Ja, und wir bestimmen damit auch unser Glück! (Langanhaltender stürmischer Beifall.)
Stellv. Kreisleiter Hopfenmüller sagte in seinem Schlußwort: Wir kennen die Aufgabe, die uns das Schicksal stellt. Das Vermächtnis der Toten des Weltkrieges und der Bewegung wollen wir umfassen mit unserem unerschütterlichen Willen, unsere Pflicht zu tun um der Zukunft unseres Volkes willen. Unser Heilgruß soll das Gelöbnis unwandelbarer Treue und rückhaltloser Gefolgschaft für den Führer sein. Unser herrlicher Führer Sieg-Heil!
Mit starker Begeisterung wurde der dreimalige Sieg-Heil-Ruf auf den Führer und Kanzler Adolf Hitler von der riesigen Versammlung ausgenommen.
Anschließend wurde der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen, dem der Gesang der vier Verse des Horst-Wessel-Liedes folgte. Mit dem feierlichen Ausmarsch der Fahnen fand die denkwürdige Kundgebung ihren Abschluß.
Aus der provinzialhauptstadt.
400 Serienfinber verlassen Gießen...
Erlebnisse mit Kindern sind immer schöne Erlebnisse. . Und ein Erlebnis war auch der gestrige Abschied der 400 Ferienkinder aus Darmstadt und Umgegend, die während der Zeit von sechs Wochen in unserer Stadt und in den Orten des Kreises Gießen untergebracht waren, das oberhfsiische Land kennen- lernten und nun wieder nach Hause mußten, weil ja auch die Schule, die inzwischen begonnen hat, nickt vernachlässigt werden darf. Ein Erlebnis war dieser Abschied für denjenigen, der mit dabei sein konnte, weil die Kinder in all ihren Regungen so urwüchsig sind und voll Lebhaftigkeit sich den Dingen ganz yingeben, die an sie herantreten. In den leisen Schmerz des Abschieds von Pflegeeltern und Ferien mischte sich unausgesprochen die Freude des Wiedersehens mit Vater und Mutter. Sicherlich verließen sie alle ungern die Stätten, an denen sie ihre Ferien in ungebundener Freiheit, in neuer anregender Umgebung, von lieben Menschen umsorgt, verleben durften. Aber auch den Pflegeeltern fiel es nicht ganz leicht, sich von den Kindern zu trennen. Das war schon daraus ersichtlich, daß die Kinder fast alle Blumen in den Händen hatten, daß sie mit Aepfeln, ausreichenden Butterbroten und auch mit Schokolade versehen waren, nicht zuletzt aber konnte man es daran erkennen, daß es sich die Pflegeeltern nicht hatten nehmen lassen, die Kinder bis zum Bahnhof zu bringen, um sie dort zu treuen Händen der Reisebegleiter zu geben. Die Kinder, die nun in ihre Heimat zurückfuhren, hatten in Gießen und auf den Dörfern auch manchen Freund und manches der Mädchen eine Freundin gefunden, von denen der Abschied nicht weniger schwer fiel. Daß die Kinder außerdem mit ihrer natürlichen Umge- bung recht eng zusammengewachsen waren, konnte man ferner daraus ersehen, daß sie sich auch von geflügelten und von vierbeinigen Hausgenossen nicht trennen konnten. In großen festen Kartons, sorgfältig mit vielen Luftlöchern versehen, traten Kätzchen und Kaninchen, ja sogar Tauben die Reise mit nach Darmstadt an. Als besonders erfreulich ist zu melden, daß die Kinder zum Teil ganz erhebliche Gewichtszunahmen zu verzeichnen hatten.
Es war keine leichte Arbeit für die Betreuer und Reisebegleiter, die vielen Kinder mit ihren vielen kleinen und großen Gepäckstücken zusammenzuhalten und in Ordnung durch den Bahnsteig zu bringen. Bei aller Freude, mit der die Arbeit der Kinderlandsoerschickung von den berufenen Helfern geleistet wird, mag doch ein erleichtertes Aufatmen gewesen sein, als die vom Reisefieber ergriffene und vom Abschied her etwas erregte Gesellschaft in den Wagen verstaut war. In acht Wagen, die dem fahrplanmäßigen Zug angehängt wurden, verließen die
Kinder um 17.28 Uhr den Bahnhof. Lange noch flatterten die Taschentücher.
Der Kreisamtsleiter der NSV. Pg. K l ö s und der Kreissachbearbeiter für Jugendpflege Pg. Frey- b e r g und viele opferbereite Helfer waren ihrer Aufgabe vollauf gerecht geworden. Der RDM. machte den Kindern durch seinen Aufmarsch und durch einige Lieder große Freude.
Wichtig für die Volksabstimmung.
Die Bürgermeisterei veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil die Bekanntmachung über die Volksabstimmung am Sonntag, 19. August. Alle Wahlberechtigten werden auf diese wichtige Bekanntmachung hingewiesen.
Die Ausstellung von Stimmscheinen kann beim W-ahlamt Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer 13 nur bis einschließlich Samstag, 18. 21 u g u ft 1 934, 12 Uhr, beantragt. werden. Die Wähler des I. Ab st i m m u n g s b e -1
der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes den vollen Bereitschaftsdienst des Roten Kreuzes angeordnet. Alle verfügbaren Schwestern, sämtliche Sanitätskolonnen und weiblichen Vereinshilfskräfte werden sich den einzelnen Ortsgruppen der NSDAP, zum Transport bzw. zur Begleitung von Kranken und körperbehinderten Personen zum und vom Abstimmungslokal mit allen Transportmitteln des Roten Kreuzes zur Verfügung stellen.
Die Gießener Freiwillige Sanitäts- k o l o n n e stellt sich selbstverständlich mit allen Kräften zur Verfügung und hat der Kreisleitung bereits ihre Bereitschaft zum Hilfsdienst für den Abstimmungssonntag gemeldet. Eingesetzt werden das gesamte Personal und sämtliche Beförderungsmittel. Es ist damit zu rechnen, daß für die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen zur Beförderung zum und vom Abstimmungslokal 8 0 Sanitäts- leute und 15 Helferinnen zur Verfügung
Frau'n geküßt". — Dauerscher Gesangverein, 20.30 Uhr, Dereinslokal, wichtige Besprechung.
AS.-Semeinschaft„Krast durch $reube*
Kreis Gießen.
Heberfragung der Hebe des Führers und Konzert des Gießener Stadttheater-Orchefters in Heuchelheim.
Am kommenden Freitag, 17. August, findet im Hofe der Firma Schunk & Ebe, Gießen-Wind- hof, die Uebertragung der Rede unseres Führers statt. Anschließend an die Rede gibt das Stadttheater-Orchester Gießen ein Abendkonzert. Die Belegschaften der Firmen Schunk & Ebe und Rinn & Cloos sowie die Ortseinwohner von Heuchelheim sind herzlichst dazu eingeladen. Bei Regen oder kühlem Wetter findet die Veranstaltung in Der Turnhalle von Heuchelheim statt. Es ist zu erwarten, daß die Bevölkerung regen Anteil nimmt.
Heute Mittwoch abends 8 Llhr hört jeder Volksgenosse und jede Vottsgenosfiu am Rundfunk die Lieber- tragung der
Kundgebung in der Kesthalle
Frankfurt am Main. Es spricht der
Reichsjustizminisier pg. Kerrl
Oie Abhörung erfolgt im Hause. Jeder holt sich Freunde, Bekannte, Verwandte und Nachbarn, die keinen Radioapparat besitzen, in seine Wohnung, um mit ihnen gemeinschaftlich die Kundgebung mitzuhören. Lm gemeinsamen Erlebnis soll das gemeinsame Wollen des Volks begründet werden, das am Sonntag in einem einstimmigen Bekenntnis seinen Ausdruck finden muß!
zirks seien nochmals darauf hingewiesen, daß der Abstimmungsraum vom Alten Rathaus nach der Gewerblichen Berufsschule (früher Gewerbehaus) Kirch st raße 16 verlegt worden ist.
Oie Kurzparolen
des Tieichssenders Frankfurt am Mittwoch unb Donnerstag.
Der Reichssender Frankfurt wird am Mittwoch und Donnerstag folgende Drei-Minuten- Kurzparolen zur Volksabstimmung senden:
Mittwoch, 15. August: 8 Uhr Gruppenführer Weih, 14 Uhr Inspektor Todt, 20 Uhr Dr. Dietrich.
Donnerstag, 16. August: 8 Uhr Landesleiter Pirro, 14 Uhr Manfred von Brauchitsch, 16 Uhr Dr. Schott, 20 Uhr General von Epp.
Der Sanitätsdienst am Abstimmungssonntag.
Um Kranken und Gebrechlichen für Begleitung und Transport die Erfüllung ihrer Abstimmungspflicht am nächsten Sonntag zu erleichtern, hat
stehen werden. Die Beförderung von Kranken, die nicht zu Fuß gehen können, wird durch vier Krankentransportwagen, ferner durch vier fahrbare Bahren und unter Hinzuziehung von 10 Fahrstühlen geschehen.
Aus ber Hitlerjugend.
Die Presse- und Propagandastelle der Gebietsführung der HI. Wiesbaden ist für die Dauer der großen Ausstellung „Kampf und Sieg der HI." und des Aufmarsches der 100 000 ab heute nach Frankfurt am Main, W i e s e n h ü t t e n- platz 30 (Telephon 318 8 0) verlegt worden.
Reichsbund Volkstum und Heimat.
Fachschaft Volksmusik.
Heute, Mittwoch, 15. August, 20.15 Uhr, erster Singabend nach Den Ferien im DA.-Heim, Lonystraße 18. Vollzähliges Erscheinen aller verpflichteten Mitglieder des Singrreises unbedingt erforderlich. Neue Teilnehmer sehr willkommen!
Bornottzen.
— Tageskalender f ü r Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gern hab' ich die
ASLB. Bez. Lich.
Samstag, 18. August, nachmittags 3 Uhr, im „Holländischen Hof" zu Lich Bezirksversammlung. Erhebung des Monatsbeitrages (2,50 RM.) unb 0,50 RM. Bezirks-Beitrag. Verschiedenes.
Gez.: Meckel.
*
** Ein Achtzigjähriger. Dieser Tage konnte Herr Ludwig Stein, Anneröder Weg 18, in völliger geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag feiern.
** Soldaten sind wieder da ...! Drei Wochen lang fehlte die feldgraue Farbe der Reichswehr in unserem Stadtbild. Die Reichswehr war zur Uebung auf dem Truppenübungsplatz Heuberg in der Schwäbischen Alp und kehrte nun gestern wieder in unsere Garnison zurück. Den Soldaten wurde auch diesmal wieder der herzliche Empfang zuteil, der zwar nicht in lautem Jubel zum Ausdruck kam, wohl aber in dem oft langen Harren unserer Einwohnerschaft an Straßenecken und Plätzen, die die Soldaten auf ihrem Weg vom Güterbahnhof zur Kaserne passieren müssen. Es ist immer wieder eine große Freude, wenn die Musik, erst leise und dann immer lauter, in der Ferne hörbar wird und damit ankündigt: sie kommen! Manches Auge glänzt dann in heller Freude, wenn die Soldaten anmarschieren, in unbeirrbar gleichem Schritt und Tritt, in vorzüglicher Haltung, die immer wieder begeistern muh. Man könnte stundenlang dem Vorbeimarsck der Soldaten zusehen und möchte immer noch hoffen dürfen — neue Kolonnen kommen — wenn das Rattern der letzten Wagen längst verklungen ist.
** Schwerer Motorradunsall. Der 33jährige Dentist Albert Börstel von hier, Seltersweg 85, erlitt gestern gegen 12 Uhr einen schweren Derkehrsunfall. Auf Der Straße zwischen Atzbach und Heuchelheim stürzte er mit seinem Motorrad so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, der seine fofortige Ueberführung in Die Chirurgische Klinik notwendig machte. Der Zustand des bedauernswerten Mannes ist bedenklich. Die Ursache des Unfalles konnte noch nicht endgültig festgestellt werden.
** Unglücklicher Sturz. Der 30 Jahre alte Registrator Wilhelm Egner von hier, Marktlaube Nr. 6, brach durch einen unglücklichen Sturz den linken Oberarm in der Nacht zum Montag. Der Verunglückte wurde in Die Chirurgische Klinik eingeliefert.
3m Volke geboren, zum Führer erkoren! Aböls Hitler, Alle sagen 3a!
VM.R ülttielie Misk.
Roman von Gert Rothberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
15. Fortsetzung. NachDruck verboten!
Kreloff aber Dachte verzweifelt:
„Fort! Jetzt fort! Olga Merlin ist gefährlich, wenn man ihr nicht zu Willen ist. Und ich werde ihr nie mehr zu Willen sein."
Sie schritten weiter. Als sie auf Der weißen Bank unter Den wehenDen Palmen saßen, sagte er:
„Doris, ich sah heute hier Bekannte! Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Nun reifen wir wirklich ab. Und diesmal kann ich auf deine Wünsche keine Rücksicht mehr nehmen."
Sie schwieg.
Nach einer Weile sagte er:
„Du willst eine Erklärung? Ich möchte vorläufig keine solche Erklärung abgeoen. Und — wir waren lange genug hier. Meinst du nicht?"
Da in diesem Augenblick eine Gruppe junger Damen vorüberging, die sich sämtlich nach Kreloff den Kopf verdrehten, wurde Doris seltsam nachgiebig.
„Ich bitte dich, Anweisungen für unsere Abreise 3u geben! Ich Respektier- natürlich deinen Willen gern!" fügte sie. r •
Er drückte ihren Arm an sich.
„Doricme, jetzt bist du ganz reizend! Ich danke dir!"
Das beste Einvernehmen war wieder hergestellt.
Sie reiften am nächsten Tage ab. In Rom trafen fie Lord Spencer Farone, der entzückt war, den alten Reisege^ossen einer schönen Südseefahrt wiederzufinden. Noch dazu so unverhofft und in Beglei- türm der reizendsten>unb schönsten Frau!
Er machte^ Doris, auf Tod und Leben die Kur, was Kreloff weiter nicht naheging, denn er kannte ja Spencer/Farone. Farone war inzwischen, seit sie sich nicht gesehen hatten, recht alt aworden. Und vorteilhaft hatte er niemals ausgesehen. Er hatte graues, dünnes Haar, ein von einem Boxschlag vollständig verkrüppeltes Ohr, und die linke Schulter war etwas ausgewachsen. Er hatte zudem ein häßliches Gesichts aber er war ein seelenguter Kerl. Er konnte einen vortrefflichen Freund abgeben, aber feinen Liebhaber für eine schöne verwöhnte Frau. Das wußte Assen Kreloff, und das wußte vor allem der Lord selber!
Man verlebte fröhliche Tage in Rom. Dann bat der Lord:
„Kreloff, tun Sie mir die Ehre an und kommen Sie mit Ihrer Frau Gemahlin nach Schloß Farone! Ich gebe dort ein Fest nach dem anderen, wenn Sie Das wünschen. Wirklich — kommen Sie mit!"
Assen Kreloff überlegte fieberhaft. Das Angebot war verlockenD. Das Schloß Farone war ein Märchen! Er kannte es aus einer Zeit, Da er sich noch nicht gegen Das Gesetz vergangen hatte unD ohne Gewissensbisse in Schloß Farone weilen Durfte.
Jetzt war Das anDers.
Ganz, ganz anders!
Jetzt hatte er fein Recht mehr, nach Schloß Farone zu reifen!
Neben ihm flang Die Stimme Des Lords bittend: „Kommen Sie mit! Bleiben Sie Den ganzen Winter, nächsten Winter bei mir. Wir können ins schottische HochlanD, können Dort jagen. Dann können wir Gäste haben in Farone. So viel wir haben wollen. Wir können uns aber auch vollkommen für uns absondern, wenn uns das besser gefällt. Am besten ist es da, wir richten uns immer nach Ihrer Frau Gemahlin. Damen wissen immer das beste herauszuwählen. Na?"
„Ich möchte — ich weiß es noch nicht. Ich will mit meiner Frau sprechen."
„Ich hab ja alles gehört. Lord Farone, wir nehmen dankend an!"
Doris, schön, blond, in einem wundervoll hellgrau schimmernden Kleid, stand vor den beiden Herren. Der große lila Veilchentuff am Ausschnitt des Kleides zitterte unter den Atemzügen der Brust. Und die Augen strahlten
Assen Kreloff nickte.
Es war doch gut so. Auf Schloß Farone würde er ganz in Frieden leben können. Dort mußte er nickt immer befürchten, daß ihm nun doch noch die Häscher auf den Fersen waren.
In Farone war Frieden! In Farone war er sicher. Und in einigen Jahren dachte sicher niemand mehr an den eleganten Hochstapler, der völlig vom Erdboden verschwunden zu sein schien, und der doch einmal vier Jahre lang alle Weltstädte heimgesucht hatte und durch die Rafinesse, mit der er seine Sachen ausführte, selbst bei den Behörden Bewunderung erregt hatte.
Achtes Kapitel.
Norwegen! Norwegen mit seinen Gewässern, ,einen geheimnisvollen Schluchten, feinen Bergen unD Felsen und seinen hohen, kraftvollen Gestalten.
Wie war er gerade hierhergekommen? Fritz Farnhorst fragte sich bas oft. Und gab sich doch memals eine klare Antwort darauf. Er hatte reichliche Ersparnisse machen können — bescheiden, wie er immer gelebt hatte. Und nun war er eben nach Dem Norden gereist. Erst hatte er in Kiel an der Ostsee gestanden, hatte lange in Das Was er gesehen
Amerika?
AuswanDem?
Wozu?
Wenn man erst roieDer zur Ruhe gekommen war, Dann würde auch Die deutsche Heimat barmherzig fein und würde irgendwie, irgendwo Arbeit für ihn haben. Und jetzt, auf einige Monate, war es
ganz gut, wenn er an nichts gebunden war.
Er wußte nicht, daß eine alte, gebeugte, weiß^ haarige Frau ihm einen Brief geschrieben hatte, worin sie ihn bat, die Führung der Sttinbrüche in Den HänDen zu behalten.
Der Brief hatte ihn nicht mehr erreicht. Der Brief, Der iyn vielleicht Doch auf eine Art glücklich gemacht hätte. Denn er hätte Das Angebot ja ruhig annehmen Dürfen, weil feine Schuld auf ihm ruhte und weil Dies ja nun auch in aller Oeffentlichfeit befannt geworden war.
Also der Brief hatte ihn nicht erreicht. Nun war er hier in Norwegen. Die gewaltigen Naturschönheiten berauschten ihn. Oft stand er an einem der herabstürzenden Wildbäche, und sein Herz schlug rasch und laut.
Nora Nordströms Heimat!
Ihre wundervolle, gesegnete Heimat! Er wußte nicht, wo sie ihre Angehörigen haben mochte, er wußte nicht, wie sie hießen. Und er hatte niemals Die Absicht gehabt, ihr hier nachzuspionieren. Aber er dachte immerfort an fie, und hier, in Den nordischen Bergen, war sie ihm fast förperlich nahe. Und Die ganze heiße Liebe flammte roieDer auf, schrie, foroerte ihr Recht, wollte sich nicht nieDer- drücken lassen. UnD es war Doch alles vorbei! Vorbei ein köstliches Erleben! Vorbei seines Herzens erste, heiße, junge Liebe!
Er hatte gelitten!
Vielleicht hatte ihn all Das Grausige, Das kurze Zeit um ihn gewesen war, Die Tragödie, Die Die Fellers betraf unD ihn mit ins große Netz hineinzog, nicht in feinen GrunDfesten erschüttern können, weil ihn Das Leid um feine verlorene Liebe hart gemacht hatte. Hart gegen alles anDerel
Fritz Farnhorft wanderte weiter, immer weiter. Einmal wandte er sich lächelnd um. Wie weit mochte er diesmal schon von daheim fortgeroanöert fein? Daheim! Das freundliche weiße Haus mit dem großen, alten Garten war ihm ein Heim ge- worden. Und der freundliche alte Mann, der Seelsorger ber Oegenb hier, war ihm ein Freunb! Manchmal gingen fie zusammen. Unb Der Pfarrer erklärte ihm Dies unD Das. Sprach von LeiD unD FreuD, erzählte von Dem großen Sterben, Das einmal vor Dreißig Jahren hier geherrscht. Er erzählte auch von bem furchtbaren Unwetter, bas ringsum alles vernichtet ijatte. Es mußte furchtbar gewesen sein, biefes Unwetter, und ber Pfarrer sagte, baß Die Wildbäcke alle von den Felsen herabgestürzt seien. Unaufhaltsam, alles vernichtend, was sich ihnen in den Weg stellte.
„Das waren schlimme Zeiten. Wir haben ja nickt nur reiche Hofbesitzer hier, wir haben auch viele arme Menschen, denen das kleine Haus, ihre paar Stuck Vieh alles bedeuten, und Die dann arm und heimatlos sind, wenn Naturgewalten dieses wenige Hab und Gut vernichten. Ja, ber alte Herrgott prüft Die Menschen oftmals schwer!"
Fritz Farnhorst Dachte, Daß er wohl auch geprüft worDen märe. UnD im Kampfe, wenn man vielleicht verlor, rourDe man hart unD härter. UnD vielleicht rourDe auch Das Höchste, Köstlichste im Menschen für immer getötet!
Aber Das wollte der Herrgott nicht!
Die Siebe war köstlich! Dichter beschrieben diese Liebe. Jede Kreatur fühlte in sich das große, köstliche Gefühl.
Liebe!
Wie oft wurde diese große, heilige Liebe mit einer unedlen Leidenschaft, einem Triebe verwechselt! Und es war doch etwas ganz, ganz anderes.
Neben Fritz Farnhorst sagte der alte Pfarrer: ' „Das Leben ist ein Rätsel. Das menschliche Leben!
Und es wird immer für jeden Sterblichen ein un- eraründliches Rätsel bleiben. Nur Gott selbst kennt alles! Und wenn er i^m Menschen etwas vernichtet, dann weiß er, warum er es tut. Unser Verstand ist viel zu gering, um etwas zu ermessen, zu verstehen, was dennoch letzten Endes etwas Gutes mar.*
Da zuckte Fritz Farnhorst empor:
„Herr Pfarrer, wie kann Vernichtung etwas Gutes bezwecken?"
„Und doch muh man daran glauben. Wenn man etwas nicht begreifen will, etwas unverständlich findet, ist damit nicht erwiesen, daß es nicht doch zum Guten geschah."
Das war solch eine Unterhaltung gewesen von den vielen, die sie miteinander gehabt hatten. Meist aber lief Fritz Farnhorft doch allein umher. So auch diesmal. UnD er wollte auch noch ein tüchtiges Stück weiter. Ueber grüne Hänge, Die mit Blumen beDerft waren, ging Der Weg. Dann kamen roieDer Schluchten, kleine Seen. Manchmal lugten Diese Seen wie zwei wunDerschöne Augen hervor. Blaugrün oDer von einem sanften Dunkelblau!
Wie Nora NorDströms Augen!
Drüben hüpfte etwas über glatte Steine. Sah mit wunderschönen blaugrünen Augen hinunter auf Den steinigen schmalen Weg, Der fick an Den Hängen hinwanD, unD auf Dem ein einsamer Wanderer schritt.
Plötzlich sauste diesem einsamen Wanderer ein kleines Steinchen um Die Ohren.
Farnhorst blickte sich um. Da sah er Droben am ■ n$Lein Mädel eilig Davonstürmen. Er sah ihr em Weilchen nach.
Wer war das? Er sah nur einen blonden Sorten- topf, eine feine, zierliche Gestalt und zwei schlanke Berne.
Mit ein paar Sätzen war er den Hang hinauf Er wollte doch dem Mädel wenigstens sagen, daß Das ein dummes Spiel war, einen Menschen mit Steinen zu bewerfen. Solch ein Dummes £Hng!
(Fortsetzung folgt.)


