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Hr. 107 Srftes Blatt

184. Jahrgang

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MM General-Anzeiger für Oberhessen MW

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Icings um Singapur.

Don unserem ZH.-Lerichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Singapur, im April 1934.

Wenig von der europäischen Öffentlichkeit be­achtet, hat hier vor einigen Wochen eine Konfe- renz stattgefunden, die deutlicher als alles andere zeigt, wie sehr man auch in Indo-China mit der Wahrscheinlichkeit eines baldigen Konfliktes in O ft a s i e n rechnet: die sogenannte Flotten- konferenz in Singapur hatte die Aufgabe, festzustellen, ob diese Festung im Ernstfälle zu hal­ten sein würde, welche Flottenbasis bei einem etwa­igen Verlust der Seefestung sonst in Frage kommen könnte, und was zu geschehen habe, um die See­feste wohl zur Zeit die stärkste der Welt noch uneinnehmbarer zu machen als sie ohnehin schon ist. Wenn die immer vorsichtigen, allerdings auch äußerst kaltblütigen Briten an derartige Maß­nahmen denken, dann muß, so schließt jedenfalls auch der Laie, die Lage ernst sein selbst wenn der Krieg noch nicht vor der Tür steht.

Und in der Tat, ein Rundblick von Singapur aus, der sich mit der politischen Lage und den Vor­gängen in Oer näheren und weiteren Nachbarschaft beschäftigt, zeigt, wie stark es im asiatischen Hexen­kessel brodelt und wie sehr auch die nur am Rande betroffenen Länder von der allgemeinen Unruhe ergriffen sind. Man braucht von Singapur aus dazu gar nicht bis nach China und Japan zu reifen; man hat die Konflikte schon in allernächster Nähe und spürt die Rückwirkungen der verschiedenen Vor­gänge sozusagen täglich. Zwar ist es in den Straits Settlements, dem südlichen Teil der Malaischen Halbinsel, auf der Singapur liegt, verhältnismäßig ruhig. Die kluge britische Verwal­tung ist hier politischen Konflikten aus dem Wege gegangen und nur die Verheerungen der Weltkrise sind weiter spürbar geblieben, dafür geht es aber um so lebhafter in Birma und Siam, in Französisch - I n d o ch i n a und in $ ü n n a n, in Hollänoisch-Jndien und den Indischen Grenzmarken zu.

Das liegt nicht nur daran, daß fast überall die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in­folge der schlechten Preise für die Standardpro­dukte dieser Länder: Reis und Kautschuk, sehr groß sind, sondern darüber hinaus auch an den Folgen der Europäisierung der Ein- Seborenen, die nicht mehr gewillt sind, das och einer Rasse zu tragen, der sie sich ebenbürtig dünken. Was die Engländer hier z. T. bewußt versäumt haben, nachdem sie in den sechziger Jah­ren des vorigen Jahrhunderts so schlechte Erfah­rungen mit der Erziehung der Inder gemacht haben, haben die Franzosen mit ihrer dem europäischen Standpunkt so schädlichen Erziehung und Gleichstellung mit den fremden Rassen zuwege gebracht. Man kann geradezu sage, daß es die verspäteten Auswirkungen der Lehren der großen französischen Revolution sind, die wir hier zu spü­ren bekommen, da es überall Französifch- Erzogene oder unter dem Einfluß der Fran­zosen stehende Eingeborene sind, die in dem allge­meinen Wirrwarr eine so entscheidende Rolle spielen.

Das gilt z. B. für die Vorgänge in Siam, die ja wohl noch immer nicht abgeschlossen sind und noch zu weiteren Revolutionen führen können. Der Führer der siamesischen Radikalen, L u a n g Pradit, ist in seinen Reden geradezu von echt französischen Vorstellungen erfüllt, und das gleiche kann man von den Führern der Radikalen Jugend in Französisch-Jndochina selbst be­haupten. Aber diese Erscheinung reicht noch viel weiter. In ganz Südchina, in Tibet, ja selbst in Britisch-Jndien und Holländisch-Jndien gibt es Persönlichkeiten, die an der Sorbonne in Paris erzogen worden sind und dort zugleich mit den Lehren von derGleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit" kommunistische Propaaan- d a eingesogen haben, die ja nirgends so blüht als in Paris. Die Sympathie der Engländer und Hol­länder für die Franzosen rächt sich bitter, denn der Geist des Aufruhrs und der Empörung, der den jungen Asiaten auf französischen Hochschulen einge­trichtert wurde, setzt sich nach ihrer Rückkehr eben in radikale Propaganda, in politische Aufstände, kurz in die ganze Unruhe um, die sich hier bemerk­bar macht.

Das spüren die Franzosen nach der erfolgreichen, gegen die absolute Macht des Königs gerichteten Revolution in Siam übrigens am eigenen Leibe. Denn auch in Jndochina selbst gärt es immer mehr. Nach dem Tode des auf so tragische Art und Weise verunglückten Generalgouverneurs P a s q n i e r , der während eines Heimaturlaubes im Flugzeug abstürzte und verbrannte, haben sie keinen Verwal­tungsbeamten mehr, her in her Lage wäre, die Probleme zu meistem, die in Annam, Tonking usw. zu lösen find. Die Ueberführung aller dieser Eingeborenenstaaten aus dem Zustand des Feuda­lismus in moderne,konstitutionelle" Monarchien rft eben nicht so einfach, besonders wenn noch dazu die wirtschaftliche Not groß ist, und man selbst die Eingeborenen gelehrt hat, daß sie ihrenHerren' gleichberechtigt seien. Dazu kommt, daß von China her sich in wachsendem Maße Einflüsse bemerkbar imachen, um die Bevölkerung für sich zu gewinnen; idie rassischen Bande, die zwischen der südchinesischen kund der tonkinesischen Bevölkerung bestehen sind ja iüberdies ganz außerordentlich stark, und die 'Franzosen haben diese Art von einheimischer 'Propaganda noch dadurch erleichtert, daß sie so viele Südchinesen haben französisch er­flehen lassen. Es ist kein Zweifel, daß die aus iFranzösisch-Jndochina stammenden Intellektuellen, Die wegen kommunistischer Umtriebe fliehen muß-

Arbeitsdienstpflicht - Ehrenpflicht!"

Aufruf!

Es ist Pflicht jedes jungen Deutschen, sich frei­willig Volk und Staat im Arbeits­dienst zur Verfügung zu stellen. Ebenso aber ist es Pflicht des Staates wie jedes Volks­genossen, sich für die bevorzugte Unter­bringung ausscheidender Arbeits­dienst williger im Berufsleben einzu­sehen.

Ich begrüße es lebhaft, daß sich der Arbeils- d a n k die Aufgabe gestellt hat, diesen Gedanken in die Tat umzusehen und erwarte von Staats­und Kommunalbehörden, von der Wirtschaft wie von allen Volksgenossen weitestgehende Un­terstützung und Mitarbeit.

Frankfurt a. 7N.-Darmstadt, den 8.2Hai 1934.

Gez.: Sprenger, Reichsstatthatter in Hessen und Gauleiter in Hessen-Nassau.

Aufruf!

Nach dem Willey des Führers ist es unsere un­bedingte Pflicht, den Arbeitsdienftgedan- k e n nach allen Kräften zu fördern. Arbeit ist die höchste Ehre! Millionen von deutschen jungen Men­schen sollen nach dem Willen des Führers durch den Arbeitsdienst die Bedeutung des deut­schen Bodens wieder erkennen und schätzen lernen. Jeder Unternehmer ist verpflichtet, seine jugendlichen Mitarbeiter im Atter von 17 bis 25 Jahren in den Arbeitsdienst zu entsenden. Die dadurch frei werdenden Arbeits­plätze werden durch die Arbeitsvermittlungsstelle des Arbeitsdienstes, den Arbeitsdank, sofort wieder mit Arbeitsdienstwilligen beseht werden, so daß jeder, der in den Arbeits­dienst eintritt, die unbedingte Gewißheit hat, daß nach seinem Ausscheiden aus dem Arbeitsdienst ein freier Arbeitsplatz für ihn wieder vorhanden ist.

Ich fordere daher die Unternehmer einerseits und alle jugendlichen Arbeiter der Stirn und der Faust andererseits auf, s i ch sofort beim Arbeits­dienst zu melden, damit der Wille des Füh­rers restlos in die Tat umgefeht wird. Alle Organi­sationen der Partei haben sich für diese Aufgabe voll und ganz einzusehen.

Frankfurt a. M.-Darmstadt, 8. Mai 1934.

Gez.: Sprenger, Reichsstatthatter in Hessen und Gauleiter In Hessen-Nassau.

Wohin soll England steuern?

Teilhaber einer neuen Gleichgewichtslage Europas oder Rückzug auf einen angelsächsischen Mächteblock.

London, 9. Mai. (DNB. Funkspruch.) In einem Brief an dieTimes" sagt Lord L o.t h i a n : Europa, befindet sich gegenwärtig in einem Zustand des Ueberganges von einem System der Stabilität durch das militärische Uebergewicht Frankreichs und seiner Verbündeten zu einem System der Stabilität durch Gleichgewicht. Sobald dieses Gleichgewicht erreicht sei, werde es keinen Rüstungswettbewerb geben, wenn nicht und solange nicht eine Großmacht versucht, die bestehende Ordnung gewaltsam zu stören. Die praktische Frage sei heute, ob Großbritannien fortfahren solle, das französische Uebergewicht zu unter stützen, oder ob es Teil eines neuen europäischen Mächtegleichge­wichtes bleiben solle. Nach Ansicht des Verfassers sind beide Kurse falsch, da sie automatisch Verpflichtungen mit sich bringen würden, die nur zu ernsten Verwicklungen Großbritanniens mit den Dominien und den Vereinigten Staaten führen könnten. Großbritannien müsse den Keiloggpakt zur Grundlage seiner Politik machen und sich mit den Vereinigten Staaten ins Benehmen setzen.

Hierzu sagtTimes", wenn das Gleichgewicht hergestellt sei, müsse England bereit fein, seinen Teil zur Erhaltung dieses Gleichge­wichtes beizutragen. Das Blatt vermag keinen Grund zu entdecken, warum nicht ein Abkommen erreichbar sein sollte, das sich auf die Ausbildungs­zeit der Truppen, auf die allmähliche Beseitigung der schweren Waffen und auf die Kontrolle der Rüstungen der halbmilitärischen Verbände beziehen könnte. Frankreich werde vielleicht Schwierigkeiten wegen der Abschaffung der schweren Waffen machen, aber auf jeden Fall habe Deutschland sich bereit erklärt, in den nächsten fünf Jahren keine solche Waffen herzustellen. Der gegenwärtige Augenblick sei kritisch. Ein kurzfristiges, ganz einfaches Abkommen fei unendlich viel besser als gar keines. Wenn die jetzige Gelegenheit einer wesentlichen Vereinbarung be­

züglich einiger Punkte versäumt werde, dann sei nicht abzusehen, wann sie wieder eintreten werde. England erwartete, daß die britische Regierung in den kommenden kritischen Wochen seine Rolle rest­los spielen werde.

Frankreichs Vertrauen in eine englische Unterstützung schwindet.

Paris, 9. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Das Oeuvre" beschäftigt sich mit der Krise der Ab­rüstungsverhandlungen. Das ganze seit Friedens­schluß mit so großer Begeisterung aufgebaute inter­nationale System gehe stückweise verloren, ohne daß sich bisher etwas Neues an seiner Stelle zeige. Bei den ersten Besprechungen mit Doumergue und Barthou dürfte der neue englische Botschafter in Paris, Sir George Clerk, zu verstehen gegeben haben, daß die ablehnende letzte französische Note in der Abrüstungsfrage die englische Regierung i n eine peinliche Verlegenheit gebracht habe. Man habe den britischen Botschafter wahr­scheinlich aber darauf aufmerksam gemacht, daß Frankreich englische Sicherheitsgaran­tievorschläge aufmerksam und günstig auf­nehmen würde, auch wenn es am 17. April die sogenannten Erfüllungsgarantien abgelehnt hatte.

DasEcho de Paris" glaubt, daß Frankreichs Haltung in der Abrüstungsfrage sich nur ändern könnte, wenn England als Sicherheitsgarantie ein Bündnisve r f p rechen machen würde. Wenn Frankreich die Gewißheit hätte, England an seiner Seite zu wissen, um der Gefahr zu be­gegnen, würde es leicht bereit sein, dievollendete Tatsache der deutschen Aufrüstung zu legalisieren", vorausgesetzt, daß es Frankreich sowohl hinsichtlich der Effektivstreitkräfte als auch hinsichtlich des Materials freistehe, nach eigenem Ermessen f ü r sei ne eigene Landesverteidigung zu sorgen. Es wäre aber absurd, so schließt das Blatt, derartige englische Vorschläge zu erwarten.

ten, gerade bei solchen Leuten Aufnahme finden, die in Frankreich studierten. Der Versuch, auf die Er­ziehung her Jugend Einfluß zu gewinnen, schlägt hier langsam in eine Gefahr um, die nicht hoch ge­nug eingeschätzt werden kann, um so mehr, als die Japaner bewußt das Feuer schüren und die An- sprüche der chinesischen Nationalisten unterstützen.

Denn, so merkwürdig es klingt, es spielen in diesem Hin und Her in Jndochina auch die Japaner eine wichtige Rolle: sie sind die ungebetenen © ä ft e , die es überall fernzuhalten gilt. 'Die merk­würdigste und in ihren Folgewirkungen noch nicht übersehbare Erscheinung in ganz Ostasien ist die stille, aber sich immer mehr beharrlich durchsetzende Bildung chinesischer und japanischer Auslands- Kolonien rings am Rande des Stillen Ozeans und damit auch in den großen Hafenstädten Jndo- chinas. Früher hat man diese Einwanderungen gern gesehen, weil man meinte, friedliche und fleißige Bevölkerungsgruppen, die einen starken Anteil an dem Aufblühen der Kolonien nehmen würden, zu bekommen. Seit einigen Jahren ist das jedoch anders geworden. Man läßt Chinesen nur noch ungern und Japaner nach Möglichkeit überhaupt nicht mehr hinein, so daß sich überall in Jndychina ein zäher Abwehrkampf gegen das Eindringen von Japanern bemerkbar macht, das z. B. in Singapur zu sehr scharfen Ueberwachungsmaßnahmen geführt hat. UeberaU, wo die Japaner aufgetaucht sind, ist man eben die Beängstigung nicht wieder losge­worden, daß sie andere als friedliche Ziele ver­

folgten. Wenn anderswo der Gegensatz zwischen Franzosen und Japanern und Engländern und Japanern nicht so deutlich in Erscheinung tritt hier kann man ihn täglich mit Händen greifen, wenn man sieht, wie rigoros z. B. die Hafenpolizei die Japaner behandelt, die sich nach Singapur ein­schmuggeln wollen.

Und der Erfolg ist denn auch, daß der unter­irdische Kampf zwischen Japan auf der einen und den Engländern und Franzosen auf der andern Seite nirgends so heftig tobt, wie hier. Ob es wahr ist, daß die Javaner eine antienglische B e - wegunginTibet unterstützen, wissen wir nicht. Sicher ist aber, daß überall, wo es hier zu brennen beginnt, ob in Siam oder Annam oder Tonking ober auch auf den holländischen Inseln, japa-- nische Agenten ihre Hand im Spiel haben, und daß über Nacht der schwelende Brand zur hellen Flamme aufschießen kann zwischen Mächten, an deren Rivalität man sonst nicht denkt: nämlich auch zwischen Frankreich und Japan oder Holland und Japan, die sich vielleicht der ganzen unterirdischen Arbeit der Ja­paner eines Tages nicht mehr anders zu wehren wissen, als mit gepanzerter Faust.

Weiß man nun, warum die britischen Admirale in Singavur so sorgenvoll beraten haben, und war­um in Ostasien Engländer und Franzosen sich so stark nähern?

Herr uni) Geist der Gemeinde.

Gedanken znm Himmelfahrtsfest.

Man hat behauptet, das Himmelfahrtsfest fei in feinem ursprünglichen religiösen Kerngehalt volks­fremd geworden. In. der Tat durfte es viele Jahrs hindurch so scheinen. So wurde dieser gesetzliche Feiertag vor Pfingsten im ganzen mehr weltlich als religiös gefeiert. Er war zum Tag der Herren­partien geworden. Man nahm ihn dankbar wahr als willkommene Unterbrechung des restlosen Arbeits­prozesses, in dem wir Deutschen als Kinder unseres Klimas und unterer wirtschaftlichen Gegebenheiten auch im blühenden Frühjahr stehen.

Inzwischen hat sich das Verhändnis für dis ewigen und religiösen Hintergründe alles zeitlichen Geschehens in unserem Volkes wieder vertieft, über­raschend für jeden, der es mit feiner Aufgeschlossen­heit für die Welt des Wissens schon rettungslos einem unreligiösen Vernunftglauben verfallen wähnte. Auch dies ist eine Begleiterscheinung des neuen Aufbruchs. Sie rührt an die letzten Hinter­gründe alles Seins und bricht von da aus das Wesen der Nation bis in feine Tiefen um.

In diesem geschichtlichen Augenblick ergibt sich auch ein neues Verständnis für den eigentlichen Gehalt des Himmelfahrtsfestes der christlichen Ge­meinde. Es ist das Gedächtnis an jene Begebenheit, von der aus es zu dem Bekenntnis kam: Christus ist der Herr. Vom ersten Himmelfahrtstag an weiß die Gemeinde des Glaubens, daß Christus ihr himmlischer Führer ist.

Das ist bei allem Geheimnis, das für alle Zeiten sich um denHeimgang zum Vater" für das natür­liche Erkenntnisvermögen webt, für das Werden, Sein und Erwarten der Gemeinde von höchst kon­kreter Bedeutung geworden. Man hat zeitweilig auch in unseren Tagen geschieht es wieder das Gewicht der Persönlichkeit Christi wesentlich in seinem Lebenswerk allein gesehen. Die heroische Haltung, die überwältigende Liebes- und Helfer­kraft, die unbefleckte Reinheit feines Wesens, die unerreichte Tiefe und Weisheit feiner Verkündigung, sein bedingungsloses Gottvertrauen u. a. mehr ist für viele das Entscheidende. Schon bei seinem Kreuzestod hebt das Fragen nach Sinn und Zweck an. Und das, was darnach noch von ihm gesagt wird, ist für viele etwas, das sie auf sich beruhen lassen.

Aber gerade hier stehen wir an der Entscheidung, an der die Besonderheit der christlichen Gemeinde im Unterschied von jeder anderen religiösen Ge­nossenschaft deutlich wird. Man kann religiöse An­regungen schließlich von hier oder da, von dieser oder jener geschichtlichen Persönlichkeit oder Erb­masse empfangen und aufnehmen. Ob irgendwo eine christliche Gemeinde ist, das entscheidet sich daran, ob sie mit der Heiligen Schrift bekennt,daß Jesus Christus der Herr fei zur Ehre Gottes, des Vaters". Die christliche Kirche ist an das Bekenntnis zu dem erhöhten Christus gebunden, oder sie ist nicht christ­liche Kirche. Dies Bekenntnis allein gibt ihr die Glaubenshaltung, durch die sie für Pfingsten, für die Gabe des heiligen Geistes aufgeschlossen ist, durch die allein sie sich ständig erhält und erneuert. Auch hier steht der natürliche Verstand wieder vor einem Geheimnis. Wir haben aber heute gelernt, das Wesen der Erscheinungen an den in ihnen lie­genden und wirkenden Kräften zu prüfen, auch wenn ihre Metaphysik ober Uebernatürlichkeit uns verstandesmäßig rätselhaft bleibt. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Lebens- und Wirkungskraft der Kirche ganz allein davon abhängt, wieviel an Geist der Wiedergeburt und Erneuerungen, mit einem Wort wieviel heiliger Gvttesgeist in ihr vor­handen ist.

Und das ist nun die Erfahrung der Kirche: Je stärker sie zu ihrem ewigen Führer Christus steht und ihm gehorsam ist, je ernster sie die Erhöhung ihres Heilandes zu ihrem ewigen Herrn nimmt, je mehr also Christus die segen- und kraftspendende Mitte ihres Ledens ist, desto stärker und lebendiger wirkt der Geist ihres Führers in ihr. Darum ist der Himmelfahrtstag, als Feiertag der gehorsamen und vertrauenden Gefolgschaft des ewigen Führers be­gangen, von unermeßlicher Bedeutung für Ge­meinde und Kirche des Glaubens. In der Unbe­dingtheit und Einzigkeit dieses Führers liegt auch allein die Sicherheit, daß die Kirche in ihrem Volk ihre religiöse Aufgabe erfüllt.

Em sreiesVolk auf freiem Grunde

Zehn Jahre deutsche Bauspar-Eigenheim-

Bewegung.

In Stuttgart fand die Zehnjahresfeier der Deutschen B a u s p a r - E i g e n h e i m - Bewegung statt. Was die Bausparkassen in den wenigen Jahren ihrer Tätigkeit geleistet haben, ist bekannt, 60 000 Bausparern wurden 600 Mil­lionen Reichsmark Vertragssummen als B a u gelb für ihr Eigenheim bereitgeftellt, und im Laufe ber nächsten Jahre werben von den jetzt schon vorhandenen Bausparern weitere zwei Mil­liarden Reichsmark auf dem Wege der Selbsthilfe gemeinsam gespart. Die Er­weckung des Sparwillens Hunderttausender Volks­genossen, die in erster Linie durch eigen- Kraft sich ihr Eigenheim sichern wollen, ist eine ungeheure Leistung. Die Stärke der Bau­sparkassen beruht darauf, daß sie auch dem kleinen Mann" die Möglichkeit zum Erwerb eines Hauses geben, indem sie erststellige Hypo- theken-Beleihungen der Einfamilienhäuser eingeheu. Es hat sich erwiesen, daß - Geldanlagen auf solchen Objekten zu den sicher st en Anlaaen gehören. Die soliden Bausparkassen haben sich daher auch in der Julikrise 1931 als krisenfeste Finanzierungs­institute erwiesen.

Darüber hinaus bedeuten die deutschen Baufpar- taffen, die ja jetzt unter Rsichsaufsicht