Sonntag, 20 Mai, von 16 bis 17 Uhr vor bem Theater ein Platzkonzert mit folgenbem Programm: Vorspiel zur OperMartha" von Flotow,Morgenblätter- Walzer" von Johann Strauß, Melobien aus ber OperTraviata" von Verbi, Holzschuhtanz aus ber OperZar unb Zimmermann" von Lortzing,, Pot­pourri aus ber OperetteSchwarzwalbmäbel" von Jesse! unbSturmführermarsch" von Groß.

Achtung!Einzelmitglieder derDeutschen Arbeitsfront!

In Ermangelung rechtsmäßiger Beitragsmarken hat bie Deutsche Arbeitsfront für bie Monate Januar, Februar unb März, also bie brei ersten Monate, grüne Beitragsquittungen für bie bezahl­ten Beiträge ausgehänbigt. Diese grünen Beitrags­quittungen finb ein Notbehelf unb verlieren ihre Gültigkeit am 1. Juni b. I. Eine Umtauschmöglich­keit gegen Beitragsmarken ist per sofort gegeben. Jebes Einzelmitglieb hat somit bie in seinem Besitz befinblichen grünen Beitragsquittungen sofort auf seiner zustänbigen Ortsgruppe gegen vollwertige Beitragsmarken umzutauschen. Die letzte Frist ist ber 1. Juni 1934.

Für ihn, ber von früh bis abenbs rastlos beschäf­tigt war, hatte es erst spät ein Problem ber Ehe gegeben. Ein Problem, bas er nicht lösen konnte.

Herr Doktor werben bringenb am Telephon ver­langt. Herr Doktor Olaf Olsen aus Kopenhagen rief ausStabt Rom" an. Er wäre norgemelbet."

Der Hausmeister hatte die Hacken zusammen- geriffen. Er war schon alt, als Inventar gleichsam aus bem geheimrätlichen Hause in bie Villa bes jungen Paares übernommen.

Die gnäbige Frau zu Hause, Johann?"

Nein, Herr Doktor!"

Es lag etwas wie Selbftverstänblichkeit in ber Antwort bes Dieners. Rakenius bereute insgeheim seine Frage. Es war nicht feine Art, sich vor ber Dienerschaft Blößen zu geben.

Verbinbe mich mit brüben, Johann."

Muttchen bu? Herzlichen guten Abenb! Ich hätte Vater gern einmal. Evelyn? Nein! Ich weiß nicht, wo sie ist. Sie hat nichts hinterlassen. Schon gut banke!"

Dann bie liebe Stimme bes Geheimrats.

Olsen? Ach, richtig! Stimmt! Ich hatte es schon vergessen! Vielleicht ist es ratsam, wir bitten ihn hier heraus. Wir können ja auch bei bir brüben verhanbeln. Das heißt, ich habe ja mit ber Ver­gebung ber Lizenz in biefem Falle gar nichts zu tun. Dein Patent, lieber Rainer...Ich kann hier nur väterlich raten. Gern, Junge! Ich komme!"

Dann bestelle ich Olsen zu später. Danke, Vater!" Kurze Zeit barauf saß Geheimrat Rakenius seinem Sohn gegenüber.

Du kamst spät, Rainer?"

Ja, Vater! Es ist ja wohl auch einerlei, ob ich hier allein sitze ober mir ben Kopf auslüfte."

Wie eine stille Vereinbarung herrschte auch jetzt tiefes Schweigen über bie unglückliche Ehe zwischen Vater unb Sohn. Unb boch hatte Rakenius sonst niemals Geheimnisse vor ben Eltern gehabt.

Doktor von Rakenius versuchte abzulenken.

Uebrigens, Vater, wie gefällt bir ber neue Reklamekopf für bas Kosmetikum ,Eos<?"

Gut, baß bu barauf kommst. Großartig, Junge! Aber sag mal, ich sehe bich ja beinah begeistert!?"

Freunbliches Erstaunen lag auf bem noch immer schönen Gesicht bes alten Herrn.

Begeistert?" Rainers Rebe verwirrte sich nun boch ein wenig, ba er sich in seinen geheimsten Empfinbungen so überrascht sah.Ja nein begeistert? Ach es ist nämlich biefelbe Dame, Vater, die mir bamals bei jenem Unfall so selbstlos behilflich war unb bann ein Engagement trotz Stellungslosigkeit ablehnte. Wir zerbrachen uns da­mals den Kopf. Jetzt habe ich versucht, sie zu er­reichen."

Rainer!"

Ein resigniertes Lachen des Jüngeren. (Fortsetzung folgt)