Kr.M Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 15. Mai 1934
Aus der Prvvinzialhauptstadt.
Die Zunst der fröhlichen Wanderer.
Wenn der Morgen kommt, so um die vierte Stunde, wenn die schweigende Erde noch zwischen Grau und Blau liegt, dann reiben sich die echten Wanderer den Schlaf aus den Augen und wandern los. Denn gerade in den ersten Stunden, um Sonnenaufgang, liegt der höchste Gewinn des Tages. Wenn das Leben ringsum erwacht ist, wenn die Sonnenstrahlen heiß herniederbrennen, dann ist der Wanderer schon fast am Ziel. Dann kann er ruhen und schweigend genießen. Nur noch am späten Nachmittag sehen wir ihn, wie er der Herberge zustrebt.
Ist es nicht anstrengend, dieses Wandern? Verwundert hört man diese Frage gelegentlich, und man staunt immer wieder, daß es noch Leute gibt, die sich nicht getrauen, frisch und frei hinauszuwandern. Wer einmal eihe längere Wanderung unternommen hat, der ist für alle Zeiten bekehrt. Er wird jeden freien Tag, den er erhaschen kann, benutzen, um wieder einmal seinen Rucksack zu packen und alles Alltägliche hinter sich zu lassen.
Nur ganz kurz noch einige Ratschläge: Fangen wir gleich beim Rucksack an. Ist er schlecht gepackt, dann drückt er schon nach einer halben Stunde, und wir müssen umpacken. Das ist sehr lästig. Deshalb müssen wir den leeren Rucksack flach auj den Tisch legen (nicht aufrecht packen!) und bei der Rückenseite beginnen. Dahin kommen alle weichen Sachen: der Mantel, die Hemden usw. Alle Metallgegenstände kommen zunächst geordnet in ein kleines Leinensäckchen, ebenso das Waschgepäck (Zahnbürste, Creme, Kamm usw.). Bei richtiger Vorbereitung ist ein Rucksack in fünf Minuten vorschriftsmäßig gepackt.
In der heutigen Zeit soll man nicht soviel Lebensmittel mitnehmen, die man bequem überall kaufen kann. Etwas soll man nicht vergessen: das ist eine Tafel Schokolade und eine Tüte mit getrockneten Pflaumen. Aufkommende Hunger- und Durstgefühle werden mit diesen Zaubermitteln in kürzester Zeit beseitigt. Will man ein Getränk mitnehmen, dann wähle man kalten Tee, ohne Zucker. Eine ganz kleine Reiseapotheke darf auch nicht fehlen. Man erschrecke nicht vor dem Wort. Ein Mückenstift für schmerzhafte Insektenstiche, etwas Heftpflaster und eine gute Salbe genügen in den meisten Fällen.
Die Kleidung sei möglichst leicht und einfach. Die Zeiten, in denen unsere Frauen noch mit Korsett und die Männer mit steifem Kragen und steifer Brust hinauswanderten in den grünen Wald, sind ja, Gott sei Dank, vorüber. Ich freue mich immer wieder, wenn ich alte, grauköpfige Herren mit Schillerhemden, den einzig richtigen Wanderhemden, sehe Die Frauen gehen an heißen Tagen in der denkbar leichtesten Kleidung. Aber es tut doch weh, wenn wir die Schuhe mit den hohen, spitzen Absätzen sehen. Was sollen diese leichten Dinger auf den steinigen Wegen? Viele Frauen wissen noch nicht, daß es auch für sie bequeme Schuhe mit breiten Absätzen gibt. Sie sind nicht elegant? Das ist Aberglaube. Gerade den Schuhen sollte man die größte Aufmerksamkeit zuwenden. Gut ausgetretene Schnürschuhe sind immer am besten.
Man hüte sich, neue Schuhe für eine Wanderung anzuziehen! Werden die Schuhe unterwegs naß, dann müssen sie am Abend noch getrocknet und gut eingefettet werden. Wer emvfindliche Füße hat, sollte auch nicht vergessen, öfters mit kaltem Wasser zu baden und danach die Füße gut einzuölen. Denn von den Füßen hängt ia auf der Wanderung saft alles ab. Die schönste Landschaft, der herrlichste Rundblick, sie locken nicht, wenn wir Blasen an den Füßen haben und nur noch hinkend dahinschleichen können.
Fünf bis sechs Stunden soll man am Tage wandern, mehr nicht. Aber drei Viertel davon schon am frühen Morgen.
Wieviel sollen zusammenwandern? Darüber kann man sehr schwer Angaben machen. Ich glaube im-
Der Baumeister
des preußischen Staates.
Von Friedrich von Oppeln-Bronikowski.
Unter diesem Titel erscheint im Eugen Diederichs Verlag ein umfassendes Werk über das Leben und Wirken des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. Die Geschichtsschreibung ließ ihn im Schatten des großen Friedrich, seines Sohnes, stehen. Was der preußische Staat und- ganz Deutschland ihm verdankt, zeigt dieses Werk, aus dessen Vorwort der folgende Abschnitt stammt. Das Buch ist mit 16 Bildtafeln ausgestattet.
Der größte innere König von Preußen, wie ihn ein Mitarbeiter an der Erneuerung Preußens noch dem Zusammenbruch bei Jena genannt hat, gehört zu den großen Verkannten der Weltgeschichte. Sein Lebenswerk wird überstrahlt von dem Ruhm und dem Geistesglanz seines großen Sohnes, fein Andenken getrübt durch das Zerrbild, das seine eigene Tochter Wilhelmine in ihren Memoiren von ihm gezeichnet hat. Seine schroffe, durchgreifende Art, seine autokratische Regierungsweise stehen in vollem Gegensatz zu allen politischen Tendenzen und Ideologien des 19. Jahrhunderts. Man hat immer nur die Äußerlichkeiten seines Wesens und seiner Reqierungsweise gesehen und hervorgekehrt, seine Leidenschaft für lange Soldaten, die erbarmungslose Härte der preußischen Kricgszucht, das Kleinliche und Starr-Mechanische des Waffendienstes, die knauserige Sparsamkeit im Staatshaushalt, die bürgerliche Schlichtheit der königlichen Hofhaltung, das Tabakskolleg und die rauhen Iagdfreuden, die gelehrten Hofnarren und die Nichtachtung geistiger Werte Der „preußische Militarismus", den er geschaffen hat, bildete den Schrecken und zugleich das Gespött Europas; in seiner übermäßigen Rüstung erschien das arme, kleine Preußen wie ein schmächtiger Jüngling im Panzer eines Riesen. Urü) doch war keiner der anderen Staaten, so viel reicher an Menschen und Hilfsmitteln, zu einer gleichen Zusammenfassung und Steigerung der Kruste fähig.
Als Friedrich I. sich 1701 die Königskrone aufgesetzt hatte, war es sein eifriges Bestreben, Ludwig XIV., den Roi soleil, nachzuahmen. Gewiß hat er dadurch dem Staate des Großen Kurfürsten einen Nimbus und einen Ansporn gegeben, auch durch die Pflege von Künsten und Wissenschaften die Grundlagen geschaffen, auf denen spätere Geschlechter weiterbauen konnten. Aber die Opfer, die diese Königskrone erforderte, der glänzende Hofstaat, ein Brutherd von Ränken und Vergeudung,
Helft Mutter und Kind!
»Mutter und Kind sind das Unterpfand für die Unsterblichkeit eines Volkes."
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So lautet das zur Pflichterfüllung und Verantwortungsbewußtsein ermahnende Geleitwort des Reichsministers Dr. Goebbels für das kleine Heft zu Gunsten des Hilfswerkes „Mutter und Kind". Es ist ein Mahnwort für den deutschen Mann und die deutsche Frau.
Jeder deutsche Volksgenosse hat heute schon erkannt, daß wir einen zahlreichen, gesunden Nachwuchs brauchen, um Deutschlands Zukunft zu sichern. Die bevölkerungspolitische Aufklärungsaktion der Reichsregierung hat der Oeffentlichkeit die Augen geöffnet, daß der Geburtenrückgang in Deutschland zum Stillstand kommen muß. Ein Volk ohne Nachkommen ist ein Baum ohne Wurzel.
Die echt deutsche Wertung von Sippe und Familie, Mutterschaft und Kinderglück muß wieder zur Selbstverständlichkeit im Leben und Denken und Fühlen des ganzen Volkes und jedes einzelnen werden.
All die praktischen Maßnahmen, die die NS. - Volkswohlsahrt mit ihrem Hilfswerk „Mutter und Kind" ins Leben ruft, können nur segensreich gedeihen und Früchte bringen, wenn zuvor diese Gesinnung Eingang findet in Herzen und Seelen deutscher Männer und Frauen, deutscher Jünglinge und Mädchen.
Hierzu aber möge das vom Amt für Volkswohlfahrt herausgegebene Heft „Mutter und Kind" beitragen. Es ist zum Preise von 10 Pf. durch die Ortsgruppen der NS.-Volkswohl- fahrt zu beziehen.
mer noch, die Zahl drei ist die beste. Wenn es mehr find, gibt es leicht zu lebhafte Gespräche, oder gar Meinungsverschiedenheiten. Dann wird das Schönste vergessen. Die Betrachtung der Natur. Zu zweien ist es auch sehr schön. Aber auch ganz allein zu wandern, hat tausend Reize. Das muß jeder selbst ausprobieren.
Nun aber genug der Theorie! Hinaus mit frohem Mut in die Ferne! w.
Krersbetriebszellenabteilung Gießen.
Die Betriebszellenobleute von Firmen mit über 15 Arbeitnehmern werden zu einer dringenden Besprechung für Donnerstag, 17. Mai 1 934, in das Haus der Arbeit, Schanzenstraße 18, einberufen. In Firmen, wo kein Betriebszellenobmann vorhanden ist, hat ein Vertreter des Vertrauensrates zu erscheinen. In Anbetracht der Wichtigkeit der Besprechung müssen wir um pünktliches Erscheinen dringend ersuchen. Die Herren Wirtschaftsführer werden gebeten, den betreffenden Personen Urlaub zu geben. Zeit 18 Uhr.
Heil Hitler!
gez. Hermann Wagner, Kreisbetriebszellenobmann.
An sämtliche Ortsgruppen;
und Stützpunktamtsleiter der NSV.
Vetr.: Sammlung am 16. und 17. 2Hai „TNutler und Kind".
Diejenigen Ortsgruppen, welche die Sammellisten, Abzeichen usw. noch nicht abgeholt haben, werden letztmals aufgefordert, die Sachen sofort bei
der Kreisamtsleitung Gießen, Amtsgericht, Zimmer Nr. 202, abzuholen.
Laut Rundschreiben sind die Ortsgruppen- und Stützpunktamtsleiter für die Durchführung dieser Sammlung verantwortlich.
Heil Hitler!
Gez. K l ö ß, Kreisamtsleiter.
Für die Richtigkeit:
gz. M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer.
NSDAP., Amt für Volkswohlfahrt.
Kreisamtsleitung Gießen.
Vetr.: Kasse.
Auf Veranlassung des Gaues sind vorläufig Ueberweisungen für Mitgliederbeiträge, Aufnahmegebühren usw. nicht oorzunehmen. Weitere Anweisungen erfolgen in den nächsten Tagen.
Heil Hitler! gez. K l ö ß, Kreiswalter der NSV.
F. d. R.: gez. M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer der NSV.
AusparteiamtlichenBekanntmachungen
Im NSLB., Kreis Gießen, findet am morgigen Mittwoä;, 15,30 Uhr, im Hause der Deutschen Arbeitsfront in Gießen, Schanzenstraße, eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft Volksschule statt. Alle an der Volksschule hauptamtlich tätigen Erzieher des Kreises Gießen müssen zu dieser Tagung erscheinen. Vorher um 14 Uhr Besprechung der Bezirks- und Schulgruppenobleute und der Kreisarbeitsleiter.
und die ewigen Kriegsdienste für Oesterreich, die Bedingung für die Anerkennung der Königswürde, fraßen am Mark des Landes, und trotz alles glänzenden Kriegsruhmes waren keine Truppen verfügbar, um im Nordischen Kriege die eigenen Grenzen zu schützen. Diese Krone war allzu schwer für den jungen Staat. Es galt, die breite Unterlage zu schaffen, die dem Königstum erst Sinn und Berechtigung gab.
Die ganze Wucht dieser Aufgabe fiel auf Friedrich Wilhelm I. Es bedurfte seines harten Pflichtgefühls, feiner unermüdlichen Arbeitskraft und feines tiefen Gottvertrauens, um an dieser Erbschaft nicht zu verzweifeln. Was fand er vor, als er mit 25 Jahren zur Regierung kam? Einen durch Kriege und höfischen Prunk zerrütteten Staat ohne inneren und äußeren Zusammenhang, von Memel bis Mörs über ganz Deutschland verzettelt, von ehrgeizigen Nachbarn umgeben, von fremden Truppen' durchzogen, Ostpreußen wie heute vom Staatskörper abgetrennt und durch Kriegsnot und Seuchen verödet; in der Staatsverwaltung Wirrwarr und Korruption, leere Kassen, die Staatsdomänen, damals die Haupteinnahmequelle, verpfändet ober in Erbpacht gegeben; jede durchgreifende Reform durch die Nebenregierung selbstsüchtiger Landstände, die Vetternwirtschaft in den Stadtverwaltungen und ein verarmtes, dumpf hindämmerndes Volk gelähmt. Nur ein klarer Verstand, ein eiserner Wille und ein organisatorisches Genie konnte aus diesem Chaos herausführen.
Ein Staat wie das damalige Preußen konnte sich nicht den Luxus leisten, Athen und Sparta zugleich sein zu wollen. Unter dem ersten König war dieser Versuch kläglich gescheitert; selbst das reiche Sachsen war unter August dem Starken fast daran zugrunde gegangen. So zwang Friedrich Wilhelm, dem dies doppelte abschreckende Beispiel stets vor Augen stand, seinen jungen Staat rücksichtslos in die Bahn Spartas: statt des königlichen Scheinglanzes eine Wohlfahrtsdiktatur, statt des Durcheinanderwirtschaftens Ordnung und Einordnung, statt der Hofschranzen Soldaten und Beamte, statt der Schlösser Bürgerwohnungen, statt der Akademien Volksschulen und gemeinnützige Anstalten — und vor allem ein starkes Heer, die Voraussetzung jeder selbständigen Politik.
Friedrich Wilhelm hat sich selbst als „Republikaner" bezeichnet. Er war es durch seine restlose Hingabe an das Gemeinwohl. Er war sogar Revolutionär, wie jeder Neuschöpfer, einer jener Revolutionäre von oben, wie sie Deutschland zu feinem Glück immer wieder gehabt hat. Er hat Widerstände egbrochen, brachliegende Kräfte in das Joch des Staatsdienstes gezwungen, mit überlebten Einrichtungen schonungslos aufgeräumt, um neue,
zweckmäßige und zeitgemäße an ihre Stelle zu setzen.
Seine Persönlichkeit und seine Schöpferkraft waren so stark, daß seine Neuordnung 200 Jahre überdauert hat. Er hat einem ganzen Volke den Schwung zur Arbeit gegeben, ihm Pflichttreue und Ehrbarkeit anerzogen, einen Haufen zerstückelter Provinzen von ganz verschiedener sozialer Struktur zu einem einheitlichen Staatsgebilde zusammengeschweißt und ihm eine musterhaft sparsame Verwaltung gegeben. Dank ihm vermochte Preußen den steilen Weg zur Höhe emporzuklimmen, stiefmütterlich bedacht von der Natur, vom Schicksal auf die härtesten Proben gestellt, stets gezwungen, sich jedes Recht zu erkämpfen, zu siegen oder unterzugehen. So ist der Staat Friedrich Wilhelms f. zum Vorbild und Rückgrat Deutschlands und zur Grundlage seiner späteren Einheit geworden. In seine Gedanken ist eine Welt hineingewachsen. Noch in der jüngsten Gegenwart ist Italien seinem Vorbild gefolgt. Er hat zwei Menschenalter vor der Französischen Revolution den alt- römischen Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht erneuert, und der von ihm geschaffene „preußische Militarismus" hat im Siebenjährigen Kriege die Feuerprobe gegen ganz Europa bestanden; erst im letzten Weltkriege ist er nach Leistungen ohnegleichen einer erdrückenden Ueberzahl von Feinden und dem Dolchstoß von hinten erlegen. So steht die strenge Gestalt des „Soldatenkönigs" entscheidend und richtunggebend an der Schwelle der neueren Geschichte.
Oer Keise-Ziegeubock von Lissa.
Auch unsere Eisenbahnordnung ist nicht fertig dem Haupte der Athene entsprungen; ein besonders lustiges Verkehrskuriosum, das vor einem Dreivierteljahrhundert eine gewisse Berühmtheit erlangte, kann seine Entstehung auf das damalige Realement zurückführen: der Reise-Ziegenbock von Lissa. Aus Gründen, die dem einfachen Menschenverstand nicht ohne weiteres einleuchten, war es niemanden, selbst nicht dem zum Kranken berufenen Arzt ober der Hebamme ober sonst Menschen aus Berufen, in bem Eile sehr not tut, gestattet, sich auf auf einem Güterzug ber Eisenbahn be- jörbern zu lassen; selbst bann war die Beförderung ausgeschlossen, wenn dem Güterzuge „richtiae^ Personenwagen angehängt waren. Nur wenn oer zu Befördernde Begleiter eines lieben Viehes war, konnte er den Güterzug benutzen. Ein Industrieller aus Lissa fand nun ein originelles Mittel, um der Eisenbahnbehörde ein Schnippchen zu schlagen. Er hielt sich einen Ziegenbock, den er auch seinen Mitbürgern als Vermittler einer Fahrkarte auf dem
In der Ortsgruppe Gießen-Süd findet am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, im Hotel Hop- feld Zellenabend der Zellen Frankfurter Straße (4) und Bahnhöfe (5) statt. Prof. Fischer spricht über „Deutschtum in Rumänien" (Lichtbildervor- trag).
Die Ortsgruppe Gießen-Nord der N S. - H a g o (GHG.) hält am morgigen Mittwoch, 20.15 Uhr, im „Aquarium" ihre Mitgliederversammlung ab, zu ber alle Mitglieber zu erscheinen haben.
In der Ortsgruppe Gießen-Norb hält bie Zelle 4 am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, Zellenabenb im Kaufmännischen Vereinshaus ab. Redner: Bannführer Käufer.
Amt für Dotkswohtfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd.
Am Mittwoch, 16. Mai, findet um 17 Uhr in der Geschäftsstelle Crednerftraße eine Brot- und Mehlausgabe für die Hilfsbedürftigen statt. 10 Pf. sind mitzubringen.
Hauptversammlung der Männer- und Irauenvereinigung der Matthäusgemeinde.
Gestern abend fand im Matthäussaal die diesjährige Hauptversammlung der Männer- und Frauenoereinigung der Matthäusgemeinde statt.
Pfarrvikar Balz eröffnete die Versammlung und betonte dabei, daß die Arbeit in den evangelischen Gemeinden grundsätzlich umgestellt werden müsse auf das große Ziel. Neu bei dieser Umstellung sei, daß sich auch bie evangelischen Gemeinbe- vereine auf ben Bvben bes Nationalsozialismus stellen. Es sei erfreulich, baß bie nationalsozialistische Bewegung bie Arbeit ber evangelischen Gemeindevereine weitgehenb unterstütze. Es gebe keinen Gegensatz zwischen Volk unb Kirche, sowie zwischett Staat unb Kirche. Die Kirche habe kein Recht, sich in die Angelegenheiten des Staates zu mischen, ebensowenig werbe sich ber Staat in bie Angelegenheiten ber Kirche einmischen. Es gehe barum, baß man sich als Nationalsozialist zur Kirche bekenne und mitarbeite. Kirche und Staat wollten nicht gegen-, sondern miteinander arbeiten. Die einberufene Versammlung solle zunächst nur der Umorganisation dienen.
Zur Tagesordnung übergehend erstattete zunächst Verwaltungsamtmann Schüllermann den Rechenschaftsbericht. Danach betrugen die Einnahmen der Männer- und Frauenvereinigung einschl. Sterbehilfe im Jahre 1933 insgesamt 2448,98 Mark, die Ausgaben 2403,05 Mark. Der Ueberschuß von 45,93 Mark wurde mit Zustimmung der Versammlung dem Reservefonds zugeführt. Das Vermögen des' Vereins (Reservefonds) beträgt z Z. 10 155,14 Mark. Die Zahl der Mitglieder ber Männer- unb Frauenvereinigung beträgt 532, bavvn finb 82 nicht ber Sterbehilfe ber Vereinigung angeschloffen.
Bei ber folgenden Beratung der neuen Satzungen der Männer- und Frauenvereinigung wurde von Pg. Thomas beantragt, ben Zusatz beizufügen, baß nur derjenige Mitglied der Vereinigung werden kann, der arischer Abstammung ist. Lanbge- richtspräsident i. R. Neuenhagen wies darauf hin, daß die evangelische Männer- und Frauenvereinigung nur ein Teil der Gemeinde sei unb baher von sich aus keine Bestimmung treffen könne, solange nicht bie Gemeinde selbst zu dieser Frage Stellung genommen habe. Pfarrvikar Balz vertrat ebenfalls die Auffassung, daß die Aufnahme einer derartigen Bestimmung in die Satzungen nicht möglich sei, solange die Reichskirche bzw. Landeskirche zu dieser Frage nicht endgültige Bestimmungen erlassen habe. Im übrigen wurden die neuen Satzungen der Männer- und Frauenvereinigung einstimmig angenommen.
Es folgte die Wahl des Vereinsführers. Auf Vorschlag von Landaerichtspräsident i. R. Neuen- Hagen wurde Verwaltungssekretär Jäckel, der seither schon mit der Führung der Geschäfte der
Güterzuge gegen eine Gebühr von 50 Pfg. pro Station zur Verfügung stellte. So fuhr eines Tages sogar ein bekannter polnischer Magnat Graf P. als Begleiter eines Ziegenbocks. Der „Reiseziegenbock" wurde bald weit und breit berühmt und als Verkehrsunikum bestaunt, bis die Eisenbahngesellschaft dahinterkam und das Reglement derart änderte, daß dem erbarmungswürdig „bewegten" Leben des Reiseziegenbockes durch wohlverdiente Versetzung in den Ruhestand ein Ende gemacht wurde.
Zeitschriften.
— Im Maiheft der Deutschen Zeitschrift (Verlag Callwey, München) gibt u. a. Josef Dün- ninger in seinem Beitrag „Der politische Ort des Volkes", eine zeitgemäße Klärung ber Begriffe „Volk, Gemeinschaft, Kollektivum" unb rechtfertigt damit zugleich bie sozialpolitischen Maßnahmen ber neuen Staatsführung zum Aufbau einer neuen Volksgemeinschaft, lieber „Das Fernostgebiet ber Sowjetunion", bas mehr und mehr in bas weltpolitische Interesse gerückt wird, gibt Klaus Meh- nert auf Grunb ber neuesten, sehr eingehenben unb umfangreichen Nachrichten eine zusammenhängende unb knappe, burch Kartenskizzen unb statistische Angaben unterstützte Darstellung. Zum Thema „Deutschlanb — Oesterreich" nimmt vom Stanb- punkt ber gesanttbeutschen Solidarität ber „Kürenberger", ein den Kernpunkt bieses beutschen Problems scharf erfassenber Anonymus, Stellung, lieber Marie von Ebner-Eschenbach wirb ein prächtiger Essai aus dem Nachlaß Josef Hofmillers beigesteuert; als Leseprobe wirb bie bekannte Erzählung „Krambambuli" ber Dichterin beigegeben. Ulrich Christosfel macht uns näher mit bem Münchner Maler Hans Gott bekannt, von besten Werken sieben Gemälbe und Zeichnungen roiebergegeben werden. „Vom Wesen des Spiels bei Mensch und Tier" handelt ein Beitrag von Armin Müller. Im literarischen Teil ist noch bie „Geschichte vom guten Pferb" bes Vlamen Antoon Coolen zu nennen. Buch- unb Filmberichte schließen das gebiegene Heft.
£od)fdnilnacbricbten.
Professor Dr. L. Walbecker, Orbinarius für Staats-, Verwaltungs-, Völker-, Finanz- unb Steuerrecht an ber Universität Breslau ist an bie Universität Köln versetzt roorben.
Der Hallenser Privatbozent Dr. Rubors ist als orbentlicher Professor für Pflanzenball und Pflanzenzüchtung unb als Direktor bes Instituts für Pflanzenbau unb Pflanzenzüchtung an die Universität Leipzig berufen worden.


