Oie Ltnruhen in Algier.
Paris, 9. Aug. (DNB.) Don den bei den Unruhen in Constantine Festgenommenen sind bisher 14 4 Personen in Haft behalten worden, die der Plünderung, des Diebstahls, unerlaubten Waffentragens, der Hehlerei und des Mordes beschuldigt werden. Mit dem Verhör ist bereits begonnen worden, doch leugnen die meisten Beschuldigten ihre Mittäterschaft an den Unruhen.
Obwohl die Ruhe in den Straßen Constantines wiederhergestellt zu sein scheint, bleiben die Truppen vorläufig noch in der Stadt. Seit zwei Tagen wird an der Aufräumung der Straßen gearbeitet, in denen sich die Zusammenstöße abgespielt haben. Ganze Lastkraftwagen voll zerbrochener Möbel, Glas, Kleidungsstücke usw. sind bereits fortgeschafft worden, und doch bleibt noch immer viel zu tun übrig.
Die Beerdigung der 24 Todesopfer von Constantine fand im Beisein des Bürgermeisters und Vertreter der Behörden statt.
Oie Verhandlung vor dem Wiener Militärgericht.
Wien, 8. August. (DNB.) Die Verhandlungen gegen die neun Wachleute, die der Teilnahme an der Besetzung des Bundeskanzleramtes angeklagt sind, wurde heute vor dem Militärgerichtshof fortgesetzt. Sie erklärten, sie hätten nicht ge -1 wußt, daß sie an einer illegalen Aktion teilnehmen sollten, als sie am Mittwoch, 25. Juli, nachmittags aufgefordert worden seien, sich in ber |
Bundesturnhalle in der Siebensterngasse einzufinden. Die Aufforderung hätten sie von einer u n - bekannten Person erhalten, die ihnen einen Dienstzettel übermittelt hätte. Nach Aussage zweier Angeklagter handelt es sich um den seit dem Aufstand flüchtigen Kriminalbeamten Steiner. Die Angeklagten erklärten ferner, sie wären das Opfer derer geworden, die die Sache durchführen wollten. ScharfeEingriffe in das Hochschulwesen
Wien, 8. August (DNB.) Zu dem M i n i st e r - ratsbeschluß über das Hochschulwesen werden noch interessante Einzelheiten bekannt. Von besonderer Bedeutung ist die Ermächtigung des Bundesministers für Unterricht, im Wege von Re- organisations- und Ersparungsmaßnahmen o r - deutliche und außerordentliche Pro- fessoren ohne besonderes Verfahren in den Ruhe st and zu versetzen und Hochschulassistenten von ihren Posten zu entheben. Bezüglich der Hochschule für Bodenkultur hat der Ministerrat beschlossen, daß alle diejenigen Lehrkräfte, die bis zum 25. September 1934 nicht ausdrücklich amtlich bestätigt werden, als in den Ruhestand versetzt zu gelten haben. Alle Lehraufträge, die an Privat- und Honorar- Dozenten erteilt wurden, erlöschen mit dem 31. Dezember, das Dienstverhältnis wissenschaftlicher Hilfskräfte mit dem 31. Oktober 1934. Bezüglich der Wahl des Rektors dieser Hochschule wird bestimmt, daß die ministerielle Bestätigung dieser Wahl künftighin ohne Angabe von Gründen verweigert oder jederzeit widerrufen werden kann.
Die SchilkWschlacht bei Tannenberg.
Genie gegen Masse. — Rätsel und Wunder. — Spieler und Gegenspieler.
Von Alfred H. Troß.
3. Fortsetzung.
(Urheberrecht: Dammert-Pressedienste, Berlin W 35)
Wennenkamps marschiert nicht.
Mit Sorge blickt man dabei immer weiter nach Nordosten, nach der Armee des Generals Rennenkampf. — Unbegreiflich: er stößt nicht nach hinter den ausgewichenen, durch die Abtransporte nach Süden katastrophal geschwächten Deutschen! — Warum nicht? — Das ist eines der größten Rätsel der Schlacht bei Tannenberg; es wird wohl nie einwandfrei gelöst werden.
Jedenfalls zecht der hohe Herr wacker im Hotel „Dessauer Hof" zu Insterburg, wo er sein Hauptquartier aufgeschlagen hat. Das ist ein herrliches Sybaritenleben, wie es dem Helden und Sieger von Gumbinnen gebührt. Widerlich nur, daß die Teufel des Großen Hauptquartiers, daß sowohl der Großfürst wie der General Shilinski immer wieder diese Gemütlichkeit stören müssen, die Pest über sie!
Es trifft der Befehl ein: „Die Festung Lötzen ist zu nehmen!" Und diese Befehle häufen sich von Stunde zu Stunde mehr, unter allen Umständen soll Rennenkampf diese Festung erobern; sie trennt nämlich mit ihrem Seengelände die beiden Heere Rennenkampf und Samsonow. Sie ist ein zwar kleiner, aber ganz modern bewaffneter Platz, der tatsächlich an der wichtigsten Stelle in der masurischen Seenkette liegt. Das Hauptquartier hat schon recht. Darum entschließt sich Rennenkampf stöhnend zu einer „offensiven" Gelte —:
Am 24. August um fünf Uhr morgens erscheinen ein Major, ein Adjutant und ein Trompeter als Parlamentäre, um die Festung zur Uebergabe aufzuforde rn. Das Schreiben an den Kommandanten, den Obersten Busse, ist deutsch abgefaßt. Es lautet wörtlich:
„An Herrn Kommandant von der Feste Lötzen.
Lötzen ist schon von den Truppen der russischen Kaiserlichen Armee ganz eingeschlossen. Unnützlich ist eine weitere Verteidigung der Feste. Mir ist befohlen, Sie zu beauftragen, die Festung freiwillig
uns zu übergeben, damit kann man vermeiden unnützlichen Verluste. Sie haben zu Ihrer Verfügung 24 Stunden, um die unsere Bedingung zu überlegen. Wenn Sie nicht wollen mit dieser Bedingung zufrieden sein, so wird man mit offener Kraft die Festung nehmen und in diesem Falle dort kein Stein aufm Stein nicht gelassen wird."
Lötzen wirt» nicht übergeben!
Den russischen Parlamentären gegenüber ist ein Versehen geschehen; man hat auf sie geschossen und sie leicht verwundet. Darauf spielt die am gleichen Tage gegebene stolze Antwort des Kommandanten von Lötzen an:
„Euerer Exzellenz bringe ich mein lebhaftes Bedauern zum Ausdruck, daß die von Eurer Exzellenz vorgeschickten Parlamentäre, ein Major, ein Adjutant und ein Trompeter, von meinen Truppen angeschossen worden sind. Ein vorgeschobener Posten hat sie von der Seite bzw. vom Rücken aus gesehen und will die Parlamentärflagge nicht bemerkt haben. Ich werde den Vorfall peinlich untersuchen und stelle strenge Bestrafung in Aussicht. Euere Exzellenz können versichert sein, daß von meinen Truppen streng nach den Gesetzen des Völkerrechts gehandelt wird. Die Verwundeten sind in das Lazarett ausgenommen, sie erhalten dort die beste Pflege und werden nicht als Gefangene behandelt. Sobald es deren Zustand erlaubt, werden diese ausgeliefert werden.
Was Ihre Aufforderung anbetrifft, die Feste zu übergeben, so weise ich dieselbe für mich und meine tapfere Besatzung als im höchsten Grade beleidigend zurück. Die Feste Lötzen wird nur als Trümmerhaufen übergeben.
Der Kommandant der Feste Lötzen.
Buss e."
Nach dieser Antwort seufzt Herr Rennenkampf schwer. Sinnend mault er vor sich hin: „Ein Pfahl in meinem Fleisch wird sie werden, diese vermaledeite Festung!"
Im übrigen: Rennenkampf marschiert nicht; er pendelt ziellos hin und her droben im nördlichen
Ostpreußen. Er läßt Samsonow im Stich — und Samsonow schickt sich gerade an, seine Front zu verlegen, damit den schwersten Fehler zu begehen, mit dem die deutsche Heeresleitung fiebernd berechnet hat, und blindlings in die Katastrophe hm- einzurasen.
Bange Stunden, bange Tage.
Die Gegner haben sich ineinander verbissen hier im Süden, die Truppen Samsonows haben Neidenburg erreicht, wo der General sein Hauptquartier ausschlägt. Wilde Kämpfe bei Orlau, bei Lahna, — und bange Stunden, bange Tage im östlichen Hauptquartier:
Werden die Truppen durchhalten? Werden die Verbände aus dem Norden rechtzeitig heran sein? Was plant Rennenkampf? Will Samsonow von Südwesten her umfassen?
Unterdessen marschieren die Deutschen in schier tödlichen Märschen zur Umklammerung heran, rollen Tag und Nacht, Zug um Zug die Truppen heran, die sich soeben 200 Kilometer nördlich von Rennenkampf lösten und nun südostwärts eingesetzt werden. Verbände, für die im Frieden zwei Stunden Ausladezeit vorgesehen war, werden in fünfundzwanzig Minuten und weniger entladen. Die Eisenbahnbeamten geben ihr Letztes. Schwerer als die körperliche und seelische ungeheure Anstrengung drückt sie oft, so betont Major von Stephani, ihr preußisches Beamtengewissen, wenn allen Eisenbahn-Vorsichtsmaßregeln zum Trotz die Züge auf freier Strecke ohne Beachtung der Signale dicht aufeinander aufsahren, um sofort an die Ausladerampe herangezogen zu werden, wenn der vorhergehende Zug entladen ist. Es ist auch ein Wagnis; das Versagen einer Bremse kann unabsehbares Unglück bringen. Und doch: es geht — das Wunder wird zur Wirklichkeit — die Truppen kommen, kämpfen, marschieren, kämpfen, arbeiten sich vor. . .
Aufgefangene Funkfprüche.
Das deutsche Hauptquartier wird in die kaum erhoffte Glückslage versetzt, mehrere Telegramme des Gegners auffangen zu können und so über dessen weitere Pläne unterrichtet zu werden. Vor allem hört man von Rennenkampf — der erläßt Befehle zur Eroberung einer Linie, die er in Wirklichkeit schon längst in Besitz hat ... er streut sich und seinem Vorgesetzten Shilinski und vor allem dem Oberstkommandierenden Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch Sand in die Augen, markiert ungeheure Tätigkeit, täuscht ständigen wilden Angriff vor — und rührt sich in Wirklichkeit kaum von der Stelle.
Auch Samsonows Absichten erfährt man. Hier liegt die Gefahr vor, daß er in stetem Vorwärtsdrängen nach Nordwesten die Deutschen überflügelt, sie entweder einkesseln oder sie, dem ursprünglichen Plan gemäß, tatsächlich gegen Königsberg und ins Meer hinein abdrängt, bevor die deutschen Umgehungen vollendet sind.
Und da erlebt Samsonow eine tödliche Ueberraschung. Man führt ihm deutsche Gefangene vor. Er erkennt an den Achselklappen, daß er plötzlich gänzlich fremde Verbände vor sich hat, die er einige hundert Meilen weiter nördlich im Kampf mit Rennenkampf wähnte — und neue Verbände, von denen er nicht weiß, woher sie kommen. Er vermutet ungeheure Truppenmassen gegen sich — und in dieser tödlichen Ueberraschung begeht er den wahnwitzigen Fehler, der seine und seiner Armee Existenz kostet —: um gegen die plötzlich zu unerkannter Stärke massierten Deutschen Feld zu gewinnen und sie zurück- zudrücken, ändert er seinen ganzen Schlachtplan — dirigiert seinen ganzen linken Flügel aus seiner Westrichtung um gegen Norden — nach Norden drängt jetzt die ganze Samsonow-Armee — und drängt in die Falle hinein ...
Das ist schon die Entscheidung! So geschieht es am Abend des 25. August.
Um fast die gleiche Zeit allerdings entscheidet sich auch etwas anderes: Jetzt ruft Oberst von Tap-. p e n, Chef der Operationsabteilung im Großen Hauptquartier, aus Koblenz an und teilt mit, daß l
Moltke, wie vor einigen Tagen noch Prittwkß beantragt, drei Armeekorps von der W e st f r o n t abgezogen und nach Ostpreußen verfrachtet hat.
Ueberraschung und Besorgnis bei Hindenburg und Ludendorff: „Wir brauchen keine Truppen! Wir haben nichts beantragt. Die Korps kämen sowieso zu spät! Wir erwarten, die im Gang befindliche Schlacht in wenigen Tagen siegreich zu beenden; dann werfen wir uns auf Rennenkampf! — Braucht man denn die Korps nicht im Westen?!"
„Man braucht jeden Mann! Aber Prittwitz hatte doch
Die drei Korps sind schon unterwegs — in die Schlacht bei Tannenberg greifen sie nicht mehr ein — aber in der Marneschlacht fehlen sie --und in der Marneschlacht schon entschied sich, cum grano salis, der Weltkrieg ...
(Fortsetzung folgt.)
Kirche und Schule.
Synodalfest der Kreissynode Wetzlar
O Wetzlar, 8. Aug. Im Pfarrhof zu Reis- k i r ch e n fand am vergangenen Sonntag das Synodalfest des Gustav-Adolf-Ver- eins der Synode Wetzlar statt.
Eingeleitet wurde das Fest durch einen Gottesdienst am frühen Nachmittag, in dem Pfarrer Brauneck aus Mayen (Bezirk Koblenz), ein langjähriger Mitarbeiter im Evangelischen Bund und dem Gustao-Adolf-Verein die Predigt hielt. Der Geistliche gab zunächst einen Rückblick auf den 30jährigen Krieg, auf das Wirken Gustav Adolfs in Deutschland und seinen Tod auf dem Schlachtfelde zu Lützen. Er erinnerte ferner an die Gründung des Gustav-Adolf-Vereins, der im Jahre 1832 ins Leben gerufen wurde und der es sich zur Ausgabe gemacht hat, die Evangelischen in der Diaspora des In- und Auslandes zu betreuen. Immer habe der Verein seine Arbeit getan, getreu der Losung: „So laßt uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen". Der Gemischte Chor von Niederwetz brachte ein Lied zum Vortrag.
Nach einer Kasseepause begann die Nachfeier, die durch Darbietungen der Posaunenchöre von Niederwetz und Weidenhausen, sowie durch gemeinsamen Gesang eingeleitet wurde. Redner waren Pfarrer B r a u n e ck und Pfarrer Kulte von Nieder- Kleen. Der Begrüßung schloß sich ein Gotteswort an: „Werde wach und stärke das andere, das sterben will!" Für die lebendigen Gemeinden im Wetzlarer Land gelte das Wort „Werde wach und stärke die Brüder in der Diaspora, die sterben wollen, weil es an äußeren Mitteln fehle". Nach einem Posaunenvortrag hielt Pfarrer B r a u n e ck die Festansprache, in der er sich mit Fragen des Bekenntnisses beschäftigte. Das Lied „Reich des Herrn" stellte die Verbindung zur Schlußansprache von Pfarrer K u l k e dar, der nochmals die schwierige Arbeit des Gustav-Adolf-Vereins aufzeigte und dafür warb, in die Reihen des Vereins einzutreten.
Wettervoraussage.
Der hohe Druck ist von der Biskaya her nach dem Festland vorgestoßen und wird im wesentlichen freundliches Wetter bewirken. Da aber an der Südseite der nordischen Störung fortgesetzt ozeanische Luft ostwärts fließt, kommt es vereinzelt zu Gewitterstörungen, die mitunter auch Niederschläge zur Folge haben.
Aussichten für Samstag: Teils aufheiternd, teils bewölkt mit Neigung zu Gewitter- ftörungen, schwül.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei
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