Nr. 107 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch. 0. Mai 1954
Aus Natur und Technik.
Erscheinungen, die den Fortschritt wohl einige Zeit, aber nicht für die Dauer aufhalten können.
Denken wir doch daran, was mit einem Menschen geschehen wäre, der vor 50 bis 60 Jahren die Funkerei vorausgesagt hätte: Er wäre für vollkommen verrückt erklärt worden. In wenig mehr als 30 Jahren aber ist dieses Gebiet zu einer geradezu erstaunlichen Vollkommenheit entwickelt worden, nach den Röntgenstrahlen als zweites auf dem Gebiet der elektromagnetischen Wellen. Gerade auf diesem Gebiet aber steckt ja unsere Erkenntnis und die technische Ausnutzung noch vollkommen in den Kinderschuhen. Ungeheures, Unfaßbares, Unglaubliches ist auf diesem Gebiete noch zu erwarten. Zipfel nach Zipfel wird von dem darüber liegenden Schleier gelüftet werden.
und wenn dies geschieht, wird die Technik immer auf dem Fuße folgen. Die technische Entwicklung aber geht heute viel rascher vor sich als früher und braucht zur Ausnutzung von Erkenntnissen statt Jahrzehnten nur Monate. Vorbedingung ist aber der unerschütterliche Glaube an den Erfolg. Diesen Glauben darf man daher nicht untergraben, wie es durch Veröffentlichungen geschieht, die das Vorliegen und die Erreichbarkeit großer technischer Ziele leugnen. Es muh vielmehr allen Deutschen die felsenfeste Ueberzeugung eingehämmert werden, daß uns die Technik noch Gewaltiges bescheren wird. Die Aeußerungen aber müssen unterbleiben, die die Fortschritte der Technik durch Erschütterung des Vertrauens mindestens verzögern.
Vom Vohlendamm zur Reichsautobahn.
Aus der Chronik der Landstraße.
Im Herbst wird.in München eine Ausstellung eröffnet werden, die die Entwicklung des Straßenbaues und seiner Probleme d-arstellen wird.
Im Berliner Verkehrsmuseum liegen einige altersgeschwärzte, zugehauene Balken: ein meterlanges Stück der meilenlangen Bohlendämme, die von unseren Vorfahren durch Wälder gezogen und über Sümpfe gelegt wurden, eine sehr einfache Art des Straßenbaues, zu der wir im Weltkrieg -wieder zurückgekehrt find, wenn wir die morastigen Waldwege Rußlands mit einfachen Knüppeldämmen überbrücken mußten.
Damals hatten die Römer schon ihr vielverzweigtes Straßennetz ausgebaut: achtundzwanzig Hauptstraßen strahlten von Rom aus und durchzogen die unterworfenen Provinzen, darunter die berühmteste, die Via Appia, die „Königin der Straßen", die als älteste und schönste alle anderen übertraf. Als Prokop, der Historiker des ostgotischen Krieges, sie nach achthundert Jahren betrat, zeigte ihr fugenloser Fahrdamm no den Glanz seines basaltenen Belags, von dem heute noch Reste südlich von Rom zu sehen sind. Eine technische Leistung waren auch die siebzehn A l p e n st r a ß e n, die von Mailand ausgingen und in weiten Kehren das Gebirge erstiegen; sie erlaubten meist nur einem Maultiergespann den Uebergang, aber auch die römischen Legionen sind auf diesen Paßwegen über die Alpen gezogen. Die römischen Straßen formte Karl der Große übernehmen, aber di- germanischen Teile seines Reiches stellten ihn vor die Aufgabe, neue Straßen zu bauen: der Raum mußte überbrückt werden, wenn er seine Herrschaft behaupten wollte. Es ist sein Verdienst, ein mittel- europäisch-deutsches Verkehrsgebiet geschaffen zu haben; er baute die Donaustraße über Regensburg und Lorch, die Regnitzstraße nach Böhmen, die Straße an die Saale und die Magdeburger, die an die mittlere Elbe führt und eine niederelbische Straße, um nur einige von seinen „Königswegen" zu nennen. Sie alle führten von Westen nach Osten und entsprechen so der Vortriebsrichtung unseres Volkstums. Via calciata hieß eine solche Straße, weil ihre Steine der Haltbarkeit wegen in Kalk gebettet wurden; hieraus entstand das Wort „Chaussee", ein Begriff, der sich heute wohl im Aussterben befindet, lieber die damaligen Straßenbauten berichtet ein Mönch von St. Gallen: „Wenn in jenen Zeiten etwas auszurichten war nach kaiserlichem Befehl, wie Brücken und Schiffe zu bauen, Fähren her^urichten oder schlammige Wege zu reinigen, so besorgten das die Gaugrafen durch ihre Untergebenen, wenn die Sache nicht von Belang war. Bei wichtigen Arbeiten oder neuen Unternehmungen durfte sich aber kein Herzog oder Graf, kein Bischof oder Abt ausschließen ... Da -kommt alles Volk zusammen und baut den breiten und festen Weg. Er wird mit Baumzweigen, Stei
nen und sonstigem Material bei dem sehr feuchten Terrain gegründet. Das zusammengeströmte Volk tut sich nach Verwandtschaften zusammen, und so wird die zu bauende Straße heraestellt, daß jede Verwandtschaftsgruppe den ihr übertragenen Teil ausführt."
Hier werden die Brücken erwähnt, die einst ihrer Wichtigkeit wegen wie ein Heiligtum geachtet wurden; wer zu ihrer Unterhaltung eine Gabe in den Opferstock tat, der auf der Brücke aufgestellt war, meinte, ein Gott wohlgefälliges Werk getan zu haben. Noch in späteren Jahrhunderten galt die Weisung: „Wer dieser Brücke Freiheit bricht, dem wird sein frevelnd Hand gericht'." Was die Städte an Abgaben durch die Märkte einnahmen, floß zunächst Dem Bau der eigenen Stadtmauer, sodann aber der Wegoerbesserung zu.
Auch Straßen können geschichtliche Bedeutung haben. Ein geschichtliches Ereignis war die Erschließung des St. Gotthard durch einen Paßwea um das Jahr 1225. Hier schuf das vor- bringenoe Deutschtum viele Jahrhunderte vor der Eisenkettenbrücke den ersten Kettenzug und eröffnete bamit bie historisch wesentliche Verbindung zwischen bem westlichen Deutschlanb unb Italien.
Um bie Wenbe vom 13. zum 14. Jahrhunbert gal> es noch keine regelmäßige P o st. Daher benutzte man schon früh bie Metzger bazu, die regelmäßig zu Viehkäufen über Land ritten, ihnen Briefe unb Bestellungen anzuvertrauen. Da aber auch ihre Ritte alles anbere als regelmäßig waren, bürgerte sich ber Brauch ein, baß sie ihre Ankunft in einer Stabt burch bas Blasen eines kleinen Jagbhornes anfünbigten: bas erste Posthorn, bas später von ber Thum- unb Taxisschen Post übernommen wirb, das durch die Jahrhunderte beibehalten wurde, auch als es schon längst sinnlos geworden war. Ader noch heute führen manche süddeutschen Metzgerinnungen in ihrem Wappen ein kleines Jagdhorn.
Das Posthorn aber hat einer ganzen Zeit die romantische Idylle geschaffen. Es war die Biedermeierzeit, in der der „Schwager P o st i l l o n" auf dem Bock saß unb sein Horn blies, ohne zu ahnen, baß seine Weisen für bie Landstraße bas Sterbelieb bebeuteten, benn schon erftanb in Lon- bon ein Dampfwagen, ber „Invicta" hieß: bie Urform ber Lokomotive.
In biesen Jahren hatte bie Lanbstraße aber noch einmal ihr großes Erlebnis. Friedrich L i ft war es gewesen, ber „Deutsche ohne Deutschlanb", der zuerst den Gedanken eines freien Wirtschaftsverkehrs verfochten hatte. Nach feinem Tode, 1833, ging feine Hoffnung in Erfüllung durch die Gründung des „D e u t f ch e n Zoll- und Handels- Verein s", der alle Zollschranken innerhalb Deutschlands aufhob. Man kann es heute kaum noch nachfühlen, wie freudig die erste Stunde des Jahres 1834, damals begrüßt wurde. Lange Wagenzüge standen auf den Hauptstraßen, die bis
öer Höhepunkt der Technik erreicht?
Don Max Nscher.
(Nachdruck verboten!)
Ueberall raunt es, die Technik habe ihren Höhepunkt erreicht, ja überschritten, und große Erfindungen seien nicht mehr zu erwarten. Es wird ausgeführt, wir hätten in unvorstellbar kurzer Zeit die Erfindung der Dampfmaschine und damit der Eisenbahn und des Dampfschiffs verwirklicht, ja, die kelteren unter uns hätten die Erfindung des Telegraphen, des Fernsprechers, des elektrischen Lichts und der elektrischen Kraftübertragung, des Kraftwagens, des Luftschiffs unb bes Flugzeugs erlebt. Die Funkerei unb bas Laufbilb feien gewaltige Wunder der Technik, die kaum noch zu übertreffen feien. 3lllle diese Dinge hätten nun aber einen gewissen Abschluß erreicht, und es gebe deshalb auf dem Gebiete der Technik eigentlich nichts mehr zu tun. Man müsse sich deshalb daraus beschränken, das Erreichte festzuhalten und es möglichst vielen Volksgenossen dienstbar zu machen.
Diese Aeußerungen sind nicht nur falsch, sie sind auch sehr bedenklich. Falsch sind sie deshalb, weil unsere Technik ja zwar auf gewissen Gebieten Höchstleistungen erreicht hat, die an sich kaum zu überbieten sind. Hier können nur noch kleine Verbesserungen langsam Fortschritte bringen, aber keine großen mehr. Auf anderen Gebieten aber steckt die Technik noch vollkommen in den Kinderschuhen: Die Energie, die wir brauchen, gewinnen mir aus zweiter und dritter Hand und schürfen dabei nur an der Oberfläche. Spätere Geschlechter werden es uns vorwerfen, daß wir die Kohlenschätze der Erde durch Verbrennen vernichtet haben, und sie werden am Fehlen dieser uns jetzt zur Verfügung stehenden (Energiemengen elend zugrunde gehen, wenn es der Physik uno der Technik nicht gelingt, neue Energiequellen zu erschließen. Ungeahnte Energiemengen, gegen die die in unseren Kohlenschätzen aufgespeicherten ein Kinderspiel sind, umgeben uns überall und zu jeder Zeit, aber wir können sie heute noch nicht erfassen. Wenn es aber gelingt — und es muß gelingen —, sie in unseren Dienst zu zwingen, so geht die Menschheit einer Wohlfahrt entgegen, von deren Größe wir uns heute kaum eine Vorstellung machen können. Diese kommende Zeit wird uns technische Errungenschaften bringen, gegen die die der letzten Jahrzehnte vollkommen verblassen werden, so groß sie uns heute auch erscheinen möaen.
Man kann sich auch ungefähr eine Vorstellung davon machen, wie die Lösung dieser gewaltigen Aufgaben wirken wird: Die Umwandlung von Energie in die Form, in der wir sie brauchen, wird in kleinen und kleinsten Einheiten geschehen: Jeder wird sich in seinem Hause seine Energie selbst um- wandeln; die großen Kraftwerke werden sterben unb mit ihnen bie Ueberkmbleitungen. Jebes Fahrzeug wird von fremden Energiequellen unabhängig werden. Was das alles bedeutet, ist unschwer zu ermessen.
Bedenklich aber erscheinen diese Aeußerungen deshalb, weil sie schließlich zu einem Lehr- unb Glaubenssatz werben unb bahin wirken, daß das Verständnis für die Technik allmählich nachläßt. Die Folge wäre, daß wir infolge dieses Vorurteils rückständig würden, während andere Völker, die sich von einem solchen Bann frei halten, weiter fortschreiten und uns überflügeln. Das aber können wir uns nicht leisten. Wir müssen im Gegenteil den festen Glauben aufrechterhalten, daß uns gerade die Technik noch einem goldenen Zeitalter entgegenführen wird, denn nur dieser Glaube kann die Erfinder dahin bringen, daß sie unbeirrt Weiterarbeiten, bis eines Tages der große Wurf gelingt. Wir dürfen uns dadurch nicht irreführen lassen, daß in einer Notzeit die Mittel zu großen Versuchen fehlen, so daß sich dadurch die Fortschritte verlangsamen. Das sind vorübergehende
Triumph der Licht-Giguale.
23cm Or. Franz Kittier.
Auf dem Gebiete des Signalwesens ringen gegenwärtig zwei Gegner miteinander, der Schall und das Licht. Solange man zurückdenken kann, waren sie beide gleich beliebt, wurden sie gleichmäßig gebraucht, ja nach Lage des Falles wurde ein akustisches ober ein optisches Signal gegeben. Das begann mit einfachen Armbewegungen, Muken unb Zurufen unb würbe entsprechend den Fortschritten der Technik weiter verbessert und ausgebildet. Sowohl in Bezug auf akustische wie auf optische Signale verfügen wir gegenwärtig über vorzügliche Einrichtungen. Wo auch immer eine Signalgebung nötig wird, kann sie bald in der einen, bald in der anderen Weise gegeben werden.
Bewegliche Lichtsigna 1 e.
Mit der Zeit wuchs aber alles mehr und mehr ins Gigantische, darunter auch der Lärm und die Geschwindigkeiten. Damit scheinen wir nunmehr auch in Bezug auf bie Verständigung an einem Wendepunkt angelangt zu fein. Wirb sie in Zukunft mehr, burch bas Licht ober durch den Schall erfolgen? Mit Hilfe des Mikrophons, von Verftärker- einrichtungen unb Lautsprechern finb wir imftanbe, auch die schwächste Stimme bis zum Donnergebrüll zu steigern. Dem akustischen Signal sind daburch neue Möglichkeiten erschlossen. Aber auch ber Lärm hat zugenommen, Lärm jeglicher Art. Da darf es vielleicht als ein bemerkenswertes Zeichen gebeutet werben, daß man nunmehr da, wo der Lärm störend wirken und zu Mißverständnissen führen kann, von der Akustik zur Optik übergegangen ist. In Amerika wurde ein Verfahren ausgearbeitet, das jeden Zuruf vermeidet, ganz gleich, ob dabei die Schallübertragung unmittelbar von Mund zum Ohr oder mittelbar durch den Fernsprecher ohne ober mit Verstärkung erfolgt. Wo unter Lärm gearbeitet wirb, sei es im Verkehr der Straße ober bei ber Errichtung eiserner Funkmasten, bei der Herstellung großer eiserner Brücken, wo die Niethämmer dröhnen, da kann bas Verfahren Anwendung finden. Ein Aufseher trägt an einem Riemen über bie Brust gehängt ein kleines Kästchen, an dem sich zwei Hebel befinden. Das Kästchen ist durch ein Kabel mit ber Stelle verbunben, wohin bie Signale gegeben werben sollen. Dort befinbet sich ein vorne offener Kasten, in dem verschiedenfarbige Glühlam- Den angebracht sind. Durch Verstellen der Hebel
kann die eine ober andere Farbe ober es können Farbenzusammenstellungen zum Aufleuchten gebracht werben. Dieses mehr als einfache Signalsystem, bas wir hier nur in seinen Grunbzügen gekennzeichnet haben, läßt sich den mannigfachsten Verhältnissen anpassen. Es gibt je nach Bedarf bald Warnungen, bald übermittelt es Anordnungen, was geschehen soll. Jedenfalls ist es ein Zeichen dafür, wie man den Einfluß des Lärms auf die Verstänbigung bekämpft.
Der Geisterarm der Reichsbahn.
Bei ber Eisenbahn hat man schon vor einer Reihe von Jahren begonnen, auf einer Anzahl von Verschiebebahnhöfen Lautsprecher aufzustellen, die auch beim Rasseln vorüberfahrender Züge noch vernehmbar finb. Lokomotiven wurden mit drahtlosen Einrichtungen ausgestattet, die der Verständigung nach entfernteren Stellen dienen. Aber draußen auf freier Strecke, wo die Fahrgeschwindigkeit ständig anwuchs, sind die Maßregeln, bie man zur Erhöhung der Sicherheit traf, in der Hauptsache optischer Art. Nicht nur ber Zug selbst hat seine Schnelligkeit vergrößert, auch bas Auto mit seiner gegenüber bem Pferbewagen erhöhten Geschwindigkeit muß berücksichtigt werben. Auf je weitere Entfernung es die Annäherung des Zuges erkennt, desto besser ist es. Aus diesem Grunde hat man neuerdings in Deutschland an einzelnen Stellen eine neue Schrankenbeleuchtung eingeführt. Die Schranke ist schon früher im Interesse der größeren Sichtbarkeit weiß angestrichen worden. Außerdem aber hat sie nunmehr noch eine sehr wirkungsvolle optische Kennzeichnung erhalten. Sobald der schief nach oben emporstehende Schrankenbaum herabgelassen wird, schaltet sich selbsttätig ein Scheinwerfer ein, ber ihn aufblendet. Wie ein heller Gei- fterarm ragt er aus der Dunkelheit hervor und senkt sich langsam nieder. Der Lichtkegel des Scheinwerfers folgt jeiner Bewegung und liegt bann auf der offenen Schranke, die dadurch weithin zu erkennen ist. Er verlischt auch nicht während des Deffnens ber Schranke. Erst wenn ber hohe Balken wieder in seiner Endstellung nach oben ragt, wird ber Scheinwerfer ausgeschaltet.
Das Lichtbündel in der Höhe.
Um aber den Zug selbst schon auf sehr weite Entfernung erkennen und bie Geschwindigkeit bes Autos rechtzeitig mäßigen zu können, hat man jetzt verschiedentlich auf einen älteren Gedanken zurück- gegriffen. Die Scheinwerfer ber Lokomotive sollen in erfter Linie dazu bienen, auf den Zug auf
merksam zu machen. Bei Krümmungen der Strecke und insbesondere in Einschnitten sind sie aber oft nicht sichtbar. Deshalb hat man schon früher vorgeschlagen, auf der Lokomotive einen Scheinwerfer anzubringen, dessen Licht als heller Strahl senkrecht nach oben geht. Einen solchen Strahl sieht man schon von weitem. Die Einführung derartiger Scheinwerfer scheiterte vor allem auch daran, daß das Licht des Strahls von dichtem Nebel zu stark verschluckt wurde. Bei tiefen Einschnitten war es oft gar nicht zu sehen. Inzwischen hat aber die Be- leuchtungstechnik ganz erhebliche Fortschritte gemacht. Wir verfügen über Lampen, die bei verhältnismäßig geringem Stromverbrauch ganz erhebliche Mengen von Licht ausfenben. Damit ist die technische Möglichkeit gegeben, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Bereits sind einige Schnelltriebwagen verschiedener Bahnen mit Scheinwerfern ausgerüstet worden, die einen kräftigen, blendend hellen Lichtstrahl senkrecht in die Finsternis emporschicken. Diese durch das Dunkel sich dahinbewegende Lichtsäule muß die Aufmerksamkeit auch aus weiter Entfernung auf sich ziehen, sie kann nicht so leicht übersehen werden.
Vlnmenausnahmen im Frühling.
Von Walther Appell.
Nun kommt wieder die Zeit, da der Photosportler, der immer zugleich Naturfreund sein soll, gerne Blumenaufnahmen macht. Dabei ergeben sich einige Schwierigkeiten, deren Behebung geschildert werden soll. Es ist unsinnig, eine im Schatten von Gestrüpp wachsende Blume zu photographieren, wenn dann im Bilde unerklärliche Schattenbänder die Pflanze mit einem Netz überziehen. Es müßte wenigstens erkennbar fein, woher sie kommen. Aber das wird immer dann schwer zu ermöglichen sein, wenn es uns auf ein „Blumenporträt" ankommt, d. h. die Aufnahme einer Blume, Pflanze oder Pflanzengruppe, die aus möglichst großer Nähe ausgenommen wird und alle aufbauenden Einzelheiten zeigen soll. Auch Farne, Moose, Schachtelhalme unb anbere, scheinbar schmucklose Kinber des Waldbodens eignen sich gut für solche Aufnahmen. Wir brauchen ein Stativ mit Schwenkvorrichtung, die auch einzeln überall billig zu haben ist. Und wer keinen doppelten Bodenauszug an seiner Kamera hat, geht immerhin so nahe wie möglich heran. Das ist in fast allen Fällen noch etwas näyer, als die kürzeste Ent-
dahin durch die Zollgrenzen durchschnitten wurden. Als die Mitternachtsstunde schlug, öffneten sich alle Schlagbäume, unb unter lauten Jubelrufen fuhren bie Wagen über bie Grenzen, bie sie fortan in aller Freiheit überschreiten sollten — „man war von bem Gebauten bewegt, baß etwas Großes erreicht worben sei", schreibt ein Chronist.
Damals schien noch ber Frachtwagen das einzige Mittel zur Güterbeförderung — aber schon ein Jahr später, am 7. Dezember 1835, wurde bie „Lubwigsbahn" eröffnet, die e r ft e deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg unb dem benachbarten Fürth. Würde sie nun darangehen, den Wagen ihre Frachten abzunehmen? Man kam zunächst gar nicht auf diesen Gedanken. Erst im Sommer bes folgenben Jahres, als die neue Bahn Anklang gefunden hatte, machte man den Versuch, die Bahn auch zur Güterbeförderung zu benutzen. Zwei Fässer Bier waren es, die von einer Nürnberger Brauerei nach Fürth verladen wurden, gegen eine Vergütung von je sechs Kreuzern. Ein Direktorialkommissar hatte eigens dafür zu sorgen, daß diese Beförderung in gehöriger Ordnung vor sich gehe — man war sich offenbar noch nicht bewußt, daß aus diesem kleinen Anfang der gewaltige Güterverkehr der Reichsbahn entstehen könnte.
War damit aber die alte Landstraße ausgestorben? Keineswegs. Aber sie mußte sich auf die neue Zeit und den Kraftwagenverkehr umstellen. Die Autostraßen entstanden: die Berliner Avus und der Nürburg-Ring in der Eifel, heute wohl die beste und landschaftlich schönste Autostraße Deutschlands. Heute noch. Aber schon eilen die Dinge so dahin, daß eine Schilderung dieser Entwicklung kaum noch möglich ist. Vor einem Jahre verkündete der Reichskanzler bei der Eröffnung der Berliner Automobilausstellung das große Projekt der Reichsautobahnen, mit deren Bau schon in allen Teilen Deutschlands begonnen worden ist. Neue Fragen technischer und wirtschatflicher Art ergeben sich, die Aussicht auf ein neues Zeitalter des Verkehrs tut sich auf.
Neues vom Funk.
Jedem sein eigener Lautsprecher.
Die Fortschritte im Bau von Großlautsprechern mit einwandfreier Wiedergabe ermuntern immer mehr, sich ihrer bei Veranstaltungen großen Ausmaßes zu bedienen. Aber auch die beste Konstruktion kann da nicht.helfen, wo die akustischen Verhältnisse schlecht sind, wie das oft in Kirchen, großen Räumen, Versammlungssälen der Fall ist. Das Ergebnis ist dann nur, daß sich die gesprochenen Laute überdecken, so daß man einige Worte wiederholt und dreifach hört, andere aber gar nicht. In solchen Fällen sind also Großlautsprecher nicht am Platze. An ihrer Stelle verwendet man besser eine entsprechende. Anzahl kleiner Lautsprecher, die man möglichst günstig und geschickt verteilt in der Nähe der Zuhörer anbringt. Neuerdings benutzt man als Lautsprecher röhrenförmige Trichter, die versteckt an Einrichtungsgegenständen, wie Stühle, Bänke und andere Möbel, befestigt werden können. An dem Platze eines jeden Zuhörers werden diese Trichter mit Deffnungen versehen, die die Schallwellen nach außen leiten, so daß also jeder sozusagen feinen eigenen Lautsprecher hat.
Neues Klangbild durch Doppellautsprechcr.
Der Frequenzbereich, den bas menschliche Ohr aufzunehmen vermag, liegt bei 15 000 bis 20 000 Hertz. Die bisherigen Lautsprecher waren nur für einen Frequenzbereich von etwa höchstens 5000 Hertz eingerichtet. Das war immerhin ein außer- orbentlicher Fortschritt gegenüber den ersten Lautsprechertypen, gegenüber jenen Trichterlautsprechern der Anfangsepoche, die auf günstigenfalls etwa 800 Hertz ansprachen. Im Heinrich-Hertz-Jnstitut ist nun- mehr von Diplomingenieur Walter Willms eine Lautsprecher-Versuchsanlage gebaut worden, die noch für Schwingungen um 12 000 Hertz empfänglich ist.
fernungsmarfe der Einstellskala angibt. Mattscheibenprobe ist eigentlich nie zu entbehren, sonst bleibt das Wagnis ein Glücksspiel. Der einfache Auszug gewährt dafür den Vorteil, daß eine breit auslaufende, verzweigte Pflanze eher in ihrer ganzen Ausdehnung scharf ins Bild kommt. So sind z. B. für Walderdbeeren und andere bie Ranken- bilbung unb jungen Triebe am Ende der Ranken charakteristisch. Wir werden sie also zusammen mit der Mutterpflanze photographieren wollen. Dazu brauchen wir wegen der sonst mangelnden Tiefen- schärfe ein Abblenden. Es ist erwünscht, das Haupt- Blumenmotiv scharf unb den ftörenben Hintergrund in manchem Falle unscharf zu bekommen. Aber auch, wenn wir bis Blende 9 gehen, wird das noch erreicht. Anderseits ist dann der scharf zeichnende Bildteil schon weniger 'eng begrenzt.
Ein noch weiteres Abblenden würde die Schwierigkeiten um so mehr erhöhen, da aus vielfacher Erfahrung geraten wird, solche Blumenaufnahmen möglichst nicht bei hellem Sonnenschein zu machen. Zerstreutes Licht ist besser. Am besten eignet sich eine Stunde, zu der zwar die Sonne scheint, unser Motiv aber im nicht zu schweren Schatten liegt. Dann hat der ganze Himmel genug Helligkeit, um mit guten Platten, Blende 9 und Filter 2 eine Belichtungszeit von V<o bis Veo Sekunde zu gestatten. Freilich kommt es noch darauf an, einen windstillen Moment abzuwarten, da diese Sekundenbruchteile für bewegte Blumen noch zu „lang" sind. Oft wird uns die längere Beobachtung unseres Motivs zeigen, daß es nur ein besonders hoher Stengel ist, der unablässig im Winde schwankt. Wird das Blumenbild dadurch nicht entstellt, können wir ihn beseitigen, wenn es keine geschützte Pflanze ist (Leberblümchen, Maiglöckchen).
Haben wir durch Wahl eines im Schatten liegenden Fleckes die störenden Härten unb krassen Unterschiebe der Sonnenstrahlen ausgeschaltet, so müssen wir noch um eine getreue Wiedergabe des Farbtones bemüht sein. Deshalb sind die oben genannten Zahlen nur ungefähre Anhaltspunkte. Blaue Blumen dürfen nicht prallweiß aussehen, gelbe (Nessel-Arten, Weidenkätzchen mit Blütenstaub usw.) nicht grauschwarz. Der ehrgeizige Photograph wird deshalb, wenn er kann; lieber ein Filter 3 anwenden, dessen Verlängerungsfaktor jedoch bis zum Vierfachem höher ist. Außerdem verschiebt sich das Blumenphotographieren von Woche zu Wocye mehr ins freie Gelände, da die Wiesen mehr erblühen und die Wälder durch ihr Laubdach das Blühen mindern.


