Der Führer spricht zum Volke
am Freitag, 17. August.
Berlin. 8. Aug. (DRB.) Am Freitag. 17. August, wird um 20 Uhr der Führer über alle deutschen Sender zum deutschen Volke sprechen. Die Rede soll an allen Orten auf die öffentlichen Plätze übertragen werden, ferner ist die Rundfunkorganisation der RSDAP. mit der Organisierung eines grohen Gemeinfchafts- empfanges beauftragt, damit jeder einzelne Volksgenosse die Möglichkeit hat, die Rede des
Führers zu hören. Besitzer von Rundfunkgeräten sollen Hausbewohner, die keinen Rundfunkapparat haben, zum Abhören der Rede des Führers in ihre Wohnung einladen.
Am Montag, 13. August, wird um 20.30 Uhr Reichsminister Dr. Goebbels über die Reichssender Berlin und Deutschlandfender ebenfalls zum deutschen Volke sprechen. Auch für diese Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsempfang vorbereitet.
Papens Mission in Wien.
Die Ernennungsurkunde ausgehändigt.
Berlin, 8.Aug. (DNB.) Nachdem die österreichische Regierung das Agrement für die Ernennung des Gesandten von Papen erteilt hat, sind diesem durch den Führer und Reichskanzler die noch vom verstorbenen Herrn Reichspräsidenten vollzogenen Urkunden der Enthebung vom Amt als Reichsminister und Stellvertreter des Reichskanzlers, sowie der Ernennung zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in besonderer Mission in Wien aus- gehändigt worden.
Erklärungen des Herrn von Papen.
Berlin, 8. Aug. (DNB.) Vizekanzler a. D. v o n Papen hat Reuter und Associated Preß auf deren Wunsch folgende Erklärung übermittelt:
„Nachdem die österreichische Regierung das Agrement zu meiner Ernennung zum Gesandten und bevollmächtigten Minister erteilt hat, entspreche ich gern Ihrem Wunsch nach einer kurzen Erklärung:
Die mir von dem Führer und Reichskanzler erteilte Aufgabe ist in seinem Schreiben vom 26. Juli 1934 an mich eindeutig und klar umrissen. Ich habe mich dieser TNission zur Verfügung gestellt, um sie dem Sinne und dem Geiste nach zu erfüllen, weil ich weih, wieviel für die Entspannung der europäischen Lage von ihrer Verwirklichung abhängt, und weil ich damit meinem Land auch in dieser neuen Stellung dienen kann.
Die letzte Unterschrift des verewigten Feld- marschalls von Hindenburg ist unter ein Schreiben an mich gesetzt, in dem es heißt: „Wenn ich Sie nunmehr als diplomatischen Vertreter des Reiches nach Wien entsende, so geschieht es in der aufrichtigen Hoffnung, daß es Ihnen gelingen möge, normale und herzliche Beziehungen mit dem stammverwandten österreichischen Volk herzustellen. Meine besten Wünsche begleiten Sie bei der Durchführung dieser verantwortungsvollen Aufgabe."
Dieser Befehl ist zugleich ein Vermächtnis, dem nichts hinzuzufügen ist."
Ertvartunsen in Wien.
Wien, 8. August (DNB.) Zu dem gestern nachmittag von der österreichischen Regierung erteilten Agrement für den neuernannten deutschen Gesandten in Wien, von Papen, bringen die Morgenblätter nur einen kurzen offiziösen Kommentar, der deutlich die abwartende Haltung der österreichischen Regierung zu der Entsendung von Papens nach Wien ausdrückt. In dem Kommentar heißt es, es sei auch in schwierigen Fällen gegen die im internationalen diplomatischen Verkehr bestehenden Gewohnheiten, das Agrement zu verweigern. Im übrigen werde man in Oesterreich abwarten, wie der neue Gesandte der Misston, die im Sinne einer Befriedung der Ver
hältnisse der beiden Staaten bei seiner Berufung formuliert worden sei, entsprechen werde.
In diplomatischen und politischen Kreisen sieht man dem Eintreffen von Papens mit besonderem Interesse entgegen. Man hofft allgemein, daß nunmehr eine Periode der allgemeinen Entspannung und Befriedung eintreten werde und daß entsprechend der vom Reichskanzler in seinem Schreiben an von Papen dargelgten Richtlinien nunmehr die Wiederher st ellung normaler Beziehungen der beiden deutschen Staaten möglich sein werde.
Paris hetzt.
Paris, 9. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Erteilung des Agrements für von Papen durch die Wiener Regierung wird in n a t i o n a - listischen französischen Kreisen als ein Beweis der Schwäche des Kabinetts Schuschnigg ausgelegt. In diesem Sinne äußert sich u. a. das „Echo de Pari s", das sich sogar eines gewissen Mißtrauens nicht verwehren kann. Auch die „E r e N o u o e l l e" scheint von der Widerstandsfähigkeit der österreichischen Regierung gegen die Anschlußgefahr nicht ganz überzeugt zu sein und verlangt deshalb, bei den „künftigen internationalen Verhandlungen" die Lehre aus den Fehlern zu ziehen, die man „trotz der Befürchtungen und Warnungen Frankreichs begangen habe".
Der „T e m p s" stellt es so dar, als habe die Wiener Regierung nicht gegen die diplomatischen Gepflogenheiten verstoßen und ihre Zustimmung verweigern wollen, obwohl sie das Recht dazu gehabt hätte. Aber der Abbruch der diplomatischen Beziehungen hätte nicht geregelt, im Gegenteil, die österreichischen Alldeutschen würden sich darüber aufgeregt haben und die Nationalsozialisten würden das zum Vorwand genommen haben, um noch verwegener oorzugehen als bisher. Besser sei es daher gewesen, Deutschland durch die Regeln zu binden, die jeder amtlichen Vertretung im Ausland vorgeschrieben seien. Der „Temps" beschäftigt sich dann wieder einmal in gewohnter Weise mit dem gegenwärtigen Stand der Anschlußfrage und erklärt u. a., selbst wenn es in Oesterreich noch eine Anschlußbewegung gäbe, wäre sie von allen Möglichkeiten in Mitteleuropa ausgeschlossen, denn die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit Oesterreichs sei nicht nur ein österreichisches Problem, sondern ein internationales Problem, demgegenüber die Mächte sich nicht gleichgültig verhalten könnten.
Oesterreichs Wehrmacht ehrt die deutschen Gefallenen.
Berlin, 8. Aug. (DNB.) Generaloberst Fürst Schönburg-Harten st ein, der die österreichische Wehrmacht bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für Feldmarschall von Hindenburg am Tannenberg-Denkmal vertreten hatte, legte Mittwoch vormittag am Ehrenmal der deutschen Gefallenen des Weltkriegs einen Kranz nieder. Der prachtvolle Lorbeerkranz trägt auf rotweißroter Schleife die Inschrift „Das österreichische Bundesyeer als Traditionsträger der alten österreichischen Armee."
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Die neue Aufgabe der Heimatmuseen.
Von Architekt Fritz Wiedermann.
Ein starkes, selbstbewußtes Bauerntum, fest .... Boden des deutschen Vaterlandes wurzelnd, seiner völkischen Aufgabe lebend, das ist das Ziel der gegenwärtigen Bauernpolitik. Die Maßnahmen der Rechsregierung haben alle den einen Sinn: die Sicherung des bäuerlichen Standes und seine schöpferische Förderung. Denn die Quelle aller völkischen Kraft ist noch immer das gesunde, schicksalsbewußte Bauerntum. Die Wiedererweckung einer gesunden bäuerlichen Kultur gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Die neue, schollenechte D o r f k u l t u r muh sich aufbauen, immer unter der Führung starker völkischer Gesichtspunkte, auf den Beziehungen unserer Volkskunde zum Bauerntum.
Bei der Aufgabe, alte Ueberlieferungen zu sammeln und Volkskunde zu pflegen, werden die Heimatmuseen eine große Rolle spielen. Auch hier gilt es eine Neugestaltung oorzunehmen. Fort mit allem Staub, weg mit allen blutleeren, oberflächlichen Beigaben. Ein Spiegelbild der Heimat zu sein, durch lebendige Beziehungen mit Menschen, Bauten und Landschaft, das ist die künftige Auf- aabe des Heimatmuseums. Brauchtum und Sitte, heimatliche Art und das Kleid des Landes sollen hier zur Geltung kommen. Wie ein Sprachrohr soll das Heimatmuseum sein, das eines Landes Eigenart hell und stolz hinaus ruft in die Weite. Ein Spiegel soll es sein, in dem die Menschen der Heimat ihr wahres Wesen erkennen und den Stolz lernen, sich als Kinder ihres Stammes, ihrer Heimat zu fühlen.
An die Stelle der wilden Sammelwut, die alles stapelt, was sich bietet, soll das neue Heimatmuseum zunächst einmal das Gesicht des Landes zeigen. Das Bauernhaus, dessen stolze Geschichte sich zu- rückverfolgen läßt bis zu unseren germanischen Vor- fahren, soll durch Bilder und Modelle reichlich vertreten sein. Es werden sich gewiß fachkundige Helfer finden, die das Haus und feine Entwicklungsformen im Bilde darzustellen verstehen. Welch eine wichtige Rolle spielen die Baustoffe, wie kunstvoll sind doch die alten Strohdächer, Schnitzereien am Tor, der Fenster zierliches Rahmenwerk und schließlich die geschnitzten Türen. Darüber hinaus ist eine Darstellung der bäuerlichen Wohn
kultur sehr wertvoll. Die alten Schränke, Tische und buntbemalte Stühle, der Truhen kunstvolles Schnitzwerk, dazu des Hausrates bunte, anschauliche Fülle, das alles gehört ins Heimatmuseum. Welch ein Reichtum spricht aus den kunstvollen Stücken, wie farbig und künstlerisch wußten unsere Vorfahren Haus, Diele und Stube zu schmücken. Aber diese Reste ihrer reifen Wohnkultur sollen nun nicht als „Museumsobjekte" gestapelt und lieblos aufgereiht werden, sondern sie müssen zusammen mit ihrer Umgebung so dargestellt werden, daß wir den traulichen Wohncharakter einer alten Bauernfamilie empfinden. Mit Geschick und Geschmack wird es möglich sein, eine stilechte Bauernstube mit allen Möbeln, mit Vorhängen und Bildern darzustellen.
Um das Leben im Bauerndorfe darzustellen, ist eine Uebersicht über die tägliche Arbeit und über das Gerät in des Bauern Hand erforderlich. Wir sollen die Arbeitsweisen kennenlernen, die besonders der großstädtischen Bevölkerung völlig fremd geworden sind. Wer kennt noch die Flachsbearbeitung? Nur wenige sind es, die jemals den Vorgängen sachkundig zugeschaut haben. Und doch ist gerade die Verarbeitung des Flachses für die bäuerliche Wirtschaft sehr wichtig. Auch das Spinnen und Weben, das in manchen Teilen des Vaterlandes noch heute als Hausindustrie ein kümmerliches Dasein fristet, muß im Heimatmuseum dargestellt werden. Das alte, oft für wertlos erklärte Arbeitsgerät muh gesammelt werden, die verschiedenen Arbeitsweisen müssen durch Zeichnung oder beschreibenden Tert fiufbewahrt bleiben. An den Sonntagen wird sich gewiß eine Mitarbeiterin finden, die es noch versteht, den alten W e b st u h l zu bedienen. Dann wird mit einem Schlage das sonst so stille und leere Heimatmuseum gefüllt und belebt. Damit ist auch der Weg zur Neubelebung der alten Trachten eingeschlagen, die hier eine praktische Unterstützung erhalten können. Zur bäuerlichen Arbeitsweise gehören natürlich alle Geräte, die der Feldarbeit dienen; aber auch das Hirtenwesen und die Imkerei dürfen nicht vergessen werden. Auch Fischerei und Jagd gehören, soweit sie dem Bauern eigen sind, in diese Darstellung.
Einen breiten Raum wird die Nachweisung des bäuerlichen Brauchtumes einnehmen. Die Darstellung freilich wird jetzt immer schwieriger. Sie bleibt beschränkt auf die Reste, die noch immer lebendig im Volksgut blieben und bei den Festen zur Aufführung kommen. Um aber das Gedanken-
polen gegen französische Kolonialmeihoden.
Wie französische Unternehmer in polen Hausen.
Warschau, 9. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Die offiziöse „Gazeta P o l s k a" wendet sich in einem Leitartikel gegen französische Hauptaktio- närederLeinenwebereiZyrardow bei Warschau. Die Aktienmehrheit dieses ehemals deutschen Unternehmens befindet sich im Besitz der französischen Boussac-Gruppe, die das Unternehmen nach französischen Kolonialmethoden ausbeutete. Auf Grund festgestellter Buchfälschungen und Steuerhinterziehungen war das Unternehmen unter Gerichtsaufsicht gestellt worden. Die weiteren Ermittlungen führten zu einem Strafprozeßver- fahren gegen B o u s s a c und seine Helfer. Um dem schwebenden Gerichtsverfahren vorzugreifen, schloß die französische K a p i t a l g r u p p e mit den Besitzern der polnischen Aktienminderheit, die von einem General und einem Senator
geführt wird, einen Vergleich ab, gegen den sich jetzt die polnische Regierungspresse mit der offiziösen „Gazeta Polska" an der Spitze wendet. Die Blätter nennen den Vergleich einen räudigen Vertrag und verurteilen die Methoden Boussacs aufs schärfste. Das Warschauer Regierungsblatt meint, Boussac habe sich die Rechte der polnischen Aktiv- näre nicht für ein Linsengericht, sondern für ein „übelriechendes Würstch en" verschachern lassen. Der Halsabschneider habe versprochen, etwas aus dem gestohlenen Besitz herauszugeben, um an den Verhandlungstisch zu gelangen. Selbst auf einen zur Verteidigung Boussacs versuchten Druck müsse erklärt werden, daß Boussac ein r a f f i n i e r- ter Halsabschneider sei, dem der einzige Weg offenstehe, sich in der Anklagebank des polnischen Strafgerichts zu verteidigen.
Schuschnigg und Siarhemberg über ihren Kurs.
Wien, 9. Aug. (DNB.) Gestern fand auf dem Wiener Heldenplatz eine Trauerkundgebung der „Vaterländischen Front" für Bundeskanzler Dr. Dollfuß statt. Nach polizeilichen Angaben nahmen 80 000 Personen daran teil. Die Hauptredner waren Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Vizekanzler Starhemberg.
Bundeskanzler Schuschnigg führte u. a. aus: „In dieser ernsten Stunde rufe ich euch Oesterreicher wiederum zur Besinnung und zum Frieden. Wir wollen jedem, auch dem Verhetzten, auch dem, der sich mißbrauchen ließ, sofern er guten Willens ist, die Hand zum österreichischen Frieden reichen. Aber eines: Der, der mittelbar oder unmittelbar Blutschuld auf seinem Gewissen trägt, mit dem gibt es keine Versöhnung, mit dem gibt es keinen Frieden. Die Erinnerung an Engelbert Dollfuß möge bei allen, die heute beisammenstehen, aneinandergeschweißt, jene Gemeinsamkeit sehen. Deutsche — jawohl. Deutsche — österreichische Treue zu unserem Volke und Land möge uns führen in die Zukunft, in das Oesterreich, das als freies, deutsches unabhängiges Land Hüter werden möge europäischer Kultur und europäischen Friedens."
Vizekanzler Starhemberg sagte u. a.: „Wir Ostmarkdeutschen fühlen es in uns, daß wir im wahrsten Sinne des Wortes von der göttlichen Vorsehung auserwählt sind, durch unsere Leiden, durch unsere Opfer das Schicksal der Welt zu gestalten." Der weitere Verlauf der Rede des Vizekanzlers brachte sehr heftige Angriffe auf den N a t i o- nalfozialismus und das Deutsche Reich.
Seines Amtes enthoben.
Kitzbühel, 8. Aug. (DNB.) Der Bürgermeister von Kitzbühel Josef Herold wurde vom Leiter der Bezirkshauptmannschaft seines Amtes enthoben. Der stellvertretende Bürgermeister Anton H o e l z l wurde mit der Führung der Amtsgeschäfte betraut.
Bürgermeister Herold hatte es abgelehnt, die Hauptstraße von Kitzbühel nach Dr. Dollfuß zu benennen, da er eine solche Umbenennung für Kitzbühel als internationalen Kurort für nicht zweckmäßig hielt. Auch äußerte er, daß Oesterreich bereits zwei Putsche erlebt habe, und daß man nicht voraussehen könne, ob nicht etwa noch eine andere Umwälzung komme; dann müßte der Name Dollfuß wieder verschwinden.
Der Wiener Militürgerichtshof verhandelt
Wien, 8. Aug. (DNB.) Der Wiener Militärgerichtshof verhandelt heute gegen einen Rayoninspektor, zwei Oberwachleute und sechs Wachbeamte, die beschuldigt sind, die Gefangennahme des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß, des Ministers Fey und des Staatsstlretärs Kar- winsky ins Werk gesetzt zu haben, um dadurch Empörung und Bürgerkrieg hervorzurufen. Die
Namen der Angeklagten, die im 26. bis 40. Lebensjahr stehen und bis auf zwei verheiratet sind, sind: Rayoninspektor Emil Schrott, die Oberwachleute Franz L e e b und Ludwig M a i tz e n, die Wachbeamten Franz Fröhlich, Leopold Steiner, Franz Pangerl, Josef Hackel, Johann Do- b a k und Erich W o h l r a b. Die Anklage gegen alle lautet auf Verbrechen des Hochverrats. Leeb ist außerdem des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit bezichtigt, begangen dadurch, daß er den Kriminalbeamten Anton Marek an der Ausübung feines Dienstes durch gefährliche Drohungen und Handanlegung verhinderte und dabei feine persönliche Freiheit einschränkte.
In seinem Strafantrag schildert der öffentliche Ankläger den bereits bekannten Verlaus des Put- fches. Dieser Putsch, fo sagt er, sei bereits vor einem Jahr geplant gewesen. Schon damals habe die Regierung gefangen genommen und ihres Amtes enthoben werden sollen. Der nun durchgeführte Putsch sei drei Wochen vorher vorbereitet worden. Auf ein Signal hätten sich auch die neun Wachleute eingefunden, und zwar in ihren Dienstuniformen. Die Dienstwaffen wurden ihnen abgenommen und sie hätten dafür Steyr-Pistolen erhalten. Bei der Abfahrt der Kraftwagen hätte sich auf jedem Wagen mindestens ein Wachmann, auf dem letzten nur Wachleute befunden. In jedem Beschauer der vorüberfahrenden Kraftwagen habe der Eindruck erweckt werden müssen, daß es sich tatsächlich um eine eilige Aktion der Polizei handele.
Die Verhandlung wurde in später Abendstunde abgebrochen und auf Donnerstag vertagt.
3u lebenslänglichem Kerker verurteilt.
Wien, 8. Aug. (DNB.) Vor einem Militär- gerichtshof in Graz fand am Mittwoch die Verhandlung gegen den 52jährigen Schuldirektor Philibert G r a g g e r aus Schwanberg in Steiermark statt. Der kleine Ort war am 25. Juli der Schauplatz erbittertster Kämpfe. Die Aufständischen besetzten das Postgebäude und stürmten auch die Gendarmerie. Bei diesen Kämpfen siel auf Seiten der Aufständischen der Sohn des Schuldirektors. Der Angeklagte, ein grauhaariger Mann mit scharf- geschnittenem Gesicht, trug eine Reihe von Kriegsdekorationen. Er war als Landsturmoberleutnant 46 Monate an der Front. Aus die Frage des Vorsitzenden, ob er sich nationalsozialistisch betätigt habe, erklärte er, daß er seit dem Verbot keine politische Arbeit mehr geleistet habe, daß er aber in seinem Herzen immer Nationalso- zialist gewesen sei. Der Angeklagte gab an, daß er keineswegs den Sturm auf die öffentlichen Ge- bäude geleitet habe, sondern daß er nur als Parlamentär gewirkt habe. Er habe sich sogar dem Wunsch der Aufständischen, den Angehörigen der Ostmärkischen Sturmscharen, der seinen Sohn erschossen hatte, als Geisel festzunehmen, widersetzt. Der Angeklagte wurde zu lebenslänglichem Kerker verurteilt.
gut alter Weistümer zu erhalten, ist eine rege Sammeltätigkeit aller Heimatfreunde notwendig. Eine Aufzeichnung der alten Bräuche, möglichst in der Darstellung verschiedener Gewährsmänner, sichert die Vielseitigkeit dieser Bilder. Auch Lieder und Gedichte, Märchen und Sagen sind des Sammelns wert. Die alten Flurnamen sollen diese Gruppe erweitern und die Mundart wird die liebenswürdige Ergänzung zur Kenntnis unseres heimischen Sprachgebrauches bilden.
Nicht zu vergessen sind die Erinnerungsstücke an die alten Feste: Opfergaben, Masken, V o t i v z e i ch e n und seltsame Zeichen unbekannter Herkunft. Hier weisen die Ursprünge zurück ins Brauchtum unserer nordisch-germanischen Vorfahren und wir finden die Beziehung zwischen dem Väterglauben und den christlichen Festen unserer Zeit, lieber Trachten und Uniformen im Rahmen unserer Heimatmuseen zu sprechen, dürfte sich erübrigen. Es gibt kaum ein Museum, das nicht mit Stolz und Liebe diese köstlichen Erinnerungsstücke an vergangene Zeit betreuen dürfte. Viel wertvolle Arbeit ist. auf diesen Gebieten bereits geleistet worden.
Eine Arbeitsgruppe aber bedarf noch der ausführlichen Darstellung, das ist die Arbeit des Heimatschutzes. Diese Bewegung, die seit etwa 20 Jahren tätig ist, verdient im weiten Maße unsere Anerkennung. Sie hat unsere Städte und Dörfer vor der völligen Verschandelung bewahrt sie hat die Reinhaltung des deutschen Landschaftsbildes erkämpft. Auch in der Gegenwart ergeben sich immer wieder neue Betätigungsgebiete für den Heimatschutz. Im Rahmen des Heimatmuseums können vor allem Beispiel und Gegenbeispiel mit Hilfe guter Lichtbilder gezeigt werden. Durch dieses Mittel kann man im stärksten Maße erzieherisch wirken und vor allem den schlimmen Einfluß der Asphaltkultur der Großstädte anprangern. Schneller und gründlicher als durch Eingaben, Beschwerden und Anklagen läßt sich oft ein Hebel abstellen, wenn man mit Hilfe von Beispiel und Gegenbeispiel seine Schädlichkeit treffend nachweift.
Damit aber erreicht man die lebendige B e - Ziehung zur Gegenwart, die heute noch vielen Museen fehlt. Zugleich wird aber durch diese augenfällige Schaustellung das rechte Sehen für bie Dinge der Heimat geweckt. Und damit wächst der Stolz des Bauerntums. Standesbewußtsein und Heimatgefühl werden eine Grundlage für die Erstarkung und für die Sicherung des Bauerntums tm neuen Vaterlande bilden.
Münchhausen in USA.
Die Stadt Tonopah in Nevada sieht regelmäßig in bestimmten Zeitabständen den merkwürdigsten Kongreß der Welt, die Zusammenkunft der Aufschneider. Sie machen sich ein Vergnügen daraus, sich gegenseitig in den unwahrscheinlichsten Münch- hausiaden zu überbieten und immer tollere Histör- chen zu erfinden. Das muß man den Herren lassen: ihre Geschichten sind tatsächlich haarsträubend. Diesmal hat sich ein Teilnehmer des Kongresses wieder ein tolles Stückchen erlaubt. Er erzählte, daß er auf einer Autofahrt nach Clarkdale mitten auf der Straße eine Klapperschlange gesichtet fjabe. Dicht vor der Schlange hielt er den Wagen an und reizte bas Reptil dadurch so maßlos, daß es auffuhr und sich im Vorderreifen festbiß. Da die Schlange aber ihre langen Giftzähne nicht wieder aus dem Gummi herausziehen konnte, strömte die Luft mit ungeheurer Schnelligkeit und Gewalt aus dem Reifen in den Rachen der Schlange und pumpte diese so auf, daß sie dick und rund am Wagen hing und sich nicht mehr bewegen konnte. Da stieg der Autofahrer aus, wickelte sie anstelle des zerbissenen Reifens um bas Rab unb fuhr in aller Ruhe feine Straße weiter. Sein Ziel erreichte er ohne jebe Panne. Als dieser moberne Münchhausen geenbet hatte, brach ein großes Hallo unter ben Krogreßteilnehmern aus, unb biesmal würbe ihm ber Preis zugesprochen.
öod>fd>ulnod>rid>ten.
Der Göttinger Privatbozent Dr. E. Hoffmann erhielt einen Lehrauftrag für vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Marburg.
Der ordentliche Professor der Geographie an der Universität FrankfurtDr. Walter B e h r m a n n ist von der Geographischen Gesellschaft in Hannover dum Ehrenmitglied ernannt worden.
$u ordentlichen Mitgliedern der Sächsischen Aka- demie der Wissenschaften in Leipzig wurden gewählt: die Professoren Dr. van der Waerden (Leipzig), Dr. Heinrich Schmitthenner (Leipzig) und Dr. Robert König (Jena), zu korrespondierenden Mitgliedern bie Professoren Dr. Herbert Meyer (Göttingen), Claudius Freiherr von Schwerin (Freibura i. Br.), Dr. Moritz Wlas» sa k (Wien) und Dr. Forsten Car leman (Stockholm).


