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M. 182 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)

Dienstag, 7. August 1934

werden das Weltgefühl und die Lebenshaltung des Chinesen doch kaum je die uralte Bindung an die oeheiligte Ueberlieferung verlieren. Dieses völlige Anderssein offenbart sich in unzähligen Alltäglich­keiten, die dem fremden Besucher auf Schritt und Tritt die Verschiedenheit enthüllen. Einige solcher Züge seien hier zusammengestellt:Der Chinese lacht, wenn er uns von dem Hinscheiden seines nächsten Verwandten erzählt, und drückt damit seine Trauer aus; dagegen jammert die glückliche Braut, wenn sie ihrem Zukünftigen in das neue Heim folgt. Der Chinese erkundigt sich nicht nach unserem Befinden, sondern fragt:Haben Sie Ihren Reis genossen?" Ja, er stellt noch eine Menge anderer indiskreterer Fragen, die sich bis auf die Verdauung erstrecken; dies gilt sogar als ein Zeichen besonderer Höflichkeit. Wenn man ihn aber nach der Gesundheit seiner Frau oder seiner Kinder fragt, so empfindet er das als einen Ver­stoß gegen den guten Ton. Während wir den Hut abnehmen, wenn wir in einen Raum eintreten, be­deckt er sich schleunigst, wenn er einen Gast emp­fängt. Er schüttelt seine eigenen Hände, anstatt zum Gruß die des anderen zu ergreifen. Während wir nicht gern vom Sterben sprechen, zeigt er voll Stolz einige für seinen Sarg bestimmte Bretter, mit denen ihm seine Kinder eine große Freude gemacht haben. Die Trauerfarbe ist weiß. Das chinesische Buch fängt da an, wo das unsere endet, weil der Chinese von rechts nach links schreibt, in senkrech­ten Reihen von oben. Der Titel des Werkes steht nicht am Kopf, sondern unten auf der Seite. Die Anmerkungen finden sich nicht unten, wie bei uns, sondern über dem Text. Der Lehrer steht der Klasse nicht gegenüber, sondern er wendet ihr den Rücken zu; das chinesische Zeitwort pei = aufsagen be­deutet ursprünglichJemandem den Rücken kehren". Der Kuß in der Öffentlichkeit ist in China wie in Japan unbekannt und gilt als grenzenlose Scham­losigkeit. Die Mutter drückt ihr Kind zärtlich an ihre Rase. Die chinesische Mahlzeit beginnt mit ein- gemachten Früchten und schließt mit der Suppe. Der Chinese steigt von rechts auf sein Pferd. Die Räder chinesischer Maschinen drehen sich stets in entgegengesetzter Richtung wie die Uhrzeiger. Das Schönheitsideal ist ebenfalls von dem unseren ganz verschieden. Eine Tochter des himmlischen Reiches wird dann gepriesen, wenn sie ein rundliches Ge­sicht in der Form einer Wassermelone und eine stark abgeplattete Rase hat. Bei uns gilt es für anständig, die Nägel zu beschneiden; der vornehme Chinese läßt sie ins Endlose wachsen, so daß sie manchmal eine Länge von zehn Zentimetern er­reichen

Oer Führer über den deutschen Friedenswillen.

Eine Unterredung mit einem englischen Pressevertreter.

London, 6. August. (DNB.) Der bekannte Reisekorrespondent derDaily Mail", Ward P r i c e, berichtete, daß er gestern abend von dem Führer und Reichskanzler empfangen wurde, der während etwa einer Stunde die an ihn gerichteten Fragen beantwortete. Es handelt sich nicht um ein vorbereitetes Inter­view, und der Reichskanzler hatte keine vorherige Kenntnis von den Fragen.

Einleitend sagt der Korrespondent: So ereignis­reich auch die letzten Wochen für den Reichskanzler gewesen sind, sie haben keine Spuren auf seinen Gesichtszügen hinterlassen. Er sieht tatsächlich g e - sünder aus als im Februar, wo ich ihn das letzte Mal sah.

Die erste Frage des Korrespondenten bezog sich aus die allgemeinen Rüstungen und die internationalen Spannungen. Hitler erwiderte:

Soweit es an Deutschland liegt, wird es keinen neuen Krieg geben. Deutschland kennt die schlimmen Folgen eines Krieges besser, als irgendein anderes Land. Fast alle Mtglieder der nationalen Regierung kennen persönlich seine Schrecknisse. Sie wissen, daß er nicht ein romantisches Abenteuer, sondern eine gräßliche Katastrophe ist. Es ist die Ueberzeugung der nationalsozialistischen Bewegung, daß Krieg niemand Ruhen bringt und nur Ruin zur Folge haben kann. Uns würde ein Krieg keinen Gewinn geben. 1918 war für uns eine Lehre und eine Warnung. Wir glauben, daß die Probleme des Heuligen Deutschland nicht durch Krieg geregelt werden können. Seine dem übri­gen Europa gegenübergestellten Forderungen schließen keine Gefahr eines solchen Unglückes in sich, denn sie beschränken sich darauf, was die Rationen als ihre elementarsten Rechte be­trachten. Wir verlangen nur, daß unsere jetzigen Grenzen aufrechterhalten bleiben sollen. Wir werden bestimmt niemals wieder kämpfen, außer in Rotwehr.

Ich habe den Franzosen wiederholt versichert, daß es nach Regelung der Saarfrage keine territorialen Schwierigkeiten zwischen uns geben wird, während ich an unserer Ostgrenze unsere friedfertigen Absichten durch Ab­schluß eines Paktes bewiesen habe.

Der Reichskanzler fuhr fort: Baldwin hat gesagt, die Defensivgrenze Englands liege künftig am Rhein. Vielleicht wird ein fran­zösischer Staatsmann noch weiter gehen und sagen, ob Frankreich an der Oder verteidigt werden muß, oder Rußland wird vielleicht be­haupten, seine nationale Verteidigungslinie erstrecke sich längs der Donau. Man kann Deutsch­land bei dieser Lage schwerlich einen Vorwurf daraus machen, wenn es nationalen Schutz innerhalb seiner Grenzen sucht.

Zu Ihnen, als einem Engländer, sage ich, wenn England uns nicht angreift, werden wir niemals einen Streit mit England haben, sei es am Rhein oder anderswo. Wir wollen nichts von England.

Auf die Zwischenfrage des Korrespondenten: Richt einmal Kolonien?, erwiderte der Füh­rer mit erhobener Stimme: Ich würde nicht das Leben eines einzigen Deutschen fordern, um irgend eine Kolonie der Welt zu erlangen. Wir wissen, daß die vor­mals deutschen Kolonien in Afrika ein kostbarer Luxus sogar für England sind. Die Vermeh­rung der britischen Luftflotte erregt nicht die geringste Erbitterung in Deutschland. Die

Engländer können ihre Flotte verdoppeln und ver­vierfachen, sie können sie auf jede beliebige Stärke bringen, es geht uns nichts an, da wir nicht beabsichtigen, sie anzugreifen.

Der Korrespondent warf ein, England baue Flugzeuge, weil es glaube, daß Deutschland eine große Luftflotte baue, so wie es vor dem Weltkriege baute. Hitler erwiderte:

Die Engländer haben sich nicht bedroht gefühlt, als Frankreich eine große Luftflotte baute. Warum sollten sie über deutsche Maßnahmen der Selbstverteidigung erregt sein? Großbritannien liegt außerhalb unserer Be­rechnung.

Unsere Schritte, wie wir sie tun, sind bestimmt, der Tatsache gerecht zu werden, daß wir auf dem Kontinent von einem Ring von mächtigen Feinden möglicherweise umgeben sind, die eines Tages Forderungen an uns stellen könn­ten, die wir nicht annehmen können. Es ist nicht das Ausmaß der Rüstungen, das die Gefahr eines Krieges schafft, sondern die Ungleichheit der st ungen. Sie ermutigt die stärkeren Nationen, ehrgeizige Pläne zu hegen, die die schwächere Nation nicht dulden kann.

Der Korrespondent stellte eine Frage wegen O e st e r r e i ch. Hitler antwortete bewegt:

Wir werden Oe sl erreich nicht an­greifen, aber wir können Oesterreich nicht verhindern, zu versuchen, ihre frühere Verbin­dung mit Deutschland wieder herzusiellen.

Diese Staaten sind nur durch eine Linie getrennt, und beiderseits dieser Linie leben Völker der­selben Rasse. Wenn ein Teil Englands künst­lich von dem Rest getrennt würde, wer würde sei­nen Einfluß daran verhindern zu wünschen, wie­der mit dem Rest des Landes vereinigt zu sein? Bis zum Jahre 1806 waren Deutschland und Oester­reich vereinigt.

Streben Eure Exzellenz eine Wiederherstellung des Heiligen Römischen Reiches an? fragte der Korrespondent. Der Kanzler er­widerte: Die Frage ist nicht ein Problem des heutigen Tages. Ich bin sicher, daß die ganze Angelegenheit geklärt werden würde, wenn in Oe st erreich eine geheime Abstim- m u n g stattfände.

Die österreichische Unabhängigkeit liegt außer­halb jeder Diskussion und niemand stellt sie in Frage.

In dem alten österreichischen Reich bekundeten die verschiedenen Nationalitäten Zuneigung zu den Nachbarn ihrer eigenen Rasse. Es ist natürlich, daß die Deutschen Oesterreichs einer Ber­einigung mit Deutschland zuneigen. Wir wissen alle, daß dieses Ziel gegenwärtig nicht zu erreichen ist, denn der Widerstand des übrigen Europas würde zu groß sein. Der Korrespondent erwähnte die ungeheure Macht und Ver­antwortlichkeit, die jetzt in Hitlers Händen vereinigt sei. Hitler erwiderte:

In jedem Jahre unterbreite ich meine Macht­befugnisse bei irgendeiner Gelegenheit dem deutschen Volke. Dieses hat die Möglichkeit, sie zu bestätigen oder zu verweigern. Ihre wilden Deutschen" sind bessere Demokraten als andere Rationen.

Der Korrespondent fragte: Behalten Sie das vereinigte Amt des Staatsoberhauptes und Kanzlers auf Lebenszeit? Hitler erwiderte: Es wird dauern, bis eine nationale Abstimmung der jetzigen Regierung ihre Grundlage entzieht.

Der Korrespondent sagte:Vor 5 Wochen war die Welt Überrascht durch Zeichen einer Spaltung unter den nationalsozialistischen Streitkräften und durch die strengen Maßnahmen, durch die sie be­seitigt wurde. Sind Sie überzeugt, daß die Par­tei völlig einig ist?Der Führer erwiderte mit blitzenden Augen: Die Partei ist stärker und solider als sie jemals war."

Der folgende Teil der Unterhaltung bezog sich auf Deutschlands wirtschaftliche Aussich­ten. Hitler erklärte, er sei überzeugt, daß

Deutschland sich von Rohstoffen aus dem Aus­lande unabhängig machen werde, wenn es dazu gezwungen würde.

Er erinnerte an frühere Erfahrungen während Na­

poleons Kontinentalsperre und während des Welt­krieges.

Ueber die Weltwirtschaftslage in ihrer Gesamtheit sagte der Kanzler, drei Dinge seien not­wendig für die Erholung der Welt, nämlich die Auf­rechterhaltung des Friedens, das Vorhandensein starker , wohlorganisierter Regierungen in jedem Lande und die notwendige Energie, die Weltpro­bleme in ihrer Gesamtheit in Angriff zu nehmen. Die Deutschen feien bereit, mit anderen Nationen in dieser Richtung zusammenzuarbeiten, wenn diese die gleiche Haltung zeigten.

Aus die Anfrage über eine Rückkehr Deutsch­lands zum Völkerbund erklärte Hitler:

wir haben den Völkerbund aus bestimmten, deutlich bezeichneten Gründen verlassen. Ls war unmöglich für meine Regierung, weiterhin an Verhandlungen teilzunehmen, bei denen wir auf der Grundlage der Minderwertigkeit behandelt wurden. Wenn unsere völlige Gleichheit aner­kannt ist, werden wir vielleicht zurückkehren. Die britische Regierung hat sich zugunsten der

Deutschland und Frankreich

früheren Chefs, hat uns Schmerz bereitet, aber wir find der Ansicht, daß er seit längerer Zeit a u f g e - hört hatte, Soldat zu fein. Schleicher, so er­klärte General von Reichenau u. a. weiter, sei ein

rüsteter Länder und eine uneingestandene Rüstung stellt, kann kein Vertrauen zwischen uns bestehen.

Sie haben uns die Gleichberechtigung versprochen. Halten Sie Ihre Versprechen, und wir werden Ihnen zeigen, daß die deutsche Wehrmacht keine Vorherrschaft anstrebt, son­dern nur den legitimen Platz, der ihr in der Welt nach der Gröhe ihrer Vergangenheit zu­kommt."

Zu dieser Unterredung fügt der französische Pressevertreter folgende Schlußbemerkungen an: Man kann über die Ideen des Generals verfchie- dener Ansicht sein, muß aber immerhin unterstrei­chen, daß er die Notwendigkeit einer deutschen Aufrüstung nicht verneint hat. Er hat die Gleichberechtigung für sein Land gefordert, und diese Auffassung teilt er mit jedem guten Deutschen.

Paris, 6. Aug. (DNB.) ImPetit I o u r - n a l" veröffentlicht Stanislaus de la Rochefou­cauld eine Unterredung mit General von Rei­chenau, in welcher er einleitend feststellt, daß der Führer die Zusammenlegung der beiden höchsten Reichsämter so schnell und so leicht vollziehen konnte, weil er in voller Ueberein ft im­mun g mit der Reichswehr stand. Der dem Führer geschworene Treueid der Reichswehr unter­streiche deutlich die enge Zusammenarbeit zwischen Hitler und dem Generalstab.

Ueber die Ereignisse vom 3 0. Juni befragt, hat General von Reichenau nach demPetit Jour­nal" erklärt:Diese Ereignisse haben der Welt, wenn sie es nicht schon vorher wußte, bewiesen, daß die SA eine politische und keine militärische Formation ist.

Der Reichskanzler hat fein Wort gehalten, als er den Versuch Röhms, die SA. in die Reichs­wehr einzugliedern, im keim erstickte. Wir lie­ben ihn, weil er sich als wahrer Soldat gezeigt hat. Die Wehrmacht bewundert ihn wegen sei­nes persönlichen Mutes, und ich unterstreiche die Worte, die er kürzlich gesprochen hat:Die Reichswehr kann sich auf mich verlassen, wie ich mich auf sie verlasse". Unsere Treue zur Re­gierung ist unbegrenzt. Wir stehen geschlossen hinter dem Führer, und wir schätzen an fei­ner Seite besonders den General Göring, der mit einer unerschütterlichen Treue zum Füh­rer die Fähigkeiten eines Staatsmannes ver­bindet.

nichts anderes, als sich in der Legalität ent­wickeln.Es mißfällt uns, als Parias behan­delt zu werden. Alle Deutschen wollen geschützt sein durch einen Rüstungsstand, den sie für die Sicher­heit des Landes als unentbehrlich ansehen. Die Wehrmacht hat den Wunsch, die Abmachungen zu beachten, aber man darf nichts Unmögliches Solange man uns eine Ber-

Die Behauptung, daß wir einer reaktionären oder von ihr verlangen Solange man uns eine Der-

geborener Verschwörer gewesen, und der Gedanke, mit Hilfe der SA. wieder an die Macht zu kommen, sei bei einem ehemaligen Reichswehr­minister unverständlich. Seine Verbindung zu Röhm sei bekannt gewesen. Es sei auch sicher, daß er ernst­lich auf Frankreich hoffte, das ihm seine Regie­rungsaufgabe erleichtern werde.Ich bezichtige kei­neswegs Ihr Land, ich sage lediglich, daß Schleicher auf Frankreich rechnete. Der Gedanke ist traurig, daß Offiziere so leicht die Eigenschaften ihres Be­rufs in der Politik verlieren können. Das war das Unglück im Fall Schleicher. Er hat vergessen, daß der Gehorsam erstes militärisches Gebot ist."

Auf die Frage des französischen Pressevertreters, ob General von Reichenau eine Abrüstungs­

konvention wünsche, antwortete er:11 nb ob i ch s i e wünsche!

Aber für mich muß dieGleichberechti­gung" Hand in Hand mit der französisch-deut­schen Annäherung gehen, sonst werden sich technische Schwierigkeiten von neuem einstellen, sobald man der Konvention eine neue Form würde geben müssen.

Denn der ständige Fortschritt der Rüstungen ver­langt gebieterisch, daß das richtige Verhältnis von Zeit zu Zeit in Uebereinstimmung aebracht wird. Wenn die Konvention nicht der Anfana einer neuen Politik ist, wird es immer Schwierig­keiten zwischen unseren beiden Ländern geben. Es ist bedauerlich, daß Frankreich kein Ver­ständnis dafür hat, daß das einzige Land, das ihm seine Siche rh eit in Europa voll gewährleisten kann, Deutschland ist. Wir sind Nachbarn. Wir haben beide hervorragende militärische Ueberlieferungen. Wir brauchen nie­manden mehr zu fürchten, und Sie würden von dem Albdruck der Sicherheit befreit sein."

Auf den Einwurf des Franzosen, welche G a - rantien dafür vorhanden wären, daß Deutsch­land die Konvention einhalten würde, ant­wortete der General, die Reichswehr wolle

Mensch ohne Namen."

Lichtspielhaus.

Ein Ufafilm, nicht aus der jüngsten Produktion, aber ohne Zweifel zum Besten gehörig, was aus Neubabelsberg hervorgegangen ist; er behandelt ein Motiv, das in feiner Urfasfung ziemlich alt ist, aber die Literatur immer wieder beschäftigt und durch den Krieg und in den Nachkriegsjahren neue Nahrung und eine neue, meist sehr traurige Ak­tualität gewonnen hat nicht nur in Dichtung und Phantasie, sondern auch im wirklichen Leben: es ist die Geschichte vom totgeglaubten Heimkehrer.

*

Man hat die im Mittelpunkt der Handlung stehende Gestalt einen anderen Enoch Arden ge­nannt; aber das ist nicht ganz zutreffend insofern, als der hier nach sechzehn Jahren Wiederkommende keineswegs wie jener stumm verzichtet, sondern im Gegenteil den Kampf aufnimmt den Kampf um seine rechtliche Existenz, um sein Leben, um seinen Namen, der doch von Amts wegen ausgelöscht ist, um seine Frau und um seinen materiellen Besitz, der mit seiner Frau längst in die Hände eines an­deren übergangen ist. *

Man weiß aus dem Leben, aus der Zeitung (es fei nur an den italienischen Canella-Prozeh erinnert, der vor einiger Zeit fast die ganze Welt beschäftigt hat), daß dergleichen Fälle vorgekom­men sind und nicht einmal selten waren. Verhält­nismäßig ungewöhnlich sind hier freilich die Vor­aussetzungen und die näheren Umstände, unter denen das Drama sich abspielt.

Ein deutscher Reserveoffizier ist während eines Angriffs bei Dünaburg zum letzten Male gesehen worden, wird als vermißt gemeldet, für tot erklärt (auf einen späteren Antrag seiner Frau), ist aber am Leben geblieben, hat freilich damals mit dem Bewußtsein auch das Gedächtnis verloren, arbeitet nach Kriegsende in einer russischen Fabrik und fin­det durch einen Zufall nach Jahren wieder den Weg zurück in die Vergangenheit und das schon ausgelöschte frühere Leben: eine deutsche Delegation besichtigt das russische Werk, einer der Herren hat eine deutsche Zeitschrift bei sich, in die der namen­lose Arbeiter einen Blick wirft; und mit den Bil­dern aus seiner Heimat kommt ihm die Erinnerung, er kehrt heim nach Deutschland und beginnt als ein Wiederauferstandener gleichsam den Kampf um ein neues ober um sein altes Leber

unverwischbares Fragezeichen übrig

ein

ober

bleiben.

*

sehen sein.

-r-

Gesicht oder Gestalt in einer kurzen Szene flüchtig erscheint und wieder verschwindet.

Der Film wird morgen zum letzen Male hier zu

Helene Thimig erscheint als die Frau des Verschollenen; sie gibt hier ihre erste Filmrolle, aber mit der ganzen Innerlichkeit und der frau­lichen Zartheit des Gefühls, die man auf der Bühne

Alles anders als bei uns.

In China, dem Lande der ältesten Kultur, ist eine so großartig geschlossene Weltanschauung ent­standen, wie sie in der Geschichte der Menschheit sonst wohl nur dem klassischen Griechentum be- schieden war. Aber dieser Geist des Ostens, der passiven Hingabe an die Geheimnisse des Weltalls, ist der aktiven Meisterung der Natur durch den Westen entgegengesetzt, und mögen auch heute Technik und Wissen des Abendlandes im Riesenreich der Mitte manche Umwandlung Hervorrufen, so

Diesen Kampf nun schildert der Film mit einer Spannung, einer Eindringlichkeit und Lebensnähe, die zugleich unheimlich und erschütternd ist; was da vor den Augen des Zuschauers und Hörers abrollt, weckt Empfindungen, die man mit dem klassischen und heute ein wenig aus der Mode ge­kommenen BegriffFurcht und Mitleid" bezeich­nen möchte. Es würde zu weit führen, den Kampf in allen Einzelheiten und allen Phasen zu beschreiben; das kann auch nicht die Aufgabe eines Berichtes fein, der nur die Umrißlinien der Fabel anbeuten unb barüber hinaus sagen will, was von grundsätzlicher Bebeutung erscheint: ber einzige schwache unb für unser Gefühl angreifbare Punkt im Gefüge bes inneren unb äußeren Geschehens ist bie Tatsache, baß bie eigene Frau ben Heim­kehrer nicht erkennt, wenn ihn schon von all ben anbern, bie ihn früher kannten, niemanb mit feinem Namen anreben will. (Allerbings ist bie Gestalt der Frau, sehr geschickt, bis zuletzt nicht völlig durch­schaubar und immer ein wenig verschleiert, zwei­deutig ober ungewiß in bem, was sie sagt, bentt unb tut bei biefer ungeheuerlichen, urnfturaenben unb verwirrenben Begegnung ober Wleberbegeg-

Regie führt Gustav U c i ck y ; er hat sich längst di- Sporen uerbient und sein Sonnen bewiesen, aber wir vermögen aus dem Gedachin.s keine stärkere Leistung von ihm ZU nennen als diese. Stan fpütt, wie die Fabel ,hu gereizt und gefesselt Nntttch dieser Stoff gerade für eine filmische ®e- nnihina neeianet war, unb ihm gelang hier bie Verschmelzung eines handgreiflich-nüchternen Nea- Sug mit jenem Visionären Spukhaften unb fii^erorünbigen, bie uns ein Wesensmerkmal bes Bramas »om Mann ohne Namen zu fein scheint.

Die ungemein feinfühlige unb technisch be­herrschte Inszenierung wird unterstützt durch ein

Ensemble von Schauspielern, bas sich prachtvoll er­gänzt unb selbst für kleine Chargen den richtigen Mann zur Verfügung stellt. Im Zentrum dieses ungewöhnlichen Ensembles steht Werner Krauß, ben man leider nur selten im Film zu sehen be­kommt, obwohl er heute unbestreitbar zu ben fünf ober sechs ganz großen Schauspielern in Deutsch­land gehört. Er scheint merkwürdigerweise, für diese Rolle nicht weniger geschaffen als für den Wallen­stein oder den Gneisenau oder den Napoleon. Der Umkreis seiner Gestaltung und die Kraft seiner Ausstrahlung können unmöglich mit der Benen­nung des Heldenfaches umschrieben fein. Er ist nicht nur einer der männlichsten Schauspieler, son­dern ein Menschenbarsteller von hohen Graden, der von innen her spielt, spricht, lebt, kämpft und mit- zuteilen weiß, was in einem vorn Schicksal Ge­schlagenen vorgeht; so rundet sich unvergeßlich die Gestalt eines Mannes, der ein Liebender und ein Leidender ist, ein Revenant unb ein Michael Kohl- Haas bes Weltkrieges.

rJer^L nie zu einer wirk-! an ihr so oft bewundern konnte. Maria Bard bas Problem ift tn ML $ ^naen es gibt (Kraußens Frau) ist bas Gegenbilb, seelisch unb

üd) befriebigenden L s g 3 scheinende äußerlich, sprühend von Temperament unb deweg-

teine, auch bie verh obschließt In ber viel-sicher Einsatzbereitschaft. Falk en st ein, längst rtf *' ^'m^ffb lfi.n? de? gleichen unterschieblich ab-! verstorben, taucht hier wieder auf in einer seiner faltigen Gestaltung be ^^ch auch seit schönsten unb beherrschtesten Rotten; Wiemann, °EnvL Ärb-n" - all- 'mög-ich°n Zungen versucht Äint-rst-in, ®ü1ftorff unb Braus -- (Snod) Kirben au ersucht, unb immer i m e 11 e r können nur eben genannt werben, ob-

roorben, «der eben im Wenn und Ader! wohl jeder von ihnen ausführlicher beschrieben zu

und überall wird noch ein i 6 ~ 3ei(f.cn übrig I werden verdiente neben manchem andern, dessen