Einzelbild herunterladen

Lind nun,Men?

Roman von Käthe Mehner.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Aber sie hatte keine Wahl. Drin auf ihrem Lager wertete di-e todkranke Mutter. Bleich, abgemagert.

3m Falle der Versteigerung dürfte es kaum noch zweitausend Mark bringen. Gut, ich bin zu Verhandlungen bereit. Dreitausend. So bleibt Ihnen noch genug."

Die Niedrigkeit und Kälte des Angebots ließen Ellen erzittern.

Ich kann nicht allein entscheiden, ohne die Mutter. Der Preis ist zu gering, Herr Holm."

Wo denken Sie hin? Dieses Angebot ist mein einziges und letztes. Bedenken Sie, daß bei einer eventuellen Versteigerung ich Käufer bin. Mein Angebot wird dann allerdings nur hundert Mark über dem höchsten liegen. Also vermutlich zwei­tausendeinhundert Mark."

Klang nicht vom Nachbargarten herüber ein leises Kichern? Ellen zuckte zusammen. War sie schon so nervös? Das Mädchen ahnte nicht, daß Holm ein reiflich überlegtes Theater spielte, als er jetzt seinen letzten Trumpf hergab.

Ich möchte das Grundstück besitzen. Sie werden verstehen es liegt neben dem meiner Braut." Seine scharfen Augen hefteten sich eindringlich auf Ellens Gesicht, um die Wirkung seiner Worte zu ergründen.

Doch in dem feinen Mädchengesicht regte sich nichts, nur in den großen Kinderaugen stand sekundenlang eine traurige, schmerzliche Verwun­derung. Waren die Menschen wirklich so schlecht?

Minuten später war sie allein und stand mit klopfendem Herzen am Bett der Mutter.

Wer war es, Ellen?"

Ernst Holm er bot mir ein Darlehn' an."

Und du lehntest hoffentlich ab?" Fiebrig glän­zende Augen sahen zu dem Mädchen hinauf.

Ja, Muttchen. Ich lehnte ab. Aber müssen wir nicht bald ...?"

Frau Ehlers drehte den Kopf zur Seite. Sie schwieg.

Wenige Wochen später schon versammelten sich die wenigen Interessenten in dem kleinen Sied­lungshause.

Mst rotgeweinten Augen führte Ellen die fremden Menschen durch die Räume. Man warf neugierige Blicke auf das Lager der Kranken. Doch Menschen­schicksale wurden ja nicht ausgeboten. Nur das tote Inventar interessierte.

Am Mittag hatte Ernst Holm als einziger ein Angebot über zweitausend Mark abgegeben und erhielt den Zuschlag.

Auf der kleinen Veranda stand der Auktionator. Seine harte, rauhe Stimme übertönte das Schluch­

zen der kranken Mutter drin hn Zimmer. Die er­schienenen Kauflustigen achteten nur auf seine Worte.

Holm zahlte bar. Dann schritt er kühn in das Innere des Hauses und blieb vor Ellen stehen.

Das Grundstück gehört von heute ab mir. Ihr Stolz hat Ihnen auch den geringsten Ueberschuß ausgeschlagen. Hätten Sie damals mein Angebot angenommen, blieben Ihnen tausend Mark." .

Als keine Antwort kam und nur eine dünne, schwache Stimme aus dem Nebenzimmer nach der Tochter rief, wandte er sich zum Gehen.

Ich gedenke, das Haus am Ersten zu beziehen, Fräulein Ehlers." Sein Mund verzog sich zu einem triumphierenden Lächeln. Er wußte wohl, daß ein Umzug ohne Mittel für die Familie unmöglich war. Man müßte ihn sehr bald um Stundung oder um Verlängerung der Frist ersuchen.

Das stolze Mädchen mußte sich immer und immer wieder demütigen vor ihm. Dann würde sie wohl endlich einmal klein beigeben.

Muttchen..." Ellens Kraft schien zu Ende. Am Bett der Kranken brach sie in die Knie, und unter dem Streicheln der schwachen, mageren Hände, schluchzte sie:Heimatlos Muttchen heimat­los ..."

Aber die kleine, blasse Frau hörte die Worte kaum noch. Schon wieder schüttelte das Fieber den mageren Körper, und die großen Augen, die un­heimlich aus dem mumienhaften Gesicht leuchteten, irrten suchend an den Wänden entlang. Plötzlich richtete sie sich mühsam auf.

Ellen, Ellen etwas essen..."

Das riß das Mädchen aus den qualvollen lieber« legungen. Unschlüssig stand sie vor dem Bett, als habe die Kranke eben ein Königreich von ihr ver­langt.

Essen?" Sie fühlte nicht, daß auch in ihrem matten Körper der Hunger wühlte.

Gleich, Muttchen gleich."

Sie schnellte mit jäher Entschlußkraft auf und lief weg.

Auf dem Arbeitsamt des Vorortes stand sie als eine Nummer in der langen Reihe.

Verstohlene Blicke suchten das schöne Gesicht, in das das Leid seine unauslöschlichen Zeichen ein­gegraben hatte.

Krampfhaft hielt sich Ellen mit ihren Händen an der Barriere, die sie vom Kassenraum trennte.

Karte?" Eine kalte Dienststimme.

Ellen reichte die Karte hin.

Sie sind doch erst übermorgen dran, Fräulein."

Ich wollte um einen kleinen Vorschuß bitten ... Mutter ist so schwer..."

Vorschuß? Ja, stempelt denn Ihre Mutter auch?"

Stempeln? Nein." Das Weinen war dem Mädchen nahe.

Vorschuß gibt es nicht. Noch nie dagewesen, Fräulein nein nein ..."

An den Pfeiler des Vorgartens gelehnt, stand Ellen vor dem Hause. Ihr Hirn arbeitete so schwer, daß sie kaum noch einen Gedanken fassen konnte.

,Zu Ende.^; Alles aus* Nur diese Worte dachte sie wieder und immer wieder. Dann ging sie mit schleppenden Schritten mechanisch den Weg zurück.

Wie lange noch so? Wochenlang? Monatelang?"

Sie zählte die wenigen Münzen in der kleinen Geldbörse. Es reichte kaum zu einem Mittagessen für die Mutter und war der Etat für die nächsten zwei Tage.

Mutter! Mutter!" Die furchtbare Gewißheit trieb sie plötzlich zum Handeln.

Mit wankenden Knien, unheimlich bleich, stand sie nicht viel später vor dem Portier des riesigen Automobilwerkes.

Ich hätte gern einmal dringend Herrn Holm gesprochen."

Der Alte lächelte plump-vertraulich, doch dann fragte er gewohnheitsmäßig:

Wen darf ich melden, bitte?"

Ellen Ehlers!"

Aus dem kleinen Konferenzzimmer gina ihr Blick über den Hof, von dem das Lied der Arbeit monoton herüberklang.

Arbeit Arbeit! Eine brennende Sehnsucht er­füllte sie plötzlich nach Tätigkeit. Wie anders sah das Leben aus, wenn der Segen der Arbeit auf ihm ruhte! So lagen ihre jungen Kräfte schon so lange brach.

Sie griff sich nach dem Herzen, das laut zu hämmern begann. In seinem flatternden weißen Mantel kam Ernst Holm über den langen, breiten Hof.

Dann stand er vor ihr. Mit dem ewig über­legenen Lächeln, fast überhöflich in der unbedingten Sicherheit seines Sieges.

Was gibt mir die Ehre, Fräulein Ehlers?" Er verbeugte sich tief.

Ich wollte Sie um Verlängerung der Frist bitten, Herr Holm... Mutter liegt todkrank. Wir haben nicht einen Pfennig für den Umzug." Mit halb gesenkten Augenlidern stammelte Ellen die wenigen Worte.

Heber ihren gesenkten Blondkopf hinweg lächelte Holm. Die triumphierende Freude gab feinem Ge­sicht beinah etwas Satanisches.

Er hatte richtig getippt.

Ich habe aber mein Zimmer bereits gekündigt und muß leider auf Räumung bestehen."

Wort um Wort drang messerscharf in Ellens Herz und gaben ihr die feste Gewißheit von der Herzlosigkeit dieses kalten Verstandesmenschen.

Gibt es denn gar keinen anderen Weg, Herr Holm? Mutter..." Die Worte gingen unter in einem trockenen Aufschluchzen.

Fast kam in dieser Sekunde doch eine ungewollte Weichheit in dem Manne auf. Er strich beinah behutsam über das weiche, hellblonde Haar des Mädchens. Aber schon wallte sein Blut im Augen­blick der Berührung wieder begehrlich auf.

Ja, einen Ausweg gibt es wenn Sie den alten Zustand herzustellen beabsichtigen. Ich muß

morgen dort ausziehen. Meine Verlobung war damals doch wohl etwas übereilt. Ich beginne zu begreifen ..."

Ellen schaute zum ersten Male auf. Hoffnung hämmerte. Hoffnung im Interesse der Mutter.

Furchtbar schwankte sie zwischen ihrem Abscheu vor diesem Menschen und ihrer Liebe zur Mutter. Da sah sie die armen, fiebrigen Augen hilfeheischend auf sich gerichtet, hörte die trockenen Sippen:Essen etwas essen" lallen. Und ihre Liebe zur Mutter siegte.

Ich richte Ihnen Ihre Zimmer ein, Herr Holm. Haben Sie Dank!"

Sie reichte dem Mann die Hand, und es war ihr, als ob sie sich dem Satan ausliefere. Doch-es gab kein Zurück.

Sie müssen gut zu mir sein, Ellen dann ist ja alles in Ordnung ein ganz klein wenig gut nur wollen Sie das?"

Aus den rätseltiefen Augen traf ihn ein Blick wie der eines gequälten Tieres. Doch Holm rührte das gar nicht mehr. Für ihn arbeitete schon die Zeit. So lächelte er nur.

Als er allein war, rief er den Werkarzt an.

Frau Ehlers" klang es zurück.

Ja, Sie werden die Dame noch kennen von jenem nächtlichen Autounfall her. Auf meine Kosten natürlich, Doktor."

Von Angst getrieben, jagte Ellen heim. Sie fand die Mutter, wie immer in den letzten Tagen, sehr matt.

Die kalten Kompressen, das liebevolle Zureden der Tochter rüttelten die schwer Herzkranke für kurze Zeit noch manchmal auf. Doch als der Arzt kam, konnte er nur den Kops schütteln und mit Kampferspritzen den schwachen Organismus beleben.

Sie müssen tapfer sein, Fräulein Ehlers ... Es ist nichts mehr zu hoffen."

Jetzt erst packte die kalte Gewißheit das Herz Ellens wie mit eisernen Krallen.

Leise klappte hinter dem Arzt die Tür ins Schloß.

Muttchen mein Muttchen nun gehst auch du?"

Wie irrsinnig vor Schmerz schluchzte Ellen und bedeckte die blassen mageren Hände der geliebten Mutter mit unzähligen Küssen.

Bis zum Abend lag die Kranke in dumpfer Agonie. Dann richtete sie sich noch einmal schwach auf und verlangte Wasser. Doch während Ellen ihr mit zitternden Händen ein paar Tropfen ein» flöste, verzerrte sich das Gesicht der Kranken plötz­lich in tödlicher Angst.

Sie stieß das Glas fort, daß es zu Boden klirrte, und krampfte die Arme um Ellen.

Halt mich! Halt mich! Ellen, ich kann dich nicht allein lassen jetzt nicht!" schrie sie auf.

Dann sank sie erschöpft in die Kissen. Noch einmal öffnete sich der bleiche Mund, doch aus ihrer Kehle kam nur ein dumpfes Gurgeln. Die Augen brachen wurden starr.

"ortsetzunq folgt.)

im

£8

Schwarze ge-

cALVA.'

Weil sies troffen!..

getroffen hat! Jawohl: ins Jedem gelingt es eben nicht! Sie aber -

ist nicht nur köstlich, sondern auch groß, nicht nur groß, son­

dern auch frisch, nicht . A

nur frisch, sondern eben MMR M MMMR'M flk JL,

ALVA! - Und darum - w|J|W U.

bleibt man bei ihr!....

Die Zigarette, bei der man bleibt!

Mittwoch, 16. Mi 1934, nachmittags 2 Llhr, versteigere ich dahier, Heuern weg 28,Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung:

Kleider- u.Wäscheschränke, eisten Kassen-u.l Bücherschrank, iKon- solschrank, 1 Vertiko, 2 Schreib­tische, 1 Pianino, Sofas, Chaise­longues, Sessel, 2 Trumeausme- ßel, Schreib-und Nahmaschinen, 1 Nagelmaschine, 1 Bohrmasch., 3 Wurstfüllmaschinen, 1 Sveck- schneider, 1 Registrierkasse, 200 Nummern Reclams Universal- Bibliothek, 1 Partie Bettwäsche.

Lunkev 2936 D

Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16, Telephon 3383.

ommersprossen

u. Haulunreinigkeilen durch Di Drudrreys

Drula Bleichwachs Wi restlos beseitigt, jetztnur2.2SM.f Nur in Apotheken erhält!ich!

Als Besitzer von 15 Medaillen und Diplomen empfehle 5945 d Drima Apfelwein (weißweinähnlich) z.reell.Preisen. Unbekannt, nur geg. Nachnahme. Friedrich Kollier, Zell (Oberliessen) fünfer Garantie M werden auch Jhre

Haben Sie offene Füße

Schmerzen ? Jucken ? Siechen ? Brennen ? Dann gebrauchen Sie die seit Jahrzehnten vorzüglich be­währte schmerzstillende Heilsalbe Erhältlich in den ,/MMUUll . Apotheken. i<t2Bv

llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll .... und die Schuh' 2895 A von W eidemann

IIIIIIIWIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHII

Herrenartikel

Große Auswahl / Aeußerste Preise

Für

die Pfingitwanderung den Feiertagstifch

empfehlen wir unteren Mitgliedern

befonders preiswert;

la Schweineileiich

zum Braten

Pfund

80 L.

Dörrfleifcb, erstklaüig auch zum Roheiten Pfund

95»

Oldenb. Leberwurft

in Ringen, Nr. 94 ....... Pfund

52»

Verbrauchergenoffenfchafit

. Giefeen e.G.m b.H. 2929A

Warenabgabe nur an Mitglieder!

Oberhemden, weiß, gute Qualität 4.75,3.90,3.-, 2.75 Oberhemden, farbig, schöne Muster ... 5.50, 4.95, 3.95, 2,95 Sporthemden, mit festem Kragen 4.25, 3.25, 2.95, 2.40 Nachthemden, weiß und farbig 4.75, 3.95, 3.25, 2,75 Unterjacken, Netz und Mako 1.75,1.50, 0.95, 0,75

Unterhosen,porös u.Mako, auch Knieform,1.75,1.50,1.25, 0.95 Herrensocken, Mako und Seldenflor ..0.95, 0.75, 0.65, 0.50 Herrensocken, Spezial-MarkeElbeo" 2.40,2.25, 1,95 Selbtbinder / Hosenträger / Sportgürtel

Frdr»TeipeI

Bahnhofstraße 47 16 Markt 16 Hillebrandstraße 2

2931 A

Lw. E. 10 (a) / 34.

Betr.: Landwirtschaftliches Entschuldungsverfahren über das Vermögen der Firma Friedrich Georg. Gartenbaubetrieb in Gießen, In­haber: Anna Georg TVwe. in Gießen.

Beschluß.

Der Eröffnungsbeschluß vom 26. April 1934 wird dahin berichtigt, daß sich Wohnung und Laden der Betriebsinhabevin in Gießen, Seltersweg 35 (nicht Nr. 25) befinden. 29320

Gießen, den 11. Mai 1934.

Hessisches Amtsgericht.

Illllllllllllllllllllllllll^

Ein schöner Tennich wird Ihrer Wohnung, gerade jetzt nach dem großen Früh­jahrsputz, besondere Behag­lichkeit verleihen. Vom ein­fachen Boucle-Teppich bis zu den schweren durchgewebten Qualitäten führe ich nur die besten deutschen Fabrikate. Auch Brücken, Läufer, Bett­vorlagen und Bettumrandun­gen finden Sie bei mir in großer Auswahl. Jetzt kaufen Sie billig!

Heinrich Höchster

am Brand

________________________________ffiA-

iiiiiie