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Nr. 107 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch. 0. Mai 1954

Aus Natur und Technik.

Erscheinungen, die den Fortschritt wohl einige Zeit, aber nicht für die Dauer aufhalten können.

Denken wir doch daran, was mit einem Men­schen geschehen wäre, der vor 50 bis 60 Jahren die Funkerei vorausgesagt hätte: Er wäre für voll­kommen verrückt erklärt worden. In wenig mehr als 30 Jahren aber ist dieses Gebiet zu einer ge­radezu erstaunlichen Vollkommenheit entwickelt worden, nach den Röntgenstrahlen als zweites auf dem Gebiet der elektromagnetischen Wellen. Ge­rade auf diesem Gebiet aber steckt ja unsere Er­kenntnis und die technische Ausnutzung noch voll­kommen in den Kinderschuhen. Ungeheures, Un­faßbares, Unglaubliches ist auf diesem Gebiete noch zu erwarten. Zipfel nach Zipfel wird von dem darüber liegenden Schleier gelüftet werden.

und wenn dies geschieht, wird die Technik immer auf dem Fuße folgen. Die technische Entwicklung aber geht heute viel rascher vor sich als früher und braucht zur Ausnutzung von Erkenntnissen statt Jahrzehnten nur Monate. Vorbedingung ist aber der unerschütterliche Glaube an den Erfolg. Diesen Glauben darf man daher nicht untergraben, wie es durch Veröffentlichungen geschieht, die das Vor­liegen und die Erreichbarkeit großer technischer Ziele leugnen. Es muh vielmehr allen Deutschen die felsenfeste Ueberzeugung eingehämmert wer­den, daß uns die Technik noch Gewaltiges besche­ren wird. Die Aeußerungen aber müssen unter­bleiben, die die Fortschritte der Technik durch Er­schütterung des Vertrauens mindestens verzögern.

Vom Vohlendamm zur Reichsautobahn.

Aus der Chronik der Landstraße.

Im Herbst wird.in München eine Ausstel­lung eröffnet werden, die die Entwicklung des Straßenbaues und seiner Probleme d-arstellen wird.

Im Berliner Verkehrsmuseum liegen einige alters­geschwärzte, zugehauene Balken: ein meterlanges Stück der meilenlangen Bohlendämme, die von unseren Vorfahren durch Wälder gezogen und über Sümpfe gelegt wurden, eine sehr einfache Art des Straßenbaues, zu der wir im Weltkrieg -wieder zurückgekehrt find, wenn wir die morastigen Wald­wege Rußlands mit einfachen Knüppeldämmen über­brücken mußten.

Damals hatten die Römer schon ihr vielverzweig­tes Straßennetz ausgebaut: achtundzwanzig Haupt­straßen strahlten von Rom aus und durchzogen die unterworfenen Provinzen, darunter die berühmteste, die Via Appia, dieKönigin der Straßen", die als älteste und schönste alle anderen übertraf. Als Pro­kop, der Historiker des ostgotischen Krieges, sie nach achthundert Jahren betrat, zeigte ihr fugenloser Fahrdamm no den Glanz seines basaltenen Belags, von dem heute noch Reste südlich von Rom zu sehen sind. Eine technische Leistung waren auch die siebzehn A l p e n st r a ß e n, die von Mailand ausgingen und in weiten Kehren das Gebirge erstiegen; sie erlaubten meist nur einem Maultiergespann den Uebergang, aber auch die römischen Legionen sind auf diesen Paßwegen über die Alpen gezogen. Die römischen Straßen formte Karl der Große übernehmen, aber di- germanischen Teile seines Reiches stellten ihn vor die Aufgabe, neue Straßen zu bauen: der Raum mußte überbrückt werden, wenn er seine Herrschaft behaupten wollte. Es ist sein Verdienst, ein mittel- europäisch-deutsches Verkehrsgebiet geschaffen zu haben; er baute die Donaustraße über Regensburg und Lorch, die Regnitzstraße nach Böhmen, die Straße an die Saale und die Magdeburger, die an die mittlere Elbe führt und eine niederelbische Straße, um nur einige von seinenKönigswegen" zu nennen. Sie alle führten von Westen nach Osten und entsprechen so der Vortriebsrichtung unseres Volkstums. Via calciata hieß eine solche Straße, weil ihre Steine der Haltbarkeit wegen in Kalk gebettet wurden; hieraus entstand das Wort Chaussee", ein Begriff, der sich heute wohl im Aussterben befindet, lieber die damaligen Stra­ßenbauten berichtet ein Mönch von St. Gallen: Wenn in jenen Zeiten etwas auszurichten war nach kaiserlichem Befehl, wie Brücken und Schiffe zu bauen, Fähren her^urichten oder schlammige Wege zu reinigen, so besorgten das die Gaugrafen durch ihre Untergebenen, wenn die Sache nicht von Belang war. Bei wichtigen Arbeiten oder neuen Unternehmungen durfte sich aber kein Herzog oder Graf, kein Bischof oder Abt ausschließen ... Da -kommt alles Volk zusammen und baut den breiten und festen Weg. Er wird mit Baumzweigen, Stei­

nen und sonstigem Material bei dem sehr feuchten Terrain gegründet. Das zusammengeströmte Volk tut sich nach Verwandtschaften zusammen, und so wird die zu bauende Straße heraestellt, daß jede Verwandtschaftsgruppe den ihr übertragenen Teil ausführt."

Hier werden die Brücken erwähnt, die einst ihrer Wichtigkeit wegen wie ein Heiligtum geachtet wurden; wer zu ihrer Unterhaltung eine Gabe in den Opferstock tat, der auf der Brücke aufgestellt war, meinte, ein Gott wohlgefälliges Werk getan zu haben. Noch in späteren Jahrhunderten galt die Weisung:Wer dieser Brücke Freiheit bricht, dem wird sein frevelnd Hand gericht'." Was die Städte an Abgaben durch die Märkte einnahmen, floß zunächst Dem Bau der eigenen Stadtmauer, sodann aber der Wegoerbesserung zu.

Auch Straßen können geschichtliche Bedeutung haben. Ein geschichtliches Ereignis war die Er­schließung des St. Gotthard durch einen Paßwea um das Jahr 1225. Hier schuf das vor- bringenoe Deutschtum viele Jahrhunderte vor der Eisenkettenbrücke den ersten Kettenzug und er­öffnete bamit bie historisch wesentliche Verbindung zwischen bem westlichen Deutschlanb unb Italien.

Um bie Wenbe vom 13. zum 14. Jahrhunbert gal> es noch keine regelmäßige P o st. Daher be­nutzte man schon früh bie Metzger bazu, die regel­mäßig zu Viehkäufen über Land ritten, ihnen Briefe unb Bestellungen anzuvertrauen. Da aber auch ihre Ritte alles anbere als regelmäßig waren, bürgerte sich ber Brauch ein, baß sie ihre Ankunft in einer Stabt burch bas Blasen eines kleinen Jagbhornes anfünbigten: bas erste Posthorn, bas später von ber Thum- unb Taxisschen Post über­nommen wirb, das durch die Jahrhunderte beibe­halten wurde, auch als es schon längst sinnlos ge­worden war. Ader noch heute führen manche süd­deutschen Metzgerinnungen in ihrem Wappen ein kleines Jagdhorn.

Das Posthorn aber hat einer ganzen Zeit die romantische Idylle geschaffen. Es war die Bieder­meierzeit, in der derSchwager P o st i l l o n" auf dem Bock saß unb sein Horn blies, ohne zu ahnen, baß seine Weisen für bie Landstraße bas Sterbelieb bebeuteten, benn schon erftanb in Lon- bon ein Dampfwagen, berInvicta" hieß: bie Urform ber Lokomotive.

In biesen Jahren hatte bie Lanbstraße aber noch einmal ihr großes Erlebnis. Friedrich L i ft war es gewesen, berDeutsche ohne Deutschlanb", der zuerst den Gedanken eines freien Wirtschaftsver­kehrs verfochten hatte. Nach feinem Tode, 1833, ging feine Hoffnung in Erfüllung durch die Grün­dung desD e u t f ch e n Zoll- und Handels- Verein s", der alle Zollschranken innerhalb Deutschlands aufhob. Man kann es heute kaum noch nachfühlen, wie freudig die erste Stunde des Jahres 1834, damals begrüßt wurde. Lange Wagenzüge standen auf den Hauptstraßen, die bis

öer Höhepunkt der Technik erreicht?

Don Max Nscher.

(Nachdruck verboten!)

Ueberall raunt es, die Technik habe ihren Höhe­punkt erreicht, ja überschritten, und große Erfin­dungen seien nicht mehr zu erwarten. Es wird ausgeführt, wir hätten in unvorstellbar kurzer Zeit die Erfindung der Dampfmaschine und damit der Eisenbahn und des Dampfschiffs verwirklicht, ja, die kelteren unter uns hätten die Erfindung des Telegraphen, des Fernsprechers, des elektrischen Lichts und der elektrischen Kraftübertragung, des Kraftwagens, des Luftschiffs unb bes Flugzeugs erlebt. Die Funkerei unb bas Laufbilb feien ge­waltige Wunder der Technik, die kaum noch zu übertreffen feien. 3lllle diese Dinge hätten nun aber einen gewissen Abschluß erreicht, und es gebe deshalb auf dem Gebiete der Technik eigentlich nichts mehr zu tun. Man müsse sich deshalb dar­aus beschränken, das Erreichte festzuhalten und es möglichst vielen Volksgenossen dienstbar zu machen.

Diese Aeußerungen sind nicht nur falsch, sie sind auch sehr bedenklich. Falsch sind sie deshalb, weil unsere Technik ja zwar auf gewissen Gebieten Höchstleistungen erreicht hat, die an sich kaum zu überbieten sind. Hier können nur noch kleine Ver­besserungen langsam Fortschritte bringen, aber keine großen mehr. Auf anderen Gebieten aber steckt die Technik noch vollkommen in den Kinder­schuhen: Die Energie, die wir brauchen, gewinnen mir aus zweiter und dritter Hand und schürfen da­bei nur an der Oberfläche. Spätere Geschlechter werden es uns vorwerfen, daß wir die Kohlen­schätze der Erde durch Verbrennen vernichtet haben, und sie werden am Fehlen dieser uns jetzt zur Verfügung stehenden (Energiemengen elend zu­grunde gehen, wenn es der Physik uno der Technik nicht gelingt, neue Energiequellen zu erschließen. Ungeahnte Energiemengen, gegen die die in unse­ren Kohlenschätzen aufgespeicherten ein Kinderspiel sind, umgeben uns überall und zu jeder Zeit, aber wir können sie heute noch nicht erfassen. Wenn es aber gelingt und es muß gelingen, sie in unseren Dienst zu zwingen, so geht die Mensch­heit einer Wohlfahrt entgegen, von deren Größe wir uns heute kaum eine Vorstellung machen können. Diese kommende Zeit wird uns technische Errungenschaften bringen, gegen die die der letzten Jahrzehnte vollkommen verblassen werden, so groß sie uns heute auch erscheinen möaen.

Man kann sich auch ungefähr eine Vorstellung davon machen, wie die Lösung dieser gewaltigen Aufgaben wirken wird: Die Umwandlung von Energie in die Form, in der wir sie brauchen, wird in kleinen und kleinsten Einheiten geschehen: Jeder wird sich in seinem Hause seine Energie selbst um- wandeln; die großen Kraftwerke werden sterben unb mit ihnen bie Ueberkmbleitungen. Jebes Fahrzeug wird von fremden Energiequellen un­abhängig werden. Was das alles bedeutet, ist un­schwer zu ermessen.

Bedenklich aber erscheinen diese Aeußerungen deshalb, weil sie schließlich zu einem Lehr- unb Glaubenssatz werben unb bahin wirken, daß das Verständnis für die Technik allmählich nachläßt. Die Folge wäre, daß wir infolge dieses Vorurteils rückständig würden, während andere Völker, die sich von einem solchen Bann frei halten, weiter fortschreiten und uns überflügeln. Das aber können wir uns nicht leisten. Wir müssen im Gegenteil den festen Glauben aufrechterhalten, daß uns ge­rade die Technik noch einem goldenen Zeitalter entgegenführen wird, denn nur dieser Glaube kann die Erfinder dahin bringen, daß sie unbeirrt Weiterarbeiten, bis eines Tages der große Wurf gelingt. Wir dürfen uns dadurch nicht irreführen lassen, daß in einer Notzeit die Mittel zu großen Versuchen fehlen, so daß sich dadurch die Fort­schritte verlangsamen. Das sind vorübergehende

Triumph der Licht-Giguale.

23cm Or. Franz Kittier.

Auf dem Gebiete des Signalwesens ringen ge­genwärtig zwei Gegner miteinander, der Schall und das Licht. Solange man zurückdenken kann, waren sie beide gleich beliebt, wurden sie gleichmäßig gebraucht, ja nach Lage des Falles wurde ein aku­stisches ober ein optisches Signal gegeben. Das be­gann mit einfachen Armbewegungen, Muken unb Zurufen unb würbe entsprechend den Fortschritten der Technik weiter verbessert und ausgebildet. So­wohl in Bezug auf akustische wie auf optische Signale verfügen wir gegenwärtig über vorzüg­liche Einrichtungen. Wo auch immer eine Signal­gebung nötig wird, kann sie bald in der einen, bald in der anderen Weise gegeben werden.

Bewegliche Lichtsigna 1 e.

Mit der Zeit wuchs aber alles mehr und mehr ins Gigantische, darunter auch der Lärm und die Geschwindigkeiten. Damit scheinen wir nunmehr auch in Bezug auf bie Verständigung an einem Wendepunkt angelangt zu fein. Wirb sie in Zukunft mehr, burch bas Licht ober durch den Schall erfol­gen? Mit Hilfe des Mikrophons, von Verftärker- einrichtungen unb Lautsprechern finb wir imftanbe, auch die schwächste Stimme bis zum Donnergebrüll zu steigern. Dem akustischen Signal sind daburch neue Möglichkeiten erschlossen. Aber auch ber Lärm hat zugenommen, Lärm jeglicher Art. Da darf es vielleicht als ein bemerkenswertes Zeichen gebeutet werben, daß man nunmehr da, wo der Lärm stö­rend wirken und zu Mißverständnissen führen kann, von der Akustik zur Optik übergegangen ist. In Amerika wurde ein Verfahren ausgearbeitet, das jeden Zuruf vermeidet, ganz gleich, ob dabei die Schallübertragung unmittelbar von Mund zum Ohr oder mittelbar durch den Fernsprecher ohne ober mit Verstärkung erfolgt. Wo unter Lärm ge­arbeitet wirb, sei es im Verkehr der Straße ober bei ber Errichtung eiserner Funkmasten, bei der Herstellung großer eiserner Brücken, wo die Niet­hämmer dröhnen, da kann bas Verfahren Anwen­dung finden. Ein Aufseher trägt an einem Riemen über bie Brust gehängt ein kleines Kästchen, an dem sich zwei Hebel befinden. Das Kästchen ist durch ein Kabel mit ber Stelle verbunben, wohin bie Signale gegeben werben sollen. Dort befinbet sich ein vorne offener Kasten, in dem verschiedenfarbige Glühlam- Den angebracht sind. Durch Verstellen der Hebel

kann die eine ober andere Farbe ober es können Farbenzusammenstellungen zum Aufleuchten ge­bracht werben. Dieses mehr als einfache Signal­system, bas wir hier nur in seinen Grunbzügen ge­kennzeichnet haben, läßt sich den mannigfachsten Verhältnissen anpassen. Es gibt je nach Bedarf bald Warnungen, bald übermittelt es Anordnungen, was geschehen soll. Jedenfalls ist es ein Zeichen da­für, wie man den Einfluß des Lärms auf die Ver­stänbigung bekämpft.

Der Geisterarm der Reichsbahn.

Bei ber Eisenbahn hat man schon vor einer Reihe von Jahren begonnen, auf einer Anzahl von Ver­schiebebahnhöfen Lautsprecher aufzustellen, die auch beim Rasseln vorüberfahrender Züge noch ver­nehmbar finb. Lokomotiven wurden mit drahtlosen Einrichtungen ausgestattet, die der Verständigung nach entfernteren Stellen dienen. Aber draußen auf freier Strecke, wo die Fahrgeschwindigkeit ständig anwuchs, sind die Maßregeln, bie man zur Er­höhung der Sicherheit traf, in der Hauptsache opti­scher Art. Nicht nur ber Zug selbst hat seine Schnel­ligkeit vergrößert, auch bas Auto mit seiner gegen­über bem Pferbewagen erhöhten Geschwindigkeit muß berücksichtigt werben. Auf je weitere Entfer­nung es die Annäherung des Zuges erkennt, desto besser ist es. Aus diesem Grunde hat man neuer­dings in Deutschland an einzelnen Stellen eine neue Schrankenbeleuchtung eingeführt. Die Schranke ist schon früher im Interesse der größeren Sichtbarkeit weiß angestrichen worden. Außerdem aber hat sie nunmehr noch eine sehr wirkungsvolle optische Kennzeichnung erhalten. Sobald der schief nach oben emporstehende Schrankenbaum herab­gelassen wird, schaltet sich selbsttätig ein Schein­werfer ein, ber ihn aufblendet. Wie ein heller Gei- fterarm ragt er aus der Dunkelheit hervor und senkt sich langsam nieder. Der Lichtkegel des Scheinwer­fers folgt jeiner Bewegung und liegt bann auf der offenen Schranke, die dadurch weithin zu erkennen ist. Er verlischt auch nicht während des Deffnens ber Schranke. Erst wenn ber hohe Balken wieder in seiner Endstellung nach oben ragt, wird ber Scheinwerfer ausgeschaltet.

Das Lichtbündel in der Höhe.

Um aber den Zug selbst schon auf sehr weite Ent­fernung erkennen und bie Geschwindigkeit bes Autos rechtzeitig mäßigen zu können, hat man jetzt ver­schiedentlich auf einen älteren Gedanken zurück- gegriffen. Die Scheinwerfer ber Lokomotive sollen in erfter Linie dazu bienen, auf den Zug auf­

merksam zu machen. Bei Krümmungen der Strecke und insbesondere in Einschnitten sind sie aber oft nicht sichtbar. Deshalb hat man schon früher vor­geschlagen, auf der Lokomotive einen Scheinwerfer anzubringen, dessen Licht als heller Strahl senkrecht nach oben geht. Einen solchen Strahl sieht man schon von weitem. Die Einführung derartiger Scheinwerfer scheiterte vor allem auch daran, daß das Licht des Strahls von dichtem Nebel zu stark verschluckt wurde. Bei tiefen Einschnitten war es oft gar nicht zu sehen. Inzwischen hat aber die Be- leuchtungstechnik ganz erhebliche Fortschritte ge­macht. Wir verfügen über Lampen, die bei verhält­nismäßig geringem Stromverbrauch ganz erhebliche Mengen von Licht ausfenben. Damit ist die technische Möglichkeit gegeben, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Bereits sind einige Schnelltriebwagen verschiedener Bahnen mit Scheinwerfern ausgerüstet worden, die einen kräftigen, blendend hellen Licht­strahl senkrecht in die Finsternis emporschicken. Diese durch das Dunkel sich dahinbewegende Licht­säule muß die Aufmerksamkeit auch aus weiter Ent­fernung auf sich ziehen, sie kann nicht so leicht über­sehen werden.

Vlnmenausnahmen im Frühling.

Von Walther Appell.

Nun kommt wieder die Zeit, da der Photosport­ler, der immer zugleich Naturfreund sein soll, gerne Blumenaufnahmen macht. Dabei ergeben sich einige Schwierigkeiten, deren Behebung geschildert werden soll. Es ist unsinnig, eine im Schatten von Gestrüpp wachsende Blume zu photographieren, wenn dann im Bilde unerklärliche Schattenbänder die Pflanze mit einem Netz überziehen. Es müßte wenigstens erkennbar fein, woher sie kommen. Aber das wird immer dann schwer zu ermöglichen sein, wenn es uns auf einBlumenporträt" ankommt, d. h. die Aufnahme einer Blume, Pflanze oder Pflanzen­gruppe, die aus möglichst großer Nähe ausgenom­men wird und alle aufbauenden Einzelheiten zeigen soll. Auch Farne, Moose, Schachtelhalme unb an­bere, scheinbar schmucklose Kinber des Waldbodens eignen sich gut für solche Aufnahmen. Wir brauchen ein Stativ mit Schwenkvorrichtung, die auch einzeln überall billig zu haben ist. Und wer keinen doppel­ten Bodenauszug an seiner Kamera hat, geht im­merhin so nahe wie möglich heran. Das ist in fast allen Fällen noch etwas näyer, als die kürzeste Ent-

dahin durch die Zollgrenzen durchschnitten wurden. Als die Mitternachtsstunde schlug, öffneten sich alle Schlagbäume, unb unter lauten Jubelrufen fuhren bie Wagen über bie Grenzen, bie sie fortan in aller Freiheit überschreiten solltenman war von bem Gebauten bewegt, baß etwas Großes er­reicht worben sei", schreibt ein Chronist.

Damals schien noch ber Frachtwagen das einzige Mittel zur Güterbeförderung aber schon ein Jahr später, am 7. Dezember 1835, wurde bie Lubwigsbahn" eröffnet, die e r ft e deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg unb dem be­nachbarten Fürth. Würde sie nun darangehen, den Wagen ihre Frachten abzunehmen? Man kam zunächst gar nicht auf diesen Gedanken. Erst im Sommer bes folgenben Jahres, als die neue Bahn Anklang gefunden hatte, machte man den Versuch, die Bahn auch zur Güterbeförderung zu benutzen. Zwei Fässer Bier waren es, die von einer Nürnberger Brauerei nach Fürth verladen wurden, gegen eine Vergütung von je sechs Kreu­zern. Ein Direktorialkommissar hatte eigens da­für zu sorgen, daß diese Beförderung in gehöriger Ordnung vor sich gehe man war sich offenbar noch nicht bewußt, daß aus diesem kleinen Anfang der gewaltige Güterverkehr der Reichsbahn ent­stehen könnte.

War damit aber die alte Landstraße ausgestor­ben? Keineswegs. Aber sie mußte sich auf die neue Zeit und den Kraftwagenverkehr umstellen. Die Autostraßen entstanden: die Berliner Avus und der Nürburg-Ring in der Eifel, heute wohl die beste und landschaftlich schönste Auto­straße Deutschlands. Heute noch. Aber schon eilen die Dinge so dahin, daß eine Schilderung dieser Entwicklung kaum noch möglich ist. Vor einem Jahre verkündete der Reichskanzler bei der Er­öffnung der Berliner Automobilausstellung das große Projekt der Reichsautobahnen, mit deren Bau schon in allen Teilen Deutschlands be­gonnen worden ist. Neue Fragen technischer und wirtschatflicher Art ergeben sich, die Aussicht auf ein neues Zeitalter des Verkehrs tut sich auf.

Neues vom Funk.

Jedem sein eigener Lautsprecher.

Die Fortschritte im Bau von Großlautsprechern mit einwandfreier Wiedergabe ermuntern immer mehr, sich ihrer bei Veranstaltungen großen Aus­maßes zu bedienen. Aber auch die beste Konstruk­tion kann da nicht.helfen, wo die akustischen Ver­hältnisse schlecht sind, wie das oft in Kirchen, gro­ßen Räumen, Versammlungssälen der Fall ist. Das Ergebnis ist dann nur, daß sich die gesprochenen Laute überdecken, so daß man einige Worte wieder­holt und dreifach hört, andere aber gar nicht. In solchen Fällen sind also Großlautsprecher nicht am Platze. An ihrer Stelle verwendet man besser eine entsprechende. Anzahl kleiner Lautsprecher, die man möglichst günstig und geschickt verteilt in der Nähe der Zuhörer anbringt. Neuerdings benutzt man als Lautsprecher röhrenförmige Trichter, die versteckt an Einrichtungsgegenständen, wie Stühle, Bänke und andere Möbel, befestigt werden können. An dem Platze eines jeden Zuhörers werden diese Trichter mit Deffnungen versehen, die die Schall­wellen nach außen leiten, so daß also jeder sozu­sagen feinen eigenen Lautsprecher hat.

Neues Klangbild durch Doppellautsprechcr.

Der Frequenzbereich, den bas menschliche Ohr aufzunehmen vermag, liegt bei 15 000 bis 20 000 Hertz. Die bisherigen Lautsprecher waren nur für einen Frequenzbereich von etwa höchstens 5000 Hertz eingerichtet. Das war immerhin ein außer- orbentlicher Fortschritt gegenüber den ersten Laut­sprechertypen, gegenüber jenen Trichterlautsprechern der Anfangsepoche, die auf günstigenfalls etwa 800 Hertz ansprachen. Im Heinrich-Hertz-Jnstitut ist nun- mehr von Diplomingenieur Walter Willms eine Lautsprecher-Versuchsanlage gebaut worden, die noch für Schwingungen um 12 000 Hertz empfänglich ist.

fernungsmarfe der Einstellskala angibt. Matt­scheibenprobe ist eigentlich nie zu entbehren, sonst bleibt das Wagnis ein Glücksspiel. Der einfache Auszug gewährt dafür den Vorteil, daß eine breit auslaufende, verzweigte Pflanze eher in ihrer gan­zen Ausdehnung scharf ins Bild kommt. So sind z. B. für Walderdbeeren und andere bie Ranken- bilbung unb jungen Triebe am Ende der Ranken charakteristisch. Wir werden sie also zusammen mit der Mutterpflanze photographieren wollen. Dazu brauchen wir wegen der sonst mangelnden Tiefen- schärfe ein Abblenden. Es ist erwünscht, das Haupt- Blumenmotiv scharf unb den ftörenben Hintergrund in manchem Falle unscharf zu bekommen. Aber auch, wenn wir bis Blende 9 gehen, wird das noch erreicht. Anderseits ist dann der scharf zeichnende Bildteil schon weniger 'eng begrenzt.

Ein noch weiteres Abblenden würde die Schwie­rigkeiten um so mehr erhöhen, da aus vielfacher Erfahrung geraten wird, solche Blumenaufnahmen möglichst nicht bei hellem Sonnenschein zu machen. Zerstreutes Licht ist besser. Am besten eignet sich eine Stunde, zu der zwar die Sonne scheint, unser Motiv aber im nicht zu schweren Schatten liegt. Dann hat der ganze Himmel genug Helligkeit, um mit guten Platten, Blende 9 und Filter 2 eine Belichtungszeit von V<o bis Veo Se­kunde zu gestatten. Freilich kommt es noch darauf an, einen windstillen Moment abzuwarten, da diese Sekundenbruchteile für bewegte Blumen noch zu lang" sind. Oft wird uns die längere Beobachtung unseres Motivs zeigen, daß es nur ein besonders hoher Stengel ist, der unablässig im Winde schwankt. Wird das Blumenbild dadurch nicht ent­stellt, können wir ihn beseitigen, wenn es keine geschützte Pflanze ist (Leberblümchen, Maiglöckchen).

Haben wir durch Wahl eines im Schatten liegen­den Fleckes die störenden Härten unb krassen Un­terschiebe der Sonnenstrahlen ausgeschaltet, so müs­sen wir noch um eine getreue Wiedergabe des Farb­tones bemüht sein. Deshalb sind die oben genann­ten Zahlen nur ungefähre Anhaltspunkte. Blaue Blumen dürfen nicht prallweiß aussehen, gelbe (Nessel-Arten, Weidenkätzchen mit Blütenstaub usw.) nicht grauschwarz. Der ehrgeizige Photograph wird deshalb, wenn er kann; lieber ein Filter 3 anwen­den, dessen Verlängerungsfaktor jedoch bis zum Vierfachem höher ist. Außerdem verschiebt sich das Blumenphotographieren von Woche zu Wocye mehr ins freie Gelände, da die Wiesen mehr erblühen und die Wälder durch ihr Laubdach das Blühen mindern.