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kocht, muffen wir nach außen Ruhe und Selbst« sicherheit zeigen.

Sich selbst bezwingen, mag schwer, unter Um­ständen sogar sehr schwer sein; aber schon das Be­wußtsein: So schnell lasse ich mich nicht unter­kriegen! ist allein viel wert. k.

Tierschutz im Gommer.

RVH. Verwehrt euren Tieren niemals, den Durst zu löschen. Sorgt durch ständige Bereitschaft von Wasser dafür, daß sie nie Qualen des Durstes er­leiden müssen. Bei Fahrradausflügen sorgt, daß euer Hund zu Hause bleibt. Laßt ihn nicht hinter der Straßenbahn herlaufen. Laßt euren Ketten­hund, besonders bei großer Hitze, einige Stunden frei. Pferde und andere Tiere, die warten müssen, führt an einen schattigen Ort. Wascht eurem Pferde nach jeder größeren Fahrt Augen und Nüstern mit einem reinen nassen Schwamme. Stutzt dem Tiere den Schweif nicht (es ist das eine Modetor­

heit), es verliert dadurch das natürlichste Mittel zur Abwehr der Insektenplage. Kanarien- und andere Vögel setzt nicht den unmittelbaren Sonnenstrahlen aus. Gold- und anderen Fischen gebt genügend Raum und haltet sie im Halbdunkel. Bei längeren Ausflügen übergebt eure Tiere anderen sorgenden Händen. Sommerfrisckler, nehmt euch auf der Reise der Sache des Tierschutzes an und weckt das Ver­ständnis für das Recht der unterdrückten Tiere, barmherzig behandelt und nicht vernachlässigt zu werden.

Bornonzen.

Tageskalender für Mittwoch: Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Mensch ohne Namen".

*

** Finanzamtspersonalie. Steuersekre­tär Wilhelm Hahn vom Finanzamt Gießen wurde unter Beförderung zum Steuerinspektor an das Finanzamt Dieburg versetzt.

Oer Reichsparteitag 1934.

Das Gaupresseamt teilt mit:

1. Die Kreisleitungen bestimmen für den Reichs- Parteitag je einen Kreistransportfüh- r e r. Dieser hat eine entsprechende Armbinde wäh­rend der ganzen Dauer des Reichsparteitages zu tragen. Derselbe ist für Ordnung und Disziplin der Teilnehmer aus seinem Kreis verantwortlich. Dieses Amt ist tunlichst durch den Kreisausbilder zu be­setzen.

2. Die nachstehenden Kreisleitungen stellen je einen Zugbegleiter und einen Stellvertreter,

und zwar:

Kreis

Worms

für Zug Nr. 621

ee

Frankfurt

II

n

732

Dillenburg

II

II

n

733

Wiesbaden

734

Mainz

II

H

ii

735

,1

Frankfurt

II

ii

736

U

Darmstadt

II

ii

737

II

Limburg

II

H

ii

738 '

II

Gießen

ii

739

Weilburg

740

II

Offenbach

II

II

ii

741

,,

Frankfurt

M

742

Der Zugbegleiter ist während der Hin- und Rück­fahrt für Ordnuna und Disziplin ver­antwortlich. Der Zugbegleiter und sein Stell­

vertreter tragen eine Armbinde nur während der Eisenbahnfahrten.

3. Marschteilnehmer haben im Dienst- anjug der PO. zu erscheinen, und zwar: Schwarze Stiefel, braune Hose, Bluse mit Dienstgradabzei­chen, Tellermütze, Koppel, vollständige Rücken- ausrüstung (Tornister, Zeltbahn, Decke sdiese ist in die Zeltbahn einzurollenj, Kochgeschirr, Brot­beutel, Trinkbecher sEhbesteck ist mitzubringenj).

Die Marschteilnehmer sind geschlossen bei der Hin- und Rückfahrt zum Bahnhof zu führen und auch geschlossen im Abteil des Zuges unterzubringen. Koffer, Pakete usw. dürfen nicht mitgenommen werden. Alkoholgenuß während der Eisenbahnfahrt ist untersagt.

4. Musikzüge: Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Kapellen, die mit­genommen werden, die vorschriftsmäßige PO.-Uni- form tragen müssen mit entsprechenden Schwalben­nestern.

5. Die Armbinden mit entsprechendem Aufdruck werden vom Gauorganisationsamt den Kreisleitun­gen übersandt.

6. Die Kreisleitungen melden bis zum 12. August an das Gauorganisationsamt die Namen der Kreis­transportführer, sowie der Zugbegleiter und deren Vertreter.

Die Aufgabe derLandeshandwerksMer.

Von dem Landeshandwerksführer Hessen wird uns geschrieben:

Der Reichshandwerksführer hat im Einverneh­men mit dem Reichswirtschaftsminister nach vor­heriger Fühlungnahme und Bestätigung mit den Gauleitern der NSDAP, am 11. Mai 13 Landes- Handwerksführer ernannt.

Die Landeshandwerksführer sind Beauftragte des Reichshandwerksführers. Ihre staats- und verwaltungsrechtliche Stellung und die Rechts­quelle ihrer Amtsausübung leitet sich aus dem Gesetz über den vorläufigen Aufbau der hand- werksorganifalion vom 29. November 1933 her.

Die Aufgaben der Landeshandwerksführer sind wichtig und vielseitig. Zunächst haben sie als Be­auftragte und Bevollmächtigte des Reichshandwerks­führers die Perfonalpolitit handwerklicher Oraani- fationen und Körperschaften zu regeln. Die Aus» wähl der Führer und der Vorstandsmitglieder, so­wie aller Mitarbeiter in leitenden Stellungen der handwerklichen Organisationen kann nur im eng­sten Einvernehmen mit der jeweils zuständigen PO.-Leitung erfolgen. Dieses Einvernehmen sicher- zustellen und die ganze Führungsfrage der örtlichen und bezirklichen Handwerksorganisationen immer unter die Parteiautorität der PO.-Leitung zu stel­len, ist die vornehmste Aufgabe des Landeshand­werksführers.

Die Landeshandwerksführer übernehmen auch gemeinsame handwerkspolitifche Aufgaben, die bisher über viele oder mehrere Körperschaften des Handwerks in allen Bezirken verteilt waren.

So wird u. a. die Versorgung der Tagespresse mit Material über alle Handwerksfragen einheitlich vom Landeshandwerksführer geleitet. Diese Auf­gaben gehen, soweit sich bisher andere Körper­schaften des Handwerks damit befaßt haben, restlos auf den Landeshandwerksführer über, um die Ein­heit über alle grundsätzlichen Fragen national­sozialistischer Aufbaupolitik, soweit sie das Hand­werk betreffen, sicherzustellen.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Landeshand­werksführers liegt auf dem Gebiete der Förde­rung der Handwerkswirtschaft und da­mit gleichzeitig der Arbeitsbeschaffung.

Neuregelung der Bauwirtschaft unter Berei­nigung aller liberal!stisch- kapitali- stischer Baufinanzierungsmethoden wird ebenfalls ein wichtiges Arbeitsgebiet dar­stellen. Dann wäre noch zu bemerken, daß alle wirtschaftlichen Aufgaben, soweit sie seither von den Handwerkskammern wahrgenommen wurden, auf den Landeshandwerksführer übergegangen sind.

Für die Landeshandwerksführung Hessen gilt es nun, mit verstärkter Kraft

und äußerster Aktivität den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf breitester Basis welterzu- führen, insbesondere dafür zu sorgen, daß auch für die Dintermonale Arbeitsplätze für die Handwerksgesellen sichergeslelll werden können.

Dieser Kampf wird in enger Zusammenarbeit mit

dem Gaukontrollamt für Arbeitsbeschaffung dek NSDAP, geführt werden.

Die Landeshandwerksführung Hessen will nie­mals eine reine Interessenvertretung für einen Be- rufsstand darstellen, sondern in enger Zusammen- arbeit mit allen anderen schaffenden Ständen mit an dem Aufbauwerk zur Gesundung der deutschen Volkswirtschaft beitragen.

S.jfxfport

Das 1. Tennisturnier der DT. in Bad-Nauheim.

Am 18. und 19. August führt die Deutsche Tur- nerschaft zum 7. Male ihr Tennisturnier durch, das diesmal in Bad-Nauheim abgewickelt wird. Im Mit­telpunkt steht wieder ein Turnier der Gau­mann s ch a f t e n, für das bereits am letzten Sonn­tag in Stuttgart, Hilden, Gotha und Stettin Aus­scheidungsspiele ausgetragen wurden. Dieletzten Vier", die in Bad-Nauheim zur Vorschluß- und Endrunde antreten, sind die Gaue Württemberg, Niederrhein, Nordmark und Pommern.

Ruhetag

bei den deutschen Tennismeisterschaften.

Am Dienstag wurde bei den Internationalen Tennis-Meisterschaften von Deutschland, anläßlich der Beisetzung unseres Reichspräsidenten, General­feldmarschall von Hindenburg, ein Ruhetag einge­legt. Vom Montag ist noch nachzutragen, daß im Gemischten Doppel die Titelverteidiger Frau Sper­ling - v. Gramm ihre Gegner Weber - Pachaly mit 6:3, 6:2 besiegen konnten. Im Dameneinzel wurde das am Sonntag abgebrochene Spiel Frl. Sander gegen Frl. Krüger zu Ende geführt. Frl. Sander gewann in zwei Sätzen 9:7, 7.5.

Tennisländerkampf Deutschland-England.

Die beiden Mannschaften.

Arn 14. und 15. August findet in Hannover ein Tennisländerkampf zwischen Deutschland und Eng­land statt, für den jetzt die beiden Mannschaften namhaft gemacht wurden. Für Deutschland spielen: H. Henkel, H. Denker, W. Menzel und Tübben bei den Herren, für die Damenkämpfe sind vorerst Cilly Äußern und Marielouise Horn aufgestellt, denen noch zwei weitere Spielerinnen kommen. Die engli­schen Farben vertreten bei den Herren Tuckey, Tink- ler, Hare und Cooper und bei den Damen Scri- ven, Lyle, Hardwick und Dearman.

14. Gießener Herbstregatta.

Am Sonntag, 26. Auaust wird die - Gießener Herbstregatta zur Durchsühruna gelangen. Die Herbstregatta, die Regatta des Lahn-Regatta-Ver- bandes, wird ausgerichtet durch den Verein Rudersport Gießen 1913 und Akademische Ruderabteilung und ist, wie üblich, offen für alle deutschen Rudervereine. Bereits vor einiger Zeit gelangten die Ausschreibungen zum Versand; die Meldungen sind zum größten Teil abaegeben, so daß am Abend des Tages des Meldeschlusses, am 15. August, die Startverlosung stattfinden kann. Für die Regatta sind 20 verschiedene Rennen aus- geschrieben und zwar folgende: Lahn-Jungmann- Vierer (Dritter Jungmann-Vierer), Zweiter Vierer, Jugend-Gig-Dierer (1000 Meter), Lahn-Vierer (Zweiter Vierer), Herbst-Jungmann-Einer, Herbst- Jungmann-Achter, Erster Jungmann-Vierer, Herbst- Vierer (Dritter Vierer), Junior-Dierer, Herbst- Einer, Vierer-Kurzstreckenrennen (600 Meter), Erster Vierer um den Hessischen Staatspreis, Herbst-Achter (Dritter Achter), Herbst-Anfänger- Vierer, Lahn-Achter (Zweiter Achter), Lahn-Einer, Zweiter Jungmann-Vierer, Ermunterungs-Vierer, Großer Achter, Schluß-Achter (Dritter Achter).

lieber das Melde-Ergebnis und die Startver­losung werden wir zu gegebener Zeit berichten.

Kurze Gportnotizen.

Zw ei neue We ltrekorde gab es beim Ame­rikanersportfest in Oslo. Nach dem phantastischen Kugelstoß von Jack Torrance mit 17,40 Meter lief jetzt Beard die 110 Meter Hürden in 14,2, während die Amerikaner Peacock, Cane, Harbin und East- man in der Schwedenstaffel (400, 300, 200, 100 Meter) einen neuen Weltrekord mit 1:53,3 Minuten schufen. ,

Eine Hockey-Weltmeisterschaft soll künftig im Abstand von je vier Jahren, erstmals 1938 in Holland, stattfinden. Die Entscheidung über diese Frage fällt bei der internationalen Hockey- tagung im November.

Großkampftage der europäischen Schwimmereliie

Europameisterschaften in Magdeburg.

Die diesjährigen Schwimm-Europameisterschaften finden vom 12. bis 19. August in Magdeburg statt. Wie der Magdeburger Arbeitsausschuß berichtet, steht bereits die Beteiligung von vierund­zwanzig europäischen Nationen fest. Hundert ausländische Pressevertreter sind schon an­gemeldet.

Am 11. August wird der Kongreß der euro­päischen Schwimmliga tagen. Tags darauf beginnen dann die Wettkämpfe, während am Nach­mittag die feierliche Eröffnung mit dem Einmarsch der Teilnehmer vor sich gehen wird. Den Schluß der Veranstaltung soll am 20. August eine Harzfahrt für alle Teilnehmer bilden.

Für die Damenwettkämpfe sind die holländischen Schwimmerinnen besonders aussichtsreich. Der hol- länbische Verband wird daher sämtliche Damenwett­bewerbe doppelt besetzen. Ferner entsendet erfreu­licher Weise Holland nun auch noch eine Wasserball­mannschaft nach Magdeburg. Mit besonderer Er­wartung sieht man der vielfachen Rekordschwimme­

rin Willie den Ouden und dem Kunstspringer S t o t y m entgegen. Der norwegische Schwimmer­verband hat für Magdeburg vorerst die Kraul­schwimmerin Edith Pete r f e n, den Brustschwim­mer Norman und den Kraulschwimmer Glei­berg bestimmt. Die Zahl dieser Teilnehmer wird sich aber voraussichtlich noch erhöhen. Mit einem großen Aufgebot, nämlich mit nicht weniger als dreißig Schwimmern und Schwimmerinnen wird England vertreten sein. Die gesamte Truppe ist in London zu einem abschließenden Training zusam­mengezogen worden. Auch Dänemark hat zahlreich gemeldet, so für die 4 mal 200-Meter-Kraulstaffel, die Kraul- und Brustschwimmen der Herren, für die 4 mal 100-Meter-Damen-Kraulstaffel sowie für beide Kunstspringen.

Um möglichst vielen Jugendlichen Gelegenheit zu bieten, diesen wichtigen internationalen Meister­schaftskämpfen beiwohnen zu können, hat man für sie ein großes Zeltlager, das Tausende beherbergen kann, errichtet.

Meer.

Von Waldemar Bonsels.

Wie es ein Gespräch über das Leben und die Frauen so mit sich zu bringen vermag, fragte ick eines Nachts an Bord Cornell, weshalb er sich nicht verheiratet habe. Da erzählte er mir die Ge­schichte seiner Liebe, die vielleicht sonderbar ist, aber möglicherweise manches Mannes Geschick darstellt, das verborgene Schicksal mancher Menschen, die es verschwiegen oder halb bewußt im Unaussprech­baren bewahrt haben.

Wir waren an Bord der Lutetia", eines nicht eben großen, aber tapferen Dampfers, der damals im Verkehr und Handel zwischen Hamburg und Nordbrasilien Dienste tat, einer Linie, die mit dem Krieg den deutschen Händen im Weltverkehr ent­glitt, wie so vieles andere auch. Cornell war ge­borener Engländer, jedoch von einer deutschen Mutter und in Deutschland erzogen worden. Er schwankte ein wenig im Wirkungsfeld der Anlagen und Aufgaben dieser beiden vetterlichen Völker um­her, hier verpflichtet, die äußerliche Welt der Tat- fachen und Erscheinungen zu ordnen, dort, die Licht­gebiete der innerlichen Welt zu begreifen und die Erkenntnis höher zu werten als den Vorteil an oer­ganglicken Dingen. Wir schloffen uns einander ohne viel Worte an, und ich schätzte ihn sehr.

J?^er ich lasse besser ihn selber seine kurze Ge­schichte erzählen. Wenn es mir gelingen sollte, mit meiner Wiedergabe etwas von seiner Art zu erhalten, so wird fein Gesicht deutlicher werden, als unter meinen Beschreibungen. Ihm lag wenig daran, seine Mittel, sich verständlich zu machen, einer besonderen Aussicht zu unterziehen, er sagte einfach, was er fühlte und sah und übertraf deshalb viele, die beim Erzählen über ihrem Willen zur Wirkung das Bild vergessen, das nur die gedul­dige Schau und die Andacht der Vorstellungskraft entwickeln. Er zündete die Pfeife an, und als das Flämmchen über dem Tabak aufleuchtete, sagte er:

Da betrachteten wir eben miteinander das Kreuz des Südens am Horizont über dem nächt­lichen Meer, und nun hat die kleine Flamme in meiner Hand das gewaltige Sternbild des Himmels für eine Weile überstrahlt, so daß es unseren Augen unsichtbar geworden ist. Ist aber dies möglich, so möchte ich der Sinnenwelt und ihren Gaben nicht allzu hingegeben vertrauen, und doch sind wir im irdischen Gewese ohne dieses Vertrauen verlorene Leute. Da helfe uns Gott zwischen Zweifel und frommen Glauben, zwischen Einfalt der Hingabe und dem Zorn der Liebe. Ich glaube aber, den meisten hilft er deshalb nicht, weil sie ihm seinen Thron nach ihren Wünschen zurechtrücken."

Das war viel auf einmal, und ich schwieg etwas! befangen. Das Kreuz des Südens war längst wie-1 der über dem Meer, am hohen Horizont aufge-1 taucht, dies schöne Himmelszeichen über den fernen Geheimnissen einer tropischen Welt. Das Meer lag so klar und ruhig, daß die Sternbilder sich darin spiegelten. Wir hörten in unseren Deckstühlen kein anderes Geräusch als das Rauschen des Einbruchs in Blau und Stille und Weite, den das Schiff auf seiner eifrigen und gleichförmigen Wanderung vor­nahm. Wenn man den aufgeworfenen Wellen­bergen in ihrem Verlauf mit den Blicken folgte, so sah man, wie sie die Spiegelbilder der Sterne zuerst hoben und sanft und blank wiegten, um sie dann jählings in hellen Gischtbergen zu entstellen und ihre Gestalt zu vernichten. Alle gewohnten Verhältnisse und die alten Bindungen der Sinnen­welt hatten sich schon gelockert, eine neue Zustän­digkeit der Dinge brach herein, die Fremde lockte und drohte.

Nun hörte ich wieder Cornell:

Wir nannten die schöne Fremdeder Matrose", wir zehn Verschlagenen auf derBertha Almers", vor Gott weiß wieviel Jahren auf dem Atlantischen Ozean. Es waren außer ihr noch drei Weiber an Bord, die Frau des Kapitäns, ich glaube, er hatte sie mitgenommen, um sie bei Gelegenheit zu er­tränken, und zwei junge dralle Frauenzimmer, die den Leuten in Küche und Kabinen halfen, bei allem. Wir segelten Gummi von Para, damals stand der Quark dort noch hoch im Wert, man raubte und baute noch nicht so ausgiebig in Afrika. Die Segel sollten dem Reeder Kohle sparen, aber die Zeit fraß den Vorteil wieder auf, und unsere Seelen dazu, die Zeit und die Aequatorsonne und die Untat der Windstille.Der Matrose" war in Pernambuco zugestoßen, der Kapitän erklärte uns diesen weiblichen Passagier nur mit einem ver­legenen Gebrumm, er schien selbst nicht recht zu wissen, wie er an den unerlaubten Fahrgast ge- raten war, der ihn mit merkwürdigen Kräften be­stimmt haben mußte, eine Kabine herzugeben.

JSie.rooKte in die Heimat, hatte aber keine, ähn­lich wie wir alle Im Grunde kreisen wir nur um das Herz und kommen nicht in seine Tiefe, nicht zu seinem Wert. Die Menschheit ist noch zu jung, ich setze nicht viel auf sie. Wenn es mir vergönnt fein sollte, nach hunderttausend Jahren mal wieder vorzusprechen, werde ich sehen, da blüht vielleicht, was heute drängt und quält.

DerMatrose" saß allzeit allein an Deck, manch- mal lag ein Buch neben ihr, aber ich sah sie nie­mals lesen, sie nahm das Buch nur aus Scham­gefühl mit sich, und hielt es in ihr Blickfeld, wenn I jemand an ihrem Liegstuhl vorüberkam. Zu Anfang I kreuzten sie allesamt bei ihr umher, später kam

niemand mehr, denn ihr Gesicht hatte einen Aus­druck von solcher Traurigkeit, daß dir das Herz stillstand und du dich umschautest, als schautest du dich in der Welt um: Was war geschehen?! Mein Gott, was war hier geschehen? Es war ein wun­derschönes Gesicht

Da mich die Klage stärker lockt als der Jubel, hielt ich in ihrer Nähe aus, aber sie sprach nicht mit mir, und auf meine Anreden hin lächelte sie mich fort. Dies Lächeln hatte durch seine Absage eine solche Macht, daß ich Blut und Marter vergaß, aber zum ersten Mal in meinem Leben wollte, daß es einen Gott gibt. So saß ich denn stumm und still dicht bei Gottes Wiege, und meine Siebe wachte auf.

Kam der Abend und das unbewegte Meer nahm die rote Sonne auf, ging die junge Frau langsam unter Deck und legte sich zur Ruhe. Heiland der Welt, welch eine Ruhe mag das gewesen sein!

Warum wir sieder Matrose" nannten? Viel­leicht wegen ihres schlichten blauen Kleides, das sie nie wechselte, was weiß ich. Die Menschen retten sich gern in das Flachland der Albernheit, wenn Nähe und Ahnung einer großen Seele sie befällt. Und wie stand es denn mit mir? Ein Mann, der feine Kräfte fühlt, ist ein Narr, wenn er nach sei­nem Alter fragt. Das ist die Art der alternden Bürschchen, die sich pon den Weibern die Bestäti­gung ihrer Kraft erbetteln. Um die Vierzig herum muß ich gewesen sein, und mich quälte damals ein sonderbares Verantwortlichkeitsgefühl allem und jedem gegenüber. Das ging soweit, daß ich mich zu­weilen bei den anderen entschuldigte, wenn schlech­tes Wetter war. Torheit? Mag sein. Die ins Ver­wesliche verschlagene Liebe sucht oft abgelegene Heimwege. Aber es läßt sich vielleicht begreifen, wie solch ein Verantwortlichkeitsgefühl aufbrennt, wenn sich ein Hasen findet, wie dies zerstoßene Herz. Das war es bei dieser Frau, ich hatte es bald heraus: sie gehörte nicht mehr dazu, und war noch dabei. Da mußt du in grauen Haaren reisen, bevor du das begreifst; heiliger Vater, wo soll man da hin?!

Derweil kochte und brodelte das Blut der Men­schen auf unserer Dreimasterbark im Tropenfieber. Oft wußte ich nicht mehr, ob das Jaulen und Ge­zeter in den schwülen Nächten von einer Zieh­harmonika stammte, die ein Irrer zerzerrte, von Raubtieren oder Menschen. Die Wache trug Kara­biner, der Kapitän war Nacht für Nacht betrun­ken. Die Segel hingen wie Leichentücher über der Verwesung der Seelen. Unsere nackten Leiber bete­ten im Teufelsspuk der Nächte um Wind. Schnaps war verboten, aber immer vorhanden, als schwitze er aus den glühenden Teerplanken in die ausge- trockneten Mäuler. Der öde Singsang in der Däm­merung ging Nacht für Nacht in Gröhlen, Krei­

schen und Geraufe über, bis im Morgenlicht die liebe traurige Gestalt erschien. Ich hing mein Herz für immerbar an die Schweigende, und sie rettete meine Seele. Sicherlich hatte sie in ihrem zurück­liegenden dunklen Schicksal die Schuld auf sich genommen, sie trug und trug die viel zu schwere Last.

Als uns nach schrecklichen Wochen vor Biscaya der Südwest in die Nordsee trieb, war sie eines Morgens verschwunden. Wir suchten nicht lange. Vergangen im Meer", sagten die Leute nach Art ihrer Sprache von See und Flut. Sie wollte fort ...

Da wissen Sie nun meine Liebesgeschichte, an­dere t)ab ich nicht erlebt. Was noch kam, verging ohne Glanz, und niemand trug daran. Ich glaube, vorhin habe ich einmal du zu Ihnen gesagt. Ent­schuldigen Sie bitte.

Zeitschriften.

Der Naturforscher", vereint mitNa­tur und Technik". Vierteljährlicher Bezugspreis 2,50 NM.; Preis des Einzelheftes: 1 RM. Hugo Ber- mühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. Die Natur­schätze Rußlands behandelt Reichsbahndirektor Dr. Salier im Augustheft und zeigt, daß Rußland wohl das am meisten mit Bodenschätzen gesegnete Land der Erde ist, so daß sich hier noch ungewöhnliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten, lieber neue Ver­suche über den Verstand der Tiere berichtet Dr. Werner Fischei. Er stellte fest, daß Mäuse von vor­handenen Spalten den breitesten zum Durchnagen wählen; sie müssen also das Vermögen haben, deren Breiten aufzufassen. Andere reizvolle Ver­suche geben Aufschluß über das Lernoermögen von Ratten und Meerschweinchen sowie über Schluß- ketten von Affen. An Hand prächtiger mitrophoto- graphischer Bilder gibt Dr. F. Schwarz eine Üeber- sicht über die Bauformen bei der Entwicklung des Wirbeltierkörpers. Prof. W. Wunder in Breslau berichtet über Versuche, das Hochzeitskleid bei Fischen durch Einspritzungen hervorzurufen. Einen eigenartigen auf dem Kartoffelbovist fchmarotzenoen Röhrling zeigt uns Studienrat Br. Hennig. Von sei­nen jahrelangen erfolgreichen Bemühungen, dem Alpenschneehuhn photographisch beizukommen, be­richtet A. von Boroviczsny. Von den zahlreichen kleinen Beiträgen seien die über die Zeichnungs- abänberung der Kreuzotter, über die Gefährlichkeit wildernder Wolfshunde, über die Entgiftung von Auspuffgasen der Kraftfahrzeuge, über die größte und kleinste Glühlampe, über Vergewaltigung in der Vogelwelt, über die Papageienkrankheit usw. erwähnt. Die gut ausgeftatete und hervorragend bebilderte Zeitschrift fei jedem Naturfreund nach­drücklich empfohlen.